Was mir die Collagen sind

(durch meinen Umzug sind die Bildermappen noch nicht wieder frei zugänglich, sodass ich auf diese Collage zurückgreife, die ich im letzten Jahr abfotografierte)

 – alle Bilder werden groß, wenn du sie anklickst, please click to enlarge the pictures –

Was „Wiki“ zu Collagen sagt:

Die Collage ist sowohl eine Technik der bildenden Kunst als auch ein in dieser Technik geschaffenes Kunstwerk. Herkömmlich wird ein neues Ganzes geschaffen, indem verschiedene Elemente auf eine Unterlage aufgeklebt werden, daher die Bezeichnung (von frz. coller, „kleben“). Collage gibt es auch jenseits der Grenzen der bildenden Kunst, nämlich als Musikvideos im Stile von Yes We Can oder in literarischen Collagen im Stil von Walter Kempowski oder in Text-Bild-Collagen von Herta Müller.

Der Begriff „Collage“ ist entlehnt aus dem Französischen, wo es eine Ableitung von dem Verb „coller“ (leimen, kleben) und vom Substantiv „colle“ (Leim) ist, das wiederum aus dem Griechischen stammt, „kόlla“.

Was „Wiki“ zu Fotomontage sagt:

Die Fotomontage ist eine spezielle Technik, basierend auf der Collage, die sich einer Vielzahl von fotografischen Materialien bedient, wie zum Beispiel Ausschnitten aus Zeitschriften oder selbst gefertigten Fotos. Durch das Zusammenfügen dieser entsteht eine neue Komposition und somit eine neue Aussage. Oftmals dient die Fotomontage der Satire. Der Begriff kommt aus dem Umfeld der industriellen Zivilisation und erinnert bewusst an Maschinenmontage und Turbinenmontage (Gustavs Klucis, 1932).

mehr siehe hier →

Soviel zu den offiziellen Definitionen. Nun komme ich zu meinen Gedanken zu Collagen und Fotomontagen.

(Diese Fotomontage machte ich im September 2012, sie ist ein Beispiel für eine Lebenscollage, denn ich habe nichts anderes getan, als den Tubatrichter einzufügen, alles andere fand ich genauso in einer kleinen, französischen Kleinstadt vor)

Mir erscheint das ganze Leben immer wieder als Collage, eine Zusammenwürfelung von Geschehen, Personen, Lebewesen, Dingen, Orten und Zeiten, ob zufällig oder nicht sei dahingestellt.

Im Feld der Erinnerungen liegt das Wenigste fein chronologisch in nebeneinander liegenden Gedächtnisschublädchen. Zeiten, Geschehen, Personen vermischen sich, legen sich über- und untereineinander, überlappen sich, ein gleichzeitiges Miteinander von an sich Getrenntem; ich nenne es Erinnerungslabyrinth oder Lebenscollage.

(meine noch unvollendete Lebenscollage, zusammengesetzt aus Collagen, gemalten Bildern, Fotos und Einzelheiten, die ich am PC ausschnitt und einfügte)

Collagen verbinden Getrenntes, verschwistern Unterschiedlichkeiten, stellen Dinge gegeneinander oder sich gegenüber. Es wird zerstückelt, um zu einem neuen Ganzen zu kommen, es entstehen Verbindungen, die es so erst einmal nicht gibt. Das Zauberwort ist VERBINDUNG von scheinbar Unverbindbarem, Unvereinbarem. Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr komme ich zu dem Schluss, dass mir Verbindungen und etwas miteinander zu verbinden immer schon ein großes Anliegen war und ist.

Ferner sind für mich Collagen/Fotomontagen Seelenabdrücke, Provokation und Spiegel der Welt in mir.

Wenn ich sage, dass mich Menschen interessieren, dann interessieren sie mich in ihren Unterschiedlichkeiten, ihren Eigenheiten und dem, was alle miteinander verbindet. Sie interessieren mich im Kontext der Geschichte, der Kunst und ihren Formen, Bildern, Büchern, Musik, in der Gestaltung ihres Lebens, der Symbole in der jeweils geltenden Zeit (auch wenn Zeit an sich ein sehr eigenes Phänomen ist, sich gestern, heute und morgen im Jetzt treffen und vielleicht gar nicht so unterschiedlich sind, wie man uns glauben macht -).

Mich interessieren Verhalten, die dahinter liegenden Gründe und Ursachen, mich interessieren Ausdruck, Beziehungen, Träume und Wege. Mich interessieren Sichtweisen, Perspektiven und deren Wechsel, mich interessieren Wandel und Verwandlungen und natürlich mutige Träume und Visionen, die durchs Leben tragen. All diese Erfahrungen, und Geschichten finden in meinen Collagen/Fotomontagen, neben meinen Geschichten, Momentaufnahmen, Miniaturen und kurzen Zeilen einen Raum. Ich mag es Bilder zu Texten zu kreieren oder in meinen Bilderarchiven zu finden und somit Texte mit Bildern zu verstärken. In diesem Sinne ist vieles, das ich hier veröffentliche eine Text- und Bildcollage, um bei den Definitionen zu bleiben.

(Diese Fotomontage entstand nach dem Kunstzwergenfestival 2012 auf dem Rinckenhof, hier geht es zu den damaligen Artikeln → https://cafeweltenall.wordpress.com/2012/08/09/kunstzwerge-oder-landart-3/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2012/08/06/back-home-again/ )

In den Collagen/Fotomontagen kann ich sichtbar machen, was sonst im eigenen Labyrinth der Gedanken und Gefühle keinen Raum findet, Sinneseindrücke und Geschehnisse verweben sich, werden sichtbar, was ansonsten unsichtbar geblieben wäre.

Die Collagen/Fotomontagen sind meine Verbindung zu meinen Seelenliedern, zu meinem Unterbewusstsein und so manches Mal kommt es zu der Erkenntnis, dass meine Bilder, in der Zeit ihrer Entstehung, mehr über mich und meine Bewegungen wissen als ich selbst.

(eine Zusammensetzung aus abfotografiertem Gefilztem und einer Fotografie als Untergrund)

Letztes Jahr begann ich noch kleine Zeichnungen von mir in ein Foto einzuarbeiten, es entstanden neue Verbindungen.

Mit den Collagen/Fotomontagen habe ich für mich über die Jahre ein Feld eröffnet, das unendlich  in seinen Möglichkeiten ist, mich darüber hinwegtröstet, dass ich nicht wirklich malen, und mich doch in Bildern ausdrücken kann, was mir immer ein Bedürfnis gewesen ist.



Diesen Artikel schrieb ich schon im letzten Jahr als Entwurf in mein Gedankenauffangbuch, nachdem ich die Ausstellung in Mannheim von Hannah Höch besucht hatte.

Dass er nun hier endlich erscheint hat seine Ursache darin, dass einige von euch dachten, dass das Foto im letzten Artikel eine Collage gewesen sei. Dieses Foto ist noch ein wunderbares Beispiel dafür, wie das Leben selbst seine Collagen während der Alletage gestaltet … Karfunkelfee schrieb dazu im Kommentarstrang:

Ja, gibt so magische Motive, Da stellt das Leben Dir einfach vor die Augen, was der Mensch ansonsten mühselig zusammen stellen müsste… frei Haus-Lieferung. Zur richtigen Zeit warst Du am richtigen Ort…
Collagen, das ist Wachstum, oder? Ein Bildsame, zu dem sich neue Fetzchen finden, solange bis das Auge die Collage sehen kann und das Herz in der Betrachtung satt werden kann. Manchmal sind meine Gedichte Collagen von Wortbildern, manchmal mal ich sie wie ein Bild und seltener wache ich auf mit einem fertigen Gedicht im Kopf und das ist so wie Deine aus dem besonderen Moment heraus entstandenes Bild. Es ist eine Zeitmaschine. Ist ja auch sogar eine Maschine mit drauf…

49 Gedanken zu „Was mir die Collagen sind

  1. Danke für deine Erläuterungen, nicht alles war mir so präsent. Ich mag deine Lebenseindrücke, sie sind immer wieder voller Fantasie und wirken doch so realitätsnah. Und sie sagen oft mehr als eine lange Geschichte/Erläuterung/Erklärung.
    Ich finde, du hast mittlerweile auch eine brilliante Technik entwickelt, weiter so, liebe Ulli.

    Mit Grüßen zur Wochenmitte,
    Anna-Lena

    Gefällt 5 Personen

  2. Liebe Ulli!
    Erst einmal vielen Dank für die Veröffentlichung dieser grundlegenden Gedanken – Basics – und Positionen, die, zum zweiten, aber erst einmal geistig sacken müssen, denn ich sehe und erahne eine Menge Überschneidungen mit meiner Denke und Art, sich dem Leben zu stellen.
    Darüber sollten wir unbedingt reden, wenn wir uns treffen und vielleicht gelingt ja auch eine gemeinsame Collage.
    Liebe Grüße Jürgen

    Gefällt 3 Personen

    • Lieber Jürgen, das klingt jetzt vielleicht doof, aber es ist absolut wahr, dass ich mir für unser zweites Treffen genau das gewünscht habe, dass wir erstens über Collagen sprechen und zweitens uns dann an die Arbeit machen! Nun freue ich mich doppelt –
      bis bald und herzliche Grüße
      Ulli

      Gefällt 2 Personen

  3. Liebe Ulli, ich las mich gerade pieza para pieza durch die Entstehungsweisen Deiner Bildpoesieformen. Am Ende fand ich sogar mich selbst wieder mit meinen magischen Momenten. So unterschiedlich das Wesen des Wachstum schnell oder langsam in der Welt vonstatten geht, so unterschiedlich wachsen die Bilder der Seele in ihren Ausdruck. Collagen sind in der Lage Welten entstehen zu lassen, die wie direkt aus dem Leben gegriffen erscheinen, daher erreichen Sie mich unmittelbar ohne den Umweg eine ausschließlich gemalte Wirklichkeit in ein Gefühl, eine Nachricht zu transformieren…
    Die Wirkweise empfinde zwischen Gemälden und Collagen auf diese unterschiedliche Weise. Wobei die Betrachtung natürlich, für sich selbst gesehen, einen ähnlich unmittelbaren Sinnenreiz auslöst wie eine Wahrnehmung
    durch Berührung…
    Schwierig auszudrücken, ich zappele und bin noch etwas unzufrieden mit mir🙄🤔
    Aber Dein Beitrag, der ist fundiert und rund, die Fee dankt ganz herzlich dafür!✨🦋

    Gefällt 3 Personen

    • Liebe Stefanie, da muss ich jetzt auch noch ein bisschen drüber nachsinnieren, ob und wie der Unterschied in meiner Wahrnehmung in Bezug auf Gemälde und Collgaen sind und schwupps, bin ich wieder bei Hannah Höch und Max Ernst…
      ich danke dir für den Stupser und grüße dich herzlich
      ulli

      Gefällt 1 Person

  4. Liebe Ulli, eigentlich mochte ich Collagen noch nie wirklich, da sie mir ogt zu chaotisch waren und sich jeder von mir angestrebten Perfektion entzogen. Dies hat sich alles mit deiner schönen Kunst geändert, da ich die Geschichten und Sichtweisen deiner Werke erst nach und nach verinnerlicht habe und ich mich jetzt darauf freue etwas von dir zu sehen und meiner Fantasie dabei selber Freiraum zu lassen. Als ich deinen Beitrag nun las, dachte ich über meine möglichen Collagen des Lebens nach und fand diese in meinen Rezepten, wo ich Dinge zusammenfüge, die so noch nicht probiert wurden und doch ein harmonisches Miteinander ergeben, oder ebenfalls bei meinen Bildern, die mir nur gefallen, wenn ich alle Teile auf einer Aufnahme zusammenfügen konnte. Ich danke dir also sehr für meine Horizonterweiterung und verbleibe mit besten Grüßen aus Marburg, Arno!

    Gefällt 6 Personen

    • Lieber Arno, ja genau, wenn ich koche und dies ja nun schon seit vielen Jahren und immer mehr auf meine ganz eigene Weise, dann hat auch das etwas mit Collagen zu tun (der Leim ist dann eben nicht der Leim, sondern vielleicht das Reismehl oder…), daran habe ich noch gar nicht gedacht, danke dafür. Und ansonsten werd ich jetzt ein bißchen verlegen über deins zu mir und meinen Arbeiten hin, ich freue mich riesig –
      hab vielen Dank und einen wunderbaren Abend
      Ulli
      Ob wir uns vielleicht auch einmal treffen sollten und zusammen kochen und fotografieren und collagieren sollten??? Fällt mir gerade sehr spontan ein, leicht errötend…

      Gefällt 2 Personen

  5. da steckt so viel drin, dass ich jetzt gar nicht Einzelnes kommentieren mag – vielleicht später. Jedenfalls eine sehr gelungene Überschau dessen, was du mit deiner künstlerischen Arbeit verbindest. Und deine jetzt veröffentlichten Collagen: viel Stoff zum Anschauen, zum Nachdenken auch. Sei von Herzen gegrüßt!

    Gefällt 4 Personen

  6. Ähnlich, wie bei Arno v. Rosen zu Lesen konnte auch ich nicht viel mit Collagen anfangen.

    So, jetzt kommts, aaaaber Deine Collagen haben eine ganz besondere Note, sie haben für mich sogar einen Erkennungsstil, nämlich Deine Handschrift! Man kann nicht nur Deine Geschichten darin lesen, nein es geht viel tiefer, denn sie erzählen sogar Geschichten, die Du garnicht wissen konntest.

    Du bist eine fantastische Künstlerin, die mit Vielseitigkeit gesegnet ist!

    ❤liche Grüße Babsi

    Gefällt 5 Personen

  7. Deine Collagen bewundere ich schon lange, liebe Ulli. Deine Kreativität ist sooo groß.
    Als ich mit meinen Collagen begann, steckte die digitale Fotografie noch in den Kinderschuhen, vielleicht wurden sie deshALB so ganz anders. Traumgestalten bei mir, die ich kaum noch zeige und hier bei Dir Deine eigene Spezialität.
    Hannah Höchs Collagen zeigten sehr deutlich, daß sie akzeptiert werden und nicht belächelt. Sie haben den gleichen Stellenwert wie ihre anderen Bilder – eines schöner als das andere.
    Zusammengefügtes, das mal etwas sehr anderes war… Meist sagte ich, wenn ich danach gefragt wurde, es handelt sich um Recyclingkunst und es stimmte ja auch. Ich verwendete, waS mir unter die Finger kam und ich schreckte auch vor Papierabfall nicht zurück , der am Straßenrand stand *g*
    Deins ist sehr anders und viel moderner, aber Collagen sind es bei Dir und bei mir auch

    Herzlichst
    Bruni

    Gefällt 2 Personen

    • Recyclingkunst, liebe Bruni, gefällt mir sehr als Begriff und auch in Bezug auf deine Arbeiten. Ich kenne ja nun nicht sooo viele, aber die, die du mir gezeigt hast haben mir immer gefallen!
      Hab vielen Dank, liebe Grüße
      Ulli

      Gefällt 1 Person

  8. Liebe Ulli,
    immer wieder und einmal mehr ein Danke für deine wunderbare Collagenwelt, in die ich mich schon oft versenkt habe. Sie eröffnet mir Bild für Bild so viel (wovon das meiste ungesagt bleibt – leider oder zum Glück, wer weiß?)
    Dieses Zusammengefügte eröffnet ja immer eine neue Welt, das Zueinanderbringen von Dingen, die zunächst weit auseinanderliegen … Das Ganze ist nicht nur die Summe seiner Teile, sondern immer entsteht Höheres – das ist ein Faszinosum!
    Noch nie zuvor hatte ich über Collagen und was sie sind nachgedacht. Beim Lesen über Deine Prozesse aber finde ich viel Vertrautes. Weil, was Du hier beschreibst, in Deinen Bildern so sichtbar wird und es daher fast so ist, als hätte ich diese Worte schon gelesen. Vor allem aber auch, weil dieses Zusammenfügen und das Zusehen bei Neuentstehendem mir so vertraut ist. Wenn es bei mir auch nur im Kopf geschieht, sich manchmal in Worten wiederfindet, nie jedoch in Bildern. Aber es ist ein mir vertrauter Prozess, irgendwie …
    Danke für Deine Welt, die ich hier entdecke und die mich immer wieder bereichert.
    Einen Gruß von Herzen
    Frau Rebis

    Gefällt 1 Person

      • Liebe Ulli,
        etwa genau in der Stunde, als Du hier schriebst, landeten wir rückkehrend in unserem Zuhause. Eine Zwischenlandung – übermorgen geht es ja mit dem Rad weiter. Das sind gerade so Tage zwischen allem und jedem, ein etwas unbestimmtes Sein. Aber auch solche Zeiten können wunderbare Winzig-Momente haben, gell?
        Ich freue mich, dass Du wieder „hier“ bist – und winke zu Dir zurück,
        einen herzlich-lieben Gruß
        Frau Rebis

        Gefällt 1 Person

  9. Pingback: Collage |

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