Etüde 003a 2019

Miniatur 003 2019

Winterreifen, Winterreifen, Winterreifen,

eifersüchtig, eifersüchtig,

stolpern –

über einen Satz, einen Gedanken,

über einen s-pitzen S-tein,

in eine für andere gegrabene Grube hinein.

Plumps.

Liebeskummer lohnt sich nicht.

Eifersucht ist nicht gleich Eifersucht

und Winterreifen braucht es ab Oktober.

38 Wörter


geschrieben für das abc Etüden Projekt von Christiane, mit drei Wörtern, die dieses Mal Petra Schuseil gespendet hat → https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/02/03/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-06-07-19-wortspende-von-petra-schuseil/comment-page-1/

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Etüde 002 2019

Die zweite Etüdenrunde in diesem noch neuem Jahr.   Christiane hat uns wieder eingeladen. Von ihr ist auch diese schöne Einladungskarte, die Wörter hat Myriade vorgeschlagen.

Herzlichen Dank und liebe Grüße an euch beide!


Miniatur 002 2019

Sie stocherte in ihrer Salatschüssel herum. Noch immer war Essen allein an manchen Tagen mehr Pflicht als Lust. Mahlzeit kommt von „vermählen“, hatte einst ein Lehrer gesagt. Die Vermählung war lang her und hatte nicht getragen. Stachelige Erinnerungen, seidig gebliebene Haut. Der Rucksack war schon leichter geworden. Man muss nicht alles übernehmen, nicht alles bewahren, man darf Ballast abwerfen und Ballaststoffe essen. Für eine gute Verdauung. Appetit kommt beim Essen. Lust beim Streichen über seidige Haut.

76 Wörter

Etüde eins/b Dezember 2018

 

Tatsächlich gibt es noch eine dritte Etüde in dieser Etüdenrunde, einem Projekt von Christiane. Die Wörter hat Elke Speidel gestiftet, herzlichen Dank dafür, sie waren sehr inspirierend, noch nie schrieb ich drei Etüden mit immer den selben Wörtern!

 

Miniatur 013 2018

Die alte Linde im Hof ist zum Winterbaum geworden. Ein Herbststurm blies über das Land. Nasskaltes Gummistiefelwetter im Dezember, kein Schnee. Ich trauere den vergangenen Schwarzwaldwintern nicht nach, bin weder Bergziege, noch Schneehase. Apropos Hase, was macht der eigentlich im Winter? Der Enkel und ich kommen ins Grübeln. Fachliteratur muss her. Aha. Ach so. Jetzt wissen wir das auch. „Sasse“* ist ein gutes Wort. Die Tage schummern von hell- bis dunkelgrau. Nebelschwaden von fein bis dampfdick ziehen über den Berg. Ich lausche dem Konzert der Regentropfen, ihrem Trommeln, ihrem Rauschigem. In einer solchen Nacht ruft noch nicht einmal das Käuzchen.

100 Wörter


* https://de.wikipedia.org/wiki/Feldhase

Etüde eins im Dezember

Am letzten Sonntag hat Christiane zur Dezember-Etüden-Runde geladen. Herzlichen Dank an Christiane und an die Wortspenderin Elke Speidel. Diese drei Wörter haben mich nun schon zu drei Etüden inspiriert, ob ich sie alle veröffentliche weiß ich aber noch nicht, vielleicht gehört die erste noch in die Kategorie der Fingerübungen.

Auch dieses Mal werde ich kaum die 300 Wörter erreichen, es zeigt sich, dass mir die Miniaturen doch sehr ans Herz gewachsen sind oder soll ich lieber sagen: an die Feder?!

Miniatur 012 2018

Gehen

Nebelfelder trennen die klare Sicht in Zwei. Nasskalte Tropfen fallen mit den letzten Blättern. Erde schmatzt, Schritt für Schritt. Melancholie wallt mit den Nebeln vom Tal über die Berge. Gefühle wie Wetter, sie wechseln. Bist du glücklich? In der Nässe glänzen die Steine auf dem Weg so schön. Trauerweiden wachsen prächtig an Berlins Kanälen. Drei Pappeln im kleinen Tal erzählen von Kindheit, von Geburtsbäumen und vergrabenen Plazenten. Wir hatten dem Sohn eine Linde gepflanzt. Umbaumaßnahmen. Bedauern – ja, nachtrauern – nein, Vergangenheit. Winterbaum hütet seine Knospen.

84 Wörter

 

Etüde zwei im November 2018

Auf dem Bild kannst du die Wörter sehen, die es dieses Mal gilt in einen Text einzubauen. Zugegeben, dieses Mal purzelt der Text nicht einfach so aus mir heraus, ich hänge an dem Begriff „sündig“ fest, dann hänge ich eben die Miniatur daran auf!

Danke an Christiane für die Einladung und die wunderbare Gestaltung des Etüdenbildes, sowie an Yvonne für die Wortspende.



Miniatur 011 2018 – in drei Phasen

1.

Sündig ward das Weib geboren – erbsündig.

Was für ein Schmarrn!

Auch Gedanken werden gepflanzt. In Köpfe hinein. Wenn Spreu und Weizen voneinander getrennt sind, kann man sie verrücken. Die Gedanken – wie Stühle in der Stube.

Vor dem Fenster verstreut sich der Raureif auf Blüten und Blätter.

2.

Sündenböcke – woher, wieso, warum sind Böcke sündig? Weil Böcke per se mies sind? Geil, sabbernd, zeugend, stinkend, bockend, mö-öh-öh?*

Und der Teufel,

der hat Hörner

und die trägt er auf dem Kopf –

Und Mackie Messer hat ein Messer

doch das Messer sieht man nicht.

Zeilen verrücken, Gedanken verrücken, Stühle rücken. Schwarzes Schaf, braunes Schaf, Bocksfuß. Der Raureif nimmt den gefallenen Blättern das Rascheln.

3.

Absichtlich und mit Freude oder gar mit Lust gedachte sündige Gedanken, so hat einst der Priester gesagt, sind Todsünden.

T O D Sünden – da hilft keine Beichte. Unverzeihbar. Unvergebbar. Es helfen keine eine Millionen Ave-Marias und kein Rutschen mit nackten Knien auf mit Raureif bezogener Erde. Hölle, Hölle, Fegefeuer. Aus. Bumms. Ende. Schmoren muss das sündige Menschenkind.

Im Himmel verrücken Petrus, Thor und Zeus ihre Stühle. Es blitzt, es donnert, es grollt.

194 Wörter


Im Netz fand ich Folgendes zu Bock und Teufel:

Wenn nun gleichwohl der Bock, das üppigste und unzüchtigste Thier, vorzugsweise in die Teufelsgestalt übergeht und der Teufel der Unzucht als einer der vornehmsten gilt, so ist damit doch nicht eine gesunde Vermehrung der Leiber, wie beim Vieh, sondern nur ein Mord der Seele durch das Laster des Leibes gemeint. Der Teufel bedient sich nur der im Menschen selbst liegenden groben Sinnentriebe, um seine Seele zu verderben. Schon die heilige Schrift nennt ihn „das Thier“. Das Thierische im Menschen wurde in dieser Beziehung von den Alten hauptsächlich in den bocksfüssigen Satyrn personificirt. Piper, christl. Myth. I. 404f., hat daher nicht Unrecht, wenn er die Bocksgestalt des christlichen Teufels auf jene alte Satyrgestalt zurückführt. Eben so oft wie die Form des Bocks kommt die des Schweins vor für das Teuflische, was in der Sinnlichkeit liegt. – Die Lust am Tode dagegen, die innerste Wonne des Teufels, wird personificirt in dem aasliebenden Raben, dem Galgenvogel.

Quelle: https://de.wikisource.org/wiki/Christliche_Symbolik/Teufel


Seit September im Kino zu sehen:

Will, muss ich sehen!

Etüde eins im November 2018

Christiane hat zu einer neuen Etüdenrunde eingeladen, die Wortspende stammt dieses Mal von Wortgerinnsel. Ich danke für die feine Gestaltung der Einladung und die drei Wörter:

Knirps – grotesk – notieren

 

Dieses Mal ist es eine Miniatur (010 2018) mit 82 Wörtern und einem Bild geworden.

Eijeijei, was für ein Knirps! Seine braune Augen leuchten, den Schalk hineingeschrieben, stiftet er so manchen Unfug an. Er mag nicht immer hören. Kann ich es ihm nachsehen oder muss ich es notieren? Die Unschuld der Knirpse, die Grenzen der Welt, da wird es hier und da grotesk.

Große Menschen ziehen und zerren an ihnen, sie fühlen sich im Recht. Sie nennen es Erziehung, ich Gewalt. Gewalt hat viele Gesichter. Gewalt ist keine Antwort auf den Unfug der Knirpse. Knirpse sind unschuldig.

Etüde Nummer zwei im Oktober 2018

Wieder hat Christiane zu einer Etüdenrunde eingeladen, dort findet ihr auch die Teilnahmebedingungen.

Die Wörter Pfründe, mondän und lassen hat dieses Mal Bernd von redskiesoverparadise gestiftet. Mein herzlicher Dank an euch beide.

 

 

Man muss seine Pfründe sichern! ICH investiere ja schon länger in Kunst. Schauen Sie einmal … s o w a s kann man sich doch nicht ins Wohnzimmer hängen!“ Die Chice zeigt entrüstet auf ein rotes Bild. Eine Schere hat einen Frauenkörper durchtrennt. Angewidert schüttelt sie ihren Kopf. Ihr Begleiter bleibt stumm.

Er schaut einmal, schaut zweimal und zieht leise seinen Hut, dass sich jemand traut die Beschneidung von Frauen zum Thema zu machen.

Sie ist schon weitergezogen und steht ganz verzückt vor einem Mohnblumenbild: “Nun kommen Sie doch endlich! Das hier, das müssen Sie sehen … das ist Kunst! Das will ich haben, es passt ganz wunderbar zu meiner roten Ledercouch.“

Er nickt. Besser ist das. Nicken, wenig sagen, sie lassen, das gehört zu seinem Job. Nur noch heute, dann … dieses mondäne Leben, dieses geistlose Getue geht ihm auf die Nerven. Dann lieber Barkeeper als Diener und Gespiele, scheiß doch auf´s Geld! Pfründe … pffft.


155 Wörter

Miniatur 008 2018

Das Rad der Zeit –

und plötzlich erschien in allem Grün und Gold ein Rot

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Es riecht so gut. Nach Herbst, nach Zwiebeln, nach Kartoffeln und Knobi, nach Feuer im Ofen und vor der Tür. Nach satten Bienen, reicher Ernte. Eichhörnchen springen in die höchsten Äste. Restliche Walnüsse und Eicheln zu ernten. Dorthin hat noch kein Wind gereicht. Noch kein Sturm. Nur Winde. Es riecht so gut. In der Stube und im Hof. Nach Laub und nach Ernte, nach verblassenden Farben, nach Fruchtbarkeit fürs nächste Jahr. Die Kräfte neigen sich der Erde zu. Ruhe. Frieden. Advent. Kein Kreuz. Nur Wiedergeburt. Jahr für Jahr. Bald.

Es riecht so gut.