Sonntagsbild #46

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Leider ruht das Projekt von Mützenfalterin der „Tausend Mutterbilder“

Als ich gerade durch mein Archiv stöberte, fand ich diese Fotomontage wieder, die ich für dieses Projekt gemacht habe, sodass ich mich entschieden habe es nun hier als Sonntagsbild einzustellen, ein anderes werde ich euch am kommenden Sonntag zeigen.  Bewusst habe ich keinen Titel gewählt und möchte gerade eben auch nicht mehr dazu schreiben, aber ich bin sehr gespannt auf eure Assoziationen vom Bild zum Thema.

Ansonsten wünsche ich euch, wie jeden Sonntag, einen gemütlichen und entspannten Tag.

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Wir wollten alles

Wir wollten alles und wir wollten es ganz. Und wir hatten keine Ahnung, was alles und ganz wirklich bedeutete. Aber wir wussten genau, was wir nicht mehr wollten und was niemals mehr passieren durfte. Und wurden unbequem.

Mit unseren Fragen rüttelten wir an eingerosteten Falltüren. Unsere Statements sorgten für katholische Moralpredigten oder protestantische, je nachdem. Wir verdrehten hinter ihren Rücken die Augen, zuckten mit den Achseln. Die Hölle war eigens für solche wie uns gebaut. Sagten sie. Aber sie wussten nicht, wie nah wir dem Himmel schon waren! Glaubten wir.

Es hatte Vorreiter gegeben. Wir konnten uns orientieren, konnten aufblicken, wenigstens das. Wir schauten auf die in den neunzehnhundertvierziger Jahren Geborenen. Auf die, die in eine Welt der Zerstörung und Bombenhagel, in eine Welt von Hass und Holocaust hineingeboren worden waren. Sie wurden die Generation achtundsechzig und wir waren nicht weit weg von ihnen. Wir, die Generation Siebziger.

Sie waren die Ersten, die das festgestampfte Gefüge von Sonntagsbraten-Kirchgang-Kuchenkaffeeklatsch aufbrachen und aus den viel zu engen Kleidern schlüpften. Ihre Fragen stießen erste Risse in die Betonwände der Elternköpfe. Sie waren die Ersten, die laut gegen das Schweigen der Alten wurden.
Uns fuhren sie voraus, ebneten den Weg, Fahrrinnen entstanden. Wo sie noch nicht hingekommen waren, entdeckten Nachfolgende neues Land.

Jede Generation muss für sich fragen. Ob neu oder nicht. Auch wir hatten gehungert, wenn auch nicht nach Brot. Auch wir waren umgeben von der Schwere in den Wohnzimmern mit den Gummibäumen und den ordentlich gemangelten Tischtüchern für die Kleckereien der sonntäglichen Bratensoße. Die Lügen hockten in den Ritzen und unter den Teppichen.

Wenn ich als Kleine zu den Großen aufschaute, erschien es mir als wäre Leben etwas Lästiges, Schweres, Unerreichbares. Ich sah sie schwer atmend ihre Lasten auf den vor Demut und Kummer gebuckelten Rücken tragen. Ich spürte es. Ich roch es. Ich schmeckte es: da war doch etwas schief gelaufen! Älter geworden wusste ich es. Ja, es war etwas schief gelaufen! Dieses Monster Zweiter Weltkrieg, die Hitlerjahre, der Holocaust hatte die ganze Welt erschüttert und verändert. Traumatisierte Väter und Mütter rannten auch noch in den neunzehnhundertsechzigerundsiebziger Jahren als gäbe etwas zu verlieren! Und wir, ihre Kinder, hatten dieses Rennen mit der Muttermilch aufgesogen.

Viel mehr noch hatten wir aufgesogen. Im Leben will alles ans Licht. Früher und später, nach und nach.



Diesen Text habe ich vor ein paar Wochen wiedergefunden, es ist ein Ausschnitt aus einer Geschichte, die ich noch immer nicht fertig gestellt habe – und nun denke ich, dass sie auch zu dem Thema von vorgestern passt → https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/11/15/august-der-schaefer-hat-woelfe-gehoert/

schreiben gegen rechts hat viele Facetten oder was meint ihr?

Sonntagsbild #45

puppets in the streets #16

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Ich wünsche euch einen schönen Sonntag, möget ihr eure warmen Stuben genießen. Es ist jetzt die Zeit, in der ich immer wieder auch an die Menschen denke, die jetzt keine Stube haben und auch nie ein Haus bauten…



hier noch zwei Lesetipps, Belmonte hat sich von meinem Text >Winter ist anders< inspirieren lassen → https://vnicornis.wordpress.com/2017/11/11/anders-is-dera-winteru/

und Frau Rebis von den Maisfreuden

https://fraurebis.wordpress.com/2017/11/11/aussen-und-innen/

Wie schön es immer wieder ist, wenn Eine*r den Faden aufnimmt und auf eigene Weise weiterspinnt! Auch an dieser Stelle noch einmal meinen herzlichen Gruß und Dank an euch!

Miniatur – 18 – 2017

Mit einem Stachelkleid wird niemand geboren. Ein Stachelkleid legt frau sich an. Sie schützt sich. Sie hat das gelernt. Sie hat sich das nicht ausgesucht. Die Welt ist wie sie ist und die Menschen auch. Und dann vergisst sie es auszuziehen und sticht. Er hat das nicht verdient und er schon gar nicht. Dann wird sie traurig. Nein, das ist nicht theatralisch. Es ist, was es ist. Er steht hilflos vor ihr, wendet sich ab.

Er sagt: Ich hab dich schon immer geliebt. Er hat Tränen in den Augen. Sie auch. Sie lächeln sich an. Das Stachelkleid fällt. Nackter geht es nicht.

Heilig

Was ist den Menschen heute noch heilig, im Sinne von etwas Besonderem, etwas Verehrungswürdigem, was ist überhaupt noch heil in unserer Welt und woher kommen alle diese Heilsversprechen, weil eben nichts mehr heil ist?

Mir ist vieles heilig. Ich lebe mit dem Satz, dass das Heilige und Profane zwei Seiten einer Münze sind. Dennoch→ Sonntagnacht war ich wieder einmal bestürzt, als ich ein Bild im www fand, auf dem die verkohlten Reste einer Holzskulptur zu sehen waren (aufgenommen in Myanmar). Leider wurde der Fotograf/die Fotografin nicht genannt. Aber ich habe mir erlaubt das Foto herunterzuladen und auf meine Art weiterzubearbeiten und meinen Fragen zu lauschen, ohne Antworten zu haben und schon gar keine Lösungen…

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Was bedeuten Menschenrechte, was Religionsfreiheit, was die Freiheit der Andersdenkenden? Wie könnte ich nicht traurig werden beim Anblick von so viel Zerstörungswut? Was treibt sie an, sie, die anderen…?


Es liegt mir nichts daran Urheber*innenrechte zu verletzen, man kann sich bei mir melden, gerne füge ich dann den Namen der Fotografin/des Fotografen ein oder nehme das Bild ganz heraus, wenn gewünscht!

Mein Herbst ist rot

Es heißt ja immer mal wieder die drei Phasen einer Frau wären weiß, rot und dann schwarz … das eine und andere Bild von mir hatte dies auch schon zum Thema, aber je älter ich werde, umso roter wird mein Leben. Wofür „mein“ Rot steht? Für Lebensfreude (das zuerst), Kraft, Kampfgeist, Wille, Mut, Humor und natürlich für die Liebe und die Erotik und eben auch für meinen ganz persönlichen Herbst, in dem ich mich unzweifelhaft befinde.

Soviel zu Konzepten und Denkmodellen … und du so?