Scherenschnitte 006 und 007

Scherenschnitte oder Schnipselbilder oder einfach Collagen aus einem zerschnibbeltem Aquarell und Fotografien –

-006-

Wenn der Morgenvogel die Sonne bringt und sich Blauwal und Rotwal Wal treffen

-007-

Herbstliche Abendstimmung

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Buchalov war hier

bye-bye – Auf-Wiedersehen

Zwei Tage können lang oder kurz sein. Zwei Tage können kurzweilig sein – eine kurzweilige, intensive Zeit. Eine Zeit des miteinander Vertrautseins, sogar nach drei Jahren und wenig davor, so, wie ich es hier geschrieben habe → https://cafeweltenall.wordpress.com/2018/06/16/buchalov-ist-hier/

Im Austausch, im Geplauder und Gespräch finden sich Punkte für die gemeinsame Arbeit, die dann wieder ganz andere Wege geht als gedacht. Ich habe in diesen zwei Tagen immer wieder über den Begriff, und die damit verbundene Haltung, des Sich-Freilassens nachgedacht,  habe ihr nachgespürt und Raum gegeben.

Man sagt so einfach: „Fühl dich frei“ … Worte sind noch keine Haltung, Worte können Wegweiser sein. Schön, wenn zwei Menschen ihnen einfach folgen, ohne sie zuvor gelesen zu haben.

Soweit erst einmal. Alles andere lasse ich jetzt erst einmal sacken. Hier die gemeinsamen Bilder von Buchalov aka Jürgen Küster und mir.

Auf einer gemeinsamen Grundierung von Samstag –

Dito …

aber „eigentlich“ verworfen, dann umgedreht: auf die Perspektive kommt es an. Dann der zweite Schritt …

ein dritter und vierter –

Bei den folgenden Arbeiten benutzten wir als Hintergrundmaterial Bilder der Künstlergemeinschaft „MachArt“ aus Brüggen, die sie Jürgen mit den Worten mitgegeben haben: mach unterwegs was draus – wir machten…

Eins, zwei,

eins, zwei

und mehr.

Jetzt – Raum.



alle Bilder © Jürgen Küster, Ulli Gau und Künstlergruppe MachArt – mein Dank an die Gruppe MachArt und an dich, Jürgen, schön, dass du hier warst! Auf bald!

Collage

Dieses Szene entdeckte ich vor zwei Wochen auf einem meiner Morgengänge, eine Lebenscollage, rätselhaft und voller Geschichten…

Im Juli schrieb ich: „Mir erscheint das ganze Leben immer wieder als Collage, eine Zusammenwürfelung von Geschehen, Personen, Lebewesen, Dingen, Orten und Zeiten, ob zufällig oder nicht sei dahingestellt.“

Was mir die Collagen sind

(durch meinen Umzug sind die Bildermappen noch nicht wieder frei zugänglich, sodass ich auf diese Collage zurückgreife, die ich im letzten Jahr abfotografierte)

 – alle Bilder werden groß, wenn du sie anklickst, please click to enlarge the pictures –

Was „Wiki“ zu Collagen sagt:

Die Collage ist sowohl eine Technik der bildenden Kunst als auch ein in dieser Technik geschaffenes Kunstwerk. Herkömmlich wird ein neues Ganzes geschaffen, indem verschiedene Elemente auf eine Unterlage aufgeklebt werden, daher die Bezeichnung (von frz. coller, „kleben“). Collage gibt es auch jenseits der Grenzen der bildenden Kunst, nämlich als Musikvideos im Stile von Yes We Can oder in literarischen Collagen im Stil von Walter Kempowski oder in Text-Bild-Collagen von Herta Müller.

Der Begriff „Collage“ ist entlehnt aus dem Französischen, wo es eine Ableitung von dem Verb „coller“ (leimen, kleben) und vom Substantiv „colle“ (Leim) ist, das wiederum aus dem Griechischen stammt, „kόlla“.

Was „Wiki“ zu Fotomontage sagt:

Die Fotomontage ist eine spezielle Technik, basierend auf der Collage, die sich einer Vielzahl von fotografischen Materialien bedient, wie zum Beispiel Ausschnitten aus Zeitschriften oder selbst gefertigten Fotos. Durch das Zusammenfügen dieser entsteht eine neue Komposition und somit eine neue Aussage. Oftmals dient die Fotomontage der Satire. Der Begriff kommt aus dem Umfeld der industriellen Zivilisation und erinnert bewusst an Maschinenmontage und Turbinenmontage (Gustavs Klucis, 1932).

mehr siehe hier →

Soviel zu den offiziellen Definitionen. Nun komme ich zu meinen Gedanken zu Collagen und Fotomontagen.

(Diese Fotomontage machte ich im September 2012, sie ist ein Beispiel für eine Lebenscollage, denn ich habe nichts anderes getan, als den Tubatrichter einzufügen, alles andere fand ich genauso in einer kleinen, französischen Kleinstadt vor)

Mir erscheint das ganze Leben immer wieder als Collage, eine Zusammenwürfelung von Geschehen, Personen, Lebewesen, Dingen, Orten und Zeiten, ob zufällig oder nicht sei dahingestellt.

Im Feld der Erinnerungen liegt das Wenigste fein chronologisch in nebeneinander liegenden Gedächtnisschublädchen. Zeiten, Geschehen, Personen vermischen sich, legen sich über- und untereineinander, überlappen sich, ein gleichzeitiges Miteinander von an sich Getrenntem; ich nenne es Erinnerungslabyrinth oder Lebenscollage.

(meine noch unvollendete Lebenscollage, zusammengesetzt aus Collagen, gemalten Bildern, Fotos und Einzelheiten, die ich am PC ausschnitt und einfügte)

Collagen verbinden Getrenntes, verschwistern Unterschiedlichkeiten, stellen Dinge gegeneinander oder sich gegenüber. Es wird zerstückelt, um zu einem neuen Ganzen zu kommen, es entstehen Verbindungen, die es so erst einmal nicht gibt. Das Zauberwort ist VERBINDUNG von scheinbar Unverbindbarem, Unvereinbarem. Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr komme ich zu dem Schluss, dass mir Verbindungen und etwas miteinander zu verbinden immer schon ein großes Anliegen war und ist.

Ferner sind für mich Collagen/Fotomontagen Seelenabdrücke, Provokation und Spiegel der Welt in mir.

Wenn ich sage, dass mich Menschen interessieren, dann interessieren sie mich in ihren Unterschiedlichkeiten, ihren Eigenheiten und dem, was alle miteinander verbindet. Sie interessieren mich im Kontext der Geschichte, der Kunst und ihren Formen, Bildern, Büchern, Musik, in der Gestaltung ihres Lebens, der Symbole in der jeweils geltenden Zeit (auch wenn Zeit an sich ein sehr eigenes Phänomen ist, sich gestern, heute und morgen im Jetzt treffen und vielleicht gar nicht so unterschiedlich sind, wie man uns glauben macht -).

Mich interessieren Verhalten, die dahinter liegenden Gründe und Ursachen, mich interessieren Ausdruck, Beziehungen, Träume und Wege. Mich interessieren Sichtweisen, Perspektiven und deren Wechsel, mich interessieren Wandel und Verwandlungen und natürlich mutige Träume und Visionen, die durchs Leben tragen. All diese Erfahrungen, und Geschichten finden in meinen Collagen/Fotomontagen, neben meinen Geschichten, Momentaufnahmen, Miniaturen und kurzen Zeilen einen Raum. Ich mag es Bilder zu Texten zu kreieren oder in meinen Bilderarchiven zu finden und somit Texte mit Bildern zu verstärken. In diesem Sinne ist vieles, das ich hier veröffentliche eine Text- und Bildcollage, um bei den Definitionen zu bleiben.

(Diese Fotomontage entstand nach dem Kunstzwergenfestival 2012 auf dem Rinckenhof, hier geht es zu den damaligen Artikeln → https://cafeweltenall.wordpress.com/2012/08/09/kunstzwerge-oder-landart-3/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2012/08/06/back-home-again/ )

In den Collagen/Fotomontagen kann ich sichtbar machen, was sonst im eigenen Labyrinth der Gedanken und Gefühle keinen Raum findet, Sinneseindrücke und Geschehnisse verweben sich, werden sichtbar, was ansonsten unsichtbar geblieben wäre.

Die Collagen/Fotomontagen sind meine Verbindung zu meinen Seelenliedern, zu meinem Unterbewusstsein und so manches Mal kommt es zu der Erkenntnis, dass meine Bilder, in der Zeit ihrer Entstehung, mehr über mich und meine Bewegungen wissen als ich selbst.

(eine Zusammensetzung aus abfotografiertem Gefilztem und einer Fotografie als Untergrund)

Letztes Jahr begann ich noch kleine Zeichnungen von mir in ein Foto einzuarbeiten, es entstanden neue Verbindungen.

Mit den Collagen/Fotomontagen habe ich für mich über die Jahre ein Feld eröffnet, das unendlich  in seinen Möglichkeiten ist, mich darüber hinwegtröstet, dass ich nicht wirklich malen, und mich doch in Bildern ausdrücken kann, was mir immer ein Bedürfnis gewesen ist.



Diesen Artikel schrieb ich schon im letzten Jahr als Entwurf in mein Gedankenauffangbuch, nachdem ich die Ausstellung in Mannheim von Hannah Höch besucht hatte.

Dass er nun hier endlich erscheint hat seine Ursache darin, dass einige von euch dachten, dass das Foto im letzten Artikel eine Collage gewesen sei. Dieses Foto ist noch ein wunderbares Beispiel dafür, wie das Leben selbst seine Collagen während der Alletage gestaltet … Karfunkelfee schrieb dazu im Kommentarstrang:

Ja, gibt so magische Motive, Da stellt das Leben Dir einfach vor die Augen, was der Mensch ansonsten mühselig zusammen stellen müsste… frei Haus-Lieferung. Zur richtigen Zeit warst Du am richtigen Ort…
Collagen, das ist Wachstum, oder? Ein Bildsame, zu dem sich neue Fetzchen finden, solange bis das Auge die Collage sehen kann und das Herz in der Betrachtung satt werden kann. Manchmal sind meine Gedichte Collagen von Wortbildern, manchmal mal ich sie wie ein Bild und seltener wache ich auf mit einem fertigen Gedicht im Kopf und das ist so wie Deine aus dem besonderen Moment heraus entstandenes Bild. Es ist eine Zeitmaschine. Ist ja auch sogar eine Maschine mit drauf…

das Farbexperiment – colour experiment

draufklick = groß – please klick to enlarge

In dem  Artikel, die Farben einer Woche, stellte ich am Anfang des Monats die Frage, ob es sein könnte, dass einzelne Wochen spezielle Farben haben … ich machte eine kleine empirische Studie im Hintergrund, dabei fand ich heraus, dass auch an bestimmten Tagen gewisse Farben dominierten …

In the article, the colours of a week, in the beginning of this month, I asked myself, if particular weeks got special colours … I did a little empirical observation in the background and I found that particular days got dominated by special colours …

0181 02.11.13 figürliches

 

das sind die Farben meines heutigen Tages, ohne zu wissen was eure sind …

this are my colours of today, without knowing what will be yours …

Loplops Geheimnis – Max Ernst und ich

max.

(der geflügelte Loplop wurde im August 1989 von Jürgen Pech in Saint Martin d`Ardéche fotografiert)

Laut den biografischen Eintragungen von Max Ernst selbst und Silvana Schmid, verließ Max Ernst 1938 Paris und die Surrealistengruppe, um zusammen mit Leonora Carrington ein Haus in Saint Martin d`Ardéche zu kaufen. Hier waren für ein paar Jahre die Liebe und die Kreativität daheim. Loplop und die Windbraut hatten sich gefunden.

Max Ernst – Die Windsbraut, 1927 at Pinakothek der Moderne Munich Germany

Wo immer Max Ernst in Frankreich wohnte, bemalte er die Innenwände seines Zuhauses, schmückte er die Fassaden mit seinen mystischen Gestalten, seinen geflügelten Wesen. In Saint Martin schrieb und malte auch Leonora Carrington, ihr hatten es die Schränke angetan, auf die sie „ihre“ Pferde malte …

leonora carrington

Silvana Schmid hat in dem Buch „Loplops Geheimnis“ eine Epoche in Max Ernsts und Leonora Carringtons Leben beschrieben, die bis dahin weitestgehend unbekannt, unbenannt geblieben ist. Eine Epoche, die durch die Grausamkeiten dieser Zeit ein schmerzliches Ende fand.

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„Sie“ hatten es wieder regnen lassen … die Deutschen waren in Frankreich einmarschiert und Max Ernst musste mehrmals in ein Internierungslager, war über Nacht zum Feind geworden. Leonora Carrington fiel bei seiner dritten Internierung in eine tiefe psychische Krise, verkaufte Hals über Kopf das gemeinsame Haus mit all seinem Interieur und floh über Spanien nach Portugal, nicht wissend was aus ihrem Geliebten geworden war. Genauso wenig wusste Max Ernst von dem Verbleib seiner Windsbraut und dem Verkauf des gemeinsamen Hauses. All das erfuhr er erst, als auch ihm die Flucht gelang und er sich bis Saint Martin durchgeschlagen hatte. In einer Nacht- und Nebelaktion stieg er in sein ehemaliges Haus ein, um aus dem Keller einige seiner Bilder zu „stehlen“, rollte sie zusammen und schlug sich, mit ihnen unter seinem Arm, bis Marseille durch, wo ihn Peggy Guggenheim unter ihre, nicht wirklich bequemen Flügel nahm. So gelang auch ihm, wie etwas früher oder später auch Leonora Carrington, die Flucht nach New York. Loplop und die Windbraut trafen sich wieder und doch fand hier ihre, im wahrsten Sinne des Wortes, „phantastische“ Liebe ihr Ende.

Aber hier endet das Buch von Silvana Schmid noch lange nicht. Sie hat wahre Detektivarbeit geleistet, um herauszufinden, was mit den Bildern, Skulpturen und Reliefs von Max Ernst und Leonora Carrington geschehen ist. Sie stieß auf einen zugeknöpften Hausbesitzer und es brauchte viel Recherche, um Licht ins Dunkle zu bringen. Gier, Schacherei, Getrickse und Betrügereien waren am Werk, die aber letztlich niemandem gedient haben, die am Ende alle als Verlierer dastehen ließen … Silvana Schmid zeigt einmal mehr, dass in der Kunst schmutzige Geschäfte genauso an der Tagesordnung sind, wie im ganz normalen Leben …

Und Loplop? Loplop, so er nicht gestorben ist, bröckelt er noch immer an der Hauswand in Saint Martin d`Ardéche. Loplop und die Windbraut … ein faszinierendes Paar, eine fesselnde Geschichte, spannend, wortreich und -gewandt von Silvana Schmid wiedergegeben.

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Spannend war auch die gestrige Ausstellung in Riehen in der Fondation Beyeler. Hier wird noch bis zum 08.09.2013 eine Retrospektive zum Werk von Max Ernst gezeigt.

Schon in ganz jungen Jahren entdeckte ich Max Ernst und bin seitdem eine große Verehrerin seiner Werke. Erst in diesem Frühling besuchte ich das Max Ernst Museum in Brühl.

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So zögerte ich erst „schon wieder“ eine Ausstellung von ihm zu besuchen. Aber wie wurde ich gestern überrascht! Hier hängen Bilder, die ich noch nie im Original gesehen habe und auch solche, die mir gänzlich unbekannt waren. Es war eine Freude durch die hellen Räume der Fondation Beyeler zu streifen, die Gemälde wirken zu lassen, mich immer wieder mit der Freundin auszutauschen, vor und zurück zu gehen, zu verweilen, zu studieren, zu lachen oder traurig zu werden, aber nie wurde ich ratlos, immer wieder bin ich neugierig, die Welten von Max Ernst zu durchstreifen, in seinen Landschaften spazierenzusehen.

Es ist, als ob ich immer wieder einen großen Bruder treffe. Auch ich bin in den Mondnächten Zuhause, werde begleitet von geflügelten Wesen, von Vögeln, Stieren und Gottheiten, deren Namen und Geschlecht ich nicht kenne und sie auch nicht kennen will.

Schwangerschaft, Aquarell 1979, Ulli Gau

Wenn ich die Dämonen von Max Ernst betrachte, erkenne ich meine wieder.  Seine Farben leuchten auch in mir.

Aquarell 1977 – Ulli Gau

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Max Ernst, Pyramid Lake, 1946, Sammlung Schamoni

Vielleicht hat ja jeder Mensch solch ein Künstlergeschwister, Einen oder Eine, die flüstert: Du bist nicht allein …
Aber wie es mit großen Brüdern und erheblich kleineren Schwestern ist, der Eine trägt noch seinen Ruhm im Tod, die Andere denkt: Was kümmert mich Ruhm, wenn es ums Brot geht …

Schon lange male ich nicht mehr, weil ich es schlichtweg nicht kann, ich habe die Fotografie, die Montagen und Collagen … die Freude, durch die erneute Beschäftigung mit Max Ernst, Künstlerinnen zu entdecken, die lange nicht so oft gezeigt werden, wie ihre männlichen Gefährten, egal ob es um Leonora Carrington oder um Dorothea Tanning, Max Ernsts vierte und letzte Ehefrau, geht … Die Frauen, die Kunst und das Kunstgeschäft ist noch einmal ein Thema für sich!

was mir gefällt, 20.08.2013 Ulli Gau
eine Collage aus Bildern von Mützenfalterin, Marcelo Leonard, Dieter Motzel, Alexandre Cabanel, Max Ernst und mir …

(please click to enlarge – bitte auf die Bilder klicken, dann werden sie groß)