Winterstier

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Der Stier

Ein jeder Stier hat oben vorn

auf jeder Seite je ein Horn;

doch ist es ihm nicht zuzumuten

auf so ’nem Horn auch noch zu tuten.

Nicht drum, weil er nicht tuten kann,

nein, er kommt mit seinem Maul nicht `ran.

Heinz Erhardt

 

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Raum

Dritter und vorerst letzter Teil

Der Raum (von mhd. rûm „das nicht Ausgefüllte“, „freier Platz“) ist eine grundlegende Komponente der Wirklichkeit. Raum definiert sich als Ausdehnung in Höhe, Länge und Breite. Philosophisch strittig ist, ob der Raum „an sich“, unabhängig von Wahrnehmung und Vorstellung, existiert oder lediglich eine Anschauungsform des wahrnehmenden Subjekts ist, ob also mathematischer Raum, physikalischer Raum und der Raum der Erfahrung zusammenfallen.

Quelle → https://de.wikipedia.org/wiki/Raum_(Philosophie)

Die Kunst besteht darin, den Raum zum Ort zu machen.

 schrieb Joachim Schlichting zu meinem zweitem Raumbeitrag im Kommentarstrang https://hjschlichting.wordpress.com/

Der Kommentar von Joachim brachte mich auf die Idee euch heute eine Auswahl von Bildern aus den letzten Jahren zu zeigen, in denen ich Räume/Zimmer/Ortschaften am PC für meine Bilder „baute“. Selbstredend erschafft man mit jedem Bild, dass man malt, zeichnet, gestaltet einen Raum und doch ist es noch einmal anders, wenn ich aus verschiedenen Elementen einen Raum (Zimmer, Stadtansicht, Straße) zusammensetze, der dann damit zu einem neuem Ort wird.

Nicht alles ist nach perspektivischen Kriterien gelungen, was mir aber auch nicht immer wichtig gewesen ist, kleine Fehler entdeckte ich erst heute … aber ihr kennt ja sicherlich noch mein Motto:

When too perfect, dann liebe Gott böse

Nam June Paik

2011 – 2014

2015 – 2018

Die Galerien öffnen sich, die Bilder werden groß, wenn du sie anklickst

Zu guter letzt noch ein Foto vom letzten Dezember. Weite, Leere, Raum und die Stadt Basel von oben gesehen, eine Ergänzung zu Gerda Kazakous gestrigem Beitrag „Weite“, in dem sie sich zeichnerisch fragte:

Wieviel Unterstützung braucht die Leere durch einen ausformulierten Vordergrund, durch Bergkulissen, Baumsilhouetten, Wolkenränder, Meereshorizonte?

Wenig, aber etwas.

Bei einem Bild, bei dem mein Augenmerk auf Raum und Leere liegt, braucht es für mich einen Sog hinaus, einen Augenweg weg vom Vordergrund, weg von allem Gegenständlichen.


Hier endet vorerst meine Annäherung und mein Kreisen um Raum und Leere. Habt vielen Dank für euer Mitgehen und Mitsinnieren, ich durfte weiterlernen, nun werde ich verdauen.

Habt eine friedliche Woche.

Raum

Zweiter Teil

Der unendliche Raum ist blau am Tag und leer, wenn keine Wolke zieht.

So leer schenkt er keinen Halt. Ein Stern, eine Wolke, ein Flugzeug ändert sofort alles.

Um Raum darstellen zu können braucht es also „etwas“, sonst zeigt sich „nur“ ein azurblaues Rechteck.

Zugegeben, eine sehr feine Projektionsfläche!

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Liezi (ca. 450 v. Chr.) befasste sich u. a. mit Fragen zur Grenzenlosigkeit von Zeit und Raum. Seine Ausführungen zeigen Parallelen zu den Antinomien der reinen Vernunft von Immanuel Kant

In seinem Werk Liezi, Das wahre Buch vom quellenden Urgrund werden im 5. Buch diese Fragen näher erörtert:

Tang von Yin sprach: „Gibt es dann im Raum eine äußere Grenze und letzte einfache Teile?“ Gi von Hia sprach: „Das weiß ich nicht.“ Tang fragte dringender. Gi sprach: „Gibt es einen leeren Raum, so hat er keine Grenzen, gibt es nur erfüllten Raum, so hat er letzte einfache Teile. Wie kann ich das erkennen? Doch kann man jenseits der Grenzen des Leeren noch einmal ein grenzenlos-grenzenloses Leere denken, innerhalb der unendlich kleinen Teile noch einmal unendlich-unendlich kleine Teile denken. Da jenseits des Grenzenlosen noch wieder ein grenzenlos Grenzenloses und innerhalb des unendlich Kleinen noch wieder ein unendlich-unendliches Kleines ist, so kann ich mir denken, dass es keine Grenzen und keine letzten einfachen Teile gibt, nicht aber denken, dass es Grenzen und einfache Teile gibt.“
Quelle → https://de.wikipedia.org/wiki/Raum_(Philosophie) 


Wie geht es dir mit der Unendlichkeit, bzw. mit der Grenzenlosigkeit des Raums?

Sonntagsbilder 53 2018

Durchlässig – permeable 010

oder – or

Form im Formlosen – form in informality

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Zur Form im Formlosen fand ich folgendes im Netz:

„1.2. Das Formlose
Auf das Formlose sind Rückschlüsse möglich. Es ist jedoch nicht als Objekt der Betrachtung erkennbar. Es ist vielmehr das Subjekt des Betrachteten.
Im Formlosen gibt es keine Unterscheidungen. Es entspricht der Möglichkeit, sich in Unterscheidbares zu verwirklichen. Da Tatsächliches nur tatsächlich sein kann, wenn es möglich ist, ist die unentschiedene Möglichkeit Ursprung und Grund­lage des Verwirklichten.
Obwohl Möglichkeiten des Formlosen womöglich nicht verwirklicht sind, ist die Wirkkraft der Wirklichkeit im Formlosen tiefer verankert als im Verwirklichten selbst. Das Formlose liegt dem Geformten zugrunde. Es ist wirklicher als das Verwirklichte. Aus seiner Sicht erscheint die Wirklichkeit des Verwirklichten austauschbar. Sie ist somit nachgeordnet.
2. Übergänge
Geformtes und Formloses sind keine getrennten Welten. Es liegt im Wesen des Form­losen unbegrenzt zu sein und somit nicht an den Grenzen des Geformten zu enden. Daher liegt allem Geformten das Formlose inne.
Formen sind umso geformter, je komplexer sie sind. Je komplexer Formen sind, desto mehr wird das Formlose überlagert.“

https://www.seele-und-gesundheit.de/exis/form.html

 Winterlich Durchlässiges aus dem Garten

Am Brunnen

Am Teich

Das Gewächshaus in der Winterpause

Einmal werden wir noch wach … Friedliches, Schönes und Freudiges wünsche ich euch.

Und es ward Licht

Rückblick 04 – Licht 2018

 

Oktober/November

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Sonnenblumen und Vase

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September

Juli

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Weil es finster war auf der gestaltlosen Tiefe, darum muß das Licht die Gestalt schaffen. Wie die gestaltlose Nacht durch das Licht des Morgens zur Gestalt wird, wie das Licht die Gestalt enthüllt und schafft, so mußte jenes Urlicht das Chaos ordnen, die Gestalt enthüllen und schaffen … Das Licht erweckt die Finsternis zum eigenen Sein … Ohne das Licht wären wir nicht – denn ohne das Licht gibt es kein Gegenüber, weil es keine Gestalt gibt …

Ausschnitte aus einem Text von Dietrich Bonhoeffer

mehr zu Dietrich Bonhoeffer hier → https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_Bonhoeffer



Ich wünsche euch eine lichtvolle 4. Adventwoche – am Freitag ist Wintersonnenwende, ein Grund zur Freude!

 

Markt und Straßen stehn verlassen

Rückblick 02 2018 – verlassene Orte – alles hat seine Zeit

Wie schon bei meinem ersten Rückblick zeige ich meine Favoriten dieses Themas. An die meisten Bilder werdet ihr euch erinnern, drei habe ich bislang noch nicht gezeigt, drei sind neu.

Ich zeige Paare und Einzelbilder. Wie immer werden die Bilder groß, die Galerien öffnen sich, wenn du ein Bild anklickst.

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,

Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,

Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus in’s freie Feld,

 

Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schneees Einsamkeit

Steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff


 

 

 

SCHNITT



An dieser Stelle sollte der Beitrag „eigentlich“ enden, wäre da nicht ein Film bei mir angekommen >Over your cities grass will grow<. Ein Film über die Arbeit von Anselm Kiefer auf einem Gelände in Südfrankreich, einer ehemaligen Seidenfabrik in Barjac. „Ein Künstleratelier auf dem 350.000 m² großen Industriegelände einer ehemaligen Seidenfabrik in Südfrankreich, ‚La Ribaute‘ genannt, das zu einem einzigen gigantischen Kunstwerk mutierte.“

Um dieses gigantische Kunstwerk, sein Entstehen und seine Wirkung dreht sich dieser dokumentarische Film. Obwohl ich Herrn Kiefers Werke schon länger verfolge und auch schon einiges über den Ort wusste, wusste ich nichts von seiner Ruinenstadt. Als diese Thema wurde, saß ich wie die Schlange vor dem Kaninchen vor seinem Werk. Das sind doch „Verlassene Orte“!

© Anselm Kiefer – aus dem Film >Over your cities gras will grow<

Es gäbe jetzt viel zu diesem Film und dem Werk von Anselm Kiefer zu schreiben, das aber behalte ich mir für später vor. Zeigen möchte ich euch zwei neue Bilder von mir.

Hommage an Anselm Kiefer und sein Werk

Over your cities gras will grow – Über eure Städte wird Gras wachsen

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ENDE


 

Ein Schiff wird kommen

Rückblick 01 2018 – Boote und Schiffe

An diesem Projekt haben sich zahlreiche Blogerinnen und Bloger beteiligt, wofür ich immer noch dankbar bin und so das Ganze herrlich bunt und vielfältig wurde, ganz so wie ich es mag.

Für die neuen Leserinnen und Leser: wenn du diesem Link folgst → https://cafeweltenall.wordpress.com/2018/04/30/boote-und-schiffe-ende/, kommst du zum Finale am 30.04.2018, hier zeigte ich eine Diashow der diversen Beiträge und vervollständigte die „Die freie Enzyklopädie der Schiffsbezeichnungen“ – das Projekt begann am 26.03.2018 → https://cafeweltenall.wordpress.com/2018/03/26/boote-und-schiffe-01/

Heute zeige ich meine persönlichen Lieblingsschiffsbilder, die ich in diesem Jahr gestaltet, bzw. fotografiert habe und starte mit zwei neuen Fotomontagen.

Federboot

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draufklick = große Bilder – please click to enlarge

Federboot

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Meine persönlichen Lieblingsboote und -schiffe 2018

Fotomontagen

 

Gerda Kazakous und meine Fotos als Duos

Die Aufnahmen machten wir im Hafen von Kalamata

 

Diese beiden Bilder dürfen in diesem Reigen nicht fehlen, eine Zusammenarbeit von Gerda und mir, als sie mich spontan für einige wenige Tage besuchte

Seit dem Frühjahr sind zwei neue Schiffe bei mir eingezogen und gerade eben habe ich ein Foto von Dora Maar aufgeschlagen, auf dem ein Segelschiff im Mittelpunkt ist.

Von links nach rechts: Das Gartenschiff, das zum Überwintern in den sicheren Hafen eingefahren ist, die Fotografie von Dora Maar (mit Schneehuhn) und das Borkenschiffchen mit Gingkoblattsegel, das ich mit Enkelsohn und Enkeltochter „gebaut“ habe.

Erinnerst du dich noch an das Lied „Ein Schiff wird kommen“ von Nana Mouskouri gesungen? Mit diesem Lied bin ich groß geworden. Ich mochte es als Mädchen sehr und habe es immer lauthals mitgesungen.

Wer mehr über den Hintergund dieses Liedes erfahren möchte, kann dies hier nachlesen → https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Schiff_wird_kommen. Hier der Text:

Ein Schiff wird kommen

Ich bin ein Mädchen von Pyräus
Und liebe den Hafen, die Schiffe und das Meer
Ich lieb das Lachen der Matrosen
Und Küsse, die schmecken nach See, nach Salz und Teer

Ein Schiff wird kommen
Und das bringt mir den einen
Den ich so lieb wie keinen
Und der mich glücklich macht

Ein Schiff wird kommen
Und meinen Traum erfüllen
Und meine Sehnsucht stillen
Die Sehnsucht mancher Nacht

Mich lockt der Zauber von Pyräus
Drum stehe ich Abend für Abend hier am Kai
Und warte auf dir fremden Schiffe
Aus Hongkong, aus Java, aus Chile und Shanghai

Ein Schiff wird kommen
Und das bringt mir den einen
Den ich so lieb wie keinen
Und der mich glücklich macht
Ein Schiff wird kommen
Und meinen Traum erfüllen
Und meine Sehnsucht stillen
Die Sehnsucht mancher Nacht.

Ich bin ein Mädchen von Pyräus
Und wenn eines Tages mein Herz ich mal verlier
Dann muss es einer sein vom Hafen
Nur so einen Burschen wünsch ich für’s Leben mir

Und später stehen meine Kinder
Dann Abend für Abend genau wie ich am Kai
Und warten auf die fremden Schiffe
Aus Hongkong, aus Java, aus Chile und Shanghai

Ein Schiff wird kommen
Und das bringt mir den einen
Den ich so lieb wie keinen
Und der mich glücklich macht
Ein Schiff wird kommen
Und meinen Traum erfüllen
Und meine Sehnsucht stillen
Die Sehnsucht mancher Nacht.

Songwriter: Manos Hadjidakis / Joe Burgner / Fini Busch
Songtext von Ein Schiff wird kommen © Universal Music Publishing Group

Als Kind, ich bin katholisch erzogen worden, liebte ich auch dieses Lied:
Es kommt ein Schiff geladen

1. Es kommt ein Schiff, geladen
bis an sein‘ höchsten Bord,
trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
des Vaters ewigs Wort.

2. Das Schiff geht still im Triebe,
es trägt ein teure Last;
das Segel ist die Liebe,
der Heilig Geist der Mast.

3. Der Anker haft‘ auf Erden,
da ist das Schiff am Land.
Das Wort will Fleisch uns werden,
der Sohn ist uns gesandt.

Als ich den Liedtext vorhin noch einmal gelesen habe gefielen mit wieder diese drei Zeilen:

… das Segel ist die Liebe,
der Heilig Geist der Mast.

Das Wort will uns Fleisch werden …

Bilder und Ziele mit denen ich mich identifizieren kann, auch wenn ich der katholischen Kirche schon vor Jahrzehnten den Rücken zugekehrt habe. Welch grandiose Vorstellung: wenn ich ein Schiff wäre, dass mein Segel die Liebe wäre und mein Mast der Heilige = der weise Geist und die Worte sich mit Erfahrungen gefüllt hätten, die zu einer Haltung führen.

Zum Lied fand ich u.a. auf der Seite des Deutschland Funks :

„Es kommt ein Schiff geladen“ ist ein uraltes Advents- und Weihnachtslied. Der Dichter Daniel Sudermann hat dieses alte Lied vor 400 Jahren wieder entdeckt. Er lässt die Geschichte des Liedes, seine Entstehung und Bedeutung lebendig werden und bringt die alten Worte und die alte Melodie neu zum Klingen.

Wer mehr wissen will, kann dem obigen Link folgen.



Ich wünsche euch eine sturmlose Fahrt durch die letzten Wochen von 2018.

Sonntagsbild 49 2018

Heute mit einem Zitat von Susanne Haun, eine Antwort von ihr auf einen meiner Kommentare. Danke Susanne, das war eine feine Inspiration!

Das Leben ist sehr abwechslungsreich und es gibt Zeiten von weißen und von schwarzen Vorhängen und alle Graustufen dazwischen!

eine Installation von Nural Moser 08 2018

Hier geht es zur Webseite von Nural Moser → http://nuralmoser.com/

Dazu passt das Musikstück von Laurie Anderson: What is behind that curtain – Born, never asked

Stell dir eine Bühne vor. Hier wehen über- und hintereinander schwarze und weiße, dünne Stoffe, im Wehen entstehen verschiedene Grautöne durch die Überlappungen. Eine im roten Kleid tanzt mit ihnen, einer nach dem anderen hebt sich, es bleibt ein letzter hängen, weiß und schwarz, durchscheinend der Stoff, dahinter scheint ein diffuses Licht, undeutliche Schemen tauchen auf und verschwinden wieder. Der letzte Vorhang ist starr, er ist die Grenze, er ist nicht passierbar, nicht jetzt … die Zeit wird ihn löchrig werden lassen.

So eine Bühne würde ich gerne einmal bauen!

Einen schönen Sonntag wünsche ich in die Runde.



P.S. Zur Erinnerung: am nächsten Wochenende startet die zweite Runde der Alltagsgeschichten und -bilder, ich bin sehr gespannt!!!

Der blaue Weg zum Zweiten

Der blaue Weg ist ein Buch von Kenneth White. Er schrieb es in den 1980er Jahren und beschreibt hier seine Reise nach Labrador. Labrador? Ich hole meinen Atlas zur Hilfe, es ist eine Provinz im Nordosten Kanadas. Kalt ist es dort und auch etwas unwirtlich. Einst Wohngebiet der Inuits und anderer nordamerikanischer Ureinwohner*innen.

Kenneth White, geb. 1936 in Glasgow, studierte französische und deutsche Literatur, Latein und Philosophie. Sein „Reisebericht“ ist philosophisch beobachtend, manchmal auch sarkastisch, wenn es um die Besiedlung und Missionierung/Christianisierung durch die Europäer geht.

Es ist auch ein Buch, das von der eigenen Suche erzählt, der Suche nach Stille, nach Natürlichkeit, dem Lied der eigenen Seele.

Es beginnt mit neun Stelen, dies sind neun Zitate anderer Literaten, hier sind sie:

Reisen scheint mir eine nützliche Übung. Die Seele ist dabei in ständiger Bewegung.

Montaigne

Zu jedem Preis und mit allen Tönen, selbst auf metaphysischen Reisen.

Rimbaud

Unsere Zeit ist besonders dadurch gekennzeichnet, dass sie schal ist – schal wie die Literatur. Vordringen in eine neue Welt und dort Bewegungsfreiheit, Neuheit erleben.

William Carlos Williams

Ich bin Rothaut, blauer Bauch, goldener Kopf … Ich mache mich auf, ich haue ab, ich gehe in den Untergrund … den Untergrund der Seele.

Delteil

Echte Kultur kann nur im Raum gelernt werden … Kultur im Raum heißt Kultur eines Geistes, der unablässig im Raum atmet und sich leben fühlt und der Körper des Raums als Gegenstände seines Denkens zu sich ruft.

Artaud

Er muss immer ein bisschen weiter weg gehen, da ist sein einziges Zuhause.

Bataille

Blaue Seele, dunkles Wandern.

Trakl

Wer fremd ist, wandert vorwärts. Er irrt nicht ohne jede Bestimmung ratlos durch die Welt. Er ist auf der Suche nach dem Ort, wo er eine Bleibe finden kann.

Heidegger

Der Weg vollendet sich. Der Schnee fällt in tausend Flocken. Mehrere Rollen blauer Berge sind gemalt worden.

Shōbōgenzō

Kenneth White selbst schreibt im Vorwort:

Was ist denn ein blauer Weg? wird man fragen. Ich weiß es selbst nicht genau. Da ist natürlich das Blau des weiten Himmels, da ist das Blau des Flusses, des mächtigen Sankt-Lorenz-Stroms, und weiter weg dann das Blau des Eises. Aber all diese Bilder und noch ein paar andere, die mir einfallen, wenn sie zu mir, zu meinen Sinnen und meiner Einbildungskraft, sprechen, reichen bei weitem nicht aus für die Tiefe des „Blaus“.

Ist es also etwas Mystisches?

Ich möchte mich hier nicht auf eine Diskussion über dieses abgedroschene Wort einlassen (etwas viel Lebendigeres ruft uns), aber wenn ich im Geist einen Augenblick in der Sphäre verweile, fällt mir ein, dass in gewissen alten Überlieferungen vom wandernden Mystiker die Rede ist und davon, dass ein Mann, der in „westlicher Verbannung“ lebt und seinen „Orient“ finden will, den Norden passieren muss …

…Der blaue Weg, das ist vielleicht einfach der Weg des Möglichen.

Jedenfalls wollte ich hinaus, dorthin, und sehen.

Und weiter schreibt er:

Seite 11 und 12

Lange Zeit habe ich versucht, mich eines dicken Buches, eines der dicksten, die es gibt, und das mich erdrückte, zu entledigen und der ganzen geistigen Verwirrung, die es gestiftet hat. Ich wollte der Besetzung der Welt durch Jehova und ein paar anderen entfliehen. Das ist vollbracht. Aber ich muss auch weitergehen. Nach Labrador. Ja, dort schließt sich der Kreis, dort kehre ich an meinen Ausgangspunkt zurück, schlucke meine Geburt, entwickle alle Negative meiner Adoleszenz und werf einen ernsthaften Blick auf mein ursprüngliches Gesicht.

Was ich im Moment brauche, ist Raum, ein großer Lebensraum für die letzte Meditation.

Seite 22 und 23

Institutionen und Individuen werden nie dieselbe Wellenlänge haben. Deshalb bin ich Anarchist. Ein lachender Anarchist.

Seite 33

Der Indianer wird nach und nach verdrängt. Der Eindringling wird zum Einwohner, und der Eingeborene wird unerwünscht.

Seite 44

Wir fahren durch den Kenogami Wald, dann den Lac Saint-Jean entlang.

Ich frage mich, wann wir diese ganze biblische Toponymik endlich loswerden. Den indianischen Namen dieses Sees kenne ich nicht, aber ich möchte wetten, dass er schön war und genau. Vielleicht hieß er Blauer-Wellen-See oder Sommerstürme-See oder Viele-Bäume-See. Benannt von Leuten, die ihn wirklich kannten, die mit seiner physischen Realität in Berührung kamen. Aber Lac Saint-Jean, ich bitte Sie! War der heilige Johannes denn hier? Von wegen! Er latschte durch Galiläa. Und die Leute, die den See Lac Saint-Jean getauft haben, waren auch nie wirklich hier. Ihre Hinterköpfe klebten an einem dicken schwarzen Buch. So verpassten sie der Wirklichkeit Namen aus diesem Buch und gingen hin und arbeiteten und vermehrten sich, wie das Gesetz es ihnen befahl. Das ist Kultur, um welches Buch oder Gesetz auch immer es sich handelt. Und das hat nichts zu tun mit all ihrer Schönheit empfundenen Wirklichkeit. Deshalb konnte Flaubert sagen, dass „die Kultur eine Verschwörung gegen die Poesie“ ist.

Seite 57



Dieses Buch hat mich zu einem eigenen Text inspiriert, der dieser Tage folgt.



Kenneth White – Der blaue Weg – Eine Reise ISBN 3-596-25343-8 – das Buch ist nur noch antiquarisch zu bekommen, man muss etwas forschen, damit es erschwinglich ist.

Sonntagsbild 47 2018 – Verlassene Orte 15

Christiane hat am Montag, 22.10.2018 unter anderem, das wunderbare Herbstgedicht von Reiner Maria Rilke eingestellt:

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg Deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern wenn die Blätter treiben.

(Rainer Maria Rilke, Herbsttag, aus: Das Buch der Bilder, 1. Buch Teil 2, S. 48, 1902 (Entstehungsdatum), Online-Quelle)

es hat mich zu diesem Bild inspiriert.

Dieses Haus wirkt nur auf den ersten Blick verlassen, auf den zweiten kannst du blühende Blumen im unterem Fenster entdecken, während das obere rechte Fenster von Verlassenheit spricht. Vielleicht aber auch nur von einem Menschen, der hier alleine alt wird, der nur noch Kraft für das Nötigste hat, bei dem es vielleicht nur noch eine Frage der Zeit ist, bis auch er das Haus verlässt.

Nicht bei jedem ist der Herbst des Lebens Freude und Wohlgefühl, man muss sich vorbereiten!


Ich wünsche euch allen einen geselligen Sonntag.