Sein

0058 28.03.14 weiss

Das Geschriebene und Nichtgeschriebene, die gemachten Bilder und die vielen, die nur im Innen wohnen. Noch nicht einmal wirklich geschaut und doch da. All die Geschichten, die im Schweigen wohnen. All das und das Nicht. Die Taten, das Nichttun und Nichtstun, die wahrgenommen und verpassten Gelegenheiten, zusammen mit dem War, dem Ist, dem Wird. All das sich selbst zu Willen. Der Verortung. Des Sichfindens und Wiederverlierens. Halt und Fall. Sein.

in den Pilzen oder der etwas andere Urlaub

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Leider ist die Weiterreise vom Elsass in den Süden Frankreichs ins Wasser gefallen, sodass ich eine Woche Urlaub im schwarzen Wald verbracht habe. Auch schön, wenn auch kalt und sehr, sehr windig. Der späte Sommer ist eher ein früher Herbst, dafür hatte ich aber im Elsass Sommer und durfte endlich auch einmal schwitzen. Dort erlebte ich zauberhafte Tage und Nächte … alle Jahre wieder und alle Jahre wieder ganz anders und das ist gut so!

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Inspiration und Freude habe ich nach 11 Tagen im Baerenthal in meine Reisetasche gepackt und die Erinnerung an Abende voller Gelächter …

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Zurück im schwarzen Wald ging ich auf die eine und andere Wanderschaft. Es ist Pilzzeit, besonders die Pfifferlinge gibt es in diesem Jahr reichlich, da kann ich nicht nein sagen. Aber es begegnen mir auch viele andere Pilze, die ich nicht kenne, die ich stehen lasse, an denen ich mich einfach nur freue.

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Oder ich kenne sie, mag sie aber nicht … wie die Boviste

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Während ich mit dem Blick nach unten durch die Wälder streife, finde ich allerdings auch viel anderes. Mittlerweile habe ich immer eine Tüte oder eine verschliessbare Dose mit im Rucksack, um all die weggeworfenen Bonbonpapiere und andere Plastikschnipsel aufzusammeln und daheim zu entsorgen, ich mag mich nicht mehr nur darüber ärgern. Was nutzt dem Wald, der Wiese mein Ärger? Nichts! Und mir selbst auch nicht.

Gestern aber geriet ich doch etwas aus der Fassung. gerade als ich diese feinen Baumpilze fotografierte,

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fiel mein Blick auf etwas rotes, das unter dem Waldboden hervorlugte, ich begann zu ziehen und fand verbuddelte Plastiksäcke: Löschkalk stand darauf geschrieben. Löschkalk wird in den  hiesigen Wäldern eingesetzt, um den Wald vor Übersäuerung zu schützen. Eigentlich ja gut, aber wenn dann die Waldarbeiter diese Tüten verbuddeln, statt sie ordnungsgemäss zu entsorgen, bricht eine grosse Diskrepanz zwischen dem guten Willen und den Folgetaten auf. Ich barg drei dicke Säcke und sammelte ganz nebenbei unzählige Plasteschnipsel auf, mehr ging nicht in meine Tüte.

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Diese Tüte fand ich übrigens auch, eine andere hatte ich noch im Rucksack, die war allerdings viel zu klein, sodass ich die Tage noch einmal diese Stelle aufsuchen werde, um auch noch die restlichen verbuddelten Säcke auszugraben und mit heim zu nehmen …

Schon im schönen Elsass war der Müll im Wald Thema, wir sammelten Glasscherben in Massen, neben verrostenden Töpfen und Drähten und …

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Es geht ums tun, nicht ums ärgern …

Und dann geniesse ich wieder schöne Aussichten auf erhöhten Bänken,

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und den Zauber der Natur

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wie hier die noch nicht voll aufgeblühte Silberdistel oder Eberwurz, Carlina acaulis L., ein Korbblütengewächs. Vielerorts steht sie unter Naturschutz, hier aber kommt sie noch reichlich vor, wie vieles andere, das man an anderen Orten kaum noch findet, wie Arnika und Augentrost …

In den alten Zeiten benutzte man die Wurzel, u.a. erfolgreich gegen die Pest, da die Wurzel einen antibiotischen Wirkstoff enthält. Ausserdem ist sie harntreibend, gallefördernd, narbenbildend, schweisstreibend, wundreinigend und magenwirksam, sie wurde und wird innerlich und äusserlich angewendet. Gleichsam ist Vorsicht bei Überdorsierung geboten …

und so schaut sie aus, wenn sie aufgeblüht ist

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Hier endet mein Urlaubsbericht, vielleicht hat er ja nun die eine oder den anderen dazu inspiriert das nächste Mal ebenfalls eine Tüte für den herumliegenden Müll mit in den Wanderrucksack zu packen … das würde mich sehr freuen!

Geheimnisse – das Unbekannte, secrets – the unknown I

0129a 13.08.14 the unknown

es gibt immer noch vieles in der Welt, was wir nicht wirklich benennen oder vermessen können und das ist gut so, genau so vieles gibt, das zwar versucht wird in Worte zu fassen, das aber letztlich nur erfahren werden kann, will man dies dann selbst erklären, wird es auch wieder nur ein Gleichnis. Und weil dies so ist, wie es ist, habe ich mich nun entschieden zu diesem Thema einen neuen Zyklus zu eröffnen. Ich werde in unreglmässigen Abständen hierzu Bilder erstellen und hier zeigen.

Diese Idee wuchs, als ich diese noch nicht ausgepackte Buddhastatue entdeckte, da das drumherum doch sehr ablenkte, habe ich sie ausgeschnitten und in den weiten Raum gestellt … der Raum, das fünfte Element-

Susanna Berivan

heute möchte ich euch eine Sängerin und Freundin vorstellen, die ich seit nunmehr 14 Jahren kenne, damals war sie wirklich noch richtig jung und lernte gerade Gitarre spielen- sie geht einen sehr EigenWilligen Weg und ich staune, wie ihre Stimme in all den Jahren gewachsen ist und ich wünsche ihr, dass sich noch viele Menschen von ihrer Stimme verzaubern lassen, so, wie sie “uns” von Jahr zu Jahr bezaubert … good luck Susanna!

 

 

zwischen Dankbarkeit und Wut

Es ist die Richtung, die bestimmend ist, ob ich dankbar für dieses Leben bin oder wütend.

Schaue ich auf mein eigenes kleines unbedeutendes Leben kann ich gar nicht anders, als dankbar zu sein. Dankbar für all die Hände, die sich mir reichten und reichen, die mich vor dem Schlimmsten bewahrten, die mich hielten, führten, die mir zeigten, was Zärtlichkeit heisst. Menschen, die mich lieb(t)en, die mich nähr(t)en, die mir vertrau(t)en. Dorthinein schwingt auch die Dankbarkeit für mich selbst, dass ich bei allen schrägen Schritten in meinem Leben doch immer wieder den Weg aus den Irrgärten hinaus fand und lernen durfte wofür Umwege gut sein können.

0028 04.01.13 Labyrinth

Wer sagt uns denn, dass der Weg geradeaus zu gehen hat? Die natürlichen Wege tun es nicht, auch sie mäandern und machen manche Schleife hin zu ihren Zielen, seien es nun Wasserwege oder die Pfade der Tiere.

Die Schönheit des Lebens in all seiner Vielfalt, seinen Formen und Farbigkeit lässt mich oft still werden. Da bin ich wieder das staunende Kind, das neugierige Mädchen, weiss für den Moment nichts von Zerstörung, von Kriegen, von der Wut, dem Neid, der Gier, dem Hass der Menschen. Hier wohnt nichts anderes als die Liebe. Sanftmut und Zärtlichkeit gleich dem Blick in die braunen Augen der Rinder auf unseren Weiden, sei es nun Kuh, Stier oder Kalb, auch nicht frei, aber freier als an vielen anderen Orten auf dieser Welt. Auch wenn Natur selbst nicht romantisch ist und es um fressen und gefressen werden geht-

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Und dann kommt die Wut, die Ohnmacht, der Schmerz über all das, was wir Menschen tun. Ich nehme mich nicht aus! Das Beste wollen und wünschen und umsetzen reicht nicht aus. Hilft keinem Kind, keiner Frau, keinem Mann, keinem Greis, keiner Greisin auf der Flucht, keinem Verhungern, Verdursten, keinem Hass, keinem Fanatismus.

170 09.06.

(diese Collage machte ich vor vielen Jahren, die darauf abgebildeten Kinder sind meine, als sie noch klein waren, die anderen Bilder fand ich damals im Netz, leider weiss ich nicht mehr mein Stichwort zur Suche und auch nicht mehr wer diese schuf …)

(alle Bilder werden gross, wenn man sie anklickt)

Er ist es, der mich in den letzten Wochen schüttelt, der an mir zerrt. Ich habe nichts in der Hand, nur mein kleines Mitgefühl, meine Liebe für dieses Leben, seine Wunder und Schönheit, die Plastiktüte im Rucksack auf jeder Wanderschaft, um den Müll aufzusammeln und dem Wald, den Wiesen ein Lied zu singen. Kleine Tröstungen der Seele: wenigstens hier … Streicheleinheiten für die gebeutelte Natur, gegen den Wahnsinn der Maschinen, die sich durch das Land fressen, Konzerne die nehmen, die niemals satt werden, die nicht einen neuen Baum pflanzen, bei all denen die sie verletzten und fällen.

„Aufhören“, schreit es in mir, ihr Wahnsinnigen, wer seid ihr, dass ihr mordet, dass ihr Tausende in die Flucht schlagt, dass ihr haben wollt, immer mehr und noch mehr, dass ihr meint Recht zu haben? Die Welt verdunkelt sich von Tag zu Tag, was kann da mein kleines Licht ausrichten, auch wenn ich nicht bereit bin meine kleine Flamme auszulöschen.

Frieden beginnt bei mir, ja, aber ich werde niemals Sahnehäubchen über Scheisshaufen sprühen! (Pardon) Und ehrlich, ich spüre keinen Frieden, wenn ich die täglichen Horrornachrichten höre und sehe. Und es gibt scheinbar nichts, was diesen Wahnsinn stoppen könnte. Gewalt schürt Gegengewalt, Gebete verklingen ungehört im Raum.

Es gibt sie, die hundertacht Dinge, die wir für die Umwelt tun können und nicht nur in Klöstern …

Aber gibt es auch die hundertacht Dinge gegen den Krieg und den Fanatismus, die WIRKLICH wirken?

Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei Sherry und Ramblingbrother bedanken, die mich inspiriert haben diesen Artikel zu schreiben, die kein Blatt vor den Mund nehmen, um das zu benennen, was stinkt in dieser Welt …