Die Geschichte von den Gummistiefeln

 

pfütze

Der Tag nimmt seinen Lauf, die Nebel sind gestiegen, dicke Wolken beginnen sich am blauen Himmel zu formieren. Noch geht Anna auf dem Asphalt eines kleinen, geteerten Wiesenweges. Um sie herum rauscht, tost und plätschert es. Von allen Hängen kommen die Bächlein und Bäche geflossen. Sie poltern, sie flüstern, sie rasen, sie murmeln, sie fließen dem Meer entgegen.

Sie singt das Flusslied:

„Der Fluss geht auf die Reise,

stetig und leise-

der Fluss geht auf die Reise

Reise zum Meer.

Mutter Erde, trage mich

dein Kind bin und bleibe ich-

Mutter Erde, trage mich,

trage mich zum Meer.“

Mutter Fluss, Tochter Bach, Annakind, Annagroß, jetzt. Jetzt geht sie in ihren schwarzen Gummistiefeln über die nassen Wiesen. Es quietscht und quatscht unter ihren Sohlen. Herrlich!

Sie erinnert sich:

Sie war acht Jahre alt und immer noch liebte sie nichts mehr, als im Wasser zu planschen. Ob nun im Hochsommer im Schwimmbad, im Rhein oder im Rhein-Herne-Kanal, in einem Bach vor der Türe eines Ferienlagers, in großen Pfützen, mit oder ohne Schuhe. Mutter sah das gar nicht gerne.

„Du ruinierst deine Schuhe!“ Darum wischte Anna jedes Mal die eingesauten Schuhe mit ihrem Taschentuch sauber, bevor sie Nachhause ging. Sie tauchte das Tuch in das Pfützenwasser und polierte das Leder. Mutter merkte nichts. Vielleicht wunderte sie sich, warum ihre Tochter ständig ihre Taschentücher verlor. Nur einmal fragte sie nach. Anna tat, als ob sie es auch nicht wüsste. Sie hatte gelernt Geheimnisse zu haben, besser war das! Mutter verstand so vieles nicht! Die Taschentücher? Ach die, die warf sie nach getaner Arbeit in die große Gemeinschaftsmülltonne auf dem Hof.

Anna träumte von Gummistiefeln. Mutter hielt das mal wieder für eine komische Idee, natürlich!

„Ach bitte. Ich hätte sooo gerne ein Paar Gummistiefel.“ Wenn sie nur lange genug quengeln würde, bekäme sie ja vielleicht doch noch welche. Quengeln half, das hatte sie gelernt.

Die Zeit ging dahin, mit ihr das eine oder andere Taschentuch. Es wurde Herbst, es wurde Winter, es kam der Frühling, vor der Tür stand ihr neunter Geburtstag. Würde sich ihr Herzenswunsch erfüllen?

Mutter war am Nachmittag arbeiten. Immer. Nur nicht am Samstag und am Sonntag. Anna war allein Zuhaus, sie hatte viel Zeit. Zeit sich in Mutters Schlafzimmer zu schleichen, Zeit in den Kleiderschrank zu schauen, zwischen die Laken, hinter die Handtücher, unter die Mäntel und Kleider. Hinter der Bettwäsche wurde sie fündig. Ein rosa Petticoat! Den wünschte sie sich auch. Wenn auch nicht unbedingt in rosa, ob Mutter sie eigentlich ein kleines bisschen kannte? Rosa … achselzuckend legte sie den Petticoat zurück. Unter ihren Kleidern würde schon niemand die peinliche Farbe sehen! Immer noch war die Zeit lang, bis sich der Schlüssel in der Haustüre drehen würde. Sie kroch unter das riesige Ehebett. Ein Ehebett ohne Ehe. Vater gab es nicht mehr. Nur Oma hatte, solange sie gelebt hatte, dort geschlafen, das Gebiss neben sich im Wasserglas auf dem Nachtschränkchen.

Wenn Anna sich ganz platt machte, dann konnte sie immer weiterrobben. Da war etwas, etwas stand unter dem Kopfende. Sie robbte schneller. Weiß war er, der Schuhkarton, ihr Herz begann zu hüpfen, groß war er auch. Mit ihm im Arm robbte sie zurück, aufgeregt richtete sie sich auf, nahm den Deckel ab, da lagen sie … ein Paar weiße Gummistiefel, unter weißem Seidenpapier, in dem großen, weißen Schuhkarton. Zärtlich berührte sie die Stiefel. Behutsam streichelte sie das Gummi. Nur noch eine kleine Weile müsste sie sich gedulden!

Regennachmittage kamen, Nachmittage, um unter das Bett zu robben und von Pfützentänzen in weißen Gummistiefeln zu träumen. Rosa Petticoat und weiße Gummistiefel, wie wäre es mit einem weißen Petticoat und roten Gummistiefeln? Mutter kannte ihre Farben nicht. Sie seufzte.

Der Tag kam, ihr Tag, ihr Geburtstag. Zuerst wickelte sie den Petticoat aus und mimte Freude. Dann waren die Bücher an der Reihe. Ruhelos glitt der Blick über ihren Gabentisch. Wo war der große, weiße Karton? Nirgendwo. Er war nicht da. Sie blies die Kerzen auf dem Kuchen aus. Mutter tätschelte ihren Kopf, Anna setzte den Tornister auf, es war Zeit, die Schulglocke läutete.

Am Nachmittag sollten die Freundinnen kommen. Die Tante und deren Kinder, diese kleinen Rotznasen, auch. Was hatte sie eigentlich mit denen zu tun? Verwandt waren sie nicht. Sollte sie wirklich wieder für sie Kasperle spielen? Ihr graute. Graute vor der langweiligen Tante, deren Rotznasen und den noch viel langweiligeren Geschenken. Immer gab es Unterwäsche. Immer! Weiße Unterwäsche mit kratzender Spitze. Auch die Tante kannte sie nicht. Anna hasste Spitze, hasste alles, was kratzte! Sie wollte ihre Gummistiefel. Dann eben weiße, Hauptsache Gummistiefel!

Zwei Jahre lang noch kroch sie unter das Bett, Tränen vermischten sich mit Wollmäusen, aber die Gummistiefel blieben wo sie waren. Sie quengelte auch nicht mehr. Das hätte vielleicht geholfen die Mutter zu erinnern.

Zwei lange Jahre, dann zogen sie um. Anna war gerade elf geworden. Mutter räumte das Schlafzimmer aus. Ein Aufschrei:

„Schau mal was ich gefunden habe, wie konnte ich das nur vergessen!“ Da stand sie, staubig und verschwitzt vom Räumen, in der Hand den weißen Schuhkarton, in ihren Augen ein Lachen. Anna zögerte, sie durfte ja den Karton nicht erkennen.

„Ja willst du denn gar nicht wissen was drin ist?“ Sie nahm den Karton entgegen, öffnete den Deckel und blickte auf die Gummistiefel. Sie wusste es längst, jetzt waren sie zu klein. Und die Mutter wusste es auch. Zornig verließ Anna das Schlafzimmer. Das Lachen in den Augen der Mutter erlosch.

Eine zweite Erinnerung:

Mit elf Jahren wechselte Anna die Schule, sie ging nun auf ein Gymnasium für Mädchen. Die Straßenbahnen führten sie aus den dicht gedrängten Vororten mit ihren Fabriken und Wohnsilos durch Wiesen und Felder zum vornehmeren Teil der Vororte. Große Villen mit Blick auf die Rheinpromenade standen in prächtigen Parks. Ein paar wenige kleine Häuser duckten sie hinter die Villen in Wiesen und Felder. Sie hatten sich mit Mauern geschützt, einzementierte Glasscherben auf Backsteinmauern. Kaninchen spielten Nachlaufen im Zickzacklauf. Das war das Bild an jedem Morgen, wenn sie von der Straßenbahnhaltestelle in das Mädchengymnasium ging. Ungern. Sie war hier eine Fremde. Arm zwischen reich. Arbeitermädchen zwischen Doktorentöchtern, fremd unter den Mädchen aus wohlhabendem Haus, fremd unter den Blicken der Nonnen, die das Gymnasium leiteten. Fremd unter dem Kreuz mit dem ewig leidenden und blutenden Jesus. Fremd mit dem Rosenkranz in der Hand in den Marienmonaten, am Morgen um acht und am Mittag um zwölf, wenn es für die Engel des Herrn läutete. Oder war es für das Ave Maria gewesen? Fremd auch das!

Ihr Blick träumte den Rhein hinauf und hinunter. Glitt mit den vorbei tuckernden Schiffen weg, weg von Zuhause, weg von dem Mädchengymnasium, weg von Mutter und Tante, die sie nicht kennen wollten. Sie hätte so gerne mit dem Mädchen tauschen mögen, dem Mädchen auf der Schaukel, auf einem der vorbeituckernden Schiffe an einem sonnigen Morgen. Selbstvergessen schaukelte das Mädchen gegen die Fließrichtung des Rheins. Für Anna hieß das Bild Frieden, Harmonie und Sehnsucht. Sehnsucht nach Freiheit für ihre eingeklemmte Seele zwischen den Schulbänken mit Tintenfass.

Ihr erstes Schuljahr auf dem Gymnasium ging zu Ende, alle mussten sie zur Abschlussfeier in die Aula kommen. Es war die erste, die sie erlebte. Einst kleine Mädchen hatten die Reife erlangt. Reif für die Welt vor den Gymnasiumstüren. Sie trugen ernste Mienen zu feierlicher Kleidung, schwarz oder dunkelblau, Kleider oder Kostüme, manche mit weißen Blusen. Feierliche Traurigkeit, traurige Feierlichkeit, wo war die Freude, Freude über die Reife? Freude darüber endlich all dieses falsche Geläut zu verlassen? Das fragte sich Anna, als sie in all die ernsten Gesichter, dort oben auf dem Podest, schaute. Es waren andere Zeiten, andere Sitten und Katholikenbräuche. Katholiken freuten sich nicht, nicht offen, vielleicht heimlich, vielleicht im Dunkeln.

Weiter wanderte ihr Blick über die schwarzdunkelblaue Reife. Eine kleine Weile glitt er, ohne einen Halt zu finden, von rechts nach links, von oben nach …  erstaunt hielt er inne. Anna sah eine junge Frau, mit einem engen dunkelblauem Rock, der artig in der Mitte des Knies endete, darüber eine hellblaue Bluse und darüber eine offen stehende dunkelblaue Strickjacke. Salopp sah das aus. Aber das war es nicht, was sie wirklich fesselte, waren die wadenhohen schwarzen Gummistiefel, in denen die langen, jungen Beine steckten. In Anna jubelte es. Alle Hosiannas und Ave Marias auf einmal und durcheinander, Engelschöre jubilierten, Posaunenfanfaren erschallten, der Himmel tat sich auf, in ihr war eine helle Freude. Hier stand Eine unter all den anderen Reifen und hatte etwas gewagt. Schön war sie, unglaublich schön mit ihrem leisen Lächeln, ihrer saloppen Kleidung und diesen wunderbar schwarzen Gummistiefeln.

So will sie einmal dastehen, genau so! Kerzengerade und mit wadenhohen schwarzen Gummistiefeln unter dem kleinen Schwarzen.

gummistiefel 2

Auszug aus einem in die Jahre gekommenen Manuskript © Ulli Gau

Advertisements

50 Gedanken zu „Die Geschichte von den Gummistiefeln

    • lieber tobias – eigentlich gibt es diese gummistifel-geschichte nur, weil es auch die mann/frau-geschichte gibt. denn alles/vieles hat auch mit sozialisation zu tun. und wir frauen haben eine andere als männer. wünsche dir ebenfalls/trotzdem einen guten start in die woche. barbara

      Gefällt 4 Personen

      • Keine Ahnung, lieber Tobias, was ein Veliciraptor ist, ich vermute mal was sehr Steinzeitaltes, aber wie ich gerade in den letzten Tagen an allen Ecken und Kanten lese, ist das Thema Mann/Frau leider alles, nur nicht steinzeitaltlich. Ich schrieb ja schon, dass es Ausnahmen gibt und wunderbare Männer und Frauen, sowie es absolut gewalttätige Kerle und auch solche Frauen gibt, aber das Ungleichgewicht ist einfach zu stark, als dass ich es nicht immer mal wieder aufgreifen werde. Gäll, du musst es ja einfach nicht lesen, wenn es dich nervt!
        herzlichst
        Ulli

        Gefällt 1 Person

      • Lieber Tobias, das kann ich gut nachvollziehen, soweit… es liegt mir auch fern dir oder irgend einem anderen Mann ein schlechtes Gewissen machen zu wollen. Jede und jeder einzelne trägt die Verantwortung für sich selbst, die eigenen Reaktionen und Aktionen, ein Feld, das ein Leben lang wächst, wenn alles gut geht. Und so sehe ich es eben auch bei Frau und Mann.
        Aber ich gehöre eben auch nicht zu denen, die den Mund halten, wenn es um Ungerechtigkeit, Unrecht/Ungleichgewicht geht. Jede und jeder kann bei sich selbst prüfen oder es sein lassen.
        Herzliche Grüsse
        Ulli

        Gefällt 2 Personen

  1. herrlich geschrieben und überhaupt nicht in die Jahre gekommen. Von mir gibt es ein Kinderbild, ich war vielleicht vier, in einem hübschen grauen mit Blumen bestickten Pullover. Mein Ausdruck sagt: ich will ja gern ein braves Fotografiergesicht machen und mich dankbar erzeigen – ABER dieser Pullover kratzt! Deine kleine Anna ist auch so ein ABER-Mädchen, scheint mir: Petticoat, ABER in der falschen Farbe…., Sie hat das Nörgeln gelernt, denn alles, was man ihr zu bieten hat, ist irgendwie falsch für sie. Und dann kommt endlich der befreiende Moment, wo alles stimmig ist: die junge Frau bei der Reifeprüfung. Da stimmt alles, denn es ist SELSTBESTIMMT.

    Gefällt 5 Personen

    • Ja, das ist die Lösung, Selbstbestimmung- wie oft habe ich mir gewünscht Mutter hätte mich einfach mal gefragt … es ist noch gar nicht sooo lange her, dass ich alle ihre Geschenke, die immer wieder nur bewiesen, dass sie mich nicht kannte, nicht kennen wollte, so, wie ich war/bin, verbrannt habe, das war sehr befreiend- aber das ist dann wirklich eine ganz andere Geschichte …

      hab einen guten Tag, ich bin heute mit den Enkelkindern, der Kleine schläft schon, die Große kommt gleich aus dem Kindergarten, wir haben herrliches Sommerwetter
      herzlichst Ulli

      Gefällt 1 Person

  2. Guten Morgen liebe Ulli, zauberhaft und traurig geschrieben.Sehnsüchte der Kindheit bleiben ewig in der Seele haften und den Trick mit schmutzigen Schuhen und Pfützen zum saubermachen ist mir ebenso vertraut. Heute bekommen Kinder Gummistiefel meist nur noch für den Kindergarten oder den Urlaub, denn wer lässt heute noch seine Kinder bei schlechtem Wetter raus.Vielleicht wollen Kinder auch nicht mehr hinaus, weil es zuviel Ablenkung im Haus gibt, aber dann wird es bald keine Gummistiefelgeschichten mehr geben.

    Gefällt 4 Personen

    • Lieber Arno, oh … ich kenne richtig viele Kinder, die auch im Regen rausgehen, bei meinen Enkelkindern angefangen, bis über die Kids meiner jungen FreundInnen, all die Waldorfkinder und Waldkindergartenkinder und … aber es stimmt natürlich, es sind bestimmt eher die Ausnahmen, wie schade!
      herzliche Grüße Ulli

      Gefällt 2 Personen

    • Mein Enkelchen braucht immer Gummistiefel, denn schlechtes Wetter ist für Mutter u. Kind kein Hindernis… Schon der Hund will raus, schwimmen im Neckar oder auch nur Plützen springen *g*, Stöcke werfen *g* oder die versabbelte Frisbeescheibe *gg*

      Gefällt 1 Person

  3. Danke für das Teilen diese berührende Geschichte, liebe Ulli. ❤

    Gummistiefeln gehören zum Alltag in Norfolk. Ich liebe meine Wellies. Die bedeuten für mich Freiheit, mit den Wellies kann ich überall hin. Wir machen uns auf zum Meer und eine Küstenwanderung, endlich ist der Hochsommer angekommen. Morgen gehen wir in die Salzmarschen Samphire pflücken fürs Abendessen, normalerweise sind Gummistiefeln Pflicht, aber bei diesen Temperaturen gehen wir lieber barfuß im Schlamm.
    Herzliche Grüße,
    Hanne

    Gefällt 1 Person

    • ich trage sie auch oft und gerne, aber jetzt ist barfuß dran oder luftig- dir noch eine wunderbare Zeit in Norfolk, liebe Hanne und herzlihe Grüße an dich und den Rest der Bande
      Ulli

      Gefällt mir

  4. Liebe Ulli, ein Text, der in die Jahre kam?
    wo und wie sind die Jahre ihm denn anzusehen?
    Ich lese einen frischen Text, der nichts ältliches an sich hat.
    Ach ja, diese Erinnerungen, auch heute fallen mir die ernsten, reglosen Gesichter neben, vor und hinter mir auf; nur wenn es um die Klausuren geht, werden sie wach und können reden, fragen u. lächeln.
    Gummistiefel in diesen Jahren trägt keiner mehr. Auch nicht in Frühling oder Herbst.
    Es sind die Kleineren, die sie brauchen, nach wie vor.
    Hier gibt es z.B. einen Waldkindergarten, da geht ohne Stiefel nichts *lach* oder nur ganz selten etwas :-).
    Gummistiefel wünschte ich mir nie, meine ollen Schuhe mußten es auch tun, aber einen Petticoat schon und meiner war zwar hand*verlesen*, aber mehr Lagen wären wohl zu teuer gewesen u. ziemlich dünn kam er bei mir an und einen Rock hielt er kaum hoch… Meine Mutter hatte ihn genäht und vom Nähen hatte sie wenig Ahnung, oder anders gesagt, sie konnte weder nähen noch stricken und der eine mühselig selbstgestrickte Pullover juckte und kratzte dermaßen, die Farbe rotgrünmeliert war in meinen Teenageraugen mehr als scheußlich, wurde von mir einmal getragen und dann nie mehr…
    Gymnasium? Liebe Ulli, es gab u. gibt Väter, die hielten/halten es nicht notwendig für eine Tochter u. auch die Lehrer überzeugten ihn nicht. Ich wünschte mir mehr als das Akkordeon das Gymi, aber es mußte ein preiswerter Weg sein, der wurde genehmigt.
    Na ja, heute habe ich es überwunden, glaube ich manchmal…

    Einen Satz habe ich mir herausgepickt, weil ich ihn gar so schön finde:

    Sehnsucht nach Freiheit für ihre eingeklemmte Seele zwischen den Schulbänken mit Tintenfass.

    Es sind nicht unbedingt die Schulbänke und auch nicht das Tintenfaß, es sind die Menschen, die Engstirnigkeit, in der sie gefangen sind und dann die jungen Seelen einklemmen und aus dem schönsten Schulfach der Welt ein nicht inspirierendes machen.
    Mathe kann undurchschaubar werden… Lehrer sollten nicht zum Einklemmen da sein, sondern zum Befreien und zum freiheitlichen Denken anregen.

    Die Religion, liebe Ulli, hat das Einklemmen der Seelen über die Jahrhunderte geübt und heute noch läuft es wie geschmiert.

    Eigentlich wollte ich nur sagen, was Du für einen tollen Text geschrieben hast – mal wieder – den ich mit großem Interesse gelesen habe.

    Liebe Grüße von Bruni

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Bruni, und du hast wieder so einen wunderbaren Kommentar geschrieben. Ich bin so dankbar, dass wir die Wege zueinander hin gefunden haben, ich genieße unseren Austausch hier und bei dir sehr- ach und hach und ja, es gäbe jetzt noch ganz, ganz viel dazu zu schreiben, aber die Enkelkinder müssen jetzt mal ins Bett. Ich komme später noch einmal zurück, wollte aber wenigstens schon einmal ein Danke für dich hier lassen
      Ulli

      Gefällt 1 Person

      • Von deiner Antwort bin ich jetzt fast geplättet,liebe Ulli
        Oh ja,es ist sehr schön,dich gefunden zu haben.
        Ich bin ja ein wenig suchfaul,aber hier ist uns ein gutes Finden geglückt *schmunzel*

        Gefällt 1 Person

      • schon wieder eine Gemeinsamkeit, ich finde auch lieber, als dass ich suche …

        ich fang mal oben an- alt ist diese Geschichte nur, weil ich sie vor zig Jahren schrieb, siegehört zu einem Manuskript, dass aus vielen Fragmenten besteht und einfach nicht rund werden will. Manchmal denke ich es ganz zu vergessen, aber wenn ich dann eure heutigen Reaktionen lese, dann denke ich wieder: mach einfach weiter …

        Gymnasium … meine Mutter hatte mit mir auch anderes im Sinn, aber die Lehrerinnen haben sie überzeugt und dann bin ich nach der Quarta (7.Klasse) freiwillig auf die Realschule gewechselt – ich kam weder mit dem Nonnenstil klar, noch mit Latein und höherer Algebra, dazu war ein Umzug gekommen, der Verlust aller meiner Freundinnen und Freunde seit Kindertagen und ein dann ewig weiter Schulweg, der morgens um 6h begann und nachmittags um 15h endete, ich in der Vorpubertät und und und – ich habe dann das Abi im zweiten Bildungsweg in Berlin nachgemacht, da war ich schon Mama und alleinerziehend …

        über meine katholische Erziehung habe ich ja so einiges im Frühling in dem gemeinsamen Projekt von Graugans, Mützenfalterin und mir:“Passion “ geschrieben. Das war noch einmal sehr wichtige Runde. Das Thema Passion ist damit natürlich nicht vorbei, aber meine katholische Vergangenheit von der dunklen Seite her schon, bleibt mein Frausein. Da spielt noch so vieles mit rein und wenn ich es schaffe, wie im Frühling, die richtigen Worte zu finden, die aus einer mir als richtig empfundenen Haltung entsteht, dann habe ich wieder einmal einen sehr wichtigen Schritt hin zur Befreiung gemacht.
        Befreiung und Aufrichtung, das geht nur Schritt für Schritt und ja wir sind wirklich schon weiter gekommen, nur ich, ich muss immer weiter und weiter

        was für eine lange Antwort –
        herzlichst
        Ulli

        Gefällt 1 Person

      • wie unterschiedlich die Wege doch sein können und doch finden sie sich an einem Punkt, oder einem Pünktchen 🙂
        Mit meiner *Befreiung* und der Aufrichtung werde ich wohl bis an mein Lebensende beschäftigt sein, liebe Ulli. Ich gehe viele Schritte vor, einen zurück, wieder nach vorne und stehe still, aber nur eine Zeitlang, dann bewege ich mich weiter, aber wirklich schnell gehe ich nie 🙂
        Heute ging ich einen nach vorne und es war gut.
        Wenn mich etwas berührt und ich muss einfach etwas dazu sagen und bin nicht mal aufgeregt dabei, dann ist es ein ziemlich gutes Gefühl, denn ich bin ja eher der stille Typ, liebe Ulli.

        Lieber Abendgruß an Dich

        Gefällt 1 Person

        • die Siebenmeilenstiefel sind mir auch nicht gegeben, vom Quantensprung ganz abgesehen (mein Manuskript, das mit den Fragmenten heißt übrigens vor und zurück )
          hab einen wunderbaren Tag, liebe Bruni

          Gefällt 1 Person

      • ja, den hatte ich, liebe Ulli, aber die Sonne machte ihn anstrengend *g*
        Ich hoffe, Dein Auge hat sich inzwischen gut erholt und all Deine Sorgen wurden etwas leichter.

        Lieber Abendgruß von Bruni

        Gefällt 1 Person

        • die Augen, liebe Bruni, werden in Zukunft zwei Brillen brauchen, eine zum Autofahren, eine zum lesen, Gleitsicht hatte ich schon – no way! Tja … aber ich halte mich lieber an die Klinik, als an den Doc und die haben gemeint, dass es bis zu einem halben Jahr dauern kann, bis sich die Augen neu aufeinander eingespielt hat. Wenn ich nur die Klinik erwähne, sieht der Doc schon rosa. Danke der Nachfrage.
          Mit den Enkeln und in unserem Zusammensein werden Sorgen miniminiklein, ich bin so dankbar!
          sonnige Abendgrüsse, Luna kommt bald und mit ihr viiiiele Sterne
          herzlichst Ulli

          Gefällt 1 Person

  5. Ulli…das ist eine wunderbare Geschichte, sie hat mir große Lesefreude gemacht. Gummistiefel sind etwas Herrliches! Ich liebe Gummistiefel. Weil man mit ihnen so richtig nach Herzenslust durch knöcheltiefe Matsche moddern kann. Weil man mit ihnen nicht neeeben Pfützen zu treten braucht, sondern mittenmang durchwaten kann, mit Stehenbleiben an der tiefsten pampigsten Stelle und einmal spritzen. Anna hätte weiterquengeln sollen. Unbedingt sogar. Doch es geht gut aus: Ihre Gummistiefel erobern die klerikalen Manifestationen und rebellieren die Etikette in geradezu verwegenem Chic!
    Dazu gehört Mut…
    Hosianna und einen schönen Abend für Dich.
    Und danke für die Geschichte,
    herzliche Grüße von Stefanie✨

    Gefällt 1 Person

    • Schon wieder sende ich dir ein breites Lächeln zurück, danke Stefanie, denn besser kann man das nicht beschreiben, als du es gerade getan hast: klasse!
      Mein Enkel verteilte heute glückselig Matschepampe (nasser Sand) über seine und meine nackten Füße, herrlich!
      In dem Punkt bleibe ich gerne „forever young“
      ich grüße dich herzlich zurück
      Ulli

      Gefällt 1 Person

  6. Wenn das Mädchen doch an seinem Geburtstag gesagt hätte: „Wie schade, ich habe mir doch soooooooooooo sehr Gummistiefel gewünscht“ – da wäre es der Mutter eingefallen.
    Wie kann eine Mutter aber auch den sehnlichsten Wunsch ihrer Tochter vergessen – wie schade.
    Die Mutter wollte wohl doch eine „vornehme Tochter“, deswegen Gummistiefel in weiß.
    Hat Spaß gemacht zu lesen.
    Liebe Grüße schickt Clara

    Gefällt 1 Person

    • Mit der „vornehmen“ Tochter triffst du haarscharf, liebe Clara, ein ewiges Galama zwischen mir und meiner Mutter … warum ich dann nicht weitergequengelt habe lag an dem schlechten Gewissen, dass ich „geschnüffelt“ hatte. Tja.
      herzliche Abendgrüße
      Ulli

      Gefällt mir

      • Ich kannte meine Geschenke (leider) auch alle vorher – aber diese „vornehme Zurückhaltung“ wäre mir schon damals fremd gewesen.
        Wahrscheinlich wolltest du tief in deinem Inneren keine weißen Gummistiefel, das war auch schon damals uncool.
        Jetzt würde ich weiße lieben, weiße Autos, weiße Möbel, weiße Stiefel.

        Gefällt 1 Person

        • ich frage mich eher, ob es tatsächlich so viel andere Wahl gegeben hat, wir sprechen ja von den frühen 1960ger Jahren, an rot mit weißen Punkten auf Gummistiefeln war damals auf jeden Fall nicht zu denken 🙂

          Gefällt mir

    • Das ist jetzt aber etwas ganz anderes als die sonst von Ihnen mitschwingenden Erinnerungsschaukeln, lieber Herr Ärmel, das klingt nach … m-m … irgendwas zu engem, ich sehe klemmende und knarzende Schubladen vor mir, die Politur ist arg mitgenommen, ach und wenn zu arg wird, lassen wir sie einfach weiterverstauben, was meinen Sie?

      Gefällt mir

  7. Pingback: Herzstücke: Lieblingsartikel meiner Leser – 2 | Meermond

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s