auf Usedom

am Sonntag, 05. Oktober war ich mit einem Freund auf Usedom, hier fand das Drachenfest statt. Nachdem wir von einem langen Strandspaziergang zurückkamen flogen gute Wünsche in die Welt …

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Herbstzauber

001 herbstzauber

Ich bin nun schon lange unterwegs, habe viel erlebt und noch mehr Bilder gesammelt, sodass ich auf alle Fälle genügend “Futter” für die kommende Winterzeit habe, was mir aber defintiv fehlt ist mein eigener Schreibtisch, mein eigener PC, bei dem alles so läuft, wie ich es brauche, sodass es mir gerade nicht soooo viel Freude macht Artikel einzustellen. So habe ich mich entschieden in den noch verbleibenden drei Wochen meiner Herbstwanderschaft alle paar Tage ein Bild zu zeigen, nicht mehr, aber auch nicht weniger …

Zeit

0161a 20.09.14 übergang

Die Zeit von Dulce Maria Laynaz

„Wer könnte sein wie der Fluss,

der weiterfliesst und doch bleibt

immer im Aufbruch und Ankommen zugleich,

immer der alte Fluss mit immer neuem Wasser.

Es wird spät für die Rose

und früh noch für den Winter

nicht die Uhr schlägt meine Stunde

ich bin ausserhalb der Zeit.

Der Kuss, den ich dir nicht gab

wurde zum Stern in meinem Inneren

könnte er jemals wieder Kuss werden

auf deinem Mund.

Die Liebe messen

mit einem biegsamen Band:

ein Ende am Berg festgemacht

und das andere verankert im Wind.

Spät, bald, das verlorene gestern,

das noch unerfüllte Morgen,

das unsichere Heute,

alles Masse, die keinen Kuss erfassen.

Ein Kilometer Licht

ein Gramm Gedanken

in der Uhr, die Nachts schlägt

schlägt das Herz der Zeit.“

Von Nord nach Nordost – die Berlingeschichte

Meine Herbstwanderschaft führte mich vom Wendland über die Elbe in die Nähe von Wittenberge zu einem kleinen Dorf, in dem mein Bruder mit seiner Frau lebt. Wittenberge, eine kleine Stadt, ebenfalls an der Elbe gelegen, ist noch mit dem Um- bzw. Aufbau beschäftigt. Viel Leerstand von Häusern und Geschäften bestimmen das Bild. Hier und da greifen neue Ideen, der Tourismus dankt es. Über Sinn und Unsinn lässt sich trefflich streiten, besonders dann, wenn man an der Armut und Überalterung der Bevölkerung in den Strassen nicht vorbeischauen kann. Die Innovativen kommen in der Regel aus dem Westen, z.B. aus Düsseldorf  …

Beispiel Ölmühle: Straßenansicht, Seitenansicht, von der anderen Seite

Von hier geht es nach drei Tagen und Nächten weiter, ab in die Hauptstadt. Wider aller Prognosen rutsche ich ohne Staus in die Stadt. Noch immer finde ich die kürzeren Wege, die Erinnerungen kommen beim fahren und schwupps bin ich über die Schillingbrücke im Heimatviertel Kreuzberg 36 gelandet, was schon lange nicht mehr so heisst, aber noch immer in unseren Köpfen, in denen, die wir hier lebten und leben. Ich fühle mich ein bisschen wie die verlorene Tochter, wie Eine, die auszog und nun wiederkommt. Nein, es ist seit meinem Umzug nicht das erste Mal, dass ich wiederkomme, aber zwischen meinem letzten Besuch und jetzt liegen mindestens fünf Jahre. Fünf Jahre sind eine lange Zeit in der Jahrhundertbaustelle Berlin.

Schon immer fand ich, dass die Politik, der Stand der Gesellschaft und ihre Probleme in dieser Stadt sofort sicht- und greifbar werden. Lese, sehe und höre ich ansonsten über die Migrationsproblematik, kann ich sie hier sehen, gehe ich jeden Tag durch sie hindurch. Das ist wohl das Zurzeit brennendste Thema, neben Wohnungsnot, Armut, Gewalt und Gentrifizierung. Über Stadtplanung, insbesondere über Wohnungsbau und Bezahlbarkeit für Menschen mit normalem Einkommen, lässt sich trefflich streiten.

Die Schere ist weiter aufgegangen, die Armut und Obdachlosigkeit haben zugenommen und somit auch diejenigen, die auf den Grünstreifen der Wohnanlagen und in den Parks campieren, die an den Strassenecken stehen und trinken oder dealen (womit auch immer noch), es geht ums überleben …

Sozialer Brennpunkt Berlin Kreuzberg war und ist sozialer Brennpunkt und die damit einhergehenden Probleme gehen in der Regel an den Touristenströmen vorbei, die Politik hat bis heute keine Lösungen: kein Profit, kein Wachstum in Sicht …

Hanna Schygulla schreibt in ihrer Autobiographie „Wach auf und träume“ über ihre letzte Zeit in Paris (was noch nicht lange her ist): „Die Restaurants sind noch voll, der Geräuschpegel animiert. Doch auf dem Heimweg liegen die Obdachlosen auf der Strasse. Am besten nicht hinschauen?“

berlin bei nacht

Dort (an der Zufahrt zur Bastille) stehen immer öfter die Kolonnen der blauen Grossraumwagen der Bereitschaftspolizei, um den Widerstand, wenn nötig mit Gas in Tränen aufzulösen.“

berlin polizeipräsenz

das gemeinsame Lied der Metropolen der Welt, Hanna Schygulla schreibt über Paris, kurz bevor sie nach Berlin umzieht, ich fotografiere worüber sie schreibt (ohne es bis dahin gelesen zu haben) in Berlin ca. zwei Jahre später …

Der Widerstand in Kreuzberg ist ungebrochen, auch wenn so mancher Kampf in der Vergangenheit und Gegenwart verloren wurde, wovon die gerade kürzlich durchgeführte Räumung der Cuvrybrache erzählt.

berlin cuvrybrache

Wachschutz am Tage, am späten Nachmittag, Abend und in der Nacht verstärkte Polizeipräsenz. Die Planung spricht von Eigentumswohnungen mit unverbaubarem Spreeblick und einer Einkaufsmall. Letzteres hat Berlin jetzt schon mehr als genug, ersteres können sich die allerwenigsten leisten und geht an dem bunten Völkchen, das seit Jahrzehnten in Kreuzberg lebt, arbeitet, gestaltet und wohnt und seinen Bedürfnissen gänzlich vorbei, aber wer fragt schon danach, wenn es um Profit und Spekulationsobjekte geht.

berlin spreeufer für alle

Berlin war und ist bunt, ist die Stadt, die niemals schläft und die immer und für viele eine Reise wert ist. Wann immer ich mit den Öffentlichen fahre, sei es am Tag oder in der Nacht, sei es mit der U- oder der Strassenbahn oder dem Bus, immer fahren Unzählige mit mir. Nachteulen und Jugendgruppen, Menschen, die gerade Feierabend gemacht haben oder solche, die, wie ich, von einem Besuch Nachhause fahren.

Berlin hatte und hat für jede und jeden etwas zu bieten, auch für mich! Ich habe viele Freundinnen und Freunde wiedergesehen, hatte spannende und inspirierende Stunden, habe eine Ausstellung besucht, einen Blogger persönlich kennengelernt, war auf Bilderfang, war viele Stunden allein oder zu Zweit unterwegs und natürlich komme ich wieder! Ich bin weitergewandert, mehr demnächst hier …

berlin ich wander weiter

Herbst im Norden und Osten, Bilder vom Süden

bye for now

Die Närrin lässt den Sommer hinter sich, sie geht in den Herbst des Nordens und Ostens.

The fool is leaving the summer, she is going into the autumn of the north and east.

0153 04.09.2014 die Herbstwanderschaft beginnt

Die Abbildung der Frau stammt aus dem Buch: die Schamanin am Feuer von Cambra Skade

The immage of the woman is from the book: the shaman at the fire of Cambra Skade

somit ist der Sommerzyklus der Närrin und der kleinen Stadt abgeschlossen, die Montagen sind in Galerie I eingefügt (s.o.)

so the summer cycle of the fool and the littlte town came to its end, the montages are  integrated in Galery I (please look upon)

ich zeige zum Abschied Bilder aus dem Süden Frankreichs, wo ich dieses Jahr nicht war, aufgenommen im September 2012

to my farewell I`ll show you some pics from the south of france, where I haven`t been this year, registered in September 2012

Brücken schlagen, Strassen fahren, Wege wandern, Einkehr

establishing ties, roadtraveling, hiking, contemplation

 draufklicken, dann öffnet sich die Galerie – please click to enlarge

über den Raum

0018

Es steht eine kleine rote Lackschachtel im fast leeren Raum. Kerzen flackern, ein warmer Luftzug, eine spätsommerliche Nacht, Fledermäuse ziehen Kreise um das verborgene Haus, zwei Menschen. Ein Mann und eine Frau sitzen sich in der Weite des Raums gegenüber.

Sonst nichts.

Glocken, Zimbeln, Trommeln, Flöten und Muschelhörner tönen … später. Sie bläst Seifenblasen durch das geöffnete Fenster. Er steht hinter ihr. Hält sie, schaut den Seifenblasen nach, atmet in ihr Haar.

Sonst nichts.

Lautlose Berührungen, haltloses Sinken.

——————————————————————————————————————————-

Man muss einander freilassen und sich Weite schenken, damit die Liebe atmen kann.

0154 05.09.2014 über die Liebe

“Ich habe nicht mehr das, was ich liebe, besitzen wollen. Ich habe in mir eine Liebe gepflegt, ohne zu erwarten, dass sie mir wieder begegnet. Ich war auch von Eifersucht frei.”

“Wenn das Geistige im Menschen stärker ist als das Körperliche, dann spüre ich: Jetzt bin ich Mensch.”

“Wenn ich im Gegenüber das Göttliche erkenne oder durch meine Gegenwart das Schönste und Edelste in ihm hervorbringe. Und er umgekehrt in mir … “

Mary Bauermeister in einem Interview über die Liebe und ihre Beziehung zu Stockhausen, Zeitmagazin Nr. 36

Mary Bauermeister, eine grossartige Künstlerin der Moderne, lebte eine Ménage à trois (eine Dreierbeziehung) zusammen mit Stockhausen und seiner Frau Doris und ihren Kindern, bis sie dann seine Frau wurde, ihn mit anderen teilte, bis auch sie sich verliessen. Sie hat ihre Prozesse bewusst durchschritten, hat Schalter umgelegt, hat gelernt zu unterscheiden zwischen geistiger und somit gegenseitiger künstlerischer Inspiration und dem eifersüchtigen Gehabe des Egos. Sie wurde eine freie Frau …

Sie drückt für mich das aus, was ich meine, wenn ich von Verbundenheit in Unabhängigkeit spreche. Man kann nichts verlieren oder aufgeben, das man weder besitzt, noch besitzen will …

(wie das Leben so spielt, zuerst war mein Text, s.o., den ich vor ein paar Tagen schrieb, dann las ich das Interview und heute entschied ich mich zur Verknüpfung. Zu guter Letzt noch ein Werk von Mary Bauermeister, das ich in der Guguck-Suche des weiten Netzes gefunden habe … )

bauermeister_privat050

Der Schmerz von Marguerite Duras und die Ästethisierung des Grauens

Der Schmerz der Marguerite Duras ist echt, er ist greifbar. So greifbar, dass ich ihn während des Lesens kaum aushalte. Dieses Buch beinhaltet authentisches, neben literarischem, wie sie es selbst vor jedem neuen Kapitel benennt. Die “Geschichten” sind ihre Geschichten, Erlebtes in der Endzeit der Besatzung Frankreichs durch Nazi-Deutschland, ihrem Warten auf den Geliebten, der nach Dachau verschleppt wurde, ihre Zeit des Hoffens und Bangens, ob er überlebte oder nicht. Er überlebte knapp. Ein Fremder kehrte heim.

Aber es geht auch um ihre Rolle im Widerstand, sie verschweigt nichts, selbst das nicht, was aus heutiger Sicht so anmutet, dass man sagen möchte, das kann man doch nicht machen. “Man” … ich. Weil es grausam ist, weil es gewalttätig ist, weil ich dann doch ein weichgespültes Nachkriegskind bin, das sich einst love and peace auf weisse Laken geschrieben hatte. Damals, als ich noch daran glaubte, dass eine Welt ohne Krieg und Grausamkeiten möglich wäre und darüber vergass, dass ich selbst weder friedlich noch aggressionslos war (und bin).

Und während ich am heutigen Nachmittag das Buch las, ging mir wieder einmal das Holocaust-Mahnmal in Berlin durch den Kopf, dachte an die Zeit, als man darüber heiss diskutierte und stritt und sich dann für einen Entwurf eines berühmten amerikanischen Architekten namens Peter Eisenman entschied. 2712 Stehlen in unterschiedlichen Höhen aus Beton gegossen, ohne Armierung im Inneren. 2712 Stehlen, die, wie der Architekt selbst sagt, keinerlei symbolische Bedeutung haben. Wie kann es sein, dass ein Mahnmal solchen Ausmasses noch nicht einmal Symbolcharacter hat? Wie kann es sein, dass das Ganze für 55,2 Millionen Euro errichtet wurde, plus den 40 Mill., die das Grundstück Wert sein soll, und man dann immer noch daran sparte die Stehlen so zu gestalten, dass sie nicht schon nach 2-3 Jahren erste Risse zeigten, die nun von Jahr zu Jahr mehr werden und wiederum Millionen kosten werden, um sie instand zu setzen?

Ein Mahnmal, das ich schon immer argwöhnisch betrachtete. Vielleicht auch deshalb, weil es mir insgesamt viel zu ästethisch erscheint für das, was es symbolisieren soll. Unsere Vergangenheit wird zwar aufgearbeitet, aber eben auch geschönt, geglättet, versiegelt, wie die Oberfläche der Stehlen, damit sie vor Grafittischmierereien geschützt sein sollen. Okay, ich will dort auch keine Hakenkreuze oder ähnliches sehen, aber ich will diese ganze Ästethisierung auch nicht!

Ich erinnere mich an einen Besuch in dem Frauen KZ Ravensbrück, nahe Berlin. Auch hier stolperte ich über einen frisch gekälkten Krematoriumsraum, vermisste die abgerissenen Baracken und fragte mich was man denn eigentlich wollte. Das Grauen zeigen oder schöntünchen, da war Theresienstadt ehrlicher. Auch grausamer. Aber genau das war es doch auch!

Als ich dann im Rest des Innenhofs von Ravensbrück stand, damals lief gerade in Berlin die Diskussion um das Mahnmal heiss, sah ich 7ooo Mooreichen den Innenhof bevölkern, 7000 als Symbol für 6 Mill. getötete Juden, plus einer Million und mehr getöteten Sinti, Roma und Andersdenkenden- ihre Zahl ist bis heute nicht genau erfasst …

Mooreichen, das sind Eichen, die zwischen 600 und 8500 Jahren in Mooren, Sümpfen und Flüssen liegen, deren Gerbsäure sich mit den Eisensalzen des Wassers verbinden und somit das Holz schwärzen und fast zu Stein werden lassen, die lebendig erscheinen, auch wenn sie schon lange tot sind. Mooreichen auch deswegen, weil sie, auch wenn sie geborgen wurden, lange halten und das Vergessen dieses Grauens nicht eintreten darf, auch nicht in 8500 Jahren! Aber wer bin ich schon, dass ich als No-name einen solchen Vorschlag der Jury unterbreitet hätte. Sicherlich, auch Mooreichen wären teuer geworden, so häufig sind sie nun einmal nicht, sicherlich hätte auch ihre Oberfläche versiegelt werden müssen, aber letztlich glaube ich bis heute, dass dies angemessener gewesen wäre, als das, was gemacht wurde …

Und heute kreierte ich mein ganz persönliches Holocaust-Mahnmal, 70 Mooreichen vor einem Foto des Innenhofs vom Frauen-KZ in Ravensbrück … gegen das Vergessen und als Würdigung für den grossen Schmerz und die grosse Angst dieser Zeit und ihrer Folgejahre …

0152 03.09.2014 Holocaust-Mahnmal