Miniatur #4 – für die abc.etüden

Drei Wörter – maximal zehn Sätze – für Ludwigs Schreibprojekt

In dieser Woche hat Christiane die drei Wörter in den Raum gestellt: Narr, Stille, Rosenstrauß

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Es ist schon eine Weile her, dass sich Narr und Närrin in der Stille der Nacht zum ersten Mal begegneten. Sie waren nicht leer zueinander gekommen, sie waren nicht mehr jung, das Leben hatte sie schon gefurcht, in Falten gelegt, Haare ergrauen lassen. Misstrauen, Angst und Enttäuschungen saßen in ihren Zellen. Wenn sie aber still nebeneinander saßen, dann…

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Ein zweites Mal trafen sie sich an dem bunt bebänderten Baum, Rücken an Rücken lauschten sie sich.

Heute hat der Narr die Närrin zur alten Buche bestellt. Dort hat er einen Rosenstrauß in die Äste gehängt. Weiße Rosen, weiß für den Frieden, den sie beieinander finden. Still erwartet sie ihn.

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Anmerkung für meine neuen LeserInnen

die ersten beiden Collagen gehören zu meinem Zyklus „Die Närrin und die kleine Stadt“ – siehe Galerie I

die Närrin ist „Helvetia“, eine Skulptur von Bettina Eichin, sie steht am Ufer des Rheins in Basel

der Narr ist der Tänzer Vaslav Nijinsky, die Skulptur entdeckte Rotewelt auf dem Pariser Friedhof „Le Cimetière de Montmartre“ und hat sie mir freundlicher Weise für die Fotomontagen zur Verfügung gestellt – nochmals meinen herzlichen Dank

Menhire, Dolmen und Tumuli

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Wenn man in der Bretagne Ferien macht, führt kein Weg an der Megalithkultur vorbei. Es stellen sich immer wieder kleinere und grössere Menhirfelder in den Weg. Menhir, so habe ich gelernt, kommt von men = Stein und hir = lang. Wir sehen also mehr oder weniger lange, aufrecht gestellte Steine …

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Die berühmtesten Felder sind in Carnac zu finden. Auffällig war, dass in den ersten Reihen eines Feldes die Giganten standen, von denen manche an Mamuts (s.o.) oder Walfische (s.u.) erinnerten, und dann die Steine immer kleiner wurden, je länger die Felder waren.

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Ja, wir waren auch dort, aber so richtig staunen konnte ich dort nicht. Sicherlich waren es unglaublich viele Steine (man sagt mehr als 2400 Stück), die dort in langen Reihen von uralten Zeiten sprechen, aber die Atmosphäre erschien mir „leer“, vielleicht haben die vielen TouristInnen der letzten Jahrzehnte den Flair weggeknipst … Heutzutage sind diese Felder eingezäunt und dürfen nicht mehr betreten werden, zu viele Menschen, die dort ihr Unwesen trieben, Steine umwarfen oder bemalten … schade eigentlich! Immerhin stehen wir vor einem Kulturerbe, das 6000 Jahre rückwärts begann. Die Archäologen beziffern die ersten Menhire auf ca. 4000, die letzten auf ca. 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Heute gleicht dieser Ort einem Rummelplatz, wo der Süssigkeitenverkäufer noch eine spezielle Attraktion war:

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Doch zurück zu den Menhiren … es gab sie, die Orte der Stille und des Staunens. Wie zum Beispiel vor den Toren Plouharnels: Bild 1 und hier …

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oder beim Anblick des „Giganteos“ im Wald bei Carnac

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oder hier zwischen Plouharnel und der kleinen Stadt Even

Dort, wo niemand oder nur sehr wenige Leute waren, fiel mir die Stille auf, die Stille der Steine, die der Stille von Friedhöfen gleicht.

Es wurde schon viel vermutet und behauptet was diese gigantischen, tonnenschweren Steine zu bedeuten haben, aber es ist und bleibt ein Rätsel und genau hier will ich es auch belassen. Die Kultur der Kelten und der Menschen davor schenkt unendlichen Spielraum für Vermutungen und abenteuerliche Theorien. Mir hat es genügt mich an den einen und anderen Stein zu lehnen und mit ihnen in der Stille zu verweilen.

Komme ich nun zu den Dolmen, von dol = Tisch und men = Stein, die tatsächlich Grabkammern waren. Auch hier staunten wir über die riesigen und tonnenschweren Steinplatten, die als Dach über den eigentlichen Kammern lagen.

Tumuli sind ebenfalls Grabkammern, die von vielen kleinen Steinen eingefasst wurden, mit lediglich einer grossen Steinplatte als Dach. Dolmen und Tumuli sind heute leer, aber man fand bei ihren Ausgrabungen Schmuckstücke, Utensilien des Alltags und verzierte Steine, die heute in Museen zu besichtigen sind.

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Die Kelten und die Menschen der Megalithkultur erbauten keine Tempel, wenigstens nicht, dass wir es wüssten, aber sie sollen heilige Haine gekannt haben. So fand ich in einem der zahlreichen Bücher in unserem Feriendomizil folgende Sätze, die ich gerne mit euch teilen möchte.

„Die Gottheit gleicht einem Kreis, dessen Mittelpunkt überall und dessen Peripherie nirgendwo ist.“

„Die Kelten waren davon überzeugt, dass man einen Gott, eine Göttin nicht an einer bestimmten Stelle festhalten kann, sie glaubten vielmehr, dass sich die Welt der Menschen an bestimmten symbolischen oder realen Orten öffnet … wie zum Beispiel auf einer Waldlichtung, in einem ganzen Wald, auf der Spitze eines Hügels, auf einer Insel im Meer …“

Jean Markale – Die Druiden

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Ob dies nun ein alter Ritualplatz war oder etwas anderes, werden wir wohl nie wirklich erfahren. Nicht nur die Megalithkultur ist uns bis heute ein Rätsel, es gibt Stonehenge, es gibt die grossen Skulpturen auf den Osterinseln, die geometrischen Linien auf den Hochebenen in den Anden, um nur einige der Rätsel der Erde zu nennen. Wir sehen Überreste von untergegangenen Kulturen, vielleicht werden ja in 6000 Jahren sich andere Menschen über die Funde unserer Zeit den Kopf zerbrechen …

die Schatten werden lang und länger

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(aus dem entstehenden Herbstzyklus der kleinen Stadt – draufklick = gross)

Es hängt ein halber Mond am Himmel. Stille. Kein Wind. Der Dorfbrunnen wurde abgestellt, der Frost wird bald kommen. Aus dem Unterdorf bellt ein Hund herauf, daneben verhallen die kleinen Glocken der elften Stunde. Die Kaiserin geht ins Haus. Sonst nichts. Es fliegt kein Flieger über den schwarzen Wald, nicht jetzt. Ruhepause. Ruhewagen. Auf der anderen Seite der Gleise steht der Zug nach Orten jenseits der Nacht. Manchmal wird man von Möwen geweckt und denkt sich Wellenrauschen. Manchmal schauen graue Felsen ins Morgenzugfenster hinein, man denkt sich Schnee. Im Oktober riefen sich über Berlins Dächern die Wildgänse ihre Flugroute zu, ich dachte mir ihre Formationen. Sie flogen gen Süden, wir blieben noch einen Moment.

Die Schatten werden lang und länger, heller wird es in den Häusern, jetzt.

stille Momente II

I

„Warum gewährt der Anblick des Meeres ein so unendliches und ewiges Entzücken? Weil Meer gleichzeitig die Vorstellung der Unermesslichkeit und der Bewegung erweckt.“

Charles Baudelaire

II

„Das Meer, das bin ich, hat sich in seine eigenen Wege hinein ergossen. Seltsames, grenzenloses Meer, das bin ich!“

Rumi

III

Verdauungshilfe

Leichte Bitterstoffe im allgemeinen, Matetee, Schafgarbe und anderes Kraut im besonderen sind Verdauungshilfen auf der körperlichen Ebene. Was aber hilft der Seele zu verdauen, bei all den vielen Bildern, Liedern, Informationen, Büchern und Zeitungsartikeln, die uns täglich begegnen?

Eine immer wiederkehrende Antwort ist die Entschleunigung, ein Wort, dass mich einst, als ich es fand, glücklich machte, was nun, bei allzu häufiger Benutzung abgenutzt erscheint.

Diesen Text fand ich im Bad Krozinger Kräutergarten:

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Nicht immer wohnt im Jetzt unweigerlich die Stille, aber die Aufmerksamkeit für das Jetzt zu schulen, zaubert oft ein Lächeln ins Griesgramgesicht und hilft der Seele zu verdauen …

stille Tage und Nächte – quiet days and nights

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Grün scheint der Mond über den blauen Bergen. Sterne blinken. Erinnern an das Große Licht. Zeit für Tiefe, Stille, das Flüstern der Ahnen, die Neugeburt.

Krähenschwärme wachen über Park und Bahnhof. Still sitzt die Taube, Bächlein springt über Kaskaden. Die kleine, blaue Frau hält einen Ringel, Holzmann hat seine Borke in die Nacht geworfen. Herzsprung.

Moon is shining green above the blue mountains. Stars are twinkling. Reminding the great light. Time of stillness, deepness, the whispering of ancestors, the new birth.

Flock of crows keep watching about park and railstation. Pigeon is sitting in quietness, little stream is jumping over cascades. Little, blue woman is holding a ringlet. Woodman has thrown his bark into the night. Heartskip.

Mit Bild, Text und Musik verabschiede ich mich für eine kleine Weile und sage danke an euch alle, die ihr mit mir ward. Eine kleine Ausnahme gibt es und die heißt pixartix, wo heute wieder ein Bild von mir gezeigt wird.

Wie immer du diese Zeit verbringst, gehe in Verbundenheit und Schönheit …

With pic, text and music I`ll say bye for now. Thanks to you all, who were with me.  Only by pixartix I will be, today they are showing another pic of me.

However you`ll pass this time, please go in conectedness and beauty …

Zeit …

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„die Zeit scheint stillzustehen – doch sie vergeht: Die Wäsche trocknet, das Gras wächst“

viel haben wir schon in Bloghausen über die Zeit philosophiert … auf meiner Wanderschaft fand ich einen Artikel in der Neuen Züricher Zeitung: „ein jegliches hat seine Zeit – warum der weise Salomon recht hat“ geschrieben von Daniel Hell

Daniel Hell lädt zum verweilen ein, gleichzeitig nähert er sich der Frage nach der Zeit mit zahlreichen Zitaten:

so schrieb Augustinus in seinen Bekenntnissen: „Was also ist Zeit? Wenn mich niemand danach fragt, weiss ich es; will ich sie einem Fragendem erklären, weiss ich es nicht.“

Martin Heidegger: „Man könnte meinen, der Verfasser von Sein und Zeit müsste dies wissen (was die Zeit ist): Er weiss es aber nicht, sodass er heute noch fragt.“

Thomas Mann schrieb in seinem Buch, der Zauberberg: „Die Zeit – ein Geheimnis, wesenlos und allmächtig.“

Salomon: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden und sterben, pflanzen und ausreißen, was gepflanzt ist, ( … ) weinen und lachen, klagen und tanzen.“

Michael Theunissen (Philosoph der Jetztzeit): „Wer merkwürdigerweise keine Zeit hat, versinkt gerade im Strom der Zeit. ( … ) Wenn ich Zeit habe, bin ich nicht bloss in der Zeit. Ich erlebe mich über sie. Ich besitze die Macht und die Freiheit, zu verweilen und dem Entschwindenden das Bleibende zu entringen.“ (ein Zitat, das mir besonders gut gefällt!)

Wie schon oben erwähnt, lädt dieser Artikel dazu ein zu verweilen, um in dem Moment von Hier und Jetzt, Gestern und Morgen in Gleichzeitigkeit zu erfahren.

Die Erfindung der Uhr ist ein Diktat der Linearität, die in der natürlichen Welt nicht zu finden ist. Kein Frühling beginnt Punctum … kein Sommer geht, wenn der Kalender es sagt, kein Lebewesen stirbt zu einem festgelegten Zeitpunkt. Wir alle kennen das Phänomen, dass sich Zeit dehnen oder zusammenschnurren kann …  Ein Leben ohne Uhr und Kalender ist ein kleiner Luxus, der Ferien heißt … während der Alletage bleiben die Momente der Stille und des Verweilens.

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