Bahndammkellerkind

Eine Collage aus Miniaturen, Texten und Neuem

Neubau 1955, ein Eckhaus, vier Stockwerke hoch, schmale Balkone, darüber ein Speicher für die Wäsche, ein Keller für Kartoffeln und Eingemachtes, Fahrräder, Schlitten und was man sonst noch im Keller aufbewahrte. Für uns Kinder war der Keller Spielraum und Begegnungsstätte, Abenteuer und Bastelstube, Reparaturwerkstatt und für mich der Ort für den ersten heimlich peinlichen Kuss.

Aber auch der Ort meiner Angst, die ich versuchte wegzupfeifen, wenn ich mich alleine wähnte. Ein schiefes Lied gegen das laute Pochen in meiner Brust. Dort, allein im Keller mit seinen vielen Winkeln und Verschlägen, seinen Kartoffeln, dem Eingemachten und Ausrangiertem, um etwas zu holen, das Mutter brauchte. Im Keller wohnte auch der Buhmann. Ein finsterer Geselle mit Kohlenstaub an Händen und im Gesicht, der auf die unartigen Kinder wartete. Er erwischte mich nie. Buhmänner mögen keine schief gepfiffenen Lieder.

Ein Eckhaus, drei Häuser zur linken Seite, drei Häuser zur rechten Seite, nahtlose Übergänge, dann Lücken. Neubauten in den 1960er Jahren kamen linkerhand dazu, die rechte Häuserreihe endete in einer Nische, an einer Brandmauer. Von der Straße aus ging es weiter. Zweistöckige Backsteinhäuser, vom Krieg unversehrt geblieben, in dem einen ein Blumenladen im Parterre, im anderen das Kino, dann nichts mehr. Erst nach ein paar Metern, das Büdchen, die Straßenbahnendhaltestelle, dahinter der kleine Bahnhof für die S-Bahn nach Essen oder Düsseldorf Hauptbahnhof.

Der Bahndamm daneben, er lief zu den Schrebergärten und weiter, immer weiter bis Essen oder bis der Weg für uns Kinder endete. Ein weiterer Spielraum meiner Kindheit. Züge fuhren selten. Gleise zum balancieren oder für die Ohren. Stilles Lauschen, bis leichte Vibrationen den herannahenden Zug ankündigten, Zeit aufzuspringen und sich in Sicherheit zu bringen.

Unregelmäßigkeiten im Dammbau durch Regen und Wind, sowie der eine und andere Strauch boten Verstecke, waren Kulisse für Räuber- und Gendarm-, für Cowboy- und Indianerspiele. Das waren die harmlosen Spiele. Heftig wurde es während der Karnevalstage, wenn die großen Jungs Ernst machten. Bis aufs Blut. Nur einmal war ich dabei, dann nie wieder. Mein großer Freund Toni hatte mich gerettet.

Doch zurück zum Eckhaus, dritter Stock, die mittlere Wohnung, die, die um die Ecke ging, mit dem langen Flur. Schräg gegenüber der Wohnungstür das Wohnzimmer mit Gummibaum und Ecksofa, Sesseln, Rauchtischchen, goldenem Aschenbecher zum runter drücken und der immer gefüllten goldenen Zigarettendose. Astor rauchte der Vater, Astor rauchte der Onkel. Ein Wohnzimmerschrank mit Sammeltassen, Wurzelholztüren und versteckter Bar, dem Silberbesteck und dem guten Geschirr für besondere Gelegenheiten. Es ging also schon besser.

1956, als ich geboren wurde, war der Krieg elf Jahre vorbei, die Hungerjahre noch nicht ganz so lang, der Aufschwung war in voller Fahrt.

In der Mitte der Hausreihen ein großer Spielplatz mit Plattenwegen, Bonsaihügeln mit Wiese, einem Schotterplatz, zwei Toren, einem Sandkasten, einem Klettergerüst und drei Schaukeln für fünfzig Kinder in allen Größen. Dort wuchs ich heran.

Wir spielten Murmelspiele, Hinkekästchen, wilde Jagden, Fuß-, Brenn- und Völkerball, Ochsenberger-eins-zwei-drei, Mutter-Mutter-wie-weit-darf-ich-reisen, Vater-Mutter-Kind.

Viele Mütter, viele Väter, viele Kinder, ehrliches Brot, gesunder Stolz und am Samstag großes Reinemachen. Der Sonntag- und der Satansbraten, Montagnudeln, Dienstageinerlei, Mittwochstampfkartoffeln-mit-Sauerkraut-und-Bratwurst, Donnerstagreste, Freitagfische, Samstageintopf, Woche für Woche, Jahr für Jahr, Rhythmus, Fleiß und Wiederaufbauschweiß. Keiner hat nie etwas gewusst und jetzt war es ja vorbei. Als gäbe es eine Endgültigkeit, ein Ab-ins-Meer-und-weg-damit. Als gäbe es Teppiche fürs Drunterkehren, als wäre Schweigen stumm. Als hätten sie sich neu erschaffen können, den Göttern gleich. Als hätten sie das Ende und das Wie in ihren Händen gehalten.

In der Erinnerung spielt Kindheit mit nackten Beinen. Nackte Beine hüpfen in Hinkekästchen, schießen Bälle ins Tor, drehen Pirouetten auf Rollschuhen, tanzen Gummitwist, springen Seil. Nackte Arme lassen rote Bälle fliegen, hin und her. Hätte es nicht auch die roten St.-Martins-Äpfel gegeben, den vollen Schuh am Nikolausmorgen und die Kerzen am Weihnachtsabend, wären die Beine wohl immer nackt geblieben. Schmelzende Eiskugeln würden stetig auf Sonntagskleider tropfen und Deckenhöhlen auf Baumschatten stehen. Immer würde die Amsel singen, die Spatzen tschilpen, die Knie zerschunden sein. Eine Sommerkindheit.
Unbeschwert, unverdorben, unschuldig. Kindheit erkundete fremdes Land. Ferienzeit. Nackte Füße im Bergbach, Kieselsteine ertastend. Das Mädchen war Suleika, ein Jahr später Tom Sawyer, die Freundin Huckleberry Finn, im katholischen Mädchen-Ferienlagertheater im Allgäu.

Vanillepudding mit gezuckerten Johannisbeeren auf seinem Grund war die Mahlzeit im Freibad. Haare und Röcke wehten im kühlenden Wind auf rotem Fahrrad, auf dem Weg dorthin. Goldgelbe Getreidefelder standen am Rand, von Kamille, Kornblume und Klatschmohn weiß-rot-blau getüpfelt.
Unbeschwert. Unverdorben. Unschuldig. Viele Albernheiten, viel Lachen, Tränen auch. Eben. Nicht immer war Sonnenschein, nicht immer Sommer und schon gar nicht immer Ferienzeit. Anderes schob sich darunter.

Erinnerungen liegen nicht chronologisch in den Fächern. Am Anfang jedoch zogen weiße Wolken über Azur, Schwalben im Geleit. Lagerfeuer am Abend. Lauter Gesang, leises Gebet. Schwimmen im Fluss, im See, durch den Teich, das Becken, den Kanal. Zuerst waren viele Freunde und Freundinnen, gemeinsame Abenteuer, Streiche und Spiele.

Das Andere legte sich darunter. Leicht, leichter am leichtesten bildeten die Spitze, schwer, schwerer, am schwersten den Grund.

An den Sonnenscheintagen meiner Kindheit sammelte ich weiße Kieselsteinchen am Rhein, während Ausflugsdampfer tuteten und Wellen für die Wassertänzerinnen hinterließen. Menschen winkten und lachten. Blaue Libellen schwebten über Mondfalterbach. Schmetterlingsleichte Gedanken ließen sich nicht fangen. Kirschen prall und süß, bunte Blumenwiesen zu Kränzen geflochten.

Erinnerungen werden durch Gerüche geweckt. Ich denke an die zwei Eisdielen mit den zwei Düften. An die kleine, mit der uraltfaltigen Frau, sie roch nach kühler Milch mit Vanille. Die großdunkelschummerige nach Wärme, Vanille, Erdbeer und Zitrone. Eine dritte, die kam, als die Uraltfaltenmilchfrau gegangen war, roch modern – nach Plastikstühlen. Dort ging ich selten hinein.
Eine Kugel Eis ein Groschen, eine Straßenbahnfahrt fünf Pfennig, eine Karussellfahrt zwanzig oder fünfzig. Manches erinnert sich schlechter als anderes.
In den Gärten meiner Kindheit gab es Kartoffel- und Gemüsebeete, Erdbeeren, Hühner- und Kaninchenställe, lebten Tauben auf dem Dach des Gartenschuppens, flogen Mai- und Kartoffelkäfer, aber Sonnenschirme oder Hollywoodschaukeln standen dort nicht. Die waren den Reichen vorbehalten, wie die dicken Teppiche und Kricketrasen. Bei den Reichen wurden andere Spiele gespielt. Leisere. Gezähmtere. Nicht wirklich lustigere. Manchmal wurde ich eingeladen, von Unwohlsein begleitet. Dort gehörte ich nicht hin. Fremdsein.

Die Erinnerung beginnt mit dem Duft von Vanillezucker in kalter Milch. Sie wandert weiter zu den Deckenburgen, zu eisgekühlten Hagebuttentees mit Zitrone und Zucker, hin zum Klingeln des Eismanns, dem Lumpensammler mit seiner Flöte und dem Einmannorchester an der Ecke der kleinen Stadt. Zitroneneis und Wasser, Butterbrote mit Salz, Lakritzschnecken und Salmiakpastillen, zwei Kirschlutscher für einen Pfennig, ein Colalutscher für fünf. Aber kaum Berge, kein Meer, viel Wiese, kaum Mutter, viel Freundin und Freund. Viel Tante, Cousinen und Cousins, viel Lachen und immer Schmerz und Tränen, wenn es Nachhause ging.
Dasselbe Stampfen der Dampflokomotive begleitete abwechselnd das Leichteste und Schwerste. Hinein in die Ferienzeit, hinaus. Hinein. Hinaus. Hinein. Hinaus. Hinein. Hinaus.
Im Hinaus wohnten andere Freundinnen, andere Freunde. Im Hinein verschwanden Tom und Huck wieder hinter den Buchdeckeln, gesellten sich zu Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer, zu Inga, Lisa, Britta, Kerstin, Lasse, Bosse und Ole, zu den fünf Freunden und den sieben Fragezeichen, zu Trotzkopf und zu Hanni und Nanni ins Internat.

Ich frage nicht nach den Häusern, ob sie noch stehen oder nicht, ob sie neue Farben bekamen oder nicht. In meiner Erinnerung stehen sie unverwittert, vierstöckig mit grauer Fassade und ich werfe wieder rote Bälle an ihre Wände.

Wenn ich an Maiglöckchen rieche, habe ich wieder Geburtstag in Tantes Garten, violetter Fliederduft gesellt sich hinzu. Gärten und Häuser, die verschwanden oder auch nicht, sie alle hatten einen Keller, ihre Wände erkannten mich an meinem Pfeifen. Kartoffeln, Eingemachtes, Schlitten und Fahrräder überall, in manchen auch Kohlen und Feuersalamander, aber es gab nur einen für den ersten peinlich heimlichen Kuss.

Meine Generation lernte die Not aus den erzählten Geschichten, weit weg von uns und den immer voller werdenden Geschäften. Seelennot, die lernten wir auch, aber Hunger gab es nicht, wenn uns auch nicht alles schmeckte und das Brot, vor der Brust geschnitten, mit einem Segenskreuz verziert, täglich und selbstverständlich auf dem Esstisch lag. Unser Hunger hieß nicht Brot. Er hieß Leben, Liebe, Lust, Leidenschaft und Wahrheit. Abenteuer winkten überall, nur nicht in den Wohnzimmern voller Gummibäumen und anderem Gewächs. Nackte Füße steckten in Sandalen, ob es sich geziemte oder nicht. Röcke verloren ihre langen Säume, Wind fuhr durch offen getragene Haare, Bärte wuchsen, Kreuze mussten brennen.

Der Rhythmus des Rock’n Rolls lag schon bei meiner Geburt in der Luft, bewegte die Atmosphäre, veränderte Blickwinkel. Frauen zeigten ab den frühen 1960er Jahren Bein, Peter Kraus sang von Motorbienen, Rita Pavone: Wenn ich ein Junge wär. Andere sangen von Freiheit, Liebe und Frieden. Männer und Jungs posierten mit Schmalzlocke, Bluejeans und Lederjacke, auch wenn in meinem Zuhause zunächst noch das Ave Maria, deutsche Schlager, Heimatlieder und katholischer Kirchgang angesagt waren, sowie Röcke, die gleich über dem Knie zu enden hatten.

Mit Kindern und Jugendlichen wurde damals nicht viel geredet. Wir sollten glauben, nicht fragen. Wir sollten gehorchen, sonst nichts. Und ich war ein Mädchen, dann ein Fräulein (wie albern das doch klang und klingt!), dann eine junge Frau; ich hatte nichts über das Frausein gelernt, nichts was ich hätte gebrauchen können. Die Kittelschürze war nicht für mich.

Die Werte der Familie und der Kirche gehörten schnell nicht mehr zu mir, aber erst einmal sickerten sie ein. Sie rochen schlecht, sie schmeckten bitter. Ich fragte, ich rebellierte, ich las, ich verließ das Haus.

Niemand hatte mit mir je über Liebe, Lust und Leidenschaft gesprochen. Aber die Sünde und die sündigen Leiber waren in aller Munde, so, wie die Huren und die Gosse, das billige Flittchen, das Fegefeuer und die Hölle. Der erhobene Zeigefinger richtete sich gegen mich. Lange wollte ich ein Junge sein!

Das Kreuz war massiv. Das Kreuz hieß Frau, hieß Sünde, Todsünde, Erbsünde, Eva und der Apfel, hieß Schuld, hieß sündiger Leib. Und dann erwachten mein Körper und die Lust. Nur schon meinen nackten Körper im Spiegel zu betrachten war eine Todsünde, hieß Fegefeuer und ab dafür. Wenn ich Lust hatte, mich nackt im Spiegel zu betrachten, wenn ich Spaß daran hatte mich zu berühren, galt dasselbe. Sünde, Sünde, hundert Jahre in der Hölle schmoren. So hatten sie es mir beigebracht. Das war meine Geißelung.

Der liebe Gott, von mir auf die Probe gestellt, verlor mit den fortschreitenden Jahren immer öfter, der Heilige Geist war eine Enttäuschung.

Ich war verwirrt. Ich wollte das Reh sein, aber ich war ein rasender Stier im Schildkrötenkostüm.

Mutter und ich waren weitergezogen. Kein Bahndamm, keine fünfzig Kinder, kein Vater, kein Großvater und keine Großmutter mehr und der große Bruder schon längst in der weiten Welt unterwegs, da blieben nur noch Zwei. Schon länger hatten wir uns nichts mehr zu sagen, Mutter und ich.

Das Bahndammkellerkind wurde zur Straßengöre, aber die Straße kannte kein Pardon.

Ich verbrannte mich. Ich wurde das Flittchen. Später kamen andere, die es ernst mit mir meinten, ich erkannte sie nicht, aber ich nahm ihre Hände. Ich war nicht mehr allein und hatte mein kostbarstes Gut doch schon längst verloren.

Ich lief durch die Welt, klein, dick, dumm, hässlich, weder richtig, noch liebenswert. Wir hatten viel zu tun, die Freundinnen, ich und mein Schutzengel. Der war mir geblieben, wenn auch ohne Flügel.

Ich habe solange an Mimosen und Rosen gerochen, bis der Gestank verflogen war. Die bittere Galle habe ich ausgekotzt. Ich baute mir ein neues Haus und manchmal fand meine Stummheit einen Trost.

Lange nicht alles war zerbrochen, lange nicht alles war beschmutzt, in mir keimte ein Lotus. Die Leidenschaft nahm sich ihren Raum.

Dann brannten die Kreuze. Lichterloh.

für Margarete

Transformation 2

Mein zweiter Beitrag zu Jürgens Projekt

Die Transformation, die jede und jeder kennt, ist die eigene. Vom Kind zur/zum Jugendlichen, zum erwachsenen Sein, zum Altwerden bis hin zum Tod. Die, die ich einst gewesen bin, bin ich nicht mehr. Das, was ich einst mochte oder wollte hat sich verändert. Anteile von allem sind in mir verwurzelt, das Mädchen, die Jugendliche, die junge, die erwachsene Frau und nun die ältere Frau. Kann ich das Mädchen noch spüren, die Jugendliche, die junge Frau? Nicht in allen Facetten, in anderen schon. Ein Umstand, der mich bewegt.

Es gab einmal eine Passfotoreihe von mir, die genau dies festgehalten hat, aber leider gibt es sie nicht mehr. Fragmente davon verarbeitete ich in einer Collage mit dem Titel „It’s me“ – ja, ich zeigte sie hier schon einmal. Wenn du genau hinschaust, dann kannst du noch Passbilder von mir darauf finden. Es fehlt allerdings das Stadium von der erwachsenen zur älteren Frau. Hierzu habe ich schon lange eine weitere Collage geplant, noch liegt die Idee in der inneren Schublade.

Die Collage: von Bild 1 über 2 zum Ergebnis = Bild 3 – hier werden auch Vorlieben sichtbar, die ich in bestimmten Lebensabschnitten hatte und Bilder und Collagen, die ich einst gemalt/gestaltet habe.

-1-

-2-

-3-

draufklick = große Bilder – please click to enlarge



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Ping Pong 024

PING

GERDA AN ULLI → VOM GESAMTBILD IST NUR EIN KLEINER AUSSCHNITT SICHTBAR …

PONG

ULLI AN GERDA → … DEN REST HAT SIE ÜBERMALT UND ÜBERKLEBT

Zugegeben, dieses Mal empfand ich Gerdas Ping als wirkliche Herausforderung, bis mir die Idee mit der Collage kam. Einziges Kriterium, das ich hatte war, dass keins meiner eingefügten Elemente in das Bild von Gerda eingreifen durfte und dann staunte ich, wie sich wieder einmal eins ins andere fügte und ergänzte …

Ich bin sehr auf eure Resonanz gespannt.

PING 025

ULLI AN GERDA → WASSER IST DAS BLUT DER ERDE, ES …

draufklick = große Bilder – please click to enlarge



WAS BISHER GESCHAH → https://cafeweltenall.wordpress.com/galerien/ping-pong/

DIE IDEE→ https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/02/05/ping-pong-001-2019/

Buchalov war hier

bye-bye – Auf-Wiedersehen

Zwei Tage können lang oder kurz sein. Zwei Tage können kurzweilig sein – eine kurzweilige, intensive Zeit. Eine Zeit des miteinander Vertrautseins, sogar nach drei Jahren und wenig davor, so, wie ich es hier geschrieben habe → https://cafeweltenall.wordpress.com/2018/06/16/buchalov-ist-hier/

Im Austausch, im Geplauder und Gespräch finden sich Punkte für die gemeinsame Arbeit, die dann wieder ganz andere Wege geht als gedacht. Ich habe in diesen zwei Tagen immer wieder über den Begriff, und die damit verbundene Haltung, des Sich-Freilassens nachgedacht,  habe ihr nachgespürt und Raum gegeben.

Man sagt so einfach: „Fühl dich frei“ … Worte sind noch keine Haltung, Worte können Wegweiser sein. Schön, wenn zwei Menschen ihnen einfach folgen, ohne sie zuvor gelesen zu haben.

Soweit erst einmal. Alles andere lasse ich jetzt erst einmal sacken. Hier die gemeinsamen Bilder von Buchalov aka Jürgen Küster und mir.

Auf einer gemeinsamen Grundierung von Samstag –

Dito …

aber „eigentlich“ verworfen, dann umgedreht: auf die Perspektive kommt es an. Dann der zweite Schritt …

ein dritter und vierter –

Bei den folgenden Arbeiten benutzten wir als Hintergrundmaterial Bilder der Künstlergemeinschaft „MachArt“ aus Brüggen, die sie Jürgen mit den Worten mitgegeben haben: mach unterwegs was draus – wir machten…

Eins, zwei,

eins, zwei

und mehr.

Jetzt – Raum.



alle Bilder © Jürgen Küster, Ulli Gau und Künstlergruppe MachArt – mein Dank an die Gruppe MachArt und an dich, Jürgen, schön, dass du hier warst! Auf bald!

Collage

Dieses Szene entdeckte ich vor zwei Wochen auf einem meiner Morgengänge, eine Lebenscollage, rätselhaft und voller Geschichten…

Im Juli schrieb ich: „Mir erscheint das ganze Leben immer wieder als Collage, eine Zusammenwürfelung von Geschehen, Personen, Lebewesen, Dingen, Orten und Zeiten, ob zufällig oder nicht sei dahingestellt.“

Was mir die Collagen sind

(durch meinen Umzug sind die Bildermappen noch nicht wieder frei zugänglich, sodass ich auf diese Collage zurückgreife, die ich im letzten Jahr abfotografierte)

 – alle Bilder werden groß, wenn du sie anklickst, please click to enlarge the pictures –

Was „Wiki“ zu Collagen sagt:

Die Collage ist sowohl eine Technik der bildenden Kunst als auch ein in dieser Technik geschaffenes Kunstwerk. Herkömmlich wird ein neues Ganzes geschaffen, indem verschiedene Elemente auf eine Unterlage aufgeklebt werden, daher die Bezeichnung (von frz. coller, „kleben“). Collage gibt es auch jenseits der Grenzen der bildenden Kunst, nämlich als Musikvideos im Stile von Yes We Can oder in literarischen Collagen im Stil von Walter Kempowski oder in Text-Bild-Collagen von Herta Müller.

Der Begriff „Collage“ ist entlehnt aus dem Französischen, wo es eine Ableitung von dem Verb „coller“ (leimen, kleben) und vom Substantiv „colle“ (Leim) ist, das wiederum aus dem Griechischen stammt, „kόlla“.

Was „Wiki“ zu Fotomontage sagt:

Die Fotomontage ist eine spezielle Technik, basierend auf der Collage, die sich einer Vielzahl von fotografischen Materialien bedient, wie zum Beispiel Ausschnitten aus Zeitschriften oder selbst gefertigten Fotos. Durch das Zusammenfügen dieser entsteht eine neue Komposition und somit eine neue Aussage. Oftmals dient die Fotomontage der Satire. Der Begriff kommt aus dem Umfeld der industriellen Zivilisation und erinnert bewusst an Maschinenmontage und Turbinenmontage (Gustavs Klucis, 1932).

mehr siehe hier →

Soviel zu den offiziellen Definitionen. Nun komme ich zu meinen Gedanken zu Collagen und Fotomontagen.

(Diese Fotomontage machte ich im September 2012, sie ist ein Beispiel für eine Lebenscollage, denn ich habe nichts anderes getan, als den Tubatrichter einzufügen, alles andere fand ich genauso in einer kleinen, französischen Kleinstadt vor)

Mir erscheint das ganze Leben immer wieder als Collage, eine Zusammenwürfelung von Geschehen, Personen, Lebewesen, Dingen, Orten und Zeiten, ob zufällig oder nicht sei dahingestellt.

Im Feld der Erinnerungen liegt das Wenigste fein chronologisch in nebeneinander liegenden Gedächtnisschublädchen. Zeiten, Geschehen, Personen vermischen sich, legen sich über- und untereineinander, überlappen sich, ein gleichzeitiges Miteinander von an sich Getrenntem; ich nenne es Erinnerungslabyrinth oder Lebenscollage.

(meine noch unvollendete Lebenscollage, zusammengesetzt aus Collagen, gemalten Bildern, Fotos und Einzelheiten, die ich am PC ausschnitt und einfügte)

Collagen verbinden Getrenntes, verschwistern Unterschiedlichkeiten, stellen Dinge gegeneinander oder sich gegenüber. Es wird zerstückelt, um zu einem neuen Ganzen zu kommen, es entstehen Verbindungen, die es so erst einmal nicht gibt. Das Zauberwort ist VERBINDUNG von scheinbar Unverbindbarem, Unvereinbarem. Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr komme ich zu dem Schluss, dass mir Verbindungen und etwas miteinander zu verbinden immer schon ein großes Anliegen war und ist.

Ferner sind für mich Collagen/Fotomontagen Seelenabdrücke, Provokation und Spiegel der Welt in mir.

Wenn ich sage, dass mich Menschen interessieren, dann interessieren sie mich in ihren Unterschiedlichkeiten, ihren Eigenheiten und dem, was alle miteinander verbindet. Sie interessieren mich im Kontext der Geschichte, der Kunst und ihren Formen, Bildern, Büchern, Musik, in der Gestaltung ihres Lebens, der Symbole in der jeweils geltenden Zeit (auch wenn Zeit an sich ein sehr eigenes Phänomen ist, sich gestern, heute und morgen im Jetzt treffen und vielleicht gar nicht so unterschiedlich sind, wie man uns glauben macht -).

Mich interessieren Verhalten, die dahinter liegenden Gründe und Ursachen, mich interessieren Ausdruck, Beziehungen, Träume und Wege. Mich interessieren Sichtweisen, Perspektiven und deren Wechsel, mich interessieren Wandel und Verwandlungen und natürlich mutige Träume und Visionen, die durchs Leben tragen. All diese Erfahrungen, und Geschichten finden in meinen Collagen/Fotomontagen, neben meinen Geschichten, Momentaufnahmen, Miniaturen und kurzen Zeilen einen Raum. Ich mag es Bilder zu Texten zu kreieren oder in meinen Bilderarchiven zu finden und somit Texte mit Bildern zu verstärken. In diesem Sinne ist vieles, das ich hier veröffentliche eine Text- und Bildcollage, um bei den Definitionen zu bleiben.

(Diese Fotomontage entstand nach dem Kunstzwergenfestival 2012 auf dem Rinckenhof, hier geht es zu den damaligen Artikeln → https://cafeweltenall.wordpress.com/2012/08/09/kunstzwerge-oder-landart-3/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2012/08/06/back-home-again/ )

In den Collagen/Fotomontagen kann ich sichtbar machen, was sonst im eigenen Labyrinth der Gedanken und Gefühle keinen Raum findet, Sinneseindrücke und Geschehnisse verweben sich, werden sichtbar, was ansonsten unsichtbar geblieben wäre.

Die Collagen/Fotomontagen sind meine Verbindung zu meinen Seelenliedern, zu meinem Unterbewusstsein und so manches Mal kommt es zu der Erkenntnis, dass meine Bilder, in der Zeit ihrer Entstehung, mehr über mich und meine Bewegungen wissen als ich selbst.

(eine Zusammensetzung aus abfotografiertem Gefilztem und einer Fotografie als Untergrund)

Letztes Jahr begann ich noch kleine Zeichnungen von mir in ein Foto einzuarbeiten, es entstanden neue Verbindungen.

Mit den Collagen/Fotomontagen habe ich für mich über die Jahre ein Feld eröffnet, das unendlich  in seinen Möglichkeiten ist, mich darüber hinwegtröstet, dass ich nicht wirklich malen, und mich doch in Bildern ausdrücken kann, was mir immer ein Bedürfnis gewesen ist.



Diesen Artikel schrieb ich schon im letzten Jahr als Entwurf in mein Gedankenauffangbuch, nachdem ich die Ausstellung in Mannheim von Hannah Höch besucht hatte.

Dass er nun hier endlich erscheint hat seine Ursache darin, dass einige von euch dachten, dass das Foto im letzten Artikel eine Collage gewesen sei. Dieses Foto ist noch ein wunderbares Beispiel dafür, wie das Leben selbst seine Collagen während der Alletage gestaltet … Karfunkelfee schrieb dazu im Kommentarstrang:

Ja, gibt so magische Motive, Da stellt das Leben Dir einfach vor die Augen, was der Mensch ansonsten mühselig zusammen stellen müsste… frei Haus-Lieferung. Zur richtigen Zeit warst Du am richtigen Ort…
Collagen, das ist Wachstum, oder? Ein Bildsame, zu dem sich neue Fetzchen finden, solange bis das Auge die Collage sehen kann und das Herz in der Betrachtung satt werden kann. Manchmal sind meine Gedichte Collagen von Wortbildern, manchmal mal ich sie wie ein Bild und seltener wache ich auf mit einem fertigen Gedicht im Kopf und das ist so wie Deine aus dem besonderen Moment heraus entstandenes Bild. Es ist eine Zeitmaschine. Ist ja auch sogar eine Maschine mit drauf…

das Farbexperiment – colour experiment

draufklick = groß – please klick to enlarge

In dem  Artikel, die Farben einer Woche, stellte ich am Anfang des Monats die Frage, ob es sein könnte, dass einzelne Wochen spezielle Farben haben … ich machte eine kleine empirische Studie im Hintergrund, dabei fand ich heraus, dass auch an bestimmten Tagen gewisse Farben dominierten …

In the article, the colours of a week, in the beginning of this month, I asked myself, if particular weeks got special colours … I did a little empirical observation in the background and I found that particular days got dominated by special colours …

0181 02.11.13 figürliches

 

das sind die Farben meines heutigen Tages, ohne zu wissen was eure sind …

this are my colours of today, without knowing what will be yours …