Etüde 007 2019

Heute ist es eine kleine Reim-Etüde, alle anderen Entwürfe habe ich verworfen.

Die Wortspende

– Tulpenzwiebel

– kurzweilig

– auferstehen

ist dieses Mal von Veronika → https://vrojongliert.wordpress.com/. Und Christiane hat das Bild dazu gemacht. Herzensdank an euch beide.

Die Reim-Etüde

Es war einmal ein Adrian,

der sich die kostbaren Tulpenzwiebeln nahm.

Damit ging er in die Welt,

versenkte sie in manch‘ Blumenfeld.

Nach der Starre erstehen sie wieder auf,

so ist das Spiel im Jahreslauf.

Kurzweilig kommt das frühe Jahr daher,

der Adrian, der lebt nicht mehr.

47 Wörter

Werbeanzeigen

Etüden 006 2019

Nun aber schnell, schon läuft die 13. Woche ihrem Ende entgegen, die Einladung von Christiane mit einer Dreiwortespende von Rina P. sind schon bald zwei Wochen raus und meine drei Miniaturen verharren ungelesen in meiner Kladde.

Auf gehts … viel Spaß

Miniatur 007 2019

Es ist ein Hauen, Stechen und Beißen in der Welt! Hannah legt die Zeitung weg. Jetzt ist ihr der Morgen verdorben. Ist er das? Was, wenn sie aufsteht, ihre Rechnung zahlt, das Café verlässt und in den azurblauen Tag hineinspaziert? Na eben.

Miniatur 008 2019

Schon wieder hat im Kiez ein neues Café eröffnet. Wieviele denn noch, wenn sie sich wenigstens unterscheiden würden! Gleichschaltung, wenn A mit c so gut verdient, kann das B auch – unendliche Ketten. Kultur ist sub oder super quality, sie beißt nicht, sie verdirbt nicht den Spaß, den alle haben wollen, weil sie so freudlos sind.

Miniatur 009 2019

„Die ist ein ganz verdorbenes Mädchen“, sie stach mit ihrem verknotetem Zeigefinger in die Luft, „ich will nicht, dass du mit so einer verkehrst! Wir sind anständige Leute und sitzen nicht am helllichten Tag im Café am Kirchplatz und machen einen auf Gräfin Cox.“ Sie atmete schwer, biss wütend in ihr Brötchen. Die Krümmel fielen auf ihre Brust, auf den Tisch, auf den Boden. Sie sah sie nicht. Sie kaute, starrte mich an, ihr Blick irrte, suchte, fand mich nicht. Sie seufzte: „Wer bist du nochmal?“ Mutter wurde immer dementer.

insgesamt 198 Wörter

Etüde 005 2019

Zwei Miniaturen*

-1-

Weißt du noch … Wie wir durch den Nieselregen wanderten? Es dämmerte schon. Hier und da stiegen Nebel aus den Wiesen, schwebten feengleich. Wir verirrten uns. Ein bisschen liefen wir im Kreis. Dann erinnerte ich mich. Du folgtest zögerlich.

-2-

Weißt du noch … wie wir auf Regen warteten? Das hätten wir uns nicht gedacht. Auf Regen warten die Menschen in Afrika, in Südeuropa, in … Wir haben an Vieles nicht gedacht. Nicht so. Nicht im Irrgarten der Jugend.

Und dann war er da. Endlich! Ein köstlich weicher Nieselregen, der leise und zart die trocken gewordene Erde durchweichte, Schicht für Schicht, von Würzelchen zu Wurzeln. Erst viel später war er zu einem Pladder geworden. Blasen tanzten auf der Straße.

zusammen 121 Wörter


Dies ein Beitrag zu dem Etüden-Projekt von Christiane, einst von Ludwig Zeidler ins Leben gerufen, dieses Mal mit einer Wortspende von Natalie/Fundevogelnest – Herzlichen Dank, dass es immer weitergeht!


*Miniatur 006 2019

Etüde 04a Februar 2019

Miniatur 005 2019

Es ist die Zeit der Astscheren und kreischenden Motorsägen. Alles was altersschwach, krank oder morsch ist muss weg. Es ist die Zeit, in der die Lesezeichen in den Büchern verharren, die Lesenden treibt es hinaus. Sie folgen dem Klang der Schneeglöckchen. Kinder hüpfen und singen, eine Melodie schwebt in der Luft. Noch zart, noch zögernd, bald tirillierend: Frühling, Frühling wird es nun bald.

63 Wörter



Dies ist ein Beitrag zum abcEtüden-Projekt von Christiane, mit einer Wortspende von wortgeflumselkritzelkram.

Etüde 04 Februar 2019

Miniatur 004 2019

Ein aufgemaltes Hinkekästchen auf dem Trottoir lässt ihr altersschwaches Herz vor Freude hüpfen. Erinnerungen an längst vergangene Kindertage steigen hoch. Hinkekästchen, die gehörten in die ersten warmen Tage, wie rutschende Kniestrümpfe, anstelle von kratzenden Wollstrumpfhosen, wie Rollschuhfahren, wie das Säckchen mit den Murmeln in den Hof tragen. Als stecke ein Lesezeichen in ihren inneren Erinnerungsseiten, die sich von allein aufschlagen, beim Anblick eines selten gewordenen Hinkekästchen auf dem Trottoir.

69 Wörter



Dies ist ein Beitrag zum abcEtüden-Projekt von Christiane, mit einer Wortspende von wortgeflumselkritzelkram.

Etüde 003a 2019

Miniatur 003 2019

Winterreifen, Winterreifen, Winterreifen,

eifersüchtig, eifersüchtig,

stolpern –

über einen Satz, einen Gedanken,

über einen s-pitzen S-tein,

in eine für andere gegrabene Grube hinein.

Plumps.

Liebeskummer lohnt sich nicht.

Eifersucht ist nicht gleich Eifersucht

und Winterreifen braucht es ab Oktober.

38 Wörter


geschrieben für das abc Etüden Projekt von Christiane, mit drei Wörtern, die dieses Mal Petra Schuseil gespendet hat → https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/02/03/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-06-07-19-wortspende-von-petra-schuseil/comment-page-1/

Etüde 003 2019

Ja.

Ja, ich bin eifersüchtig. Hannah sagt es laut. Hannah spürt nach. Das innere Feuer knistert noch, es lodert nicht mehr.

Noch einmal.

Ja.

Ja, ich bin eifersüchtig. Das Feuer ist zu vielen schwarzrot glimmenden Holzkohlestückchen verbrannt.

Noch einmal.

Ja.

Ja, ich bin eifersüchtig. Hannah sieht Asche, sie spürt ihre Restwärme. Gut. Sie verlässt den Platz. Ihren Platz, unter einer Gruppe Birken, auf einer Magerwiese mit Felsen, ohne Vieh.

Jetzt bloß nicht stolpern! Das wäre ein schlechtes Ohmen. Hannah wird jetzt ohne Winterreifen über die zwei Zentimeter Neuschneedecke Nachhause fahren. Sie wird dreißig, dreißig, dreißig singen, ihr Wintereinbruchmantra, mit dem sie noch immer heile hin und her gekommen ist.

Soll er doch laufen oder bei Linda schlafen! Sie ist ja sowas von interessant und klug … zack, Hannah stolpert. Sch-sch-sch … Hannah schreit:

Ja verdammt!

Ja, ich bin eifersüchtig. Unglaublich wie still die Welt sein kann! Hannah gleitet Nachhause.

149 Wörter



geschrieben für das abc Etüden Projekt von Christiane, mit drei Wörtern, die dieses Mal Petra Schuseil gespendet hat → https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/02/03/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-06-07-19-wortspende-von-petra-schuseil/comment-page-1/


Da ich ab heute am späten Nachmittag wieder auf dem alten Berg ohne Internet sein werde, kommen meine Antworten auf spätere Kommentare erst ab Sonntagabend.

Etüde 002b 2019

Unruhig rutschte Hannah auf ihrem Stuhl vor der Tür hin und her. Sie ermahnte sich ruhig zu bleiben, zu vertrauen, zu atmen, jetzt bloß keine Schwächen zeigen, die waren hier, in diesem Glasbetongemisch, fehl am Platz.

Man hatte sie gebeten vor der Türe Platz zu nehmen und sich einen Moment zu gedulden. „Man“ waren drei geschniegelte Herren in Maßanzügen, sportlich, attraktiv und sehr smart. Von ihnen hing alles ab.

Auch Hannah hatte sich nicht lumpen lassen, sie war beim Friseur gewesen, hatte sich ein sündhaft teures Kostüm mit passender Bluse gekauft, ihre Füße steckten in schwarzen High Heels. Sie hatte Zuhause geübt, so, dass es aussah, als wäre sie nie in anderen Schuhen über Flure und Straßen gegangen. Ihr Make-up war perfekt. Ihre Haltung suggerierte Selbstbewusstsein. Ja, auch das hatte sie geübt, Frau Z. hatte sie gecoachet, nach dem Motto, was es braucht, um erfolgreich in dieser Welt zu sein. Wochenlang hatte sie kaum Kohlehydrate gegessen, ihre Salatschüssel hingegen war immer gut gefüllt gewesen. Sie fröstelte.

Leise seufzte sie, es ging doch nur um einen Job als Buchhalterin, allerdings mit einem Spitzengehalt.

Endlich öffnete sich die Tür. Einer der Aalglatten bat sie wieder einzutreten und Platz zu nehmen.

Fräulein Schikowsky … äh, Entschuldigen Sie bitte … Frau Schikowsky, natürlich“, verbesserte er sich mit Blick auf ihre unberingten Finger, „leider muss ich Ihnen mitteilen, dass wir Sie nicht übernehmen können …“ Mehr hat Hannah nicht mehr gehört, er redete noch eine Weile, sie aber hörte nur Rauschen im Kopf, gab sich einen Ruck, stand auf und verließ türeknallend den Raum. Auf dem Flur schleuderte sie diese scheißunbequemen High Heels von sich, öffnete die zwei obersten Knöpfe ihrer seidigen Bluse und konnte endlich wieder frei atmen. Wie ist sie nur auf die saudumme Idee gekommen, sie könnte eine andere sein.

298 Wörter



geschrieben für das Etüden-Projekt → https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/01/20/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-04-05-19-wortspende-von-myriade/

Etüde 002a 2019

 

Dieses Mal gibt es von mir eine zweite Etüde, die eher ein Gedicht in Heinz-Erhard-Manier geworden ist. Ich zwinker euch zu.

 

 

 

Dat Marleene hätt so scheene Beene,

so wohljeformt und seidisch,

da sind janz viele neidisch.

Der Tanztheaterdirektor wird se übernehmen,

dat wird ihm mancheene übelnehmen.

Weibsbilder soll´n Salatschüsseln füll´n

und nich mit jungen Männern um die Wette brüll´n.

Dat Marleene kann über solcherlei nur lachen,

sie tanzt und singt, ohn´ in die Bühn zu krachen.

Frauen schütteln ihre Köpfe,

füllen grämig ihre Töpfe.

Männer träumen so manch feuchten Traum,

mit Blick auf Marleenes Röckchensaum.

 

Etüde 002 2019

Die zweite Etüdenrunde in diesem noch neuem Jahr.   Christiane hat uns wieder eingeladen. Von ihr ist auch diese schöne Einladungskarte, die Wörter hat Myriade vorgeschlagen.

Herzlichen Dank und liebe Grüße an euch beide!


Miniatur 002 2019

Sie stocherte in ihrer Salatschüssel herum. Noch immer war Essen allein an manchen Tagen mehr Pflicht als Lust. Mahlzeit kommt von „vermählen“, hatte einst ein Lehrer gesagt. Die Vermählung war lang her und hatte nicht getragen. Stachelige Erinnerungen, seidig gebliebene Haut. Der Rucksack war schon leichter geworden. Man muss nicht alles übernehmen, nicht alles bewahren, man darf Ballast abwerfen und Ballaststoffe essen. Für eine gute Verdauung. Appetit kommt beim Essen. Lust beim Streichen über seidige Haut.

76 Wörter