die Welt der Märchen

„Märchen“, so sagt das Lexikon (nein nicht Wiki, sondern eins aus Fleisch und Blut 😉  … ), sind phantasievoll ausgeschmückte Prosaerzählungen, in denen die Naturgesetze aufgehoben sind und Wunder vorherrschen.“
Pflanzen und Tiere, auch Gegenstände können sprechen. Zauberer, Hexen, Feen, Elfen, Zwerge,  Wichtel, Teufel, Riesen und andere mehr sind die ProtagonistInnen. Viele von ihnen helfen in der Not, andere bringen sie … In eigentlich allen Märchen finden wir den Helden, die Heldin, das Gute und Böse und in der Regel wird am Ende das Gute belohnt.
Ich verstehe Märchen als symbolische Geschichten für das menschliche Dasein mit seinen zahlreichen Herausforderungen. Die Märchenforschung macht auf die tiefenpsychologischen Hintergründe aufmerksam.
In der Zeit, als sie entstanden sind, lebten die Menschen noch um vieles näher mit und in der Natur. Ihr Dasein wurde bestimmt durch den Kreis der vier Jahreszeiten (zumindest in den Breiten der nördlichen Hemisphäre). Man glaubte an die kleinen und großen Wesen, wusste die Sprache der Tiere und Pflanzen noch zu verstehen. Glaubte nicht nur daran, dass alles mit allem verbunden ist, sondern lebte es …

Es wird unterschieden in volkstümliche Märchen, Geschichten, die von Generation zu Generation weitererzählt wurden und sogenannten Kunstmärchen, wie sie z.B. Hans Christian Andersen, E.T.A. Hoffmann, Wilhelm Hauff, Ludwig Bechstein u.a. geschrieben haben. Fabeln und Legenden gehören nicht dazu.
Das Wort Märchen stammt von dem Wort „Maere“ ab, was Kunde oder Nachricht bedeutet.

Außerdem verfügen wir heute über eine große Sammlung von Märchen der Völker. In ihnen sind noch die Bezüge zum jeweiligen Glaubenssystem, aus dem sie hervorgingen, erhalten. Hier ist der Übergang zu den Mythologien, die sich ausschließlich mit der Welt der Götter und Göttinnen und ihren Taten beschäftigen, sowie mit der Entstehung der Erde und des Lebens darauf.

Es ist spannend die unterschiedlichen Märchen und Mythologien miteinander zu vergleichen und den darin verborgenen Kern von Weltsicht zu ergründen, sowie die Parallelen aufzuspüren, die sich in den Ureigenschaften der Menschheit spiegeln: Freud, Leid, Krankheit und Heilung, Liebe, Verlust, Tod, Neid, Gier, Hass, Wandlung bzw. Verwandlung, Gewinn und Verlust, aber auch in der Sinnsuche, um das Phänomen der Zeit, dem Streben nach Weisheit und Einsicht.

Schon einmal berichtete ich über Heide Göttner-Abendroth (siehe https://cafeweltenall.wordpress.com/2012/08/17/zurnet-den-gottern-und-gottinnen-nicht-es-sind-auch-nur-menschen/), nun geht es um ihr Buch „Frau Holle und die Feengeschichten der Dolomiten“.

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Frau Göttner- Abendroth hat sich der Matriarchatsforschung verschrieben, hat Philosophie und Wissenschaftstheorie studiert und rief 1986 die autonome Internationale Akademie HAGIA (Internationale Akademie für Moderne Matriarchatsforschung und Matriarchale Spiritualität) bei Passau ins Leben, die sie leitet. Sie gilt als eine der Pionierinnen in der Frauenforschung.

Sie hat für dieses Buch deutschlandweit Frau Holle Geschichten zusammen getragen und, wie schon in ihrem oben genannten Buch, die Geschichten selbst nacherzählt. Ich war erstaunt wie viele Geschichten es zu Frau Holle gibt und wie sich ihr Gesicht mit Fortschreiten des Patriarchats verändert. Frau Holle wird von Frau Göttner-Abendroth mit der sogenannten großen Göttin gleichgesetzt, die sich, je nach Jahreszeit, in die weiße, rote oder schwarze Göttin verwandelt. Selbst wenn man sich nicht mit diesem Kontext beschäftigen möchte oder gar nicht an ihn glaubt, lohnt es sich allein schon wegen der vielen unterschiedlichen Geschichten dieses Buch zu lesen, vorausgesetzt man mag Märchen! Dies gilt ebenso für die Geschichten um das Feenvolk der Dolomiten, die mir gänzlich unbekannt waren und mich sehr faszinierten.
Beiden gemeinsam ist ihr Untergang, sowie ihre Verfremdungen durch das Fortschreiten des Patriarchats.

Wie schon in ihrem Buch Inana (s.o.) … interpretiert und analysiert Frau Göttner-Abendroth im Anschluss an ihre Nacherzählungen Gestalten und Hintergründe.

Eine weitere Verfechterin für Frauenrechte und Gleichstellung ist Luisa Francia. In ihrem Buch „Die Schatzhüterin“ hat sie uns wohl bekannte Märchen neu erzählt.

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Nicht alle gefallen mir, aber es gibt solche, die meine Märchenseele wirklich entzückten. So z.B. ihre Erzählung des Märchens von den „roten Schuhen“.  Mich hat dieses Märchen in seinem normalen Ausgang schon immer „genervt“, die moralische Seite dahinter gestört. Und so war ich auch nicht schlecht erstaunt über die Interpretation von Clarissa Pinkola Estès in der Wolfsfrau. Von ihr hatte ich anderes erwartet und war an dieser Stelle enttäuscht. So erklärt sich meine Freude über Luisa Francias Neuerzählung, die mich von den roten Stiefeln träumen ließ und zu dem unteren Blogbeitrag führte (https://cafeweltenall.wordpress.com/2013/02/26/rote-stiefel-red-boots/.

In Ihrem Vorwort schreibt Luisa Francia:

„ … Deshalb habe ich dieses Märchenbuch geschrieben – um den Frauen lustvolle Alternativen zum ewig gleichen Denkmodell zu entwerfen, um das Wunderbare zurück in den Alltag zu holen, um Frauen in ihrer Kraft zu bestärken und neue Wirklichkeitsentwürfe zu erfinden. Um Männer anzuregen, starke Frauen zu finden und auszuhalten … Protest und Widerstand sind wohl notwendig, doch Lebensfreude wird sich als die stärkere Wandlungskraft erweisen. Diese Lebensfreude will ich in meinen neu erzählten Märchen hervorrufen. Denn Märchen sind Landschaften im Kopf, die als Nährboden für neue Lebensmodelle die Wirklichkeit verändern können.“

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23 Gedanken zu „die Welt der Märchen

  1. erstes kenn ich nicht, zweites hab ich vor einem jahr oder so auch vorgestellt. das rote-schuhe-märchen muss ich mir jetzt aber echt mal angucken und vergleichen mit der version in der wolfsfrau.

    danke für den frau holle-buchtipp! könnte mir gefallen?!

    herzlich, soso

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  2. Die Welt braucht Märchen. 🙂

    Ich befürchte meine Lesesliste wird nie abzuarbeiten sein, es kommen immer neue Bücher drauf und ich schaffe nicht ein einziges „abzuarbeiten“. *grummel Es wird Zeit, dass ich in den Gartenstuhl kann, denn da findet meine hauptsächliche Lesezeit statt. 🙂

    Das Feenvolk der Dolomiten interessiert mich nun besonders, denn das kenne ich nicht, du hast mich neugierig gemacht. 😉

    Liebe Grüße, Szintilla

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    • liebe Szintilla, ich kann es nur noch einmal sagen, das Feenvolk ist ganz entzückend, aber dann wirds traurig … aber auch dies gehört zu Märchen dazu-

      meine Liste in den letzten Monaten auch ziemlich lang geworden, wobei ich schon das eine und andere Buch abhken konnte, ich lese viel im Winter und gerade in diesem hatte ich viel Zeit und Muße …

      herzlichst Ulli

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  3. 1990, als ich einen Monat auf Island verbracht habe, glaubte man dort nicht nur an vielen Orten an die großen und kleinen Wesen, sondern sie waren in aller Selbstverständlichkeit ein Teil der Realität und es wurde mit ihnen gelebt …
    Danke für die schönen Anregungen.

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    • ich danke dir für deinen lieben Kommenatr und sag erst einmal herzlich Willkommen im Café …
      stimmt, in Skandinavien glaubt man auch noch an das kleine Volk, die Trole nicht zu vergessen und … wenn mich nicht alles täuscht, auch noch in Irland und Schottland … wäre doch mal interessant zu erforschen 🙂

      herzlich grüßt dich Ulli

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      • danke für den herzlichen Willkommensgruss, bin über aquas de marco / nix zen ans Bloggen geraten und habe mich Anfangs etwas gegen das Kommentieren gesträubt… schätze „echte“ menschliche Begegnungen. Gewöhne mich langsam ein und fange an die inspirierenden Seiten zu schätzen 🙂
        herzliche Grüße zurück

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      • da sprichst du etwas Wahres an, ich empfinde Bloghausen auch sehr inspirierend- es braucht halt seine Zeit, bis man heimisch wird und die Blogs findet, die passen … mittlerweile geht es mir so, dass ich manche Menschen dahinter schon meine etwas zu kennen, etwas Vertrautes stellt sich ein-
        natürlich mag auch ich reale Begegnungen, möchte darauf nie und nimmer verzichten!

        herzlichst Ulli

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  4. Pingback: Arbeitsplatzimpressionen |

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