Liebeliebe

0224 26.10.15 liebe

(die hier verwendeten Skulpturen sind von Bruno Bruni – ich entdeckte sie 2013 in einer Züricher Galerie und fotografierte sie durch die Scheibe)

Es kommt die Liebe nicht gut weg bei all ihrem Versprechen. Süß und bitter, höchste Freuden, tiefstes Leid. Abgründe, Schluchten, Wüsten, wo vorher Engel sangen, wo Nacktheit über weite Fülle tanzte. Sie zu fangen, die Flatterhafte, heißt einem Schmetterling die Flügel stutzen.

Goldene Käfige, stumm schreiende Frauen mit rosigen Säuglingen behängt. Graue Männer torkeln durch Neonnächte. Stetiges Umkreisen, den Haken werfen, am Morgen schaler Geschmack.

Es sehnt sich, es wird sich gefunden, Hände streichen Röcke glatt, schliessen Hosenställe. Scham und Schande sind Gesellinnen manch Begehrens im nächtlichen Tanz. Tod und Teufel reiben sich die Hände, Göttinnen und Götter steigen und fallen durch die Pantheons der Historie.

0094 03.03.13 du

(ich weiss leider nicht mehr wann und wo ich diese Skulptur aufnahm, die Montage machte ich 2013)

Zärtlichkeit im hohen Alter streichelt müde Füße zwischen Greisenbeinen. Von jung zu alt schrieben sich Geschichten- von rosarot bis Blei. Tausend tanzende Schritte vor und zurück.

Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht, sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht, sie liebt ihn, sie liebte ihn noch nie schon immer. Er liebt sie, er liebt sie nicht, er liebt sie, er liebt sie nicht, er will sie, sie ist nicht zu haben.

Teilen. Sich, einen Tisch, ein Bett, ein Leben. Zerteilen. Sich, in Stücke für die Kinder. Mitteilen. Sich, in anders höhrende Ohren.

Dürr sind die Wurzeln der Ahnen, verbrannte Erden. Sie und er wiegen sich, zwei Grashalmen gleich. Es zerren die Stürme, es prasselt der Regen, es sengt die Sonne, es düngt ein Lachen, es gießt die Liebe. Am Ende erzählen die Hände.

28 Gedanken zu „Liebeliebe

  1. „Am Ende erzählen die Hände.“ Stimmt….., hatte ich noch nicht so gesehen. Liebe als ein Substantiv finde ich schon ……, schwierig, als zwei zusammen gesetzte trifft es mich ins Mark (Sternum). Und ich bin traurig. Ich kann nur lieben.Ich wünsche Dir einen feinen Tag. Kram Ruth

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    • ja genau, liebe Ruth, es ist die liebe Liebe – und bei den Händen dachte ich an alte Hände, die sich zärtlich halten, manchmal kommt ja auch das vor! Ich hoffe dein Sternum ist wieder beruhigt- liebe Grüsse Ulli

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  2. Eine Bilderflut von Liebe.
    Widerstand zwecklos, Sehnsucht hat Bestand bei flatterhaften Subjekten.
    Tolle Sprachgewalt, Ulli.

    Die Skulpturen (vor allem Bruni) eindrucksvoll mit dem Spiegelmond.

    Liebe Grüße von der Fee✨

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    • du gute Fee, hab Dank, ich war ja schon etwas bang diesen Text zu veröffentlichen, sie kommt halt nicht sooo gut weg, die Liebe, wenigstens nicht hier 😉
      Von Bruni möchte ich einmal viel mehr sehen, er fasziniert mich! Schön, dass dir die Skulpturen auch gefallen!
      liebe Grüsse Ulli

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    • hallo Paula, ich bin gerade etwas hin und hergerissen, da ich ja gerne vor dem rebloggen gefragt werde, trotzdem danke ich dir, der Artikel muss dir ja gefallen haben und so nehme ich es als stilles Kompliment und grüsse dich herzlich
      Ulli

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      • Oh, ich bitte um Entschuldigung…. Da es den Button einfach gibt, hatte ich jetzt nicht gedacht fragen zu müssen. Wie ist das denn hier generell geregelt 😱? Natürlich hat mir der Blog gefallen… Kann aber das auch gern wieder löschen?

        Da ich hier noch nicht lange bin , weiß ich jetzt gar nicht …. Muss/ sollte ich generell fragen ?

        LG Paula

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      • liebe Paula, nun lasse es doch ruhig stehen und mach dir bitte nicht so einen Kopf! Ich habe auch gerade erst gesehen, dass mein Text auf der Seitenleiste nicht mehr da ist, darin bat ich um Nachfrage- seltsam, wann habe ich das denn geändert … nun gut. Gnerell weiss ich deine Frage nicht zu beantworten, das handhabt ja jede und jeder anders, ich habe mir einfach angewöhnt zu fragen. Nix für ungut und herzliche Grüsse und viel Freude in der bunten Welt von Bloghausen
        Ulli

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  3. Mit den Jahren und dem Altern fühlt sich die Liebe — in ihrer nun sanfteren, weniger fordernderen Wärme — viel weicher und umfassender an, und aus sich selbst heraus viel länger andauernd. Ein unendliches Licht. <– subjektiv gesehen. 😉

    Du hast wirklich viel Liebe in diesen Beitrag gesteckt. Er lockt Gefühle, Erinnerungen und Vergangenes hervor. Welch eine Kraft in den vielen Wortbildern steckt!

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    • Ja, das stimmt, das Bild der Liebe hat sich tatsächlich verändert und vieles von dem, was ich schrieb ist auch in jüngeren Jahren verortet, ich mag die etwas ruhigeren Gewässer der Liebe, aber ich erinnere mich auch gerne!
      Schön, dass meine Wortbilder etwas bei dir hervorlocken konnte, das ist ein feines Kompliment 🙂
      liebgrüss

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    • Nein, das täuscht nicht, liebe Seeds, schön, dass du es aufnimmst! Ich schrieb ja zu Anfang, dass die Liebe nicht gut wegkommt, bei all ihren Versprechen- Auslöser dazu sind viele Liebesgeschichten, ob ich sie nun las oder hörte oder selbst erlebte. Allerdings ist es in den letzten Jahren bei mir doch etwas entspannter geworden, aber Schluchten und Täler tun sich immer wieder noch einmal auf …
      schön, dich wieder einmal zu lesen! Liebe Grüsse Ulli

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  4. Pingback: Rückblick – 10 – |

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