Miniatur #10 2017

Sowohl als auch dachte ich lange Zeit, statt entweder oder, nun las ich: mal mehr, mal weniger –

Ich fahre von dem neuen Berg zum alten, mal mehr, mal weniger Freuden und Vermissen. Mal mehr bunte Bergwiesen, braune Kühe im Familienverband, mal mehr toscanische Gefühle und die große Feuerstelle im Hof. Mal mehr du, mal weniger du, mal mehr ich, mal weniger ich, mal mehr wir, mal weniger wir. Zugewandtheit … der Mond nimmt zu.

Eine Momentaufnahme

Guten Morgen!

Der erste Kaffee ist getrunken, der Ofen bullert und knackt, warm muss die Stube sein. Ich drehe eine Runde, gehe vorbei am Apfelbaum, der seine Blüten noch geschlossen hält, wartend: diese kleine Kälte ist ein Intermezzo, Wolken ziehen schnell von weiß zu dunkelgrau, gerade Schneegestöber, dann ist es auch schon wieder vorbei. Ich bringe dem Hängebauchschwein drei angeschlagene Äpfel, eine Banane und ein kaputtes Ei.

Scheu ist sie, die alte Dame Schwein, fast blind, langsam kommt sie näher, schnüffelt, nimmt den ganzen Apfel und mampft genüsslich.

Und wer schaut dort so neugierig um die Ecke?

Guten Morgen … mä-ä-ä-h, mä-ä-ä-h. Auf dem Weg zurück begegnet mir die Hauskatze: Guten Morgen … schnurr; im Hof kaut der große, schwarze Hund an einem Knochen:

Hej, guten Morgen, mein Dicker … freundliches Schwanzwedeln, weiterkauen…

Einer steht in der Türe und trinkt seinen Morgenkaffee, lächelt noch etwas müde: Guten Morgen … guten Morgen … alles gut? Alles gut…