09. November 2016

Vielleicht hat sich die Eine und der Andere heute Morgen über mein Bild „Das Kind“ gewundert. So ein Bild, heute? Ja, genau heute.

Als erwachsene Frau trage ich nicht nur die Verantwortung für das Wohlergehen von mir und meinen Liebsten, ich trage die Verantwortung diese Welt am Ende so zu verlassen, dass ich mir erstens in die Augen schauen kann und dass ich zweitens genügend Samen in die Welt gestreut habe, dass diese Welt auch noch für die Kinder und Kindeskinder und Kindeskindeskinder ein Ort der Freude, der Begegnung, des Miteinanders ist. Dafür stehe ich, jetzt erst recht!

Auf Verssprünge fand ich heute diese drei Worte, die das Ergebnis der US-amerikanischen Wahl für mich aufs Genaueste zusammenfassen und benennen:

unwürdig

denkwürdig

merk-würdig

auch hier noch einmal danke dafür!

Der neunte November hat schon mehrmals starke Veränderungen in der Welt eingeläutet. Ich erinnere an 1918, das Ende des ersten Weltkrieges, der Sturz des deutschen Kaisers und die Ausrufung der Republik, 1938 die Reichskristallnacht, 1989 Mauerfall und heute, am neunten November 2016, hat das amerikanische Volk gewählt und es wurde wahr, was sich viele und auch ich mir nicht gewünscht haben. Nun, wir sagten und schrieben es, es war eine Wahl zwischen noch einer eisernen Lady in der Welt und einem Populisten.

Es tritt ein, was viele und auch ich fürchten: nationales und konservatives Denken macht Stimmen. Es ist zu kurz gedacht, würden wir solcherlei Entwicklungen nur denen in die Schuhe schieben, die arm sind und/oder wenig Bildung haben, es gibt auch grosse Teile der sogenannten gebildeten Mittelschicht, die grundsätzlich konservativ eingestellt ist und um ihre Werte bangt. „Frustwahl“, das ist ein Wort, das ich so nicht gelten lassen kann. Selbstverständlich gibt es frustrierte Menschen, gibt es Menschen ohne Hoffnung, verarmt, am Rande einer Welt, die glitzerhafter nicht dargestellt werden könnte, aber ich bezweifel doch stark, dass arme Menschen oder solche mit wenig Bildung partout rechtskonservativ eingestellt sind.

Etwas ganz anderes ist die Angst.

PopulistInnen gehen mit den Ängsten der Menschen, der Angst vor Überfremdung, der Angst nicht genug ab zu bekommen, der Angst vor Frauen, der Angst vor Anderslebenden, Andersdenkenden, der Angst vor Globalisierung und ihrer Unübersichtlichkeit, egal, wie tragfähig,  bzw. wie realistisch oder unrealistisch der Boden ist, auf dem die Ängste gewässert und gedüngt werden. Sie punkten damit, dass sie die bestehenden Systeme als korrupt und verlogen benennen, was nun einmal wahr ist, was aber in keinster Weise ein Versprechen wäre selbst nicht korrupt, nicht verlogen zu sein. Sie punkten mit Begriffen wie „Sozialschmarotzern“, „den bösen Ausländern“ und und und …

Wie und was auch immer noch in dieser Welt geschieht, für mich heißt es jetzt noch klarer, noch energischer für die Werte von Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit einzustehen, Begriffe, die vielen nur noch ein müdes Lächeln und Gähnen entlocken, die ich gerne wieder mit Gewicht gefüllt sehen möchte. Ich werde nicht aufhören mich für eine Welt der Offenheit, des Miteinanders und Aufeinanderzus einzusetzen, gegen den Hass, Rassismus und Sexismus. Wider der Angst, für den Mut und die Liebe. Jetzt erst recht!

Das Kind baut eine Stadt, mit Bäumen.

Das Kind hat alle seine Liebsten in die Häuser geträumt.

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26 Gedanken zu „09. November 2016

  1. Liebe Ulli,
    es gäbe vile zu sagen zu diesem Tag und dem Wahlergebnis, sehr viel. Was es für die Zukunft der USA und der Welt bedeutet, wie es dazu kommen konnte, usw. Aber dazu fehlt mir im Augenblick die Muße. Daher nur ein paar wenige Gedanken:
    Es war wohl zu einem Teil durchaus auch eine Frustwahl, ausgelöst durch jahrelanges Versagen der Politik hier in Washington, für das beide Parteien, Republikaner und Demokraten, zu unterschiedlichen Anteilen, verantwortlich sind. Und dann war es eine Angstwahl, ein dumpfes Empfinden einer gefürchteten Veränderung, einer Angst, die dann von Populisten wie Trump, tatkräftig unterstützt von unverantwortlichen online-Journaillen wie die „Breitbart News“, ausgeschlachtet wurde.
    Welche (langfristigen) Auswirkungen – ich denke da unter Anderem an die Besetzung des Supreme Court hier – diese Wahl haben wird, das müssen wir nun einfach abwarten. Eingreifen können wir erst wieder inzwei Jahren, bei den Midterm Elections fuer Senat und Repräsentantenhaus. Hoffentlich geht Alles doch noch gut aus.
    Liebe Grüße,
    Pit
    P.S.: Zum Datum habe ich ein interessantes Zitat gefunden
    „am 11.9 hat amerika seine türme verloren, jetzt am 9.11 hat amerika seine würde verloren“

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    • Lieber Pit, ich finde auch, dass es noch viel mehr zu sagen gäbe und es wird auch den ganzen Tag viel gesagt (ich höre immer wieder Radio)- mir wird bei vielem mulmig, ich bin nicht angstfrei und doch will ich meine und die Ängste der anderen nicht füttern, das machen schon andere zur Genüge. ich habe so meine Phantasien, aber auch ihnen lausche ich nicht wirklich, sondern flechte weiter an meinem Netz, auf dass letztendlich die Menschlichkeit sich Raum nimmt.

      Das Zitat ist bedenkenswert
      ich grüsse dich sehr herzlich und wünsche uns allen das Beste
      Ulli

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  2. Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit – nie würde ich darüber lächeln, liebe Ulli. Sie bleiben die Leitsterne unserer Zivilisation. Ich meine aber nicht, dass darüber bei diesen oder bei irgendwelchen Wahlen entschieden würde. Damit wird Propaganda gemacht, um die Menschen an die Wahllokale zu bringen, aber sie spielen im Endeffekt keine Rolle. (Mein heutiger Beitrag geht über den Jugoslawienkrieg 1999, bei dem die neu gewählte Rot-Grüne-Koalition freudig mitbombte und das als humanitären Akt hinstellte.)
    Sehr gefällt mir, was Pit schreibt, insbesondere auch, dass es in zwei Jahren Midterm Elections gibt, dann wird man sehen, ob Senat und Repräsentantenhaus, die ja beide fest in Republikanerhand sind, durch neue Kräfte übernommen werden. Und wenn ja, durch welche?
    Liebe Grüße dir! Gerda

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    • Liebe Gerda, das ist ja zum Beispiel eine der Ungeheurlichkeiten, dass mit Werten Menschen gelockt werden, diese aber nicht wirklich mit Inhalten und Handlungen gefüllt werden, mit ein Grund warum ich an sie erinnere.
      Das beste was jetzt passieren kann ist, dass die Menschen wieder näher zusammenrücken und für ihre Werte einstehen, was sie ja auch schon tun. In den USA laufen nun Proteste, Frau Merkel erinnert an die Werte der Demokratie, dass sie nur auf diesem Boden zu einer Zusammenarbeit mit ihm bereit ist. In den Nachrichten sind die meist gebrauchten Worte: Schock, Ungewissheit, negativer Grundtenor und Angst, Verunsicherung … ja, wir müssen wach sein, sehr wach und handeln.
      herzlich grüsse ich dich
      Ulli

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      • Liebe Ulli, ich versteh immer noch nicht, warum du meinst, dass diese Wahlen etwas mit Freiheit, Gleicheit, Geschwisterlichkeit zu tun hatten. Für mich hatten sie mit Wallstreet, NATO und Ölgeschäften, Protektionismus und Freihandel zu tun.
        Und natürlich mit dem Willen zur Macht.
        Ich finde, dass der Schock auf einer Illusion beruht, und die Proteste auf einer Unfähigkeit, der Wirklichkeit in die Augen zu blicken. Wogegen protestieren sie denn? Gegen ihren Nachbarn, der „falsch“ gewählt hat? Wird er sich durch brennende Mülltonnen umstimmen lassen und das nächste Mal sein Kreuz hinter dem „demokratischen“ Kandidaten machen? „Aufeinanderzugehen“ sieht anders aus. Und demokratisches Verrhalten auch. Fürs Protestieren ist immer noch Zeit genug, wenn der neue Präsident tatsächlich ….. . ja, was genau?
        Was Frau Merkel sagt, bringt mich zum Lachen. Der Schwanz spricht zum Hunde, wenn du nicht den richtigen Werten folgst, dann falle ich ab und du kannst ohne mich wedeln……
        Liebe, sehr liebe, allerliebste Ulli, nimms mir nicht übel, wenn ich so lästere. Ich weiß sowieso, dass ich mit meinen Ansichten nicht mainstream bin. Ich weiß, dass ich als gute Deutsche, informiert von den immer so informativen deutschen Leitmedien, mir die Haare raufen müsste. Ich lese aber nicht nur deutsche Presse ….
        Also, entspann dich, und warte ab, wie der kluge Pit, der näher am Geschehen ist, dir rät. Liebe Grüße zum Abend! Gerda

        Gefällt 3 Personen

        • Liebe Gerda, da hst du mich aber gründlich missverstanden, ich setze diese Wahl nicht mit diesen Begriffen gleich, sondern ich wollte diese Begriffe wieder mit Inhalt gefüllt sehen und nicht von PopulistInnen verdreht wissen …
          zu Frau Merkel gebe ich dir Recht, ich habe auch leise gelächelt. Denn seien wir doch einmal ehrlich, diese Werte von denen ich spreche sind noch keine Realität, sie sind seit Jahrhunderten und immer noch auf dem Weg, sie haben das eine und andere auf den Weg gebracht, ganz nach dem Motto: wir sind weiter gekommen, aber noch nicht weit … sorry, dass ich mich selbst wieder einmal zitiere.
          Und selbstredend werde ich abwarten, ich appeliere für den gesunden Menschenverstand-
          herzlichst
          Ulli

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  3. Stimmt alles was du schreibst liebe Ulli. Ängste bringen Menschen zu den abstrusesten Handlungen, ob nun bei Versicherungen oder gar in der Politik. Ich denke Trump wird bei vielen Versprechungen während des Wahlkampfes zurück rudern müssen, aber ich denke er wird alles als Erfolg verkaufen und immerhin, in vier Jahren kann Michelle Obama ja zur Wahl antreten.

    Gefällt 2 Personen

    • Ja, lieber Arno, das ist ja die Krux, dass die Menschen bei ihren Ängsten abgeholt werden und dann werden sie noch bitterer enttäuscht. Ich befürchte grosse Unruhen in den USA und was weltweit passiert, das gilt es nun abzuwarten, auf jeden Fall freuen sich gewisse Leute wie z.B. Le Pen und der rechtspopulistische Niederländer, dessen Namen ich mir noch nicht eingeprägt habe, die AdF ist auch begeistert … ich schrieb es seit letztem Jahr immer wieder: wir müssen lauter werden und klarer und das gilt weltweit (unter wir verstehe ich Menschen, denen Miteinander wichtig ist, statt Abgrenzungen und Hass)
      herzlich grüsse ich dich an diesem geschichtsträchtigen Abend
      Ulli

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  4. Eine Freundin schickte mir eben das Foto der Freiheitsstsatue, wie sie die Hände vor das Gesicht schlägt, es schamhaft dahinter verbirgt und weint…
    Ich glaube, das trifft gut, was hier passiert.
    Ich hoffe darauf, daß es die bessere Wahl war und ich frage mich, warum ich es nicht so recht glauben kann…

    Liebe Grüße zum Abend an Dich, liebe Ulli

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    • Das Bild habe ich heute schon gesehen und weiter über twitter verbreitet-
      was meinst du damit, dass es die bessere Wahl wäre … also für mich ist sie das auf keinen Fall!

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  5. nur, weil sein Programm anders ist, als das von Frau Clinton, liebe Ulli. Evtl. ein winziger hellerer Schimmer… aber ich sehe, ehrlich gesagt, eher rabenschwarz.
    Sieh bei Gerda, die es in ihrer Antwort an mich bei ihrem Beitrag von heute schrieb.

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    • ja, liebe Bruni, stimmt, das hast du geschrieben! ich glaube, dass es wichtig ist, jetzt nicht Ängste zu schüren und auch nicht sich lähmen zu lassen … Clinton war eben auch nur ein anderes Übel, das haben wir ja auch gesehen und nun gilt es abzuwarten und wach zu bleiben-

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  6. Liebe Uli, wie scharfsinnig du wieder alles analysierst, ja, es ist und bleibt ein schwarzer Tag, aber auch eine Botschaft an uns alle. Mir will noch kein Ausweg aus diesem Dilemma einfallen, und ja, wir müssen lauter werden. Gerade wir Frauen. Ach….mir fehlen die Worte….es wird immer so viel geredet…. mir ist ganz wirr im Kopf davon. Es war ein anstrengender Tag, uns wurde viel zugemutet, schlafen wir einmal darüber. Liebe Grüße, Marie

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    • Da sagst du etwas sehr Wahres, liebe Mari, es wird sehr viel geredet und immer wieder ganz anders gehandelt, schauen wir auf die Handlungen und reden wir über sie, statt über Menschen-
      herzliche Grüsse, erhol dich gut
      Ulli

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  7. Ein sehr, sehr guter Text, den man gerne unterschreiben möchte.
    Wir haben alle (weltweit) Grund zur Sorge. … und wenn man sieht, dass die Tendenz in vielen Ländern in die selbe Richtung geht …
    .. mir wird bange, wenn ich vermute, dass die Populisten irgendwann auch in Deutschland ihren Kanzlerkandidaten stellen werden.
    Alles Liebe,
    Michael

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