Bussard

Lagerkoller

Ich muss hier raus! Die Magie von Wintersonnenwende und Raunächten ist endgültig vorbei. Die Wärme des Ofens ist zu warm geworden. Ich brauche Luft, frische Luft, Wind um meine Nase, Matsch unter meinen Füßen. Es ist nichts passiert. Gar nichts. Kein Konflikt, keine Unbill, nur ich mit mir. Das ist nicht immer komfortabel, nicht zwingend gemütlich, bereichernd oder gar erholsam. Zu viel – zu wenig. Bewegung braucht es. Grünes sehen, Wind atmen.

Der Bussard fliegt so nah über das Auto, dass ich bremse, er dreht ab. Einige Kurven später fliegt er parallel zu meiner Fahrtrichtung, landet auf einem nahestehendem Baum. Wieder einige Kurven später kreuzt er erneut meinen Weg, dieses Mal fliegt er höher, eine Kollision ist ausgeschlossen.

Was will er mir nur sagen?

Der Bussard

Sieh den Bussard.
Wie kann es gelingen,
ohne Halt im Winde
Halt zu fassen
schwebend
ausgesöhnt mit allen Dingen,
und sich so mit aufgespannten
Schwingen
stürzend, stürzend, stürzend
tragen zu lassen?

von Friedrich Hofmann 1914

D a s will mir der Bussard sagen – ausgesöhnt sein mit allen Dingen, ohne Halt im Winde Halt fassen, stürzend mich tragen lassen.

Advertisements

Etüde 001 2019

Neues Jahr, neues Etüdenglück, zu denen auch in diesem Jahr wieder Christiane einlädt. Von ihr stammt auch diese wunderbare Gestaltung.

Dieses Mal hat die 3 Begriffe Ludwig Zeidler gespendet, der einst die abcEtüden ins Leben gerufen hat.

Herzlichen Dank und herzliche Grüße an euch beide!


Manni hat heute ein besonderes Glück, ein Abfallglück.

Heute arbeitet wieder Yussuf im Supermarkt und der weigert sich heimlich, still und leise am Abend den Müllcontainer mit einer Eisenkette und einem Vorhängeschloss zu sichern. Er tut nur so als ob. Und das weiß Manni. Und Yussuf weiß, dass Manni weiß. Und das ist gut so. Gut für Manni und für einige andere, die sich aus diesem Container Yoghurt, Milch, Quark und ähnliches fischen, das dem Verfallsdatum zum Opfer gefallen ist.

Verfallsdatum! Was kümmert das Manni? Es kümmert ihn auch nicht, dass der Paragraph „Mundraub“ schon vor vielen Jahren abgeschafft worden ist. Lieber Nahrungsmittel auf den Müll, anstatt zu verschenken? Das hat nichts mit schuldig oder unschuldig zu tun!

War Manni Schuld daran, dass er erst arbeitslos und später dann auch wohnungslos wurde? Schuld daran, dass er den Druck und das ewige Gerenne nicht mehr ausgehalten hat? Alle haben doch getrunken oder Pillen genommen oder Kette geraucht, um mithalten zu können! Dann verlor er das Maß. Was langsam begonnen hatte, endete im Desaster.

Es ist besser geworden. Mittlerweile schreibt er für die Straßengazette  kleine Artikel, verdient sich ein minikleines Zubrot zu seiner Stütze durch ihren Straßenverkauf dazu, gehört zu einer Gruppe, hat jetzt wieder ein Dach über dem Kopf und hat es geschafft dem Alk zu widerstehen. Zwei Jahre schon. Jetzt. Jetzt hat Manni wieder Pläne und heute ein besonderes Glück, ein Abfallglück. Danke Yussuf!

235 Wörter



P.S. gerade fand ich bei Ralpf Butler einen Beitrag zu Lebensmittelverschwendung, der Link ist wegen seiner Überschrift etwas irreführend, führt aber zu eben benanntem Artikel und weiter … → https://daoweg.wordpress.com/2019/01/09/akupunktur-kleine-nadeln-gegen-grosse-krankheiten/