Sonntagsbilder 24 2020

Mittsommergrüße

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Sommer

In der Sonne, die nur einmal jung ist,

lässt Zeit mich spielen und

golden sein vor ihrer Gnade …

bei meinem himmelblauen Treiben sorgte mich nicht,

dass Zeit in ihrem Lauf nur wenige

von solchen Morgenliedern uns erlaubt,

bevor die Kinder alle, grün und golden,

aus ihrer Gnade fallen …

Dylan Thomas, Fern Hill

https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/08/26/sommerlied/

Heute ist der erste Sommersonntag, ein Tag nach Neumond, ein neuer Tanz beginnt – vom Feuer zum Wasser – vom werden und blühen hin zur Reife.

Gutes, Schönes und Lichtvolles Dir!



Human Behaviour – Björk – immer und immer wieder …! Manche MusikerInnen und ihre Kompositionen überleben die Jahrzehnte, dies ist so ein Stück – für mich.



For my English speaking readers

 

Sonntagsbilder 22 2020

Blütenstaub auf dem Schluchsee

Die Fichten und Kiefern kämpfen ums Überleben.

 

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Hinter der Werkstätte der Natur einen Künstler zu vermuten, ist eine jener verrannten Torheiten des Menschen, der sich obstiniert, sich selbst in alles, nichts in sich hineinzutragen.

Alexander von Villers


Einen schönen Sonntag euch.


For my English speaking readers – enjoy

Winterzeit – Wintertime

Ich gestalte meinen eigenen Winter

I am creating my own winter

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Die Seele

Fliegt mit den

Eulen und es

Schneit Federn

Frühling ist ein

Möwengefiederter

Bengel aus Schottland mit

Bärlauchatem.

Der Kater fängt die

Maus mit weißen Samthandschuhn.

Ich wohne wo es kaum

Wege gibt geschweige

Gefährten und dort

Drüben steht der Mond

Die Abende sind sehr still.

Die Wiesen wölben sich zu den

Horizonten.Ein paar

Kibitze greinen im

Schlaf.

Sarah Kirsch


Die ersten vier Zeilen stellte Karin vom Dach am Samstag ein. Sie gefielen mir so gut, dass ich mich auf die Pirsch machte. Ich teile sie gerne mit euch und wünsche euch eine gute Woche.


Sorry to my English readers, I feel not able, even not allowed, to translate lyrics, especially not of others.

Künstlerin sein

It’s me, my life, my way

Selbstporträt 2016 – Self-Portrait 2016

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Louise Bourgeois*

Der Masoschismus artikulierte sich zur Zeit der Femme Maison in dem Gefühl, dass ich nicht das Recht hatte Künstlerin zu sein. Das war ein Privileg. Versteht man aber die Kunst als Privileg, so denkt man per definitionem, dass man es nicht verdient. Man verweigert sich andauernd etwas – man verleugnet sein Geschlecht, man versagt sich die Werkzeuge, die ein Künstler benötigt -, weil es einen Geld kostet Bildhauer zu sein. Betrachtet man die Kunst als Privileg statt als etwas, das der Gesellschaft nützt, so muss man sparen und für seine Kunst leiden …

In diesem Masoschismus finde ich mich immer mal wieder. Leider.

Ich bin es, die sich die Felsbrocken auf den Weg rollt. Die Umkehrung ist die eigene Wertschätzung für meine Ideen und Werke und sie der Welt zur Freude und zum Nutzen zu zeigen und zu präsentieren.

Es geht um die Schöpfungen, weniger um meine Person, die im weitesten Sinne Schöpfkelle und Schöpfende zugleich ist, um das zu schöpfen, das schon im Raum ist. Unsichtbares sichtbar zu machen. Liebende, wertschätzende AugenBlicke zu zeigen (Fotografie). Unterbewusstes aufsteigen und sich in einem Bild manifestieren zu lassen (Fotomontagen).

Es geht nicht um Traumlandschaften. Sondern? Es geht um innere Landschaften, die sich im Außen zeigen. Wie entstehen sie? Äußeres dringt nach Innen, verquickt sich dort mit Gefühlen, inneren Haltungen und Bildern, zusammen kehren sie als ein neues Ganzes ans Licht zurück.

Ich nenne das Verdauungsprozess, Transformation, Schichtenerforschungen, Wurzel- und Sedimenterkundungen.

Es geht auch um die gegenseitige Befruchtung/Inspiration. Das eine Wort, das das andere gibt, das eine Bild, die eine Formulierung, die eine Redeweise, die eine Melodie, die eine Form, die in mich hinein schwingt, neue Worte, neue Sätze, neue Bilder wachsen. Ein freudiges, ein nachdenkliches, auch ein zorniges Hin und Her, ein Ping Pong der Außen- und Innenkräfte.

Bremsen sind die Scham, die zeitweilige Minderwertigkeit. Letztere schürt Ängste, stachelt sinnlose Vergleiche an, lässt Sockel und Siegertreppchen auf- und abbauen.

Erkenntnisse fördern Zuversicht und beflügeln Schritte.

Eine alles im Gleichgewicht haltende Waage gibt es nicht, nur die täglichen Bemühungen sich selbst Waage und Ausrichtung zu sein.

Und dann wieder liege ich auf der Erde und lausche ihrem Lied.


To my English readers: unfortunalety I am not able to translate my textes into English, it would take too much time. I am very sorry about this.


* Donald Kuspit – Ein Gespräch mit Louise Bourgeois – Piet Meyer Verlag – ISBN 9 783905 799132

Prinzip Hoffnung

weisse Tara

Zitat aus dem Buch von Andreas Altmann „Triffst du Buddha, töte ihn! Ein Selbstversuch“

(ISBN 9 783832 1611507)

Wie wahr, wie schauerlich wahr: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Keine Droge blendet erfolgreicher und hinterlistiger. Max Frisch hat es in seinem Tagebuch notiert, hat schön radikal im Diesseits und Jenseits aufgeräumt: >Es genügte, wenn man den Mut hätte, jene Art von Hoffnung abzuwerfen, die nur Aufschub bedeutet, Ausrede gegenüber jeder Gegenwart, die verfängliche Hoffnung auf den Feierabend und das Wochenende, die lebenslängliche Hoffnung auf das nächste Mal, auf das Jenseits – es genügte, den hunderttausend versklavten Seelen, die jetzt an ihren Pültchen hocken, die Hoffnung auszublasen: groß wäre das Entsetzen, groß und wirklich die Verwandlung.<

Am radikalsten aber hat es Albert Camus formuliert: >Alles Unglück des Menschen kommt von der Hoffnung.< Wie erfreulich hoffnungslos da der Buddhismus klingt. Wie lässig er den Himmel übersieht, auch den Teufelsschlund, ja, sich nicht um Gott schert, somit dem Menschen seine Würde und Eigenverantwortung zurückgibt. Indem er ihn nicht vertröstet, auf gar nichts, nur ungerührt und kompromisslos auf die Gegenwart verweist, in der er sich bewähren muss. Schon schwer. Aber immerhin werden wir nicht infantilisiert, sind wir nicht angewiesen auf die Launen eines Allmächtigen, eines – so plappern die Glaubensbrüder und Betschwestern – >Allgütigen<.

Ja, Frisch gibt es zu: Die Religion verfügt über einen enormen Trumpf, die Illusion. Denn solange sie durchhält, solange werden sich die Halluzinationen vom Jenseits und der höllischen Feuersbrunst halten. Ohne Risse, ohne Bedenken. Viele sterben mit diesem Phantom, werden wohl nie erfahren, dass sie lebenslänglich per Hokuspokus anästhesiert wurden. Dass sie weder post mortem hemmungslos vögeln dürfen noch beim Teufel ankommen noch >auferstehen<. Und die Ahnungslosigkeit hat vielleicht ihre Vorteile. Denn die Reue über all die vertrauensseligen Narreteien wäre maßlos, über all die Schindluder, die man im Namen der einen oder der anderen Gottheit erdulden muss.



Bleibe ich noch ganz kurz beim Buch, an einigen Stellen habe ich geschmunzelt, an anderen genickt, insgesamt war es inspirierend wieder mehr Zeit in Stille auf meinem Kissen zu verbringen (was mir noch nie geschadet hat), aber ich muss auch gestehen, dass ich nicht alle Ansichten von Herrn Altmann unterschreiben kann. Muss ich ja auch nicht. So z.B. was er über den Buddhismus im Zusammenhang von Himmel und Hölle geschrieben hat: Der tibetische Buddhismus weiß in Gleichnissen einige schauerliche Geschichten über die Vajra-Höllen zu erzählen und malt im Kontrast dazu himmelselige Bilder. Schon lange denke und glaube ich, dass beide nicht irgendwo im Jenseits zu finden sind, sondern genau jetzt und hier. Manche gehen genau in diesem Augenblick durch eine der vielen Höllen hier auf Erden (Krieg, Hunger, Verfolgung …), andere schweben in himmlischen Sphären.

Auch wenn ich den Buddhismus mehr als Philosophie, denn als Religion begreife, hat er in seinen religiösen Ausrichtungen, genau wie alle anderen Religionen auch, Dogmen ausgebildet. Dogmen haben aus meiner Sicht immer nur einen Sinn und Zweck: den Menschen klein zu halten und mit Schuld und schlechtem Gewissen zu beladen, um Macht über sie auszuüben.


P.S. Buddha war auch nur ein Mensch.



Gerne wüsste ich von euch wie ihr zum Prinzip Hoffnung steht, wie zu den Frohlockungen des Himmels, wie zu den Drohungen der Hölle(n). Willkommen in meinem Kommentarstrang!

Größe

Sinngemäß

Wenn Sie mich fragen woran ich die Größe eines Künstlers erkenne, dann nicht weil er ein guter Zeichner, Maler oder Bildhauer ist, sondern an der Größe seiner Menschlichkeit.

Henry Moore

 

zur Freiheit

-Du bist noch ziemlich jung, weißt du. Dies mit den Wegen der Freiheit ist eine Sache, die man ziemlich langsam lernt. Ich verstehe mich eigentlich überhaupt nicht auf das Zeitalter, das dabei ist, deine Schüler zu prägen, ich verstehe mich kaum auf das Zeitalter, das dich geprägt hat. Aber das, welches mich geprägt hat, hatte seine schauderhaften Seiten, und trotzdem war es möglich, auch aus solchen Kindheiten auszubrechen. Du verstehst was ich meine?

Auch du wirst aus der Mausefalle herausfinden, wenn du nur ruhig bleibst, so ruhig, wie du kannst.

-Ich will nicht zu viel sagen, sagte ich, aber soviel ist klar, deine Zeit hatte greifbarere Feinde als meine. Ihr habt euch nicht mit einem Nebel herumgeschlagen, ihr hattet sichtbare Tyrannen, Scheißkaiser, Päpste auf ihren Thronen. Aber wir, wir schlagen uns mit Schemen herum. Ihr hattet die Macht sichtbar auf ihrem Thron, wir haben sie als Schmerz im Hinterkopf, als Spinnwebennetz von Halbwahrheiten rings um uns her.

Lars Gustafsson – Risse in der Mauer

Sprache

Wir besitzen unsere Sprache nicht. Sie kommt zu uns oder lässt uns im Stich, und vor allen Dingen dürfen wir niemals glauben, dass wir uns verstecken können.

Lars Gustafsson – Risse in der Mauer

Winterzeit – wintertime

der erste Schnee 2013 2

 

Es liegt Schönheit in der Betrachtung der Jahreszeiten auf unserer Erde und eine innige Freude in der Achtung der Zyklen des Lebens.

There is beauty by consideration the seasons of a year and an intimate joy by the respect of the cycles of life.

Jack Kornfield