Nach der Schneeschmelze

Nach dem Hochwasser

Der vorbei gegangene Winter hat einiges verändert. Unzählige Bäume haben nicht überlebt, das Hochwasser hinterließ Sandbänke auf einstigen Wiesen,

Plastikmüll in Bäumen, Sträuchern und Uferwegen. Gestern haben eine Freundin und ich einen Teil davon aufgesammelt. Der mitgenommene gelbe Sack war schnell voll und wie werden noch einmal losziehen müssen und nehmen dann wohl mehr als nur einen Sack mit. So landet das Zeug nicht im Meer und auch nicht in den Mägen der Vögel.

Die derzeitigen afrikanischen Hochdruckströme bescheren ungewöhnlich warme Februartage und Saharastaub. Der Blick in den Südwesten zeigt es, während der Blick in den Nordosten nahezu ungetrübt ist.

Ungetrübt ist auch die Freude an den Schneeglöckchen und an dem Nachmittag mit der Freundin.

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Tendenz aufsteigend

Ascendente

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Ja, es geht aufwärts. Ganz plötzlich ist es sehr mild geworden, der Schnee und das Eis sind geschmolzen. Aber ich kann mich nicht uneingeschränkt freuen.

Heute war T-Shirt-Wetter, die Heizung brauchte ich erst wieder am Abend. Hallo! Es ist der 19. Februar, bei aller Sehnsucht nach dem Frühling. Das hier nenne ich Klimawandel und lässt mich die Stirne runzeln. Der Boden hat lange nicht so viel Wasser aufgenommen, wie man denken könnte. Sprich, der Grundwasserspiegel hat sich nicht aufgefüllt und es werden weiterhin viele Bäume sterben. Und bitte sag jetzt nicht, die Natur hat es noch immer geschafft. Danke.


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Alle Hühner heißen Berta

Ein Blog lesen wie ein Buch, sagt die Freundin in ihrer Sprechpost an mich. Ja.

Nicht jedes Ich bin ich, nicht Nairobi und nicht die kleine blaue Frau, noch nicht einmal ein Ich bin ich. Einmal abgesehen von der Frage was und wer dieses Ich denn sei. Als wäre es eine feststehende Größe, unabänderlich, in Stein gemeißelt mit ehernen Wurzeln.

Facettenreich, bunt schillernd, schwarz, weiß und grau und alles dazwischen. Vom Kindlichen zum Alten, ein Wandern und Wandeln. Transformationen, vielleicht mit einem Kern, der war, ist und sein wird. Ein Kern, um den alle Verwandlungen kreiseln, wie die Fragen, die zu weiteren Fragen führen und jede Antwort doch nur vorübergehend ist.

Und dann wiederum bin ich es, deren Finger auf den Tasten klappern, die den Stift, den Pinsel über Leinwand und Papier führt, die Punkte, Linien, Worte aufsteigen lässt oder pflückt, je nachdem; die verknüpft, wiederkäut, mehr oder weniger genüsslich, die sät und düngt. Nur … mit welchem Gesicht?

So trage ich die Sprechpost, die auch eine Hörpost ist, mit mir durch die Wiesen und am Fluss entlang. Mein Weg kreuzt sich mit den Wanderhühnern, die mir noch jedes Mal ein Lächeln entlockt haben. Hallo Bertas! Ja, alle Hühner heißen Berta, so wie alle Kühe Lisa heißen. Frag nicht.

Nur zwei Tage vergingen zwischen eisig und frühlingshaft, zwischen glitzerndem Eis und gelben Blüten.

Das Hochwasser hat seine Spuren hinterlassen, wie der Winter selbst. In den umgefallenen und entasteten Bäumen am Ufer hängen zigfarbene Plastikteile. Schulklassen werden sie entfernen, wie jedes Jahr oder ich.

Meine russische Wildseele weint. Sie weint um die gezähmte Natur, die verunreinigte Natur.

Am Morgen lachte die russische Seele mit der Neunundsiebzigjährigen. Die – alleine lebend – auf Schlittschuhen eine halbe Stunde über den tiefgefrorenen Baikalsee zum nächst gelegenen Dorf gleitet, um einzukaufen. Die in ihrem Häuschen auf dem Sofa sitzt und über die generelle Unzufriedenheit der Menschen spricht.

„Ob arm, ob reich, sterben müssen wir alle, ob in einer Hütte oder einem Palast. Vier Wände um sich herum und ein Dach über dem Kopf, mehr braucht es nicht“, und dann lacht sie ihr mich ansteckendes Lachen. Vier Wände, ein Dach, einen Freund und eine Flöte – ergänze ich.

Kaum, dass der Schnee geschmolzen ist, klingeln die Glöckchen, strecken sich frische, grüne Spitzen ihrem Erblühen entgegen. Ich kaufe im Dorfladen keine Narzissen, auch keine Tulpen, ich warte. In meinem Zuhause blühen die vielfarbigen Kunstgewächse von anderen und mir an den Wänden. Jedes hat eine eigene Geschichte. Manche können sie lesen, wie meine Leerstellen zwischen Zeilen und Worten.

Zugewandtheiten aus mehr oder weniger Entfernungen wachsen mir zu. Noch immer und immer wieder staune ich über bunte Post mit Persönlichworten, garniert mit Buchgeschenken in meinem Postkasten. Über eine Tüte voller Lebensmitteln vor meiner Wohnungstür, über ein Zweistundentelefonat mit einer mir eigentlich Unbekannten. Wir rühren uns gegenseitig zu Tränen. Ich staune auch über die Freundin, die mir sagt was sie von mir lernt. Dankbarkeit, die sich schreibt, spricht und spürt – groß und tief.

Reichtum zwischen den Regalen, den Sperrmüllmöbeln, inmitten der erzählenden Kunstgewächse. Zimmerreisen ist ein warmes Wort. Ich reise allein, durch die Wanderdünen meines Seins, weil ich es so will – noch.

Eine sagt, dass sie noch Zeit braucht – viel Zeit. Ich denke an die hübschen, braunen Kühe, die mit ihren warmen Leibern den Schnee unter sich zum Schmelzen brachten, an ihr genüssliches Wiederkäuen und an ihre sanften, braunen Augen. Vieles will lesen gelernt werden. Das ganze Leben braucht es. Wie sprechen und hören lernen, laufen auch, der angemessene Schritt auf welchem Terrain auch immer noch. Die feine Note des Apfelkompotts und der Sonate, des gesprochenen, geschriebenen Wortes. Wohlklanghaftes zu Linien und Punkten. Das Herunterbrechen der Fülle zu einer Essenz auf Leinwand, auf Papier – Bild, Wort, Form, Klang, Silbe, Zeichen. Vermittler zwischen Eigensein und Welt.

Oder wie Mary Bauermeister sagt: Den Dingen eine Ordnung geben.

(Danke Frau Wildgans – der Filmtrailer führte mich vom Höcksken aufs Stöcksken)


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Vorüberfließende Zustände

Auch Erstarrung ist ein vorüberfließender Zustand

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Hell scheint die Sonne. Kinder haben sich eine Schlinderbahn gemacht. Auf den Po fallen gehört dazu, kurzes Verdutztsein, dann lachen, aufstehen, weiterschlindern. Die Mutter und ich lächeln uns an. In der Ferne tobt ein Hund über die verschneite Wiese. Er jagd Schneebälle, die sein Herrchen wirft. Woanders eine bunte Familie auf weißem Schnee, Vater Mutter, Kind, zwei Hunde, Farbkleckse im Weiß.

Die Pferdemenschen bringen ihre Tiere auf die Weide, wohl weil sie frische Luft brauchen? Das Gras wächst nicht unter dem Schnee – oder? Die braunen Kühe liegen auf der kalten Erde und käuen genüsslich wieder. An den fast zugefrorenen Teichen frage ich mich was die Kois wohl unter dem Eis machen, was sie dort unten zu fressen finden und sehe viele zerplatzte Schneebälle auf der vereisten Oberfläche liegen. Das sieht lustig aus. Ein Tag voller Hier und Jetzt, gepaart mit meinen Kinderwintern.

Wieder kreuzt sich mein Weg, wie so oft, mit dem, den ich den Traurigen Mann nenne. Wir gucken uns – wie immer – kurz an. Ich grüße. Er grüßt zurück. Ob er mich die Freundliche Frau nennt, ob er mich überhaupt nennt? Er kommt aus einem fernen Land, das sehe ich und seine traurigen Augen. Sein Guten Tag verrät keinen Akzent. Er spricht so leise. Ich gehe noch eine Weile, bis ich nicht mehr über ihn nachdenke.

Ein anderer Mann kommt mir entgegen, sein Hallo ist offen. Ich stelle fest, dass ich mit immer weniger Angst einzelnen Männern im Wald begegne. In meinem Alter gehört frau nicht mehr zum Beuteschema. Weniger Angst hier, mehr dort, zum Beispiel vor den sehr glatt gelaufenen Wegen, sie sind rutschig. Ich will nicht fallen. Obwohl ich es ja wie die Kinder machen könnte, kurzes Verdutzsein, dann lachen, aufstehen, weiterschlindern.

Aber eigentlich sind meine Gedanken beim Eis, bei dem filigranen und durchsichtigen, dem dicken und milchigen, bei der Durch- und Klarsicht, bei der Draufsicht und der Dichte, die jeden tieferen Blick verhindert. Und ich denke erneut an die zugefrorene Ostsee und dem Schwarzweißfoto – irgendwo in meinem Archiv – von der zartkleinen, gefrorenen Welle, ganz weit draußen auf dem Meer. Wie ich sie in der Ferne gesehen und mich an sie herangepirscht habe – unter meinen Füßen die gefrorene See. Eine Freundin nannte das Foto poetisch.

Die obigen Bilder zeigen das andere Eis, am Rand des Waldweges, das deswegen so anders ist, weil es in einem sehr langsam fließenden Rinnsal enstanden ist. Es zeigt eine Verquickung: das gefrorene Laub des letzten Herbstes unter dem Eis des jetzigen Winters, mit dem Versprechen auf Frühling, der nicht mehr fern ist. Es zeigt, dass die Formen abhängig vom Fließen und Strömen sind, von viel und wenig Wasser, von dem, was ihm Halt gibt, damit es überhaupt wachsen kann. Woran hält sich eine Welle fest?

Alles was fließt kann erstarren, alles was einmal erstarrt ist kann wieder ins Fließen kommen.

Und überall und immer die Vögel – im Eis, neben und auf dem Weg und im Himmel; die Amselriche, das Rotkehlchen, die Stare, die Blaumeise, der Rotmilan, die Rabenkrähen, die Spatzen, der Lachende, dessen Namen ich nicht weiß und das Kikeriki des Hahnes als ich wieder ins Dorf komme.

 



Ich wünsche euch allen eine gute Woche.

Für die, die keinen Winter mögen: „Nur Geduld, es ist noch immer wieder Frühling geworden.“ (Frei nach Tomte Tummetott – Astrid Lindgren)


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Fragment 13

Ein Foto – eine Fotomontage von dem Fotografen Otto Umbehr – Umbo genannt

https://www.bauhauskooperation.de/wissen/das-bauhaus/koepfe/studierende/otto-umbehr-umbo/

Als ob sie nur hierher gekommen ist, um dem Schnee beim Fallen zuzuschauen. Flocke für Flocke. Sacht, zart und leise. Vielleicht spürt sie Zuhause nur im Vorübergehendem. Ein vorbeifließender Bruder, ein vorüberwehendes Windchen, ein Komm-tanz-mit-mir-Schwesterchen. Wer ist ihr was? Weit lehnt sie sich aus dem Fenster der Schneeluft entgegen. Ein anständiger Mensch sein. Die rechte Rede im Mund. Gold im Herzen. Was ist ein richtiges Wort? Wörter erzählen Geschichten. Sie liest sich fort. Während und immerzu. Sie hat sein Alter vergessen. Sie wird ihn nicht fragen. Er konnte sie nicht lesen. Er wollte sie aus seiner Rippe formen. Sie flog davon, noch etwas ungeübt. Adlerin gab ihr Aufwind. Eule nahm sie unter ihre Fittiche. Bärin leckte ihre leeren Arme. Morgen steigt sie auf den Turm. Nairobi träumt Liebe in sanften Brisen.


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Der Januar in Bildern und

in wenigen Worten.

Schnee und Eis, Eis und Schnee und leider meistens unter grauem Himmel. So war der Januar hier.

Seit ein paar Tagen regnet es nun Schnee und Eis von den Bergen und Felsen. Bäche und Flüsse brausen, treten brodelnd über die Ufer, schäumen braun gen Tal. Die Erde sättigt sich, Seen bilden sich auf Wiesen. Viele abgebrochene Äste und Bäume. Schwer war der Schnee und nass. Fröhlichkeit dann, wenn die Kinder draußen Schlitten fuhren, Schneespiele spielten und ich ein bisschen stromerte.

Vielleicht möchtet ihr euch von dieser Musik begleiten lassen, wenn ihr mit mir durch die Winterwelt geht

-1-

Krähe über und im Wasser

-2-

Wenn die Sonne kurz herausguckt und Rost zum leuchten bringt und mich an Eisformen denken lässt.

-3-

Kleine Insel – ein Glücksmoment

-4-

Eis mit wenig bis keiner Sonne – wild und doch geformt

-5-

Eis mit Sonne

-6-

So witzig

-7-

Symmetrie

-8-

Der Blick aus meinem Fenster, wenn ich das buddhistische Zentrum besuche, bei Tag ohne und mit Sonne und bei Nacht.

-9-

Im Dorf – Rotes im Schnee – ich denke an Kirschen und Sahne. Ich spiele.

-10-

Winter malt japanisch,

-11-

malt und

malt,

-12-

ist nicht nur schwarz und weiß und grau.

-13-

Ende

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Fragment 12

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Und dann gibt es diese schneehellen Nächte, die klirren, in denen Äste krachen und Nairobi so müde ist. Mit der Müdigkeit kommt das Sehnen, mit dem Sehnen Einer von weit her. Der schmiegt sich an ihren Rücken. Sie ist aufrichtig, auch zu ihren Tränen. Sie kennt ihre Quelle. Nie mehr wird sie aufhören mit dem Herzen zu atmen. Feine Goldfäden fliegen zu anderen Fäden, verknoten sich, knüpfen ein Netz. Nairobi wird kein Zerreißen sein, kein Loch. Sie hat eine Aufgabe. Sie hat einen Platz. Wenn auch die Orte vorübergehend sind, die Gärten sich wandeln, von Gemüse zu Blumen. Sie dankt dem Einen, der sie erinnert hat, an alles Flüchtige und an alles, was über alle Zeiten gilt.


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Fragment 11

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Flüsse zum Meer, einer durchfließt den See. Die Fische erzählen es sich. Nairobi sah Fische nächtens durch die Wälder fliegen. Alle Farben leuchteten. Sie war nicht allein.

Nairobi träumt.

Mein Land heißt Irgendwo im Niemandesland. Die Kaiserin ist auch Kriegerin. Einst lebte sie in Shambhala. Und Bäuerin ist sie gewesen. Damals, als Mütterchen Russland noch geblümte Kopftücher trug. Nur Shambhala ist verschwunden.

Nairobi träumt.

Sie ist Kaiserin. Sie ist Kriegerin. Sie ist Bäuerin gewesen. Sie schickt Gold in die Welt; die Schatten sind zu mächtig geworden. Der Klang zu laut. Nairobi träumt die Trommel. Sie singt ihr Lied. Sie tanzt den Raum.

Er trägt jetzt ein Bärenfell auf seiner Brust. Das hat sein Herz berührt. Er hält jetzt Winterschlaf.

Nairobi erzählt Eisgeschichten, von rund und weich zu spitzig und stachelig. Kalt sind sie alle. Und flüchtig. Eisblumen wachsen – wenn man sie lässt.

Ins Verstummen hinein kam Wintermann. Fuchs bellte, Käuzchen rief, der Mond war nur noch eine schmale Sichel. Bald bestellt die Kaiserin ihre Felder, jetzt sortiert sie Samen. Wintermann hat ihr einen Beutel vor die Tür gestellt. Sie winkt ihm Dankbarkeit. Sie winkt ihm seinen Weg von den Bergen ins Tal.

Nairobi träumt Frieden in die Welt.


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