Diese Zeit

… ist die Zeit der Vögel am Futterplatz

Gedankenfäden 016 2019

Viele sind gen Süden geflogen, andere bleiben. Jahr für Jahr werden es mehr, sie nehmen das Futterangebot an. In diesem Jahr klauen die Großen den Kleinen die aufgehängten Meisenknödel. Ich habe sie nicht festgebunden. Eine Wäscheklammer lässt sie keckern und schwupps sind sie auf und davon. Das Futterhäuschen bleibt.

Es ist die Zeit der Wortlosigkeit. Auf den Wegen lässt sich hier und dort etwas finden. Manchmal schwimmt ein Wort, ein Satz, eine Metapher in der Wortlosigkeit. Andere sprechen. Ich lausche. Ich lasse mich mitnehmen. Stumme Starre gerät in Bewegung. Ich denke an wortreiche Zeiten, an lyrische, prosaische, poetische, fragende, aussagende, feststellende, forschende Zeiten. Manchmal sind sie ein Lied.

Heute lausche ich Johann Johannsen und seinem „Arrival of the Birds“

 

Sachlichkeit statt Polemik

Aus der Serie #die andere Seite – eingestellt am 02.09.2015 auf pixartix © Ulli Gau

Heute möchte ich zwei Artikel verlinken, die ich am Samstagabend im Netz fand:

https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2018-09/chemnitz-weimarer-republik-nazizeit-vergleich-rechtsextremismus

https://www.dw.com/de/nicht-nur-sachsen-alte-und-neue-rechtsextreme-in-deutschland/a-45365550

Ein Beitrag über Höcke und seine Machenschaften und seiner verbalen Gewalt ist hier zu finden: Gegen die Alternative für Deutschland hat ein neues Foto zu dem Album „Höcke, die Seele der AfD“ hinzugefügt. Wenn du auf „Höcke, die Seele der AfD“, und dann auf das Bild „Die Zeit des Wolfes ist gekommen“ klickst, kannst du den Beitrag lesen. Eine andere Verlinkung hat leider nicht geklappt. Nun habe ich außerdem erfahren, dass Höcke die Reden von Goebbels sehr eingehend studiert hat und diese in leicht abgeänderter Form, aber in selbiger Intention, veröffentlicht, mit dem Erfolg von viel Jubel – mir wird Angst und Bange –

Ich schätze Sachlichkeit, besonders bei politischen Themen und Stimmungen. Davon aber finde ich gerade im www nur wenig, besonders wenn ich mich z.B. auf Kommentare auf dem einen und anderen fb- oder twitter-Account einlasse. Oftmals fehlen Argumente und Aussagen, stattdessen wird sich verbal „ausgekotzt“ (sorry, aber so nehme ich es wahr), dabei spielt die politische Ausrichtung leider keine Rolle (Ausnahmen bestätigen die Regeln).

Zu meinem Artikel >Von Symbolen< schrieb Xraypics:

Hi, Ulli,
QUOTATION: “When I use a word,” Humpty Dumpty said, in rather a scornful tone, “it means just what I choose it to mean—neither more nor less.” “The question is,” said Alice, “whether you can make words mean so many different things.” “The question is,” said Humpty Dumpty, “which is to be master—that’s all.”
(LEWIS CARROLL Through the Looking-Glass,1872.)
Words are just as much a symbol of an idea as the picture you posted above. By the choice of those who appropriated it the swastika shifted from a Sanskrit good luck charm to a symbol of abomination. Now the symbol is our master it takes over part of our mind when we look at it.
As I write this, I take over and control a small part of your mind, you are reading this and it is me occupying your brain making it follow these words for this instant. So it is with the symbol be it a swastika or a cross, a flag, or a hammer and sickle, it is the master of us.
So a symbol like a word can have different meanings at diverse times, who knows if or when the swastika will ever shift back to its positive meaning?
Best wishes,
Tony

Worte haben, wie Symbole auch, Kraft und Macht, sie sind eine andere Form der Symbole. Und weil das so ist, ist mir an einer sachlichen Sprache gelegen. Wenn ich mich von Rechtsextremistinnen und Rechtsextremen abgrenzen will, dann ist Sprache ein Mittel meiner Wahl. Mir liegt nichts daran mich auch nur im kleinsten Detail mit ihnen gemein zu machen.

Das ging mir im übrigen schon in den frühen 1990er Jahren so, als ich mich, zusammen mit einigen Freundinnen und Freunden, dem aufkommendem Rechtsextremismus entgegenstellten. Als ich dann erlebte, dass Bekannte von uns sich ebenfalls mit Baseballschlägern bewaffneten und auch nicht davor zurückschreckten diese auch einzusetzen, zog ich mich zurück. Gewalt erzeugt Gegenwalt, es ist ein Ping-Pong-Spiel, niemand und nichts zwingt mich oder eine/einen anderen mitzuspielen!

Letztens fragte ich mich, wie vernünftig ist es, immer vernünftig zu sein? Ich kam zu dem Schluss, dass mich in vielen Feldern emotionale Reaktionen nicht weiter bringen, sachliche Argumente aber schon!

Ich bin nicht frei von Emotionen, ich reagiere nicht immer und überall sachlich, ich übe und es ist und bleibt ein Ziel, ich bleibe dran.

Noch etwas fällt mir immer und immer wieder in Diskussionen auf, ob nun hier oder in anderen sozialen Netzwerken oder auch im realen Leben, manchen geht es anscheinend nur darum Recht zu haben/im Recht zu sein. Ich vermisse Weite und Offenheit den Menschen gegenüber, die eine andere Meinung vertreten. Solange eine andere Meinung nicht menschenverachtend, rassistisch oder sexistisch geprägt ist, kann ich zuhören, hinspüren, nachspüren was mir mein Gegenüber gerade mitteilen will, wenn vielleicht auch nicht in wohlfeilen oder studierten Worten. Vielleicht ist mein Gegenüber simpel gestrickt, ist nicht geübt in Wortwahlen und „Wohlfeilem“ – nachfragen hilft, statt gleich zu beurteilen oder gar zu verurteilen, weil ein Schlagwort fällt.

Es stimmt einfach nicht, wenn immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt wird, dass jede und jeder sich schlau machen kann. Dazu braucht es mehr als nur die Möglichkeiten, die es zweifelsohne gibt. Bildung und damit die Fähigkeit zu differenzieren, zu hinterfragen ist nicht jeder und jedem gegeben (worden), mit ein Grund warum ich mich auch für Bildung einsetze und Anna nur zustimmen kann, wenn sie schreibt, dass Bildung ein Recht und kein Privileg ist.



Gerda hat am Samstag folgenden Beitrag auf ihrem Blog veröffentlicht → https://gerdakazakou.com/2018/09/08/meute-und-hetzjagd-klaerung-der-wortbedeutung/, wie man im Kommentarstrang nachlesen kann, bin ich nicht mit allem einverstanden, aber insgesamt stimme ich Gerda zu, wenn es um die Wortwahl geht. Es ist mir wichtig, wer welche Worte wann benutzt und warum – ob und was sie/er damit beeinflussen, implizieren will. Das gilt für alle politischen Strömungen!

Mir geht es nicht um recht und links, mir geht es um Menschlichkeit, um Freiheit und Geschwisterlichkeit, um Solidarität und Offenheit der/dem anderen gegenüber, diese Haltung lebe und vertrete ich und diese Haltung wünsche ich auch mir und meinen Meinungen gegenüber. Ich schrieb es schon oft: ich lerne gerne dazu, aber ich nehme mir auch das Recht zu sagen, dass ich mit dem einen und dem anderen nicht einverstanden bin. Im Vordergrund steht dabei immer die Sache, um die es gerade eben geht und nicht die Person.

Aus der Serie #die andere Seite – Dialog – eingestellt am 06.03.2015 auf pixartix © Ulli Gau



Anmerkung

Wie auf den Zeilen unter den Bildern zu lesen ist, handelt es sich um zwei Bildern von neun aus der Serie #die andere Seite, die 2015 auf „pixartix“ veröffentlicht wurde. Teilgenommen haben Fotografinnen und Fotografen, Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Coleur.

pixartix war eine Initiative von Sofasophia und Irgendlink. Die Seite wurde von ihnen (und später auch anderen) von Januar 2012 bis Juni 2016 moderiert. Die Anzahl der Bilder je Thema variierte, wie die Themen selbst auch. Neben ihnen gab es Zeiten für Intermezzi. Alle Themen, Bilder und Links zu den Teilnehmenden kannst du auf der Pixarix Seite finden → https://pixartix.wordpress.com

Miniatur – So viel

0128 01.06.16

So viele wunderbare Menschen! So viele wunderbare Worte, tiefe und schöne, auch wahre und kluge, solche die fragen und solche, die sagen. So viel Schönheit, Weite, Klarheit, Wind, Baum, Fuchs und du. Und so viel wunderbare Musik zum träumen, zum sinnieren, zum spüren, für den Groove und das zuckende Bein. Und so viele wunderbare Bilder, bunte, schwarz-weiße, schmerzhafte und Spiegelbilder. Und so viel Freude, so viel du, so viele Hände und rote Münder, so viele Küsse und so viel hach… Und so viele Wunder, so viel staunen und rätseln und schmecken und riechen und nie genug, nie durchdrungen, nie alles erfasst und nichts ist selbstverständlich. Wo ein Teufel steckt weiß nie Irgendwer genau. Zeigt er seine Fratze ist es zu spät. Dann gebiert sich das Unheil und niemand weiß wie weit es reicht, wen es treffen wird, wer verschont bleibt und nichts bleibt, wie es war. Nie. Wie reich wir waren! Was hätten wir glücklich sein können!

Fehlende Worte

0043 24.01.16

Schwer wiegt meine Traurigkeit unter der Wut. Ich finde keine Worte. Gross ist meine Angst, wenn ich in die Unschuldsaugen der Kinder schaue. Ich finde keine Worte. Ein Schrei klemmt in meiner Brust. Der will Stopp brüllen. Ich kriege keine Luft. Ein Schrei klemmt in meiner Brust. Ich finde keine Worte.

Worte

blasen

dies ist ein „gif“, bitte anklicken, dann kommt es in Bewegung

Worte doktern ist die Kür in der Spiegelarbeit mit KlientInnen. Da heißt es Kanal zu sein, sich zu öffnen für das, was gesagt wird. Ich gehe in Resonanz, um dann später das zu sagen, was ich hörte. So, dass es sie oder ihn nährt, unterstützt, nicht (noch mehr) schwächt. Das wird Worte doktern genannt.

Vor ein paar Tagen kam mir in den Sinn, dass ich ja auch Worte entmüllen kann. Sie von Ballast befreien, der nicht zu ihnen gehört, nicht im eigentlichen Wortsinn. Wie oft habe ich es schon selbst empfunden oder von anderen gehört, dass Worte negativ besetzt seien. Was hat sich an Worte geklebt, das dort nicht hingehört?

An welchen Worten stoßen wir uns? Ich nenne zwei, die gern zu Widerstand führen und sage was sie jetzt für mich bedeuten:

Demut

Demut ist eine natürliche Haltung, wenn ich mich mit dem Groß und seinem Geheimnis verbinde.

Disziplin

Disziplin habe ich mit freudiger Anstrengung verbunden.

Durch positive Erfahrungen wuchsen Selbsterlaubnis und Vertrauen, dass Disziplin (= freudige Anstrengung) mich zu Ergebnissen führt, die mich nähren, dass sich kleine und größere Erfolge einstellen auf meinem Weg zu einem gestellten Ziel.


Zuerst war ein Wort für ein Ist, dann wurde es belegt.

Ich darf die Worte prüfen, darf sie entmüllen, transformieren und durch andere ersetzen. Das Wort ist das Wort, ihre Belegung hat etwas mit positiven und negativen Erfahrungen zu tun, die wir ihnen überstülpen. Manches sind nur Gaukelbilder, Illusionen, Seifenblasen, die zerplatzen, bei näherer Betrachtung.

Ich mache manchmal kleine Feuer, darin verbrenne ich das, was nicht mehr zu mir gehört, dann wird die Sicht wieder klar und der Tanz leicht, bis zum nächsten Feuer …

 

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hundertjähriger Schlaf

Umarmung © Ulli

Umarmung © Ulli

In der Wüste fand ich die Worte wieder. Du aber bist verloren gegangen. Steine sprechen langsam, Gebirge nehmen sich Zeit, Flusslieder singen sich zum Meer, ein Vogel ist immer. Still ist das Zimmer, im Ohr das Rauschen des Nichts. Gedanken weben Netze in Ecken, Schweigen wird gebrochen. Im Traumgespinst haben sich braune Augen verfangen, bald schon wird der Ginster wieder blühen. Etwas Verlässliches im Sein ohne Verlass. Ein Versprechen, das ein Versprecher ist. Ich habe nichts gehört. Du hast nichts gesagt. Ich baue Schneetiere zwischen die Wolken. Ich male Suchbilder. Wenn ich geschlafen habe, den hundertjährigen Schlaf, wird nichts geschehen sein. Weit ist der Raum auf den Höhen der Berge und in den Tiefen der Meere.