Herbst im Norden und Osten, Bilder vom Süden

bye for now

Die Närrin lässt den Sommer hinter sich, sie geht in den Herbst des Nordens und Ostens.

The fool is leaving the summer, she is going into the autumn of the north and east.

0153 04.09.2014 die Herbstwanderschaft beginnt

Die Abbildung der Frau stammt aus dem Buch: die Schamanin am Feuer von Cambra Skade

The immage of the woman is from the book: the shaman at the fire of Cambra Skade

somit ist der Sommerzyklus der Närrin und der kleinen Stadt abgeschlossen, die Montagen sind in Galerie I eingefügt (s.o.)

so the summer cycle of the fool and the littlte town came to its end, the montages are  integrated in Galery I (please look upon)

ich zeige zum Abschied Bilder aus dem Süden Frankreichs, wo ich dieses Jahr nicht war, aufgenommen im September 2012

to my farewell I`ll show you some pics from the south of france, where I haven`t been this year, registered in September 2012

Brücken schlagen, Strassen fahren, Wege wandern, Einkehr

establishing ties, roadtraveling, hiking, contemplation

 draufklicken, dann öffnet sich die Galerie – please click to enlarge

über den Raum

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Es steht eine kleine rote Lackschachtel im fast leeren Raum. Kerzen flackern, ein warmer Luftzug, eine spätsommerliche Nacht, Fledermäuse ziehen Kreise um das verborgene Haus, zwei Menschen. Ein Mann und eine Frau sitzen sich in der Weite des Raums gegenüber.

Sonst nichts.

Glocken, Zimbeln, Trommeln, Flöten und Muschelhörner tönen … später. Sie bläst Seifenblasen durch das geöffnete Fenster. Er steht hinter ihr. Hält sie, schaut den Seifenblasen nach, atmet in ihr Haar.

Sonst nichts.

Lautlose Berührungen, haltloses Sinken.

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Man muss einander freilassen und sich Weite schenken, damit die Liebe atmen kann.

0154 05.09.2014 über die Liebe

“Ich habe nicht mehr das, was ich liebe, besitzen wollen. Ich habe in mir eine Liebe gepflegt, ohne zu erwarten, dass sie mir wieder begegnet. Ich war auch von Eifersucht frei.”

“Wenn das Geistige im Menschen stärker ist als das Körperliche, dann spüre ich: Jetzt bin ich Mensch.”

“Wenn ich im Gegenüber das Göttliche erkenne oder durch meine Gegenwart das Schönste und Edelste in ihm hervorbringe. Und er umgekehrt in mir … “

Mary Bauermeister in einem Interview über die Liebe und ihre Beziehung zu Stockhausen, Zeitmagazin Nr. 36

Mary Bauermeister, eine grossartige Künstlerin der Moderne, lebte eine Ménage à trois (eine Dreierbeziehung) zusammen mit Stockhausen und seiner Frau Doris und ihren Kindern, bis sie dann seine Frau wurde, ihn mit anderen teilte, bis auch sie sich verliessen. Sie hat ihre Prozesse bewusst durchschritten, hat Schalter umgelegt, hat gelernt zu unterscheiden zwischen geistiger und somit gegenseitiger künstlerischer Inspiration und dem eifersüchtigen Gehabe des Egos. Sie wurde eine freie Frau …

Sie drückt für mich das aus, was ich meine, wenn ich von Verbundenheit in Unabhängigkeit spreche. Man kann nichts verlieren oder aufgeben, das man weder besitzt, noch besitzen will …

(wie das Leben so spielt, zuerst war mein Text, s.o., den ich vor ein paar Tagen schrieb, dann las ich das Interview und heute entschied ich mich zur Verknüpfung. Zu guter Letzt noch ein Werk von Mary Bauermeister, das ich in der Guguck-Suche des weiten Netzes gefunden habe … )

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Der Schmerz von Marguerite Duras und die Ästethisierung des Grauens

Der Schmerz der Marguerite Duras ist echt, er ist greifbar. So greifbar, dass ich ihn während des Lesens kaum aushalte. Dieses Buch beinhaltet authentisches, neben literarischem, wie sie es selbst vor jedem neuen Kapitel benennt. Die “Geschichten” sind ihre Geschichten, Erlebtes in der Endzeit der Besatzung Frankreichs durch Nazi-Deutschland, ihrem Warten auf den Geliebten, der nach Dachau verschleppt wurde, ihre Zeit des Hoffens und Bangens, ob er überlebte oder nicht. Er überlebte knapp. Ein Fremder kehrte heim.

Aber es geht auch um ihre Rolle im Widerstand, sie verschweigt nichts, selbst das nicht, was aus heutiger Sicht so anmutet, dass man sagen möchte, das kann man doch nicht machen. “Man” … ich. Weil es grausam ist, weil es gewalttätig ist, weil ich dann doch ein weichgespültes Nachkriegskind bin, das sich einst love and peace auf weisse Laken geschrieben hatte. Damals, als ich noch daran glaubte, dass eine Welt ohne Krieg und Grausamkeiten möglich wäre und darüber vergass, dass ich selbst weder friedlich noch aggressionslos war (und bin).

Und während ich am heutigen Nachmittag das Buch las, ging mir wieder einmal das Holocaust-Mahnmal in Berlin durch den Kopf, dachte an die Zeit, als man darüber heiss diskutierte und stritt und sich dann für einen Entwurf eines berühmten amerikanischen Architekten namens Peter Eisenman entschied. 2712 Stehlen in unterschiedlichen Höhen aus Beton gegossen, ohne Armierung im Inneren. 2712 Stehlen, die, wie der Architekt selbst sagt, keinerlei symbolische Bedeutung haben. Wie kann es sein, dass ein Mahnmal solchen Ausmasses noch nicht einmal Symbolcharacter hat? Wie kann es sein, dass das Ganze für 55,2 Millionen Euro errichtet wurde, plus den 40 Mill., die das Grundstück Wert sein soll, und man dann immer noch daran sparte die Stehlen so zu gestalten, dass sie nicht schon nach 2-3 Jahren erste Risse zeigten, die nun von Jahr zu Jahr mehr werden und wiederum Millionen kosten werden, um sie instand zu setzen?

Ein Mahnmal, das ich schon immer argwöhnisch betrachtete. Vielleicht auch deshalb, weil es mir insgesamt viel zu ästethisch erscheint für das, was es symbolisieren soll. Unsere Vergangenheit wird zwar aufgearbeitet, aber eben auch geschönt, geglättet, versiegelt, wie die Oberfläche der Stehlen, damit sie vor Grafittischmierereien geschützt sein sollen. Okay, ich will dort auch keine Hakenkreuze oder ähnliches sehen, aber ich will diese ganze Ästethisierung auch nicht!

Ich erinnere mich an einen Besuch in dem Frauen KZ Ravensbrück, nahe Berlin. Auch hier stolperte ich über einen frisch gekälkten Krematoriumsraum, vermisste die abgerissenen Baracken und fragte mich was man denn eigentlich wollte. Das Grauen zeigen oder schöntünchen, da war Theresienstadt ehrlicher. Auch grausamer. Aber genau das war es doch auch!

Als ich dann im Rest des Innenhofs von Ravensbrück stand, damals lief gerade in Berlin die Diskussion um das Mahnmal heiss, sah ich 7ooo Mooreichen den Innenhof bevölkern, 7000 als Symbol für 6 Mill. getötete Juden, plus einer Million und mehr getöteten Sinti, Roma und Andersdenkenden- ihre Zahl ist bis heute nicht genau erfasst …

Mooreichen, das sind Eichen, die zwischen 600 und 8500 Jahren in Mooren, Sümpfen und Flüssen liegen, deren Gerbsäure sich mit den Eisensalzen des Wassers verbinden und somit das Holz schwärzen und fast zu Stein werden lassen, die lebendig erscheinen, auch wenn sie schon lange tot sind. Mooreichen auch deswegen, weil sie, auch wenn sie geborgen wurden, lange halten und das Vergessen dieses Grauens nicht eintreten darf, auch nicht in 8500 Jahren! Aber wer bin ich schon, dass ich als No-name einen solchen Vorschlag der Jury unterbreitet hätte. Sicherlich, auch Mooreichen wären teuer geworden, so häufig sind sie nun einmal nicht, sicherlich hätte auch ihre Oberfläche versiegelt werden müssen, aber letztlich glaube ich bis heute, dass dies angemessener gewesen wäre, als das, was gemacht wurde …

Und heute kreierte ich mein ganz persönliches Holocaust-Mahnmal, 70 Mooreichen vor einem Foto des Innenhofs vom Frauen-KZ in Ravensbrück … gegen das Vergessen und als Würdigung für den grossen Schmerz und die grosse Angst dieser Zeit und ihrer Folgejahre …

0152 03.09.2014 Holocaust-Mahnmal

Duett XV

Es gibt mehr Verbindendes, als wir Trennendes kreieren können

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Ich lausche einer Geschichte von Zweien, die nicht unterschiedlicher erscheinen könnten und sehe Verbundenheit.

bei diesen Bildern liegt das copyright nicht bei mir, nur für die Zusammenstellung … das Bild von Sappho fand ich im Netz -ich erlaubte mir es einzufärben und somit dem Foto von Walker Evans anzupassen, einem US-amerikanischen Fotografen, der von 1903 bis 1975 lebte und an der Fotogeschichte Nordamerikas mitschrieb. Wer mehr erfahren möchte, klicke bitte hier

Über Sappho ergeht man sich in Vermutungen, sie soll um 600 vor unserer Zeitrechnung gelebt haben, hauptsächlich auf der Insel Lesbos. Ihre Lyrik war und ist Inspiration, sodass man von ihr als zehnte Muse spricht.

Lied auf der Scherbe „Aphrodite. 

Allmächtige komm vom Äther herab…
zu deinem Tempel. einst von Kretern erbaut.
Unter den Apfelbäumen des heiligen Hains.
als sie dir Opfer brachten auf den Altären.
schwelten damals der kühlenden Quelle entlang
Wolken von Weihrauch.
Immer noch rinnt das Wasser. von Zweigen beschattet.
zum Garten hinab und tränkt mir die Rosen der Laube.
wo ich voll Seligkeit, während sie lautlos entblättern, Kypris erwarte.
Drüben. dort auf der Weide tummeln sich Pferde.
grasen im Klee und in den reifenden Ähren.
Süßer Geruch von Blumen weht von der Wiese
hierher zu mir.
Göttin der Liebe! Empfange mein Blumengebinde.
Komm und erscheine uns. Fülle die goldenen Schalen.
mische mit Nektar den Wein und schenke uns eine
himmlische Freude.

Mehr Gedichte findet man hier

 

 

 

 

blaue Stunde -15- leichtes Gepäck

0150 31.08 14 februar

Der einzig sichere Platz in der Welt liegt in mir, sagte A nach einem Gang- ein Geschenk, als solches hatte sie es gesehen. Die darin versteckte Traurigkeit nahm sich erst während der darauf folgenden Tage Raum. Erneut sah sie A vor sich sitzen, sie staunte über die alte Weise im jungen Körper. Wie schön sie war!

Ein paar Tage zuvor hatte sie noch mit E. darüber gesprochen, dass sie in jungen Jahren nicht gewusst hatten, wie schön sie gewesen waren. Und sind wir es nicht immer noch? Sie hatten gelacht, sie und E. Auch A  wusste nur wenig von ihrer Schönheit, viel mehr wusste sie über die Last auf ihren Schultern, über den viel zu grossen und voll bepackten Rucksack ihres Lebens. Das Gefühl der einschneidenden Riemen hatte sie seit ihrem fünftem Lebensjahr nicht mehr verlassen.

Sie hatte ihr gegenüber gesessen, hatte alle Kanäle geöffnet, hörte, las und spürte A. Sie konnte das Bild von sich selbst von vor fünfunddreissigundmehr Jahren nicht daran hindern sich über A`s zu legen und blieb doch ganz Profi … fragte, schwieg, lauschte, spürte, lenkte, gerade so viel wie notwendig. So blieb das Geschenk eine Freude.

A hatte etwas in ihr berührt, etwas, das sie wohl kannte, dem sie aber nur selten Raum gab. Und wenn, dann setzte er augenblicklich ein, der Sog nach unten, gepaart mit Trotz, dem lautlosen Schrei des Edvard Munchs, all die Vergeblichkeiten, ohne dass ein Trost je etwas davon weggenommen hätte, alles Tun ein Antidot, verzweifelte Schwimmversuche aus dem Strudel heraus.

Wenn Geschichten nicht mehr geteilt werden, nur noch schnell gekochte Mahlzeiten ohne Blickkontakt, dann hört sie die Küchendielen knirschen, wie sie ihre Tore öffnen, für den Taumel in sich selbst zurück.

Es wird Zeit den Rucksack zu leeren, jedem Ding darin eine würdige Grabstätte zu schenken, die Schultern zu salben. Es wird Zeit für das leichte Gepäck!

Indiskretion

Ich habe mich bei meinem letzten Beitrag gewundert, dass niemand schrieb, dass er/sie dieses Foto indiskret findet, ich empfinde es so-

(mittlerweile hat sich dies verändert, siehe Kommentarstrang zum vorherigen Artikel, aber als ich diese Weiterführung verfasste war das noch anders …)

0143 24.08 14 sonntags in der kleinen Stadt

Hätte der junge Mann mich nicht bemerkt und nicht geschaut wäre es das nicht. Da ich aber, wie immer, meine Lesebrille nicht beim fotografieren trug, sah ich nicht seinen Blick, machte also im Kopf ein ganz anderes Foto, ganz nach dem Motto: was ich nicht sehe, weiss ich nicht …

Sally machte diese Woche auf  einen Meister des Diskretion aufmerksam:  Bruno Qinquet

Seine Bilder zeigen mir, dass es viel diskreter und feiner und deswegen kein bisschen weniger spanned gehen kann, hier ein Beispiel aus der Serie, es lohnt sich die anderen auch anzuschauen!

Ich wünsche euch Inspiration und Freude …

copyright Bruno Quinquet

salaryman project

Sonntags in der kleinen Stadt oder wie weit darf Voyeurismus gehen

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immer wieder ist es Sonntag in der kleinen Stadt

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und jedes Mal ist ein Sonntag in einer kleinen Stadt  auch ein deutscher Sonntag in irgendeiner Stadt.

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Das ist das eine, das andere ist die Frage, wie weit darf Voyeurismus gehen? So weit wie das zweite und dritte Bild, was ist mit dem vierten … ?

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und stimmt der Begriff hier überhaupt? Voyeurismus, ist nicht nur die Lust am schauen und in meinem Fall auch die Lust an der Fotografie, eng betrachtet ist es die Lust am schauen und der darauf folgenden eigenen Erregung, sagt das Lexikon. Erregung spüre ich allerdings bei keinem der Bilder, es ist die Freude an den Szenen der Strassen, dem Bedürfnis sie festzuhalten und zu teilen. Wo ist die Grenze? Eure Meinung interessiert mich …