August der Schäfer hat Wölfe gehört

 

Anna aus Berlin hat am 08. Oktober diesen Jahres erneut zu einer Blogparade aufgerufen: Schreiben gegen rechts – dieses Mal möchte sie ein Buch der Zuversicht aus den unterschiedlichen Texten erstellen.

 

August der Schäfer hat Wölfe gehört, zwar nur zwei, doch der Schäfer der schwört…

(s.u.)

Es ist noch nicht so lange her.

Schon lange sind es mehr als zwei, sie heulen wieder, sie zündeln, sie morden, sie hassen, ihre Sprache ist menschenverachtend, sie sind rechts und viele radikal.

Schreiben gegen rechts, demonstrieren gegen rechts, argumentieren gegen rechts, aber sie werden mehr. Sie sind laut, sie lügen, sie bekommen Zulauf und Stimmen. Sie sitzen jetzt im Bundestag. Und ich nähre noch immer die Zuversicht. Nenne mich Blauauge.

Lange schon ist das Leben in den deutschen Straßen bunt geworden, früh schon habe ich Freundschaften geschlossen. Ich frage nicht nach schwarz oder weiß, nicht nach Süd, nach Nord, nach West, nach Ost, ich frage nach den Menschen. Unterschiedlichkeit bereichert mein Leben.

Ich denke an den Freund aus Sizilien, lang ist es her! Ich denke an die Nachbarin aus Kenia und an ihre Freundinnen, wir feierten ein Sommerfest im gemeinsamen Hinterhof. Wir tanzten durch die Nacht. Wir haben viel gelacht. Ich denke an den Freund aus der Karibik, er war ein großer, ein schwarzer Mann, ich sah es nicht, er war ein Freund und so begrüßten wir uns auch, als Freund und Freundin, mit einer Umarmung von Herz zu Herz, es wurde still, alle Köpfe drehten sich. Ach…

Ich denke an die einstige Kollegin, die aus Kroatien kam, an die Nachbarin, die in Rumänien geboren wurde und ich denke an einen Abend im letzten Jahr: meine Freundin hatte eine junge syrische Familie begleitet, es war ihr letzter Abend in diesem Landkreis. Die Freundin hatte ihnen eine Wohnung in einer Stadt besorgt, in der Freunde von ihnen wohnten. Bei aller Anteilnahme hier, fühlten sie sich auch immer wieder einsam. Sie kamen und wir hatten für sie gekocht und gebacken. Sie, das war eine junge Frau von fünfundzwanzig Jahren, ihr Mann etwas älter und ihr Baby neun Monate alt. Wir aßen und sprachen und die junge Frau erzählte von ihrer Fahrt über das Meer, über ihre Angst und ihrem tiefen Wunsch, dass es ihrem Baby einst besser gehen soll.

Sie hatte Tränen in den Augen, als sie von ihrer Familie sprach, die noch immer in Syrien war. Dann wischte sie entschlossen die Tränen weg, herzte ihr Baby und wir gingen auf die Terrasse, tranken, lachten und feierten ihr Überleben. Selten habe ich eine Frau so ausgelassen tanzen gesehen.

Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen

Guy de Maupassant

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Weit

Diana veröffentlichte gestern auf ihrem Blog „Verssprünge“  eine „mallorquinische skizze“, es war das Ende, das sich in mir festsetzte:

fasziniert stehen wir außen vor und ahnen nicht mal, wie weit weite wirklich ist.

Kein Fluss, kein Stau, nur aufsteigen und absteigen, nur atmen … ein und aus und ein und auf und aus und ab. Ein Herz wird Liebe, weit und licht – ein und aus und ein und auf und aus und ab … der Blick in die Weite erinnert uns wie weit wir einst gewesen, wie wir es noch immer sind, in der Tiefe verborgen, beschützt, gehütet … Sehnsucht wandert vom Bauch ins Herz zum Geist, ein und aus und ein und auf und aus und ab … ein weiter Geist schützt sich nicht unnütz, ein weites Herz verströmt sich ohne Schaden.


Liebe Diana, ich danke dir für diese Inspiration!

Boot und Fährfrau

für Gerda und Bruni,

weil ihr mich an „meine“ Fährfrau und an „Die kleine blaue Frau“ erinnert habt – danke dafür…

„Die kleine blaue Frau singt sich zum See. Ungerufen kommt die alte Fährfrau, sie rudert die kleine blaue Frau zur Insel. Hier hüten Bärin und Rabe das Tor zum Wald, neckt der Rabe die Bärin, winkt die Bärin der kleinen blauen Frau.

Viele Jahre schon rudert die alte Fährfrau hin und her, mit und ohne Passagiere, mit und ohne Mond. Sie kennt keine Angst und keinen Tod. Ihr Herz ist Liebe geworden, in all den Jahren des Hinundwiederzurücks. Sie schenkt der kleinen blauen Frau das Lied der Wiederkehr.“



„Die kleine blaue Frau wäscht ihr Kleid am Fluss, als ein leeres Boot an ihr vorübergleitet. Sie sieht keine Ruder, keine Frau und keinen Mann. Zarte Schleier umwehen das Boot. Die kleine blaue Frau hört einen leisen Gesang, schwimmt zum Boot und nimmt es an die Leine, sie zieht es bis zum Strand. Dort setzt sie sich hinein.
Die Sonne geht unter, die Sonne geht auf, die Sonne geht wieder unter. Die kleine blaue Frau sitzt in dem ruderlosen Boot und lauscht seinem leisen Gesang. Sie lernt die Totenlieder. Die Sonne geht auf. Jetzt erhebt sich die kleine blaue Frau, sie trägt die Lieder zur Alten mit dem erdigen Gesicht. Die nimmt die Lieder in ihr Herz, dann lässt sie sie wieder frei. Da wird es still. Zarte Schleier wehen ins Blau des Morgenhimmels.“

Textausschnitte aus „Der kleinen blauen Frau“ copyright Ulli Gau

Bahnhof Rolandseck – Arp Museum # 03

Das Auge ist ein seltsames Tier

Fotografien und Wahrnehmungsobjekte von Werner Klotz

Zum einen wurden im Arp-Museum großformatige Wasseraufnahmen von Werner Klotz gezeigt, Steine unter der Wasseroberfläche. Hierfür besucht er immer wieder einen Wildbach in Kanada, entdeckt besondere Steinformationen, die er dann mit einem Titel versieht, wie z.B. die drei Grazien. Er malt auch mit Wasser auf Kieselsteine, ob nun mit einem Finger oder einem Zeh, diese Bilder nennt er: Minute Drawing …

Beide Bilder habe ich aus dem Begleitheft des Museum abgeknipst, leider sind sie nicht sehr scharf geworden.

Als Manko dieser Präsentation empfand ich die Hängungen der Bilder, oft in dunklen Ecken auf dem Weg von hier nach dort oder als dekoratives Beiwerk im sogenannten Festsaal. Da die Fotos auf Acryl entwickelt wurden, haben sie eine spiegelnde Oberfläche, sodass ich darauf verzichtet habe sie abzulichten.

Einzig seine Spiegel und Wahrnehmungsinstrumente bekamen eigene Räume. Hierzu steht im Begleitheft:

Mit seinen Spiegeln und „Wahrnehmungsinstrumenten“ greift Werner Klotz den Grundgedanken von Richard Meiers auf, Natur und Architektur miteinander zu verbinden und lässt die äussere Umgebung in die Räume dringen.

Die Spiegel setzen sich beim Näherkommen in Bewegung und drehen sich horizontal, sie spiegeln die Räume gleichzeitig mit der Welt vor dem Fenster, so entstehen einzigartige, nie selbige Bilder. Bei den entstehenden Formen dachte ich an Gustav Klimt.

Hier zeige ich euch noch ein Werk von Werner Klotz mit dem Titel „Reisebar des Dionysos“ – eine Vitrine aus Glas, in der sich  handversilberte Gläser durch viele eingebaute Spiegel gegenseitig reflektieren.

Die sogenannten Wahrnehmungsinstrumente lassen sich zwar fotografieren, aber das, was man sieht, wenn man hinschaut, nicht.

Vielleicht ist jetzt die Eine oder der Andere neugierig geworden und hat Lust selbst ins Arp-Museum zu fahren, ich kann nur einen Abklatsch wiedergeben, erleben muss man das alles selbst.

Bahnhof Rolandseck – Arp Museum # 02

Henry Moore

Zugegeben, ich bin nicht wegen Henry Moore zum Bahnhof Rolandseck gefahren, mich hat die Ausstellung „Das Auge ist ein seltsames Tier“ mit Werken von Werner Klotz interessiert. Dazu komme ich dann noch, ich blieb erst einmal dann doch bei den Skulpturen von Henry Moore hängen. Endlich konnte ich sie einmal umrunden: von allen Seiten schön, von allen Seiten rund, von allen Seiten ein Lied der Harmonie … doch schaut einmal selbst

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draufklick und die Galerien öffnen sich

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Henry Moore fand seine Inspirationen, wie auch Hans Arp, in der Natur – wenn auch vielleicht nicht sooo gut erkennbar, aber hier kannst du eine Sammlung von Steinen, Knochen, Muscheln und Hölzern sehen, daneben kleine Skulpturen des Künstlers, im Hintergund war ein großes Bild auf dem Henry Moore in seinem Atelier zu sehen war, umgeben von eben wieder Steinen, Knochen, Muscheln und Hölzern …

Hans Arp sagte:


Wer mehr über Henry Moore oder/und Hans Arp erfahren will, die, der kann Informationen in den altbewährten Suchmaschinen finden.

Mehr über das Museum schrieb ich hier →

Größe

Sinngemäß

Wenn Sie mich fragen woran ich die Größe eines Künstlers erkenne, dann nicht weil er ein guter Zeichner, Maler oder Bildhauer ist, sondern an der Größe seiner Menschlichkeit.

Henry Moore

 

A = Anstand

In der jetzigen Ausgabe der „Zeit“ gibt es ein langes Essay von Axel Hacke über den Anstand. Wieder einmal dachte ich auch an das Alphabet des freien Denkens von Gerda und dem Alphabet der mutigen Träume von mir, die wir Ende letzten, Anfang diesen Jahres geschrieben haben; ich dachte erneut über ethische Werte nach.

Anstand ist ein Wort, ähnlich wie Demut, dem viele erst einmal ablehnend gegenüber stehen, vielleicht fielen in der Kindheit zu oft die ermahnende Sätze: „Benimm dich anständig“ oder „So etwas tut man nicht, das gehört sich nicht, etc.“

Axel Hacke schreibt:

Anstand ist eine Sache jedes Einzelnen und damit eine Sache von uns allen. Menschen können nur im Zusammenleben mit anderen existieren. Unsere Gesellschaft tendiert dazu, das zu vergessen. Wir ziehen uns in die Sicherheit der eigenen sozialen Schicht zurück. Verlieren uns in der Arbeit an der eigenen Performance. Wir basteln immerzu am Ego und viel zu selten am Wir …

Anständig zu sein bedeutet, so fand ich, Rücksicht auf andere zu nehmen, und zwar auch dann, wenn einem gerade nicht danach zumute ist, also: in der Trambahn für ältere Menschen aufzustehen, auch wenn man selber müde ist; einen kranken Freund zu besuchen, auch wenn man eigentlich keine Zeit hat; sich in einer Schlange nicht vorzudrängeln, auch wenn man es eilig hat …

Herr Hacke zitiert den Germanisten Gert Ueding:

Wenn die Regeln des Umgangs nicht nur Vorschriften einer konventionellen Höflichkeit oder gar einer gefährlichen Politik sein sollen, so müssen sie auf die Lehren von Pflichten gegründet sein, die wir allen Arten von Menschen schuldig sind. Das heißt: ein System, dessen Grundpfeiler Moral und Weltklugheit sind, muss dabei zum Grunde liegen.

Und genau bei dieser Art von Formulierung wird es für mich schwierig! Ich möchte gerne das Wort Moral durch Ethik ersetzen und ich weiß auch nicht ob irgendein Mensch jemand anderem etwas schuldig ist. Weiterhin kommt dazu, dass sich ethische Richtlinien (Moralvorstellungen) wandeln: war es noch in meiner Kindheit verpönt, dass sich Liebende in der Öffentlichkeit küssten oder gar knutschten, so ist dies heute in unserer Welt normal und niemand nimmt Anstoß. Warum nicht das Ganze vereinfachen, im Sinne von Kant (ebenfalls von Herrn Hacke zitiert):

Teilnehmen an dem Schicksal anderer Menschen.

Es ist ja keine Frage, ob oder dass wir in einer gespaltenen Welt leben, auf der einen Seite erleben wir eine zunehmende Verrohung, zu der auch der jetzige amerikanische Präsident gehört, der von Anstand gegenüber Frauen, Andersdenkenden und anderen Ethnien nichts mitbekommen zu haben scheint und derjenigen Menschen, die aufrichtig bemüht sind Gutes in die Welt zu säen und zu leben. Wieder einmal denke ich an den Satz: Wir wirken weniger in der Welt durch das, was wir tun, als dadurch wer wir sind; es ist die Haltung hinter unserem Handeln, die trägt; falsche Freundlichkeit wird schnell entlarvt, Gefühlsduselei lässt sich von echtem Mitgefühl unterscheiden.

Was ist nun Anstand? Spontan fielen mir folgende Begriffe dazu ein: Mitgefühl, Loyalität, Hilfsbereitschaft und Kompromissfähigkeit. (Ich freue mich, wenn ihr mir schreibt was für euch Anstand ist!)

Wir alle kennen die Rüpel*innen der Straße, wir kennen die Rücksichtlosen, die Egoist*innen, die Ignorant*innen, was aber wenn wir selbst ihnen freundlich begegnen? Das hat schon zu mancher Überraschung geführt und ich kann dazu nur ermutigen!

Hierzu möchte ich noch eine Geschichte von diesem Sommer mit euch teilen, die ich schon am Sonntag Marie im Kommentarstrang erzählte: … ich hatte im Sommer einen dreizehnjährigen Jungen in meiner Gruppe, der sehr aggressiv war, gleichzeitig war er derjenige, der sehr feine Zeichnungen machte, tolle Ideen einbrachte und sehr besondere Erfahrungen machte; ich erkannte seine Not hinter der Aggression – als ich dann am Ende (nach vier Tagen) die gute Fee gespielt habe und aus allem, was sie selbst erfahren und erkundet hatten, meine guten Wünsche für sie gewebt habe, saß er sehr verkrampft neben mir, bis er an der Reihe war, ich spürte seine Angst und dass die Aggressionen Thema werden könnten, aber ich war ja die gute Fee und wie bei allen anderen hatte ich seine Erfahrungen und Erlebnisse in die guten Wünsche gewebt, die Aggressionen ließ ich bewusst außen vor, zumal er das ja schon längst kennt; es war so berührend danach sein Ausatmen zu spüren und die Tränen in seinen Augen zu sehen! Diesem Junge wünsche ich noch viele solcher Erfahrungen in denen er in seinen Qualitäten wahrgenommen wird und dafür eine Anerkennung bekommt. Denn genau daran mangelt es ihm, so meine Wahrnehmung, wie sonst soll ich mir seine Tränen erklären. Er durfte dieses Jahr eine Erfahrung machen, dass er für das, was unter seiner Aggression liegt gewertschätzt wurde, möge ihn diese Erfahrung durch dieses Jahr tragen. Ich hoffe sehr, dass er auch im nächsten Jahr wieder in meinem Zelt sitzen wird!

Für mich gelten weiterhin folgende Begrifflichkeiten aus meinem Alphabet der mutigen Träume im Umgang mit anderen, die meines Erachtens zu einem rücksichtvollerem und friedlicherem Miteinander führen (die Liste ist nicht vollständig, wer mehr erfahren will, der kann die Suchmaschine bemühen) und für mich auch zum Anstand gehören:

D = Demut

G = Güte

H = Hilfe

K = Kommunikation

L = Liebe

M = Mitgefühl

P = Prudentia/Klugheit



Anmerkung

Die obige Fotomontage ist ebenfalls zu dem mutig erträumten Alphabet entstanden, E = Einigung, ich schrieb dazu:

„Die obige Fotomontage macht deutlich, dass jede Einigung zwischen zwei verschiedenen Parteien zu einer neuen Farbe/einem neuen Gedanken führt. Die Gräben, die Zwistigkeiten und Meinungsverschiedenheiten ausheben, können so wieder geschlossen werden. Einigung geht über den Kompromiss hinaus, Einsicht gehört für mich zur Einigung hinzu.“ Heute denke ich, dass der Kompromiss zum Wohle aller mit zum Anstand gehört, Kompromiss steht noch vor der Einsicht und dem Zulassen von neuen Gedanken.

Traum und Liebe

Wir werden uns wiederfinden
im See
du als Wasser
ich als Lotusblume

Du wirst mich tragen
ich werde dich trinken

Wir werden uns angehören
vor allen Augen

Sogar die Sterne
werden sich wundern:
hier haben sich zwei
zurückverwandelt
in ihren Traum
der sie erwählte.

Rose Ausländer

Ich wünsche euch allen eine gute Woche und Sonnenschein…

Wenn…

Eine liebe Freundin schickte mir vor ein paar Tagen diese Karte:

 

Auf der Rückseite steht folgendes:

Ein in der Meditaion erfahrener Mann wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gesammelt sein könnte. Dieser sagte:

Wenn ich stehe, dann stehe ich

wenn ich gehe, dann gehe ich

wenn ich sitze, dann sitze ich

wenn ich esse, dann esse ich

wenn ich spreche, dann spreche ich…

Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort und sagten:

Das tun wir auch, aber was machst du darüber hinaus?

Er sagte wiederum:

Wenn ich stehe, dann stehe ich

wenn ich gehe, dann gehe ich

wenn ich sitze, dann sitze ich

wenn ich esse, dann esse ich

wenn ich spreche, dann spreche ich…

Wieder sagten die Leute: Das tun wir doch auch.

Er aber sagte zu ihnen: Nein,

wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon

wenn ihr steht, dann lauft ihr schon

wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel…

Ein Zen-Mönch

Danke du Liebe, dafür und für alles andere…