Wind – 2 –

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Getürmte Wolken fetzen dunkel über Reste von Azur. Es heult, es reisst, es biegt sich. Was nicht fest ist, klappert oder kippt um. Ein Sturm, der sich nimmt Blatt, Ast und Baum. Der Meere peitscht, haushohe Wellen über Mensch, Hafen und Landschaft wirft. Kein Halt ohne feste Wurzeln. Es ist der Moment, in dem Dämme brechen. Es ist ein Brüllen, Tosen, Rauschen, Strömen, Tropfen, Schluchzen. Es ist ein Weh. Es ist ein Getöse. Es ist ein Fall. Sie hatte gedacht, sie wäre gewappnet nach all den Jahren und den vielen Sicherheitsvorkehrungen. Sturm kennt keinen Halt. Es gibt immer noch Ritzen. Ritzen für ein Windchen, ein laues Lüftchen. An den wilden Bruder hat sie nicht mehr gedacht.

Es ist eine Gewalt in der Welt. Eine Gewalt, die ohne Willen ist, ohne Verlangen. Die Leben nimmt, ohne es haben zu wollen. Kein Hass, keine Liebe, keine Rache, keine Strafe, keine Schuld. Wenn sie sich Bahn bricht, schauen Göttin und Gott gerade in eine andere Richtung.

Engel – 2 –

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Bekanntermassen können die Engel jede beliebige Form annehmen. Weniger bekannt hingegen, dass die Form, die sie annehmen, für sie auch eine Bedrohung darstellt. Halten sie zu lange an ihr fest, beginnt die Form sie zu prägen, und falls sie die Warnsignale nicht erkennen, wird die Form sie schliesslich vollends vereinnahmen.

Karl Ove Knausgard: Alles hat seine Zeit – S. 12

Und immer diese Engel …

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Bilder von Engeln begegnen uns immer wieder, und die Geschichte ihrer bildlichen Darstellung reicht zurück bis ins Alte Testament. Dort findet sich eine genaue Beschreibung zweier Engelsskulpturen (Cherubin), die den Tempel Salomons verzieren. Dort werden sie mit Flügeln dargestellt, genauso wie auf Bildern von alt-ägyptischen Gottheiten. In der frühchristlichen Kunst finden sich jedoch Darstellungen von Engeln als Jünglinge, die keine Flügel besitzen. Obwohl in christlichen Schriften ab dem 3. Jahrhundert Engel als geflügelte Wesen beschrieben werden, finden sich in der Kunst erst hundert Jahre später erste Bilder von geflügelten Wesen, oft mit einer weißen Tunika bekleidet. Das älteste bekannte Engelsbild stammt jedoch bereits aus dem 2. Jahrhundert und ist in den Priscilla-Katakomben zu finden.

Hier gefunden →

So manches von dem, über das ich mit Jürgen gesprochen habe, wirkt nach, so auch das Engelthema.  Jürgen und Susanne arbeiten schon länger zu diesem Thema, das bei ihnen double bind heisst- doppelt gebunden

Kaum war Jürgen abgereist, kam am nächsten Nachmittag eine Freundin, die ich viele Jahre nicht mehr getroffen hatte. Und was brachte sie mir mit …

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Zufall oder Synchronizität?

Ich gebe es zu, diese Putte ist nicht wirklich meine Welt … aber sie kam eben gerade jetzt und das stimmte mich nachdenklich.

Für mich sind Engel Lichtgestalten, Energien, kaum fassbar, kaum sichtbar. Symbol und Erscheinung zu gleich. Spannend finde ich noch, dass ich mich gerade dem Thema Licht und Wind zugewendet habe und nun die Engel aufgetaucht sind … ich sags ja: Lichtgestalten.

Vor mir liegt das Buch: “Alles hat seine Zeit” von Karl Ove Knausgård, in dem er die Geschichte der  Engel von der Antike über das Mittelalter bis in die Zeit der Aufklärung in den Mittelpunkt seines ersten Buches gestellt hat- ich bin gespannt und werde sicherlich berichten …

Woran oder was denkst du, wenn du an Engel denkst?

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Licht und Wind

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Es geht um den Wind, es geht um das Licht, flüstert die Närrin. Ich nicke. Mir ist nicht zum Lachen. Ich sinniere. Wind ist Bewegung, Licht macht Schatten sichtbar. Was drückt im Hoch, was im Tief? Zwischen Hoch und Tief ist Windstille, da kann ich nicht ewig hocken bleiben, da braucht es Bewegung!

Sag ich doch. Lächelnd steigt die Närrin in ihr Narrenschiff, Wind bläht die Segel. Sie winkt und segelt dem Licht entgegen.

 

Die Begegnung

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Zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, treffen aufeinander. Bevor ich jetzt beginne die zwei Welten in Korsetts zu pressen oder in Schubladen zu packen, nenne ich sie einfach Jürgen Küster und Ulli Gau.

Am Samstagmorgen kam Jürgen bei uns an. Er brachte den ersehnten Regen mit, sodass wir erst einmal in der Küche zu einem zweiten Frühstück verschwanden. Die gegenseitige Umkreisung begann. Fragen lösten sich mit Erzählen ab. Wir sprachen über die Welten aus denen wir kommen, was uns prägte, wie wir weitergingen.

Als wir am späteren Nachmittag das Dorf umrundeten (Regen war am Morgen), wurde mir einmal mehr  bewusst, wie einsam wir doch hier leben und warum ich zur Wanderin geworden bin. Nur Esel, Pony und Kühe, Wiesen, Berge, Bäche und Wälder reichen auch mir schon länger nicht mehr. Und Jürgen schon gar nicht …

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Immer mal wieder kamen wir an unsere Grenzen, fanden nicht immer die Zugänge zu der Welt des anderen, sodass ich mich später am Abend fragte, wie eine Begegnung am nächsten Morgen auf dem Papier überhaupt aussehen könnte. Ich bin mit Pinseln und Farben nicht mehr wirklich vertraut, selten, dass ich noch eine Zeichnung mache. In den letzten Jahren habe ich mich, neben dem Schreiben vollkommen auf die Fotografie, auf Fotomontagen bzw. Collagen konzentriert- mit und ohne Themen.

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Und dann wurde es heute, am Sonntagmorgen, doch dynamisch. Wir wählten vier meiner Arbeiten aus, Jürgen klebte sie an die oberen Ränder vier weisser Bögen und der gemeinsame Tanz mit Pinseln, Stiften und Farben, um den Küchentisch herum, begann. Jürgen sicher, ich unsicher.

Ich erkannte schnell seine Routine im Umgang mit Pinseln, Stiften und Farbe, aber auch wie vertraut es ihm ist mit anderen zu arbeiten.

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Meine Routine setzte erst später ein, als Jürgen schon wieder unterwegs war und ich mit dem fotografierten Prozess an meinem PC sass. Begegnung und Dialoge, die gut miteinander schwingen, trotz aller Fremdheit zwischendrin …

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Danke Jürgen für deinen Besuch, deine glasklaren Fragen, deine Offenheit, dein Lachen, unseren Austausch auf den verschiedensten Ebenen. Ich wünsche mir eine Fortsetzung, wie und wo auch immer noch und die nicht gestellten oder nicht beantworteten Fragen bleiben solange eben noch im offenen Raum … alles andere wird nach und nach verdaut.

Danke auch an den Liebsten für die Dokumentation, die Ergänzungen und das gemeinsame Lachen.

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Dialog

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Nein, wirklich neu ist dieses Bild nicht, nur ein bisschen nachgearbeitet … (draufklick = gross) und auch das Thema “Dialog” ist nicht wirklich neu bei mir, wenn du es in die Suchleiste eingibst erscheinen einige Artikel zum Thema. Jetzt aber drängt es nach vorne, wünscht sich Vertiefung und wohl auch neue Bilder.

Per Definition stammt das Wort Dialog aus dem griechischen: diàlogos → Unterredung, Gespräch, bzw.

dià-logos → Fliessen von Worten …

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Ich unterscheide zwischen dem inneren und dem äusseren Dialog, dem Dialog mit mir allein, dem Dialog mit mir und der Welt und mir und den Menschen und letztlich den beobachteten Dialogen zwischen Vogel und Vogel, zum Beispiel. Letztens beobachten wir einen Krähenschwarm, der sich auf einer gemähten Wiese im Kreis formierte und einen Schwatz abhielt, ich sagte zum Liebsten: schau mal ein Krähenthing.

Um den Dialog geht es mir auch hier im Blog. Ich freue mich immer, wenn Einer oder Eine aus Bloghausen sich mit mir treffen mag, wie morgen Buchalov, der auf seiner Freundestour ab morgen früh mein/unser Gast sein wird. Ich denke an einen intensiven Dialog zwischen ihm und mir.

Auch ich bin neugierig …