Käfige

Wenn Käfige fliegen lernen – when cages learn to fly

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Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris – Im Jardin des Plantes, Paris

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Im Atemhaus

Im Atemhaus

Unsichtbare Brücken spannen
von dir zu Menschen und Dingen
von der Luft zu deinem Atem

Mit Blumen sprechen
wie mit Menschen
die du liebst

Im Atemhaus wohnen
eine Menschblumenzeit

Rose Ausländer

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Etüde 010 2015

Katrin fährt sinnierend die Landstraße entlang, im Rückspiegel sieht sie die Katzenaugen rot aufleuchten, wenn sie vor den Kurven kurz abbremst. Sie mag das und schaut dann gerne zurück. Ein bisschen kurios ist das schon, denkt sie. Sie, die lieber vorwärts als rückwärts blickt. Ja schon, sie liebt Rot, gerade in den letzten Wochen wieder. Rot schenkt ihr Kraft, stärkt ihren Willen und die Lebensfreude, aber das hier ist mehr. Die roten Katzenaugen im Spiegel sind auch die Versicherung, dass ihre Rücklichter funktionieren, dass wenigstens ein Minimum in ihrem Leben rundläuft.

Manchmal fühlt sie sich wie Hagazussa, die alte Zaunreiterin, die zwischen den Welten balanciert, ohne je die Bodenhaftung zu verlieren.

-Bodenhaftung?

-Ich?

-Nee, ich bin keine Hagazussa, ich bin eher ein Segelschiffchen im Wind, immer froh, wenn mal für einen Moment Flaute ist, dann kann ich durchatmen, ansonsten muss ich schauen nicht zu kentern.

Da ist sie wieder, diese hauchdünne Linie, die alles voneinander trennt, den Wahnsinn vom gesundem Geist, die reale Welt von der Anderswelt, das Leben vom Tod und alles greift ineinander und ist miteinander verbunden.

Manchmal ist ihr alles zu groß, zu viel, dann wünscht sie sich einen stillen See mit sanften Gestaden und Seerosen.

Tuuut, Katrin schreckt aus ihren Grübeleien auf. Herrjeh, das ist noch einmal gut gegangen! Ein Riesenelli rauscht an ihr vorbei. Ohne sein Gehupe …

223 Wörter



Wieder bin ich gerne der Einladung von Christiane gefolgt, habe die drei Wörter, die Katha gespendet hat, genommen, sie in den hohlen Händen geschüttelt und dann vor mir auf den Tisch purzeln lassen und schwupps fügte sich eins zum anderen. Manchmal staune ich selbst 😉

Herzensdank, Christiane, für die Einladung und die Einladungskarte, die ich sehr mag und auch an dich, Katha, für die drei inspirierenden Wörter!

Gedankenfäden 007

RoteFadenGeschichte 022

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Ich habe es dir versprochen, mein Lieb – ich bleibe bis du groß bist. Noch zwanzig Jahre, sagte ich. Und wenn es nicht klappt, weil ich es nicht in der Hand habe, bleibt etwas. Nichts geht verloren und Band ist Band, ob rot oder durchsichtig.

Dass wir darüber sprechen! Spüren wir etwas, das größer als all unser Wollen und Wünschen ist? Ich denke an Antonia*, an ihre Enkelin und an ihre Tochter. So werde ich es auch machen, wenn … versprochen, mein Lieb!

Heute höre ich immer wieder das Lied „Amalia“ von Melody Gardot, das Lied von der Taube mit dem verletztem Flügel. Ich denke an meine Leidenschaft zu leben, an meine vielen offenen Träume und Wünsche.

Die Aborigines können an einem Tag ein gebrochenes Bein heilen. Komm, kleine Taube, wir fliegen zu ihnen, dann werden unsere Flügel im Nu wieder heil. Das Blau des Himmels erwartet uns schon. Die Amsel singt. So, wie sie immer singt, wenn ich Musik höre, wie damals auch in Berlin.

Heute ist der Sonntag von Schnee auf den Apfelblüten bis Sonnenschein und allem Schnee, der schnell wieder zu Wasser geworden ist. Mein Schnee wurde zu Tränen. Immer diese wandernden Schmerzen, von Tag zu Tag woandershin und so manch anderes Beunruhigendes. Ich will nicht meine Ängste nähren, sie anschauen schon. Ich will meine Leidenschaft füttern, meine Hoffnung auch.

Noch zwanzig Jahre. Das wäre schön, mein Lieb!



*Antonias Welt ist ein Spielfilm der niederländischen Regisseurin Marleen Gorris aus dem Jahre 1995. Ich erinnerte mich einmal mehr an diesen wunderbaren Film, auch er gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Wer ihn nicht kennt, der kann ihn auf der Tube finden. Ich mag ihn hier nicht verlinken. So langsam aber sicher nähert sich meine Speicherkapazität dem Ende zu und ich mache mir Gedanken um einen Folgeblog.

Die Gedankenfäden schrieb ich am letzten Aprilsonntag, manches ist jetzt anders. Manches bleibt.

Ping Pong 032

PING

GERDA AN ULLI → WENN DIE HEXEN IN DER WALPURGISNACHT AUSREITEN …

PONG

ULLI AN GERDA → … SPRINGEN, TANZEN UND FLIEGEN, LODERN DIE FEUER HOCH

PING 033

ULLI AN GERDA → DIESE FÜLLE …

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WAS BISHER GESCHAH → https://cafeweltenall.wordpress.com/galerien/ping-pong/

DIE IDEE→ https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/02/05/ping-pong-001-2019/

Rückblick April 2019

Da ich meinen Blog nicht als Tagebuch führe und ich, gerade im April, meinen eigenen Projekten und denen von und mit anderen folgte, bleibt am Ende dieses Monats eine Menge an Bildern übrig, die ich wieder gerne in einem Rückblick zusammenfasse und zeige. Dieses Mal auch mit Text.

Da ich gesundheitlich nicht in Topform bin, war ich auch lange nicht soviel unterwegs wie sonst, sodass ich viele Blüten nicht fotografiert habe. Die Natur zeigt sich im schönsten Kleid, sehr früh blühten und blühen in diesem Jahr die Bäume, Sträucher und Blumen, für mich sind es mehr Mai- als Aprileindrücke. Die Kirschblüten hatten es mir in diesem Frühjahr ganz besonders angetan, einige davon zeigte ich schon, nun noch zwei weitere und andere Blütenbilder.

Gelbes Habichtskraut mit Hummel

Am Ende des Monats war ich in Basel, um mir im Baseler Antikenmuseum – Sammlung Ludwig – zum einem die aktuelle Ausstellung „Nackt“ anzuschauen, wie auch die Sammlung selbst. Hier sind viele Statuen und kleine Figuren aus Griechenland, Persien und Ägypten ausgestellt. Ganz besonders hatten es mir die kleinen Figuren angetan, die zum Teil schon 3000 Jahre und älter sind.

Nackt also. Der Anlass ist die immer wiederkehrende Diskussion um klassische Gemälde, die nackte Frauenkörper zeigen. Vielleicht erinnerst du dich noch an den Streit um das Bild von John William Waterhouse: Hylas und die Nymphen.

In diesem Bild griff Waterhouse ein Thema aus der griechischen Mythologie auf. Was einst gewürdigt wurde, gilt heute bei manchen als anstößig und sexistisch. Dieses wollte und will nicht jede Kuratorin/jeder Kurator hinnehmen, zurecht, wie ich finde.

Ich habe zwei Banner im Antikenmuseum fotografiert, ich hoffe du kannst die Texte lesen – hier gilt, was generell gilt, wenn du auf das Bild klickst, wird es größer und damit auch leichter lesbar, so öffnen sich auch die Galerien.

Archaische Darstellungen einer Fruchtbarkeitsgöttin und zweier -götter

Ich kann unmöglich alle Fotos aus dem Museum zeigen, darum hier nur meine Lieblinge. Vielleicht ergibt sich ja die Gelegenheit, dass ich ein anderes Mal noch mehr zeige.

Kleine Tierfiguren

Bleibe ich für dieses Mal bei den Tieren, nun wieder en nature. Zwei Eidechsen entdeckten meine Enkelkinder und ich auf einem Morgenspaziergang, eine Smaragdeidechse und eine mit sehr dickem Bauch. Wir überlegten, ob sie kurz vor der Eiablage stand.

Am Nachmittag des selben Tages, es war der 7. Geburtstag meiner Enkelin, fuhren wir, zusammen mit ihren Eltern, in den Baseler Zoo. Sie hatte sich das gewünscht. Ich bin nicht die große Zooliebhaberin, auch wenn sich in den letzten zwei Jahrzehnten einiges an der Tierhaltung geändert hat, sprich die Tiere mehr Platz haben. Trotzdem hat mich das eine und andere wieder sehr nachdenklich gestimmt. Das behielt ich aber für mich. Die Kinder hatten so viel Freude und die wollte ich ihnen nicht nehmen. Das Thema hat noch Zeit!

Ein Malaienbär, der mir bis dato unbekannt gewesen ist

Die wundersame Welt der Quallen, plus zwei Seepferdchen

 

Vier- und Zweibeiner

Bilder vom Brunnen im Frühlingskleid, mit und ohne Biene

Impressionen vom letzten Sonntag im April

Das Küchendachfenster – die Linde trägt nun wieder ihr grünes Kleid, Hagelschmelz auf der Scheibe

Kleine Hagelkörner, Regen und Blütenblätter auf einem der anderen Dachfenster

Am Abend – der Blick aus meinem Bürofenster (wenn ich auf den Stuhl klettere 😉 )

ENDE

Ich wünsche euch einen beschwingten Tanz in den Mai.



alle Bilder © Ulli Gau – bis auf das Gemälde von John William Waterhouse, das ich in der Bildersuche fand.

Etüde 009 2019

Maria hatte ein drittes Mal geheiratet, den Sepp, den Depp, wie ihn Ursula heimlich nannte. Ursula war vierzehn Jahre alt und ging damals schon oft ihre eigene Wege, die Mutter ging ihre. Und jetzt sollte sie also „Vati“ sagen. Sie würde zu niemanden Vati sagen, niemals.

Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, er fiel, als sie im Bauch von Maria heranwuchs.

-Du kannst froh sein, dass dein Vater gefallen und nie zurückgekehrt ist, war die Standardantwort, wann immer Ursula Maria nach ihm gefragt hatte.

Als Ursula eingeschult worden war, kam Onkel Willy in ihr Leben. Auch ihn hatte sie nie gemocht, seine plumpen Witze, seine anzüglichen Bemerkungen, wenn sie mit ihm alleine gewesen war und er versucht hatte ihren Po zu tätscheln, wenn sie an ihm vorbei musste. Ursula hatte schnell gelernt ihm aus dem Weg zu gehen. Am Abend war ja Mutter da und musste sich dann von ihm betatschen lassen. Ursula ekelte es noch heute. Wie froh sie gewesen war als er nach drei Jahren Maria verließ.

Jetzt also Sepp und seit Wochen nur noch Fleisch in den Töpfen, mit viel Soße und Kartoffeln oder Semmelknödeln, sonst nichts, weil er es so wollte. Das Fleisch bekam am Ende immer der Hund. Seppdepp ging es nur um die Soße und Mutter ließ sich bevormunden. Alle Lieblingsessen hatte sie von der Speisekarte gestrichen. Wenn Ursula einmal nachfragte, seufzte Maria.

-Du weißt doch wie er ist.

Ursula hat sich damals geschworen, dass sie sich niemals so behandeln lassen würde. Das war doch keine Liebe!

Zwei Jahre später, Ursula lebte mittlerweile mit ihrer besten Freundin Ellen zusammen, musste sie Maria retten. Sepp hatte sich zum Schläger entwickelt. Ursula hatte das schon immer geahnt. Nun war auch er weg.

Es dauerte nicht lange und Maria lebte vegan. Sie liebte jetzt Johannes.

298 Wörter



Dieses Mal also eine zweite Etüde zu Christianes Projekt, das einst Ludwig Zeidler ins Leben gerufen hat und der Wortspende von Agnes Podczeck.

Ping Pong 030

PING

GERDA AN ULLI → WENN DIR EINE GEFLÜGELTE DIE HAND REICHT …

PONG

ULLI AN GERDA → … GEHÖRT DIES ZU DEN WUNDERN DES LEBENS

PING 031

ULLI AN GERDA → ALS MAN DEM STIER SEINE HÖRNER NAHM …

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WAS BISHER GESCHAH → https://cafeweltenall.wordpress.com/galerien/ping-pong/

DIE IDEE→ https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/02/05/ping-pong-001-2019/

Etüde 008 2019

Eine neue Etüdenrunde startete am Sonntag. Christiane hat wieder dazu eingeladen, die Wortspende stammt dieses Mal von Agnes Podczeck.

Wie immer herzlichen Dank an dich, Christiane, für deine Unermüdlichkeit, die feinen Bilder und an dich, Agnes, für die Wörter, die ich sofort toll fand und die nun ganz anderes hervorbringen als ich zunächst dachte.

Hier nun also meine (erste) Etüde.

Sie dreht den Satz in ihrem Mund, wie eine heiße Kartoffel. Wort für Wort, Biss für Biss.

Es kann gut sein, dass er sie für anzüglich halten wird. Viele Männer sehen sich noch immer als Eroberer. Undenkbar, dass der zu erobernde Kontinent, nämlich sie, den ersten Schritt tut. Sie aber will es, sie will auf ihn zugehen und ihm ins Ohr flüstern: Ich will mit dir schlafen. Jetzt.

Sie will seine Reaktion sehen, das wird alles entscheiden. Wie herrlich es in ihr kribbelt!

Die Kartoffel ist abgekühlt, zerkaut, runtergeschluckt und fährt nun als Kartoffelbrei durch ihren Verdauungskanal. Sie schaut auf die Uhr.

-Wieder Einer, der nicht pünktlich sein kann! Noch fünf Minuten, dann bin ich weg.

Erotik verwandelt sich in Ungeduld und Frust. Gleichmäßig tickt der Zeiger seine Runden.

Als sie ihn in der Ferne mit wehendem Mantel näherkommen sieht, dreht sie auf ihrem Absatz um. Die fünf Minuten sind um, fünfunddreißig sind zusammenkommen. Sie geht die Treppen zum U-Bahnhof hinunter.

-Ich lasse mir meine Zeit nicht mehr stehlen! Ich lasse mich nicht mehr bevormunden! Sex hin oder her.

Sie streichelt über ihren Bauch. Die Schmetterlinge sind ausgeflogen, sie lacht in sich hinein, über sich, die Welt und alle Eroberer in Einem. In ihrem Bauch wächst ein Kartoffelbaby.

208 Wörter

Abschied …

… und ein Wiedersehen

Gedankenfäden 006

Stelle dir die chinesische Mauer vor. Sie ist 21.196,18 km lang. Am östlichen Ende steht eine Frau, Marina Abramović, am westlichen Ende steht ein Mann, Ulay (Uwe Laysiepen). Neunzig Tage gehen sie aufeinander zu, um sich nach je 2.500 km und 12 Jahren intensiver Liebesbeziehung und gemeinsamer Arbeit voneinander für immer zu verabschieden. Das war 1988. Wiederum 12 Jahre später sehen sie sich während einer Performance von Marina Abramović im MoMa in New York wieder. Marina Abramović wusste nicht, dass sich Ulay ihr als Einer von Vielen gegenüber setzen würde.

Ich kann dieses Video nicht anschauen, ohne zu weinen. Tiefe Seelenberührung. Ich weiß nicht, ob ich sie Trauer nennen kann.


Viele Kilometer sind auch wir gegangen, voneinander weg. Abschied ist schmerzhaft. Immer. Wann wir uns wiedersehen? Wer weiß das schon. Noch gehe ich der Mündung entgegen. Wohin dein Weg dich führt liegt für mich im Dunkeln. Keine Worte. Jetzt. Ein Gefühl. Viele Gefühle. Kein Stachel mehr. Die neue Haut wächst langsam. Lebewohl sagen heißt dem anderen Wohl in seinem Leben wünschen. Das ist wieder keine unserer Fragen.

In ihrem Neu steht das alte Schatzkästchen. Das, mit dem roten Band darin. Erst wenn sich die Erinnerungen abgenutzt haben, wird sie es öffnen. Erst dann wird sie noch einmal dem roten Band folgen, vom Rot des Inkarnatklees bis zu dem Haus mit dem Garten. Bis dahin wird sie das Kästchen von Zeit zu Zeit abstauben, es von hier nach da rücken, in ihrem Neu. Manchmal wird sie in Versuchung geraten. Sie wird warten, bis es nicht mehr schmerzt.

Es geht nichts verloren.“ Die kleine blaue Frau steht auf, sie lacht. Sie lacht und lacht. Rot und blau tanzt sie durch den Wald, aus seinen Wurzeln steigt das Lied vom Leben und Sterben. Die kleine blaue Frau vergräbt die Schachtel mit dem roten Band unter den Wurzeln der uralten Buche, sie lauscht dem Gesang des Himmels. Jetzt ist ihr Mädchen zu neuem Leben erwacht. Es tanzt rot mit ihr durch die Sommerbäche.

Ausschnitte aus: Die kleine blaue Frau träumt Meer © Ulli Gau

Auf dem Weg haben sich Schemen gezeigt, sie sind Figur geworden. Ich singe mein Lied.



MenschSein -eine ART wie man sich selbst begegnet