Plötzlich

„Das Wort plötzlich benutze ich immer noch öfter als die meisten Menschen.

Plötzlich bedeutet, dass die Welt von einem Augenblick auf den anderen nicht mehr dieselbe ist. Wenn es am ruhigsten ist, kann das Unwetter kommen. Es gibt keine Gleichgewichtslage, keine Ruhe, die nicht im nächsten Augenblick vom heftigsten Sturm abgelöst werden könnten.

Hier herrscht Wärme, Ruhe, fast Geborgenheit: plötzlich zieht sich ein Sturm zusammen, Fenster schlagen, ein Brief kommt mit der Post, das Telefon klingelt, Katastrophen brechen herein gleich schweren Wellen: was gerade noch sicher war, ist plötzlich unwiderruflich verloren.

Plötzlich verändere ich mich selbst. Ordnung, Gleichgewicht, Harmonie, die Arbeit geht mir leicht und ohne Anstrengung von der Hand, ich tue meine Pflicht, es herrscht Ruhe zwischen mir und der Welt, meine Kinder spielen auf dem Hof, ich höre ihre hellen Stimmchen.

Wenn sich dann die Welt nicht plötzlich verändert, verändere ich mich. Ich werde unruhig, verzweifelt, die Gedanken verwirren sich, ich kann nicht mehr schreiben, nachtschwarze Unruhe, Dunkelheit und Elend überrollen mich in Wellen, Zorn und Bitterkeit sammeln sich in mir an.

(…) Die Unruhe angesichts dieses  plötzlich verdirbt mir auch meine besten Stunden, denn wenn alles ruhig ist, bedeutet das nur, dass plötzlich noch nicht eingetreten ist. Und dieses Paradox kann plötzlich die ganze Welt vergiften…“

Lars Gustafsson – Risse in der Mauer – 1. Band: Herr Gustafsson persönlich

https://cafeweltenall.wordpress.com/2013/06/08/mein-schweigen/ 

 

Arbeitsplatzimpressionen

Einige von euch haben sich gewünscht, dass ich Bilder von meinem Arbeitsretreat zeige, et voilà …

Der Campingwagen mit dem unverkennbaren Charme der Neunzehnhundertachtziger Jahre, wenn nicht gar der 70er. Die Innenansicht erspare ich euch, ich sag nur Plaste Elaste … und doch habe ich dort wunderbar geschlafen, tief und fest, beschützt vom guten Hollerbusch,

den ich so gerne als Hollebusch bezeichne, vereinigt er doch weiß, rot und schwarz in sich und wirkt er auf mich, wie eine beschützende Mutter. Es war in den sehr alten Zeiten, so erzählt man es sich wenigstens, dass der Hollerbusch die Holle verkörperte, weil sich in ihm die drei Stadien in einem Frauenleben spiegeln, die weiße Unschuld, die rote Fruchtbarkeit, die schwarze (weise) Alte …

aus der Tür heraus fotografiert, so nah, so wunderbar –

Der Garten bietet viele Ansichten, den Mohnzauber habt ihr schon gesehen, ich habe darauf verzichtet das Haus selbst zu fotografieren, habe aber weitere Impressionen gesammelt…

Wenn du ein Bild anklickst, öffnet sich die Galerie, hab Freude, ich hab sie auch, wenn es nach Sommer riecht und schmeckt, dann kann Arbeit leicht werden und alles rückt an seinen Platz.


Buchtipp:

Frau Holle – Das Feenvolk der Dolomiten von Heide Göttner-Abendroth erschienen im Ulrike Helmer Verlag

Blind im Spiegel #2

Dies ist mein zweiter Beitrag zu Susanne Hauns Projekt: Selbst im Spiegel – meinen ersten Beitrag findet ihr hier →

Ich hatte heute geplant mit meinem kleinen Badezimmerspiegel in die Natur zu gehen, aber bei diesem Regen… nö! Also entschied ich mich ihn zunächst auf einen Hocker zu stellen und blind auf ihn zuzulaufen und dabei zu knipsen,

dann blieb ich stehen,

dann räumte ich den Hocker wieder weg und legte mich vor den Spiegel, schloss wieder die Augen, zoomte ein bisschen und hoffte, dass schon irgend etwas zu sehen sein würde,

dann zoomte ich noch mehr…

Ich will nicht verschweigen, dass einige Bilder nur den Raum, aber nicht mich zeigten; es ist wirklich nicht so einfach mit so einem kleinen Ding und dann noch blind, ich bleibe dran…

Blind im Spiegel

Susanne hat mich gefragt, ob ich Lust hätte mich blind im Spiegel zu fotografieren. Ja, hab ich! Aber wie sich herausstellt ist dies, zumindest mit meinem kleinen Badezimmerspiegel, eine echte Herausforderung.

Am Freitagmorgen, ziemlich bald nach dem Aufstehen, habe ich es probiert, aber das war nur der Anfang, weitere Versuche werden folgen…

Übrigens … Jürgen hat`s auch schon getan –

Verbindungen schaffen

LitterART schrieb in meinen Kommentarstrang zum blinden Zeichnen dies:

Zu diesem Thema vielleicht interessant für Euch: Es gibt da eine weltweit einmalige Spezialsammlung von in Auftrag gegebenen Werken aktueller Kunst, die spezfisch für sehende und blinde Menschen konzipiert sind. Die Ausstellung war bereits in Moskau – ein großer Erfolg!

JENSEITS DES SEHENS – KUNST VERBINDET BLINDE UND SEHENDE
https://jenseits-des-sehens.jimdo.com/

Und derzeit wird diese spezielle Sammlung in einem White Cube im Museum des Stiftes Admont gezeigt – mit zwei repräsentativen Werken, Texten, Fotos und einem Video:
https://www.stiftadmont.at/jenseits-des-sehens/

Vielleicht interessiert das ja auch die Eine und den Anderen…

it`s me – is it me?

Susanne Haun hatte die Idee sich blind zu zeichnen, einige andere übernahmen diese Idee und gerade noch fragte mich Gerda Gazakou was mich hindern würde mitzumachen, nach kurzem Zögern antwortete ich: nichts. Oben seht ihr was dabei herauskam!

Weitere Porträts, die blind gezeichnet wurden findet ihr hier:

https://agnesblogsite.wordpress.com/2017/05/31/abgeguckt-blind-zeichnen/

und hier: https://mydailypainting.wordpress.com/2017/05/30/zeichnen-ohne-hingucken/

Im Februar machte ich einen Spaziergang und fotografierte blind:

https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/02/19/doppelblindversuch/

Im November 2015 machte ich meine ersten blinden Zeichnungen, die findet ihr hier:

https://cafeweltenall.wordpress.com/2015/11/26/gestalt/

 

Nachtrag zum Zwölfmonatsblick

Herrje, ich habe gestern ganz vergessen alle anderen ZwölfmonatsblickerInnen zu verlinken, verzeiht!

Ich finde, dass sich jeder einzelne Blick, wohin auch immer noch, lohnt zu betrachten.