P = Prudentia/Klugheit

Alphabet – mutig geträumt

Oder P = der vergessene Buchstabe. Tatsächlich hatte ich bei meiner Aufstellung des Alphabets das P vergessen, schaut selbst:

0248-07-12-2016Ein aufmerksamer Leser meines Blogs wies mich darauf hin und schlug „Prudentia“ vor. Gerne nehme ich die Klugheit in mein Alphabet des mutigen Träumens auf und noch einmal bedanke ich mich herzlich für den Vorschlag und fürs aufmerksame Lesen.

Prudentia = Klugheit also:

Als klug gilt sie/er, die/der in der Lage ist Situationen und Herausforderungen zu erkennen, zu verstehen, um sie dann bestmöglichst zu meistern. Die Klugheit wird zu den vier Kardinaltugenden gezählt, die da wären: Besonnenheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Klugheit.

Klugheit ist so viel königlicher als die Schläue der „Schlitzohren“, die nur nach ihrem Vorteil trachtet, sich nicht scheut unlautere Mittel zur Erreichung ihrer Ziele einzusetzen und somit auch nicht davor zurückschreckt anderen zu schaden. Mir scheint, dass die heutige Welt und ihre Regierungen mehr von der Schläue, denn von der Klugheit gelenkt werden…

 

prudentia-jost_ammanJost (Jodocus) Amman auch Jobst Amman (* 1539 in Zürich; † März 1591 in Nürnberg) war ein schweizerisch-deutscher Zeichner, Kupferätzer und -stecher und hat in diesem Bild die Klugheit dargestellt, das Bild trägt den Titel „Prudentia“

Prudentia kennt sowohl den Blick in den eigenen, wie in den Spiegel der Welt und sie kennt auch die Herausforderungen, hier in Gestalt der Schlange dargestellt. Mir scheint, als ob Prudentia mit der Schlange in einem Dialog steht. Oftmals steht ja die Schlange für das Böse, die Vertreibung aus dem Paradies, ich verstehe sie als Herausforderung, aber auch als Sinnbild der Transformation, des Wandels. Und nichts anderes will ja das mutig geträumte Alphabet vermitteln: den Mut zur Häutung, dem Abwerfen von alten Häuten. Kluges Handeln setzt den Einsatz des Verstandes und des Herzens voraus..

Gerda schrieb einen umfassenden Artikel zum Verstand, sodass ich mir hier sparen kann tiefer auf ihn einzugehen. Ich behaupte: ohne Einsatz des Verstandes und des Herzens kein kluges Handeln. Gerda schrieb ebenfalls einen Artikel zu Kopf und Herz →

Komme ich zur Intelligenz, eine Größe des menschlichen Seins, die mich immer mal wieder beschäftigt. Mühselig habe ich akzeptiert, dass die Einen mehr, die Anderen weniger davon haben. Lange Zeit glaubte ich, dass jede und jeder, bei entsprechender Förderung, alles lernen könne.

Welch ein Gaukelbild (!), wenn auch ein inspirierendes. Es hat mir nämlich beim Gaukeln ein zweites Bild gezeigt, eins mit einem freundlichen Gesicht und lachenden Menschen gegenüber. Es ist die Klugheit, die lächelnd auf die Menschen zugeht und sie einlädt ihr zu erzählen wovon sie träumen, woran sie glauben, was sie sich wünschen, was sie gerne tun, aber auch wovor sie sich fürchten und was sie gar nicht wollen. Die Klugheit erfasst, was es braucht und welche Unterstützung vonnöten ist, um den Wandel in die Wege zu leiten. Die Klugheit erkennt die Sorgen und Nöte, die Wünsche und Träume der Menschen und handelt in ihrem Sinne, sie trachtet nach Möglichkeiten das Bestmögliche für alle lebenden Wesen umzusetzen und ist somit ein unabkömmlicher Aspekt des mutig geträumten Alphabets.

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70 Gedanken zu „P = Prudentia/Klugheit

  1. Eine nachdenkenswerte Analyse über die Klugheit, die sich unterscheidet von Schläue oder Intelligenz. Ein lieber Freund fällt mir ein, der immer, wenn dummes Zeug geredet wurde, die Augen gen Himmel richtete, lieber Gott, lass Weisheit regnen. Ich füge hinzu, von mir auch schneien oder scheinen…….dir einen lebendigen Tag, Marie

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    • Liebe Marie, wie ich das kenne: einen Kommentar schreiben, absenden und dann erst die Fehler sehen, das ist mir manchmal richtig peinlich, aber dir muss es das nicht sein, weil ich es ja auch kenne, lach
      und nun darf bitte Weisheit über die Menscheit wehen, besser als dieser fiese, urskalte Ostwind, der uns hier gerade beutelt und mir meinen frisch geschippten Weg vom Haus zur Strasse hin immer wieder zuweht- hilft nix, dann muss ich eben wieder schippen.
      Und für den Schneeengel ist es viiiiel zu eisig, sorry, muss mich ja noch „hüten“
      herzliche Grüsse von mir an dich
      Ulli

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  2. Liebe Ulli, leicht ist es sich nach Klugheit zu sehnen und danach zu streben, doch sie ist ebenso eine große Last und Verantwortung, denn sie ist eine launische Geliebte und lässt sich niemals ausgrenzen und ist nur mit einem festen Charakter gemeinsam zum Guten zu führen.

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    • Lieber Arno, Verantwortung sehe ich auch, aber keine Last, solange ich keine Führungsposition inne habe und das habe ich ja nicht. Als ich sie einmal hatte habe ich schnell gemerkt, dass mir das nicht steht und klug war ich oft auch nicht, leider!
      herzliche Grüsse
      Ulli

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  3. Dein Artikel hat mir sehr gefallen, und zuerst dachte ich, da steht alles drin, ich kann mir mal meinen Senf sparen. Doch dann fiel mir wie gewöhnlich allerlei dazu ein.

    „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben“. Weißt du, wer das sagte? Jesus, als der den Jüngern den Auftrag gab, seine Apostel zu werden. „Klug wie die Schlangen“ bedeutet: Sei vorsichtig. Deine Lehre wird auf Widerstand stoßen. Fordere diesen Widerstand nicht leichtfertig heraus, sei bedachtsam, besonnen und ziehe dich, wenn es allzu wüst hergeht, klug zurück, bleibe eine Weile unsichtbar …
    Mir gefällt natürlich auch deine Schlangenassoziation mit der Häutung, der Transformation.

    Prudentia galt im Mittelalter als eine Tugend – ja sogar als Haupt- und Übertugend, denn sie wachte darüber, dass eine Handlung im Einklang mit den anderen Tugenden – wie zB Mut – stand. Abgeleitet vom lateinischen Providentia – Voraussicht – wägt sie ab, ob das Ergebnis des mutigen Handelns dem Motiv – einen Sieg herbeizuführen, einen Menschen zu retten etc – entsprechen wird. Wenn ich zB eine Tyrranei stürzen oder Flüchtlingen helfen will, muss ich sehen, ob ich die Mittel auch wirklich habe, und ich muss kalkulieren, wie stark die Gegenkräfte sein werden, die ich herausfordere. Wenn meine HANDLUNG TROTZ MEINER GUTEN ABSICHT CHAOS BEWIRKT, ist sie nicht klug im Sinne von Prudentia. Mir fehlte die klare Sicht auf Kräfte und Gegenkräfte. Ich ließ mich von meinem guten Motiv hinreißen und weckte Hoffnungen, lockte unabsichtlich Menschen in eine Falle, aus der ich ihnen nicht heraushelfen kann.
    Im Griechischen gibt es die deutsche Unterscheidung zwischen schlau und klug nicht. Das Wort ist έξυπνος – ex hypnos -, und das heißt „aus dem Schlaf“, also „aufgewacht“ (im Deutschen „aufgeweckt“), Hypnos, Schlaf, kennst du aus Hypnose. Darüberhinaus gibt es noch einen Haufen anderer Wörter, die mit Facetten der Klugheit zu tun haben, aber eine ethische Nebenbedeutung haben sie alle nicht – außer vielleicht sophos, weise.

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    • P.S. schön finde ich, dass Jesus die Schlangen in solch einem Kontext erwähnt- ich dachte immer für alle Christen wäre die Schlange das Böse perse, aber nun Jesus war ja auch kein Christ, genauso wenig wie Buddha ein Buddhist war…
      Es wundert mich noch, dass es im griechischem kein Wort für klug gibt, las ich doch, dass die Klugheit von Aristoteles zu den Tugenden gezählt wurde…

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      • Da hast du was missverstanden, liebe Ulli, natürlich gibt es im Griechischen Wörter für Klugheit. Aber es fehlt die Unterscheidung zwischen schlau und klug – beide heißen exypnos – aufgewacht. Aristotoles rechnet die Klugheit zu den Tugenden, stimmt. Aber zu welchen? Er unterscheidet zwischen den kognitIven und den ethischen Tugenden. Ich habe vorsichtshalber noch mal nachgeschaut bei Wikipedia, Stichwort Tugendethik.. „Aristoteles unterscheidet … zum einen die Verstandestugenden (dianoetische Tugenden – Klugheit, Kunstfertigkeit, Vernunft, Weisheit, Wissenschaftlichkeit) und zum anderen die Charaktertugenden (ethischen Tugenden). Mit den übergeordneten Verstandestugenden orientiert der Mensch sich an der praktischen Vernunft, um die richtigen Mittel und Wege für sein Handeln zu finden und um in den konkreten Situationen, in denen sein Handeln gefordert ist, das Richtige zu wählen. .. “
        Ich habe schon unter Orama auf den Unterschied zwischen altgriechischem und deutsch-abendländischem Verständnis hingewiesen. Orama hat, anders als Vision, nichts mit Ethik zu tun, sondern damit, ein Ziel zu visualisieren und die dafür brauchbaren Schritte, Mittel und Wege auszusinnen. Nimm zB Hitler und Mandela – beide waren große Oramatisten, haben ihr Leben nach ihrem Orama durchgestaltet …
        KLUGHEIT ist also im Griechischen eine rein kognitive Tugend. Das Urbild ist Odysseus, der sich aus jedem Schlamassel schlau selbst befreit. Es gibt da eine interessante Szene, als er auf Ithaka landet, aber noch nicht weiß, wo er ist. Athene tritt ihm in männlicher Verkleidung entgegen, und er beginnt, ihr eine lange Lügengeschichte aufzutischen, woher er kommt, wohin er will. Athene gibt sich zu erkennen und schilt ihn: Du bist doch immer noch der alte Klugscheißer, sagt sie ihm. Er verteidigt sich: immer wenn ich dich brauchte, Athene, warst du nicht da. Also musste ich mich auf meinen eigenen Verstand verlassen. – In dieser Szene wird erstmals bewusst gestaltet; dass die alte Zeit, in der die Menschen durch göttliche INSPIRATION geleitet wurden, vorbei ist. ICH, sagt Odysseus, muss alles selbst herausfinden. Genauso spricht übrigens auch der Prometheus in dem Gedicht von Goethe. Die moderne Zeit ist angebrochen, wo wir vergebens auf göttliche Führung hoffen. Wir sind entlassen in die Freiheit unserer eigenen Wahrnehmung und Verantwortung.

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        • Frau Dr. phil. … 🙂 ich danke-
          Ansonsten verlasse ich mich schon immer lieber auf mich selbst, als auf irgendeinen Gott, der es dann richten soll- in irgendeinem meiner Alphabetartikel schrieb ich das auch, das kann aber sein, dass es noch kommt-

          Heute war hier Zaubertag, Sonne auf verwehenden Schnee, nur der Ostwind beisst, lange konnte ich das noch nicht aushalten und das Auto fährt immer noch nicht. Damit ich keine Krise kriege, habe ich gerade Fotos gemacht und einen kleinen Text geschrieben und jetzt koche ich mir was und morgen früh rufe ich den ADAC an, heut moag i nimmi, geht schon den ganzen Tag, Batterie laden, und … alles nix genutzt 😦

          soweit aus meiner profaner Welt, herzlichst
          Ulli

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          • na ja, du bist eben ein moderner Mensch, zweifellos. Verlässt dich lieber auf dich als auf irgendeinen Gott, und wenn gar nichts mehr geht, ist ADAC ja auch ne Lösung. – Ich beneide dich um den Schnee, denn ich hab mal wieder gar keinen gesehen in diesem Jahr, außer, der auf den Bergen, den ich von der Ebene aus sah, zählt mit. mit besten Grüßen! Gerda

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    • Danke für den Hinweis auf die unbeabsichtigten Folgen einer Handlung. Zum Stürzen einer Tyrannei gäbe es mancherlei zu denken. Hätten doch Georg Elser, Graf Stauffenberg oder Geschwister Scholl zu Zeiten des Nationalsozialismus etwas mehr bewirken können …
      Den Flüchtlingen zu helfen ist eine andere Baustelle. Sie sind ja nun nicht gerade die Stärksten und Herrschenden. Sie alleine zu lassen wäre nicht besonders klug. Mir scheint, es erweist sich gerade das Gegenteil.
      „Ich ließ mich von meinem guten Motiv hinreißen und weckte Hoffnungen, lockte unabsichtlich Menschen in eine Falle, aus der ich ihnen nicht heraushelfen kann.“ ?

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      • danke für deinen Kommentar. Ja, der letzte Satz weckt zwiespältige Gefühle. Ich denke jetzt vor allem an all die vielen Menschen, die seit dem vergangenen Jahr hier in Griechenland oder in anderen Balkanstaaten gestrandet sind und eigentlich aufgebrochen waren, um in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. Erst hörten sie: Germania sei aufnahmebereit, sammelten ihre letzte Habe, setzten sich der gefährlichen Überfahrt über das Meer aus – und sitzen nun schon seit vielen Monaten in schlechten Zelten, in überfüllten Lagern, auf den Inseln oder an den Grenzen zu tausenden herum und suchen nach Auswegen. Ich kann ihnen nicht heraushelfen, ich kann ihnen nichts sagen, gar nichts tun, und ich fürchte, nicht mal Frau Merkel kann das, da ihre Politik auf schärfsten Widerspruch in Teilen der deutschen Bevölkerung gestoßen ist. Die Briten haben sich sogar deshalb aus der EU verabschiedet. Wir leben nun mal in Demokratien, wo auch die Menschen Gewicht haben, die gegen die Aufnahme von Flüchtlingen oder auch aus anderen Gründen Asyl Suchenden Sturm laufen,

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        • Danke für die eingehende Rückmeldung. Im alten Drama von den Schutzsuchenden oder Schutzflehenden des Aischlyos gewähren die Insulaner von Argos nach Volksbeschluss das Asyl für die Geflüchteten. In der heutigen Situation wünschte ich, dass die Europäische Union, Länder, Regierungen und Bürgerschaften ein Einsehen fänden in die Not der Geflohenen und solidarische Hilfe bereiten. Auf den Inseln und dem Festland in Griechenland ist dies derzeit schwierig und teilweise katastrophal.
          Das Brexit-Referendum in Großbritannien hatte nicht allein dieses Thema, es hatte auch vielerlei andere Gründe. Die gegenwärtigen politischen Konflikte gilt es, nicht auf dem Rücken von Flüchtlingen, sondern allgemein gesellschaftlich zu lösen. Dafür engagiere ich mich.

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          • ich sehe da gar keinen Widerspruch zu meiner Auffassung. Die Situation der Flüchtlinge ist ein Skandal, auch ich wünschte, dass sich die EU für die Menschen in Not öffnet, und es ist vollkommen richtig, sich da zu engagieren, keine Frage. Mich problematisieren nicht die Helfer, sondern die Kurzsichtigkeit und die Widersprüche in der Asylpolitik besonders der deutschen Regierung, die eine Einladung ausgesprochen hat, die dann nicht eingelöst, sondern an andere EU-Staaten weitergereicht wurde, die nicht willens oder fähig waren, eine größere Menge von Flüchtlingen aufzunehmen, zumal die ganze Politik nicht mit ihnen abgesprochen worden war. Die Bewohner der griechischen Ägäis-Inseln haben schon seit Jahren sehr viel Flüchtlingshilfe geleistet – denn Flüchtlinge kamen ja nicht erst seit seit dem vergangenen Jahr, sie haben sich nie beschwert, aber plötzlich wurden sie überflutet und mit dem Problem allein gelassen. Auch die griechischen Behörden haben keinen Flüchtling zurückgewiesen. Aber dann waren die Grenzen zum Balkan plötzlich zu, weil Deutschland Stop gesagt hat. So gab es einen Rückstau – in Kroatien, Serbien, Griechenland – Mazedonien, Ungarn und Österreich machten zu -, der sich noch immer nicht aufgelöst hat.
            Die Geschichte von Argos – übrigens ist Argos eine Stadt auf der Peloponnes, also keine Insel – hatte noch ein Nachspiel: Den 40 Frauen, die aus Ägypten kommend Asyl gesucht hatten, folgten 40 Männer, Die musste man dann auch reinlassen. Die Frauen wurden mit den Männern zwangsvermählt, Alle, bis auf eine, brachten ihre Ehemänner in der Hochzeitsnacht um. Von der einen stammt dann das Geschlecht der Danaer ab, wie Homer die Griechen nannte, die später nach Troja segelten und die Stadt in Schutt und Asche legten, die Bevölkerung abschlachteten und den Rest versklavten. Liebe Grüße! Gerda

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            • Liebe Gerda, wiederum danke für die eingehende Antwort.
              Ich spendiere eine Flasche Retsina, Maphrodavne oder Ouzo beziehungsweise wahlweise eine Kanne griechischen Bergtee für einen dokumentierten Beleg, die Bundesregierung oder die Kanzlerin habe die Flüchtlinge nach Deutschland eingeladen. Mir ist eine solche Einladung bisher nicht bekannt.
              Die Flüchtlinge kamen, weil ihnen das Leben in ihren verschiedenen Herkunftsländern und Krisenregionen völlig unerträglich geworden war und sie sich erhofften, in Europa ein besseres Dasein zu finden, gemäß der Klugheit in den „Bremer Stadtmusikanten“: „etwas Besseres als den Tod findest du überall“.
              Nach den Bildern der Ertrunkenen im Mittelmeer, den Geschlagenen an den Grenzstationen auf dem Balkan und in Ungarn, den Erstickten in Schlepper-Lastwagen auf der Autobahn sowie dem unabgestimmten Transport der ungarischen Regierung von Flüchtlingen an die österreichische Grenze, hatten die österreichische und die deutsche Regierung in diesem Notfall erlaubt, die Grenzen vorübergehend zu öffnen. Was eine Alternative hierzu gewesen wäre, möchte ich mir nicht vorstellen wollen. Eine „alternative“ Politkerin hatte den Gebrauch von Schusswaffen gegen Flüchtlinge angeregt. Weder die offizielle noch diese vermeintlich „alternative“ Politk vermag ich als eine Einladung zu erkennen.
              Griechenland, Ungarn, viele Balkanländer wurden allein gelassen – ebenso wie Jordanien, Libanon und andere Länder, die noch viel mehr Flüchtlinge beherbergen. Die Menschen, die hierher gekommen sind, sollten wir nicht alleine lassen, und in meinem Umkreis engagiere ich mich dafür, sie zu begleiten. Ja, vieles ist schwer, einiges tragisch, doch so manches lässt sich bewerkstelligen.
              Über die unmittelbare menschliche Zuwendung und Unterstützung hinaus bleiben die Aufgaben der zivilen Konfliktlösung in den Krisenregionen sowie faire nationale, europäische und weltgesellschaftliche Lebensverhältnisse.
              Nachdenkliche Grüße
              Bernd

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              • Danke herzlich für deinen eingehenden Kommentar, der mir zeigt, dass du bestens informiert bist. Auch ich war glücklich darüber, dass Deutschland sich einmal menschlich und nicht bürokratisch zeigte, als die Menschen an den Grenzen festsaßen.
                Früher war der Hauptübergang über den Evros, das war auch gefährlich, es gab Minen, manchmal war der Fluss reißend, aber es war weniger gefährlich als das Meer. Dann wurde ein Grenzzaun gebaut, es kamen auch europäische Grenzer, und so verlagerte sich der Fluchtweg aufs Meer. Wegen der Schließung der Balkanroute ist es nun vor allem wieder das Mittelmeer, von Libyen nach Italien. Der verrückte Deal mit der Türkei dürfte weniger wichtig sein, denn Griechenland hat sowieso noch kaum jemanden zurückgeschickt und wird es wohl auch nicht tun.
                In Griechenland kommen nun nicht mehr viele an, weil es nicht weitergeht, aber es gibt zig-tausende, die hier seit vielen Monaten hängengeblieben sind. Eine Zukunft sehen sie hier nicht. Ihr Leben ist ein schlechtes Provisorium. Sie wollen nach Deutschland, nach Belgien, nach Schweden. Sie wollen angemessene Arbeit, für ihre Kinder möchten sie eine gute Schule, Studium… Sie möchten keine Hilfsbedürftigen mehr sein, sondern ihr Leben neu einrichten. Das können sie hier nicht, oder jedenfalls nur in Ausnahmefällen gelingt es.

                Ob das Verhalten der Bundeskanzlerin als Einladung verstanden wurde – wer will das objektiv beurteilen? Ich hatte den Eindruck, viele hatten den Eindruck. Ohnedies besteht im Ausland ein positives Bild über die Möglichkeiten, die Deutschland bietet. Deutschland wird gesehen als ein Land, in dem Menschen unabhängig von Hautfarbe und Herkunftsland prosperieren können, ein liberales Land, ein Wirtschaftswunderland, ein Land mit einem soliden Schulsystem, mit Integrationshilfen etc. Es gibt schon Landsleute dort, Verwandte, Freunde, an die man sich halten kann …. .
                All das bedeutet freilich nicht, dass nicht jeder, so gut er kann, helfen sollte, um den hier Gestrandeten den Aufenthalt zu erleichtern. Momentan sind schon tausende in besetzten Häusern untergekommen, und viele Kinder werden nun auch beschult, lernen Griechisch. Aber das Elend ist doch immer noch sehr groß.

                Übrigens waren viele Insel-Griechen während des II. Weltkriegs nach Syrien geflohen, kamen nach Kriegsende dann wieder her. Möge der Frieden in Syrien halten, mögen die Hilfsorgansiationen dorthin Mittel zur Grundversorgung und zum Wiederaufbau schicken! Dann können die Menschen, die das möchten, zurückkehren in ihre Heimat.
                Liebe Grüße! Gerda

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              • Hallo Gerda,
                diese Erläuterung klingt etwas anders, als der Kommentar, auf den ich ursprünglich eingegangen war – danke also für das nähere Betrachten.
                Wohl wurden damals Mitteilungen des Bundesamtes für Migration und Integration oder auch Fotos der Kanzlerin mit Angekommenen als Einladung verstanden, doch sie waren es nicht. Kurze Zeit später wurden Diplomaten und amtliche Videos in die Herkunftsländer geschickt, um diesen Eindruck gerade zu rücken. Die Bundesrepublik ist kein Schlaraffenland, schon gar nicht fern der eigenen Heimat, Familie und Sprache sowie einem prekären Status mit unsicherer Bleibeperspektive – übrigens ein Begriff ohne gesetzliche Bestimmung.
                Die geschilderte Solidarität für die „Gestrandeten“ in Griechenland finde ich beeindruckend. Die Blogs von HelferInnen auf Lesbos u. a. sprechen Bände. Gerade kam ein Spendenaufruf für die Frierenden in den Camps. Alle guten Wünsche für die Betroffenen und ihre UnterstützerInnen.
                Mein Ansinnen im Kommentar zu Ullis Beitrag über Klugheit und Deine Antwort war: mir scheint es klüger, den Geflüchteten beizustehen als sie alleine zu lassen. Meine Erfahrung, Hoffnung und These: zusammen lernen.
                Schöne Grüße, Bernd

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  4. Wahres Klug sein, die Königin der Tugenden, oh ja, volle Zustimmung. liebe Ulli.
    Vorausschauend und weise handeln, welch wundervolle Worte und wer so sein kann, braucht wahrhaftig nicht schlau zu sein, er setzt dagegen sein Kluges ein, das die Schläue bei weitem übertrumpft.

    Die Klugheit des Herzens zu besitzen ist das höchste Gut, das uns Menschen zur Verfügung steht.
    Wie schrieb Gerda in einem Kommi bei mir :
    *Ein steter Forscher ist der Mensch, ja. Das ist sein Ruhm, das ist sein Unglück, wenn sich dies Forschen nicht mit einem starken liebenden Herzen verbindet. *
    Es wäre einer, der die Klugheit des Herzens besitzt; dann liebt er auch und forscht behutsam, vorausschauend und mit großer Vorsicht und nicht auf Teufel komm raus auf seinen Vorteil bedacht…

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  5. Danke schön für die Betrachtungen und Diskussionen zum P der prudentia beziehungsweise phronesis. Beim Aristoteles ist es ein bissel anders als beim Platon, doch scheinen mir beide auf ihre Weise weise und klug.
    Der Stich von Jost Amman lässt mich fragen, sie blickt zur Schlange und nicht in den Spiegel in der anderen Hand. Über dem Portal des Historischen Rathauses in Nürnberg haben wir eine Skulptur der Prudentia mit Spiegel in der Hand – und sie schaut in die Luft, ins Offene.

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    • Guten Morgen Arnold, schön, dass du den Artikel entdeckt hast! Ja, man kann nun spekulieren was es mit dem Spiegel und dem Blick der Prudentia zur Schlange oder in den offenen Himmel auf sich hat- eine Möglichkeit nannte ich im Text, die andere wäre, dass sie von Eitelkeit und Narzissmus absieht und sich lieber dem zuwendet, was für sie relevant ist.
      herzliche Grüsse
      Ulli

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      • Hallo Ulli, der Blick in den Spiegel kann eitel oder narzistisch sein, er mag wiederum dem Erkennen dienen, des Selbst oder des Anderen, so wie die paradiesische Geschichte die Schlange und die Menschen auch in das Erkennen verwickelt hatte. Im 1. Korintherbrief 13, Satz 12 über die Liebe als höchste Geistesgabe schreibt Paulus:
        „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“
        Das Speculum, der Spiegel wurde in der Geistesgeschichte zur Spekulation im theologischen und philosophischen Sinne, wessen sich die Börsen-Spekulanten und Nachrichten-Händler beim SPIEGEL heutzutage nicht immer zureichend bewusst sind. Ob es die Gehirnforscher mit den Spiegel-Neuronen erklären können?
        Schöne Grüße
        Bernd

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        • Guten Abend Bernd, ich kaue schon seit ein paar Tagen an dem Spiegel herum, nicht an dem Blick in den Spiegel am Morgen oder zwischendurch, sondern an der Behauptung, dass uns die Welt Spiegel sei. Eine der Fragen dahinter ist die, dass wenn es so ist, dass ich dann auch der Welt ein Spiegel wäre und hier hebt sich wiederum (in meiner Betrachtung) eine Menge auf oder stellt es ganz in Frage. Wie geschrieben, ich kaue noch daran herum.
          Ein kluger Hinweis von dir mit den Spiegel-Neuronen, das muss ich erst noch tiefer erforschen, bevor ich dazu etwas sagen kann.
          Danke dir für den erneuten Input
          herzliche Abendgrüsse
          Ulli

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            • Dass du dich von meinem, von mir eingeladen fühlst ist ein grosses Kompliment für mich. Ich danke dir! Und weisst du was, ich mag es, wenn du „schöne Grüße“ schreibst- das ist so aus der Mode gekommen, das übernehme ich gerne.
              Also, Bernd, es machen sich nun schöne Grüße auf den Weg zu dir von mir
              Ulli

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