Etüde 08 2020

Die Worte, um die es in dieser Etüdenrunde geht, sind auf dem Bild zu sehen. Es ist wieder Zeit für eine Extraetüde, sagt Christiane und lud in dieser Woche dazu ein. Die Bedingungen: es gilt aus 6 Wörtern 5 auszuwählen und einen Text (oder ähnliches) mit maximal 500 Wörtern zu schreiben. Ich wählte einmal wieder ähnliches …


Viele Worte, sanfte Worte, kluge Worte, nichtssagende Worte, großspurige Worte, Worte – viele und ständig, was schweigen sie tot? Was sprechen sie aus? Wahrheit ist nicht immer dazwischen oder im Paradox. Wahrheit versteckt sich und ist doch oft zu nah, um sie zu sehen.

Manche fallen und es ist nicht schlimm. Manche fallen, fallen und fallen. Wohin? Manche stehen immer wieder auf. Manche wissen nichts vom Grund.

Der Zeit ist des Menschen Gehassels egal. Die Zeit ist und vielleicht auch nicht. Die Zeit hat keinen Plan. Die Zeit nimmt alle mit.

Am Horizont gleitet elegant ein Katamaran.

99 Wörter



Aus meiner Blogpause heraus …



To my English speaking readers:

If you are interested, you can read every article of me in English. You have to go to the end of my blog page, there you’ll find the buttom „Google Translater“. Enjoy!

 

Prinzip Hoffnung

weisse Tara

Zitat aus dem Buch von Andreas Altmann „Triffst du Buddha, töte ihn! Ein Selbstversuch“

(ISBN 9 783832 1611507)

Wie wahr, wie schauerlich wahr: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Keine Droge blendet erfolgreicher und hinterlistiger. Max Frisch hat es in seinem Tagebuch notiert, hat schön radikal im Diesseits und Jenseits aufgeräumt: >Es genügte, wenn man den Mut hätte, jene Art von Hoffnung abzuwerfen, die nur Aufschub bedeutet, Ausrede gegenüber jeder Gegenwart, die verfängliche Hoffnung auf den Feierabend und das Wochenende, die lebenslängliche Hoffnung auf das nächste Mal, auf das Jenseits – es genügte, den hunderttausend versklavten Seelen, die jetzt an ihren Pültchen hocken, die Hoffnung auszublasen: groß wäre das Entsetzen, groß und wirklich die Verwandlung.<

Am radikalsten aber hat es Albert Camus formuliert: >Alles Unglück des Menschen kommt von der Hoffnung.< Wie erfreulich hoffnungslos da der Buddhismus klingt. Wie lässig er den Himmel übersieht, auch den Teufelsschlund, ja, sich nicht um Gott schert, somit dem Menschen seine Würde und Eigenverantwortung zurückgibt. Indem er ihn nicht vertröstet, auf gar nichts, nur ungerührt und kompromisslos auf die Gegenwart verweist, in der er sich bewähren muss. Schon schwer. Aber immerhin werden wir nicht infantilisiert, sind wir nicht angewiesen auf die Launen eines Allmächtigen, eines – so plappern die Glaubensbrüder und Betschwestern – >Allgütigen<.

Ja, Frisch gibt es zu: Die Religion verfügt über einen enormen Trumpf, die Illusion. Denn solange sie durchhält, solange werden sich die Halluzinationen vom Jenseits und der höllischen Feuersbrunst halten. Ohne Risse, ohne Bedenken. Viele sterben mit diesem Phantom, werden wohl nie erfahren, dass sie lebenslänglich per Hokuspokus anästhesiert wurden. Dass sie weder post mortem hemmungslos vögeln dürfen noch beim Teufel ankommen noch >auferstehen<. Und die Ahnungslosigkeit hat vielleicht ihre Vorteile. Denn die Reue über all die vertrauensseligen Narreteien wäre maßlos, über all die Schindluder, die man im Namen der einen oder der anderen Gottheit erdulden muss.



Bleibe ich noch ganz kurz beim Buch, an einigen Stellen habe ich geschmunzelt, an anderen genickt, insgesamt war es inspirierend wieder mehr Zeit in Stille auf meinem Kissen zu verbringen (was mir noch nie geschadet hat), aber ich muss auch gestehen, dass ich nicht alle Ansichten von Herrn Altmann unterschreiben kann. Muss ich ja auch nicht. So z.B. was er über den Buddhismus im Zusammenhang von Himmel und Hölle geschrieben hat: Der tibetische Buddhismus weiß in Gleichnissen einige schauerliche Geschichten über die Vajra-Höllen zu erzählen und malt im Kontrast dazu himmelselige Bilder. Schon lange denke und glaube ich, dass beide nicht irgendwo im Jenseits zu finden sind, sondern genau jetzt und hier. Manche gehen genau in diesem Augenblick durch eine der vielen Höllen hier auf Erden (Krieg, Hunger, Verfolgung …), andere schweben in himmlischen Sphären.

Auch wenn ich den Buddhismus mehr als Philosophie, denn als Religion begreife, hat er in seinen religiösen Ausrichtungen, genau wie alle anderen Religionen auch, Dogmen ausgebildet. Dogmen haben aus meiner Sicht immer nur einen Sinn und Zweck: den Menschen klein zu halten und mit Schuld und schlechtem Gewissen zu beladen, um Macht über sie auszuüben.


P.S. Buddha war auch nur ein Mensch.



Gerne wüsste ich von euch wie ihr zum Prinzip Hoffnung steht, wie zu den Frohlockungen des Himmels, wie zu den Drohungen der Hölle(n). Willkommen in meinem Kommentarstrang!

GedankenFäden 008

Was wir wissen und was nicht

Lebensrad dreht sich

Lebensräder umeinander herum

weiter und weiter …

draufklich = großes Bild – please click to enlarge

Manchmal wissen meine Bilder mehr als ich weiß, manchmal wissen es die Zwischenzeilen und manchmal wissen es die Zeilen an sich, ohne, dass ich es wüsste.

Manchmal ahnt Einer etwas. Wenn es passiert, weiß er es, vorher nicht.

Manchmal wundert sich Eine. Sie weiß es nicht einzuordnen. Später fügt sich eins ins andere.

Ein seidener Faden ist nicht zu unterschätzen. Seidenfäden sind stabiler als ihr Ruf. Manche sind rot. Manche sind blau.

Rot, wie das Blut und das Leben. Blau, wie die tiefe Stille und das All.

Und wieder geht es um die hauchdünne Linie, die alles voneinander trennt, die aber auch alles miteinander verbindet, Manchmal – je nachdem. Ein Jedes bedingt das Andere, alle bedingen sich untereinander, alles greift ineinander, alles ist mit allem verbunden.

Und plötzlich rücken sich Leben und Tod sehr nahe. An dieser hauchdünnen Linie kann man Frieden schließen.

Ping Pong 030

PING

GERDA AN ULLI → WENN DIR EINE GEFLÜGELTE DIE HAND REICHT …

PONG

ULLI AN GERDA → … GEHÖRT DIES ZU DEN WUNDERN DES LEBENS

PING 031

ULLI AN GERDA → ALS MAN DEM STIER SEINE HÖRNER NAHM …

draufklick = große Bilder – please click to enlarge



WAS BISHER GESCHAH → https://cafeweltenall.wordpress.com/galerien/ping-pong/

DIE IDEE→ https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/02/05/ping-pong-001-2019/

Raum

Dritter und vorerst letzter Teil

Der Raum (von mhd. rûm „das nicht Ausgefüllte“, „freier Platz“) ist eine grundlegende Komponente der Wirklichkeit. Raum definiert sich als Ausdehnung in Höhe, Länge und Breite. Philosophisch strittig ist, ob der Raum „an sich“, unabhängig von Wahrnehmung und Vorstellung, existiert oder lediglich eine Anschauungsform des wahrnehmenden Subjekts ist, ob also mathematischer Raum, physikalischer Raum und der Raum der Erfahrung zusammenfallen.

Quelle → https://de.wikipedia.org/wiki/Raum_(Philosophie)

Die Kunst besteht darin, den Raum zum Ort zu machen.

 schrieb Joachim Schlichting zu meinem zweitem Raumbeitrag im Kommentarstrang https://hjschlichting.wordpress.com/

Der Kommentar von Joachim brachte mich auf die Idee euch heute eine Auswahl von Bildern aus den letzten Jahren zu zeigen, in denen ich Räume/Zimmer/Ortschaften am PC für meine Bilder „baute“. Selbstredend erschafft man mit jedem Bild, dass man malt, zeichnet, gestaltet einen Raum und doch ist es noch einmal anders, wenn ich aus verschiedenen Elementen einen Raum (Zimmer, Stadtansicht, Straße) zusammensetze, der dann damit zu einem neuem Ort wird.

Nicht alles ist nach perspektivischen Kriterien gelungen, was mir aber auch nicht immer wichtig gewesen ist, kleine Fehler entdeckte ich erst heute … aber ihr kennt ja sicherlich noch mein Motto:

When too perfect, dann liebe Gott böse

Nam June Paik

2011 – 2014

2015 – 2018

Die Galerien öffnen sich, die Bilder werden groß, wenn du sie anklickst

Zu guter letzt noch ein Foto vom letzten Dezember. Weite, Leere, Raum und die Stadt Basel von oben gesehen, eine Ergänzung zu Gerda Kazakous gestrigem Beitrag „Weite“, in dem sie sich zeichnerisch fragte:

Wieviel Unterstützung braucht die Leere durch einen ausformulierten Vordergrund, durch Bergkulissen, Baumsilhouetten, Wolkenränder, Meereshorizonte?

Wenig, aber etwas.

Bei einem Bild, bei dem mein Augenmerk auf Raum und Leere liegt, braucht es für mich einen Sog hinaus, einen Augenweg weg vom Vordergrund, weg von allem Gegenständlichen.


Hier endet vorerst meine Annäherung und mein Kreisen um Raum und Leere. Habt vielen Dank für euer Mitgehen und Mitsinnieren, ich durfte weiterlernen, nun werde ich verdauen.

Habt eine friedliche Woche.

Raum

Zweiter Teil

Der unendliche Raum ist blau am Tag und leer, wenn keine Wolke zieht.

So leer schenkt er keinen Halt. Ein Stern, eine Wolke, ein Flugzeug ändert sofort alles.

Um Raum darstellen zu können braucht es also „etwas“, sonst zeigt sich „nur“ ein azurblaues Rechteck.

Zugegeben, eine sehr feine Projektionsfläche!

draufklick = große Bilder

Liezi (ca. 450 v. Chr.) befasste sich u. a. mit Fragen zur Grenzenlosigkeit von Zeit und Raum. Seine Ausführungen zeigen Parallelen zu den Antinomien der reinen Vernunft von Immanuel Kant

In seinem Werk Liezi, Das wahre Buch vom quellenden Urgrund werden im 5. Buch diese Fragen näher erörtert:

Tang von Yin sprach: „Gibt es dann im Raum eine äußere Grenze und letzte einfache Teile?“ Gi von Hia sprach: „Das weiß ich nicht.“ Tang fragte dringender. Gi sprach: „Gibt es einen leeren Raum, so hat er keine Grenzen, gibt es nur erfüllten Raum, so hat er letzte einfache Teile. Wie kann ich das erkennen? Doch kann man jenseits der Grenzen des Leeren noch einmal ein grenzenlos-grenzenloses Leere denken, innerhalb der unendlich kleinen Teile noch einmal unendlich-unendlich kleine Teile denken. Da jenseits des Grenzenlosen noch wieder ein grenzenlos Grenzenloses und innerhalb des unendlich Kleinen noch wieder ein unendlich-unendliches Kleines ist, so kann ich mir denken, dass es keine Grenzen und keine letzten einfachen Teile gibt, nicht aber denken, dass es Grenzen und einfache Teile gibt.“
Quelle → https://de.wikipedia.org/wiki/Raum_(Philosophie) 


Wie geht es dir mit der Unendlichkeit, bzw. mit der Grenzenlosigkeit des Raums?

Raum

Erster Teil

 

Der Weise lebt still inmitten der Welt,
sein Herz ist ein offener Raum.

Laotse

Im Ayurveda wird Äther als Akasha, gleich Leere und Raum bezeichnet und kann als allgegenwärtiger Raum gesehen werden, in dem alles geschieht und in dem auch alles geschehen kann. Das ist der Raum, in dem die anderen Elemente tanzen. Somit ist Äther gleichzeitig die Quelle aller Materie und der Raum selbst in dem sie existiert …

dieses Zitat habe ich leicht verändert, die Quelle dazu findet sich hier →

http://surfmysoul.de/die-fuenf-elemente-in-der-yogapraxis-teil-5-aether/

Wir saßen am Abend zusammen und schwadronierten über das eine und andere. Und dann war er wieder da, der Raum … ich sagte: jeder Mensch braucht Raum, um sich entfalten zu können – nichts Neues sagte ich und doch bekam der Satz dann eine neue Tiefe.

Vieles braucht Raum, zum Beispiel auch die Wut, die Trauer, das Leben miteinander und …

Manche Menschen mögen Nähe, andere Luft zwischen sich und der/dem anderen. Ich gehöre zu Letzteren, lässt man mir Raum, dann kann mein Atem frei fließen und meine Gedanken und Gefühle können schwingen.

Stille ist auch ein Raum. Ich mag es, wenn es während hitziger Diskussionen Raum gibt, Raum den eigenen Gefühlen nachzuspüren und Raum die eigenen Argumente zu überprüfen, die der anderen zu hören und aufnehmen zu können, anstelle von Schlagabtäuschen und dem Kampf ums Rechthabenwollen.

Der Raum zwischen den Zeilen, zwischen den Tönen, schenkt Tiefe, auch ein Verstehen auf wortlose Art.

Das obige Zitat aus der Sichtweise im Ayurveda sagt außerdem, dass der Raum identisch mit der Leere ist, ich setze beides mit dem Punkt Null gleich, von dem aus alles möglich ist.

Hier lasse ich das Ganze erst einmal stehen und bin gespannt wie es euch mit dem Thema „Raum“ geht.



Gerda schrieb im Kommentarstrang zu diesem Beitrag:

Köstliche Bilder. Das Kalte, Weiße, Lichtvolle, Undefinierte, Weite, Leere, davor das Warme Nahe Dunkle Verbundene Begrenzende, Lebendige, Materielle, Sprießende. So ist es gut und harmonisch.
Die Umkehrung der Hell-Dunkel-Werte wäre erschreckend. Dann würde das undefinierte Dunkel unheilvoll hinter dem weißen Gitter der leichenhaften Gewohnheiten stehen und lauern. Ein Bild der Angst und Todesnähe.

Ich wollte sofort wissen wie die Umkehrung denn nun wirklich ausschaut, hier ist sie:

Meine Empfindung hierzu kannst du als Antwort auf Gerdas lesen, wie geht es dir damit?



Fortsetzung folgt