Der Zwölfmonatsblick #6

Mein sechster Zwölfmonatsblick zu dem Projekt von Zeilenende

 

Weite am Mittwochnachmittag

Da ich zum Monatsende schon verreist bin, habe ich noch schnell heute, am Mittwochnachmittag, meine Aussichtsbank besucht. Es tat gut wenigstens einmal kurz in die Weite zu schauen und auszuatmen, es gibt ja immer noch sooo viel zu tun, bevor man die Türe hinter sich schließt und in die Ferne rollt.

Eure Kommentare und eure Zwölfmonatsblicke schaue ich mir gerne an, wenn ich zurück bin. Ich freue mich auf eine netzlose Zeit. Habts guat, gelle?!

Ethik – 2

Gestern Abend entdeckte ich auf dem Blog: Red skies over paradise folgenden Artikel → https://redskiesoverparadise.wordpress.com/2017/07/24/unsere-freiheit-wird-gar-nicht-beschnitten-wenn-wir-die-rechte-der-tiere-achten-wir-moegen-ein-paar-zutaten-beim-kochen-verlieren-doch-als-menschen-koennen-wir-dabei-nur-gewinnen/

Aus meiner Sicht wird hier vieles sehr klar benannt, was ich selbst zum Thema denke und empfinde, es aber so nicht auszudrücken vermag.

Ich möchte mich bei euch an dieser Stelle für die gestrige rege Diskussion bedanken. Ich wollte den kleinsten gemeinsamen Nenner in ethischen Fragen in Bezug auf Mensch und Tier finden, den kleinsten gemeinsamen Nenner gibt es wohl nicht, aber es gibt einige, die immer wieder benannt wurden:

  • Respekt
  • Toleranz
  • Achtsamkeit
  • Dankbarkeit
  • maßvolles Handeln

Es zeigte sich auch, dass Vieles immer in Relation zu sehen ist, Achim Spengler sagte folgendes im Kommentarstrang:

Solange ich als Westler nicht Opfer oder Täter in fürchterlichen kriegerischen Auseinandersetzungen bin, insofern nichts weiß über meine Reaktionen und Aktionen in diesen, werde ich mich hüten, für mich letzte gültige Aussagen zu machen über Ethik, moralisches oder richtiges Handeln. Das (biblische) Gebot „Du sollst nicht töten“ und weitere Gebote (die ich mir trotzdem ich Atheist bin zu eigen mache) , der kategorische Imperativ von Kant, beide sind für mich Richtschnur meines Handelns in Friedenszeiten. Weltweite, ökonomische Verteilungsgerechtigkeit, der Schutz unserer natürlichen Grundlagen, die Verteidigung der Demokratie als Staats- und Regierungsform. Gespräch anstelle diskussionsverhindernde Gewaltbereitschaft. Konsensorientiertes Agieren, das als verbindlich und akzeptabel „durch zwanglosen und vernünftigen Diskurs“ der interessierten Teilnehmer anerkannt wird.

hikeonart machte auf folgenden podcast aufmerksam, danke dafür!

SWR2 Aula „Das Rätsel der negativen Emotionen: Über tierisches und menschliches Leiden“

Diese Diskussion, die Gerda und Nadia angestoßen haben, geht bei ihnen weiter …

Ethik

Die Welt ist komplex, es gibt für das Allerwenigste schnelle Lösungen und die Meinungsmaschine wird tagtäglich gut geölt, um die selbstdenkenden Gehirnzellen zu verschmieren. Groß ist der Glaube: wir können doch eh nix tun, es wird sich doch eh nüscht ändern…

Nee, so nu wirklich nicht!

Ich sage –und doch können wir, in jedem kleinen Augenblick! Vielleicht gilt es nur einmal innezuhalten und nachzudenken für welches Thema du brennst, wofür du bereit bist einzutreten, dich zu engagieren und Flagge zu zeigen, damit die Welt eben doch ein besserer Ort wird. Nicht jedeR kann alles, aber jedeR kann ein bisschen.

Bloghausen ist für mich auch ein Ort, um Themen zu diskutieren, wunderbar hat dies bei Gerdas und meinen Alphabeten geklappt (wer sie nicht kennt, kann sie bei mir und bei ihr in die Suchmaschine eingeben). Nun haben Gerda und Nadia Baumgart eine neue Idee, sie werden das Thema Tiere, ihre Haltung, ihr Sein und den menschlichen Fleischkonsum untersuchen. Alles begann mit diesem Artikel von Gerda https://gerdakazakou.com/2017/07/21/uralte-schauer/ und ging hier bei Nadia https://nadiapittura.com/2017/07/22/animal-ethics-tierethik/ weiter.

Es geht (auch) um Ethik. Mich interessiert dabei der kleinste gemeinsame Nenner, deshalb frage ich dich und dich und dich was für dich Ethik ist, in Bezug auf Menschen, Tiere und Pflanzen (nur weil wir die Pflanzen nicht schreien hören sind es dennoch Lebewesen, und wie man schon untersucht hat, fühlende Wesen… )…

Sonntagsbild #29

puppets in the streets #13 – oder lost in memories

draufklick = großes Bild – please click to enlarge

Nein, lost in memories ist nicht dasselbe wie lost memories … ich widme dieses Bild Mützenfalterin und ihrer grandiosen Serie „lost memories“, aber schaut mal selbst → https://muetzenfalterin.wordpress.com/2017/07/19/lost-memories-18/ es ist schon das 18. Bild ihrer Serie, runterscrollen lohnt sich!

Ansonsten wünsche ich euch allen einen erholsamen Sonntag.

Vielleicht interessiert dich das ja auch…

Dieses Zitat steht ziemlich weit unten im verlinkten Artikel, ein Zitat, das leider noch immer wahr ist:

Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.

Bertrand Russell

Ich bin wieder einmal sehr froh, dass ich den Blog der Dame von Welt entdeckt habe, eigentlich hat sie ja mich entdeckt, aber letztlich ist das egal. Nun folge ich ihr schon eine ganze Weile und bin immer wieder positiv überrascht wie gründlich ihre Recherche zu Themen unserer Zeit ist – heute geht es um Identitäre und ihre Aktionen auf dem Mittelmeer, wer mehr lesen möchte, bitte hier entlang → https://dvwelt.wordpress.com/2017/07/22/ms-hass/

 

Banal?

Rede ich doch heute einmal vom Wetter. Ja, wir haben Wetter, wir hier, im Süden von Deutschland, haben Sommer. Viele Tage Hitze, wenig Regen, viel zu wenig und nun kommen die Wetter. Gewitter, so sagte heute der Radiowettermann, gehören zum Sommer dazu. Ja, sehe ich auch so, aber wenn es Bäume entwurzelt und Häuser abdeckt, dann ist das für die Betroffenen eine Katastrophe und Wetter alles andere als banal (so vorgestern, nicht weit von hier, geschehen).

Uns geht es gut. Ich bin dankbar.

Das Wetter am Freitag. Es kommt …

es beginnt zu wehen,

(das ist eine gif-Animationen, bitte anklicken, falls es nicht von alleine läuft)

die ersten dunklen Tropfen gesellen sich zu den Flechten auf dem Dach,

noch kann ich die Linde hinter dem geschlossenem Dachfenster sehen,

jetzt nicht mehr,

das richtige Wetter, um Postkarten zu kleben und gute Wünsche in die Welt zu schicken,

ich denke auch an die Menschen in Griechenland … hier ist das Gewitter nun vorbei und ich mache mir dennoch meine Gedanken.

Über die Pflaumen und Äpfel, die massenhaft unreif von den Bäumen fallen, über die blühenden Kräuter, die aufblühen, sich verströmen, schon vorbei, über all die Schäden und dass wir noch immer alle satt sind. Wie lange noch? Ich denke darüber nach Orangen- und Zitronenbäume anzupflanzen, vielleicht auch Oliven?

Miniatur – 14 2017

Umrundungen

Ich sage, ich schreibe jetzt wieder. Ich sage, ich lass die Kritikerin jetzt wieder außen vor. Ich sage es mit Rilke, ich lebe meine Fragen. Ich frage nicht warum, die Antwort steht im Fließtext der letzten Jahre. Ich frage nicht wohin, die Antwort ist der neue Stuhl unter dem Dachschrägenfenster. Ich frage nicht nach ferner Zukunft, sie wird sich bilden. Ich frage nicht nach Schuld, es gibt nur faule Samen, überdüngte Böden und dunkle Bodensätze. Ich suche das Gold dieser Zeit. Ich suche nach Worten für das Jetzt. Ich frage nicht nach der Geschichte, sie ist bekannt. Ich frage auch nicht was wäre gewesen wenn, eine Geschichte ist eine Geschichte, ob ich sie erzähle oder du oder nicht. Ich will keine Geschichte erzählen. Ich will das Jetzt umrunden, dieses Wirrwarr der Gefühle.

Was mir die Collagen sind

(durch meinen Umzug sind die Bildermappen noch nicht wieder frei zugänglich, sodass ich auf diese Collage zurückgreife, die ich im letzten Jahr abfotografierte)

 – alle Bilder werden groß, wenn du sie anklickst, please click to enlarge the pictures –

Was „Wiki“ zu Collagen sagt:

Die Collage ist sowohl eine Technik der bildenden Kunst als auch ein in dieser Technik geschaffenes Kunstwerk. Herkömmlich wird ein neues Ganzes geschaffen, indem verschiedene Elemente auf eine Unterlage aufgeklebt werden, daher die Bezeichnung (von frz. coller, „kleben“). Collage gibt es auch jenseits der Grenzen der bildenden Kunst, nämlich als Musikvideos im Stile von Yes We Can oder in literarischen Collagen im Stil von Walter Kempowski oder in Text-Bild-Collagen von Herta Müller.

Der Begriff „Collage“ ist entlehnt aus dem Französischen, wo es eine Ableitung von dem Verb „coller“ (leimen, kleben) und vom Substantiv „colle“ (Leim) ist, das wiederum aus dem Griechischen stammt, „kόlla“.

Was „Wiki“ zu Fotomontage sagt:

Die Fotomontage ist eine spezielle Technik, basierend auf der Collage, die sich einer Vielzahl von fotografischen Materialien bedient, wie zum Beispiel Ausschnitten aus Zeitschriften oder selbst gefertigten Fotos. Durch das Zusammenfügen dieser entsteht eine neue Komposition und somit eine neue Aussage. Oftmals dient die Fotomontage der Satire. Der Begriff kommt aus dem Umfeld der industriellen Zivilisation und erinnert bewusst an Maschinenmontage und Turbinenmontage (Gustavs Klucis, 1932).

mehr siehe hier →

Soviel zu den offiziellen Definitionen. Nun komme ich zu meinen Gedanken zu Collagen und Fotomontagen.

(Diese Fotomontage machte ich im September 2012, sie ist ein Beispiel für eine Lebenscollage, denn ich habe nichts anderes getan, als den Tubatrichter einzufügen, alles andere fand ich genauso in einer kleinen, französischen Kleinstadt vor)

Mir erscheint das ganze Leben immer wieder als Collage, eine Zusammenwürfelung von Geschehen, Personen, Lebewesen, Dingen, Orten und Zeiten, ob zufällig oder nicht sei dahingestellt.

Im Feld der Erinnerungen liegt das Wenigste fein chronologisch in nebeneinander liegenden Gedächtnisschublädchen. Zeiten, Geschehen, Personen vermischen sich, legen sich über- und untereineinander, überlappen sich, ein gleichzeitiges Miteinander von an sich Getrenntem; ich nenne es Erinnerungslabyrinth oder Lebenscollage.

(meine noch unvollendete Lebenscollage, zusammengesetzt aus Collagen, gemalten Bildern, Fotos und Einzelheiten, die ich am PC ausschnitt und einfügte)

Collagen verbinden Getrenntes, verschwistern Unterschiedlichkeiten, stellen Dinge gegeneinander oder sich gegenüber. Es wird zerstückelt, um zu einem neuen Ganzen zu kommen, es entstehen Verbindungen, die es so erst einmal nicht gibt. Das Zauberwort ist VERBINDUNG von scheinbar Unverbindbarem, Unvereinbarem. Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr komme ich zu dem Schluss, dass mir Verbindungen und etwas miteinander zu verbinden immer schon ein großes Anliegen war und ist.

Ferner sind für mich Collagen/Fotomontagen Seelenabdrücke, Provokation und Spiegel der Welt in mir.

Wenn ich sage, dass mich Menschen interessieren, dann interessieren sie mich in ihren Unterschiedlichkeiten, ihren Eigenheiten und dem, was alle miteinander verbindet. Sie interessieren mich im Kontext der Geschichte, der Kunst und ihren Formen, Bildern, Büchern, Musik, in der Gestaltung ihres Lebens, der Symbole in der jeweils geltenden Zeit (auch wenn Zeit an sich ein sehr eigenes Phänomen ist, sich gestern, heute und morgen im Jetzt treffen und vielleicht gar nicht so unterschiedlich sind, wie man uns glauben macht -).

Mich interessieren Verhalten, die dahinter liegenden Gründe und Ursachen, mich interessieren Ausdruck, Beziehungen, Träume und Wege. Mich interessieren Sichtweisen, Perspektiven und deren Wechsel, mich interessieren Wandel und Verwandlungen und natürlich mutige Träume und Visionen, die durchs Leben tragen. All diese Erfahrungen, und Geschichten finden in meinen Collagen/Fotomontagen, neben meinen Geschichten, Momentaufnahmen, Miniaturen und kurzen Zeilen einen Raum. Ich mag es Bilder zu Texten zu kreieren oder in meinen Bilderarchiven zu finden und somit Texte mit Bildern zu verstärken. In diesem Sinne ist vieles, das ich hier veröffentliche eine Text- und Bildcollage, um bei den Definitionen zu bleiben.

(Diese Fotomontage entstand nach dem Kunstzwergenfestival 2012 auf dem Rinckenhof, hier geht es zu den damaligen Artikeln → https://cafeweltenall.wordpress.com/2012/08/09/kunstzwerge-oder-landart-3/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2012/08/06/back-home-again/ )

In den Collagen/Fotomontagen kann ich sichtbar machen, was sonst im eigenen Labyrinth der Gedanken und Gefühle keinen Raum findet, Sinneseindrücke und Geschehnisse verweben sich, werden sichtbar, was ansonsten unsichtbar geblieben wäre.

Die Collagen/Fotomontagen sind meine Verbindung zu meinen Seelenliedern, zu meinem Unterbewusstsein und so manches Mal kommt es zu der Erkenntnis, dass meine Bilder, in der Zeit ihrer Entstehung, mehr über mich und meine Bewegungen wissen als ich selbst.

(eine Zusammensetzung aus abfotografiertem Gefilztem und einer Fotografie als Untergrund)

Letztes Jahr begann ich noch kleine Zeichnungen von mir in ein Foto einzuarbeiten, es entstanden neue Verbindungen.

Mit den Collagen/Fotomontagen habe ich für mich über die Jahre ein Feld eröffnet, das unendlich  in seinen Möglichkeiten ist, mich darüber hinwegtröstet, dass ich nicht wirklich malen, und mich doch in Bildern ausdrücken kann, was mir immer ein Bedürfnis gewesen ist.



Diesen Artikel schrieb ich schon im letzten Jahr als Entwurf in mein Gedankenauffangbuch, nachdem ich die Ausstellung in Mannheim von Hannah Höch besucht hatte.

Dass er nun hier endlich erscheint hat seine Ursache darin, dass einige von euch dachten, dass das Foto im letzten Artikel eine Collage gewesen sei. Dieses Foto ist noch ein wunderbares Beispiel dafür, wie das Leben selbst seine Collagen während der Alletage gestaltet … Karfunkelfee schrieb dazu im Kommentarstrang:

Ja, gibt so magische Motive, Da stellt das Leben Dir einfach vor die Augen, was der Mensch ansonsten mühselig zusammen stellen müsste… frei Haus-Lieferung. Zur richtigen Zeit warst Du am richtigen Ort…
Collagen, das ist Wachstum, oder? Ein Bildsame, zu dem sich neue Fetzchen finden, solange bis das Auge die Collage sehen kann und das Herz in der Betrachtung satt werden kann. Manchmal sind meine Gedichte Collagen von Wortbildern, manchmal mal ich sie wie ein Bild und seltener wache ich auf mit einem fertigen Gedicht im Kopf und das ist so wie Deine aus dem besonderen Moment heraus entstandenes Bild. Es ist eine Zeitmaschine. Ist ja auch sogar eine Maschine mit drauf…

zur Freiheit

-Du bist noch ziemlich jung, weißt du. Dies mit den Wegen der Freiheit ist eine Sache, die man ziemlich langsam lernt. Ich verstehe mich eigentlich überhaupt nicht auf das Zeitalter, das dabei ist, deine Schüler zu prägen, ich verstehe mich kaum auf das Zeitalter, das dich geprägt hat. Aber das, welches mich geprägt hat, hatte seine schauderhaften Seiten, und trotzdem war es möglich, auch aus solchen Kindheiten auszubrechen. Du verstehst was ich meine?

Auch du wirst aus der Mausefalle herausfinden, wenn du nur ruhig bleibst, so ruhig, wie du kannst.

-Ich will nicht zu viel sagen, sagte ich, aber soviel ist klar, deine Zeit hatte greifbarere Feinde als meine. Ihr habt euch nicht mit einem Nebel herumgeschlagen, ihr hattet sichtbare Tyrannen, Scheißkaiser, Päpste auf ihren Thronen. Aber wir, wir schlagen uns mit Schemen herum. Ihr hattet die Macht sichtbar auf ihrem Thron, wir haben sie als Schmerz im Hinterkopf, als Spinnwebennetz von Halbwahrheiten rings um uns her.

Lars Gustafsson – Risse in der Mauer