Blüten am Weltfrauentag und mehr

Die Blüten um mein neues Zuhause in Wald und Flur

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Vor meiner Haustüre in einem Kübel, den Namen kenne ich nicht.

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Primelchen in meinem neuen Garten

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Die ersten Sumpfdotterblumen am nahen Bach

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Krokusse am Wegesrand

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Huflattich mit ersten Bienen

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Die Zaubernuss verblüht schon

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Schabockskraut und Veilchen in trauter Nachbarschaft

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Buschwindröschen

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Heute schien endlich einmal wieder die Sonne. Zwar ist die Luft noch kühl, aber ich wollte Sonnenstrahlen einsammeln und einen Genesungsspaziergang machen, der mir allerdings, neben aller Freude an all dem Sprießen und Blühen, gezeigt hat, dass die Genesung noch Zeit braucht.

Dies ist auch der Grund warum dieser Artikel kürzer ausfällt als eigentlich gedacht. Die anderen Fotos vom Fluss, den Enten und die ersten Bilder vom Ort zeige ich ein anderes Mal. Meine Kraft reicht dafür nicht.

Auch geht mir so vieles durch den Kopf: hier die Flüchtlingsfrage, dort die Emanzipation. Ich las erschreckende Zahlen über Gewalt von Männern an Frauen, auch hier in D. Leider reicht meine Energie nicht für eine wirkliche Vertiefung, aber für einige Worte mehr schon.

Hier erst einmal ein paar Links, wen es interessiert:

https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/gesellschaft/wenn-trennungen-toedlich-enden-e442961/?reduced=true

https://taz.de/Autorin-ueber-Maennergewalt-in-der-Ehe/!5659533/

https://taz.de/Giffey-stellt-BKA-Zahlen-vor/!5643860/

Noch viel mehr kannst du im Netz lesen, wenn du „Gewalt gegen Frauen“ in die Suchleiste eingibst.

Wie könnte ich mich da als Frau gemütlich in meins zurücklehnen und sagen: also in meinem Umfeld gibt es  s o w a s  nicht …

und zum Schluss noch ein Beitrag von mir, den ich im Juli 2016 einstellte

https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/07/15/wir-sind-noch-nicht-sehr-weit-gekommen/,

der damals schon bei einigen meiner Leser*innen auf Widerstand stieß. Zwar kann ich das eine und andere Argument respektieren, ich aber bleibe bei meinem! Die Bestätigung dafür findet sich in den BKA-Zahlen (siehe dritter Link oben), die ja auch nicht jede*r wahrhaben will. Viele weisen mit ihren Fingern auf weit entfernte Länder, wo den Frauen offensichtliches Grundrecht verwehrt wird, das ist okay, aber darüber hinaus werden die Missstände im eigenen Land übersehen oder heruntergespielt und das finde ich nicht hinnehmbar.

Gewalt kennt viele Gesichter, ob körperlicher, seelischer, verbaler oder psychischer Art. Hier sind wir als Gesellschaft und Menschheit noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen. Weder sie anzuerkennen, noch Verhaltensmuster zu ändern und ja, hier sind nun einmal ganz besonders die Männer und ihre Frauenbilder gemeint, die es zu hinterfragen gilt, jeder für sich.

Ja, es gibt auch Gewalt gegen Männer. Ihnen gilt auch mein Mitgefühl. Ja, es gibt auch gewalttätige Frauen, doch die Zahlen des BKAs stehen für sich, Dunkelziffer hin oder her. Auch diese Gewalt kann ich nicht tolerieren! Jetzt aber weise ich auf die Gewalt gegen Frauen hin und will hier keine Relativierungen mehr, weil es schlichtweg nichts zu relativieren gibt!

„Verzeihen Sie uns, dass wir so oft davon reden.

Wir sind da, wo unsere Geschichte sich vollzieht. Nirgends sonst. Wir haben keine Liebhaber, außer im Traum. Wir haben keine menschlichen Sehnsüchte. Wir kennen nur das Gesicht der Tiere, die Gestalt und die Schönheit der Wälder. Wir fürchten uns vor uns selbst. Wir haben kalt. Wir bestehen aus Kälte, Angst, Sehnsucht. Man verbrannte uns. Man tötet uns noch heute in Kuwait und in den ländlichen Gebieten…“

© Marguerite Duras

Das war 1986 so und ist heute leider nicht anders!

„Reduzieren Sie mich nicht auf die Rolle des Opfers, ich habe sehr viel mehr zu bieten.“ – Sinngemäßes Zitat aus dem Buch von Antje Joel: „Prügel, eine ganz gewöhnliche Geschichte häuslicher Gewalt“ erschienen im rororo-Verlag

Und damit das Ganze jetzt nicht so harsch endet, hier noch ein Link, den ich gerade bei der Mützenfalterin gefunden habe, danke dafür!

https://www.fixpoetry.com/feuilleton/notizen/2020-03-08/leuchttuerme

Ping Pong 044

PING 044

GERDA AN ULLI → DOCH DAS BILD DER FRAU …

PONG 044

ULLI AN GERDA → … IST VIELFÄLTIG UND BUNT.

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ULLI AN GERDA → WENN DER VOGEL ABSCHIED NIMMT …

anklick = große Bilder – please click to enlarge



HIER GEHT ES ZU DER GALERIE ALLER BISHERIGEN PING PONGS → https://cafeweltenall.wordpress.com/galerien/ping-pong/

DIE IDEE→ https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/02/05/ping-pong-001-2019/

Kräutersegen

Vier Frauen sind wir am Mittwochabend gewesen. Ich habe, wie jeden Monat, die Frauen meiner Trommelgruppe (schamanische Reisen) eingeladen. Seit diesem Jahr verknüpfe ich diese Abende verstärkt mit den vier Sonnen- und den vier  Mondfesten. Jetzt ging es um den Kräutersegen.

Es ist das Fest der roten Schnitterin oder auch Lughnasadh oder Lammas genannt. In den alten Zeiten war dies das Fest, das die Getreideernte einläutete. Das Datum ist der 2. August. Da ich aber nie am 2. August daheim bin, habe ich es auf diesen Mittwoch, 15. August gelegt, in der christlichen Tradition Mariä Himmelfahrt genannt wird. Mancherorts ist es noch üblich, dass in den katholischen Gemeinden an diesem Tag eine Kräuterweihe stattfindet. Vieles haben die Christen für sich aus den alten Traditionen übernommen und für sich modelliert (deswegen auch die Datumsverschiebung!), was sich nicht aus den Brauchtümern „vertreiben“ ließ wurde in abgewandelter Form übernommen. So blieb wenigstens noch ein bisschen des archaischen Wissens erhalten.

Irgendwo habe ich dazu gelesen, dass bei Marias Tod einige der Apostel durch die Lüfte zu Marias Totenbett geflogen sein sollen, die einen sagen nach Jerusalem, die anderen nach Ephesos. Was ich noch spannend finde. In Ephesos ist der Tempel der Artemis. Artemis ist die Göttin der Jagd und des Waldes, sie ist die Schützerin der Frauen und Kinder –

Mich interessiert immer wieder die vorchristliche Zeit und das, was davon noch überliefert ist, wohlwissend, dass vieles,  besonders in Bezug auf die Kelten, in den Bereich der Spekulation fällt. An dem Tag des Kräutersegens dachte ich an die alten Geschichten der Kornkönigin, an den ersten Schnitt mit der goldenen Sichel (symbolisch), an Fruchtbarkeit und Tod – wer ernten will muss töten. Die Farben dieses Festes sind rot und schwarz, bzw. nachtblau.

Unsere Kräutersträuße haben wir mit weißem Salbeirauch gesegnet, Dankbarkeit für die diesjährige Ernte im Herzen. Mein Strauß hängt nun in der Stube und wird dort bis zum 02. Februar 2019 hängen, dann beginnt wieder alles von vorne, eine Spiralumdrehung weiter. Möge er mich durch die dunkle Jahreszeit tragen und mich immer wieder daran erinnern, dass unter dem Schnee das Leben (nur) ruht.

Und sonst so?

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– gestern notiert –

Kreissägen kreischen durchs Dorf, Motorsägen durch den Wald, ein kalter Wind aus Nordost brachte dunkle Wolken, die Löcher ließen für einzelne Sonnenstrahlen. Die Tageszeitung liest sich wenig erfreulich, nicht, dass ich anderes erwartet hätte, gewünscht schon.

Ich kann mich jetzt wieder schämen Deutsche zu sein, wobei mir allein diese Denke von: ich bin deutsch, niederländisch, griechisch, ghananesisch … zuwider ist! Ich fühle mich einer Welt in tausend bunten Facetten verbunden, bin Mensch unter Menschen, bin Frau.

Hundertausende Frauen demonstrierten am Montag in Polen gegen die erneute Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und was meint Polens Außenminister Waszczykowski dazu (?):“Die Frauen amüsieren sich heute auf der Straße …“* → Wir sind noch nicht sehr weit gekommen →

In der Türkei wurden weitere kurdische Radio- und Fernsehsender geschlossen, aber man darf jetzt die eigene Armee besuchen und schauen was sie da eigentlich macht.

Und nun weiß ich auch, dass es eine synthetische Währung gibt. Ah ja … Wieso sehe ich nun Kinderkaufmannsläden vor mir und einen Präsidentschaftskandidaten mit Batmans Jokermaske vor dem sowieso nicht ansehlichen Gesicht?

joker-185823©bilder.4ever.eu

Heute ist mein halbfreier Tag, den ich mir am Nachmittag, gemütlich im Bett sitzend, vermiese. Ach was! Nur kurz- dann schaue ich wieder dem Flug des Rotmilans zu und denke wieder einmal an Rosa Luxemburg und Ernst Toller, die beide Trost bei der Beobachtung von Blaumeisen und Schwalben in ihren Gefängniszellen fanden. Die finnische Ornithologin Ulla-Lena Lundberg schrieb hierzu: „Von Vogelbeobachtern heißt es, sie seien Menschen, die von anderen Menschen enttäuscht wurden …“*

Gestern Morgen, auf dem Weg zur Arbeit, schreckte ich einen Schwarm Stare auf, Zugstare aus dem Norden, die sich auf einer Wiese versammelt hatten, während „unsere“ schon vor 3/4 Wochen abgereist sind. Wer stellt ihre inneren Uhren?

Und was tickt in der Welt? Rechtsdrehende Populist_innen im Takt der Probleme, die sie nicht lösen wollen.

Und sonst so?

Als sich der Himmel in allen nur erdenklichen Rosalilatönen verfärbte, sprang ich hinaus und nahm die vom Nordostwind getrocknete Wäsche ab …

Anmerkung

* die Zitate wurden der taz vom 04.10.2016 entnommen


Gestern schrieb Irgendlink auf Flussnoten sein großes Finale: „Die Pufferzone des Verzeihens”, ich bin absolut begeistert, wer mag kann hier lesen →

Nachtrag zu meinem gestrigen Artikel

Ich lese gern am Wochenende dicke Zeitungen, sei es die Zeit oder die taz zum Wochenende. Letztere war es heute.

Auf Seite 06 unten finde ich unter „Stadtgespräch“ einen Artikel der Journalistin Irina Serdyuk aus Kiew:

ICH HABE KEINE ANGST ZU SPRECHEN

Die ukrainische Aktivistin und Journalistin Nastja Melnitschenko veröffentlichte vor einigen Tagen einen kurzen Text auf ihrer Blogseite: „Ich will, dass heute wir, die Frauen sprechen. Dass wir über die Gewalt reden, die den meisten von uns angetan wurde. Ich will, dass wir uns nicht rechtfertigen, weil es nicht nötig ist. Wir sind nicht schuldig. Schuld trägt immer der Gewalttäter. Ich habe keine Angst zu sprechen.

Soweit der erste Abschnitt. Im weiteren wird über eine Lawine an Kommentaren berichtet. Tausende von Frauen berichten über ihre Gewalterfahrungen. Jede dritte Frau, heisst es, hat Gewalterfahrungen mit Männern erlebt. Nun muss die Regierung handeln! Erwähnt wird auch, dass es wahrscheinlich für viele Frauen einfacher ist anonym, unter Pseudonym ihre Erfahrungen im Netz mitzuteilen, als darüber zu sprechen.

Warum wohl …?

Und genau darum schreibe ich solche Artikel wie gestern und genau darum schreibe ich die Miniaturen. Und bitte sag jetzt nicht, die Ukraine ist weit weg! Es gibt nichts herunterzuspielen, nichts gut zu reden und ich überlege was hier los wäre, wenn ich sagen würde: „Ich habe keine Angst zu sprechen!“

Ich atme aus …

Und: Verzeiht auch mir, dass ich von Zeit zu Zeit von uns, den Frauen, rede und davon, dass wir nicht sehr weit gekommen sind, weiter, ja, aber nicht weit.

ich spucke auf euch

ich spucke auf euch

ein Buch, dass ich schon in den Neunzehnhunderneunziger Jahren las, das mir mit aller Deutlichkeit vor Augen führte, was es für Frauen bedeutet, wenn sie beschnitten werden.

Gestern hörte ich in den Nachrichten, dass im neu errichteten Kalifat in Teilen von Irak und Syrien alle Frauen zwischen 11 und 43 Jahren beschnitten werden sollen … da wehrt sich alles in mir, das tut mir mit all diesen Mädchen und Frauen weh, das darf es einfach nicht mehr geben!!! Diesen Frauen wird ihre eigene Lust abgeschnitten … sie wissen, dass da mal etwas war, aber dann ist da nichts mehr. So hat es Nawal El Saadawi beschrieben.

Ein Buch, das kaum auszuhalten ist, aber wichtig ist und war. Es müssen die betroffenen Frauen selbst reden, selbst erzählen, sie müssen sich auf ihre ganz eigene Art wehren, das ist mir damals auch klar geworden. Ich hier, im sogenannten emanzipierten Deutschland, habe kein Recht ihnen zu sagen, was sie tun sollen, ich kann aber solidarisch sein. Ich kann Frauen unterstützen in ihrem Kampf gegen dieses Unrecht und viele andere. Es gibt keinen Grund zu glauben die Emanzipation wäre geschafft. Bei Leibe nicht! Hier nicht. Und in anderen Staaten dieser Erde schon gar nicht!

Ich habe Worte und Bilder, übers Tun denke ich nach …

Heute las ich in der Neuen Zürcher Zeitung dazu einen Winzartikel, es dementierten die „Kalifaten“ (herrjeh, in welcher Zeit leben wir?) die Nachrichten von gestern. Es wird nun untersucht und beobachtet, was wahr ist und was Lüge. Nicht einfach in Staaten, wo unabhängige Berichterstattung zur Lebensgefahr wird!

0124ab 25.07.14 keine beschneidungen, nirgendwo

 

Frauenschicksale

Kurz vor Weihnachten fand ich auf einem Bücherwühltisch ein Buch von Margaret Atwood: alias Grace. Auf der Rückseite des Buches steht: die Scheherazade von Kanada. Und wirklich, erzählen kann sie! Das fand ich schon immer …

alias graceDie Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit, sie spielt im Toronto der Mitte achtzehnhunderter Jahre. Grace, in Irland geboren, verlässt mit ihren Eltern das Land, um in Kanada ihr Glück zu versuchen, das ihnen in Irland nicht holt war. Doch schon auf der Überfahrt stirbt die Mutter und Grace muss sich fortan um die kleineren Geschwister kümmern und mit dem Alkoholkonsum des Vaters klarkommen, sowie seiner ewigen Arbeitslosigkeit.

Mit vierzehn oder fünfzehn Jahren nimmt sie eine erste Stelle im Haushalt an und so wird es ihr Leben lang bleiben, selbst im Gefängnis, in dem sie mit sechzehn Jahren landet. Angeklagt des Doppelmordes an ihrem Arbeitgeber und seiner heimlichen Geliebten wird sie für schuldig befunden, dient sie fortan der Gefängnisdirektorenfamilie. Dort wird sie geschätzt für ihre stille Art und ihre feinen Näharbeiten und für unschuldig gehalten.

Die Frage, ob Grace schuldig oder unschuldig ins Gefängnis kam, bleibt bis zum Schluss offen, im Buch, wie im wirklichen Leben.

Was mich immer wieder in seinen Bann zieht, ist das Schicksal von unzähligen Frauen, wie sie rackern und schuften und selten ein Lob ernten, geschweige denn eine angemessene Bezahlung, aber unglaublich viele schmerzende Beschimpfungen. Das Wort Hure, damals, wie heute als Schimpfwort benutzt, war auch in diesen Zeiten in vielen Mündern und tat doch nur Unrecht. Grace hatte keine Chance und doch nutzte sie die wenigen freudigen Momente in ihrem Leben, um zu lernen, zu beobachten und ihre eigenen Schlüsse zu ziehen. Verbündete fand sie in der Direktorenfamilie, in dem Arzt Simon, der die Frage nach Schuld und Unschuld mit damalig modernen psychologischen Methoden zu ergründen sucht.

Lachen, Mut, Freude und Freundschaft findet sie in einem illustren Hausierer, sowie in ihrer Mitstreiterin Mary Whitney, bis diese frühzeitig stirbt.

In dem Buch Deutschenkind von Herbjoerg Wassmo las ich folgendes:

deutschenkind

Aber Rakel saß abends nach dem Rundgang im Stall  häufig allein mit der Zeitung.
Eines Tages las sie, dass ein Kirchenmann sich gegen weibliche Geistliche ausgesprochen hatte.
Rakel fand es unmöglich, dass erwachsene Geistliche nichts anderes zu tun hatten, als sich um so etwas zu kümmern, wo es doch so viel Elend in der Welt gab. Sie müssten eigentlich vor lauter Umherrennen und Trösten und Helfen ganz atemlos und verschwitzt sein. Jesus hatte niemals ein böses Wort über Frauen gesagt, auch wenn sie Huren waren, das hatte sie selbst in der Bibel gelesen. Dann fielen ihre Augen auf die Buchspalte: „Die Frauen sind die Hoffnung“, stand da.

„Der amerikanische Ethnograph Montagu hat ein Buch darüber geschrieben, dass die Frau praktisch der Übermann des Mannes ist. Sie hat mehr Lebensfreude, weniger physische Mängel, weniger Erbkrankheiten, größere Widerstandskraft gegen physische Schmerzen und eine besser entwickelte Intelligenz. Die Frauen sind sogar fähigere Autofahrer. Der Mann weiß um seine Unterlegenheit und entwickelt Herrschereigenschaften, um sich zu rächen. Das Muskelsystem ist bei ihm bestens ausgebildet. Deswegen haben wir auch den Krieg – die spezielle Erfüllung des Mannes -, während den Frauen für den Krieg wichtige Eigenschaften fehlen. Man muss mit jeder Generation die Welt einen Zollbreit vorwärts bewegen. Die Frauen geben Leben. Versagen die Frauen, ist alle Hoffnung für die Menschheit geschwunden.“

Rakel nickt, während sie liest. Endlich gehen der Welt die Augen auf! Nein, sie wird gewiss nicht versagen! Aber was ist ein Ethnograph?, denkt sie irritiert. Rakel ärgert sich oft über alles, was sie nicht weiß, über Wörter, die sie nicht versteht. Aber dass die Frauen keine für den Krieg wichtigen Eigenschaften mitbringen, das ist ihrer Meinung nach nicht richtig. Rakel spürt, dass sie zum Krieg bereit ist, wenn es sein muss. Es gibt ja so viele Arten von Waffen.
Und von einer Kanzel und auch von einem Altar, da würde sie ganz sicher einen Speer oder zwei ins Ziel werfen.“

Mut brauchte und braucht es, um in der Welt als Frau den Kopf oben zu behalten. Wenige nur hatten und haben – weltweit gesehen – an Bildung teil, die meisten verding(t)en sich als Haushälterin, Köchin, Magd, Näherin oder als Fabrikarbeiterin, wie die Schwester von Rakel, der Mutter von Tora, Tora, das Deutschenkind …

Gemeinsam mit Grace ist Tora die Armut und ein mehrheitlich freudloses Dasein. Mut und Humor findet sie bei ihrer Tante Rakel, Tiefe und Freundschaft in dem stummen jungen Frits. Und so, denke ich, ist bei allem Trübsinn doch immer noch wenigstens eine/einer, die oder der Freude, Wärme und Lachen schenkt …

Deutschenkind spielt in den Neunzehnhundertfünfziger Jahren, im hohen Norden von Norwegen. Hart ist das Leben, das vom Fischfang abhängt. Nur bei den wenigsten regiert nicht Schmalhans Küchenmeister. Und Männer spielen, wie auch im Buch von Grace, eine eher unrühmliche Rolle.

Tora ist ein Besatzungskind, ihren deutschen Vater wird sie nie kennenlernen. Über ihn wird geschwiegen, bis Rakel dieses Schweigen bricht. Das Mädchen wird gehänselt und spürt täglich die Ablehnung. Groß ist der Hass der Inselbewohner auf die einstige Besatzungsmacht. Schlimmer aber noch als dieses ist die Gefahr-
Die Gefahr, die ihr Stiefvater für sie ist. Auch er ein Tunichtgut, ein Säufer. Ihre Mutter schuftet in der Fischfabrik und geht putzen, für das Mehl, woraus sie ihr Brot backen.

Es ist ein düsterer Roman, der mich nicht nur einmal hat erschauern lassen. Das Titelbild trifft das Bild von Tora, so wie es sich beim Lesen in mich hinein webte. Großartig ist, wie Frau Wassmo Worte für das schier Unaussprechliche gefunden hat. Schon in der Trilogie Dina (s. hierzu meinen Artikel vom 13.06.12) habe ich ihre Sprache bewundert und genossen.

Die Rache des Mannes an den Frauen … Beschimpfungen und häusliche Gewalt ist die Antwort. Gewalt, die zahllose Frauen verstummen ließ und lässt.

1840iger, 1950iger Jahre, 2013 …

Ich denke auch an die Bücher von Kristin Marija Baldursdottir: Die Eismalerin und ihre Fortsetzung: Die Farben der Insel …

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eismalerin 2

Die Geschichte nimmt ihren Lauf in den frühen neunzehnhunderter Jahren und spielt in Island. Hier geht es um den Kampf einer Frau, die aus vollstem Herzen Malerin ist. Aber durch die Liebe, die einen sehr eigenen Weg geht, und die Geburt der Kinder, wird sie auf die Rolle als Mutter und Hausfrau zurückgeworfen. Ihre Seele schreit und letztendlich setzt sich die Malerin durch. Zäh ist sie, erst im hohen Lebensalter kommt die lang erhoffte und ersehnte Anerkennung.

Die Performancekünstlerin Marina Abramovic (siehe Mützenfalterin, Sherry und Susanne Haun) sagt unter anderem in ihrem Manifest:

„Künstlerinnen müssen Kriegerinnen sein …“

Wie schon Rakel feststellte: Es gibt ja so viele Arten von Waffen …

Immer noch bestimmen Männer in Literatur und Kunst das Bild, auch wenn sich in den letzten Jahrzehnten so einiges bewegt hat. Immer noch ist häusliche Gewalt, vornehmlich von Männern ausgeübt, an der Tagesordnung, hier, wie überall in der Welt. Immer noch ist Hure ein Schimpfwort, immer noch verdienen Frauen in selben Positionen weniger als ihre männlichen Mitstreiter, immer noch gilt es der Welt die Augen zu öffnen, dass Frauen, wenn auch vielleicht nicht besser, so aber zumindest gleichwertig anzusehen sind.

Und ich denke auch an all die Frauen, die Heldinnen waren, so wie meine Großmutter, die ihre Familie durch den Krieg brachte, meine Mutter und ihren frisch geborenen Sohn durch die Wirren von Kriegsende und Flucht sicher begleitete. Ihr Name, so wie der von tausend und mehr Frauen dieser Generation, fand auf keinem Denkmal Platz (Ausnahmen sind die Denkmäler in Berlin, Dresden und Chemnitz, die an die namenlosen Trümmerfrauen erinnern).

Wie sie es schafften, bei all der Unbill des Lebens, Humor zu bewahren, Kraft und Ausdauer für ihre Begabung, das lässt mich wieder und wieder meinen Hut vor ihnen ziehen! Aber leider war nicht jeder vergönnt ihre Kunst wirklich auszuleben und in die Welt zu tragen. So geschah es auch meiner Großmutter, die in jungen Jahren das Kunsthandwerk studierte. Zwei Kriege und später die Sorge um die Familie machten ihr einen dicken Strick durch die Rechnung. Für mich war sie die Sonne in unserer Familie, bis sie 1964 starb. Es wird Zeit für ein Denkmal!

für meine Großmutter, stellvertretend für alle Heldinnen der Alletage

30 06.01.13 Heldinnen, für meine Großmutter