vom Ja

Seit vielen Jahren haben wir die Zeitschrift „natur & heilen“ abonniert. Ein Heft, das sich mit alternativen Heilmethoden auseinandersetzt und BuchautorInnen zu Worte kommen lässt. Immer wieder finden wir hier großartige Besprechungen zu Heilpflanzen, homöopathischen Mitteln, sowie das eine und andere über das es sich lohnt nachzudenken.

In der Dezemberausgabe gibt es ein Interview mit Ruediger Schache zu seinem neu erschienen Buch: Ja! Der innere Schalter zum höchsten Glück … nein, kein Esoquatsch! Vielleicht stört mich der Begriff „höchstes“ Glück, aber das darf es. Ich sage ja dazu. Und schon sind wir mitten in dem, was Ruediger Schache darstellt, die „Zauberkraft“, die in dem kleinen Wort Ja steckt.

Ablehnung von dem was ist, trägt ein Nein in sich. Windmühlenkämpfe, in denen wir nur immer wieder verlieren können, sind die Folge. Nein, niemand will hier Puderzucker über Scheisshaufen streuen, denn ein Scheisshaufen ist ein Scheisshaufen …

Wie immer ich mich fühle, ob nun traurig oder eifersüchtig, fröhlich oder ärgerlich, in dem Moment, in dem ich Ja zu dem sage was ist, kann es sich wandeln. Oft schon durfte ich genau diese Erfahrung machen. Somit sagt mir Herr Schache nicht wirklich etwas Neues. Er bestärkt eigene Erfahrungen und weiß diese mit klugen Beispielen zu untermauern.
Wir alle funktionieren nach Mustern/Programmen, die in frühester Kindheit angelegt wurden. Sicherlich braucht es den tiefen Wunsch etwas verändern zu wollen und sicherlich braucht es Mut und Ausdauer, um Schritt für Schritt diesen Mustern und Programmen auf die Spur zu kommen, um eine neue Richtung einzuschlagen, auch Herr Schache verspricht keine schnelle Erleuchtung mit Pensionsanspruch.

Lasse ich ihn selbst reden (ich erlaube mir abzukürzen):

„Inneres, also gefühltes Unglück entsteht immer dann, wenn wir etwas nicht wollen oder anders haben wollen, als es gerade ist. Eine innere Ablehnung und Glück können sich nicht zur selben Zeit denselben Ort teilen. Während Sie etwas verurteilen oder als negativ bewerten, können sie nicht gleichzeitig glücklich sein. Und je mehr Sie innerlich ablehnen, umso mehr Raum wird damit gefüllt. Die Lebenszeit füllt sich sozusagen mit Ablehnungen auf. Und plötzlich findet sich ein Mensch in einem Strudel unglücklich machender Gedanken und Gefühle zum Leben wieder, ohne dass er genau weiß, woher das alles kam.

„Nein, ich will das nicht! Nein, das ist nicht gut! Nein, ich bin fehlerhaft!“

… Immer wenn Sie sich im Kampf mit anderen oder in Selbstablehnung erkennen, oder auch nur, wenn Sie sich einfach schlecht gegenüber dem Leben fühlen, gibt es einen inneren Ablehnungsprozess. Immer. …

Jede Ablehnung benutzt einen einfachen Mechanismus, sie sagt: „Hier will ich nicht sein“ (Ablehnung des Ortes), „Ich will nicht, dass dies gerade so geschieht“ (Ablehnung der Situation), „Etwas in mir oder an mir ist nicht richtig“ (Ablehnung des Selbst) … und nun können Sie sich selbst fragen, ob sich an diesen Stellen nicht ein Ja finden lässt. … In der Zeit, in der man in sich selbst „Ja“ denkt oder fühlt, kann man nicht unglücklich sein.“

Ja, es gibt die gesunden Neins, dazu befragt sagt er:

„Es geht darum zu erkennen, dass ein Nein nicht das Problem ist, sondern die automatische Reaktion. Wenn etwas automatisch stattfindet, macht das Unterbewusstsein, was es will. Es laufen die alten Verletzungen, die alten Prägungen, die unwillkürlichen Reaktionen auf Menschen, Orte und Situationen ab. Wenn ich entscheide: „Jetzt will ich kämpfen“, ist es kein unbewusster Kampf mehr gegen etwas, sondern eine bewusste Entscheidung für etwas. Nun gehe ich mit einem Ja in die anstehende Aufgabe.

Diese kleine Sekunde – der Situation ein Ja zu geben – schafft in mir den Raum für Bewusstheit. Man muss nicht immer schnell reagieren. Man kann einen Atemzug warten, die Situation kurz wahrnehmen, wie sie ist, und ihr ein Ja geben. Dann atmet man aus und sagt seine Meinung …

Die Annahme ist das Ansehen der Wahrheit. Es ist ein Ja zu dem, was ist, auch zu dem Negativen. Man verändert also nicht etwas Negatives in etwas Positives. Habe ich gerade schlechte Laune, habe ich schlechte Laune. Ich beobachte es und bin nicht dagegen. Und plötzlich – und das ist das kleine Wunder – kann es sein, dass man innerlich lacht …“

Im Ja steckt auch die Umarmung des Lebens und des Selbst, so, wie es ist … ein Zustand ohne Ablehnung, in dem alles genauso anwesend sein, und geschehen darf, wie es ist, durch den wir zur Liebe kommen.

Und …  Liebe und Mitgefühl sind keine Gefühlsduseleien!

Advertisements

25 Gedanken zu „vom Ja

  1. Das ist gar nicht so eso. Ist das nicht auch beim Meditieren so, dass man das, was ist, erst einmal einfach akzeptieren soll? Ist es nicht auch in der Psychotherapie so, dass man das, was ist, einfach erst einmal benennen muss und sagen muss „Ja, ich habe dieses Problem … Ja!“ bevor es sich – wie du sagtest – wandeln kann?

    Gefällt mir

    • Ja … genauso ist es … ich kam zum Ja über die Meditation …
      ich freue mich sehr, dass du diese Gednken teilst.
      Geht es dir wieder besser? Auf alle Fälle wünsche ich es dir und grüße dich herzlich Ulli

      Gefällt mir

      • ich meine bauch-darm-fieber … und wenn ich dich jetzt richtig verstanden habe, fällst du ins weiche Bett und hast aber Mühe wieder auf die Beine zu kommen? schiefgrins
        zumindest dein Humor ist da, das ist doch schon einmal die halbe Miete zur Gesundung!

        Gefällt mir

  2. Diese Situation immer wieder erlebt: Wie ein „Nein“ nur weiter verhärtete und ein „Ja“, auch wenn viel Überwindung dazu gehörte, von einer Last befreite und Verhärtungen löste.

    Liebe Grüße

    Achim

    Gefällt mir

    • lieber Achim,

      das finde ich wichtig, dass du schreibst, dass es in manchen Situatiinen auch Überwindung kostet Ja zu sagen. Besonders im Miteinander kommt dies zum tragen. Mir hat bei diesem Artikel auch die Haltung von Herrn Schache gefallen, zu sagen: schau doch mal, ob du ein kleines Ja im Nein finden kannst …

      liebe Grüße Ulli

      Gefällt mir

  3. Oh dear, jetzt drängt es mich, den advocatus diaboli zu spielen: Für mich ist dieses Ja-Sagen, in welcher Gestalt es auch immer propagiert wird, die Widerspiegelung einer denkfaulen ahistorischen Haltung. Der Widerspruch und das Nein sind kreative Haltungen. Würden wir alle in seliger Affirmation dahindämmern, würde sich auf der Welt nichts verändern. Dem Ja wohnt eine konservative Kraft inne, die alles akzeptiert, wie es ist. Meiner Auffassung nach wächst jedoch der Mensch, indem er sich, seine Umgebung und letztlich ein Stück Welt verändert. Was dieser Herr Schache schreibt, finde ich zutiefst reaktionär und neu ist es ja nun auch nicht gerade.
    Große Künstler und Wissenschaftler haben kühn Nein gesagt, z.B. die Erde steht nicht im Mittelpunkt unseres Sonnensystems (Galileo), der Mensch ist nicht frei (Freud), die Kunst ist nicht Abbildung der Wirklichkeit (Beginn der abstrakten Malerei). Das trifft auch auf der individuellen Ebene zu, z.B. ich bin nicht, wie meine Lehrer/Eltern mich sehen.
    Ehrlich gesagt, finde ich das Buch von Schache platteste populistische Psychologie.
    So und kommen jetzt kräftige Neins? 😉
    Liebe Grüße von der Küste
    Klausbernd

    Gefällt mir

    • JA HA lieber Klausbernd, da kommt das Nein, denn nein, SO genau habe ich ihn im Interview nicht verstanden, denn wenn es so wäre, würde ich es nicht einstellen! Ich mag keine Ja-SagerInnen- das zuerst. Auch das Buch interessiert mich nicht wirklich, weil ich das Interview gelesen habe und damit alles für mich gesagt ist.
      Wie ich schon an Sherry schrieb, ich lernte das Ja in der Meditation kennen: ja, mir tun verdammt nochmal die Knie weh … also setze ich mich doch anders hin, dem Geist ist es doch wurscht WIE ich sitze (jetzt die Zen- SchülerInnen bitte – 😉 )… dann weitete ich es langsam aus, ich war wütend, z.B. und anstatt mich dafür in die Wurst zu machen und es somit immer schlimmer, stellte ich einfach fest: ja, ich bin wütend … dann passierte etwas ganz anderes. Die Wut verlor ihr Rot und ich konnte sachlich hinschauen, was genau mich denn gerade wütend gemacht hatte … eijaaa, was erzähle ich dir da?! Du kennst es, du weißt es, oder etwa nicht?! In diesem Sinne habe ich Herrn Schache verstanden und in diesem Sinne auch den Text geschrieben. Denn, JA ein Scheißhaufen, bleibt ein Scheißhaufen. Dazu fällen mir dann noch die positvethinkingLeute ein, die mir den letzten Nerv töten können, denn die sagen dann vielleicht, dass der Scheißhaufen doch auch seine schöne Seiten hat, wenn ich nur anders hinschaue …
      Es gibt vieles in der Welt, dem ich nicht mein Ja schenken kann, weil ich mich dann verleugnen würde, aber es hat mich auch nicht weitergebracht in den Zeiten, als ich einfach alles zum k…. fand, aber nichts hatte, was ich hätte entgegenstellen können. Genau darum geht es aber. Wenn ich etwas ablehne, dann sollte ich wenigstens wissen, was stattdessen für mich besser wäre …

      liebe Grüße vom schneenassen Berg Ulli

      Gefällt mir

  4. Benoetigt Eso T ein nein?
    Was sit Eso T und was nicht, es sxhein fast schon ein Schimpfwort zu sein.
    Sage ich einfach ja zu allem was sich darunter verkauft, lasse es wertfrei fuer mich stehen, kann ich still drueber laecheln:-)

    Gefällt mir

      • So ist es ja ebenfalls mit dem Ja oder Nein, wir schauen kritisch hin und jeder für sich auf seiner persönlichen Wertungsskala. Dann vergeben wir unser Ja oder unser Nein.
        Und ja, wenn ich diese meine Wertungsskala wertfrei betrachte und sie annehme, kann ich mit dem Ja oder dem Nein glücklich Leben.
        „Wenn etwas automatisch stattfindet, macht das Unterbewusstsein, was es will. Es laufen die alten Verletzungen, die alten Prägungen, die unwillkürlichen Reaktionen auf …“
        Das Wort Esotherik scheint öfter ein automatisches Nein zu bekommen, schmunzel.
        Laotse steht unter Esotherik im Buchladen, ich hab das Büchlein damals mit eine Ja gekauft.

        Gefällt mir

  5. Liebe Ulli,
    man bekommt immer, was man braucht. Für mich kommt dieser post gerade richtig nach einem Tag, an dem ich mich nicht wohl gefühlt habe. Ich habe ein klares Nein zu einer Angelegenheit und traue mich nicht ja zu sagen zu dem Nein, aus Angst jemanden zu verletzen. Ich werde mich wohl trauen (müssen). Danke für den Hinweis, den ich anderen Situation beherzige.
    Liebe Grüsse – Uta

    Gefällt mir

    • liebe Uta, das ist die Krux im Leben, bleibe ich mir selbst treu, dann verletze ich u.U. andere, da kann man nichts machen. Ich wnsche dir Mut zu deinem Ja im Nein.

      herzliche Grüße Ulli

      Gefällt mir

    • kein Problem, passiert mir auch oft, ich verstehe dich auch so 😉
      und jaha, lieber Nixzen, ich fand auch schon manch lesenswertes Buch in der Rubrik Esotherik … ich habe kein generelles nein hierzu … wie auch?

      herzlichst Ulli

      Gefällt mir

  6. Manchmal braucht es auch ein NEIN im Leben, um Veränderungen herbeizuführen, um wieder JA zum Leben sagen zu können.

    Beides, Annahme dessen womit ich eben leben muß, aber auch Abänderung dessen, was mir nicht gut tut, gehört zum Leben.

    Gefällt mir

    • hinter diesem Nein, liebe Mendi, steht aber ein Ja, denn es geht ja um Veränderung und die hast du dann bejaht, indem du zu anderem nein gesagt hast …

      es geht hier nicht darum generell ja zu sagen, es geht darum das ja hinter dem nein zu finden …
      danke für deins und liebe Grüße in den Pott
      herzlichst Ulli

      Gefällt mir

    • ja, liebe Soso, hege dein Stillebdürfnis 🙂 umso schöner, wenn du dennoch vorbeischaust und kommentierst- freut mich
      habe vorhin an dich gedacht, bin heute im Tal und rieche den irischen Frühling
      herzlichst Ulli

      Gefällt mir

    • liebe Sonja, Liebe, sowohl wie Mitgefühl kann zu Gefühlsduseleien ausarten (schon selbst erlebt). Liebe und Mitgefühl setzen auch Grenzen, hier wird oft sehr viel missverstanden, darum dieser Satz … ich denke gerade eben an eine Art moderner Mütter, kannst du folgen?
      danke fürs nachhaken
      herzlichen Gruß Ulli

      Gefällt mir

      • Wenn ich deinen Ausführungen nicht folgen könnte, wäre ich schon schön doof…hihi. Die Mütter vom Prenzlauer Berg usw. , jaja. Die kämpfen mit jeder Gefühlsduselei um jeden Pups ihres hochintelligenten Vincent-Gregor oder Emma-Abigail………Gute Zeiten für dich! Herzlich- Sonja

        Gefällt mir

      • die guten Zeiten, liebe Sonja, wünsche ich dir auch

        (ich habe weniger an deiner Fähigkeit mir zu folgen gezweifelt, als an meiner mich mitzuteilen, meine Gedanken sind gerade etwas zähflüssig … )
        herzlich Ulli

        Gefällt mir

  7. Ich könnte jetzt hier klug mit Hegels Geschichtsphilosophie schreiben, jedem Nein wohnt ein Ja inne, da der Weltgeist aus der Anthithese die Synthese werden lässt. Aber belassen wir es mal beim Persönlichen: Uns ist immer gesagt worden, wir sind großartig, super, attraktiv, erfolgreich und was nicht alles und schon wurden wir zu den Narzissten, die unsere Generation prägen. Einzusehen, dass wir nicht alles können, nicht die Tollsten sind, das finde ich wichtig auf dem Weg der Entwicklung. Aber ich gebe dir völlig recht, wenn ich mir z.B. in den Finger geschnitten habe, nutzt das Jammern nur bedingt, heilsam ist es, meine Unaufmerksamkeit zu betrachten, was mich fürderhin – so hofft man – aufmerksamer werden lässt. Wie man in jedem Nein auch das Ja sehen sollte, kann man auch in jedem Ja ein Nein erkennen, das schon alleine darin liegt, dass das Nein ausgegrenzt wird. Wird das Thema Ja vs Nein nicht differenziert dargestellt, unterscheidet es sich nicht von der drittklassischen Ratgeberliteratur und Illustrierten-„Weisheiten“, die eher volksverdummend als hilfreich wirken. Und genau das werfe ich dem Autor R. Schache vor wie auch der Redaktion von natur und heilen, von der ich anderes erwarten würde.
    Und nun ist der Jasager in mir zufrieden, da wir beide übereinstimmen. Kennst du das Stück von Brecht „Der Jasager und der Neinsager“? Brecht hatte auch erst nur „Der Jasager“ geschrieben und aus Diskussionen (hauptsächlich mit mit Schülern) die Ansicht gewonnen, dass dem unbedingt ein Neinsager entgegengestellt werden müsse.
    Liebe Grüße vom Meer
    Klausbernd

    Gefällt mir

    • ja, lieber Klausbernd, so steckt immer das Gegenteilige im Ist, sowie das Ja im Nein steckt und umgekehrt und in einem gebe ich dir absolut Recht, mit Ausgrenzungen kommen wir nicht weiter!
      danke für deins, hab eine gute Zeit
      herzliche Grüße vom Berg
      Ulli
      P.S. denkst du einmal daran, dass du mir dein Buch schicken wolltest? Würde mich immer noch freuen 😉

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s