Der April in Bildern

Ein Wonnemonat mit frühsommerlichen Temperaturen und einer Flora und Fauna, die eigentlich Mai heißt,

kühle Schatten schon willkommen waren

und lieber Besuch die letzten Apriltage beschwingten und bereicherten.



Mit diesem Beitrag verabschiede ich mich für eine Weile, ich lege eine Blogpause ein. Wie immer werde ich die Sonntagsbilder weiterführen und bestimmt auch einmal hier und dort lesen. Mich rufen nun der Garten, die Wälder, Wiesen und Felder.

Ich wünsche euch allen eine gute Zeit, sende herzliche Grüße und meinen Dank an alle für alles.

 

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Boote und Schiffe 010

Klabauter

Eine Blogparade der Boote und Schiffe ins Leben zu rufen und nicht einmal den Klabautermann zu erwähnen geht gar nicht!

Der Klabautermann, Kalfatermann oder Klabattermann (von niederdeutsch klabastern „poltern“, „lärmend umhergehen“ oder von ebenfalls niederdeutsch kalfatern „mit Pech und Werg abdichten“) ist im seemännischen Aberglauben ein Schiffsgeist oder Kobold, der – meist unsichtbar – den Kapitän bei Gefahren warnt. Die Figur des Klabautermannes ist verbunden mit der Segelschifffahrt. Er hilft beim Schiffbau, beim Dichten des Schiffsdecks und treibt gerne Schabernack. An Bord macht er sich durch Polter- und andere Geräusche bemerkbar. Man sagt: „Wenn er klopft, bleibt er, wenn er hobelt, geht er.“ Sein Aussehen gleicht dem eines Matrosen – mit Hammer und Pfeife, manchmal auch mit Seemannskiste, mit roten Haaren und grünen Zähnen. Zeigt er sich, so ist dies ein schlechtes Zeichen. Er verlässt das Schiff erst, wenn es untergeht.

mehr → https://de.wikipedia.org/wiki/Klabautermann

Die (für mich) wunderbare Zeichnung eines Klabautermanns (© by Týra Alrune Sahsnotasvriunt) fand ich vor vielen Jahren hier → https://paganmeltingpot.wordpress.com/2015/01/24/the-klabautermann-a-northern-german-water-goblin/

In dem Zyklus „Die Närrin und die kleine Stadt“ tauchte diese Klabauterzeichnung immer mal wieder auf.

Jetzt hatte ich Freude alle diese Figuren wiederzusehen und mich an die kleinen Geschichten dahinter zu erinnern.

Le sacre du printemps

Auch freute ich mich wieder über die verschiedenen Figuren der Närrin, ob nun von mir zusammengesetzt oder entlehnt, und all dem, was in der kleinen Stadt während dem Reigen von Frühling, Sommer, Herbst und Winter passierte.

Die Närrin wäre nicht die Närrin, wenn es nicht ab und zu etwas undurchsichtig gewesen wäre … oder gar chaotisch?!

Ich höre im Hintergrund freudig Coyote heulen, sehe ihn grinsen… → https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/09/01/das-ostschild/


Zur Geschichte →

Manche erinnern sich vielleicht noch daran, dass einst der Holzmann von seinem Baum herabgestiegen ist?

Das ist sehr beschwerlich gewesen. Er musste sich erst einmal ausruhen, bevor er ins Holzboot steigen konnte. Rabe ist der Steuermann gewesen. Wer sonst?

Sie wurden schon in der kleinen Stadt erwartet. Alle waren gekommen, mit Musik, Tanz und Winken.

Holzmann musste weiter. Er hielt großen Rat. Mondsichel ist die Zeugin gewesen.

Dereinst die Närrin ihre Wanderschaft wieder aufnahm. Es begegnete ihr dies und das und dieser und jener und anderes… → https://cafeweltenall.wordpress.com/galerie/

Der Frühling ging, der Sommer kam, sie fand ein Boot und kehrte in die kleine Stadt zurück. Alle sind gekommen, mit Musik, Tanz und Winken. Die Taube saß auf ihrem Kopf und gurrte Freude und Frieden. Sie hatte ihre Gestalt verändert. Sie ist Närrin und Wanderin geblieben. An diesem Tag war Klabauter ihr Steuermann gewesen. Wer sonst?

Die Närrin wanderte durch die kleine, sommerliche Stadt. Es begegnete ihr dies und das und dieser und jener und anderes… und dann zog sie weiter. So macht das die Närrin.

Manchmal steuert sie der Klabauter und machmal nimmt sie eine Fähre. Manchmal wandert sie durch die Straßen und manchmal schaut sie ihre Gesichter.

So macht das die Närrin; so und anders.

Und Schiffe kommen

und gehen.

Und Schaufelraddampfer ist das 92. Wort in der freien Enzyklopädie der Schiffbezeichnungen, aber nicht das letzte.



Und immer wieder Verwandlung

Vom Segelschiff zum Ozeandampfer. Von Glasbeinchen zum Seemannsgang. Wenn jetzt nur nicht ein Beben kommt, mitten auf der See. Kein Horizont in Sicht. Nur Möwengeschrei. Woher, wohin, raunen die Wellen im Schaukelgang. Es war mehr als ein erster Schritt nötig, um die Richtung nicht mehr zu verlieren. Ein Ufer, eine Insel, eine Palme … vielleicht, oder ein Gegenüber, ein Miteinander. Einsam trieb das Segelschiff. Es füllte sich der Ozeandampfer. Anker lichten, das Ziel hat keinen Ort auf der Meereskarte, es will nur erreicht werden. Wal weist den Weg. Er, der von der Liebe singt.



Links

Petra zeigt Nachtschiffe, dazu gehört ein (mich) sehr berührender Text →  https://pawlo.wordpress.com/2018/04/23/schiffe-bei-anbruch-der-nacht/

ein weiteres Thema von ihr ist Hoffen und Bangen → https://pawlo.wordpress.com/2018/04/25/wir-bangen-wir-hoffen/

Pit lässt uns an einer Großsegler-Parade in Galveston teilnehmen → https://pitsfritztownnews.wordpress.com/2018/04/25/navigare-est-vivere-on-board-during-the-tall-ships-parade-in-galveston/

Susanne (Haun) hatte mir zunächst geschrieben, dass sie es bedauert, dass sie gerade wenig Zeit hat und sich deswegen leider nicht an der Blogparade beteiligen kann. Das hat sich nun aber zu meiner Freude verändert und somit ist Susanne doch noch mit im Boot  → https://susannehaun.com/2018/04/24/boote-haben-fuer-mich-etwas-von-sehnsucht-und-fernweh-susanne-haun/

https://susannehaun.com/2016/07/09/dantes-barke-der-wellen-und-wogen-70-x-50-cm-zeichnung-auf-leinwand-von-susanne-haun/

https://susannehaun.com/2011/07/22/akt-und-landschaft-zeichnungen-von-susanne-haun/

Der alte Mann und das Meer – Zeichnungen von Susanne Haun – 2.Teil

Trauminsel – Zeichnung von Susanne Haun

Artis und K – Zeichnungen zur Arktis von Susanne Haun

Gerda hat eine Zusammenstellung von Schiffsdarstellungen mit unterschiedlichen Materialien eingestellt → https://gerdakazakou.com/2018/04/23/boote-und-kein-ende-kohlezeichnungen-akryll-collagen-mixed-media/

und ein Bild, das für mich ein wunderbares Finalebild ist: Ausfahrt der Segelboote → https://gerdakazakou.com/2018/04/24/rueckblende-malerei-ausfahrt-der-segelboote/



Anmerkung

Das Schilfboot habe ich aus einem der Bilder von Emily geschnitten → https://bellaremyphotography.com/2018/04/12/suriqui-island/

Musik und eine Geschichte

Yepp, das war DER song (das Video sehe ich gerade zum ersten Mal)!

Es war einmal … wir schrieben das Jahr 1997 (ja, lange her, aber unvergesslich), ich traf dich wieder. Ich wollte nicht fühlen, was ich fühlte. Ich fand ein vierblättriges Kleeblatt. Noch nie hatte ich ein vierblättriges Kleeblatt gefunden. Ich taumelte durch Wiesbaden. Ich wollte nicht fühlen, was ich fühlte, zu absurd erschien es mir. Ich tat etwas, was ich selten tat, ich ging in einen Musikladen und fand die CD von Luscious Jackson „fever in, fever out“. Ich hörte hinein und ich fühlte noch viel mehr, es gab kein Entrinnen. Es war keine Frage mehr, ich wehrte mich nicht mehr. Ich kaufte die CD, steckte das vierblättrige Kleeblatt hinein und fuhr zu dir.

Ich bin schüchtern, wenn es darauf ankommt, aber ich schenkte dir die CD mit dem vierblättrigen Kleeblatt. Mehr hat es nicht gebraucht. Du hast verstanden. Wie du vielleicht immer mehr verstanden hast als ich wahr haben wollte?!

Wir kommen nicht aneinander vorbei. Noch immer nicht. Und das ist gut so. Lange Wege, viele Jahre und so manchen Knoten haben wir gelöst und die nicht gelösten drücken gerade nicht mehr.

Papiercollage von 1997

Falls sich Eine *r von euch an die DarstellerInnen auf der Collage erinnert und mir sagen kann aus welchem Film sie sind, dann freue ich mich sehr, ich erinnere mich nicht mehr und habe jetzt stundenlang (gefühlt) deutsche Filme der 1980er und 1990er Jahre geguggelt, aber ich fand ihn nicht – MERCI – ich weiß nur noch, dass ich ihn damals sehr mochte…

Griechenlandfotos 06

Flora und Fauna – jetzt kommt der Frühling (und das Ende Februar)!

Noch in Athen

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Zu meiner Freude „erwischte“ ich noch ein Mimosenbäumchen bevor es ganz verblühte

Und nun die Mani

Bei diesen Wiesen dachte ich immer wieder an Ostern und an rot gefärbte Eier. Überall unter den Olivenbäumen wuchs gelb blühender Klee, der, wenn man es nicht weiß, aus der Ferne betrachtet frisch grüne Wiesen mit gelben Blümchen suggeriert.



Anemonentanz

Ein Aronstabgewächs

Ein Blütenpotpourri

Ein aufrechtes Alpenveilchen

Die junge Palme in Gerdas Garten

Ja, hier lässt es sich leben, besonders im Frühling, Herbst und Winter, im Sommer hätte ich bestimmt Probleme mit der Hitze und müsste erst einmal lernen mit ihr umzugehen. Andererseits geht es ja nicht nur mir so, es braucht dann einen anderen Tagesrhythmus: am frühen Morgen und ab späten Nachmittag vor der Türe sein und in der Mittagszeit dann die Kühle des Schattens und der Häuser aufsuchen und die Nächte unter dem Sternenhimmel verbringen, so, wie es auch Gerda und ihr Mann halten.

Eins würde ich ganz bestimmt tun: durch die Berge streifen und Kräuter sammeln, so, wie es auch heute noch viele GriechInnen tun. Diese werden dann auf den Märkten verkauft.

Jetzt war Fastenzeit in Griechenland, d.h., dass fast gar keine Fleischgerichte in den Tavernen angeboten wurden (ich habe nichts vermisst!), dafür aber z.B. wild gesammelte kleine Zwiebeln, die eingelegt werden und ganz köstlich schmecken. An die griechische Küche könnte ich mich sofort gewöhnen, so viel Frisches, hier und da einen Fisch oder gegrillten Oktopus, dazu immer eine Karaffe Wasser und ein Körbchen mit Brot auf dem Tisch und eine kleine Süßigkeit zum Nachtisch. Es gibt wunderbare Kuchen, Plätzchen und Halva in verschiedensten Varianten, die Süße ist gerade richtig, nicht zu viel und nicht zu wenig.

Ich mochte auch sehr den Brauch viele kleine Speisen zu bestellen, die auf kleinen Tellern seperat gebracht werden und dann von allen zusammen gegessen werden, da bekommt das Wort Mahlzeit wieder einen Sinn. Vielleicht habe ich es schon einmal geschrieben, dass ein Lehrer von mir einstmals sagte, dass das Wort Mahlzeit von „Vermählung“ kommt und wirklich, ich esse am liebsten in freundlicher Gesellschaft.

Fortsetzung folgt…

Immer wieder schön

 

Bei diesem Festival bin ich damals dabei gewesen, unvergesslich, ganz besonders eben Oregon und dieser phantastische Oboist!

Molde ist eine Stadt in Norwegen, am Moldefjord gelegen, gegenüber leuchten 82 schneebedeckte Gipfel, ein Traum für ein Jazzfestival mit einem Zeltplatz, der auf dieses Panorama blicken ließ!

Raunächte

Diesen Text stellte ich schon einmal am 05.01.2016 ein. Zwei Jahre ist es her – dieses Mal habe ich die rauen Nächte nicht ganz so rituell gestaltet, aber die eine und andere Frage tauchte auch nun wieder auf, wenn auch in einem neuen Gewand, wir gehen in Spiralen…

(auch dieses Bild zeigte ich schon einmal, nun hier, weil es mir so passend erscheint, im Artikel vom 05.01.2016 waren es andere – wie immer: draufklick = großes Bild)

Und dann ist doch wieder alles so schnell vorbei. Die Magie, der Glanz, die Tiefe und der Klang der Zwischenzeit, der Zwischen-den-Jahren-Zeit, der Rauhnächte-Zeit.

Wieviele dieser Nächte man zählt, ist eine Geschichte für sich und was man mit dieser Zeit verbindet auch. Ich zähle ab Wintersonnenwende dreizehn Nächte und Tage und dann noch einmal 3 Nächte und Tage still. Vorgestern schon war meine dreizehnte Nacht. Ich lud sie ein, die Dreizehn, die Unbekannte, Ungewisse, Geheimnisvolle, die Herausforderung, Koyote und Närrin, Stolper- und Prüfstein.

Was ist Gabe, was Geschenk, was Talent, was Aufgabe, worin liegt die Verantwortung, was hat Priorität, was ist noch offen, was geht voran? Was braucht einen Schubs? Was darf frei gegeben werden und wohin geht es, wenn es frei ist? Was ist Kern, was ist Schale, was noch immer Angst?

Solcherlei Fragen stellte die Dreizehnte. Mit diesen sortiert es sich. Bei manchen Fragen lässt es sich leicht austatmen: gut … das weiss ich, bei anderen versuchen die Hände noch immer den Mond im See zu greifen. Da höre ich die Alte lachen und Koyote hockt in den Ostbergen und heult dazu. Ich steige aufs Rad, weiter gehts. Wie immer … vor und nach der Zwischenzeit, der Zwischen-den-Jahren-Zeit, der Rauhnächtezeit.

Heute Nacht schaue ich noch in den Sternenhimmel, hoch flog die Asche der verbrannten Zettel, weit fliegen die Wünsche, tief ist die Nacht. Die Alte ist fort, ihr Lachen verklungen, Koyote schweigt, lautlos fängt der Fuchs die Maus. Ich hab noch Zeit und immer wieder noch einmal Zwischenzeit …

Gen Ende

Meine Winterpause beginnt bald – Wintersonnenwende – Raunächte – Stille, hier, wie anderswo, aber noch fehlen der Zwölfmonatsblick #10 und das Sonntagsbild #51 (#52 schenke ich mir, es ist die Leerstelle dieses Jahres)

Hier zeige ich euch meine Lieblingsfotomontagen aus dem Jahreszyklus 21.12.2016 – 21.12.2017

draufklick = großes Bild (= Bestellnummer)

Wer sich das eine oder andere Bild an die Wand hängen mag, die oder der schreibe mich an (ulli.gau ad web.de) – Preise, Formate und Ausführung sind verhandelbar, die Bilderpoetin grüßt herzlichst.

Und wenn wer wissen möchte, wie es Poeten und Poetinnen in Worten und Bildern geht, die oder der lese sehr gerne hier → http://irgendlink.de/2017/12/16/alles-2/

Ich wünsche euch allen eine fröhliche Weihnachtszeit, magische Raunächte, einen guten Rutsch hin zu 2018 –

Danke, dass ihr mir folgt, mich lest, kommentiert oder einfach nur stille Leser *innen oder Schauer *innen seid, ohne euch wäre ich ärmer!

Mein besonderer Dank gilt Gerda Kazakou, die für mich eine wunderbare Inspiration ist, wie man an dem einen und anderen Bild sehen kann und Irgendlink (s.o.) für seinen schnörkellosen Blick auf das was ist…

Und nun noch Musike

Vielleicht werdet ihr euch über diese Musikauswahl wundern, aber hej, die Welt, so, wie wir sie lieben und kannten und noch kennen ist nicht mehr die Welt, die wir lieben, kennen und kannten, es gilt mit all dem leben zu lernen und am Ende immer noch zu sagen: I feel fine (nein, das ist nicht einfach!)…

Sonntagsbild #48

Aus meinem Bilderarchiv

der Laacher See

die Galerie öffnet sich, wenn du ein Bild anklickst

Schon lange wollte ich einmal die Bilder vom Laacher See zeigen, die ich im September diesen Jahres aufnahm. Weil ich gerade keine Zeit für Neues habe, greife ich auf bisher nicht Gezeigtes zurück.

Den Laacher See findet man in der Vulkaneifel. Wiki schreibt folgendes dazu:

Obwohl der Laacher See oft als „das größte Maar der Vulkaneifel“ bezeichnet wird, ist er geologisch gesehen weder ein Maar noch ein Kratersee, sondern eine wassergefüllte Caldera – ein mehr oder weniger kreisrundes Becken, das durch das Absacken der Decke der entleerten Magmakammer unterhalb des Vulkans entstanden ist. Im Laufe der Zeit kann sich ein solcher Kessel mit Wasser füllen. Der Laacher See ist in der Eifel, neben dem benachbarten Wehrer Kessel, die größte Caldera und die einzige wassergefüllte in Mitteleuropa.

mehr dazu hier →

Die Bläschen, die auf den ersten drei Bildern zu sehen sind, sind tatsächlich Bläschen und keine Wasser- bzw. Regentropfen. Der unter dem See liegende Vulkan arbeitet immer noch, das aufsteigende Kohlenstoffdioxid ist der Beweis. An diesen Stellen liegt ein leicht schwefeliger Geruch in der Luft. Man findet dieses Phänomen am südöstlichen Ufer.

Euch einen schönen Sonntag, mit oder ohne Kerze.

Dunkelkammer

Auf der Suche nach der Dunkelkammer läuft sie durch ihr Erinnerungslabyrinth -Treppen hinauf und hinunter, lange Flure, viele Türen und der Schlüssel bleibt verschwunden.

Gab es einen Anfang oder war es der fließende Übergang vom Mädchen zur jungen Frau; noch so jung und noch so klein. Das einst so große Mädchen wuchs nicht mehr. Erst hatte sie alle Gleichaltrigen überragt, dann gehörte sie plötzlich zu den Kleinsten, wenn auch nicht zu den Schmächtigsten.

Laufen war nie ihre Disziplin gewesen, hoch springen schon, Stufenbarren und Schwebebalken auch und unter der Woche die Fußbälle der Jungen halten.

Ob Spirale oder Labyrinth, es gilt einen Punkt zu erodieren. Dann eben der Umzug. Alle Freundinnen und Freunde blieben zurück, kein Hof mehr, kein Völkerball am Nachmittag, keine Torbewachung unter der Woche; nur öde Einfamilienhäuser in Reih und Glied und ein Ort, den sie Mettwurst nannte. Noch im Umzugswagen hatte sie geheult und gezetert

-Ich will nicht nach Mettwurst!

Ab jetzt wurde der Schulweg lang, er reichte von 6h am Morgen bis kurz nach 15h am Nachmittag. Zwei Busse hin, zwei zurück und keine Freundin mehr am Nachmittag, nur eine Kastanie vor ihrem Fenster. Immerhin. Auch keine Freundin in den Schulbänken. Nonnen als Lehrerinnen oder verschrobene Fräuleins, keine Lehrer, nur Jesus hing am Kreuz und mit ihm waren alle Nonnen verlobt. Nun denn… Die Mitschülerinnen kamen aus reichen und neureichen Familien, sie war das Bahndamm-Keller-Kind und sprach ihre Sprache nicht.

All das blinkt jetzt wieder auf, wie schon so oft, wenn sie sich auf die Suche nach der Dunkelkammer begibt. Und dann, gerade jetzt, fegt der Sturm in ihr Zimmer hinein, mit einem lautem Krach fällt ein Stein von der Fensterbank, die Stiftetasse fällt um, nichts ist zerbrochen. Soll sie aufhören? Sie glaubt an Zeichen.

Doch genau in diesem Augenblick erinnert sie sich wieder: es ist neun Jahre her, als sie dem Wald ihre Lebensgeschichte erzählt hatte. Alles Unsägliche hatte sie ausgesprochen, alles Dunkle war ans Licht gekommen – und alle Scham. Am Ende hatte sie sich selbst im Arm gehalten: wie klein sie noch gewesen war, wie groß sie hatte sein müssen und wollen und Mutter war mit sich beschäftigt gewesen.

Das Blut war viel zu früh gekommen, wie immer alles viel zu früh gekommen war: der Tod, die Schule, die Fruchtbarkeit, die Anzüglichkeiten, der Verlust, die Einsamkeit, die Zigaretten, die Mutproben, der Alkohol. Mitten im Wald war die Türe der Dunkelkammer aufgesprungen, alle Dämonen waren auf einmal herausgestürmt. Zuerst hatte sie geschrien, dann geflüstert, dann geweint, dann war auch das vorbei. Sie hatte einen Besen genommen und allen Unrat dem Wald für die Kompostierung übergeben, die Dämonen hatte der Wind mitgenommen. Über ihr spannte sich der blaue Himmel, er war Trost und Schutz in einem, unter ihr die Erde, die sie hielt. Sie ging zum Fluss.

Nichts geht verloren, nichts bleibt wie es einmal gewesen ist und nicht alle Geschichten muss ich teilen.



für tikerscherk →

1000 Tode

Es ist schon eine Weile her, dass der Frohmann-Verlag für sein Projekt „1000 Tode“ Texte gesammelt hat. 1000 Texte von 1000 verschiedenen Menschen wie sie mit dem Tod und der Trauer umgegangen sind, respektive umgehen, wie ihre Sicht auf Tod und Trauer ist. Ich habe gestaunt wieviele Blogger*innen, denen ich folge und sie mir, dort zu finden sind. Mein Text erschien unter der Nummer 225, auf Nachfrage stelle ich ihn nun hier ein.

225

Hatte sie eigentlich damals getrauert? Diese Frage war in diesem Jahr schon einmal aufgetaucht. Sie hatte in ihrem Auto bei prasselndem Regen vor einem Bahnhof gesessen, der Zug ihrer Freundin kam eine Stunde später. Viel Zeit. Es stellte sich ihr die Frage plötzlich, unerwartet, ohne Vorgeschichte.

Die Erinnerung ist ein Standbild ohne Ton.

Das Telefon hatte geklingelt, ihr Neffe rief sie an: „Die Omma ist tot.“ Die Omma war ihre Mutter. Ab da wurde es still. Sie weiß, dass er ihr noch das Wie und Wann erzählt hatte, dass sie ihm Fragen gestellt und seine beantwortet hatte, an all das erinnert sie sich, nur ohne Ton. Danach hatte sie auf der Treppe gesessen, hatte über das Hochtal geschaut, über die Alpen bis in den Himmel und zurück. Tagelang. Es kann nicht stimmen, es fühlt sich nur so an. Eingefroren, Stille, bis am Abend das Käuzchen rief. Mutter hatte immer gesagt, wenn sie es hörten:

Jetzt ist jemand gestorben.“

Sie sagte: „Mutter, es ist gut, ruhe in Frieden.“

Zur gleichen Zeit schaute der Neffe inmitten einer Kleinstadt aus seinem Bürozimmer, es stand ein Reh am Rand der Büsche der betriebseigenen Grünanlagen, unverwandt schaute es ihn an.

Machet jut Omma“, hatte er gedacht. Das Reh sprang davon. Er hatte es nur ihr erzählt, weil nur sie ihn nicht auslachen oder für verrückt erklären würde. Sie schwiegen und ahnten, dass es mehr geben müsste, mehr als Leben und Tod. Etwas dazwischen, darüber oder darunter.

Wie ist das für Eine, wenn sie die Mutter nie gespürt, nie unter ihrem Schutz gestanden hat? Wie war das für andere, als ihre Mütter starben? Mutter ist tot. Sieben Jahre schon, und sie weiß nicht, ob sie getrauert hat.

Sie war aufgestanden, hörte wieder den Bach rauschen und die Kirchenglocken ihren Viertelstundentakt schlagen. Sie hatte genickt und war ins Haus gegangen. Es war vorbei. Sie hatte nicht geweint, hatte keinen Schmerz gespürt, es gab nur diese Stille und ihre Worte am Abend

Ruhe in Frieden.“

Das Käuzchen war verstummt.



Ich konnte es nicht lassen und habe zwei, drei geringfügige Korrekturen vorgenommen. Heute würde ich den Text wohl anders schreiben, aber so ist das wohl…



zum Tod des Vaters → https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/09/30/miniaturen-vater/