Rückblick # 2 – Oktober

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Bilder Oktober 2011 – 2015 -anklicken lohnt sich, dann werden die Bilder groß

Seltsam, einfach so fällt mir jetzt nichts ein, außer vielen, vielen Spaziergängen, ich bemühe mein Blogarchiv und lese die Überschriften, es scheint, als wären sie ein Gedicht oder ein Textband, ganz ohne Punkt und Komma…

Abschied zweimal blau die tägliche Übung August Frauenbilder Tuschezeichnung etwas lachenden Mut ob ich will oder nicht Puppengesichter Erinnerungsschachteln mutig träumen kurze Frage denken handeln träumen gestern und heute schon vergessen und sonst so Wildnatur schau doch mal hier Abschiedsaugen-

Das kann man lesen, wie man will oder auch gar nicht und sowieso lesen alle was und wie sie wollen und so verstehen sie es, ja, ich auch, klar, oder? Man muss sich auch nicht wirklich anstrengen und versuchen und bemühen, man muss nur sein, nur machen, sonst nix, alles Weitere passiert und kommt, auch darauf kann man vertrauen.

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Oktober, das sind Wanderungen im goldenen Licht, in der Farbenpracht des Sterbenden, Jahr für Jahr. In diesem Jahr war auch viel Spiel, viel Freude und viele weite Gedanken.

Das muss jetzt reichen, sagt die Erinnerin und lacht.

Und sonst so?

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– gestern notiert –

Kreissägen kreischen durchs Dorf, Motorsägen durch den Wald, ein kalter Wind aus Nordost brachte dunkle Wolken, die Löcher ließen für einzelne Sonnenstrahlen. Die Tageszeitung liest sich wenig erfreulich, nicht, dass ich anderes erwartet hätte, gewünscht schon.

Ich kann mich jetzt wieder schämen Deutsche zu sein, wobei mir allein diese Denke von: ich bin deutsch, niederländisch, griechisch, ghananesisch … zuwider ist! Ich fühle mich einer Welt in tausend bunten Facetten verbunden, bin Mensch unter Menschen, bin Frau.

Hundertausende Frauen demonstrierten am Montag in Polen gegen die erneute Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und was meint Polens Außenminister Waszczykowski dazu (?):“Die Frauen amüsieren sich heute auf der Straße …“* → Wir sind noch nicht sehr weit gekommen →

In der Türkei wurden weitere kurdische Radio- und Fernsehsender geschlossen, aber man darf jetzt die eigene Armee besuchen und schauen was sie da eigentlich macht.

Und nun weiß ich auch, dass es eine synthetische Währung gibt. Ah ja … Wieso sehe ich nun Kinderkaufmannsläden vor mir und einen Präsidentschaftskandidaten mit Batmans Jokermaske vor dem sowieso nicht ansehlichen Gesicht?

joker-185823©bilder.4ever.eu

Heute ist mein halbfreier Tag, den ich mir am Nachmittag, gemütlich im Bett sitzend, vermiese. Ach was! Nur kurz- dann schaue ich wieder dem Flug des Rotmilans zu und denke wieder einmal an Rosa Luxemburg und Ernst Toller, die beide Trost bei der Beobachtung von Blaumeisen und Schwalben in ihren Gefängniszellen fanden. Die finnische Ornithologin Ulla-Lena Lundberg schrieb hierzu: „Von Vogelbeobachtern heißt es, sie seien Menschen, die von anderen Menschen enttäuscht wurden …“*

Gestern Morgen, auf dem Weg zur Arbeit, schreckte ich einen Schwarm Stare auf, Zugstare aus dem Norden, die sich auf einer Wiese versammelt hatten, während „unsere“ schon vor 3/4 Wochen abgereist sind. Wer stellt ihre inneren Uhren?

Und was tickt in der Welt? Rechtsdrehende Populist_innen im Takt der Probleme, die sie nicht lösen wollen.

Und sonst so?

Als sich der Himmel in allen nur erdenklichen Rosalilatönen verfärbte, sprang ich hinaus und nahm die vom Nordostwind getrocknete Wäsche ab …

Anmerkung

* die Zitate wurden der taz vom 04.10.2016 entnommen


Gestern schrieb Irgendlink auf Flussnoten sein großes Finale: „Die Pufferzone des Verzeihens”, ich bin absolut begeistert, wer mag kann hier lesen →

Nachtfalterflüstern

0172 21.07.16 Nachtfalterflüstern

Am Abend spielt das Radio Klavier, die Küchentür steht offen, ein Vogel singt dazu. Er hat keinen Namen, nur einen Gesang. Holzhackgeräusche von einem der Nachbarn, Lachen, Plauderstimmen und Schwalbenzwitsch, die Mücken fangen, Kuhbimmelimm, Einer pfeift, eine Tür klappt, herrliche Wolken und Gula Gula. Wildgänse, Graugänse, Eulen in der Nacht. Noch donnert es nicht, die Luft steht und wir sind doch schon längst alle cyber. Man denkt in tweets oder jagt kleine, gelbe Monster in Städten, in denen man schon Jahrzehnte lebt und sie nun endlich so richtig kennenlernt. Andere kennen Sie nun auch noch besser. Spieleapps für die Kontrolle, ob das mit den Geo-Caches auch so ist? Es grummelt in der Ferne, noch sind es 26°, es ist halb zehn. Türkei, sagt wer was? Wie weit reichen mächtige Arme? Gewitterstimmung. Passt. Menschen wollen Sommerfreuden, jetzt. Ausruhen vom Gerenne, dem Lärm der Welt. Sie wandern, paddeln, radeln, liegen am Strand, fahren Bahn, Schiff, Auto, Bus, fliegen, sitzen vor Bars und Restaurants. Worüber plaudern, worüber lachen sie? Es riecht nach Gegrilltem. Jetzt. Das war noch nie ein Lieblingsgeruch an Sommerabenden. Vorhin roch es frisch in der geputzten Küche, dem geputzten Bad. Jetzt also Grillzeugs, Fleischlappen und Würste, wie früher oder immer noch im Görlitzer Park, im Tiergarten und. Und doch, lass mal, immerhin buntes Leben vor der Tür. Jetzt sehe ich Gärten in denen Steine wachsen oder solche mit gepflegten Rasenflächen, von Rosen- und Lavendelrabatten eingefasst. Wann sitzen die Leute in ihren Gärten und wo darin? Es brennen keine Feuer durch die Nacht. Vollmond, Rotmund. Schöner wohnen, schöne Landlust, ein Hahn kräht am Morgen auf dem Mist. Polizeialarm! Kann man denn da gar nichts machen? Man macht nichts gegen laut schreiende Gockel und eine wild gewordene Hühnerschar. Man braucht sie noch. Wohlfeile Argumente, kein Boykott, kein Embargo, kein gerader Rücken. Das gibt zu denken! Gewitterstimmung. Nachtfalterflüstern, sie sehen noch Licht. Aufrichtige Menschen braucht die Welt. Die Welt schreit nach Führern. Neue eiserne Ladies streichen sich die Rüstung glatt. Eiserne sollen das Chaos richten und stürzen es ins Niedrigste. Dunkel wars, der Mond schien helle… Wenn einer eine andere „Bimbo, Schlampe und fettes Schwein“ nennt, kann es kaum niedriger sein. Niveau war gestern. Populismus ist heute. Die Welt will ihre Show. Ich bin unruhig, mir ist schlecht. Der Abend steht im Raum. Todesstrafe ist auch so ein Wort dieser Woche und Säuberung und Ausnahmezustand. Dazwischen Freude über weite Grenzen hinaus. Von Herz zu Herz, Begegnung, Berührung, Geist trifft Geist. Es gibt uns doch! Es gibt auch Alternativen, Visionen, Innovationen und Träume. Vielleicht ist es wichtiger denn je die Welt bunt zu träumen und dem Nachtfalterflüstern zu lauschen, sie sehen noch Licht. Wider der Angst.

Ohne Punkt und Komma (nein mit) # 2

13 06.01.11 AugenBlick

Panik

(Kurze Erklärung: ohne Punkt und Komma heißt für mich, meinen Gedanken möglichst ungefiltert Raum zu schenken. Da es mich aber mehr Konzentration kostet die Satzzeichen wegzulassen, als sie einzufügen, gibt es nun den Gedankenstrom mit Satzzeichen. So wird es für euch auch angenehmer. Und warum dann ohne Punkt und Komma? Weil es meine innere Kritikerin ausschaltet!)

Glumm schrieb letztens einen langen Text über seine Angst vor einer Kontrolluntersuchung Daran musste ich gestern denken, fühlte mich verbunden und nicht so ganz als Looserin. Danke Glumm!

Immerhin schaffte ich es ohne Angst oder gar Panik in das Kreiskrankenhaus, war ungewöhnlich entspannt und zu Scherzen mit dem liebsten Holzmann aufgelegt. Ich war auch immer noch ruhig, als ich dann nach zweistündiger Wartezeit auf dem OP-Stuhl Platz nahm. Es sollte mein grauer Star operiert werden, aber nur mit örtlicher Narkose. Ich hätte es wirklich besser wissen müssen. Wie bitte soll ich das eigentlich schaffen, mit einem Arzt, der mir von der ersten Minute an unsympathisch gewesen ist und einem Film von Bunuel und Dali im Kopf: Ein andalusischer Hund. Ich redete mir bei beiden Punkten gut zu. Schwatzte seit Monaten mit mir, seitdem ich wusste, wie die Prozedur vonstattengehen sollte, ich bin doch kein Weichei, ich doch nicht!

„Ich muss den Doc nicht mögen, der muss nur sein Handwerk verstehen und das tut er ja wohl, gilt er doch hier im Kreis als Koryphäe. Ich werde so vollgepumpt mit Beruhigungsmitteln sein, dass ich den andalusischen Hund locker vergessen werde …“ So schwatzte und schwatzte ich … Und wie war das, mit sich selbst ernst nehmen, die eigene Angst und eigenen Antipathien, egal, ob man die Triggerfigur dahinter erkannt hat oder nicht? Und wenn ich es dann schon nicht selbst kapiere, dann tut es eben mein System für mich.

Mein Auge war schon matschig von all den vielen Tropfen: zur Betäubung, zur Pupillenerweiterung und was weiß denn ich wofür noch … ich wurde auf dem Stuhl zurecht geruckelt. Das allein gefiel mir gar nicht. Und was hieß hier volle Dröhnung, das war gerade mal eine halbe Pille, als ob die mich wirklich beruhigen könnte, bei meiner Geschichte, über die ich jetzt und hier aber nichts weiter erzählen will. Also gut, ich war nicht wirklich müde, nicht ansatzweise. Der Doc kam mit der Spritze, redete wie immer im Onkelton, den ich so verabscheue, setzte sie, das konnte er. Dann kam wieder eine Flüssigkeit:

„Das brennt jetzt ein bisschen.“ Ein bisschen? Herrjeh, das brennt wie Feuer!

„So, und nun kleben wir Ihr Gesicht ab. Lassen Sie doch mal das Auge auf, schauen Sie einfach ins Licht.“ „Geht nicht, das brennt so.“ Schnauben seinerseits, er klebt mein Gesicht ab, ich fühle mich ausgeliefert. Ein Gefühl, das ich so gar nicht ab kann! Verschwommen sah ich seine Handbewegung hin zur Assistentin, gib mal … und aus war. Die Panik stieg, ich konnte nichts tun, sah immer wieder das Skalpell vor mir, das gleich in mein Auge schneiden sollte (Der andalusische Hund). Verkrampfung totale. Wenigstens das sah der Doc.

„Was ist denn mit Ihnen?“ „Ich krieg manchmal Panikattacken und das ist jetzt eine.“ „Aber davon haben Sie beim Vorgespräch nichts gesagt (Vorwurf in der Stimme- wie ich auch das verabscheue!).“ „Nein, habe ich nicht, weil ich noch nie eine Panikattacke auf einem Doktorstuhl hatte, nicht beim Zahnarzt, noch beim Gynäkologen, noch … aber jetzt habe ich eine und wenn ich jetzt noch bitte zwei Minuten einfach nur atmen darf, dann geht das auch wieder.“ „So operiere ich Sie nicht!“ Dann eben nicht und gut, das ist ein Wort. Panikattacke? Die war gerade eben. Jetzt ist sie vorbei!

Ich werde von dem Klebeverband befreit, mir wird aus dem Stuhl geholfen, sehen kann ich ja nur noch einäugig, mir werden Jacke und Rucksack gereicht und nix wie raus! Der liebste Holzmann schaut erstaunt: „Wie jetzt, du kommst alleine und ohne so einen dicken Verband auf dem linken Auge?“ „Ja, ja, ich erzähle es dir gleich.“ Jetzt bloß weg hier! Ich kämpfte jetzt nicht mehr mit der Panik, sondern mit den Tränen und der verdammten Scham, die hier so fehl am Platze war, wie blühende Schneeglöckchen im Januar auf dem Berg. Der Liebste wäre nicht der Liebste, wenn er mich jetzt nicht in den Arm genommen hätte und ruhig geblieben wäre, den Rucksack übernahm und mich Halbblinde an seine große Hand genommen hätte. Wie ich ihn in solchen Momenten liebe! Trotz aller Scham, dem Loosergefühl und der totalen Erschöpfung nach solch einem Morgen, an dem mich (mal wieder) die Welle ritt und nicht ich sie …

Und jetzt? Jetzt muss ich nach Freiburg … Vollnarkose und Laser, ein Skalpell kommt mir nicht ans sehende Auge, sei der Blick auch noch so verschwommen! Das kann jetzt eine Weile dauern, egal, ich sehe ja noch was!

Ohne Punkt und Komma # 1

0050a 31.01.16 lampenfisch

Jetzt sind sie die weg die Worte um Wellen und Kämme und Tiefen um Lampionfische und dem ewigen Auf und Ab von Zuversicht und Trostlosigkeit aber ich erinnere mich noch dass ich mit sechzehn entschied sprechen reden ja was sprechen oder reden na egal auf jeden Fall das zu lernen ich entschied weiter dass ich dafür lesen muss viel und viel verschiedenes und ich las bis ich fett geworden war und mir die Wörter aus allen Körperöffnungen gleichzeitig quollen aber ohne Sinn und Punkt ein Wortesalat ein Babylon ein Schlamm der die Atemwege verstopfte die Augen blickten irr ich soll die Welle reiten das geht immer eine Weile gut obwohl ich keine Ahnung habe von Wellen und Ritt wichtig ist ja auch nur dass es eine Weile gut geht warum nicht länger weiß ich nicht und auch kein anderer aber wie sonst hätte ich je Freude an dem Lampionfisch in tiefster Schwärze finden sollen wenn ich immer nur die Wellen von oben im Strich gekämmt hätte so ein Fisch mit einer Lampe auf der Stirn heißt Zuversicht ja klar für mich für wen denn sonst und es könnte doch sein dass er mir die Wörter reiht Luftblase an Luftblase bis sie doch etwas zu sagen fänden was nicht schon so gesagt worden wäre und ohne langweilig zu sein eine Wortsymphonie ja okay es muss ja nicht gleich so groß sein aber Kammermusik ist mir echt zu piefig in diesem Zusammenhang ein Orchester sollte es schon sein vielleicht ein jazziges so eins wie Art Ensemble of Chicago oder Sun Ra die Lampionfische senden die Noten an die Oberfläche wo sie die Wale auffangen und in den Himmel singen damit ich nur noch zuhören und schreiben muss damit sich vierundvierzig Jahre Sprechunterricht einmal Gehör verschaffe oh du schöne Eitelkeit singt ein nichtgeladener Chor im Hintergrund nein kein Engelschor weil ich den nicht hören will nicht jetzt und weil er auch nicht zu mir passt wie so viele Wörterreihen auch nicht deren Ketten ich zerreiße so baue ich Fett ab und mag mich dann ein kleines bisschen lieber ich will auch gar nicht so tun als hätte ich mehr als vierundvierzig Wörter gelernt oder dass ich mich bei den Griechen auskennen würde als hätte ich je Leda getroffen oder als wäre ich schon einmal ein Schwan gewesen oder geworden ach du lieber Schwan als wären Schwäne partout lieb und ich hätte mal wieder den Witz nicht verstanden ich bleibe beim Lampionfisch weil er mir mein Dunkel erhellt weil es eben immer nur eine Welle gut geht und ich das Meer nicht lesen gelernt habe nur die Wörter von denen aber nur manche wirklich beredt sind ich Zuversicht nur beim Schein der Laterne finde wo Zwietracht und Widersacher gerade mal nicht vorkommen nicht wie in all den Romanen und Krimis von der Realität ganz zu schweigen und ganz schlimm geht es mir immer wenn ich Krimis lese die irgendwo in Afrika spielen ob nun mit afroamerikanischen oder nur afrikanischen Augen gesehen und weitererzählt da gibt es keine Sühne die groß genug wäre und wenn ich Afrika schreibe dann ist das eins aber es ist auch das ganze Amerika und die Arktis und Asien es sind die weißen Männer und Männer und Männer und Frauen deren Sühne niemals groß genug sein kann und meine Scham kennt an manchen Tagen nur einen Lampionfisch der dort ist wo das Meer keine Wellen mehr kennt außer der Tiefe Punkt

Anmerkung

Den Lampionfisch fand ich bei dawanda.com – herzlichen Dank