Hungrige Meisen, Amseln und ein Buntspecht

 

alle Fotos © Ulli Gau – aufgenommen am 31.01. und am 03.02.2018

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Wen doch diese Meisenknödel alles anlocken! Bislang ließen sich die Tannenmeise und der Eichelhäher noch nicht fotografieren, beide sind so aufmerksam, dass sie mich selbst hinter der Fensterscheibe meiner Haustüre bemerken und sofort auf und davon sind, der Eichelhäher natürlich mit lautem Protest! Die Kohlmeise ist noch die unerschrockendste. Eine große Freude war es, als ich den Buntspecht „erwischte“.

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Eisblumen

Eisblumen zu fotografieren finde ich nicht einfach, schnell ist aller Glanz verloren, aber ich glaube hier ist es mir ganz gut gelungen:

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Und dann brauchte das erste Bild unbedingt noch ein Boot –

Wintereinbruch, Fragen und Musik

Kalt ist es auf dem Berg geworden. Das Morgenritual hat sich der Jahreszeit angepasst: Kaffeewasser aufsetzen, Ofen anmachen, Kaffee brühen und dann trinken und eine Stulle dazu. Die Wohnung wird schnell warm, ich schreibe, ich lese, ich sitze im Lesesessel und schaue dem Tanz der Flammen zu, je nachdem. Von innen und außen aufgewärmt ziehe ich den dicken Pullover über, die Schaffellweste darüber, die dicken Socken habe ich eh schon an den Füßen, dann schlupfe ich in die Gummistiefel, nehme den Holzkorb und gehe nach unten Holz holen, zwei-, dreimal. Danach ist mir richtig warm und die Frische der Luft liegt auf meinem Gesicht.

Am Sonntagmorgen war es, als wieder über Nacht eine feine Schneedecke meine Terrasse bedeckte. Auf der Terrasse, über die ich gehe, wenn ich nach unten in den Hof will oder überhaupt die Wohnung verlasse. Die Schneeschippe steht gleich neben der Haustüre und so habe ich also erst einmal noch Schnee geschippt. Meditativ und versonnen räumte ich das erste Mal den Holzkorb ein und dachte: das nenne ich ehrliches Leben. Und dabei bin ich geblieben, ohne es weiter zu hinterfragen, ich weiß ja, was und wie ich es meine.

Später lasse ich Revue passieren und denke an alle die Menschen in meinem Umfeld, die gerade steinige Wege gehen, über Hürden springen oder vor ihnen stehen, manche Sätze klingen in mir nach und ganz besonders ein Wort sticht heraus: Überforderung. Und ich denke an die Frage einer Freundin am Sonntagabend: „Du musst jeden Morgen den Ofen anmachen, damit du es warm hast?“ Ja, das muss ich und das will ich. In mir schwingt das Wort „Reduktion“, Leben um das Wesentliche herum, wohin ich mich wieder bewege, aber auch, trotz Ofen, noch immer ein Stück entfernt bin. Diese Art von Leben fordert auch meinen körperlichen Einsatz: Holz holen zum Beispiel oder Schnee schippen oder die Gartenerde beackern, damit sich z.B. die Brennnesseln nicht zu sehr ausbreiten. Ich glaube aber auch, dass all das jung und beweglich bleiben bedeutet. Das denkt und empfindet übrigens auch teggytiggs → https://meinexperimentlebenblog.wordpress.com/2017/11/20/wintervorbereitung-3/

Heute Morgen im Badezimmer kommt ein anderer Gedanke: die Menschen (damit schließe ich mich selbstredend mit ein) bauen sich ihre Gefängnisse selbst, die Stäbe sind u.a. die Worte:„Ich-muss“, „Ich-kann-nicht“ und „Ja-aber“.

Und dann noch einmal die Überforderung: ich überlege, ob jede kleine Müdigkeit, nach getaner Arbeit, gleich Überforderung ist? Wieso, frage ich mich weiter, habe ich meine Großeltern nie, auch selten meine Mutter das Wort Überforderung aussprechen hören oder das Wort Stress? Ich erinnere mich, dass sie einfach die Füße für ein halbes Stündchen hochlegten, ob nun nach dem Mittagessen oder wenn die Mutter am frühen Abend aus dem Kaufhaus kam, wo sie Stoffe verkauft hatte, und dann ging es eben weiter. -M-

Versteht mich bitte nicht falsch, natürlich gibt es gerade in der heutigen Zeit auch Überforderungen, und doch lohnt es sich vielleicht einmal genauer hinzuschauen.

Was hat das zum Beispiel mit der hochstilisierten Individualität zu tun, bei gleichzeitig zunehmender Vereinsamung?

Was, mit den modernen Medien, der Informationsflut und/oder dem viel zu schnellem Takt der modernen Turbogesellschaft, besonders in den großen Städten? Was, mit eigenen sehr hohen Ansprüchen, bei gleichzeitg „gepflegter“ Unzufriedenheit?

Wie frei ist der Mensch?

Wintervogel

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Wintervogel singt ein Frühlingslied, wir sangen gestern das Lied der gehenden Flöte. Dreimal, dann nehmen sich Melodien und Worte Raum. Dreimal, dann ist es gut. Ich vermisste das vierte Mal, obwohl ich die Vier nicht gerne schreibe, Kreise und Dreiecke den Quadraten vorziehe.

Mein Herz gehört der Königin, der König setzt Staub an, Bauern ziehen Furchen übers Land, Füße wollen wandern, Lieder gesungen werden, Hirten sind in unseren Breiten nahezu ausgestorben, Schweine stehen in sauberen Ställen.

„Wärmekette“ ist eine neue Erfindung des Hygienewahns. Angst züchtet Bakterien und schwächt das Immunsystem, der Pharmazeut reibt sich die Hände.

Ein Bier, viele Geschichten, wie gerne ich gesellig bin! Ich liebe das Bahndammkellerkind und dich, immer, nur immer anders. Geteilte Räume und das doppelte Lottchen, Sägen streichen über Betten- ach…

Ich würde heute meinen Sohn Emil nennen, Oscar wäre sein Zweitname. Ich wäre immer fröhlich, wenn ich am Abend in den Garten „Emil“ rufen würde, das Kind unter dem Apfelbaum mich ansehen und antworten würde „Ich ko-mme“.

Die heiße Suppe auf dem Tisch, das frische Brot daneben, heimelige Würzwolken unter der Küchentischlampe und immer wäre es ein altes Haus. Jede Diele knarrt ihre eigene Geschichte, im Keller wohnt der Feuersalamander. Wo du in diesem Bild wärst?

Ich habe den Winter weggesessen, seit Anfang Februar singen wieder die Wintervögel.

Wenn du nach links gehst, werde ich nach rechts gehen, sagt Jack. Zack geht nach rechts, Jack nach links. Der eine pfeift ein Lied, der andere wiegt sich in den Hüften. So kann es an Weggabelungen gehen.*

Fragen sind erlaubt, manche Antworten höre ich nicht gerne. Als würde das Leben sich einen Deut darum scheren, als wäre das Leben eine große Frau oder ein alter Mann mit Rauschebart, als würden sie nicken und loben oder den Daumen nach unten richten. Holzböcke knabbern im Verborgenen, Balken brechen, steter Tropfen höhlte die Eiche.

Wintervogel singt ein Frühlingslied, wir sangen gestern das Lied der gehenden Flöte. Dreimal, dann nehmen sich Melodien und Worte Raum. Dreimal, dann ist es gut.

Anmerkung

*Schlussszene aus dem Film Down by law – by Jim Jarmusch

Sonntagsbilder

0003 Spinne und roter Faden

Ich schrieb es schon: die Novelle „Die kleine blaue Frau träumt Meer“ ist abgeschlossen. Nun habe ich ein Exposé geschrieben und es an einen Verlag gesendet, der wunderbare Bücher macht und verlegt. „Machen“ bezieht sich in diesem Fall auf das Design. Ich muss geduldig sein. Sie müssen sich durch Vieles lesen. Zeit, um noch das eine und andere Bild mit der kleinen blauen Frau zu kreieren.

Die kleine blaue Frau sitzt in der Stube. Grüne und blaue Schiffchen gleiten über goldgelbe Kettelfäden. Alte Spinne kommt aus ihrer Ecke, sie schenkt ihr einen roten Faden, dann kehrt sie um. Sie wartet auf die letzte Fliege, November steht auf dem Kalenderblatt. Goldene Blätter wehen über Wege und Wiesen. Die Schiffchen tanzen auf und ab, grün und blau in unregelmäßigem Wechsel, ein rotes kommt hinzu. Es schlingert durchs Gewebe.

© Ulli Gau

Und weil ich ab morgen für eine längere Weile nicht hier sein werde, möchte ich euch noch ein paar Lieblingsbilder aus dem Februar zeigen. Doch zuvor wünsche ich euch allen eine gute Zeit. Danke für eure vielen Kommentare und Likes in den vergangenen Wochen, für so manch tolles Projekt, auch hinter den Kulissen.

Wir lesen uns im Frühling wieder – am 20. März hält er Einzug, ich jubiliere!

001 Gesicht

Rostliebe

0095ab 28.02.16 begegnung

Ul un Nachtijall oder Licht – 6 –

Im Rheinland sagt man:

Watt dem eenen sin Ul is, is dem andan sin Nachtijall

(Was dem einen seine Eule ist, ist dem anderen seine Nachtigall)

Und wenn sich die Einen über Schneeflocken freuen, dann jammere ich ganz gerne auch über die weisse Pracht, besonders, wenn sie sich türmt und türmt und türmt. Schön anzusehen ist sie, keine Frage!

Winter-Licht-Bilder

 

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Und immer wieder kritzel ich Häuschen mit Schornstein, aus denen Rauch aufsteigt, das war schon früher so und ist heute nicht anders.

0024 16.01.16 schneehaus

Die Bilder entstanden am Sonntag, als mich der Liebste von der Arbeit abholte und sich die Kamera, ohne dass ich es erst einmal bemerkte, um eine winzige Drehung verstellt hatte. Eine schöne Bescherung!

Winterliches

0023 13.01.16 ist es noch weit

Ist es noch weit, bis zum nächsten Haus, bis zum ersten Krokus, bis zum ersten Märzenbecher? Ja, es ist noch ein Stück. Geduld ist gefragt. Ich denke an Tomte Tummetott, wie er Winternacht für Winternacht zu den Tieren in die Ställe geht, die Schafe, Kühe, Pferde und Hühner streichelt und ihnen zuflüstert, so, wie es die Wichtel tun: „Habt Geduld, es ist noch immer Frühling geworden …“

„Ist es noch weit?“ Das fragen sich die Menschen auf den Booten übers Mittelmeer und: „Wann können wir wieder Nachhause? Können wir je wieder Nachhause?“  Da möchte ich ihnen einen Wichtel schicken, so einen, wie Tomte Tummetott einer ist, der ihnen zuflüstert: „Habt Geduld, es ist noch immer wieder Frieden geworden.“

Ist es das? Wie sieht so ein Frieden aus, ist er nur eine Atempause zwischen Kriegsende und Kriegsanfang? Hatten oder haben wir hier „nur“ eine lange Atempause? Wo gehen wir hin? Und wie soll ich das nennen, was in diesem Land in manchen Strassen und Orten tobt, ist das kein Krieg?

Was ist mit dem gleichen Recht für alle, wie wird es angewendet und wie ausgelegt und wie schnell verändert und angepasst, damit … ja, was? Ruhe ist? Ist Ruhe? Es fröstelt mich tagtäglich und nicht nur, weil hier gerade ein Schneesturm über den Berg zieht. Ja, es gibt viele helfende Hände. Ja, es gibt viele gastfreundliche Menschen. Ja, es gibt viele wunderbare Projekte, weltweit. Aber …

Es gibt eben auch viele Menschen, die Angst haben und viele, die nicht teilen wollen, nicht das Brot auf ihrem Tisch, nicht das Land, in dem sie geboren wurden, die vergessen haben.

Gestern hörte ich ein Interview im SWR 2 mit Frank Witzel, dem Autor des Buches: „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ , das zum Buch des Jahres 2015 avancierte. Frank Witzel schreibt über seine Kindheit, seine Jugend, über die Zeit des Nationalsozialismus und er sagte: „Es ist nie genug, jede Generation muss sich erneut mit dieser Zeit auseinandersetzen.“ Er sagte:“Es hieß schon 1949, es muss auch einmal genug sein …“

Nein, es ist nie genug, solange noch immer brandschatzende Horden durch Leipzig, Dresden oder sonstwo ziehen und ungebremst ihr Unwesen treiben können. Es ist nie genug, solange in manchen Bundesländern die Obrigkeit und ihre Schergen auf dem rechten Auge blind sind und das „böse“ Linke überall dort gewittert wird, wo Menschen aufstehen, um sich dem Pöbel entgegen zu stellen, die Menschenrechte ernst nehmen und sich bemühen gute Menschen zu sein.

Unworte, Unmenschen, Unmöglichkeiten … dieses Un- beschert nichts Gutes!

Unwetter im Südschwarzwald, Schneesturm, tiefe Stille in der Nacht, nur der Sturm heult seit zwei Tagen und Nächten ums Haus. Die Wolken haben die Berggipfel in der Ferne verschluckt, keine Fernsicht mehr. Ich halte die Weite im Blick und im Herzen, ich werde nicht verbittern, ich werde jetzt nicht eng werden, jetzt schon mal gar nicht. Meine Türe bleibt offen für eine Fremde, einen Fremden. Wenn sie oder er hier klopft, werde ich öffnen und sie zu einem Tee einladen, ihnen Brot und Käse servieren und die Stube mit ihnen teilen! So, wie ich damals, als junge Frau, als ich durch die nordischen Länder trampte, an so manchen Küchentisch geladen wurde, weil es Nacht wurde und weil einer befand, dass ich nicht alleine in der Wildnis übernachten sollte.

Und dann schicke ich ihnen einen Wichtel, so einen, wie Tomte Tummetott einer ist, der ihnen in der Nacht in ihre Schlafohren flüstert:“Habt Geduld, nichts bleibt, wie es ist.“

Komm tanz mit mir, egal woher du kommst

0020b 10.01.16 durch stürme und wind

Danke:

Ich danke Unbekannt für den Clown auf dem oberen Bild, den ich vor einigen Wochen irgendwo im weiten Netz fand, heute ausschnitt und für das hier eingestellte Bild benutzte.

Danke auch an Gerda für ihre Beiträge zur Gastfreundschaft (siehe den Link oben im Text)