Sonntagsbild #48

Aus meinem Bilderarchiv

der Laacher See

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Schon lange wollte ich einmal die Bilder vom Laacher See zeigen, die ich im September diesen Jahres aufnahm. Weil ich gerade keine Zeit für Neues habe, greife ich auf bisher nicht Gezeigtes zurück.

Den Laacher See findet man in der Vulkaneifel. Wiki schreibt folgendes dazu:

Obwohl der Laacher See oft als „das größte Maar der Vulkaneifel“ bezeichnet wird, ist er geologisch gesehen weder ein Maar noch ein Kratersee, sondern eine wassergefüllte Caldera – ein mehr oder weniger kreisrundes Becken, das durch das Absacken der Decke der entleerten Magmakammer unterhalb des Vulkans entstanden ist. Im Laufe der Zeit kann sich ein solcher Kessel mit Wasser füllen. Der Laacher See ist in der Eifel, neben dem benachbarten Wehrer Kessel, die größte Caldera und die einzige wassergefüllte in Mitteleuropa.

mehr dazu hier →

Die Bläschen, die auf den ersten drei Bildern zu sehen sind, sind tatsächlich Bläschen und keine Wasser- bzw. Regentropfen. Der unter dem See liegende Vulkan arbeitet immer noch, das aufsteigende Kohlenstoffdioxid ist der Beweis. An diesen Stellen liegt ein leicht schwefeliger Geruch in der Luft. Man findet dieses Phänomen am südöstlichen Ufer.

Euch einen schönen Sonntag, mit oder ohne Kerze.

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Dunkelkammer

Auf der Suche nach der Dunkelkammer läuft sie durch ihr Erinnerungslabyrinth -Treppen hinauf und hinunter, lange Flure, viele Türen und der Schlüssel bleibt verschwunden.

Gab es einen Anfang oder war es der fließende Übergang vom Mädchen zur jungen Frau; noch so jung und noch so klein. Das einst so große Mädchen wuchs nicht mehr. Erst hatte sie alle Gleichaltrigen überragt, dann gehörte sie plötzlich zu den Kleinsten, wenn auch nicht zu den Schmächtigsten.

Laufen war nie ihre Disziplin gewesen, hoch springen schon, Stufenbarren und Schwebebalken auch und unter der Woche die Fußbälle der Jungen halten.

Ob Spirale oder Labyrinth, es gilt einen Punkt zu erodieren. Dann eben der Umzug. Alle Freundinnen und Freunde blieben zurück, kein Hof mehr, kein Völkerball am Nachmittag, keine Torbewachung unter der Woche; nur öde Einfamilienhäuser in Reih und Glied und ein Ort, den sie Mettwurst nannte. Noch im Umzugswagen hatte sie geheult und gezetert

-Ich will nicht nach Mettwurst!

Ab jetzt wurde der Schulweg lang, er reichte von 6h am Morgen bis kurz nach 15h am Nachmittag. Zwei Busse hin, zwei zurück und keine Freundin mehr am Nachmittag, nur eine Kastanie vor ihrem Fenster. Immerhin. Auch keine Freundin in den Schulbänken. Nonnen als Lehrerinnen oder verschrobene Fräuleins, keine Lehrer, nur Jesus hing am Kreuz und mit ihm waren alle Nonnen verlobt. Nun denn… Die Mitschülerinnen kamen aus reichen und neureichen Familien, sie war das Bahndamm-Keller-Kind und sprach ihre Sprache nicht.

All das blinkt jetzt wieder auf, wie schon so oft, wenn sie sich auf die Suche nach der Dunkelkammer begibt. Und dann, gerade jetzt, fegt der Sturm in ihr Zimmer hinein, mit einem lautem Krach fällt ein Stein von der Fensterbank, die Stiftetasse fällt um, nichts ist zerbrochen. Soll sie aufhören? Sie glaubt an Zeichen.

Doch genau in diesem Augenblick erinnert sie sich wieder: es ist neun Jahre her, als sie dem Wald ihre Lebensgeschichte erzählt hatte. Alles Unsägliche hatte sie ausgesprochen, alles Dunkle war ans Licht gekommen – und alle Scham. Am Ende hatte sie sich selbst im Arm gehalten: wie klein sie noch gewesen war, wie groß sie hatte sein müssen und wollen und Mutter war mit sich beschäftigt gewesen.

Das Blut war viel zu früh gekommen, wie immer alles viel zu früh gekommen war: der Tod, die Schule, die Fruchtbarkeit, die Anzüglichkeiten, der Verlust, die Einsamkeit, die Zigaretten, die Mutproben, der Alkohol. Mitten im Wald war die Türe der Dunkelkammer aufgesprungen, alle Dämonen waren auf einmal herausgestürmt. Zuerst hatte sie geschrien, dann geflüstert, dann geweint, dann war auch das vorbei. Sie hatte einen Besen genommen und allen Unrat dem Wald für die Kompostierung übergeben, die Dämonen hatte der Wind mitgenommen. Über ihr spannte sich der blaue Himmel, er war Trost und Schutz in einem, unter ihr die Erde, die sie hielt. Sie ging zum Fluss.

Nichts geht verloren, nichts bleibt wie es einmal gewesen ist und nicht alle Geschichten muss ich teilen.



für tikerscherk →

1000 Tode

Es ist schon eine Weile her, dass der Frohmann-Verlag für sein Projekt „1000 Tode“ Texte gesammelt hat. 1000 Texte von 1000 verschiedenen Menschen wie sie mit dem Tod und der Trauer umgegangen sind, respektive umgehen, wie ihre Sicht auf Tod und Trauer ist. Ich habe gestaunt wieviele Blogger*innen, denen ich folge und sie mir, dort zu finden sind. Mein Text erschien unter der Nummer 225, auf Nachfrage stelle ich ihn nun hier ein.

225

Hatte sie eigentlich damals getrauert? Diese Frage war in diesem Jahr schon einmal aufgetaucht. Sie hatte in ihrem Auto bei prasselndem Regen vor einem Bahnhof gesessen, der Zug ihrer Freundin kam eine Stunde später. Viel Zeit. Es stellte sich ihr die Frage plötzlich, unerwartet, ohne Vorgeschichte.

Die Erinnerung ist ein Standbild ohne Ton.

Das Telefon hatte geklingelt, ihr Neffe rief sie an: „Die Omma ist tot.“ Die Omma war ihre Mutter. Ab da wurde es still. Sie weiß, dass er ihr noch das Wie und Wann erzählt hatte, dass sie ihm Fragen gestellt und seine beantwortet hatte, an all das erinnert sie sich, nur ohne Ton. Danach hatte sie auf der Treppe gesessen, hatte über das Hochtal geschaut, über die Alpen bis in den Himmel und zurück. Tagelang. Es kann nicht stimmen, es fühlt sich nur so an. Eingefroren, Stille, bis am Abend das Käuzchen rief. Mutter hatte immer gesagt, wenn sie es hörten:

Jetzt ist jemand gestorben.“

Sie sagte: „Mutter, es ist gut, ruhe in Frieden.“

Zur gleichen Zeit schaute der Neffe inmitten einer Kleinstadt aus seinem Bürozimmer, es stand ein Reh am Rand der Büsche der betriebseigenen Grünanlagen, unverwandt schaute es ihn an.

Machet jut Omma“, hatte er gedacht. Das Reh sprang davon. Er hatte es nur ihr erzählt, weil nur sie ihn nicht auslachen oder für verrückt erklären würde. Sie schwiegen und ahnten, dass es mehr geben müsste, mehr als Leben und Tod. Etwas dazwischen, darüber oder darunter.

Wie ist das für Eine, wenn sie die Mutter nie gespürt, nie unter ihrem Schutz gestanden hat? Wie war das für andere, als ihre Mütter starben? Mutter ist tot. Sieben Jahre schon, und sie weiß nicht, ob sie getrauert hat.

Sie war aufgestanden, hörte wieder den Bach rauschen und die Kirchenglocken ihren Viertelstundentakt schlagen. Sie hatte genickt und war ins Haus gegangen. Es war vorbei. Sie hatte nicht geweint, hatte keinen Schmerz gespürt, es gab nur diese Stille und ihre Worte am Abend

Ruhe in Frieden.“

Das Käuzchen war verstummt.



Ich konnte es nicht lassen und habe zwei, drei geringfügige Korrekturen vorgenommen. Heute würde ich den Text wohl anders schreiben, aber so ist das wohl…



zum Tod des Vaters → https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/09/30/miniaturen-vater/

Schreiben gegen rechts

Ende September erinnerte ich an die Blogparade 2016: Schreiben gegen rechts, nun geht es weiter, wenn auch anders. Anna möchte zusammen mit Vielen ein Buch der Zuversicht erstellen. Schau doch einmal hier:

https://annaschmidt-berlin.com/2017/10/08/schreiben-gegen-rechts-ein-buch-der-zuversicht/

Z = Zuversicht, damit beendete ich das Alphabet der mutigen Träume, erinnerst du dich noch…

https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/01/31/z-zuversicht/

Es gefällt mir genau hier den Faden wieder aufzunehmen. Ich bin sehr auf die Geschichten und Essays gespannt.

Fluss

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Ich habe noch immer den Fluss auf meiner Haut – das Gefühl seiner weichen Tonerde an den Füßen – ein heißer Tag liegt auf der Haut, abgekühlt im Fließen des grünen Wassers. Vertraute Wege hin und her – zurück fahre ich mit dem untergehendem Mond – Freundinnenworte im Ohr – Kinderjauchzen auch – Leichtigkeit, Selbstverständlichkeiten, Vertrauen und Wohlwollen.

– Four monthes and you will feel homy. Sterne blinken, Eulenkind ruft, eine Fliege brummt durch die nächtliche Stunde. Meine Nachtdecke ist gewebt aus Flusswasser, Tonerde und Sonnenschein. Drei Muscheln lagen klein und weiß auf dem Grund – drei Muscheln, immer noch klein, dann braun, als ich sie hob. Dreizehn Stecken brannten, das Alte darf gehen, das Neue sich Raum nehmen. Stille …

Kartoffelernte und Wichtelleuchten

Das Zimmer färbt sich rosa. Ich steige auf den Stuhl und schaue aus dem Dachfenster in die Weite. Ja, die Sonne geht gerade unter, irgendwo im Westen, dort wo der Berg dazwischen ist und etwas weiter der Atlantik seine Wellen an die Strände von Sand und Felsen wirft. Drei Pferde stehen auf der Ostseite auf der Weide, der Wald ist die Grenze. Noch sind die Schwalben hier. Sie kreisen eine spätabendliche Runde über die Weite gen Süden. Es riecht nach Feuer. Gestern auch. Gestern ernteten wir die Kartoffeln, die Enkelkinder und ich. Wir haben sie auch zusammen gesetzt! Aber wieviel spannender doch so eine Ernte ist … boah Oma guck mal, ist diiie groooß! Stimmt, so viele dicke Kartoffeln und so viele mit lustigen Formen. Die Sonne stieg hoch, wir schwitzten und machten unter dem Hollerbusch eine Pause, es gab Apfelsaft mit Kranewasser und für mich einen Tee, eine Zigarette. Der Enkelsohn hatte seinen Traktor mitgebracht, mit Hänger, klar … wir luden die erste Fuhre auf und er, ganz der Bauer (Oma, ich werde Bauer – große Glanzaugen) fuhr sie vom Garten den langen Schotterweg vor die Treppe. Dann füllten wir noch zwei kleine Eimer, die die beiden tragen konnten und ich schleppte den großen Korb hinunter. Was aus fünfzehn kleinen Kartoffeln geworden ist, kann ich selbst kaum fassen. Sooo viiiele Kartoffeln und so viele dicke, ich muss wirklich eine dumme Bäuerin sein und lache. Jetzt geht es ans versorgen, damit sie noch lange halten. Eine Ladung wird für den Abend in einen Topf gefüllt. Mittagsschlaf für den stolzen, kleinen Bauern. Die Große und ich sitzen auf der Terrasse, sie möchte schreiben, sagt Worte wie Stern, wie Mama, Papa, Oma, Opa und Namen. Ich zeige ihr die Buchstaben, manche kennt sie schon, weil sie die von ihrem Namen kennt, sie macht das wunderbar. Nur das S ist und bleibt eine Schlange. Am Nachmittag kommt die Frau Mama mit Quark und Salat und Tomaten. Die Kartoffeln kommen aufs Feuer, der Quark wird angerührt, klar mit frischen Kräutern aus dem Garten, dann der Salat. Es kommt J. mit ihren drei Kindern und plötzlich ist hier richtig viel Leben. A., die nette Nachbarin, hat zwei Riesenzucchinis in der Hälfte durchgeschnitten und höhlt diese nun mit den Kindern aus, es gibt lustige Wichtelgesichter, am Abend beleuchten sie den Tisch.Wie wunderbar das alles ist, wie ich das genieße! Und dann sitzen sieben Erwachsene und vier Kinder, ein Baby auf Mamas Schulter um den großen Tisch, das Feuer lodert wieder auf, alle essen, trinken und haben Spaß. Die Sonne ist untergegangen, müde und glückliche Kinder halten nach den ersten Sternen Ausschau. Und dann bye, bye, bis bald. Drei Große bleiben übrig, noch ein Bier und dann auch gute Nacht, slaap goed…

Stadt, Land, Fluss

Als ich noch das Mädchen gewesen bin lebte ich am Rand einer Stadt, ich fuhr durch Wiesen und Wälder mit der Straßenbahn in die Stadt hinein. Als ich die Heranwachsende gewesen bin lebte ich sehr ländlich, woran ich mich gewöhnen musste. Als ich noch die junge Frau gewesen bin, zog ich in die Stadt und fuhr oft hinaus aufs Land. Als ich später in den schwarzen Wald gezogen bin, besuchte ich immer wieder große Städte.

Sonntagsbild #29

puppets in the streets #13 – oder lost in memories

draufklick = großes Bild – please click to enlarge

Nein, lost in memories ist nicht dasselbe wie lost memories … ich widme dieses Bild Mützenfalterin und ihrer grandiosen Serie „lost memories“, aber schaut mal selbst → https://muetzenfalterin.wordpress.com/2017/07/19/lost-memories-18/ es ist schon das 18. Bild ihrer Serie, runterscrollen lohnt sich!

Ansonsten wünsche ich euch allen einen erholsamen Sonntag.

Du-Land

Und plötzlich sind wir wieder im Du-Land. Hier duzt jede jeden und umgekehrt und dann och noch auf Berlinerisch! Wie jerne ick dette höre!

Und alle helfen. An den ersten beiden Schleusen muss der gerade geborene Kapitän noch n´büschen üben, is noch n`büschen grrrün de Jong, nech?!

Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit und eine Prise Humor bei Regenwetter beim Hin und Her auf den Kanälen und Seen ist eine kleine Freiheit…

Und plötzlich sind wir den Enten und Schwänen ganz nah.

 

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(für Gerda…)