Schnibbeln und zusammenfügen

Rückblick 05 2018

Dies ist mein letzter Rückblick für dieses Jahr, auch wenn es durchaus noch mehr Themen gab, die aber aus meiner Sicht entweder nicht ergiebig sind, oder ihr Ergebnis erzählt mir, dass ich noch weiter an ihnen arbeiten darf und sollte.

Hier geht es also um meine „Schnibbelbilder“. Dafür habe ich Bilder oder Fotografien zerschnitten, per Hand oder am PC, und diese Schnipsel dann zu neuen Bildern gelegt, nach einer Inspiration von Gerda Kazakou. Auch während meines Besuchs bei Gerda habe ich Bilder gelegt, eins davon zeige ich euch hier.

Jürgen Küster, Susanne Haun und ich hatten Gerda Schnipsel zugeschickt. Für das Bild (s.u.) „griechische Begegnung“ verwendete ich Schnipsel von Jürgen, der Hintergrund ist eine Athener Mauer, die ich auf einem meiner Rundgänge mit Gerda fotografierte. Weitere Schnipselbilder, die in Griechenland enstanden sind, zeigte ich bei meinem Rückblick „Ein Schiff wird kommen“.

Ich staune selbst, dass so vieles von dem, was ich hier in den letzten Tagen gezeigt und zusammengeführt habe, mit meinem Besuch bei Gerda (und ihrem bei mir) und Griechenland selbst zusammenhängt. Es war meine einzige weitere Reise in diesem Jahr, vielleicht deswegen. Für meine Verhältnisse war ich in diesem Jahr sehr wenig unterwegs, mal schauen wie es 2019 wird, ein bisschen mehr wäre schön!

Bildergeschichte

-1-

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Eine PC-Collage von einer Zeichnung und diversen Fotografien,

dies ist ein gif, eventuell musst du es anklicken, damit es läuft

Ein Einzelbild von selbiger Collage mit Kormoran

Ein König kommt – zwei Varianten

 

Vogelreise

griechische Begegnung

Bildergeschichte

-2-

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Weitergehen

-1-

-2-

 

Herbstimpression

-1-

Herbstimpression

-2-

ENDE



alle Bilder © Ulli Gau

Advertisements

Und es ward Licht

Rückblick 04 – Licht 2018

 

Oktober/November

-1-

Sonnenblumen und Vase

-2-

September

Juli

-1-

-2-

Weil es finster war auf der gestaltlosen Tiefe, darum muß das Licht die Gestalt schaffen. Wie die gestaltlose Nacht durch das Licht des Morgens zur Gestalt wird, wie das Licht die Gestalt enthüllt und schafft, so mußte jenes Urlicht das Chaos ordnen, die Gestalt enthüllen und schaffen … Das Licht erweckt die Finsternis zum eigenen Sein … Ohne das Licht wären wir nicht – denn ohne das Licht gibt es kein Gegenüber, weil es keine Gestalt gibt …

Ausschnitte aus einem Text von Dietrich Bonhoeffer

mehr zu Dietrich Bonhoeffer hier → https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_Bonhoeffer



Ich wünsche euch eine lichtvolle 4. Adventwoche – am Freitag ist Wintersonnenwende, ein Grund zur Freude!

 

Sonntagsbild 52 2018

Durchlässig – permeable 009

oder – or

Form im Formlosen – form in informality

draufklick = großes Bild – please click to enlarge

Am Ende des Jahres, wenn sich der Rückblick einstellt, lasse ich die Erinnerung an den vergehenden Jahreszyklus noch einmal aufsteigen und dann gehen. Ich mache mich durchlässig und übergebe die Formen dem Formlosen, wo es sich nach einer Atempause wieder zu etwas Neuem formt.

Auch das nächste und damit vorletzte Sonntagsbild für 2018 wird die Durchlässigkeit zum Thema haben.

Mein Rückblick 03 2018 mit dem Thema „Durchlässigkeit“ füge ich hier ein.

Die Galerie öffnet sich, die Bilder werden groß, wenn du sie anklickst

Gutes und Schönes wünsche ich euch heute.



alle Bilder © Ulli Gau

Markt und Straßen stehn verlassen

Rückblick 02 2018 – verlassene Orte – alles hat seine Zeit

Wie schon bei meinem ersten Rückblick zeige ich meine Favoriten dieses Themas. An die meisten Bilder werdet ihr euch erinnern, drei habe ich bislang noch nicht gezeigt, drei sind neu.

Ich zeige Paare und Einzelbilder. Wie immer werden die Bilder groß, die Galerien öffnen sich, wenn du ein Bild anklickst.

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,

Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,

Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus in’s freie Feld,

 

Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schneees Einsamkeit

Steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff


 

 

 

SCHNITT



An dieser Stelle sollte der Beitrag „eigentlich“ enden, wäre da nicht ein Film bei mir angekommen >Over your cities grass will grow<. Ein Film über die Arbeit von Anselm Kiefer auf einem Gelände in Südfrankreich, einer ehemaligen Seidenfabrik in Barjac. „Ein Künstleratelier auf dem 350.000 m² großen Industriegelände einer ehemaligen Seidenfabrik in Südfrankreich, ‚La Ribaute‘ genannt, das zu einem einzigen gigantischen Kunstwerk mutierte.“

Um dieses gigantische Kunstwerk, sein Entstehen und seine Wirkung dreht sich dieser dokumentarische Film. Obwohl ich Herrn Kiefers Werke schon länger verfolge und auch schon einiges über den Ort wusste, wusste ich nichts von seiner Ruinenstadt. Als diese Thema wurde, saß ich wie die Schlange vor dem Kaninchen vor seinem Werk. Das sind doch „Verlassene Orte“!

© Anselm Kiefer – aus dem Film >Over your cities gras will grow<

Es gäbe jetzt viel zu diesem Film und dem Werk von Anselm Kiefer zu schreiben, das aber behalte ich mir für später vor. Zeigen möchte ich euch zwei neue Bilder von mir.

Hommage an Anselm Kiefer und sein Werk

Over your cities gras will grow – Über eure Städte wird Gras wachsen

-1-

-2-


ENDE


 

Ein Schiff wird kommen

Rückblick 01 2018 – Boote und Schiffe

An diesem Projekt haben sich zahlreiche Blogerinnen und Bloger beteiligt, wofür ich immer noch dankbar bin und so das Ganze herrlich bunt und vielfältig wurde, ganz so wie ich es mag.

Für die neuen Leserinnen und Leser: wenn du diesem Link folgst → https://cafeweltenall.wordpress.com/2018/04/30/boote-und-schiffe-ende/, kommst du zum Finale am 30.04.2018, hier zeigte ich eine Diashow der diversen Beiträge und vervollständigte die „Die freie Enzyklopädie der Schiffsbezeichnungen“ – das Projekt begann am 26.03.2018 → https://cafeweltenall.wordpress.com/2018/03/26/boote-und-schiffe-01/

Heute zeige ich meine persönlichen Lieblingsschiffsbilder, die ich in diesem Jahr gestaltet, bzw. fotografiert habe und starte mit zwei neuen Fotomontagen.

Federboot

-1-

draufklick = große Bilder – please click to enlarge

Federboot

-2-

Meine persönlichen Lieblingsboote und -schiffe 2018

Fotomontagen

 

Gerda Kazakous und meine Fotos als Duos

Die Aufnahmen machten wir im Hafen von Kalamata

 

Diese beiden Bilder dürfen in diesem Reigen nicht fehlen, eine Zusammenarbeit von Gerda und mir, als sie mich spontan für einige wenige Tage besuchte

Seit dem Frühjahr sind zwei neue Schiffe bei mir eingezogen und gerade eben habe ich ein Foto von Dora Maar aufgeschlagen, auf dem ein Segelschiff im Mittelpunkt ist.

Von links nach rechts: Das Gartenschiff, das zum Überwintern in den sicheren Hafen eingefahren ist, die Fotografie von Dora Maar (mit Schneehuhn) und das Borkenschiffchen mit Gingkoblattsegel, das ich mit Enkelsohn und Enkeltochter „gebaut“ habe.

Erinnerst du dich noch an das Lied „Ein Schiff wird kommen“ von Nana Mouskouri gesungen? Mit diesem Lied bin ich groß geworden. Ich mochte es als Mädchen sehr und habe es immer lauthals mitgesungen.

Wer mehr über den Hintergund dieses Liedes erfahren möchte, kann dies hier nachlesen → https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Schiff_wird_kommen. Hier der Text:

Ein Schiff wird kommen

Ich bin ein Mädchen von Pyräus
Und liebe den Hafen, die Schiffe und das Meer
Ich lieb das Lachen der Matrosen
Und Küsse, die schmecken nach See, nach Salz und Teer

Ein Schiff wird kommen
Und das bringt mir den einen
Den ich so lieb wie keinen
Und der mich glücklich macht

Ein Schiff wird kommen
Und meinen Traum erfüllen
Und meine Sehnsucht stillen
Die Sehnsucht mancher Nacht

Mich lockt der Zauber von Pyräus
Drum stehe ich Abend für Abend hier am Kai
Und warte auf dir fremden Schiffe
Aus Hongkong, aus Java, aus Chile und Shanghai

Ein Schiff wird kommen
Und das bringt mir den einen
Den ich so lieb wie keinen
Und der mich glücklich macht
Ein Schiff wird kommen
Und meinen Traum erfüllen
Und meine Sehnsucht stillen
Die Sehnsucht mancher Nacht.

Ich bin ein Mädchen von Pyräus
Und wenn eines Tages mein Herz ich mal verlier
Dann muss es einer sein vom Hafen
Nur so einen Burschen wünsch ich für’s Leben mir

Und später stehen meine Kinder
Dann Abend für Abend genau wie ich am Kai
Und warten auf die fremden Schiffe
Aus Hongkong, aus Java, aus Chile und Shanghai

Ein Schiff wird kommen
Und das bringt mir den einen
Den ich so lieb wie keinen
Und der mich glücklich macht
Ein Schiff wird kommen
Und meinen Traum erfüllen
Und meine Sehnsucht stillen
Die Sehnsucht mancher Nacht.

Songwriter: Manos Hadjidakis / Joe Burgner / Fini Busch
Songtext von Ein Schiff wird kommen © Universal Music Publishing Group

Als Kind, ich bin katholisch erzogen worden, liebte ich auch dieses Lied:
Es kommt ein Schiff geladen

1. Es kommt ein Schiff, geladen
bis an sein‘ höchsten Bord,
trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
des Vaters ewigs Wort.

2. Das Schiff geht still im Triebe,
es trägt ein teure Last;
das Segel ist die Liebe,
der Heilig Geist der Mast.

3. Der Anker haft‘ auf Erden,
da ist das Schiff am Land.
Das Wort will Fleisch uns werden,
der Sohn ist uns gesandt.

Als ich den Liedtext vorhin noch einmal gelesen habe gefielen mit wieder diese drei Zeilen:

… das Segel ist die Liebe,
der Heilig Geist der Mast.

Das Wort will uns Fleisch werden …

Bilder und Ziele mit denen ich mich identifizieren kann, auch wenn ich der katholischen Kirche schon vor Jahrzehnten den Rücken zugekehrt habe. Welch grandiose Vorstellung: wenn ich ein Schiff wäre, dass mein Segel die Liebe wäre und mein Mast der Heilige = der weise Geist und die Worte sich mit Erfahrungen gefüllt hätten, die zu einer Haltung führen.

Zum Lied fand ich u.a. auf der Seite des Deutschland Funks :

„Es kommt ein Schiff geladen“ ist ein uraltes Advents- und Weihnachtslied. Der Dichter Daniel Sudermann hat dieses alte Lied vor 400 Jahren wieder entdeckt. Er lässt die Geschichte des Liedes, seine Entstehung und Bedeutung lebendig werden und bringt die alten Worte und die alte Melodie neu zum Klingen.

Wer mehr wissen will, kann dem obigen Link folgen.



Ich wünsche euch eine sturmlose Fahrt durch die letzten Wochen von 2018.

Es gibt noch Post- und Briefkarten

Zum verschenken und verschicken

Heute zeige ich euch noch einmal die Post- und Briefkarten, die ich in diesem Jahr gemacht habe, vielleicht gibt es ja noch Bedarf? Ich würde mich freuen.

Wie schon im letzten Jahr, habe ich auch in diesem Postkarten gemacht. Klappkarten in Din A6- und Briefkarten in Din A5-Format, beide eignen sich auch für Bilderrahmen. Hier präsentiere ich sie ohne Passpartout, da sich gezeigt hat, dass sie stark an Qualität verlieren, wenn ich sie alle noch einmal abfotografiere, sodass ich mich entschieden habe euch nur die Fotos zu zeigen. Diese werden von mir auf weiße, hellgraue oder auf chamois farbene Pappen geklebt. Die Fotos selbst sind teilweise auf seidenmattem Fotopapier entwickelt, teilweise glänzend.

Im letzten Jahr habe ich die Karten mit ihrem Hintergrund gezeigt, auch von diesen Karten sind noch einige wenige vorhanden  → https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/12/04/die-anderen-weihnachtskarten-und-neue-postkarten/

Bei Interesse schreibe mir gerne an untenstehende Mailadresse – danke.

Die Preise:

Fotografien Din A6 – 2,50 €/Stück

Kunst in Postkartenformat Din A6 – 5,00 €/Stck.

Kunst in Briefkartenformat Din A5 – 8,50 €/Stück

plus Porto, inclusive je einem Briefumschlag. Bei Abnahme von 10 Postkarten gewähre ich gerne 10% Rabatt. Bitte vergesst nicht mir eure Postadresse zu senden. DANKE.

Ein paar Karten sind mittlerweile ausverkauft, diese habe ich aus der Galerie entfernt, dafür habe ich ein neues Motiv hinzugefügt.

Herzlichen Dank, auch an dieser Stelle, an die Käufer und Käuferinnen!!!

Die Bestellnummern stehen unter den Bildern.

Fotografien Din A6

Die Galerien öffen sich, die Bilder werden groß, wenn du ein Bild anklickst

Kunst in Postkartenformat Din A6

Kunst in Briefkartenformat Din A5

  Kunst in Briefkartenformat Din A5

aus meinem Fundus vom letzten Jahr



Möglich ist auch die Bestellung von größeren Formaten. Meine Bilder sind pro Motiv auf zwanzig Abzüge limitiert, das Format spielt dabei keine Rolle.

Das copyright erscheint nur hier im Blog auf den Bildern, nicht auf den Postkarten.

Das Bild mit dem Schiffchen auf dem Kaffeelöffel ist eine Gemeinschaftsproduktion von Gerda Kazakou und mir.



Meine Mailadresse: ulli.gau ad web.de

Sonntagsbild 50 2018

Orte 004

-1-

draufklick = große Bilder – please click to enlarge

-2-

Orte also – Wohnorte, Ortschaften, Aborte, Handelsorte und Orte der Handlung. Ortung, sich verorten, Begegnungsorte, ein geweihter Ort, auch ein gesegneter und nicht zu vergessen ein entweihter Ort. Orte, die vorüber ziehen, andere, die festhalten, laute und leise Orte, Heimatorte, versunkene Orte, wachsende Orte und verlassene Orte. Standorte und Sitzorte, hässliche und schöne Orte, Traumorte mit und ohne Ortskern – und eine Straßenbahn, die von einem Ort zum anderen fährt. Kurbeln, bimmeln, gleiten, manchmal auch ein Ruckeln.



Stell es dir doch einfach mal vor … ja, genau, das könnte sehr witzig werden.



Apropos Straßenbahn, wer mag, kann hier einen Text aus dem Jahr 2013 von mir dazu lesen, er beginnt mit der Nomadin, einem Blick durch Facettenaugen und dann kommt sie gefahren: https://cafeweltenall.wordpress.com/2014/08/23/blaue-stunde-13-die-nomadin-in-der-strassenbahn/

Einen fröhlichen Sonntag wünsche ich euch.

Klangwald

Die Fotomontage (Zeichnung und fotografischer Hintergrund) entstand beim Hören von dem ersten Konzertmitschnitt – John Lurie and The Lounge Lizards/Jazz Jamboree, das ich im letzten Beitrag vorstellte. Ich mag Klangwälder und Klangteppiche und Klangwelten.

Am Sonntag stellte Random Ramdomson seinen 28. Beitrag zur Wassermusik ein. Den „Cantus Arcticus, OP 61 von Einojuhani Rautavaara, so wurde aus dem obigen Bild: „Klangwelt“, das Bild

Nordlied

Den Cantus Arcticus habe ich nun schon einige Male gehört und wer noch nicht, der, dem kann ich ihn nur wärmstens ans Herz legen, bitte obigem Link folgen.

Ich dachte später wieder einmal an die LP -Conference of the birds- aus den 1970er Jahren, Dave Holland Quartett, bei dem auch die vier Winde nicht fehlen …

Ich wünsche euch eine schöne Woche.

Der blaue Weg zum Dritten

Nach einer Inspiration von Kenneth White – Der blaue Weg – Eine Reise

 

Eine Freundin hat eine Ausstellung in Basel. Sehen, lesen, wirken lassen, wir sprechen miteinander, ich verstehe – ich erfahre mehr über sie, über ihren Hintergrund.

Reduktion. Wesentliches. Wesenheiten. Eigenheiten. Ich muss nicht alles vom anderen mögen. Auch nicht verstehen. Die Freundin und ich verstehen uns, wir mögen uns. Blicke schaufeln sich frei.

Weite oder das Haus gegenüber? Meer oder Wüste? Blau oder rot? Sandwich oder Döner? Ein Spiel. Keine Bedeutung. Oder doch? Cola oder Tee? Blume oder Baum? Fisch oder Fledermaus?

Es wanderte Einer in Tibet. Berg und Tal. Er führte ein Pony. Man hieß ihn Willkommen. Man fürchtete seinen ehrlichen Blick.

Blaue Wege, weite Wege, Schlangenwege, Wege. Reise mit und ohne Vehikel. Eine Reise, Wege von rot über blau zu weiß zu goldgelb.

Die Orte der Freundinnen und Freunde zerstreuen sich über Länder und Kontinente. Sie und ich sind Wandernde, sind Reisende, sind die Nomaden der Jetztzeit. Wir pflegen unseren Stamm. Wir heißen uns Willkommen. Jetzt habe ich eine Besuchs-Adresse in Basel und eine in London.

Novemberschreiben – kein Plot – keine Protagonist*innen – keine Prosa, das was ist. Eine Novemberreise ohne Zug, Rad, Flieger, Auto. Fußwege. Seelenwege. Die acht Himmelsrichtungen, die in mir und dem was ist. Nach dieser langen Südwestzeit zieht es mich nach Nordost*.

Noch streunt die Bärin, noch frisst sie für den Winterspeck, sie frisst für zwei, für drei, für später, wenn sie ihre Babies säugen wird.

Die kleine blaue Frau, der blaue Weg und blaue Brüste (bei Kenneth White). Blaue Brüste sind poetisch. Blaue Blumen und Anna Blume erscheinen im Erinnerungsraum.

Nordost also. Kalte Winde, klare Sicht. Klirrkälte im Schatten, Mütze, Mantel, Schal. Im Nordosten sind die Erze, die kostbaren Felle, die reichen Fischbestände – einst waren sie dort, jetzt ist alles anders. Kiruna – die leereste Stadt durch die ich je gegangen bin. Hundert Jahre und ein bisschen mehr Kiruna, eine Kirche, klar – die heiligen Trommeln wurden zerstört. Den Rest besorgen das Erz, der Zucker, das Bier und die Okkupierer.

Nordost, unberührter Schnee – Raum – Stille – Singschwäne, so schön. Hast du schon einmal Auerhahnlosung betrachtet? Wie heruntergefallene Weidenkätzchen, die langen.

Unversehrtes Land – wo soll ich das noch finden? Wir können Gärten gestalten, halbformale Gärten. Raum für`s Kriechen und Flattern, für`s Summen und Tirilieren. Hannah Höch überlebte einsam und unbehelligt am Rand von Berlin den zweiten Weltkrieg mit und durch ihren Garten, mit und durch ihre Bilder. Das ist Schweigen, nicht Stille. Stille ist Nordost – ist Schnee, Eis und ein Polarlicht.

Ich kenne keine unversehrten Menschen. Furcht wird geschürt. Hass gesät. Warum nicht lieber Vertrauen schenken?

Das Bild des Ichs streitet sich, reibt sich, nicht das Selbst. Haarfeine Linien, haarfeine Grenzen, haarfeine Netze, als Mädchen lernte ich mit Haaren stopfen. Ja wirklich! Wegen dem Tanzkleid aus feinstem Garn und dem eventuellem Riss darin. Nonnenphantasien. Jahrhunderte haben versehrt. Lecke deine Wunden heil.

Vom tiefsten Westen in den Norden wandert die Bärin. Bald hat sie ihre Winterhöhle erreicht. Sie wird schlafen, sie bereitet sich vor, sie wird im Schoß der Erde gebären. Gehalten – geborgen – heiliges Leben. Nordostwinde wehen wieder über das Land.

Gut sein – zur Welt, zu sich. Gut sein – mit der Welt, mit sich – trotz allem.



* Norden ist nicht nur einfach Norden, er ist auch Norden und Nordschild, so, wie der Osten auch der Osten ist und Ostschild.