Frau Blau, Herr Grün, Mäuse und Feen

Mausgeschichten

Ein Mausesommer im hohen Tal im südschwarzen Walde, der zweite Sommer in Folge. Irgendetwas läuft verkehrt herum. Wer weiß es nicht? Die Maus und ihre Mausfamilie lebt im Sommer in Feld, Wald und Wiese: Normalerweise… Nicht so seit zwei Sommern.

„Hey Mäuse, da draußen gibt es Samen, Beeren und Körner in Hülle und Fülle! Und Freiheit, nicht zu vergessen! Okay, okay… ein paar Katzendamen und -herren stolzieren herum, Freund Milan kreist mit wachem Auge, Rotfuchs streicht durch Wald und Wiesen, aber das muss euch doch nicht kümmern!“ Pause. Nichts. Ratlos murmelt Frau Blau hinter den Spülschrank.
„Habt ihr mich gehört? M…?“ Wieder nichts. Nichts und niemand regt sich.

Klar… oder?

Frau Blau schließt den Schrank und geht ins Büro.

Endlich! Endlich ist sie weg! Noch ein kleines bisschen warten… und dann… nix wie ran an den Käse. Klack. Maus kann es nicht glauben, vor ihr der Käse, hinter ihr die Türe zu.
Klack… das hat auch Frau Blau gehört. Sie geht zurück an den Spülschrank und öffnet die Türe. Was für eine süße kleine Maus! Trotzdem… alle Mäuse müssen raus! Sie ruft Herrn Grün… den Liebsten.
„Ich hab eine gefangen!“ Er kommt, schaut neugierig in den Käfig.
„Ist die süß! Und die soll ich jetzt in den Wald fahren?“
„Ja.“
„Ich füttere sie auch…“
„Nein… es stinkt!“
„Ich bau ihr auch ein Mauseklo…“
„Nein.“ Frau Blau hat’s schwer. Mauseklo… schnell wendet sie sich ab, sonst wird das nichts mit dem ernsten Blick. Herr Grün zuckt mit den Achseln, murmelt so was wie „Frauen“, nimmt Falle und Mäuschen und fährt davon. Es dauert…
Frau Blau beginnt sich zu sorgen. Noch nicht wirklich, aber ein bisschen schon. Da hört sie ihn.
„Das mache ich nie wieder. So ein armes Mäuschen! Es hat sich an den Gitterstäben festgeklammert, gejammert und geschluchzt. Mit hängendem Kopf schlich es davon.“

Blau küsst Grün, Grün küsst Blau.

Nächte später… wieder steht eine Falle im Spülschrank. Frau Blau und Herr Grün schlafen durch die Nacht. Klack. Herr Grün schreckt hoch. Im Ohr ein EchoKlack.
Schnell muss er hinunter und in den Spülschrank sehn. Ein Monster! Herr Grün prallt zurück. Zögerlich nähert er sich wieder. Kaum ein Millimeter ist nicht Fell, nicht Pfote, nicht Schwanz in der Mausefalle. Das tut ihm leid.
Und spät ist es! Ja eben… mitten in der Nacht. Und… psst… Frau Blau schläft. Mausemann und Menschenmann nicken sich zu. Schnell tritt Herr Grün vor die Türe, dreht sich nach allen Seiten, wirft Blicke über die Schulter, zum Fenster hinauf, dann öffnet er die Falle. Monstermausemann rennt und springt zielstrebig vom Garten zur Kellertür. Er lacht. Herr Grün schwört. Er hat es gehört. Er schleicht sich zurück in Haus und Bett.
Morgen früh wird er es ihr sagen müssen!

„Was meinst du wohl, wie lange es dauern wird, bis Monstermaus wieder unter dem Spülschrank hockt?“, grummelt Frau Blau am Morgen. Erst ein Mauseklo und dann das! Und nicht genug, letztens sah sie ihn ein Stück Kartoffel unter die Wendeltreppe schieben. Da, wo ein zweites Nest ist! Vielleicht. Sie wird sich Hilfe holen müssen!

Tage später und drei gefangene und in die Freiheit entlassene junge Mäuse weiter… gerade ist Frau Blau von der Arbeit heimgekommen. Heute ist sie allein zuhaus, Herr Grün in Jotwede gärtnern… Anderen zur Freude. Ihr erster Blick wandert unter die Spüle. Falle leer, Käse da, okay!
„Sind bestimmt nur noch Nachtmäuse da…“ So wie die kleine, die sie heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit in besagtes Waldstück fuhr. Ruhig war sie und… süß. Fasziniert schaute Frau Blau, wie Kleinemaus erst vorsichtig, dann schon etwas kecker, dann Luftsprünge machend in den Wald verschwand. Ihre Brüder und Schwestern zu finden.
Frau Blau stieg ins Auto, fuhr noch ein kleines Stück und tat dann, was getan werden musste.

Auch jetzt, am Nachmittag, tut sie solches. Da! Klack.
„Okay, okay… ich komm ja schon!“ Spülschranktüre auf, Blick auf die Falle, kaum ein Millimeter ist nicht Fell, nicht Pfote, nicht Schwanz in der Mausefalle. Monstermaus ist zurück. Das muss sie sein. Oder er… Oskar, der Muskelprotz. Wild gebärdet er sich. Schon hat er das ganze Stück Käse verschlungen. Riesige Köttel wirft er um sich. Er nagt und zerrt an den Gitterstäben, sein Schwanz peitscht durch die Lücken. Fletscht Oskar etwa mit den Zähnen? Fehlt nur noch, dass er in Finger beißt.
Nichts kann ihn beruhigen, keine leise gesprochenen Worte von Brüdern und Schwestern, nicht die Aussicht auf Freiheit, Samen, Beeren, Körner in Hülle und Fülle… nichts, wirklich nichts, nur noch die offene Fallentür.
Im Wald angekommen, immer im selben, rast Oskar los, springt in die Höhe, einen halben Meter… mindestens… bis er nicht mehr zu sehen ist. Frau Blau schwört. Sie hat es gesehen.
Wieder in der Küche angekommen, wartet schon die nächste Überraschung, dieses Mal im Zimmerpflanzenbaum. Feendoktor Nickelbrille ist’s. Ist durchs offene Fenster herein geflogen, das macht er manchmal… muss eine Pause machen, hat ja sooo viel zu tun! Starkregen und Blitzgewitterdonnersturm ist neulich über das Land gefegt. Das war nicht mehr schön. Ja, die vielen umgeknickten Blumen und Halme, die sind auch nicht schön. Und die Elfenkinder? Das ist es ja! Sie haben sich mal wieder vergessen und dann war es zu spät. Mancheinem hat es die Flügel im Sturm verweht. Da muss er nu wieder ran, neue Flügel geben und ins zarte Gewand verweben. Noch hat er genug davon!

Frau Blau schenkt ihm ein Gläschen Saft und legt noch ein paar Rosinen dazu. Alte Freunde sind sie, und sie weiß, was er gerne hat. Oder nicht?
„Ähem“, räuspert sich der Feendoktor.
„Oh Entschuldige…“ Schnell geht Frau Blau zu ihrem Flaschenschrank. Ein paar Tröpfchen Hollytralala sind noch da. Glück gehabt. Feendoktor lächelt.

Da kichert es am Fenster.
„Da komme ich ja gerade recht!“, und mit leichtem Hui kommt Selma, die Buchfee aus Norfolk, zum Fenster herein.
Auch das hat Frau Blau vergessen. Sie hatte doch um Hilfe gebeten. Das hat tatsächlich Eine gehört und stantepedes Selma auf den Weg geschickt.

Dina (http://toffeefee.wordpress.com/2012/07/03/the-dark-side-of-blue-haushundhirschblog/#comments) schreibt am 4. Juli 2012 um 12:49

Oh je, die Mäuschen! Hoffentlich wissen sie, bei dieser liebevollen mäusetierischhumanen Behandlung;-),dass sie nicht wieder willkommen sind! Selma Buchfee, unsere Gartenfairy versteht die Mäusesprache, sie hat sich gerade auf den Weg gemacht um die Mäuse zu Rede zu stellen. Sie hat jetzt einen langen Flug vor sich, kannst du bitte Selma ein wenig Saft und ein paar Cranberries für den Heimflug geben, das wäre echt lieb. Sie trägt immer einen ultraleichtes Flugsäckchen wenn sie den Kanal überquert. Die Flugbedingungen sind gut , sie hat warmen Rückwind und ihr kleines Feengesicht ist fein mit Sonnenschutzcreme abgedeckt. Sie freut sich auf euch!

Liebe Grüße aus dem Fairyland!
Dina 🙂

Selma hat heute Sirischwester, Masterchen und Dina für eine Weile allein in Cley next the Sea gelassen, um im hohen Tal im südschwarzen Walde Mäuse zu bezaubern und Ursachen zu finden.
Mausebezauberin? Jaha… frag nur die Menschen in Norfolk… keine Maus im Sommer weit und breit. Wenigstens nicht in den Stuben und Küchen. Buchfee ist noch lange nicht immer und nur Buchfee!
Kaum angekommen, nur einmal gerade an dem Gläschen von Feendoktor Nickelbrille genippt, schwirrt Selma durch den Spülschrank, fliegt zur Wendeltreppenecke und lässt auch den Keller nicht aus. Überall streicht sie mit ihrem Feenstab vorbei und flüstert leise fremde Worte. Nichts anderes ist zu hören. Bedächtig nippt Feendoktor Nickelbrille am Gläschen. Lauscht genau… erinnert sich… schweigt und lächelt.
„Gute, alte englische Schule“, denkt es in ihm.

Und Selma? Im Hui fliegt sie weiter über Wiesen und Felder, Ursachen zu finden. Kennt nicht Rast, noch Ruh. Bis sie sie entdeckt, das hat sie doch geahnt!

Kornwächter…

und… Wiesenwächter…

die Ursachen! Die lassen keine Maus… nicht vorbei, nicht hinein.

Und nun? Selma kichert. Mit leichtem Flügelschlag schwirrt sie von Wächter zu Wächter, singt feine, alte englische Lieder und als die Wächter schon alle ganz betört sind, da bezirpst sie sie noch obendrein. Verspricht ihnen etwas. Da stehen sie stramm. Alle, wie ein Mann. Drehen kehrt und Stech und Schritt marschieren sie nach WestNord. Hinterlassen freies Feld und freie Wiesen, den Mäusen, Frau Blau, Herrn Grün und vielen anderen, im hohen Tal im südschwarzen Walde, zur Freude. Noch hören sie Selmas Kichern zwischen den Lüften.

„Danke, liebe Selma, hoffentlich bist du gut heimgekommen und hast es mir nicht nachgetragen, dass es statt Cranberries nur Rosinen gab… grüß schön deine Lieben“, ruft Frau Blau noch flugs hinterher. Und Feendoktor Nickelbrille:

„Komm doch mal wieder und bring dann bitte auch Siri mit! Und vielleicht auch Masterchen und Dina…“

(und wirklich! seit Stunden, seit vielen Stunden kein Klack mehr… auch nicht in der Nacht)

6 Gedanken zu „Frau Blau, Herr Grün, Mäuse und Feen

  1. Ich, die liebkluge Buchfee Siri, habe mich sooooo gefreut von meiner unternehmungslustigen Schwester zu hören. Sie wird sicher gleich hier angeflattert kommen. Ich freu mich schon sooo! Schnell werde ich mit Masterchen nach Holt düsen, um sie bei ihrer Ankunft mit Cranberry-Saft zu überraschen. Und ich bin sooo gespannt, was sie noch für Geheimnisse von Frau Blaus Blauwelt erzählen wird. Ja, Geheimnisse, die liebe ich, das ist der Stoff, aus dem ich meine Geschichten zusammen mit Masterchen schreibe. Ja, unser Masterchen … Masterchen bakt gerade Brot und Dina bloggt. Wir alle vom kleinen Dorf am großen Meer senden die liebsten Grüße in den südschwarzen Wald und – hui – da höre ich doch ein Kichern in den Lüften … und schon landet Selma elegant vor dem Küchenfenster zu Verwunderung – oder sollte es Neid sein? – der Seeschwalben. Das letzte Stück von Great Yarmouth zu uns hat sie ihrer Freundin die Libelle begleitet, die aber gleich zum Teich unserer Nachbarn weiterflog.
    Liiiiebe Grüße von uns allen im kleinen Dorf am großen Meer
    Siri Buchfee

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  2. Liebe Frau Blau, lieber Herr Grün,

    Vielen herzlichen Dank für die liebevolle Betreuung – Selmafee ist in den frühen Morgenstunden in Rhu Sila angekommen, feenfröhlich aufgeregt, sie hat sooooooo viele spannende Mäusegeschichten mitgebracht. Gestern Abend hat sie noch schnell einen Zwischenstop beim Irgendlink eingelegt, die kennen sich seit Irgendlinks Besuch in Cley in April und heute morgen hat sie sogar die liebe SoSo kennengelernt. „Ich kenne sooooo viele liebe Menschen und Feenwesen piepst sie gerade zu ihre Schwesterfee Siri auf dem Buchregal 3, das nächste Mal musst du unbedingt mitkommen, unbedingt! Frau Blau wohnt so schön und war so liebnett zu mir. Komm jetzt Sirifee,wir legen uns aufs Bett im Wintergarten, dort lese ich dir Frau Blaus Geschichte vor, dann erfährst du was ich alles erlebt habe.Spitzt deine Ohren,Siri – es geht los!“

    Beste Grüße
    Buchfeenmutter Dina

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  3. Hi, liebe Frau Blau und lieber Herr Grün,

    na, vielen Dank, dass ihr es der lieben SelmaFee soo fein gemacht hat. Der südschwarze Wald hat ihr mächtig imponiert, sie ist ja nur die Weite des Meeres und den Strand gewohnt. Sie löchert Dina und mich die ganze Zeit, ob in dem südschwarzen Wäldern tief im Gehölz auch Trolle wohnen. Oh, sie war ein wenig traurig, da sie keine gesehen hat. Siri meint kategorisch: „Du bist zu hoch geflattert.“
    „Oh nein, oh nein, du hast ja keine Ahnung, das war`s nicht, aber diese vielen pieksy Bäume, so dicht und dunkel, da kann ich gar nicht durchblicken.“
    Ich werde blass vor Neid. „So viel Baum, so viel Holz! “
    Bei uns ist Holz Mangelware. Den gierigen Römern diente es zum Schiffsbau und später wurde Grubenholz benötigt und so blieb nur wenig Baum zurück.
    So, nun werde ich mich aber um unsere ranpunzelhafte Agentin in Hölderlins Turm kümmern, auf dass Selmas und Siris Geschichten auch verlegt werden. Sie warten mit tellergroßen Augen sehnsüchtigst darauf – huch – und die Brote schreien: „holt mich raus, holt mich raus!“ Ihnen ist`s ganz schön warm im Ofen geworden.

    Einen wunderschönen Tagen wünschen die Vier vom kleinen Dorf am Meer
    so sehr
    und gar nicht schwer
    🙂 🙂 🙂 🙂
    Klausbernd

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    • hoi zum guten Abend, liebe SiriBuchfee, liebe DinaFeenmutter, liebe Selmafee und natürlich lieber Klaus Bernd,

      so gut zu hören, dass du, liebe Selma, wieder gut in Rhu Sila angekommen bist und was für ein Empfang! Freundin Libelle und Cranberrysaft, das haben Masterchen und Siri fein gemacht.
      und wisst ihr was… noch immer ist die Falle leer und kein Gekruschel in den Wänden oder hinterm Spülschrank mehr zu hören… das war eine SuperArbeit, liebe Selma!

      So, nun schleiche ich mich ins Bett, mit Buch, noch ein paat Seiten stöbern und morgen früh, da werden fein duftende Blüten gesammelt und wenn ich früh genug bin, sehe ich bestimmt noch ein paar Schwarzwaldelfen tanzen. Ach so, liebe Selma, du hast gar nicht richtig nach unten geschaut, wir haben hier doch auch ziemlich viele Buchen und Eschen und Erlen und Birken und… nicht nur PieksieBäume, wobei… das sind schon wirklich viele…
      und… Klaus Bernd, ihr keine Bäume, wir kein Meer 😉

      herzliebe Grüße und süßen Schlummer wünscht
      Frau Blau… Herr Grün und Feendoktor Nickelbrille lassen schön grüßen

      ach so, da ist ja noch eine Frage offen, also die Trolle… das ist ja so eine ganz seltsame Geschichte. Vor vielen, vielen Jahre, war Marianne aus Norwegen hier, Konzeptkünstlerin ihres Zeichens, bestimmt auch mit Nachnamen, aber den habe ich gerade leider vergessen. Also Marianne… sie hat dmals echte Trollforschung betrieben. Vor allen Dingen hat sie mit den Alemannen selbst gesprochen. Sie sind das Urgestein der Gegend… doch…. man war sich einig, die Trolle haben es ohne die Elche und Rentiere, die einst auch einmal hier lebten, nicht ausgehalten. Haben ihr Bündel gepackt, die Kinder geschultert und sind zum großen Meer gewandert. Bei Nacht und Nebel schlichen sie sich auf ein Postschiff. Bei Nacht und Nebel verließen sie es auch… die einen in Norwegen, die anderen Schweden. Ja, selbst in Dänemark soll es noch einzelne Stämme geben und in Finnland sowieso.
      Wirklich…. schade!
      Aber nun denn, dafür leben hier die Freunde Wichtel und Zwerge und das ist ja auch schon was…

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  4. Oh, die Drachengeschichte würden wir sooo gerne hören! Und liiiebe Grüße an Wichtel & Zwerg.
    Aus dem heute regnerischen Nord-Norfolk ganz liiiiebe Grüße
    von Selma, Siri und Klausbernd
    ein feines Wochenende wünschen wir dir

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