Sonntagsbilder – Reisebilder

Reiseerinnerungen in Bildern – Teil 2

Heute zeige ich euch Bilder von der Abtei Maria Laach. Ich habe zwar schon des öfteren mit der Freundin Runden um den Laacher See gedreht, aber die Abtei habe ich noch nie besucht. In der Ferienzeit den Seerundgang zu laufen ist für mich nicht besonders reizvoll, sooo viele Menschen! Ich war erstaunt, dass in der Klosteranlage und auch in der Kirche selbst kaum Leute waren. Stille und Besinnlichkeit fand ich vor und breitete sich in mir aus. Ich gehe gerne in Kirchen, wenn ich unterwegs bin, wegen der Stille und der Kunst. Die Fundamente für die Abtei wurden schon 1093 angelegt. Ein Ort, der bald tausend Jahre alt wird! Da kann man lange lauschen.

Wer mehr über die Abtei und den Ort erfahren möchte kann hier weiterlesen →

Die Abtei von außen

Innenansicht

Und weil es so gut passt zeige ich euch noch Bilder von hier

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Ich fand auf dem Weg vom Rhein aufwärts ein riesiges Arial voller alter Säulen, Kapitelen, Trögen und Skulpturen. Ein Paradies für mein Fotoherz. Fragt mich nicht, aber solcherlei löst in mir ein Prickeln aus. Es ist die Schönheit und die Vergänglichkeit und irgendwas noch, was ich nicht benennen kann. Schon einmal erging es mir so, als ich im Brühler Schlosspark einen Skulpturenfriedhof fand.

Leider war das Gelände verschlossen, sodass mir nichts anderes blieb, als durch den Maschendrahtzaun zu fotografieren, was den ein oder anderen Schatten auf den Bildern erklärt. Neben aller Faszination sind viele der Motive Einladungen für Fotomontagen für mich. Na mal schauen, ob ihr meine Begeisterung teilt.

Einen erholsamen Sonntag euch.

Sommerlied oder das Südschild

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Der Süden steht dem Norden gegenüber. Im Nordlied ging es um das erwachsene Sein, um den Winter, die Gehörnten … ich vergaß zu schreiben, dass das Element Luft ist und die Farbe weiß, dass die universelle und die elterliche Liebe hier verortet sind.

Dem Süden wird in dem Modell des nordamerikanischen Medizinrades das Element Wasser zugeordnet, der Sommer, die Farbe Rot, die Maus, das kindliche Sein, die Unschuld, die Neugierde, das Spiel, die Sinnlichkeit, die unbedarfte Entdeckung des eigenen Körpers, die erotische Liebe.

Sommer

In der Sonne, die nur einmal jung ist,

lässt Zeit mich spielen und

golden sein vor ihrer Gnade …

bei meinem himmelblauen Treiben sorgte mich nicht,

dass Zeit in ihrem Lauf nur wenige

von solchen Morgenliedern uns erlaubt,

bevor die Kinder alle, grün und golden,

aus ihrer Gnade fallen …

Dylan Thomas, Fern Hill

Sommer

… es ist kein Ende gesetzt,

glaube mir!, dem Erfindungsreichtums des Sommers,

der Glückseligkeit, die dein Körper

aufzunehmen bereit ist.

Mary Oliver, Roses

Durch den Kommentar von Rotewelt auf meinen Nordliedartikel wurde mir klar, dass es äusserst einseitig ist, wenn ich mir ein, zwei Absätze aus dem Buch der Vier Schilde herauspicke und sie hier einsetze. So entsteht eine Art Starre in einem äusserst lebendigem Modell.

Meredith Little und Steven Foster lebten in den frühen neunzehnhundertsiebziger oder der späten neunzehnhundertsechziger Jahre eine Zeitlang mit einem Stamm der Lakotas zusammen. Sie lernten und „erfuhren“ das Medizinrad und die Vier Schilde und bekamen von den Lakotas die Erlaubnis und die Ermächtigung das Modell so zu modefizieren, dass es in die heutige Welt passt.

Wir leben nicht mehr in Stämmen zusammen, müssen unsere Mahlzeiten nicht mehr sammeln oder jagen, wir leben nicht mehr in den Rhythmen, wie es einst die Menschen taten. Wenn es gut geht, leben wir heute bewusst mit und in den Qualitäten der vier Jahreszeiten und selbst das wird durch die äußeren Anforderungen an uns und unser Leben für Viele immer schwieriger.

Auf meiner Webseite (siehe Seitenleiste oder http://ulli-gau-naturcoaching.eu/) schrieb ich:

„Wir sind nicht getrennt von der Welt. Wir sind Teil von der Welt, wie sie Teil von uns ist.

In unserer Zeit haben viele Menschen den Kontakt zur Natur bzw. zur Welt, wie sie wirklich ist, verloren. Viele spüren eine tiefe Sehnsucht nach Rückverbindung oder wünschen sich ihre Beziehung zur Natur zu vertiefen. Wenn Du Dich davon angesprochen fühlst, möchte ich Dich einladen, mit meiner Unterstützung, die Verbundenheit wiederzufinden oder Deine Beziehung zu vertiefen.“

(Ich muss das mal erneuern😉 – mir fällt nämlich gerade auf, dass mir der Aspekt fehlt, dass wir ja selbst Natur sind und wenn ich dort schrieb, dass wir den Kontakt zur Natur verloren haben, dann haben wir zu einem Teil auch den Kontakt zu uns selbst verloren? Ja. Nein, nicht alle.)

Außerdem können uns die vier Schilde darin unterstützen die Qualitäten und Herausforderungen eines jeden Lebensabschnitts zu erkennen und zu erfahren, sie zu würdigen, sie zu verabschieden oder den neuen Zyklus im menschlichen Sein Willkommen zu heißen. Mit Hilfe von Ritualen können wir diese Übergänge lebendig gestalten.

Es geht nicht darum alle Menschen gleichzuschalten. Wenn ich mit dem Rad arbeite, sei es nun für mich oder mit anderen, dann wird Jede_r dort abgeholt, wo sie/er steht, immer geht es um die eigene Erfahrung, die man bei den Naturübungen, auf den Schwellen- und Medizingängen, den Visionssuchen macht- es geht um die eigenen Kräfte, Ressourcen und um den nächsten Schritt im eigenen Leben. Es stehen immer die eigenen Fragen im Vordergrund, ich selbst kann nur Angebote machen.

Wir schauen, was von den Qualitäten der jeweiligen Himmelsrichtung in ins schon lebendig ist, wie wir es leben und was sich noch entwickeln will (nicht muss!), wie jede_r einzelne für sich zu einer Harmonie innerhalb der Vier Schilde gelangt. Harmonie und Gleichgewicht sind, wie das Glück, flüchtige Augenblicke im Leben.

Hinzu kommt, dass jede Himmelsrichtung (jedes Schild) für sich alle anderen in sich trägt, dass wir es in dem Ablauf eines Tages von Sonnenaufgang, Mittag, Sonnenuntergang und Nacht wiederfinden. Je tiefer man in dieses Modell eintaucht, umso mehr Felder öffnen sich, über die man das Rad legen kann.

Ich kann hier nur ein „Geschmäckle“ geben. Zur Vertiefung gibt es dieses Buch und viele andere mehr, aber die beste Vertiefung ist immer noch die eigene Erfahrung.  Zu allen Himmelsrichtungen gibt es Übungen in der Natur und die daran anschließende Spiegelarbeit der Prozessbegleiter_in. Die darauf folgenden Rituale dienen der Transformation. Ich liebe diese Arbeit sehr, weil sie unmittelbar in die Erfahrung führt und nicht im Kopf hängen bleibt.

Spannend und erhellend finde ich auch immer wieder die „Achsenarbeit“: wie schwingt der Süden mit dem Norden, wie der Westen mit dem Osten, gibt es ein Gleichgewicht oder dominiert das eine Schild das andere, etc. …

In der nächsten Woche geht es dann mit dem Westschild weiter …


Jetzt zeige ich euch noch eine Auswahl roter Bilder. Noch immer finde ich Rot in Bildern schwierig, rot ist voller Leben und Kraft, kann aber auch aggressiv oder zerstörerisch wirken, von warm zu kalt werden, je nach der Auswahl der anderen Farben.

Anhang

Das Buch, die Methode, das Modell:

Steven Foster, Meredith Little – Die vier Schilde – Initiationen durch die Jahreszeiten der menschlichen Natur – Arun Verlag – ISBN 3-935581-72-6

Wieso die Maus?

https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/03/01/die-geschichte-der-springenden-maus/

Einige Links zu Artikeln, in denen der Sommer und das Sommermädchen eine Rolle spielten:

https://cafeweltenall.wordpress.com/2013/07/18/sommermadchen-summergirl-oderor-bye-for-now/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2014/06/21/sommergedanken/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2012/08/20/blaue-stunde-5-teil-momentaufnahmen-turen-und-geschichtenwurfel/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2011/07/10/wochenenden-konnen-wirklich-erholsam-sein/

 

Nordlied

0194a 17.08.16 nordlied

Der Norden ist im nordamerikanischen Medizinrad, das als eins der ältesten Psychologiemodelle gilt, der Platz, an dem der erwachsene Mensch verortet ist. Hier wohnt der Büffel (oder ganz allgemein die Gehörnten), die Zähigkeit, das Durchhaltevermögen, das Sorgetragen für den eigenen „Stamm“ (Familie, Freundeskreis in der heutigen Zeit), die Vernunft, die Verantwortung für sich, das eigene Handeln und die Reaktionen, für die eigenen Gefühle und Wahrnehmungen, sowie die Verantwortung für alle anderen Lebewesen. Hierhin gehört auch der Winter.

Viele Menschen mögen den Winter nicht und ich beobachte viele Menschen, die nicht erwachsen geworden sind, die nicht gelernt haben für sich und ihr Handeln, ihre Reaktionen, ihre Gefühle, ihre Wahrnehmungen und ihren „Stamm“ Verantwortung zu tragen. In ihrem gemeinsamen Buch „Die vier Schilde“ von Steven Forster und Meredith Little zeigt Meredith Little auf, was es heisst ein gesundes Nordschild zu tragen oder ein beschädigtes. Sie bestätigt darin meine Wahrnehmung, dass viele nicht erwachsen wurden oder werden wollten oder es nicht konnten.

Zu einem verletzten Nordschild im Hinblick auf das Frausein schreibt Meredith: „Traumatische Erlebnisse, die nie wirklich angeschaut wurden, anerkannt und assimiliert wurden sind Narben im Gewebe, die dazu führen, dass es ihnen nicht gelingt zu erkennen, dass Narben in Wirklichkeit Zeichen der tiefsten Mysterien des Frauseins sind, Gaben der Kraft und der Heilung. Sie verweigern sich selbst die Bestätigung ihrer Reife und verharren lieber in der Dunkelheit des Opferdaseins und der Untauglichkeit.“

„Es ist recht weit verbreitet, dass die Frau sich hinter dem Sommerschild des Mädchens und dem Herbstschild der Jugendlichen versteckt, sich fürchtet herauszukommen und zu tun, was zu tun ist, sich der Verantwortung zu stellen, der Pflicht und der Notwendigkeit, Opfer zu bringen. Unter Druck wird sie panisch, hysterisch, gewalttätig, passiv, entschlusslos, resigniert, hilflos, ein Opfer. Manchmal täuscht sie sich in ihren Werten oder verliert ihre persönliche Mitte aus den Augen. Liebe und Schöpferkraft, ihre grössten Gaben, werden vielleicht zu Gunsten ihres Körpers, der materiellen Sicherheit oder der eigenen Gefühle vergeudet… “

Es gibt auch die Absätze zu den verletzten Schilden in Bezug auf die Männer. Aber ich habe sehr bewusst diesen Abschnitt ausgewählt, da ich mit den „Mutterbildern“ beschäftigt bin. Damit, was von Mutter zur Tochter weitergegeben wird, ob nun bewusst oder unbewusst und wie gut wir daran tun in unsere Geschichten wieder und wieder einzutauchen, um aufzulösen oder zu verwandeln, was nicht zu uns gehört. Auch gilt es die Verletzungen innerhalb unseres eigenen Lebens anzunehmen, als Chance für das eigene Wachstum zu begreifen, anstatt uns von ihnen in einer ewigen Opferrolle festhalten zu lassen. Das dient niemanden.

Nordlieder nenne ich all das und so heißt auch meine obige Fotomontage. Das, was wir heute verromantisieren war in Wirklichkeit auch nichts anderes, als das, was es heute ist: Strategien zum überleben mussten gefunden und angewendet werden.

Dass ich ein großer Fan von den Nordländern bin ist für meine langjährigen Leser_innen kein Geheimnis, dass ich immer mal wieder mit dem Winter hadere auch nicht…

Ich erinnere mich gut an die Ausbildung und an die vier Tage und Nächte in denen wir das Nordschild kennenlernten. In der theoretischen Stunde wurde nicht nur ich immer kleiner, bis S., unsere Lehrerin, plötzlich in die Runde schaute und lachte: „Nur Mut Frauen, es gibt immer noch etwas, dass in uns erwachsen werden will.“ Mit diesem Satz tanze ich seitdem. Er ist für mich Tröstung und Aufforderung in einem.

Und weil es so gut passt, stelle ich heute dieses Lied hier ein, dass ich gestern bei Karfunkelfee wiederfand, sehr zu meiner Freude! Jan Garbarek und Mari Boine sind beide in Norwegen geboren, Garbarek verehre ich schon lange, Mari Boine lernte ich erst vor ein paar Jahren kennen.

Anmerkung

Steven Forster, Meredith Little – Die vier Schilde – Initiationen durch die Jahreszeiten der menschlichen Natur – Arun Verlag – ISBN 3-935581-72-6

Sonntagsbilder – Reisebilder

Reiseerinnerungen in Bildern – Teil 1

Florales am Rhein

Besonders faszinierend fand ich den Zusammenwuchs von Brombeeren, Kletterrosen, einer kleinen Korkenzieherweide mit einer alten Weide, ich dachte an einen natürlichen Blumenstrauß

Bahnhof Rolandseck = Arp Museum und Kunsthalle Bonn

Mehr vom Arp Museum und seiner Geschichte gibt es hier → zu sehen und zu lesen

Leider hat es an diesem Tag geregnet, sodass die Bilder ziemlich grau in grau geraten sind

Leerstand

Fotomontagen und meine Gedanken zum Thema waren hier zu sehen und zu lesen→

Bei manchen Motiven kommt mir meine Größe in die Quere, da bräuchte ich ein Trittleiterchen im Kofferraum, aber was ich mir jetzt auf alle Fälle anschaffen werde, ist einen Regenschirm, die Kamera wird es mir danken, wenn sie trocken bleibt.

Habt einen freudigen Sonntag!

Scherenschnitt

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Ich bin letzten Freitag am späten Nachmittag nach Basel gefahren. Mein Ziel war es Hochhäuser und Häuserzeilen zu fotografieren, beides fehlt mir immer mal wieder für meine Fotomontagen. Ich fand einiges und bin auch mit den Ergebnissen zufrieden.

Dann ging die Sonne unter und ich war mittlerweile bis zum Rhein gewandert.

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Ich fotografierte im Gegenlicht, heraus kamen Bilder, die mich an Scherenschnitte denken ließen.

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Ich suche immer wieder nach Möglichkeiten auch Menschen zu fotografieren, ohne die Persönlichkeitsrechte zu verletzen. Hier habe ich eine Möglichkeit gefunden.

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Manchmal sind mir meine Bilder ohne menschliches Treiben zu einsam und nicht immer will ich nur Fotomontagen und/oder Collagen machen, in denen ich dann Menschen verfremde oder Figuren kreiere. Manchmal möchte ich einfach nur dokumentieren, Leben jetzt und hier, ohne Veränderungen an den Bildern vorzunehmen, ohne Kommentare von meiner Seite.

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Als ich mit ca. 33 Jahren richtig zu fotografieren begann, war alles ausschließlich der Dokumentation gewidmet. Wie sich das geändert hat! Heute fotografiere ich oft in Hinblick auf meine Montagen oder wegen der Schönheit oder weil ich gewisse Projekte verfolge. Ich möchte wieder mehr dokumentieren.

Reisenotiz – 5 – Spaltung

0167 10.09.15

Auch wenn ich von hier nach dort gereist bin, war es eben keine Ferienreise. Ich bin zu meiner Freundin und ihrem Mann gefahren, um sie bei der Renovierung ihres Häuschens zu unterstützen, aber auch, um sie zu bekochen. Manches ist eben nicht mehr einfach so zu wuppen, wenn man einen ganz normalen Arbeitstag mit Fahrtstunden hat, eine kranke Mutter begleitet und ein erworbenes Fachwerkhäuschen quasi neu aufbaut. Da sind so ein paar Tage Unterstützung Willkommen. Und wie Willkommen! Ich schrieb in der Mitte der Woche in mein Gedankenauffangbuch: „Wie schön es ist mit und für andere etwas zu tun und sich dabei Willkommen zu fühlen.“

Zwischendrin war immer viel Raum für mich, um noch eine Freundin und einen Freund in der Nähe zu besuchen, alleine durch die Gegend zu stromern und zu fotografieren, Zeitung zu lesen. Ich bin also nicht, wie sonst so oft, aus den Nachrichten ausgestiegen, so kam es zu folgendem Eintrag:

Eine viel gehörte und gelesene Floskel dieser Zeit lautet: „Das Volk ist gespalten“. Gemeint ist nicht immer das selbe Volk, mal ist es das türkische, mal das britische, dann das polnische und auch das deutsche. Ganz ehrlich (?), das Menschenvolk ist gespalten. Gespalten in Tradition und Fortschritt, in arm und reich (sowieso), in regional und global, in sozialem, humanitärem Denken und Handeln und kapitalistischer Ausbeutung, schlimmer denn je, in Wachtumsgedanken auf Deubel-komm-raus und Ressourcenverwaltung, in weiß und bunt, in Religiösität und Spiritualität, in Frauen- und Männerwelten. Die Liste lässt sich fortführen und ist weit mehr als nur die jeweilige Seite ein und der selben Münze.

Dieser Sommer oder Nichtsommer, je nachdem wo man Zuhause ist, zeigt die Spaltung deutlicher denn je. Was er aber kaum zeigt sind Lösungen. Die konträren Seiten erheben jede für sich eine zur Allgemeingültigkeit erklärte Wahrheit, die in meinen Augen immer nur relativ sein kann. Arroganz und Populismus schreien laut und lauter, während noch immer Tausende im Mittelmeer ertrinken oder an flugs errichteten Zäunen im Elend hocken.

Keine Kreise um eine Mitte herum, in dem man zuhört und erst spricht, wenn die Eine, der Andere endet, sich der Raum für das eigene Herzwort öffnet. Herzwort? Mit dem Herzen zuhören und mit dem Herzen auf der Zunge sprechen wird kaum gelehrt oder geübt. Dabei gibt es „Council“ und „GFK“ – wieder so etwas, dass ich gerne als Schulfach verankert sähe. Noch immer gilt in der Welt: je lauter, je rhethorischer umso mächtiger und wahrer (?). Hieran habe ich bei der Betrachtung von Hannah Höchs Bild „Der Mensch schreit“ gedacht.

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Es braucht viel Zeit, um die Dinge zu durchdringen, um sie zu verstehen. Zeit, die kaum eine_r hat. Die Taktung von Arbeit, Familie, Freundschaften und sogenannter Freizeit hat einen Gürtel, der immer noch enger geschnallt wird. Atemnot ist die Folge. Meditation und Yoga damit man es doch noch schafft, ohne größeren Schaden zu nehmen, irgendwie… In der Ferienzeit wird gewandert, gepilgert, geradelt, um wenigstens hier den eigenen Weg zu erfahren, den man dann oft im Alltag mit all seinen Zwängen, nicht halten kann. Fasten ist eben nicht Hungern.

Was im Großen kaum zu finden ist, wird wenigsten in den eigenen kleinen Kreisen von Partnerschaften, Familie und Freundeskreisen kultiviert (nein, nicht in allen!). Hier ist das Feld, um Miteinander und Aufeinanderzu zu leben, um alles bis hierher Erfahrene und Erlernte, als stimmig Erkanntes, zu leben. Hier kann man üben dem/der anderen eine eigene Meinung zuzubilligen, den Anderen anders sein zu lassen und sich trotzdem nah zu bleiben.

Angst und Wut sind schlechte Berater_innen, und doch sind sie es, die in diesen Zeiten laut sind und die Spaltungen größer werden lassen. Der Quantensprung der Menschheit bleibt aus. Ich stimme Henry Thoreau zu, der in seinem Buch „Walden oder Leben in den Wäldern“ vor 150 (!) Jahren schrieb, dass die Menschheit an sich noch nicht sehr weit gekommen ist. Zivilisation hat wenig mit geistigem Fortschritt zu tun, mehr mit der Fütterung von Bequemlichkeitsgelüsten einiger weniger.

Ähnliches ging Irgendlink auf seinem Nachhauseweg am Rhein entlang durch den Kopf, nachzulesen hier→

Hier enden meine Reisenotizen, zeigen werde ich noch das eine und andere Bild von unterwegs.

Anmerkungen

wer mehr über Council erfahren möchte kann hier nachlesen:

http://www.hrweb.at/2011/09/council-ruckkehr-zum-zuhoren/

http://www.umweltbildung.at/cms/download/1386.pdf

GFK ist die Abkürzung für: GewaltFreie Kommunikation

https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation