Nähkästchengeplauder

Rosa hat mich für den „Awesome Blogger Award“ nominiert – Herzensdank dafür! Ich war überrascht und zweifelte einen Moment lang, ob ich die Nominierung annehmen möchte, die Zeit, der Raum, ihr wisst schon! Aber dann entschied ich mich eben doch für ein klares JA.

Und nun werde ich versuchen ihre Fragen aufrichtig zu beantworten.

  • Wie ist dein Blog entstanden?

Als mein Kinderbuch „Gamuppels Sternenreise“ Ende 2010 erschien, war ich bei einer Freundin in Greifswald zu einer Lesung eingeladen. Sie war der Meinung, dass ich nun unbedingt ein Blog haben müsste und damit war der erste Stein gelegt. So entstand auch der Name. In dem Buch spielt auch das Café Weltenall eine Rolle. Dort gibt es Kakao mit Sahnehäubchen und wer will mit einem Tröpfchen Tralala hier und da. Im selben Zug richteten wir auch ein Blog für Gamuppel selbst ein – siehe obigen Link.

Lang ist’s her!

  • Schreiben als Befreiung und Mutmacher: Trifft das auf dich, deine Blogbeiträge zu?

M – ich schreibe, weil ich schreiben muss und das schon mein Leben lang und gerne. Manchmal erfahre ich über meine LeserInnen, dass ihnen das eine und andere Mut gemacht hat. Gerne verteile ich auch Freude und Zuversicht, das sind meine kleinen Samen für diese Welt.

  • Welcher deiner Blogbeiträge hat deiner Meinung nach bisher zu wenig Beachtung erhalten?

Das weiß ich nicht. Die Resonanz auf meine Bilder und Texte ist über die vielen Jahre stetig gestiegen, die älteren Beiträge waren oft noch sehr privater Natur, wie auch meine Follower noch aus dem privaten FreundInnenkreis kamen. Damals freute ich mich schon über drei Likes. Das hat sich über die Jahre stark verändert und ich kann nicht sagen, dass irgend etwas zu kurz gekommen wäre.

  • Was bedeuten dir Social-Media-Freundschaften? Ist daraus auch schon eine wahre Freundschaft entstanden?

Ja, tatsächlich sind hier schon echte Freundschaften gewachsen, die weit über das Bogleben hinausgehen. Das war zwar nicht meine Intention, aber umso schöner ist es, dass dies passieren durfte.

  • Was war deine größte Niederlage, oder hast du noch keine erlebt?

Gosh … klar habe ich schon Niederlagen erlebt, aber meine größte? Ich messe da nicht. Eine Niederlage ist eine Niederlage ist eine Niederlage …

  • Dein Glücksmoment?

Derer gibt es viele. Ich bin glücklich in der Natur, wenn mir ein Bild oder ein Text gelingt, am Feuer mit lieben FreundInnen, inspirierende Gespräche, neue Gedanken, das Zusammensein mit meinen Kindern und Enkelkindern, Reisen, gute Bücher, gute Musik, Kunst, Theater – all das kann mich glücklich machen.

  • Gibt es (oder gab es vielleicht früher) ein Plätzchen auf dieser Erde, wo du dich wohl und geborgen fühlst?

Diese Orte finde ich immer wieder. Mit zunehmenden Alter in mir selbst.

  • Wie sehen dich deine Freunde, was denkst du?

Schwierig zu beantworten – m – zuverlässig, treu, humorvoll, liebevoll, großes Herz, offen für ihre Probleme, ratgebend, aber auch sperrig, eigenwillig, manchmal empfindlich, manchmal nervig, weil ich gerne viel rede.

  • Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, was mit deinem Blog / deiner Website passiert, wenn du nicht mehr da bist? Oder liegt dir dieser Gedanke noch sehr fern?

Dann darf er gelöscht werden! Die wichtigen Texte sind woanders abgespeichert und die Bilder sowieso.

  • Was ist deine Botschaft an die Mitmenschen?

Jeden Tag ein kleines bisschen Glücklichsein.


Ich gebe das Stöckchen weiter an Ule Rolff und Lyrifant. Und wer sich noch gerufen fühlt!

Meine Fragen sind:

  • Was bedeutet für dich blogen?
  • Was bedeutet für dich Resonanz? Und wie wünschst du sie dir?
  • Ist blogen für dich ein erweitertes Tagebuch?
  • Wie hälst du es mit deiner Privatspähre in Bezug auf dein Blog?
  • Wie gehst du mit Kritik um?
  • Schließt du schnell Freundschaften?
  • Welche Rolle spielt Ethik in deinem Leben und auch in Bezug auf dein Blog?
  • Bist du offen für andere Meinungen?
  • Was ist der Motor einem anderem Blog zu folgen?
  • Was macht dich glücklich?
  • Was wünschst du dir – in Bezug auf die Gesellschaft – an Veränderungen?

Maisonntag 2020

Letzten Sonntag in meinem neuen Garten

Die Rosen an meinem Rosenbogen beginnen zu blühen. Ich war sehr gespannt in welcher Farbe sie sich präsentieren werden. Am linken Bogen öffnen sie ihre kleinen Blüten in einem warmen Dunkelrot und bilden zudem eine innige Symbiose mit einer Eiche.

Am rechten Rosenbogen kann ich die Farbe nur so beschreiben: lachsrosagelb mit zarten Rottönen. Oberhalb der Laterne hat sie sich mit dem rechts von ihr, etwas rüde beschnittenen Pflaumenbaum befreundet, der aber hier nicht mehr ins Bild passte.

Draufklick = große Bilder – please click to enlarge

Soviel zur spätnachmittaglichen Stimmung am letzten Sonntag. Im Kopf spukte ein Schreibprojekt, auf das ich durch einen Beitrag von Sofasophia aufmerksam geworden bin → https://sofasophia.wordpress.com/2020/05/16/erzaehlen-und-erzaehltbekommen/ .

Es geht darum zu erzählen wie wir unseren „Coronaalltag“ erleben. Eingeladen sind alle, die sich gerufen fühlen.

Mittlerweile habe ich eine Momentaufnahme dieses Sonntags an den Initiator geschickt. Von seiner Seite ist es in Ordnung, dass ich diese Geschichte mit euch teile, obwohl er plant aus den Zusendungen ein Buch zu machen: „Cronica Corona“. Wenn du mitmachen willst → https://cronica-corona.ch/mitschreiben/

Eine weitere Geschichte zum Projekt las ich bei Irgendlink → https://irgendlink.de/2020/05/16/bei-einer-ruhebank-ein-halber-hund/



Ein Sonntag im Mai im Jahr von Corona

Am Sonntag ist der Garten mein sicherster Ort. In Wald und Flur tummeln sich die Hungrigen – wer will es ihnen verdenken? Ich visoniere Wandermenschen mit Knickerbockern, roten Strümpfen und Mundschutz. Seitdem ich auf Instagram zig Fotos von Mundundnasenschutzmenschen aller Couleur gesehen habe, empfinde ich anders. Bedrohter?

Um Alltag ringen, den Tagen am Morgen ihre angestammten Namen zuordnen und die dazugehörigen Ziffern – als Halt. Ich denke an Zeiten, in denen es weder Tagesnamen, noch bezifferte Tage gegeben hat, nur Mond- und Sonnenläufe und Jahreszeiten. So unvertraut es uns auch ist, auch damals ging es um ein Dach, einen Menschen oder mehrere an der Seite, um Partnerschaften, Essen, Trinken, Sex, Liebe und Musik. Welche Geschichten Väter, Mütter, Großeltern wohl den Kindern zur Guten Nacht erzählt haben? Welche Melodien haben sie beim Wiegen gesummt? Welche Worte haben sie verliedert?

M sagt, sie sei schon ganz verlottert. Ihre Tage und Nächte verschwämmen ineinander. Wieder denke ich an die vier Tage und vier Nächte allein im Zelt – damals verschwammen Tage und Nächte auch. Ich schlief, wenn ich müde gewesen bin und machte Menschensachen, wenn ich wach und munter gewesen bin; ich fühlte mich frei – ich wollte nicht mehr zurück; ein tränenreicher Abschied, einer mehr. So kam ich zurück. Ein winziger Teil von mir blieb für immer dort, wir sind nicht getrennt voneinander.

Ewige Verbundenheit über mich hinaus ist ein Unsicherheitsfaktor, den ich schwankend betrachte und ich denke an die Taube mit dem verletzten Flügel. Ob er verheilte?

Worte der Verluste, des Scheiterns und Suchens, der Fragen und Sehnsüchte finden sich auf Bergen von Papier, sie füllen Buch um Buch und verliedern sich. Der Jubel des Glücks ist schnell erschöpft. Stetige Wasser von Vertrauen und wachsender Liebe strömen leise in tiefen Betten.

Heute wandere ich durch meine inneren Wälder und Wiesen, sitze am Ufer von Bruder Fluss, den nur ich so nannte und noch nenne. Ich lausche seinem stillen Lied. Die zwei Fische, den kleinen und den großen, hat der Fluss schon längst zum Meer getragen. Dort sind sie untergegangen.

Isolation also – freiwillig und unfreiwillig. Verschwimmende Tage, Verlotterung, Freiheit, Vermeintlichkeit, Struktur in Nichtstruktur knüpfen, von Knoten zu Knoten hangeln, die inneren Dialoge werden lauter.

Ach, ihr armen Kinder! Immerzu gefilmt, fotografiert und behütet – die Einen. Die Anderen … es ist eine Grausamkeit in unserer Menschenwelt! Mehr denn je. Autos zählen mehr als Kinder, Technik mehr als intakte Natur. Besinnung zur Umkehr ist eintragslos. Schwere Zeiten, nachdenkliche Zeiten, Tage mit roten Freudepunkten, willig meine Freude teilen und säen, für den Widerstand. Um den Ängsten, der Schwere, den Unsäglichkeiten standzuhalten. Den Rücken gerade halten, den Kopf oben, jegliche Häme und Gehässigkeit aus dem Gesicht streicheln, behutsame Schritte nach vorne gehen, Geheimnisse sind die Begleiter.

Einmal noch die Halskette anlegen, die Perlenohrringe und das beste Kleid anziehen, das ich Aschenputtel nicht mehr besitze, noch einmal zur Schiffskapellenmusik mich auf der Tanzfläche drehen und dann sinken; tief sinken – in den feuchten Meeresgrund hinein. Dort den kleinen und den großen Fisch wiedersehen, mich zu ihnen legen, dann still – Vergessen und Verlockung.

Ich möchte nie mehr von hier weg, erzähle ich heute dem Garten. Ich möchte weit weg, erzähle ich später den Zimmerwänden. Überall Wände. Hier nicht hindürfen und dorthin auch nicht. Die Zelle ist weitläufig, Sicherheitstürme sind keine zu sehen. Keine Kontrollaugen in der Nachbarschaft. Was weiß ich schon?

Doch ja, es ist Sonntag, der siebzehnte Mai im einundzwanzigsten Jahr des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Die Sonne wandert hinter die Bäume. Ich war heute spät dran, bis ich den Weg von drinnen nach draußen fand.

Ich höre dein Flattern. Wie schön! Dein Flügel ist verheilt.

Sechsmal schlägt die Kirchenglocke. Ich brate Kartoffeln und mache einen Salat. Die Mahlzeit, die nichts von Vermählung hat, nehme ich auf dem linksseitigen Stuhl am Tisch ein. Auf dem Stirnseitenstuhl sitze ich, wenn ich frühstücke, der rechtsseitige Stuhl ist für die Gäste, die jetzt ausbleiben. Nach dem Essen werde ich gesellig. Ich öffne ein Bier und stoße mit mir an. Ich lächel mir zu und wünsche uns ein gutes Leben.



To my English speaking readers: You can read every article of me in English, if you’ll go to the end of my blog page, you’ll find the button „Google Translater“. Enjoy!

Momentaufnahme September 2019

Ein Tag – Anfang September

Dieser junge Mann, der seine Arme im Rhythmus seiner Schritte energisch von rechts nach links, von links nach rechts wirft, als könnte er damit seinen zu schwer geratenen Körper beschleunigen.

Die junge Frau im Bahnhofskiosk, die sich immer freut, wenn ich komme, weil wir immer etwas zum Lachen finden.

Die zwei Rehe auf der Wiese auf dem Weg von hier oben nach dort unten.

Der braungebrannte Muskelledermann, der seine strahlend weißen Zähne seinem Smartphone zeigt, sein schwarzes Protzauto als Hintergrundkulisse; fünfundzwanzig bis dreißig Liter pro einhundert Kilometern.

Die Mutterkuh und ihr Junges am Abend in unserem Hof; das Jungtier, das die Hofmauer hinaufspringt als wäre es nix, über die Wiese rennt, über einen Weidezaun hüpft und dann bei einer fremden Herde landet. Die Mutterkuh, die im Hof brüllt, sich locken lässt, auf der Strasse brüllt, sich treiben lässt, bis auch sie bei den Anderen ist. Der Bulle, der nicht muckt.

Diese unglaubliche Stille nach zweiundzwanzig Uhr.

Gedankenfäden 004

RoteFadenGeschichte 019 – 020

draufklick – großes Bild

Gedankenfäden 004

Es ist ja nicht so, als ob es nicht traurig wäre! Du bist mir Heimat gewesen, bist es noch, nur anders. Jetzt bist du meine verlassene Heimat. Verlassene Orte sind merkwürdig kalt, sie riechen nach Pilzen.

So gerne möchte ich schneller gehen. Die Sehnsucht nach der Mündung treibt mich. Wieviel Traurigkeit noch immer zwischen den Zeilen ist! Es hat schon mehr als einen Tränenbach in meinem Leben gegeben. Wie befreiend es ist rückwärts zu schauen: das habe ich schon einmal geschafft – und dann nach vorne zu gehen.

Damals waren die Beine noch jünger, vielleicht trugen sie mich schneller zur Mündung, aber vielleicht täuscht das alles auch nur. Erinnerungen neigen zu Kapriolen und manch anderen Narreteien.

Du bist Zurzeit eine Leerstelle. Ich brauche das jetzt. Ich schütze mein Herz. Es ist noch zu früh die kostbaren Erinnerungen in der roten Lackschachtel zu betrachten. Anderes ist zu spät für uns. Manch roter Faden verflechtet sich mit einem anderen auf seinem Lebensweg, andere baumeln lose im Raum.

 

Ich denke an Mr. Aufziehvogel*, der auf dem Boden des ausgetrockneten Brunnens saß, suchte und fand, anderes, vielleicht auch ein Stück von sich selbst. Daneben steht das Bild der österreichischen Bergwiese aus der einhundertundachtundmehr Quellen blubbern, spitzfelsige Berge rahmen das Bild. Heiliger Boden, reines Wasser, ein Stein senkt Altlasten auf den Grund. Still. Tief. Bergsee. Kalt. Kalt ist auch der quicklebendige Bergbach, der einlädt Schuhe und Strümpfe auszuziehen und darin zu tanzen.

Du sagst, du wärst ganz Schuld. Als ob es darum ginge!

Die Freundin sagt, dass sie gerade die ganz einfachen Dinge glücklich machen. Sie könnte jetzt Erbsen puhlen. Ich muss so lachen!

Du hast gesagt, ich hätte den Frieden mit Nachhause gebracht. Damals, als ich von der Bergwiese mit den einhundertundachtundmehr Quellen zurückgekehrt bin. Dass selbst solch ein Frieden nicht halten konnte – und als ob das nicht traurig wäre!

Und dann sehe ich mich in der Abendsonne sitzen. Vögel zwitschern.

Die Vögel kümmert der Aprilregen nicht. Auch nicht die Flocken, die dann und wann wieder und noch fallen. Auch nicht der Nebel, der an manchen Morgenden noch bergan wallt. Die Vögel singen. Ihr Nest, ihre Eier, ihre Vogelfrau, ihr Vogelmann, das ist ihr Lied, in artenreichen Variationen.

Was macht ein Vogel, wenn er Schmerzen hat? Hat ein Vogel Schmerzen? Er muss Schmerzen haben, wenn er sich verletzt hat, zum Beispiel. Von so Vielem weiß ich nichts, als lebte ich ein karges Leben!

Die Haut ist ganz trocken, ich schmiere und schmiere. Die Brüste ganz weich, längst haben sich die Ellbogen daran gewöhnt sie zu berühren, wenn sie nicht hochgelupft werden. Wozu eigentlich?

Was sich so alles gehört und was so alles nicht – und auch nicht gehört, und schon gar nicht erhört wird!

Was und wer alles kam und vorüberging, welche Schritte vor der Haustüre verharrten und sie passierten, wer alles draußen blieb und bleiben musste, leider oder auch nicht. Und wer auch später wieder ging, mit und ohne Wiederkehr.

Das Leben ist eine Bahnhofsgeschichte von Ankunft und Abschied. Eine Geschichte vom Umsteigen, von richtig und falsch gestellten Weichen, von richtigen und falschen Signalen, von Gleisüberquerungen mit und ohne Schranken. Die Geräusche am Bahndamm haben sich über die Jahrzehnte verändert. Gibt es noch spielende Kinder dort? Legt noch eins sein Ohr auf die Schienen, um zu hören, ob ein Zug naht?

Nein, Mutter hat davon nichts gewußt. Mütter dürfen manches nicht wissen! Erst später, wenn die Kinder und Mütter auf gleiche Augenhöhe herangewachsen sind, dann können sie gemeinsam über die kindlichen Spiele lachen.

In den Fluren der Häuser und Schulen in Schweden riecht es nach nasser Wolle – oder ist das jetzt auch vorbei? Länderraumakklimatisationen?

Die weiße Kugellampe beleuchtet das feine Gesteck der zarten Schlehenblüten mit einer tiefroten Ranunkel in der weißen Porzellanschale, mit dem weißen Bretagnestein. Und immer dieses Rot! Als wollte es mich erinnern, an das Blut und an das Leben, an die Kraft und den Willen, an die Liebe, die Lust und die Leidenschaft.

Rote, blaue, grüne und schwarze Schuhe, jetzt also blaue, wie fremd sie mir noch sind! Als Mädchen habe ich einmal beim Ostereinkauf hellblaue Schuhe bekommen. Ich musste bitten und betteln. Mutter war skeptisch, weil sie ein Absätzchen hatten. So stolz war ich während jener Ostertage, wenn ich auf meine Füße schaute.

Immer fuhren wir vor Ostern in die große Stadt, Mutter und ich. Immer dann gab es neue Sonntagskleidung. Und immer betrübte ich Mutter, weil ich nie ein Hütchen wollte. Am Abend gab es dann Röggelchen * mit Feinkostsalaten von „Nordsee“. Ein Fest! Einmal im Jahr war das so. Alle anderen Kleider, Röcke, Blusen, Mäntel und Pullover kamen von den größeren Cousinen, nähte, strickte, häkelte Mutter selbst oder brachte der Nikolaus/das Christkind. Letzteres konzentrierte sich auf Schlafanzüge, die sich, je größer ich wurde, in immer länger werdende Nachthemden wandelten.

Und dann die vielen Horsts in meinem Leben. Der erste Kuss von dem Horst, der nicht Förster wurde, aber so hieß. Die Ferienliebe Horst und auch ein Kuss, mindestens, der sich kurz danach versehentlich erschoss. Die zweite Ferienliebe, unerwiedert, der feine Gedichte schrieb, später, als ich ihn schon nicht mehr kannte, die dennoch ihren Weg zu mir gefunden haben, später, als auch er schon nicht mehr lebte. Und dann die große Liebe, die längste, die, die sich gerade verwandelt, worein auch immer noch. Die mich, trotz aller Ewigkeit, die Notbremse ziehen ließ. Der Zug hielt kreischend auf weit offenem Land. Ich bahne mir meinen Weg zur Mündung.

Ja, ich mag wieder erzählen – meine und andere Geschichten.



Hierzu passt auch das neueste Video von Cambra Skadé



*Mr. Aufziehvogel ist ein Buch von Haruki Murakami

*Röggelchen werden in Düsseldorf die Roggenbrötchen genannt

Gedankenfäden 001

RoteFadenGeschichte 009

Gedankenfäden 001

Ich habe mich dem Tag geschenkt, ich habe seinem Schnee beim Regnen zugeschaut. Die Werkstatt unter mir brummt und sägt, klopft und redet, manchmal Radiodudel – ich verschwinde hinter den Worten des aktuellen Romans.

Den Tag habe ich mit Literatur beschenkt, sein Himmel strahlt und tröpfelt im Wechsel. Recht und Unrecht – recht und billig – Meinungen bilden sich aus Informationen – das Jahrzehnt meiner ganz persönlichen Informationsüberflutung nähert sich seinem Ende, ein zweites soll es nicht geben. Das Leben ist zu kostbar, um in Flutwellen zu ertrinken! Ein wacher Geist braucht Bewegung und frische Luft, Stille, Wärme, ein Wort ab und an, ein Lächeln, eine Berührung.

Ich habe auch an dich gedacht. Nichts hat sich verändert. Heute Morgen saß eine Krähe und eine Taube auf dem kahlen Lindengeäst. Kein Zeichen, ein Sinnbild, wenn man Bildern einen Sinn geben will.

Selbstvorwürfe gehören in die Rubrik der schlechten Gewohnheiten. Gedanken wollen gesteuert werden, sonst stranden sie beim Ausufern. Logische Ketten ins Kinderhirn geflochten; erwachsen geworden ist es mit Entflechtungen beschäftigt, den roten Faden wiederzufinden, mich aus dem Labyrinth von Fremd und Selbst zu führen. Darüber habe ich mich dem Kind genähert.

Türme fielen, Prophezeiungen bewahrheiteten sich nicht, Verwünschungen und Flüche sind auf fruchtloses Land gefallen. Das Kind hat sich gefürchtet.

Springer zogen weiter. Einer hält sich für immer verborgen. Eine hat keine Telefonnummer hinterlassen – eine Episode mit tragweiter Fläche. Manchmal denken sie aneinander, ohne noch etwas voneinander zu wissen. Abgebrochen, abgeschnitten, durchgetrennt, entschieden an unsichtbarer Wegkreuzung, dort, wo sie sich einst zum ersten Mal begegneten.

Wieder entflieht Einer. Ich heiße das gut. Ich habe vermissen gelernt, nun muss ich nicht mehr warten. Ich habe mich in mir eingerichtet.

Im Märzen der Bauern oder …

… ja, wir haben Wetter,

ihr auch! Und ich habe wieder freie Sicht, weil der Vermieter die Äste vor meiner Sicht beschnitten hat (s.o). Die andere Richtung zeigt, dass es nun wirklich Frühling wird, der Belchen hat seine Schneekappe abgegeben.

So gern hätte ich euch viel mehr Bilder von den Dramenhimmeln der letzten Tage gezeigt, aber ich hatte zu tun, sodass ich euch nur noch diese Bilder vom Sturm zeigen kann.

Den Rest müsst ihr jetzt imaginieren: all dieses Sprudeln, Sausen, Sprutzeln, Rauschen und Tosen der wiederbelebten Bäche und Flüsse; die, an den Rändern, überschwemmten Wiesen; die, nur noch wie eine Illusion, erscheinenden Restschneeflecken auf dem alten Berg, all die sich selbst jagenden Wolkenfelder … Und … ihr dürft lauschen, all dem Prasseln des Regens, dem Geheul der Windes … ja, der Winter wird weggejagt.

Immer mehr Vögel singen am Morgen und am Abend: Frühling, Frühling wird es nun bald.

Sonntagsbilder 07 2019

Diese Sonntagsbilder sind keine Sonntagsbilder. Sie sind Würdigung. Bruno Ganz ist Welt geworden.

Und wenn es denn einen Himmel geben sollte, dann sehe ich dich dort wieder. Ja, über Berlin … gute Reise.

Momentaufnahme Januar 2019

Versuch eines Rückblicks in Worten – Januar 2019

Erfüllt mit glänzender Stille, flüsternden Sternennächten und winterblauen Bergweitsichten begann in diesem Jahr der Januar. Kein Streit, kein Hader, keine schlechten Nachrichten. Das Leben darf leicht sein. Ich darf leicht sein und ich darf sowieso glückliche Tage leben – sie sind so rar. Nicht, dass alle anderen Tage zwingend Unglückstage sind, mehr wohl Traurigtage, Grübeltage, Zaudertage, Schwerebeinetage, Hängebäckchentage.

Die Leichtglücklichtage kommen in die rote Lackschachtel. Die anderen Tage werden durchlebt. Mit allem Licht, mit allem Dunkel, mit allem Traurigem, Grübeligem, Zauderigem … alles dreht sich immerzu, weg oder zueinander hin. Nichts schwebt im luftleerem Raum. Alles hat Wurzeln. Sie halten sich mit ihren kleinsten, feinsten Armen. Sie flüstern miteinander. Schneedecke lässt keine Untererdelaute durch. Ungehört auch die Mäuse unter ihr. Grundfrost hält den Lauch im Garten fest. Buntspecht am Meisenknödel verwackelt. Januartage sind auch Spurentage.

Und Ofentage. Jeden Morgen anfeuern. Manche Morgende Schnee schippen. Jeden Tag Holz holen. Wie jeden Tag aufstehen, Kaffee kochen, wach werden, Träumen hinterherschauen, waschen, anziehen, weitermachen, was und wie auch immer noch. Schön, wenn es mit einem Lächelgesicht geschieht. Schön, wenn im Laufe des Tages die Geh- und Sitzbeine zu Tanzbeinen werden.

Spazieren mehr Innen als Außen, viel in den Archiven. Zusammenlegungen, Ordnungen, kein Ende in Sicht. Herauskristallisationen von Bewahrenswertem und Daskannweg. Winter in den Bergen braucht Mut, braucht Zähigkeit, braucht Ausdauer, die hohe Zeit der Gehörnten in den Felswänden. An Verzagtheitstagen fahre ich kein Auto.

Alles fließt – immer. Gedanken, wie Gefühle und Emotionen, wie Blut und Lymphe, wie Wasser vom und unter dem Himmel, in verschiedensten Aggregatzuständen. Ich mäander durch erneute Arbeitslosigkeit – Grübel-, Zaudertage, je länger der graue Himmel blaues Weit bedeckt und der Januar dauert. Ich schenke mir Trostpflästerchen. Und viele Eis- und Wasserfotos, neue Fotomontagen, lese manch gutes Buch, schaue manch guten Film und freue mich über manch nährenden Austausch.

Tag um Tag mit Inhalt füllen, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Zufriedenheit am Abend stellt sich nicht unweigerlich ein. Atmen, lauschen, dem zunehmendem Licht zuschauen, stille Freuden nähren, Zärtlichkeitsblicke entdecken Schönheiten; kleine und große. Im Januar ist Eulenzeit.

Und jetzt kommt der Schnee.