R = Richtungswechsel

Alphabet der mutigen Träume

Kormoran hat zum Thema Kommunikation folgendes gefragt:

K-Frage heisst in Deutschland ja wer wird Kanzler – was würdest Du kommunizieren bei einem Tag als K.

Meine Antwort:

Verehrter Herr K – ormoran, Sie stellen ja Fragen … ich würde auf alle Fälle einen Richtungswechsel ankündigen (da wäre ich doch gleich eine richtige K. 😉 ), das zweite Ziel würde Bruttosozialglück (=B) heißen und die Form des Staates: Demokratie unter Miteinbeziehung des Volkes bei staatstragenden Entscheidungen. Ferner würde ich die Steuern für die Reichen und Superreichen erhöhen, Hartz IV abschaffen und das bedingungslose Grundeinkommen für jede und jeden einführen. Damit hätte ich mir nun schon genug Feinde gemacht, um die Vertrauensfrage gestellt zu bekommen…

…und dann würde ich, wenn ich nicht schon vorher vom Podest geholt worden wäre,  eine Rede über all das halten, was ich von A = Allgemeinwohl bis hierher benannt habe, würde Gedanken von Gerdas griechischem Alphabets des freien Denkens hineinflechten, um den Damen und Herren VolksvertreterInnen und Volk einen Richtungswechsel hin zu einer von Humanität getragenen Gesellschaftsform schmackhaft zu machen. Und natürlich würde ich die Ministerinnen und Minister vorstellen, die in diesem Sinne die Ideen umsetze würden. Denn eine K. allein, das funktioniert nicht. Abgesehen davon, dass ein Mensch eh nie alles weiß und kann und es für einen Richtungswechsel viele kluge Köpfe braucht.

Der Richtungswechsel ist notwendig, weil es so, wie es Zurzeit in der Welt ist, zu noch größeren Katastrophen führen kann. Um negativen Prophezeiungen den Boden zu entziehen, setze ich mutige Träume dagegen.

Gerda hat natürlich Recht, wenn sie (im Kommentarstrang zu Brechts Ballade am Samstag) sagt, dass unsere beiden Alphabete die wirtschaftliche Seite nicht außen vor lassen darf. Ich habe deswegen den einen und anderen Gedanken hier mit eingewebt. Bislang sprach ich von Allgemeinwohl, Bruttosozialglück, von einer Welt des Nehmens und Gebens.

Ich bin nun wahrlich keine Wirtschaftsexpertin, auch habe ich das Kapital von Marx nie gelesen- ich weiß nur, dass der Turbokapitalismus auf Dauer nicht funktionieren kann. Ihr lest es, hier ist eine Fachfrau/ein Fachmann gefragt. Gerda hat auch damit Recht, wenn sie sagt, dass es noch ein drittes Alphabet geben müsste, eins der wirtschaftlichen Fragen… das aber würde ich gerne ihr oder denjenigen überlassen, die in diesem Gebiet firm sind. Ich weiss nur, dass Schluss sein müsste mit der Macht der Banken, der Spekulationen und Korruptionen- ein wahrlich großes Unterfangen!

Um mich dem Ganzen überhaupt zu nähern, kann ich mich nur an kleinen Projekten und Ideen, sowie an ihren Formen orientieren, die mir sinnvoll erscheinen. Dazu gehört für mich das System der Genossenschaften und das der Kollektive = Selbstbestimmung ohne Masterplan, aber mit System und Plan, der sich an dem Moment und seinen speziellen Aufgaben orientiert. Ich habe selbst lange in einem Kollektiv gearbeitet. Ja, manchmal war es nervig, wenn wir ein Thema zum 100sten Male diskutieren mussten, weil Konsens eben Konsens heißt und trotzdem war es in meinem Arbeitsleben mit anderen die beste Form, die gerechteste auch.

Mitspracherecht und Gewinnbeteiligung in der Produktion ist in dem Kontext schon eine Selbstverständlichkeit, Fair-Trade auch. Regionale Vertriebe ist ein weiteres Stichwort. Ich denke auch an eine Landwirtschaft, die den Namen wieder verdient hat- weg von Monokulturen und riesigen Betrieben, weg von Massentierhaltung und Subventionen, weg von genormten Früchten und Gemüse, Gentech sowieso nicht. Wie kann es sein, dass die Landwirtin, der Landwirt immer noch wie ein dummer Bauer behandelt wird? Sie ernähren uns! Es geht also auch immer wieder um einen Richtungswechsel in der Bewertung von unterschiedlichen Arbeitsfeldern. Ihr lest es, jedes Stichwort kann einen eigenen Artikel füllen.

Zurück zu meinen Stichworten: Umverteilung des Kapitals = Steuerrecht. Die Reichen und Superreichen haben ihren Reichtum auf dem Rücken von Tausenden erwirtschaftet und sind nicht bereit sie an diesem Wohlstand teilhaben zu lassen, obwohl sie so viel besitzen, dass sie es nicht in zehn Leben  ausgeben können. Was hindert die meisten von ihnen daran einen Teil ihres Geldes an ihre ArbeiterInnen und Angestellten weiterzugeben, was hindert sie Geld in Kultur und soziale Projekte zu stecken? Geiz ist eine der Antworten, Gier die nächste, Stolz eine andere, Macht die nächste. Und somit erscheint alles als unmöglich, nicht wahr? Denn wer vermag schon den Geizigen, Gierigen, Stolzen, Mächtigen zu einer Umkehr zu bewegen? Und wie komme ich Angesicht dieser Tatsachen dazu ein mutig erträumtes Alphabet zu ersinnen und zu veröffentlichen?

Die Säerin, 1926, v. Wilhelm Schulze Rose – dahme.de

Es heißt immer wieder: „Stetig ist der Wandel“ und „Steter Tropfen höhlt den Stein“- seht mich als steten Tropfen, seht mich als Eine, die weiß, dass ein Richtungswechsel Zeit braucht und über meine eigene Lebensspanne hinausreicht- nicht mir zum Wohle schreibe und träume ich das alles, vor allen Dingen für das Wohl der nachfolgenden Generationen und einem Planeten, der auch für sie noch Früchte trägt und Wasser schenkt. Und ja, seht mich als eine, die Samen streut, die auch nur übt und auf dem Weg ist.

Gestern Abend hörte ich ein feature über einen Amerikaner, der sich Zeit seines Lebens für den Weltfrieden engagierte, er wird nun 80 und sagte sinngemäß: Bislang haben wir den Weltfrieden nicht erreicht und gerade eben sind wir wieder weit von ihm entfernt, aber wir haben uns wenigstens um ihn bemüht. Dann hat er herzlich gelacht. (Leider habe ich nur mit halbem Ohr zugehört und der Name ist mir weggerutscht.) Diese Haltung ist es, die mich dazu bringt mich weiterhin einzusetzen, mich zu bemühen und ist Motor für das Alphabet und einiger meiner Bilder.

Unter O = Offenheit habe ich das Buch von Geseko Lübke – Die Politik des Herzens, vorgestellt, vielleicht hat ja die Eine und der Andere mal geblättert- auch hier werden die einzelnen Kapitel von unterschiedlichen Menschen geschrieben, Geseko Lübke war der Sammler und Initiator, ich habe jetzt entschieden, dass ich mir das Buch kaufen werde, hier finde ich bestimmt noch viel Ergänzendes und Vertiefendes zu meinem Alphabet der mutigen Träume. Eine Buchbesprechung folgt dann…

 in dem Buch blättern →

Nachtrag- nun habe ich doch einmal nachgeschaut, Frau Wildgans hat mich im Kommentarstrang dazu motiviert, wer genau der 80jährige war/ist:  Die Sendung lief auf SWR2 – der Mann Benjamin Ferencz, einer der Chefankläger bei den Nürnberger Prozessen- hier ist der Link, du kannst es nachhören und das werde ich auch machen, weil ich ja eben nur mit halbem Ohr zugehört habe-
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/feature/benjamin-ferencz-hurra-wir-haben-nicht-versagt/-/id=659934/did=18849784/nid=659934/cqn5dw/index.html

Ich muss mich entschuldigen, Benjamin Ferencz war zu der Zeit, als das feature entstand – 2015 – schon 97 Jahre alt, nun habe ich die Sendung nachgehört!

 

Q = Querdenken

Alphabet der mutigen Träume

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©stepstone.at

In jungen Jahren nannte man mich Querulantin, Querkopf und Quälgeist, weil ich schon früh damit begann Fragen zu stellen und zu hinterfragen. Das war unbequem für die Befragten, also speisten sie mich ab, was weder nährend, noch förderlich war. Später fand ich viele Antworten in den Büchern, soviel wie ich fragte, soviel las ich ab dem Moment als ich es konnte, mit fünf Jahren … weil ich es so wollte. Querkopf eben, Dickkopf auch! Gut so, das hat mich vor größeren Schäden bewahrt. Und wie ich immer wieder einmal in der Literatur lese, nicht nur mich, zuletzt las ich Ähnliches in der wunderbaren Trilogie um Hilda herum, geschrieben von Ulla Hahn.

Je älter ich wurde, umso mehr schätzte ich querdenken und QuerdenkerInnen. In der Schule liebte ich die Lehrerinnen und Lehrer, die uns ermunterten das Gelernte in eigene Worte zu fassen, statt in vorgefertigten Merksätzen runterzurasseln, was bei mir eh nicht funktionierte, ich war keine Auswendiglernerin, außer bei Liedern. Wieder so was Verqueres… Ähnlich verquer, wie ich immer die eigenen Erfahrungen machen muss, bis ich Gelesenes oder Gehörtes zu mir nehmen kann. Noch verquerer war es, als ich vor ewigen Zeiten in einer Töpferwerkstatt ein Praktikum machte, ich konnte ein Gefäß immer erst zeichnen, wenn es durch meine Hände „gelaufen“ ist, zuträglich war meine bildliche Vorstellungskraft, wenn eine Kundin/eine Kunde mir ihre Vorstellung vermittelte, aber üblich war diese Herangehensweise nicht. Was sagt uns das? Dass verschiedene Menschen verschiedene Zugänge zum Lernen und Umsetzen haben.

Quer denken heißt für mich sich auf den Weg zu machen, um erst einmal die eigenen Fähigkeiten kennen und ausloten zu lernen, für sich die Wahrheiten und Lebensformen zu finden, die sich stimmig anfühlen, auch wenn sie quer zur Hauptrichtung der Anderen verlaufen. Querdenken heißt außerdem etwas zu verknüpfen, was bis dato noch nicht verknüpft wurde oder als undenkbar erscheint.

Viele EntdeckerInnen, ForscherInnen, KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen sind QuerdenkerInnen. Sie alle trauen und trauten sich quer zur bestehenden Denkrichtung zu denken, unmöglich Erscheinendes möglich zu machen, groß zu denken, mutig zu handeln, die Möglichkeit des Scheiterns miteinbezogen.

Viele trauen sich nicht groß zu denken und mutig zu handeln, weil die Angst vor dem Scheitern groß ist. Nicht jedes Vorhaben gelingt auf Anhieb und ist von Erfolg gekrönt, manches scheitert erst einmal ganz, was dann zwar bedauerlich ist, mich aber nicht davon abhält es erneut zu versuchen. Zuerst aber kommt die Phase des Trauerns, der Zweifel und des Infragestellens, gefolgt von der Phase des Hinterfragens, was ich besser oder anders machen kann, damit es gelingt.

Vielleicht beginnt Scheitern ganz woanders, nämlich bei der Bewertung und bei dem Bild, das uns von gescheiterten Menschen vorgeführt wird. Der Umgang mit sogenannten wirklich gescheiterten Existenzen heute, hier und jetzt, fördert eher die Angst, statt den Mut zu schüren es auf weitere Versuche ankommen zu lassen. Selten hören oder lesen wir von Menschen, die es wieder und wieder probier(t)en, bis sich dann der Erfolg einstellte.

Ich frage mich ob ein Grund für die vorherrschenden Frustrationen, Unzufriedenheiten, der zunehmenden Wut und Gewalt in der Welt der ist, dass die Menschheit eine Welt der Sieger und Verlierer gebaut hat, statt eine Welt in der für jede und jeden Platz ist, weil sie mit ihren Fähigkeiten und Qualitäten ernst genommen und gefördert werden.

Im Alphabet der mutigen Träume geht es immer auch darum die Menschen genau dort abzuholen, dafür stehe ich. Ich stehe auch für das bedingslose Grundeinkommen, um dem Ziel, dass für jede und jeden Platz in dieser Welt ist, näher zu kommen. Freudig schaue ich auf Projekte, die genau dies tun, sei es nun das wunderbare Gartenprojekt bei Gerda in der Nähe oder aber diesem Projekt im Wendland, wie auf  viele andere Projekte auch. Sie alle sind Ergebnis von mutigen Handeln und der Haltung: es ist möglich!

QuerdenkerInnen finden sich nicht einfach mit Gegebenheiten ab, sie denken quer zu allen die sagen:

  • das geht sowieso nicht
  • das kann ich nicht
  • ich habe sowieso nie Glück
  • ich habe nicht genügend Kraft
  • das ist doch langweilig
  • an der Sache liegt mir nichts
  • und eigentlich ist mir das sowieso egal.

Alle diese Statements oder Glaubenssätze verhindern Erfolg und Fortschritt und sind leider sehr verbreitet. So gilt es auch diese Glaubenssätze Schritt für Schritt zu verwandeln:

  • das ist möglich
  • das will und kann ich lernen
  • es wird mir gelingen
  • ich habe die Kraft, die ich brauche, um…

Querdenken heißt eben auch unmöglich Erscheinendes möglich zu machen.

Es gäbe viele QuerdenkerInnen beim Namen zu nennen, ich nenne eine Generation: die sogenannten Altachtundsechziger, denen ich den Artikel von Mutmachern und Hutmacherinnen gewidmet haben, hier gehts lang →

Das Buch zum Link 01-alles

 

Miniatur # 2-2017 – für ein Blogprojekt

Schnee, Buchladen, Rotwein

textstaub aka ludwig zeidler hat am Sonntag ein neues Projekt vorgestellt

  • Texte zur Liebe
  • maximal 10 Sätze
  • jeden Sonntag gibt er drei Wörter vor, die im Text vorkommen sollen (siehe oben)

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Schau, würde ich dem Liebsten sagen, so ein schöner Schnee. Und wie er geweht wurde, in Falten gelegt und dann erstarrte, unberührt.

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Ich würde keinen Rotwein trinken. Und der Liebste sowieso nicht; aber nicht deswegen, nein, weil ich nicht will. Ich will nicht immer. Auch nicht so wie er.

Schau, würde ich dem Liebsten sagen, vom Schnee können wir die Hingabe lernen, die Hingabe an den Wind.

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Heute lese ich Schneegeschichten, heute brauche ich keinen Buchladen, die Geschichten liegen vor der Türe, sie wehen am Fenster vorbei, lautlos und voller Musik.

Horch, würde ich zum Liebsten sagen- zusammen würden wir das Schweigen des Schnees lernen.

0044-01-2017

P = Prudentia/Klugheit

Alphabet – mutig geträumt

Oder P = der vergessene Buchstabe. Tatsächlich hatte ich bei meiner Aufstellung des Alphabets das P vergessen, schaut selbst:

0248-07-12-2016Ein aufmerksamer Leser meines Blogs wies mich darauf hin und schlug „Prudentia“ vor. Gerne nehme ich die Klugheit in mein Alphabet des mutigen Träumens auf und noch einmal bedanke ich mich herzlich für den Vorschlag und fürs aufmerksame Lesen.

Prudentia = Klugheit also:

Als klug gilt sie/er, die/der in der Lage ist Situationen und Herausforderungen zu erkennen, zu verstehen, um sie dann bestmöglichst zu meistern. Die Klugheit wird zu den vier Kardinaltugenden gezählt, die da wären: Besonnenheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Klugheit.

Klugheit ist so viel königlicher als die Schläue der „Schlitzohren“, die nur nach ihrem Vorteil trachtet, sich nicht scheut unlautere Mittel zur Erreichung ihrer Ziele einzusetzen und somit auch nicht davor zurückschreckt anderen zu schaden. Mir scheint, dass die heutige Welt und ihre Regierungen mehr von der Schläue, denn von der Klugheit gelenkt werden…

 

prudentia-jost_ammanJost (Jodocus) Amman auch Jobst Amman (* 1539 in Zürich; † März 1591 in Nürnberg) war ein schweizerisch-deutscher Zeichner, Kupferätzer und -stecher und hat in diesem Bild die Klugheit dargestellt, das Bild trägt den Titel „Prudentia“

Prudentia kennt sowohl den Blick in den eigenen, wie in den Spiegel der Welt und sie kennt auch die Herausforderungen, hier in Gestalt der Schlange dargestellt. Mir scheint, als ob Prudentia mit der Schlange in einem Dialog steht. Oftmals steht ja die Schlange für das Böse, die Vertreibung aus dem Paradies, ich verstehe sie als Herausforderung, aber auch als Sinnbild der Transformation, des Wandels. Und nichts anderes will ja das mutig geträumte Alphabet vermitteln: den Mut zur Häutung, dem Abwerfen von alten Häuten. Kluges Handeln setzt den Einsatz des Verstandes und des Herzens voraus..

Gerda schrieb einen umfassenden Artikel zum Verstand, sodass ich mir hier sparen kann tiefer auf ihn einzugehen. Ich behaupte: ohne Einsatz des Verstandes und des Herzens kein kluges Handeln. Gerda schrieb ebenfalls einen Artikel zu Kopf und Herz →

Komme ich zur Intelligenz, eine Größe des menschlichen Seins, die mich immer mal wieder beschäftigt. Mühselig habe ich akzeptiert, dass die Einen mehr, die Anderen weniger davon haben. Lange Zeit glaubte ich, dass jede und jeder, bei entsprechender Förderung, alles lernen könne.

Welch ein Gaukelbild (!), wenn auch ein inspirierendes. Es hat mir nämlich beim Gaukeln ein zweites Bild gezeigt, eins mit einem freundlichen Gesicht und lachenden Menschen gegenüber. Es ist die Klugheit, die lächelnd auf die Menschen zugeht und sie einlädt ihr zu erzählen wovon sie träumen, woran sie glauben, was sie sich wünschen, was sie gerne tun, aber auch wovor sie sich fürchten und was sie gar nicht wollen. Die Klugheit erfasst, was es braucht und welche Unterstützung vonnöten ist, um den Wandel in die Wege zu leiten. Die Klugheit erkennt die Sorgen und Nöte, die Wünsche und Träume der Menschen und handelt in ihrem Sinne, sie trachtet nach Möglichkeiten das Bestmögliche für alle lebenden Wesen umzusetzen und ist somit ein unabkömmlicher Aspekt des mutig geträumten Alphabets.

O = Offenheit

Alphabet – mutig geträumt

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ruft die Mutter, ruft die Großmutter, ruft der Vater, ruft der Großvater und schon läuft das Kind voller Freude in die weit geöffneten Arme…

Die Offenheit, die ich meine, hat als Zweitüberschrift „Neugierde“ und als Drittüberschrift „Vertrauen“, ihre Verortung liegt im offenen Herzen.

Neugierig zu sein auf die, der, das Andere, auf das Fremde, das Verborgene, das Leben hinter den Fassaden und Masken, auf die Gedanken und Gefühle hinter den Werken, allem Gesagtem und Gezeigtem, dem Menschen hinter seiner äußeren Erscheinungsgestalt, anstelle von Abgrenzung und Misstrauen, das ist eine Haltung, die ich mit dem Alphabet der mutigen Träume versuche darzustellen und selbst zu verinnerlichen. Sie ist für mich auch die Haltung der Kinder, die anfangs offen und neugierig der Welt begegnen.

Wir diskutierten es schon woanders, dass „grenzenlos“ keine Option ist.

Ein Mensch, der sich ehrlich beobachtet und hinterfragt kennt auch die eigenen Grenzen und erkennt sie an. Sie können jederzeit geweitet oder verengt werden, je nachdem, wie die Zusammenhänge sind und die Felder, in denen man sich gerade bewegt. Grenzen sind Selbstschutz.

Das Ich begreife ich als nichts Festes, Starres, auf immer und ewig Festgelegtes, es ist aus meiner Sicht jederzeit wandelbar, wenn man bereit dazu ist und die Mühen, die damit einhergehen (können), nicht scheut. Blinder Glauben, an welch höhere Macht auch immer noch, die schon alles im eigenen Sinne richten wird, hilft da nicht weiter. Vertrauen in die eigene Kraft und helfende Hände schon, sowie die Neugierde und Offenheit  gegenüber dem bevorstehendem Wandlungsprozess.

Offenheit ist eine Haltung, die mit Vorurteilsfreiheit und Wertefreiheit Hand in Hand geht, was nicht heißt, ich kann es nicht oft genug betonen, gutzuheißen was anderen schadet oder, wie es mein Extherapeut immer so drastisch wunderbar formulierte: es geht nicht darum Sahnehäubchen über Scheisshaufen zu sprühen…

Die Fragen, die für mich, meine Haltungen und Handlungen wegweisend wurden, lauten:

  • Womit schade ich mir und/oder den anderen und gilt es von daher zu vermeiden?
  • Was nährt mich und andere und ist somit zu stärken?

Das offene Herz ringt nicht um Mitgefühl, es fühlt mit, es fragt nicht nach Liebe und deren Beschaffenheit, es liebt.

Ja, ich glaube an die eigene Kraft und daran, dass ich mein Herz öffnen kann und die Öffnung weiten- in jedem Augenblick kann ich mich entscheiden, ob ich etwas blockiere, mich verschließe oder mich dem was ist öffne. Das offene Herz weiß, wann es geschützt werden muss, man muss ihm nur lauschen (gar nicht so einfach bei all dem Getöse, das die Welt macht!).

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(Dies war einmal ein Versuch von mir zum einen den Weg des Herzens zu zeigen, sowie all die Facetten des Lebens und der Menschen, die in meinem Platz haben…)

Gerda schrieb in ihrem Artikel: Griechisches Alphabet des freien Denkens: O wie ΟΡΑΜΑ (Vision) ebenfalls über Öffnungen, wenn auch in einem anderen Kontext. Sie schrieb u.a. über die Vulva und das Auge. Das offene Auge nimmt auf und sendet, ebenso die geöffnete Vulva. Was immer wir verschließen oder geschlossen halten blockiert die Lebenskraft und Lebensfreude, das gilt für das Auge, wie für die Vulva, wie für das Herz.

Am Ende dieses Artikels möchte ich euch noch einen mutigen Traum von mir vorstellen, der in weiter Zukunft angesiedelt ist, in sehr weiter:

Ich träume von einer Welt (bzw. Erde) ohne Grenzen- einer Welt, in der Nehmen und Geben eine Selbstverständlichkeit ist, deren Menschen ihr Leben selbstverantwortlich zum Wohle aller und sich selbst gestalten und somit frei von Ausbeutung, Unterdrückung und Herrschaft ist, eine Welt, die das Andere respektiert, statt bekämpft. Ich nenne ihn einen blauen Traum.

In der Kunst, besonders in der Musik gelingt es immer häufiger, dass Menschen aus vollkommen verschiedenen Kulturkreisen und Traditionen stammend miteinander musizieren und neue Harmonien finden.

Statt Mitgefühl unter dem Buchstaben M hätte auch Miteinander stehen können. Miteinander statt gegeneinander öffnet den Weg zu einer Welt der offenen und vielleicht sogar irgendwann einmal vollkommen überflüssigen Grenzen, dann, wenn es Usus geworden ist, dem Verbindenden, statt dem Trennenden zu folgen; dem Fremden nicht mehr mit Angst und Abwehr zu begegnen, sondern mit Neugierde und Offenheit.

Und weil ich nicht missverstanden werden will, das alles sind Samen, die ich streue, in eine Welt hinein, die mich täglich davon überzeugen will, dass sich die Menschheit nicht zur Umkehr bewegen lässt, dass Gier, Neid und Hass weit verbreitet sind und kaum Platz für anderes lässt. Und dann halte ich es mit dem Satz, den auch Christiane im Kommentarstrang schrieb: aufgeben gilt nicht!

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Geseko Lübke – Die Politik des Herzens, wenn du dem Pfeil folgst, dann kannst du sogar ein bisschen in dem Buch blättern →

Miniatur # 1-2017

umarmung

Die Mutter hat es oft erzählt, dass sie damals, als der Vater wieder nach Spanien musste, sie sich nicht voneinander verabschiedet hatten. Sie hatten sich am Abend vorher gezankt. Er kam nie wieder und sie hatten sich noch nicht einmal Auf Wiedersehen gesagt.

Ich sagte heute zu dir: Egal was ist, ohne Umarmung dürfen wir nicht auseinandergehen. Er hat genickt und wir haben uns umarmt, lange.

Die Ballade vom Wasserrad – Bertold Brecht

blog-goes-ballade

Christiane ruft zu einer Blogparade der Balladen auf, eine schöne Idee finde ich, denn wer kümmert sich  schon noch um Balladen? Ich habe überlegt welche Ballade mir am nächsten ist und kam auf Bertold Brecht und seiner Ballade der menschlichen Unzulänglichkeit, da ich diese aber hier schon eingestellt, und auch erst vor kurzem wieder einmal auf sie hingeweisen habe, entschied ich mich auf die Suche nach anderen Balladen von Brecht zu gehen und fand diese, die auch zu meinem Alphabet der mutigen Träume passt, spricht sie doch davon, dass, wenn wir aufhören „Die da oben“ zu füttern, sich das Rad drehen kann.

Die Ballade vom Wasserrad

1

Von den Großen dieser Erde
melden uns die Heldenlieder:
Steigend auf so wie Gestirne
gehn sie wie Gestirne nieder.
Das klingt tröstlich, und man muss es wissen.
Nur: für uns, die sie ernähren müssen
ist das leider immer ziemlich gleich gewesen.
Aufstieg oder Fall: Wer trägt die Spesen?

Freilich dreht das Rad sich immer weiter
dass, was oben ist, nicht oben bleibt.
Aber für das Wasser unten heißt das leider
nur: Dass es das Rad halt ewig treibt.

2
Ach, wir hatten viele Herren
hatten Tiger und Hyänen
hatten Adler, hatten Schweine
doch wir nährten den und jenen.
Ob sie besser waren oder schlimmer:
Ach, der Stiefel glich dem Stiefel immer
und uns trat er. Ihr versteht: Ich meine
dass wir keine andern Herren brauchen, sondern keine!

Freilich dreht das Rad sich immer weiter
dass, was oben ist, nicht oben bleibt.
Aber für das Wasser unten heißt das leider
nur: Dass es das Rad halt ewig treibt.

3
Und sie schlagen sich die Köpfe
blutig, raufend um die Beute
nennen andre gierige Tröpfe
und sich selber gute Leute.
Unaufhörlich sehn wir sie einander grollen
und bekämpfen. Einzig und alleinig
wenn wir sie nicht mehr ernähren wollen
sind sie sich auf einmal völlig einig.

Denn dann dreht das Rad sich nicht mehr weiter
und das heitre Spiel, es unterbleibt
wenn das Wasser endlich mit befreiter
Stärke seine eigne Sach betreibt.