RoteFadengeschichte 026 2019

Eine herbstliche RoteFadenGeschichte

GedankenFäden 013

Frühsommerliche Winde hatten den roten Faden empor gehoben, ihn mit sich getragen, ihn hierhin und dorthin geweht, stets um den mäandernden Bach herum. Das Mädesüß war an seinem Ufer hoch gewachsen, Bachgräser hatten sich gewiegt, spärlicher war das Wasser geflossen. Aus ungestümen Vorwärtsrauschen war seichtes Geplätscher geworden, Stürme und Frohlockungen wandelten sich in stete, leise Emsigkeit, Rosen knospten, blühten und verwelkten, ihre Blütenblätter sprenkelten Sommerwege, darüber ist es Herbst geworden, letzte Rosen blühen.

Sonntagsbild 47 2018 – Verlassene Orte 15

Christiane hat am Montag, 22.10.2018 unter anderem, das wunderbare Herbstgedicht von Reiner Maria Rilke eingestellt:

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg Deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern wenn die Blätter treiben.

(Rainer Maria Rilke, Herbsttag, aus: Das Buch der Bilder, 1. Buch Teil 2, S. 48, 1902 (Entstehungsdatum), Online-Quelle)

es hat mich zu diesem Bild inspiriert.

Dieses Haus wirkt nur auf den ersten Blick verlassen, auf den zweiten kannst du blühende Blumen im unterem Fenster entdecken, während das obere rechte Fenster von Verlassenheit spricht. Vielleicht aber auch nur von einem Menschen, der hier alleine alt wird, der nur noch Kraft für das Nötigste hat, bei dem es vielleicht nur noch eine Frage der Zeit ist, bis auch er das Haus verlässt.

Nicht bei jedem ist der Herbst des Lebens Freude und Wohlgefühl, man muss sich vorbereiten!


Ich wünsche euch allen einen geselligen Sonntag.

Miniatur 008 2018

Das Rad der Zeit –

und plötzlich erschien in allem Grün und Gold ein Rot

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Es riecht so gut. Nach Herbst, nach Zwiebeln, nach Kartoffeln und Knobi, nach Feuer im Ofen und vor der Tür. Nach satten Bienen, reicher Ernte. Eichhörnchen springen in die höchsten Äste. Restliche Walnüsse und Eicheln zu ernten. Dorthin hat noch kein Wind gereicht. Noch kein Sturm. Nur Winde. Es riecht so gut. In der Stube und im Hof. Nach Laub und nach Ernte, nach verblassenden Farben, nach Fruchtbarkeit fürs nächste Jahr. Die Kräfte neigen sich der Erde zu. Ruhe. Frieden. Advent. Kein Kreuz. Nur Wiedergeburt. Jahr für Jahr. Bald.

Es riecht so gut.

Licht – 16 –

Herbst-Wehen

Vor dem Winter

Ich mach ein Lied aus Stille
Und aus Septemberlicht.
Das Schweigen einer Grille
Geht ein in mein Gedicht.

Der See und die Libelle
Das Vogelbeerenrot.
Die Arbeit einer Quelle.
Der Herbstgeruch von Brot.

Der Bäume Tod und Träne.
Der schwarze Rabenschrei.
Der Orgelflug der Schwäne,
Was es auch immer sei,

Das über uns die Räume
Aufreißt und riesig macht
Und fällt in unsre Träume
In einer finstren Nacht.

Ich mach ein Lied aus Stille.
Ich mach ein Lied aus Licht.
So geh ich in den Winter;
Und so vergeh ich nicht.

Eva Strittmatter

Noch immer…

Noch immer hängen bunte Blätter an den Buchen, noch immer ist der Himmel tiefblau, so wenigstens war es auf den letzten beiden Spaziergängen zum Hohfelsen, einem wunderschönem Ort hier in der Nähe.

Die ersten drei Bilder habe ich Ende Oktober aufgenommen, die letzten vier Bilder am Freitag.

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Mein Herbst ist rot

Es heißt ja immer mal wieder die drei Phasen einer Frau wären weiß, rot und dann schwarz … das eine und andere Bild von mir hatte dies auch schon zum Thema, aber je älter ich werde, umso roter wird mein Leben. Wofür „mein“ Rot steht? Für Lebensfreude (das zuerst), Kraft, Kampfgeist, Wille, Mut, Humor und natürlich für die Liebe und die Erotik und eben auch für meinen ganz persönlichen Herbst, in dem ich mich unzweifelhaft befinde.

Soviel zu Konzepten und Denkmodellen … und du so?

Sonntagsbilder – Septemberimpressionen

Alles, was jetzt stirbt, ist nicht tot.

 – Ein Rückblick auf den September –

Bevor die Sonne aufgeht

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Schwarzwaldimpressionen im späten September

Die Herbstzeitlose – Colchicum autumnale – der Herbstkrokus – giftig und heilsam (homöopathisch)

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Allein der Name „Herbstzeitlose“ ist für mich Poesie im Reigen vom Werden und Vergehen. Im Herbst liegt das Versprechen auf eine Wiederkehr. Sind es im frühen Jahr die wilden, weißen Krokusse in den Bergen, sind es im Herbst die Herbstzeitlosen auf den karg gewordenen Wiesen. Krokusse sind erste und letzte im Jahrestanz. In die Geburt webt sich Tod hinein, in den Tod die Wiedergeburt und so geht es von Jahr zu Jahr und keins ist wie das andere.

Alles fließt, nichts bleibt wie es ist – zeitlos

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Abschiedsaugen – Miniatur mit Bildern

Viel Zärtlichkeit wohnt in der Vergänglichkeit.

Heilige Momente sind Geburt und Sterben. Noch nie habe ich dieses Paar so nah beieinander gespürt. Und wie in jedem Jahr rühren mich die einzelnen Blüten in den kargen Wiesen und in unserem Garten.

Diese eine Glockenblume,

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die zwei blühenden Moosröschen,

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Licht und Schatten von Sein und schon vergangen,

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das übrig gebliebene Schlafmützchen

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neben dem einen Hornveilchen,

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Samenstände neben Fruchtständen,

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noch hängen Beeren und Pflaumen im Baum,

blühen die gelben Rosen.

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Zärtlichkeit in Abschiedsaugen.

Miniatur – Septemberschmetterling

trauben

Auch wenn es jetzt später hell und früher dunkel wird, die Stare und Schwalben das Dorf verlassen haben, fliegen noch immer Schmetterlinge über das Land und ist Dunkelzeit noch zwei Steinwürfe entfernt. Das Lamento des Herbstes verbirgt sich hinter wärmender Septembersonne, reife Zwetschgen fallen vom Baum, Trauben werden süß. Dicke Spinnen hocken in der Wanne, nackte Füße im Gras, am Abend Wollsocken. Gespräche mit Freundinnen und manche Berichte in der Zeitung zum Wochenende nähren Zuversicht.