Nachdenkliches oder über degenerierte Zeiten

Patrul Rinpoche’s few personal belongings. Photo by Matthieu Ricard.

Patrul Rinpoche war ein Yogi, der von 1808 – 1887 lebte. Man spricht von ihm u.a. als Wandermönch, einige seiner Lehren kann man heute in Buchform nachlesen.

Auf dem diesjährigen Sommercamp hörte ich einen Vortrag über seinen Text: Heilsam am Anfang, in der Mitte und am Ende (Bücher s.u.).

In diesem Text spricht er über die degenerierten Zeiten, vielleicht nahm er damals schon Bezug auf seine aktuelle Zeit, vielleicht aber war es auch ein Blick in die Zukunft.

Degeneration wird mit einer vom ursprünglichen Zustand abweichenden negativen Entwicklung erklärt, man spricht von einem körperlichen oder geistigen Verfall, einem Abstieg, z. B. durch Zivilisationsschäden.

Ich spreche oft von dem kranken Zeitalter in dem wir leben, andere von einem dunklen Zeitalter, gleichzeitig stecken genau in diesen Zeiten unglaublich viele Möglichkeiten, die mir Licht schenken.

Wie auch immer noch wir diese Zeit benennen, die Alletage zeigen, dass viele Menschen aus ihrer Verbundenheit herausgefallen sind, da sie sich nicht mehr als Teil der Natur begreifen. Die Natur ist etwas, das man bekämpfen muss, die furchterregend ist, die man zähmen muss, die man ausbeutet, in die man seinen Müll schmeißt. Das gilt für die Wildnis, wie für die in jedem Menschen innewohnende Wildnatur. Macht, Geld und Haben sind für viele wichtiger als Mitmenschlichkeit, Bescheidenheit, Verbundenheit, Solidarität und Teilen.

Patrul Rinpoche sagte:

In Zeiten der Degeneration ist es selbst verwirklichten Meistern und Meisterinnen nicht möglich die Menschen zu erreichen, sie begreifen nicht.

Er fragt sich, ob man überhaupt anderen helfen kann und kommt für sich zu dem Schluss, dass die Menschen „dich“ und „deine“ gute Motivation missverstehen, dass es soweit gehen kann, dass sie „dich“ belächeln, „dich“ nieder machen.

Wenn du die Wahrheit sagst, werden die Menschen wütend, du wirst als Feind behandelt. Sie machen dich schlecht, halten dich für einen Betrüger. Die Allgemeinheit verachtet dich. Viele sind Schwindler und Lügner, trickreiche Gauner, sie benutzen süße Worte, dahinter aber steckt nur Eigennutz. In diesen Zeiten lohnt es nicht, sich über Politik zu unterhalten, weil du in diesen Zeiten nichts ändern kannst; lebe zurückgezogen, allein und sei frei.

Bei all dem, wo wir andere entlarven, geht es auch immer darum sich selbst, das eigene Handeln und die eigene Motivation zu überprüfen.

Patrul Rinpoche empfiehlt alleine in den Bergen zu leben, an der eigenen Entwicklung zu arbeiten, zum Wohle aller. Hierbei muss man allerdings seine Zeit bedenken, sowie, dass er eben in Tibet lebte, sich zurückzog, wanderte und lehrte. In Tibet gehörte es seit Jahrhunderten zur Tradition sich in einer Höhle in den Bergen zurückzuziehen, um zu meditieren und wenn es gut ging, durchaus auch die Erleuchtung zu erfahren.

Ich denke oft in diesen Wochen über diese Worte und Empfehlungen nach. Es ist für mich kein Zweifel, dass die Welt voll von Gaunern, Betrügerinnen und Betrügern ist, dass gelogen wird, sich selbst und den anderen gegenüber, dass Wahrhaftigkeit, liebende Güte und Mitgefühl fast so selten wie vierblättrige Kleeblätter sind.

Schon oft habe ich mich gefragt wen ich erreiche, wenn ich über politische Tagesthemen schreibe, wenn ich mich mit Themen ums Menschsein beschäftige und komme doch meist zu dem Ergebnis, dass mich nur die lesen, die wie ich auf dem Weg sind, die ähnlich bis gleich empfinden. Ich erlebe oft ein Gefühl der Vergeblichkeit, bin zornig oder traurig über das, was in dieser Zeit, auf dieser Welt geschieht, ob nun auf der menschlichen Ebene oder in Bezug auf die Natur. Daneben mache ich aber auch andere Erfahrungen, dass ich mit meinen Bildern und Gedanken inspirierend wirke, dass sich manches von dem, was ich vermittel, bei anderen Menschen fortsetzt, also auf fruchtbaren Boden fällt. Das ist wohl der Grund warum ich mich nach diesem Vortrag fragte, ob es für mich eine Lösung sein kann in die Wildnis zu ziehen, ob ich dort überhaupt alleine überleben könnte und wem dies schlussendlich dienen würde.

Davon einmal ganz abgesehen, dass wahre Wildnis immer rarer wird, ich kenne sie nur aus schwedisch Lappland (zur Erinnernung, ich gehöre nicht zu der Spezies der Weitgereisten) und auch dort wird sie immer begrenzter. Die Profitgier stoppt vor keinem Ort, solange dort etwas zu „ernten“ ist, dort heißt das Objekt der Begierde Erz und Wasser.

Doch zurück zu meiner Frage, hin zu meiner (vorläufigen) Antwort, nein, ich kann und will das nicht, nicht jetzt und nicht für immer. Jetzt will ich weiter Samen streuen, will an mir und meiner Entwicklung arbeiten und weiter von einem Jahr Auszeit in Lappland träumen, von Mittsommer zu Mittsommer, ohne Internet, ohne Handy (nur für Notfälle), ohne Freundinnen und Freunde, mit nur wenigen Büchern, aber vielen Leerbüchern und Stiften.

Die letzten Wochen haben mir eins gezeigt: ich möchte leiser werden, möchte wahrnehmen was ist, ohne übereilte, emotional durchtränkte Beiträge zu schreiben, denn damit ändere ich nun wirklich nichts! Und ich möchte viele Stunden vor der Türe verbringen, in Stille, in der Natur, auch wenn sie kaum noch wild zu nennen ist.



Ich möchte noch auf einen Beitrag auf hikeonart verweisen, den ich gestern las, Heike schreibt auf ihre Art und doch fand ich so viele Parallelen (gedanklich, gefühlsmäßig zu meinem heutigen Beitrag, den ich schon vor einigen Tagen vorbereitet habe →

https://hikeonart.wordpress.com/2018/09/18/beuys-du-fehlst/



Buchempfehlungen

Das Herzjuwel der Erleuchteten: Die Übung von Sicht, Meditation und Verhalten. Eine Abhandlung heilsam am Anfang, in der Mitte und am Ende – mit Texten von Dilgo Khyentse und Patrul Rinpoche – erschienen im Theseus Verlag

Die Worte meines vollendeten Lehrers von Patrul Rinpoche – erschienen im Arbor Verlag

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Sachlichkeit statt Polemik

Aus der Serie #die andere Seite – eingestellt am 02.09.2015 auf pixartix © Ulli Gau

Heute möchte ich zwei Artikel verlinken, die ich am Samstagabend im Netz fand:

https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2018-09/chemnitz-weimarer-republik-nazizeit-vergleich-rechtsextremismus

https://www.dw.com/de/nicht-nur-sachsen-alte-und-neue-rechtsextreme-in-deutschland/a-45365550

Ein Beitrag über Höcke und seine Machenschaften und seiner verbalen Gewalt ist hier zu finden: Gegen die Alternative für Deutschland hat ein neues Foto zu dem Album „Höcke, die Seele der AfD“ hinzugefügt. Wenn du auf „Höcke, die Seele der AfD“, und dann auf das Bild „Die Zeit des Wolfes ist gekommen“ klickst, kannst du den Beitrag lesen. Eine andere Verlinkung hat leider nicht geklappt. Nun habe ich außerdem erfahren, dass Höcke die Reden von Goebbels sehr eingehend studiert hat und diese in leicht abgeänderter Form, aber in selbiger Intention, veröffentlicht, mit dem Erfolg von viel Jubel – mir wird Angst und Bange –

Ich schätze Sachlichkeit, besonders bei politischen Themen und Stimmungen. Davon aber finde ich gerade im www nur wenig, besonders wenn ich mich z.B. auf Kommentare auf dem einen und anderen fb- oder twitter-Account einlasse. Oftmals fehlen Argumente und Aussagen, stattdessen wird sich verbal „ausgekotzt“ (sorry, aber so nehme ich es wahr), dabei spielt die politische Ausrichtung leider keine Rolle (Ausnahmen bestätigen die Regeln).

Zu meinem Artikel >Von Symbolen< schrieb Xraypics:

Hi, Ulli,
QUOTATION: “When I use a word,” Humpty Dumpty said, in rather a scornful tone, “it means just what I choose it to mean—neither more nor less.” “The question is,” said Alice, “whether you can make words mean so many different things.” “The question is,” said Humpty Dumpty, “which is to be master—that’s all.”
(LEWIS CARROLL Through the Looking-Glass,1872.)
Words are just as much a symbol of an idea as the picture you posted above. By the choice of those who appropriated it the swastika shifted from a Sanskrit good luck charm to a symbol of abomination. Now the symbol is our master it takes over part of our mind when we look at it.
As I write this, I take over and control a small part of your mind, you are reading this and it is me occupying your brain making it follow these words for this instant. So it is with the symbol be it a swastika or a cross, a flag, or a hammer and sickle, it is the master of us.
So a symbol like a word can have different meanings at diverse times, who knows if or when the swastika will ever shift back to its positive meaning?
Best wishes,
Tony

Worte haben, wie Symbole auch, Kraft und Macht, sie sind eine andere Form der Symbole. Und weil das so ist, ist mir an einer sachlichen Sprache gelegen. Wenn ich mich von Rechtsextremistinnen und Rechtsextremen abgrenzen will, dann ist Sprache ein Mittel meiner Wahl. Mir liegt nichts daran mich auch nur im kleinsten Detail mit ihnen gemein zu machen.

Das ging mir im übrigen schon in den frühen 1990er Jahren so, als ich mich, zusammen mit einigen Freundinnen und Freunden, dem aufkommendem Rechtsextremismus entgegenstellten. Als ich dann erlebte, dass Bekannte von uns sich ebenfalls mit Baseballschlägern bewaffneten und auch nicht davor zurückschreckten diese auch einzusetzen, zog ich mich zurück. Gewalt erzeugt Gegenwalt, es ist ein Ping-Pong-Spiel, niemand und nichts zwingt mich oder eine/einen anderen mitzuspielen!

Letztens fragte ich mich, wie vernünftig ist es, immer vernünftig zu sein? Ich kam zu dem Schluss, dass mich in vielen Feldern emotionale Reaktionen nicht weiter bringen, sachliche Argumente aber schon!

Ich bin nicht frei von Emotionen, ich reagiere nicht immer und überall sachlich, ich übe und es ist und bleibt ein Ziel, ich bleibe dran.

Noch etwas fällt mir immer und immer wieder in Diskussionen auf, ob nun hier oder in anderen sozialen Netzwerken oder auch im realen Leben, manchen geht es anscheinend nur darum Recht zu haben/im Recht zu sein. Ich vermisse Weite und Offenheit den Menschen gegenüber, die eine andere Meinung vertreten. Solange eine andere Meinung nicht menschenverachtend, rassistisch oder sexistisch geprägt ist, kann ich zuhören, hinspüren, nachspüren was mir mein Gegenüber gerade mitteilen will, wenn vielleicht auch nicht in wohlfeilen oder studierten Worten. Vielleicht ist mein Gegenüber simpel gestrickt, ist nicht geübt in Wortwahlen und „Wohlfeilem“ – nachfragen hilft, statt gleich zu beurteilen oder gar zu verurteilen, weil ein Schlagwort fällt.

Es stimmt einfach nicht, wenn immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt wird, dass jede und jeder sich schlau machen kann. Dazu braucht es mehr als nur die Möglichkeiten, die es zweifelsohne gibt. Bildung und damit die Fähigkeit zu differenzieren, zu hinterfragen ist nicht jeder und jedem gegeben (worden), mit ein Grund warum ich mich auch für Bildung einsetze und Anna nur zustimmen kann, wenn sie schreibt, dass Bildung ein Recht und kein Privileg ist.



Gerda hat am Samstag folgenden Beitrag auf ihrem Blog veröffentlicht → https://gerdakazakou.com/2018/09/08/meute-und-hetzjagd-klaerung-der-wortbedeutung/, wie man im Kommentarstrang nachlesen kann, bin ich nicht mit allem einverstanden, aber insgesamt stimme ich Gerda zu, wenn es um die Wortwahl geht. Es ist mir wichtig, wer welche Worte wann benutzt und warum – ob und was sie/er damit beeinflussen, implizieren will. Das gilt für alle politischen Strömungen!

Mir geht es nicht um recht und links, mir geht es um Menschlichkeit, um Freiheit und Geschwisterlichkeit, um Solidarität und Offenheit der/dem anderen gegenüber, diese Haltung lebe und vertrete ich und diese Haltung wünsche ich auch mir und meinen Meinungen gegenüber. Ich schrieb es schon oft: ich lerne gerne dazu, aber ich nehme mir auch das Recht zu sagen, dass ich mit dem einen und dem anderen nicht einverstanden bin. Im Vordergrund steht dabei immer die Sache, um die es gerade eben geht und nicht die Person.

Aus der Serie #die andere Seite – Dialog – eingestellt am 06.03.2015 auf pixartix © Ulli Gau



Anmerkung

Wie auf den Zeilen unter den Bildern zu lesen ist, handelt es sich um zwei Bildern von neun aus der Serie #die andere Seite, die 2015 auf „pixartix“ veröffentlicht wurde. Teilgenommen haben Fotografinnen und Fotografen, Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Coleur.

pixartix war eine Initiative von Sofasophia und Irgendlink. Die Seite wurde von ihnen (und später auch anderen) von Januar 2012 bis Juni 2016 moderiert. Die Anzahl der Bilder je Thema variierte, wie die Themen selbst auch. Neben ihnen gab es Zeiten für Intermezzi. Alle Themen, Bilder und Links zu den Teilnehmenden kannst du auf der Pixarix Seite finden → https://pixartix.wordpress.com

Kurzinfo am Sonntag

#Wir sind mehr

Außergewöhnliche Zeiten verlangen außergewöhnliche Maßnahmen. Zeichen setzen, das ist auch etwas, was jede und jeder kann, die/der will. Ich habe nun den hashtag wir sind mehr in mein Header-Bild eingefügt, wer dies auch tun möchte, kann sich die untere Grafik mitnehmen, draufklicken, Grafik speichern unter und dann eben einsetzen …

oder zu Anna gehen, ihren Beitrag lesen und den Button mitnehmen … https://annaschmidt-berlin.com/2018/09/02/wirsindmehr/

Tucholsky und mehr

aus dem Netz gefischt

Ich fand bei Ule Rolff im Kommentarstrang dieses Gedicht von Tucholsky, das ich heute mit euch teilen möchte, er schrieb es 1930.

Deutschland erwache

Daß sie ein Grab dir graben,

dass sie mit Fürstengeld

das Land verwildert haben,

dass Stadt um Stadt verfällt …

Sie wollen den Bürgerkrieg entfachen –

(das sollten die Kommunisten mal machen!)

dass der Nazi dir einen Totenkranz flicht –:

Deutschland, siehst du das nicht –?

Daß sie im Dunkel nagen,

dass sie im Hellen schrein;

dass sie an allen Tagen

Faschismus prophezein …

Für die Richter haben sie nichts als Lachen –

(das sollten die Kommunisten mal machen!)

dass der Nazi für die Ausbeuter ficht –:

Deutschland, hörst du das nicht –?

Daß sie in Waffen starren,

dass sie landauf, landab

ihre Agenten karren

im nimmermüden Trab …

Die Übungsgranaten krachen …

(das sollten die Kommunisten mal machen!)

dass der Nazi dein Todesurteil spricht –:

Deutschland, fühlst du das nicht –?

Und es braust aus den Betrieben ein Chor

von Millionen Arbeiterstimmen hervor:

Wir wissen alles. Uns sperren sie ein.

Wir wissen alles. Uns läßt man bespein.

Wir werden aufgelöst. Und verboten.

Wir zählen die Opfer; wir zählen die Toten.

Kein Minister rührt sich, wenn Hitler spricht.

Für jene die Straße. Gegen uns das Reichsgericht.

Wir sehen. Wir hören. Wir fühlen den kommenden Krach.

Und wenn Deutschland schläft –:

Wir sind wach!

 

Theobald Tiger

Arbeiter Illustrierte Zeitung, 1930, Nr. 15, S. 290.


Bei meinem vorletzten Beitrag „Ich habe Bauchschmerzen“ hatte ich so viele Kommentare wie wohl noch nie. Ich danke euch allen dafür!

Mir ist noch einmal bewusst geworden wie komplex das Thema ist. Es ist nicht damit getan, die Eskalationen in Chemnitz zu verurteilen. Dass es soweit kommen konnte hat Gründe, die zahlreich sind. Die meisten haben mit einer verfehlten Politik zu tun, einer Politik, die Handlangerin von Wirtschaftskonzernen ist, die sich nicht um die Ängste und Nöte der Menschen kümmert, die durch die Maschen gefallen sind oder Angst haben, dass es passieren könnte. Einer Elite, die auf Kosten von vielen kleinen, schuftenden Menschen in Saus und Braus lebt, sowie von Bildern in Filmen im TV und anderen Medien, die Neid schüren, um nur einige, wenige Gründe zu nennen.

Im Kommentarstrang haben Einzelne und ich uns Gedanken darüber gemacht was es zu tun gibt, was es braucht, um die rechte Bewegung, die immer größer wird, aufzuhalten. Es ist für mich keine Lösung nach einem starken Staat zu schreien oder nach noch mehr Polizei, das heißt für mich die Verantwortung abzugeben und wieder nur darauf zu hoffen, dass „Die“ es schon richten werden.

Demokratie heißt für mich auch, dass jede und jeder mitverantwortlich ist, dass es nicht reicht hier und da das eigene Kreuzchen zu setzen. Eine lebendige Demokratie fordert dazu auf, dass man sich engagiert, statt zu jammern und zu schreien oder gar zu hetzen und zu verurteilen.

Ja, es ist schwer nicht zu werten, vor allen Dingen nicht abzuwerten, wenn sich Bürgerinnen und Bürger von Parteien und Bewegungen angesprochen fühlen, die mit ihren Parolen suggerieren, dass sie die Nöte und Ängste ernst nehmen würden. Es ist schwer mit Menschen zu reden, die einfach gestrickt sind, die erst einmal flugs auf Parolen und Überschriften der Boulevardpresse hereinfallen, die leichtgläubig sind. All das hat Gründe, niemand wird so geboren!

Carolin Emcke schreibt in ihrem Buch Gegen den Hass:

Der Hass bricht nicht plötzlich aus, er wird gezüchtet.

Statt zu urteilen und zu verurteilen ist es wichtiger denn je das Gespräch zu suchen, ist es wichtiger denn je sich mit den eigenen zur Verfügung stehenden Mitteln einzusetzen, sich einzumischen, wenn man im öffentlichen Raum mit Übergriffen konfrontiert ist. Ja, das braucht Mut! Ja, es braucht auch Besonnenheit und die Einschätzung der eigenen Möglichkeiten und Kräfte, ich stelle mich auch nicht einem durchtrainiertem Zweimetermann entgegen, dem der Hass in den Augen steht. Manchmal ist es mutig zu bleiben und einzuschreiten, manchmal das Weite zu suchen.

Jede und jeder kann immer nur bei sich selbst anfangen, sich selbst überprüfen wie friedlich sie/er ist, wie es um die eigenen Vorurteile steht, um die eigene Solidarität, den Respekt den Anderen gegenüber und um die eigene Toleranz. Aber hier darf man meiner Meinung nach nicht stehen bleiben.

Sicherlich fragt sich jetzt die eine und der andere was ich denn tue. Ich schreibe, ich fotografiere, ich kreiere Bilder, ich arbeite mit Jugendlichen und Kindern und nehme gerade dort Sätze und Worte auf, die sie „nachplappern“, ich diskutiere mit ihnen, versuche ihnen andere Wege aufzuzeigen als sie sie vielleicht in ihren Elternhäusern, in ihrem sozialen Umfeld vorfinden. Ich bemühe mich um eine friedliche und wertschätzende Haltung und Kommunikation und säe immer weiter die Samen des Friedens, der Liebe und der Schönheit, weil ich nicht nur glaube, sondern auch weiß, dass sich alles in der Welt auswirkt.

Resignation ist für mich keine Option. Sätze, wie: „das hat doch eh alles keinen Zweck“, DIE sind doch eh stärker und machen was sie wollen“, etc., bringen uns als Menschheit nicht weiter, im Gegenteil, diese Sätze und die damit verbundene Haltung dahinter geben die Macht an die Umstände und die politischen Eliten weiter, machen sie noch mächtiger, verhindern echte Veränderung. So werden die alten Muster von Tätern und Opfern verfestigt. Ich will neue Muster weben, dazu gehört auch, mir diese Welt als einen friedlichen Ort vorzustellen und diesen Frieden und solch eine Welt nicht nur zu visualisieren, sondern all das auch zu fühlen und zu spüren. Alles hat eine Wirkung, weil alles mit allem verbunden ist!


Mehr zu letzterem und zur Schönheit ein anderes Mal.

Ich habe Bauchschmerzen

aus dem Netz gefischt

Ich schrieb es gerade auf fb, hier die Kopie:

Seit gestern habe ich Bauchschmerzen und das meine ich nicht bildlich, ich habe sie! Mir ist schlecht, wenn ich die Bilder aus Chemnitz sehe und Sätze lese, wie: Chemnitz ist unsere Stadt, wer ist „uns“. Wie kann eine Stadt überhaupt jemanden „gehören“? Gleichzeitig habe ich eine Entscheidung gefällt, ich werde keine Bilder mehr mit glatzköpfigen Menschen und ihren Hassparolen teilen, was mich nicht davon abhalten wird, meine Meinung zu ihnen und ihrem Verhalten zu teilen. Auch meine Angst will ich nicht verbergen. Hier ist Ungeheuerliches passiert! Es gilt die Wiederholung der Geschichte mit allen zur Verfügung stehenden Kräften zu unterbinden. Gewalt habe ich dabei nicht im Kopf!

Was gestern und vorgestern in Chemnitz passierte hat nichts mit aufrichtiger Trauer zu tun. Ja, es gab Menschen, die Blumen legten, die es ehrlich meinten, diese sind nun hinter dem braunen Mob und ihrer ausgeübten Gewalt unsichtbar geworden.

aus dem Netz gefischt

Die Wellen schlagen hoch in den sozialen Netzwerken und ich bin erschüttert was ich dort zu lesen bekomme, neben dem, was mich den Kopf nicht in den Sand stecken lässt – es gibt viele aufrichtige Menschen und es gibt sehr viele, die noch immer den friedlichen Weg gehen wollen und es tun, aber es gilt auch das auszusprechen, was nicht stimmt in unserem Land und über seine Grenzen hinaus. Die rechte Bewegung, Rassismus und menschenverachtendes Verhalten ist nicht nur eine deutsche Angelegenheit! Aber ich finde immer noch, dass wir Deutschen, aufgrund der unsäglichen Geschichte von 1933-45 eine besondere Verantwortung tragen, damit sich so etwas nicht wiederholt.

Ja, mir macht die Entwicklung in Deutschland, in Europa, in den USA Angst! (Diesen Dämon kann ich nicht füttern … )

https://www.huffingtonpost.de/entry/rechte-gewalt-in-chemnitz-das-marchen-der-besorgten-burger-ist-auserzahlt_de_5b84dcfae4b0162f471be3de?utm_campaign=Echobox&utm_medium=Social&utm_source=Facebook#Echobox=1535444909

aus dem Netz gefischt


sollte ich mit der Verbreitung der Bilder Urheberrechte verletzt haben, bitte ich mir dies mitzuteilen, ich werde sie dann sofort löschen, danke.

Natur und Technik

Im Dialog mit Gerda Kazakou

Bei welchem Sujet empfinden wir etwas als störend und bei welchem nicht? Oder anders gefragt, bei welchem Bild erscheint uns etwas Technisches in der Natur als organisch und bei welchem als störend? Oder, bezogen auf mein Foto, stört dich der Telegrafenmast oder nicht und warum nicht oder doch?

Auslöser zu diesen Fragen ist für mich Gerda, die sich seit einiger Zeit mit diesem Thema auf verschiedenen Ebenen auseineinandersetzt und dazu auch schon einige Bilder gezeigt, und Artikel geschrieben hat. Besonders spannend und inspirierend fand ich diesen Artikel von ihr und den dazugehörigen Kommentarstrang → https://gerdakazakou.com/2018/07/21/3-x-fotomotiv-nachtrag-mit-kommentaren/

Bei meinem Bild (oben) denke ich, dass es auch um Sehgewohnheiten geht. Diese Telegrafenmasten kennen die meisten von uns seit ihrer Kindheit, sie sind scheinbar mit der Natur verwachsen, ihre Masten sind aus Holz und somit aus organischem Material, aber wie ist es mit diesen Strommasten?

Vielleicht ist es auch eine Frage der Zeit? Nämlich solange es dauert, bis etwas Technisches oder ein Neubau mit der ihnen umgebenden Natur ein neues Bild erschaffen haben – oder das Technische, der Neubau mit der Natur „verwachsen“ ist. Was meint ihr?

Aber es geht, so wie ich Gerda verstanden habe, auch noch um etwas anderes, nämlich der Bewertung von etwas auf einem Bild und dem was ist. So gesehen, habe ich durch meine Auswahl des Blickwinkels die Elektromasten „schön“ in Szene gesetzt, bin ich meinen ästethischen Empfindungen gefolgt, war es nicht notwendig die Bilder nachzubearbeiten oder zu beschneiden, schon ein paar Meter weiter hätte das Ganze vollkommen anders ausgesehen. Und nun frage ich mich ja schon nach meiner eigenen Bewertungsskala und wie bereit ich denn wirklich bin, etwas so zu nehmen wie es ist und mir begegnet…


– die Strommasten nahm ich im Januar 2014 auf

– wie immer: alle Bilder © Ulli Gau

Sonntagsbild 30 2018

 

 

Koko ist Ende Juni gestorben, sie wurde 46 Jahre alt → http://www.spiegel.de/panorama/kalifornien-gorilla-koko-gestorben-a-1214406.html

Ihre „Rede“ über die Dummheit der Menschen hat mich beeindruckt, besonders der Anfang: „Ich bin Gorilla, ich bin Blumen, Tiere, ich bin Natur…“

Ich möchte ihr antworten, ich bin Mensch, ich bin Blumen, Bäume, Wasser, Tiere, ich bin Natur –


Dabei fällt mir ein, dass ich endlich meine Webseite überarbeitet habe, wen es interessiert, bitte hier entlang, Willkommen → http://ulli-gau-naturcoaching.eu/


Pssst, lieber Irgendlink, danke für deine Unterstützung und danke auch an dich, liebe Sofasophia, du weißt wofür!


Habt alle einen zauberhaften Julisonntag!

Sonntagsbilder 28 2018

Heimat ist eine äußerst fragile Angelegenheit

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draufklick = große Bilder – please click to enlarge


Wenn ich alles zusammen nehme, was ich in den letzten Jahren zu dem Begriff „Heimat“ gelesen, gesehen und selbst gedacht und empfunden habe, dann komme ich zu dem Schluss, dass Heimat eine äußerst fragile Angelegenheit ist.

Seitdem es einen Heimatminister in D gibt, wollte ich nie wieder etwas zu Heimat schreiben oder ein Bild dazu kreieren, mit solch einem Ministerium wird das Thema abgeschmackt – aber nun ist es eben doch passiert. Heimat ist nicht nur eine äußerst fragile Angelegenheit, Heimat ist ein Forschungsfeld, das ich mir von keinem Ministerium nehmen lassen kann.


Älteres zu Heimat und heimatlos → https://cafeweltenall.wordpress.com/2015/11/06/heimat-und-flucht/

https://pixartix.wordpress.com/2013/05/18/heimatlos-3-heimweg/

https://pixartix.wordpress.com/2013/08/01/heimatlos-81-illusion-nur/


Ich wünsche euch allen einen friedlichen Sonntag

Generationen

Musik

In den letzten Wochen habe ich einige neue Musik für mich entdeckt, dass es fast nur Frauen sind, dass das Banjo im Vordergrund steht, dass sie aus den USA kommen, all das ist mehr oder weniger Zufall, wenn es ihn den geben sollte.

Musik ist oft ein Generationenstreit, den ich nur schwer nachvollziehen kann, da ich immer noch sehr neugierig bin und mich gerne, auch und besonders musikalisch und im künstlerischen Ausdruck, von der jüngeren Generation inspirieren und mitreißen lasse. Das hat für mich nichts mit „forever-young“ zu tun, es geht um gegenseitige Befruchtung! Es geht um Offenheit füreinander. Und immer mal wieder staune ich, wie weise so manch junger Mensch ist, wie selbstbewusst sie ihre Wege gehen und ihr Wissen verbreiten, wie eine Generation die andere überholt, manches sich nie zu ändern scheint und manches dann eben doch.

Dieses Video aber macht mich etwas sprachlos, kann das jetzt sein, woher nimmt sie das? Wenn es denn Reinkarnationen gibt, dann denke ich, dass wir es hier mit einer sehr alten Seele zu tun haben. Was denkt ihr?

Wenn der Sommer sich verdunkelt,

Er verdunkelt sich seit vielen Jahren.

Im Sommer gehen die meisten afrikanischen Menschen auf die Schiffe/Gummiboote, um nach Europa zu gelangen, was immer schwieriger gelingt.

Libyen soll für Europa das gelobte Land sein, das Europa die Geflüchteten abnimmt, aber was dort passiert ist für mich kaum noch zu fassen.

Wer es wissen will → https://dvwelt.wordpress.com/2018/06/25/finde-die-fehler/

Wie die Dame von Welt selbst schreibt, es braucht einen Eimer Schnaps, um diese Bilder und Berichte zu verdauen, ich habe keinen und will auch keinen, ich machte das obige und untere Bild. Was hier und jetzt in der Welt geschieht, kann und soll kein Ball vertuschen.

Keine Frage, ich liebe den Sommer und ich genieße ihn auch, aber ich gestehe auch, dass er schon lange nicht mehr so leicht ist wie einst.



https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/08/26/sommerlied/