RoteFadengeschichte 026 2019

Eine herbstliche RoteFadenGeschichte

GedankenFäden 013

Frühsommerliche Winde hatten den roten Faden empor gehoben, ihn mit sich getragen, ihn hierhin und dorthin geweht, stets um den mäandernden Bach herum. Das Mädesüß war an seinem Ufer hoch gewachsen, Bachgräser hatten sich gewiegt, spärlicher war das Wasser geflossen. Aus ungestümen Vorwärtsrauschen war seichtes Geplätscher geworden, Stürme und Frohlockungen wandelten sich in stete, leise Emsigkeit, Rosen knospten, blühten und verwelkten, ihre Blütenblätter sprenkelten Sommerwege, darüber ist es Herbst geworden, letzte Rosen blühen.

Etüde 010 2015

Katrin fährt sinnierend die Landstraße entlang, im Rückspiegel sieht sie die Katzenaugen rot aufleuchten, wenn sie vor den Kurven kurz abbremst. Sie mag das und schaut dann gerne zurück. Ein bisschen kurios ist das schon, denkt sie. Sie, die lieber vorwärts als rückwärts blickt. Ja schon, sie liebt Rot, gerade in den letzten Wochen wieder. Rot schenkt ihr Kraft, stärkt ihren Willen und die Lebensfreude, aber das hier ist mehr. Die roten Katzenaugen im Spiegel sind auch die Versicherung, dass ihre Rücklichter funktionieren, dass wenigstens ein Minimum in ihrem Leben rundläuft.

Manchmal fühlt sie sich wie Hagazussa, die alte Zaunreiterin, die zwischen den Welten balanciert, ohne je die Bodenhaftung zu verlieren.

-Bodenhaftung?

-Ich?

-Nee, ich bin keine Hagazussa, ich bin eher ein Segelschiffchen im Wind, immer froh, wenn mal für einen Moment Flaute ist, dann kann ich durchatmen, ansonsten muss ich schauen nicht zu kentern.

Da ist sie wieder, diese hauchdünne Linie, die alles voneinander trennt, den Wahnsinn vom gesundem Geist, die reale Welt von der Anderswelt, das Leben vom Tod und alles greift ineinander und ist miteinander verbunden.

Manchmal ist ihr alles zu groß, zu viel, dann wünscht sie sich einen stillen See mit sanften Gestaden und Seerosen.

Tuuut, Katrin schreckt aus ihren Grübeleien auf. Herrjeh, das ist noch einmal gut gegangen! Ein Riesenelli rauscht an ihr vorbei. Ohne sein Gehupe …

223 Wörter



Wieder bin ich gerne der Einladung von Christiane gefolgt, habe die drei Wörter, die Katha gespendet hat, genommen, sie in den hohlen Händen geschüttelt und dann vor mir auf den Tisch purzeln lassen und schwupps fügte sich eins zum anderen. Manchmal staune ich selbst 😉

Herzensdank, Christiane, für die Einladung und die Einladungskarte, die ich sehr mag und auch an dich, Katha, für die drei inspirierenden Wörter!

Etüde 008 2019

Eine neue Etüdenrunde startete am Sonntag. Christiane hat wieder dazu eingeladen, die Wortspende stammt dieses Mal von Agnes Podczeck.

Wie immer herzlichen Dank an dich, Christiane, für deine Unermüdlichkeit, die feinen Bilder und an dich, Agnes, für die Wörter, die ich sofort toll fand und die nun ganz anderes hervorbringen als ich zunächst dachte.

Hier nun also meine (erste) Etüde.

Sie dreht den Satz in ihrem Mund, wie eine heiße Kartoffel. Wort für Wort, Biss für Biss.

Es kann gut sein, dass er sie für anzüglich halten wird. Viele Männer sehen sich noch immer als Eroberer. Undenkbar, dass der zu erobernde Kontinent, nämlich sie, den ersten Schritt tut. Sie aber will es, sie will auf ihn zugehen und ihm ins Ohr flüstern: Ich will mit dir schlafen. Jetzt.

Sie will seine Reaktion sehen, das wird alles entscheiden. Wie herrlich es in ihr kribbelt!

Die Kartoffel ist abgekühlt, zerkaut, runtergeschluckt und fährt nun als Kartoffelbrei durch ihren Verdauungskanal. Sie schaut auf die Uhr.

-Wieder Einer, der nicht pünktlich sein kann! Noch fünf Minuten, dann bin ich weg.

Erotik verwandelt sich in Ungeduld und Frust. Gleichmäßig tickt der Zeiger seine Runden.

Als sie ihn in der Ferne mit wehendem Mantel näherkommen sieht, dreht sie auf ihrem Absatz um. Die fünf Minuten sind um, fünfunddreißig sind zusammenkommen. Sie geht die Treppen zum U-Bahnhof hinunter.

-Ich lasse mir meine Zeit nicht mehr stehlen! Ich lasse mich nicht mehr bevormunden! Sex hin oder her.

Sie streichelt über ihren Bauch. Die Schmetterlinge sind ausgeflogen, sie lacht in sich hinein, über sich, die Welt und alle Eroberer in Einem. In ihrem Bauch wächst ein Kartoffelbaby.

208 Wörter

Etüde 003 2019

Ja.

Ja, ich bin eifersüchtig. Hannah sagt es laut. Hannah spürt nach. Das innere Feuer knistert noch, es lodert nicht mehr.

Noch einmal.

Ja.

Ja, ich bin eifersüchtig. Das Feuer ist zu vielen schwarzrot glimmenden Holzkohlestückchen verbrannt.

Noch einmal.

Ja.

Ja, ich bin eifersüchtig. Hannah sieht Asche, sie spürt ihre Restwärme. Gut. Sie verlässt den Platz. Ihren Platz, unter einer Gruppe Birken, auf einer Magerwiese mit Felsen, ohne Vieh.

Jetzt bloß nicht stolpern! Das wäre ein schlechtes Ohmen. Hannah wird jetzt ohne Winterreifen über die zwei Zentimeter Neuschneedecke Nachhause fahren. Sie wird dreißig, dreißig, dreißig singen, ihr Wintereinbruchmantra, mit dem sie noch immer heile hin und her gekommen ist.

Soll er doch laufen oder bei Linda schlafen! Sie ist ja sowas von interessant und klug … zack, Hannah stolpert. Sch-sch-sch … Hannah schreit:

Ja verdammt!

Ja, ich bin eifersüchtig. Unglaublich wie still die Welt sein kann! Hannah gleitet Nachhause.

149 Wörter



geschrieben für das abc Etüden Projekt von Christiane, mit drei Wörtern, die dieses Mal Petra Schuseil gespendet hat → https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/02/03/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-06-07-19-wortspende-von-petra-schuseil/comment-page-1/


Da ich ab heute am späten Nachmittag wieder auf dem alten Berg ohne Internet sein werde, kommen meine Antworten auf spätere Kommentare erst ab Sonntagabend.

Eine Etüde Sept. 2018

Heute folge ich nach langer Zeit wieder einmal einer Schreibeinladung von Christiane → https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/09/23/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-39-40-18-wortspende-von-visitenkartemyblog/

Herzlichen Dank, Christiane, für die Einladung und die Gestaltung und herzlichen Dank an Anna-Lena → https://visitenkartemyblog.wordpress.com/  für die Wortspende!

Die Rahmenbedingungen seht ihr auf der obigen Einladungskarte, alles andere könnte ihr bei Christiane nachlesen.

Ich habe einen Text aus meiner Novelle „Die kleine blaue Frau träumt Meer“ als Ausgangspunkt genommen, habe sie aber umgeschrieben und das Wort Fähre mit Kreuzfahrtschiff ersetzt.

Die Etüde

Sie trägt einen alten Koffer in der Hand, einen Rucksack auf dem Rücken. Heute hat sie sich ein rotes Kleid gekauft. Rot, das ist neu. Mit geradem Rücken schreitet sie die Gangway des Kreuzfahrtschiffes hinauf. Sie dreht sich nicht um. Ihr Blick geht geradeaus.

Sie mag keine Kreuzfahrtschiffe, wollte nie mit einem fahren, aber jetzt. Weil jetzt alles anders ist. Sie hat sich rote Stöckelschuhe gekauft, gerade so hoch, wie sie noch in ihnen laufen kann. Wie gut es tut den geraden Rücken zu spüren, das rote Kleid umspielt die nackten Beine, die roten Stöckis tragen.

Rot liegt sie an Deck im Liegestuhl. Möwen kreisen. Bronzen schimmert ihre Haut, roter Stift auf schmalen Lippen, Spiegelsonnenbrille. Mehr Zeichen setzt sie nicht. Kein Koffer, kein Rucksack, keine Kamera, kein Buch, kein Getränk, keine Zigarette, kein Heft, kein Stift, keine Bewegung. Das Zwerchfell hebt und senkt sich. Vorüberschlendernde werfen kurze Blicke, dann schlendern sie weiter. Sie sieht sie. Sie sehen sie nicht. Sie spiegeln sich in ihren Sonnengläsern.

Wie manche herumstelzen, als gehöre ihnen die ganze Welt! Diese ganze gemeingefährliche Touristenbande!

Wieso denkt sie das jetzt? Sie kennt keinen von ihnen, sie will auch niemanden kennenlernen. Nicht jetzt und auch nicht morgen. Sie will nur weg, weit weg. Die Anderen anders sein lassen. Aussteigen wird sie wenn der Ort stimmt, vielleicht in Island. Keine Pläne, raunt sie sich zu. Es kommt was kommt und ich werde wissen, wenn es stimmt. Jetzt erst einmal kreuz und quer.

Rot steht sie an der Reling, inmitten von grau, beige, blau, weiß und schwarz. Sie raucht. Möwen kreisen.

Sie wird freundlich sein im fremden Land, mehr nicht. Sie will alleine sein, nichts müssen, sich selbst eine gute Freundin sein, mehr nicht.

Nun hat sie doch einen Plan. Sie lächelt. Land in Sicht.



297 Wörter sagt die Zählmaschine. Puh, so gerade eben …

Fluss

die Galerie öffnet sich, wenn du ein Blid anklickst

Ich habe noch immer den Fluss auf meiner Haut – das Gefühl seiner weichen Tonerde an den Füßen – ein heißer Tag liegt auf der Haut, abgekühlt im Fließen des grünen Wassers. Vertraute Wege hin und her – zurück fahre ich mit dem untergehendem Mond – Freundinnenworte im Ohr – Kinderjauchzen auch – Leichtigkeit, Selbstverständlichkeiten, Vertrauen und Wohlwollen.

– Four monthes and you will feel homy. Sterne blinken, Eulenkind ruft, eine Fliege brummt durch die nächtliche Stunde. Meine Nachtdecke ist gewebt aus Flusswasser, Tonerde und Sonnenschein. Drei Muscheln lagen klein und weiß auf dem Grund – drei Muscheln, immer noch klein, dann braun, als ich sie hob. Dreizehn Stecken brannten, das Alte darf gehen, das Neue sich Raum nehmen. Stille …

Verloren gegangene Dinge

Nichts, nicht weiter #4

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me, my life, my way

draufklick = großes Bild

Verlorene Dinge. Sie krallen sich in die Membranen und versuchen unsere Aufmerksamkeit mit einem unentzifferbaren Notruf zu wecken. Worte taumeln in hilfloser Unordnung. Die Totensprache.

(Patti Smith – M Train)

Wie konnte ich die Musik von Patti Smith vergessen, wie konnte ich sie aus den Ohren, den Augen verlieren, wie die Musik von Laurie Anderson? Wie konnte ich überhaupt so vieles vergessen, aus den Ohren, den Augen verlieren?

Was waren das für Zeiten, die ich einst verpackte? Nichts beschönigend, nichts verhässlichend, nichts übrig lassend, nichts. Für eine Zeit in eine Schachtel gepackt und auf den Speicher getragen. Der Gnade des alles einhüllenden Staubes überlassen. Als wäre nichts gewesen. Weitergehen und  Aufrichtung waren wichtiger als Erinnerungen, als Schmerzen, als Taumel.

Jahre später besuchte ich eine Freundin in Berlin Friedrichshain, wir waren uns schnell nahe gekommen. Schon als ich unten zur Türe hinein ging, um zwei Stockwerke hochzusteigen, war da dieser vertraute Geruch, alt und noch älter. Einer mit zwei Erinnerungsgesichtern, das eine trug die Kellerstufen bei der Tante, das andere den Flur mit den schwarz-weißen Kacheln in dem Haus, in dem die Kinder geboren wurden, in dem erst wir und dann ohne Einen Zuhause waren.

Die Freundin stand in der geöffneten Wohnungstür. Sie hat mich angelächelt. Ich sehe noch ihr Gesicht, ein schönes Gesicht, in das ich gerne schaute und zurücklächelte. Ich betrat eine Berliner Wohnung, solch eine, die um die Ecke geht, eine mit einem langen Flur und Türen, Kachelöfen und behaglicher Wärme. Rechts die Tür in die Küche hinein, davor die Tür ins Klo, mit dem Spülkasten unter der Decke und einer Ösenkette mit weißem Porzellangriff an ihrem Ende. Links war das Zimmer mit dem Webstuhl meiner Freundin und den feinen Marionetten, die sie gemacht hatte. Eine war eine Miniatur ihres Partners mit Akkordeon. Ich habe sie lange betrachtet.

Links war auch das Zimmer ihres Partners, groß, weiß, karg. Lebensgroße dünne, nackte Menschen standen, gingen aufrecht oder gebückt an der linken Wand entlang, bildeten eine Gruppe und gehörten doch jede nur sich selbst.

Hier begann ich zu weinen. Ich erinnerte mich wieder, ich hatte alles verloren. Ausatmen. Nichts hatte ich verloren.

Ich habe in dieser Wohnung uns und unser Leben gerochen, habe unsere Musik wieder gehört und wieder den speziellen Geist gespürt, der uns einmal verbunden hat. Nichts war verloren. Es ist nie zu spät, nicht für die Erinnerungen und auch nicht für den gekappten Weg. Ich nahm den Faden wieder auf. Ich gehe den Weg; wieder und immer noch.

Das Zimmer

Nichts, nichts weiter #1

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Sie stand in dem Zimmer, ein Zimmer des Nichts. Nicht wirklich weiß, auch nicht grau, nicht dunkel, was noch erstaunlich war, auch kein Schimmer von gelb, grün, blau, rot, violett, türkis, nur hell. Woher die Helligkeit kam? Wer weiß…

Das Zimmer war fensterlos oder war es Nacht? Sie sah auch keine Tür, was ebenfalls infrage zu stellen war, irgendwie musste sie ja hier herein gekommen sein. Beamen war noch immer den Flaschengeistern vorenthalten.

Sie wollte hier nicht raus, nicht jetzt, also gab es keine Gefangenschaft. Profane Sorgen um essen, trinken, Stuhlgang und pinkeln stellten sich nicht ein.

Sie stand in dem Zimmer, stellte sich dem Nichts, der Abwesenheit von Farben, Dingen, Fenstern und Türen; neugierig, verwundert, immer noch.

War sie selbst das Zimmer?

Bislang hatte sie sich als escheraeskes Treppenlabyrinth gesehen. Oben und unten waren sich hebende und senkende Ebenen, Türen erschienen, verschwanden wieder, waren verschlossen, standen einen Spaltbreit oder weit offen. Endlosgänge wechselten sich mit verwinkelten Hotelfluren ab.

Sie hatte einst Stockwerk siebeneinhalb geputzt. Hier hatte es zwei schlichte Zimmer gegeben, von jeher für Poeten bestimmt. Lessing soll hier gewesen sein, Lenz auch und die Droste-Hülshoff, andere, deren Namen sie entweder vergessen hatte oder die namenlos starben.

Manchmal hatte sie sich an einen der kleinen Schreibtische gesetzt und auf den Rhein mit seinen vorbeituckernden Schiffen geschaut, die hinter der Kurve verschwanden oder langsam ihren Bug in ihren Blickwinkel schoben, gefolgt von dem langen Leib, bis auch das Heck sichtbar wurde. Hier war sie immer ruhig geworden. Gerne wäre sie hier sitzen geblieben, sie würde ihr kleines Notizbuch aus ihrer Hosentasche ziehen, ihren geliebten Füller aufschrauben, der immer an der Brusttasche ihres Arbeitshemdes klemmte. Sie würde hier ihren Gedanken folgen, wie ihre Blicke den Schiffen. Ungestört. Ohne etwas anderes erreichen zu wollen, als die Feder ihres Füllers über das Papier gleiten zu hören. Ihre runden Buchstaben würden Worte formen, diese Sätze, die, wenn alles gut ging, zu einem Sinn oder wenigstens zu einem Bild, einer Möglichkeit der Wirklichkeit wurden.

Wirklich, wie die schroffen Schieferhänge dieses engen, kurvigen Rheintals um die Loreley herum. Nicht weit von Kilometerstein Nummer Fünfhundertirgendwas entfernt, dem Wim-Wenders-Kilometerstein und der Wim-Wenders-Insel, mitten im Rhein. Die Straße daran vorbei war sie zig Hundertmal  gefahren.

Aus solchen Träumen erwachte sie immer unbeschadet. Sie taten nicht weh, sie waren Teil ihrer Geschichte, ihrer Verdauung, ihrer Verortung.

Nicht alle Räume, die sie einluden waren freundlich. Manchmal fand sie dort Geschichten, die sie verstörten, weinend, verzweifelt erwachen ließen, andere waren voller Verwunderung und Staunen. Sie ahnte, dass dieses Zimmer der Nichtfarben zu letzterem gehören würde. Mehr noch, dass dieses Zimmer mehr Teil ihrer Wirklichkeit war, als alle anderen zuvor.

Wirklicher, als das kleine tanzende Herz aus Gold, das sie einst auf einer der escheraesken Treppen gefunden hatte. Wirklicher, als der Stuhl auf dem sie saß, um mit ihrem geliebten Füller, seinem leichten Gleiten auf kariertem Papier, ihre Gedanken zu etwas verdichten, was, wenn schon keinen Sinn hatte, dann wenigstens eine Geschichte war. Eine Geschichte, die alles offen ließ, wie ein heller Raum des Nichts, ohne sichtbare Fenster oder Türen.

Nichts.

Darum geht es. Das nichts ist, außer Geschrei und Gerenne, um ihm zu entfliehen. Bedrohlicher als der Tod, der wenigstens noch neunundvierzig Stufen und ein Licht verspricht.

Nichts. Punkt Null, von dem aus alles möglich, weil alles denkbar ist, in jegliche Richtung. Um etwas wachsen zu lassen, braucht es Punkt Null, braucht es nichts, braucht es totenstill.

Sie hatte sich auf den Boden gelegt, der warm war, wie es überhaupt in diesem Zimmer warm war, warm und frisch, so wie sie es mochte. Der Boden nahm sie auf. Sie konnte sich an ihn schmiegen. Eine warme Erde, die ihren Körper empfing und hielt, sie umschmeichelte und barg, die hell war, wie alles andere, aber auch anders, weil sie mehr war als nichts.

Sie hatte den Punkt Null verlassen. Etwas war geworden. Eine Erde, die sie hielt und trug, wärmte und barg. Sie schloss die Augen.