Heimat und Flucht

apfelbaum

Heimat

Heimat, das ist ein Apfelbaum im Garten. Immer. Heimat ist die Großmutter, die Apfelschalenschlangen schält. Heimat sind Punkte im Weit der Landschaften. Menschen auch. Manche haben ein verknittertes Gesicht, andere bleiben so ungefähr. Es gibt keinen Ort zu dem ich zurückkehren wollte. Ich besuche die Straßen der Kindheit nicht. Ich bewahre Erinnerungen.

0232a 05.11.15 heimat

(die Karte habe ich aus dem Netz gefischt © zeno. org – ich danke)

Flucht

In jedem von uns wohnt ein Stück Flucht*. Es gibt die Flucht nach innen, die andere muss fort. Verbrannte Erden und Ruinen sind in mir lebendig. Ich kann sie riechen und sehen. Ich spüre die Leere. So viele Verluste. Als dunkelstes Grau hockt es in meinen Erinnerungen, die Kapuze über dem Gesicht. Es öffnen sich Türen, meine Türen. Andere bauen schon wieder Zäune und halten Hunde an Leinen kurz.

*Das habe ich gelesen und weiß nicht mehr wer es schrieb.

0180 30.09.15 Ruinenstadt


 

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Diese Themen sind immer da, jeden Tag mit einer anderen Facette. Das meinte ich, als ich im vorherigen Artikel am Ende schrieb: die Schatten sind immer da →

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23 Gedanken zu „Heimat und Flucht

  1. Eine Flucht beinhaltet sicher auch immer die Sehnsucht nach der Heimat. Ich kenne viele Deutsche, die sagen sie kennen das Gefühl Heimat nicht. Ich glaube ihnen nicht. Spätestens, wenn sie sie verlieren würden, wüssten sie, was Heimat ist.

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    • Liebe Susanne, ich glaube, dass so viele Deutsche Probleme haben Deutschland als Heimat zu bezeichnen verschiedene Gründe hat- zum einen wirkt bei vielen immer noch die Scham über unsere Geschichte, das andere ist, dass viele aus Familien stammen, die vertrieben wurden oder während des Krieges flüchten mussten oder vor dem Krieg einwanderten. Durch die Literatur von Sabine Bode und anderen ist mir klar geworden, dass die Geschichte noch in vielen von uns wirkt, ob nun bewusst oder nicht. Dann glaube auch ich, dass Heimat nicht unbedingt und zwingend ein Ort sein muss, für mich ist Heimat auch eher mit Menschen, Gerüchen und Landschaften verwoben, aber immer auch mit Kindheit.
      Ich stimme dir zu, wenn wir von heute auf morgen dieses Land verlassen müssten, dann würden wir uns genau hierhin zurück sehnen. Heimat ist ja auch Sprache und Kultur … und statt vor der Geschichte zu flüchten, finde ich es auch immer noch wichtiger sich mit ihr auseinanderzusetzen.

      Ich danke dir für deins und grüsse dich herzlich
      Ulli

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    • Mir darfst du glauben, wenn du möchtest und es dich überzeugt, Susanne. Ich kenne das Gefühl der Heimat nicht. Ich habe schon ein paarmal eine Zeit lang im Ausland gelebt und nie hat es mich zurückgezogen. Im Gegenteil. Wie Ulli in ihrer Antwort auf deinen Kommentar sagte, manchmal wirkt die Geschichte der Vorfahren eben nach. Ich habe mich lange gefragt, warum ich überall (na ja, fast) leben könnte und niemals Sehnsucht nach Deutschland habe, mich nirgendwo verwurzelt fühle und erst spät wurde mir klar, dass es daran liegen könnte, dass meine Eltern ihre Heimat verlassen mussten, die eine musste fliehen, der andere wurde vertrieben. Sie strandeten im Irgendwo. Da bin ich aufgewachsen, „zufällig“. Zuhause war ich dort nie und auch da, wo ich bin, werde ich es nie sein. Außerdem glaube ich, dass manche Menschen unabhängig von der Geschichte ihrer Vorfahren „reisen“ müssen und es ihnen guttut, an mehreren Orten zumindest vorübergehend zuhause zu sein. Für manche ist die Heimat eben das „Nomadentum“, die Welt, auch wenn das überheblich klingen mag. Würde man mir Deutschland verbieten, könnte ich es gut aushalten.

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  2. Ja, es gibt viele Fluchten! Nicht jede ist offensichtlich. Nicht jede hat Krieg und Vertreibung und blanke Not als Ursache. Es gibt die kleinen Fluchten, die wir alle kennen. Kleine Fluchten aus unseren Leben. Die meisten davon verbinden wir mit angenehmen Tätigkeiten wie einem Theaterbesuch, dem Hören eines Konzertes, dem Eintauchen in ein Buch und anderen Dingen. Es gibt aber auch die Flucht in die Sucht. Wir betäuben uns mit Drogen jeder Art und fliehen aus der Realität, weil sie unerträglich geworden ist.
    Ich habe manchmal Heimweh nach Orten, die nie Heimat für mich waren, mich aber in einer Weise berührt haben, die Heimweh auslösen können. Heimat ist tief in mir, an keinen festen Ort gebunden.
    Liebe Grüße,
    Elvira

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    • Liebe Elvira, ich freue mich total, dass du das Thema der verschiedenen Fluchten aufnimmst, genauso habe ich es gemeint, als ich schrieb, manche sind inwendig, ich fühle mich verstanden 🙂 Über Heimat haben wir uns hier ja schon öfters auseinandergesetzt, für mich sind es eben auch Landschaften, bestimmte Bebauungen, Kindheit und Menschen und auf alle Fälle ein Ort in mir.

      Ich grüsse dich herzlich
      Ulli

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  3. Liebe Ulli,
    ein sehr schöner Text, der in mir vieles ausgelöst hat – der Apfelbaum, die Apfelschalenschlangen – Heimat, das sind für mich auch nicht die Orte, sondern Gerüche, Geschmäcker, Gefühle. Der gedeckte Apfelkuchen miner Großmutter.
    Erinnerungen: Vielleicht eine Flucht, wenn der Alltag schwer ist, in die Vergangenheit. Aber auch Wurzeln, die halten in die Zukunft hinein.

    Gefällt 2 Personen

    • Ich freue mich immer, wenn ich mit meinen Texten andere berühren und etwas hervorholen kann. Von dir – von euch ist das ein grosses Kompliment. Mir gefällt der Gedanke, dass Erinnerungen Wurzeln, die halten sind, danke dafür und herzliche Grüsse
      Ulli

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  4. Was bedeutet „andere bleiben so ungefähr“?
    Beinahe gibt es jetzt noch von der Sonne gebratene Äpfel.
    Was geschieht, wenn sich Jungs in Flüchtlingsmädchen verlieben? Bin gespannt.
    Gruß von Sonja

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    • Heute in der Zeitung gelesen, dass der Philologenverband in seiner Mitgliederzeitung Aufklärung fordert, damit sich Mädchen nicht „auf ein oberflächliches sexuelles Abenteuer mit sicher oft attraktiven muslimischen Männern einlassen“. Da kam mir der Frühstückskaffee wieder hoch.

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      • Guten Morgen, liebe Elvira, ich hocke hier auch gerade bei meinem ersten Kaffee, diese Misterkältung will einfach nicht aus meinen Knochen raus und ich schlafe immer noch lang und tief, wenigstens das, bei all dem Wahnsinn in der Welt!
        Ich schriebs gerade schon an Sonja, es werden gerade alle Vorurteile der Welt bedient, manches mag ja berechtigt sein, aber insgesamt schürt all das doch nur die Angst vor den/dem Fremden … leider macht es auch vor intelligenten Mneschen nicht Halt. Sie sorgen sich dann eben um ihre Töchter und auch Söhne, vergessen dabei aber die einheimischen Jungs und Mädels- wie ich es auch betrachte, die meisten Probleme sind menschlicher Art und nicht nationaler … und dann steht mir ein Freund gegenüber und hat einen roten Kopf vor Ärger … 😦

        ich wünsche dir ein erholsames Wochenende und grüsse dich herzlich
        Ulli

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    • Wenn ich mich versuche an manche Gesichter aus meiner Kindheit zu erinnern oder andere aus der Familie von jemanden erzählen, an den ich mich nicht wirklich erinnere, aber laut ihnen müsste, dann bleiben ihre Gesichter so ungefähr … danke fürs nachfragen-
      Das Thema, das du dann noch aufmachst war tatsächlich hier schon vor zwei Tagen Thema, da ging es mir ähnlich wie Elvira und erinnerte mich wiederum an Geschichten aus dem besetzten Norwegen, da war man als junge Frau auch nur eine Deutschenhure, wenn eine von ihnen mit einem Deutschen anbandelte- und hier waren es, glaub ich, die Amihuren- herrjeh ja, da kommt noch so einiges auf uns zu.

      Die Äpfel sind soweit geerntet, ein paar bleiben für die Vögel hängen-
      hab ein schönes Wochenende
      herzliche Grüsse
      Ulli

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  5. Ein interessanter Artikel. – Flucht? … In den letzten Jahren abe ich so etwas ähnliches erlebt. Ich war immer wieder in Hartz VI gefallen; dann gab es wieder befristete Arbeit; eine kleine Erbschaft und immer wieder Hartz IV. – Hartz IV… Für mich ist es oft wie eine unsichtbare Schlinge, die sich um den Hals zieht und die Luft nimmt. – Die letzten Jahre habe ich damit zugebracht, Hartz VI gerechten Wohnraum zu finden an einem Ort, der mir zusagt, in einer Wohnung, die mir gefällt…Das habe ich nun gefunden; doch da ist die Garage, die ich extra bezahle. Eigentlich gehört sie zu der Wohnung; doch wenn… Nicht mehr Hartz IV gerecht…
    Wenn….

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      • … Ja, da ist mir ein Gedankensprung passiert. Eigentlich waren es mehrere Fluchten. Zum einen wollte ich der Drangsaliererei einiger Jobcenter entfliehen und bin deshalb auch dahin gezogen, wo ich mir mehr Aussicht auf Arbeit versprochen habe. Hinzu kam, daß es recht schwierig ist, eine schöne Wohnung zu finden, die Hartz IV Kriterien entspricht; meine Wohnungen waren „nicht angemessen“; daher die Angst, sie irgendwann nicht mehr bezahlen zu können und in einem Loch zu landen, mit entsprechendem Umfeld. Und es gab die Angst, irgendwo ohne Geld, ohne ausreichende medizinische Versorgung, ohne Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten, vereinsamt festzuhängen. Dem bin ich nun entkommen, auch, wenn die Finanzierung meiner Wohnung etwas eng ist. Ich wohne wunderschön; die Wohnung ist zur Not Rollitauglich; die Nachbarn sind freundlich, alle Versorgung ist aktuell für mich zu Fuß erreichbar und es hält sogar ein Bus. Wenn ich krank sein sollte, kann ich mich an die Bürgerhilfe vor Ort wenden, die dann einspringen würde, wo es alleine nicht klappt. Im schlimmsten Fall käme ein Pflegedienst. Außerdem wollen Freunde aus Berlin ebenfalls hier sesshaft werden.

        Liebe Grüße,
        Frank

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