GedankenFäden 002 2020

Installation – Nural Moser


Mich an den zufällig auftauchenden Quellen laben, kühle Erfrischungen im Einerlei der Beliebigkeiten. Die Freude darüber, dass sie noch sprudeln, dass noch lange nicht alles Wüste geworden ist. Leuchttürme hier und da im Dunkel dieses Zeitalters, ohne je von hellen gehört zu haben – es gab einst nur weniger Müll, kein Plastik und keine zehntausendjährigen Halbwertzeiten. Etwas, das erschreckender ist als die Leiden des Menschseins. Vergleiche halten selten stand. Zeiten, Menschen, Werke, Dinge stehen nebeneinander auf Augenhöhe oder sie sollten es. Ich denke nicht an Verachtenswertes, das steht allein im tiefschwarzen Raum. Unwissenheit rechtfertigt keine Untaten, soviel Verstand fordere ich ein, was unhaltbar und vermessen ist. Die älteren Freundinnen und Freunde gehen nach und nach, ich sorge mich um M, ich will sie noch nicht vermissen müssen und auch nicht betrauern. Das Wissen um ist getrennt von wenn und macht nichts leichter.



 

 

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Miniatur 009 2018

Leere Stühle

Rot, orange und gold leuchtet der Oktober. Nebeltropfen am Morgen. Tränen. Sterben lehrt der Herbst. Zwei Freunde – leere Stühle – Licht im Spiegel – keine Gesichter, die wohnen hinter meinen Augen. Verbundenheit über alle Vergänglichkeit hinaus. Herbstlieder in Moll.

Trauer

Trauer kennt viele Gesichter

mein Sohn trauert so

ich trauer so

Es gibt keinen richtigen Moment, es gibt nur was ist und wer plötzlich nicht mehr ist. Good bye, lieber Freund, gute Reise …

für dieses Mal habe ich die Kommentarfunktion geschlossen, sorry . Und jetzt bin ich mal weg …

Traurigsein

Traurigkeit will keinen Trost. Traurigkeit will gehalten sein. Traurig bin ich am liebsten allein…

Es gibt Leid. Es gibt Trauer. Es gibt wenig Akzeptanz in unseren Breitengraden ob der Klage, der lauten Trauer, der gezeigten Verzweiflung. Manchmal beneide ich die „Klageweiber“. Dem Leid eine Stimme geben, der Trauer auch und damit sein dürfen, das fehlt meiner Meinung nach in der abendländischen Kultur.

Wenn ich Traurigkeit äußere, dann erfahre ich gut gemeinten Trost, dahinter spüre ich ein Ungeschehenmachen-, ein Wegmachenwollen. Da sein, gehalten sein und werden ist etwas, das sich erst noch verankern will und genau deshalb bin ich jetzt traurig am liebsten allein!

kurze Zeilen – 14 –

0082 18.02.16 meeting

Ich bin vor die Tür getreten. Hier muss es doch irgendwo sein! Vor der Tür wachsen Schemen, die werfen nicht mit Schatten. Vor der Tür ist das Meer schon näher. An manchen Tagen kann ich es riechen. Es singt nicht mehr, es trauert. Vor der Tür ist die Wüste schon näher. Hierhin will kaum ein Mensch. Ihre Dünen singen unbeirrt und ungestört. Vor der Tür spielen Kinder. Sie schenken mir ein Lachen. Da bin ich wieder ins Haus gegangen. Ihr Lachen habe ich in die Vitrine gelegt und es lange betrachtet. Ich ging zu den Kindern und gab es ihnen mit Dank zurück. Dann habe ich meinen Rucksack gepackt und bin in die Wüste gefahren, um dem Gesang der Dünen zu lauschen. Vielleicht ist es ja hier.

Anmerkung

Wer mehr über singende Dünen erfahren möchte, bitte hier entlang →

Wenn der Körper doof macht

Es war zum Jahreswechsel, als ich eine Tarotkarte fürs kommende zog. Es war zu Lichtmess, bzw. Imbolc, als ich wieder fürs kommende einen Gang machte. Beide Male hiess es, dass ich auf meinen Körper achten soll, gleichzeitig ging es um Öffnung: zeige dich.

zeig dich
Ersteres irritierte … aber dann wurde es im Laufe des Jahres immer klarer.

Ich bin optimistisch ins Neue gegangen, aber seitdem macht mir ständig der Körper einen Strich durch meine Pläne, begleitet von einer Angst, die mir sehr fremd ist. Ich rotiere durch die Ärzteschaft und bin nun (wieder einmal) bei der Homöopathie gelandet. Es heisst wieder einmal rückwärts gehen, hin zu den grössten Erschütterungen meiner Kindheit. Nein, nicht mit fliegenden Fahnen und hoffnungsfroh, sondern auch hier voller Furcht. Muss das denn jetzt noch einmal alles sein? Reicht es denn noch immer nicht mit der Psychohygiene? Gibt es überhaupt Heilung? Oder ist diese immer nur temporär, damit dann irgendwann wieder das Ganze hochkommt und mich beutelt? Es kommt nie gleich, das nicht, weil ich eben doch schon etliche Runden mit den Themen gedreht habe, und doch kommen sie wieder, die Schockmomente aus der Kindheit.
Vor einiger Zeit zeigte ich hier die Geschichte mit dem roten Ball. Während meiner kleinen Auszeit am Rhein fand ich in einer kleinen Galerie einen Trost …

DSC_0062a

Ich sehe eine Art Pendant zum roten Ball, einen Schutzraum, ein Meer und der „Wal“ lächelt mich an. Wann immer ich dieses Foto betrachte erfahre ich Trost,  Trost und Zuversicht gegen meine (neue) Furcht.

 

0139 08.08.15 Trost
Und jetzt habe ich mich auch hier gezeigt, was mir nicht leicht fällt, zumindest nicht mit diesen Themen …

Trauer oder Altes neu aufgelegt – 5 –

Als ich noch sehr klein war, fuhr ich mit der Mutter den Vater besuchen. Wir kamen in ein fremdes Land.  In dem gab es ein Meer, Sand und Felsen und einen roten Ball. Das Meer holte sich den roten Ball. Das Land den Vater …

eine Zeichnung von 1977 – der rote Ball –

02.03.13 der rote Ball

neu aufgelegt

0130 29.07.15 trauer

„Es war tröstlich zu wissen, dass die Trauer sie niemals verlassen, immer bei ihr sein würde.“

Knausgård „Alles hat seine Zeit“ S. 312

Zugegeben, ich habe diesen Satz aus dem Zusammenhang genommen. Aber es war genau dieser Satz, an dem ich hängen blieb. Dass Trauer, die immer bei einem bleibt, die einen nie verlässt auch tröstlich sein kann, das ist für mich ein neuer Gedanke und auch eine Herausforderung.

das Großmutterprojekt

018 13.01.14

Zur Erinnerung … während ich letztes Jahr im Januar den Artikel Frauenschicksale schrieb, wurde die Idee geboren meiner Großmutter und den Großmüttern dieser Generation ein Denkmal zu setzen. Was zunächst leicht und voller Freude begann, zog mich bald in Tiefen, die ich nicht erahnt habe. Jetzt erst, und das auch nur ganz langsam, nähere ich mich wieder dem Großmutterprojekt.

Viele von euch haben mir Bilder geschickt und manche auch wunderbare Texte geschrieben, sie liegen in den Ordnern. Aber nicht nur Texte und Bilder gab es, sondern auch viele Fragen. Fragen, die mir gestellt wurden, die ich mir selbst stellte. Statt mehr Antworten zu finden, fand ich immer noch mehr Fragen. Diese bezogen sich vor allen Dingen auf das Leben unserer Großmütter, ihrer Erziehung, ihrer Rolle während des dritten Reiches und wie es dazu kam, dass sie bei allem, was sie erlebt hatten, bei den meisten von uns als die Guten, die Geduldigen erinnert werden? War es wirklich nur die Erziehung dieser Jahre, plus der Rolle, die den Frauen übergestülpt wurde? Endgültige Antworten werde ich nicht finden! Woran ich mich auch immer erinnere, erzählt mir die Erinnerung mehr von mir, weniger über die Menschen selbst und diese kann ich nicht mehr fragen. Und die, die ich fragen kann, sind genauso in ihren Erinnerungen gefangen, wie ich selbst.

Auf meiner Spurensuche las ich die Bücher von Sabine Bode und den ersten Band von Margarete Dörr: „Wer die Zeit nicht miterlebt hat …“ und … ich fiel …

022 14.01.14 ...und ich fiel

zwei Fotos zu einer Collage zusammengefasst, aus dem Zyklus : die Närrin/ Anfang 2013

Die Närrin hatte ihre Kappe ausgezogen und war ins Haus gegangen. Dort lauschte sie ihrer Trauer, ihren antwortlosen Fragen, ihrer Kindheit, ihrer Erziehung. Dort verlor sie ihre Sprache und auch jetzt ringt sie noch um die richtigen Worte. Wieviel privat verträgt Öffentlichkeit? Wieviel privat vertrage ich?

Gestern nun arbeitete ich an Fotomontagen mit dem Titel: Trauer (s.o.) und Vergänglichkeit(s.u.) …  Trauer ist es, die mich wortlos werden lässt. Bilder helfen mir, nicht im Bodenlosen zu versinken.

019 13.01.14

Und nun wird es Zeit mich euren Bildern und Texten zu widmen …

(ich danke Mützenfalterin, Dina und Sherry (siehe mein Blogroll), die mich, mehr oder weniger direkt, ermutigten das Projekt wieder aufzunehmen)

wie lang …?

001 trauer

(draufklick = groß)

Man muss darüber reden. Man muss vorbereitet sein, sich schon frühzeitig mit Alldem auseinandersetzen, eine Haltung einnehmen, gewappnet sein. Aber klar! Ja doch … ich habe alles beherzigt. Es ging auch alles gut, erst einmal. Keine Sicherheit, nie.

Schuld, Scham, Trauer, Wut, Angst, Freude, Liebe, Glück, alles hat Platz in mir genommen. Alles? Alles, soweit es jeweils ging. Und das war oftmals nicht so weit, wie es beim ersten kleinen Schritt schien. Land gewonnen schützt nicht vor Erdrutsch.

Sechs Jahre Stille. Keine besonderen Vorkommnisse. Nur der ganz normale Wahnsinn, der händelbar geworden ist. Weil nichts zu machen. Es ist, wie es ist. Aufstehen, weitergehen. Erinnerung ist nicht unmittelbar, linear schon gar nicht. Vieles verschwindet und bleibt doch da. Zu welchem Zweck, wenn es dann doch nur schmerzt?

Nein, ich habe nicht darüber geredet. Nie. Nicht wirklich. Es gab schlichtweg keine Worte. Kein Gefühl. Nichts hatte es gegeben. Sechs Jahre nicht. Und jetzt …? Es hat sich nichts verändert. Ich gehe zur Arbeit oder nicht, folge dem Müssen und Wollen, halte ein, räume der Stille einen Platz im lärmenden Gefüge. Alles wie gehabt. Aber es rutscht weg. Plötzlich. Der Boden unter den Füßen gibt nach. Kein Halt. Auch nicht im Himmel, weil er zu unendlich ist. Das Rauschen im Kopf nimmt zu, der Schwindel auch. Keine Ursache. Ich schaue in das kalte Grau des ewigen Winters, der keine Farben zu verschenken hat. Überschwemmung. Es taumelt und torkelt.

So gerne würde ich wieder einfach mit dir lachen und erzählen, singen und schweigen, auch streiten- egal. Auch mit dir. Ja, mit dir auch! Alles nur noch in meinem Kopf. Es ist kalt. Immer noch. Der Himmel ist zu unendlich, um auf mich niederzugehen. Er hat sich nur verdunkelt.

Als meine Wut verraucht war, kam die Leere. Wie lang dauert Trauer? Ich habe mich nie gefragt wie lange Freude dauert. So viele Verluste! Es begann vor mehr als fünfzig Jahren, es hörte nie auf. Und bei jedem Verlust öffnete sich eine neue Herzenskammer. Und immer war es ein Du, das Einzug hielt.

how long …?

One has to talk about. One has to be prepared, to think about all this, to take a positon. Indeed! Yes … I payed attention. All went well, at first. No confidence, never.

Guilt, shame, mourning, rage, fear, joy, love and happiness, all took place inside me. All? All, as far it works. Often it was not so far, as it seemed by the first little step. Winning land is no protection of  landslide.

Six years long stillness. No special insidents. Only the normal madness, which get setted in order. Because nothing was to do. It is, like it is. Get up, moving further. Rememberings are comming not immediately, not linear, either. A lot escaped und stayed, still. To which sense, if it is only hurting, then?

No, I didn`t talk about. Never. Not really. There were no words at all. No feelings. Nothing existed. Six years long. And now …? Nothing changed. I`m going to work or not, following all the must-do and want-do, stopping, giving the stillness place in the noisy world. All like ever. But its sliding away. Suddenly. The ground under the feet is sliding. No support. Neither in the sky, because it is too illimitably. The murmer in the head is becoming more, the dizziness too. No reason. I am looking into the grey of never ending wintertime, which has no colours to give. Overflow. Its wobbling and tottering.

I would like to laugh and talk with you again, to sing and to keep quiet, to dispute, too – I don`t care. With you too. Yes, and with you! All is left to my head now. It is cold, still. The sky too endless, as if it could fall on me. More darkness appeared.

When my rage disappeared, emptiness appeared. How long does mourning last? I never asked myself how long joy is lastening. So many losses! It started more then fifty years ago, it never ended. And by every loss a chamber of the heart got open. And it was always a You, which took place.

002 trauer