Der Blick aus meinem Dachfenster

Am Mittwochnachmittag – in der Schweiz scheint die Sonne

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Nach so viel bewegter Diskussion hier in dieser Woche, dachte ich, dass uns allen die stille und weite Landschaft im Winterlicht gut tut. Ich mag Inversionswetterlagen sehr!

Ping Pong 060

PING 060

GERDA AN ULLI → WENN IN DEN GROSSEN STÄDTEN DER WINTERMORGEN ANBRICHT …

PONG 060

ULLI AN GERDA → … TRÄUMEN DIE MENSCHEN VON STILLE UND SCHNEE

PING 061

ULLI AN GERDA → JEDES JAHR WEICHEN DIE …

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Bei meinem letzten veröffentlichten PingPong stellte ich eine Idee vor und zeigte Entwürfe für Postkarten → https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/10/23/ping-pong-058-heute-mit-einer-idee/. Da ich nun aber einen neuen Laptop habe, musste ich die Schrift für die Bestellungen ändern, da die zuerst verwendete nicht mehr zu haben ist. Gerne zeige ich euch nun zwei Beispiele der neuen Gestaltung.

Falls Interesse besteht: bis Mittwoch kann noch bestellt werden, weitere Infos hierzu findest du unter obig verlinktem Beitrag.



Hier gehts zu allen bisherigen PingPongs → https://cafeweltenall.wordpress.com/galerien/ping-pong/.

DIE IDEE→ https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/02/05/ping-pong-001-2019/

Von den Steinwesen

Es war einmal …

-Bilder werden groß, die Galerien öffnen sich, wenn du ein Bild anklickst-

Es war einmal ein schöner Spätsommertag, als ich in einer Gartenzeitschrift einen Artikel über einen Odenwälder Gärtner las, der sogar Ingwer und andere „Exoten“ erfolgreich anbaut(e). Ich erfuhr, dass er mit seinen Pflanzen und den Tieren in seinem Garten sprach, ebenso mit den sogenannten „Schädlingen“ und auch damit erfolgreich war, keine Plagen, keine Verluste, das Gleichgewicht hielt. Er berichtete außerdem, dass er mit Steinen spricht (sprach).

„Der spricht mit Steinen“, rief ich erstaunt meiner Tochter zu, „mir rollen die höchstens mal über den Fuß …“, mir war aber tatsächlich noch nie ein Stein über den Fuß gerollt.

Seit meiner Jugend schwatze auch ich mit Pflanzen und Tieren, die Pflanzen danken es mir, manche Tiere auch, andere hören mich nicht, wie zum Beispiel die diesjährigen Kartoffelkäfer … da muss ich noch eine Sprache finden – doch zurück zu den Steinen.

An diesem Spätsommernachmittag machten sich meine Tochter und ich auf, um eine Runde durch den Wald zu gehen. Wie so oft, hier im Schwarzwald, gerieten wir auf einen Weg, der im Nichts landete, na gut, nicht Nichts, aber Wildnis und Geröllhalde. Ach, die schaffen wir doch mit Links. Gesagt, getan, wir machten uns langsam und vorsichtig auf den Abstieg über die Geröllhalde, rutschig war´s.

Ahnt  ihr es schon? Na klar, irgendwann stützte ich mich an einem recht großem Stein ab, der nur vermeintlich in der Erde lag, lag er nicht und was machte er, klar, er rollte mir über den Fuß und das tat weh, richtig weh, so mit Sternchenguck und Atemnot. Dann aber musste ich lachen und versprach fortan auch mit Steinen zu sprechen, was ich seitdem bei Gelegenheit auch tue. Ja, sie antworten mir auch, aber dafür brauche ich gaaanz viel Geduld und Zeit, die ich mir nicht immer nehme oder habe.

Während meiner kurzen Auszeit im Juni in Ligurien traf ich viele wunderschöne Steine, große und kleine, bunte und zweifarbige, mit und ohne Linien und einer war schöner als der andere. Die Enkelkinder fanden das auch und sammelten Steine was das Zeug hielt. Ich hielt manche mit meiner Kamera fest und einige wenige landeten auch in meiner Hosentasche.

Große Steine …

… bunt bemalte Steine …

… ein ZenStein …

… und kleine Steine –

 

Und dies erlebte „die kleine blaue Frau, als sie sich auf den Weg machte, das Lied der Steine zu lernen:

(manche von euch werden diesen Abschnitt schon kennen, andere nicht …)

Zusammen stehen die Alte mit den sieben Schneenamen und die kleine blaue Frau vor der Türe, sie singen den Wind. Es kommt das weiße Rentier auf seinen durchsichtigen Schwingen heran. Es flüstert die Alte:

„Mirandash pyree ist sein Name, seit dem Anfang der Zeiten.“ Es schaut das weiße Rentier mit den durchsichtigen Flügeln die kleine blaue Frau, es spitzt die Ohren, bläht die Nüstern. Es hört und riecht die kleine blaue Frau. So geht das eine lange Weile.

„Du hast die Lieder der Toten gelernt, du hast die Tänze der jungen Frau getanzt, du hast das Sommermädchen wach geträumt, du hast das Ist getanzt. Du bist nicht allein. Dein Volk steht in deinem Rücken, die Alte mit dem erdigen Gesicht wohnt in deinem Herzen, gleich neben dem geheimen Gedicht. Du hast deinen Platz gefunden, du hinterlässt keine Spuren. Du singst dein Lied leise. Du hast dein Gesicht gefunden und deinen geheimen Namen, alle Masken brannten. Du hast das Lied der Erde gelernt und das von der Wiederkehr, nun gehe und finde das Lied der Steine.“

„Nur still und stumm kenne ich die Steine, vielleicht, dass mir mal einer über den Fuß rollt“, wundert sich die kleine blaue Frau. Da war Mirandash pyree schon auf dem Weg zurück in sein Sonnenland.

Die Alte mit den sieben Schneenamen lacht, ein alter Büffel steht an ihrer Seite. Jetzt erkennt die kleine blaue Frau seine Spuren. Da lacht sie auch.

Die Alte reicht der kleinen blauen Frau einen neuen Mantel. Grünblau schillert sein Gewebe, ein roter Faden schlängelt sich hindurch. Sie weist der kleinen blauen Frau den Weg.

Ein erster Frost liegt auf den Wiesen, Morgennebel steigen auf, sie muss sich sputen! Den Rucksack lässt sie neben der Tür, sie singt das Lied der Wiederkehr. Mit schnellen Schritten eilt sie dem Felsenmeer entgegen. Die kleine blaue Frau ist jetzt wieder allein. Brombeerranken liegen über ihrem Weg. Sie stolpert, sie strauchelt, sie stürzt, sie stützt sich ab an einem Stein, der löst sich aus dem Grund. Er rollt ihr über den Fuß. Die kleine blaue Frau sitzt auf dem Weg und erholt sich von dem Schreck. In der Ferne heult ein Coyote. Sie versteht, sie lacht und sagt:

„Ihr habt mich also gehört!“ Und plötzlich hat sie keine Eile mehr. Schritt für Schritt, ohne einen auszulassen, erreicht sie das Felsenmeer. Sie geht und klettert über die Steine und Felsen, über die großen und die kleinen. Sie kommen aus allen Zeiten. Die einen sind aus dem Feuer gekommen, die anderen aus dem Meer. Lange wandert die kleine blaue Frau zwischen ihnen herum und lauscht, aber sie hört nur ihren eigenen Schritt und Atem. Nach einer langen Weile entdeckt sie zwischen den vielen Steinen einen, der ist schwarz und flach, er hat ein zerknautschtes Gesicht, das streckt sich ihr entgegen. Sie setzt sich ihm gegenüber und spricht:

„Ich bin die kleine blaue Frau mit dem geheimen Namen. Mirandash pyree schickt mich euer Lied zu lernen.“

Es bleibt still. Es hält die Welt den Atem an. Es ist, als würde sie sich nicht mehr drehen und kein Mond um die Erde herum. Stumm, leer, nichts. Nichts, leer, stumm und dann ein Summen. Tief schwingt es. Mit ihm beginnt sich die Welt erneut zu drehen, atmet ein und aus, Mond dreht sich wieder um die Erde, die Erde um sich selbst. Aus dem tiefen Summen werden Töne, sie formen sich zu Silben, Silben zu Worte, Worte zu Sätzen. Die kleine blaue Frau muss jetzt sehr geduldig sein. Es dauert die halbe Nacht:

„ Unsere Zeit währt lang, die eure kurz. Wir kennen eure Eile nicht und ihr nicht die Achtsamkeit. Es scheint, als wäret ihr aus der Zeit gefallen, seid stets voraus oder zurück, wann ist bei euch jetzt?“

Dann schläft die kleine blaue Frau. Sie hat ihr Ohr auf den Mund des schwarzen Steins mit dem zerknautschten Gesicht gelegt, der Mantel ist ihre Decke, der Stein ist ihr Kissen. Er singt das Lied der Steine in ihren Traum hinein. Sie nimmt es in ihr Herz. Am Morgen küsst sie seinen schwarzen Mund. Sie geht zurück, sie schaut sich nicht um. Leise summt sie das Lied der Steine. Sie trägt das Lied zu der Alten mit den sieben Schneenamen. Die wartet schon auf sie, Büffel steht an ihrer Seite.

Auf dem Herd köchelt eine Suppe, Kerzen stehen auf dem Tisch, gedeckt ist für zwei. Lange liest die Alte die Augen der kleinen blauen Frau, lauscht sie dem stillen Lied der Steine. Sie lässt es bei der kleinen blauen Frau. Zusammen essen sie die Suppe, brechen sie das Brot, trinken sie das Wasser aus der Quelle. Später löschen sie die Kerzen, sie gehen zu Bett. Gesprochen haben sie nicht. Das war nicht nötig.

Manchmal geht die kleine blaue Frau zum See, dort hackt sie Löcher ins Eis. Sie will auf seinen Grund sehen. Von Zeit zu Zeit schwimmen zwei Fische vorbei, ein kleiner und ein großer. Dann weiß sie: sie ist am richtigen Ort, zur richtigen Zeit. Sie ist nicht voraus und nicht zurück. Sie kennt keine Eile mehr. Sie hat das Lied der Steine gelernt. Die Zeit ist jetzt.

© Ulli Gau

Steinstill

Die Macht der Stille ist groß. Sie erzeugt Stille in allen Dingen, denen man begegnet. Sie vibriert im Rhythmus kosmischer Einheit. Sie ist überall und steht jederman und jederzeit zur Verfügung. Sie ist wie wir selbst, die Kraft in uns, die uns stark, vertrauens- und liebevoll macht. Sie ist Betrachtung, die uns betrachtet. Frieden heißt loslassen – zum Schweigen zurückzukehren, das nicht ins Reich der Worte eindringt, weil es zu rein ist, um in Worten enthalten zu sein. Das ist der Grund, weshalb der Baum, der Stein,der Fluss, der Berg still sind.

Malidoma Patrice Somé

…einerseits …

andererseits erzählen Steine Geschichten – das wußte auch schon der Großvater vom „Hildejardchen“ (auch Hilla genannt); er fand an den Ufern des Rheines Buchsteine und las den Kindern daraus vor → https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/08/08/reisenotizen-1/


Das Zitat stammt aus dem Buch von Malidoma Patrice Somé – Vom Geist Afrikas – Diederichs Gelbe Reihe – ISBN 3-424-01310-2

Ursprünglich wollte ich das Buch besprechen, aber ich muss einsehen, dass es viel zu viele Zitate geworden wären, sodass ich mich jetzt entschieden habe hier und da einen Gedanken von Malidoma zu teilen, mal mit, mal ohne Bild…

So viel sei gesagt:

Malidoma lautet ungefähr: „Sei Freund dem Fremden und dem Feind.“

Malidoma Patrice Somé wurde 1956 in dem heutigen Burkina Faso geboren, damals noch Obervolta genannt. Er gehört zu dem Volk der Dagara.

In diesem Buch beschreibt er die ersten vier Jahre seiner Kindheit in seinem Dorf, seine engste Bezugsperson war der Großvater. Kurz nach dessen Tod wurde er von einem jesuitischem Priester entführt, um viele Jahre von seinem Elternhaus, seiner Schwester, seinem Dorf getrennt zu leben und unter den damaligen Härten eines von fanatischen Missionaren und Jesuiten geführten Internats westliches Wissen eingetrichtert zu bekommen. Seine Muttersprache war unter Androhung von drakonischen Strafen verboten und als er am Ende eines langen Leidensweges nach 15 Jahren aus dem Internat floh und zurück in sein Dorf kam, verstand er die eigenen Leute nicht mehr.

Malidoma beschreibt die Rückkehr und wie er sich erinnert, beschreibt seine Initiation und wie er das alte Wissen seines Volkes mit dem westlichen Wissen verknüpfte.

Heute lebt er in Florida und besucht einmal im Jahr für eine längere Zeit sein Dorf. Er hat mehrere Bücher geschrieben, hält seit vielen Jahren Vorträge und gibt workshops.

Dieses Buch ist 1994 zum ersten Mal bei Jeremy P. Tarcher/Putnan Books, New York, unter dem Titel „Of water and the Spirit“, erschienen.

Miniatur #4 – für die abc.etüden

Drei Wörter – maximal zehn Sätze – für Ludwigs Schreibprojekt

In dieser Woche hat Christiane die drei Wörter in den Raum gestellt: Narr, Stille, Rosenstrauß

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Es ist schon eine Weile her, dass sich Narr und Närrin in der Stille der Nacht zum ersten Mal begegneten. Sie waren nicht leer zueinander gekommen, sie waren nicht mehr jung, das Leben hatte sie schon gefurcht, in Falten gelegt, Haare ergrauen lassen. Misstrauen, Angst und Enttäuschungen saßen in ihren Zellen. Wenn sie aber still nebeneinander saßen, dann…

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Ein zweites Mal trafen sie sich an dem bunt bebänderten Baum, Rücken an Rücken lauschten sie sich.

Heute hat der Narr die Närrin zur alten Buche bestellt. Dort hat er einen Rosenstrauß in die Äste gehängt. Weiße Rosen, weiß für den Frieden, den sie beieinander finden. Still erwartet sie ihn.

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Anmerkung für meine neuen LeserInnen

die ersten beiden Collagen gehören zu meinem Zyklus „Die Närrin und die kleine Stadt“ – siehe Galerie I

die Närrin ist „Helvetia“, eine Skulptur von Bettina Eichin, sie steht am Ufer des Rheins in Basel

der Narr ist der Tänzer Vaslav Nijinsky, die Skulptur entdeckte Rotewelt auf dem Pariser Friedhof „Le Cimetière de Montmartre“ und hat sie mir freundlicher Weise für die Fotomontagen zur Verfügung gestellt – nochmals meinen herzlichen Dank

Menhire, Dolmen und Tumuli

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Wenn man in der Bretagne Ferien macht, führt kein Weg an der Megalithkultur vorbei. Es stellen sich immer wieder kleinere und grössere Menhirfelder in den Weg. Menhir, so habe ich gelernt, kommt von men = Stein und hir = lang. Wir sehen also mehr oder weniger lange, aufrecht gestellte Steine …

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Die berühmtesten Felder sind in Carnac zu finden. Auffällig war, dass in den ersten Reihen eines Feldes die Giganten standen, von denen manche an Mamuts (s.o.) oder Walfische (s.u.) erinnerten, und dann die Steine immer kleiner wurden, je länger die Felder waren.

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Ja, wir waren auch dort, aber so richtig staunen konnte ich dort nicht. Sicherlich waren es unglaublich viele Steine (man sagt mehr als 2400 Stück), die dort in langen Reihen von uralten Zeiten sprechen, aber die Atmosphäre erschien mir „leer“, vielleicht haben die vielen TouristInnen der letzten Jahrzehnte den Flair weggeknipst … Heutzutage sind diese Felder eingezäunt und dürfen nicht mehr betreten werden, zu viele Menschen, die dort ihr Unwesen trieben, Steine umwarfen oder bemalten … schade eigentlich! Immerhin stehen wir vor einem Kulturerbe, das 6000 Jahre rückwärts begann. Die Archäologen beziffern die ersten Menhire auf ca. 4000, die letzten auf ca. 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Heute gleicht dieser Ort einem Rummelplatz, wo der Süssigkeitenverkäufer noch eine spezielle Attraktion war:

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Doch zurück zu den Menhiren … es gab sie, die Orte der Stille und des Staunens. Wie zum Beispiel vor den Toren Plouharnels: Bild 1 und hier …

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oder beim Anblick des „Giganteos“ im Wald bei Carnac

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oder hier zwischen Plouharnel und der kleinen Stadt Even

Dort, wo niemand oder nur sehr wenige Leute waren, fiel mir die Stille auf, die Stille der Steine, die der Stille von Friedhöfen gleicht.

Es wurde schon viel vermutet und behauptet was diese gigantischen, tonnenschweren Steine zu bedeuten haben, aber es ist und bleibt ein Rätsel und genau hier will ich es auch belassen. Die Kultur der Kelten und der Menschen davor schenkt unendlichen Spielraum für Vermutungen und abenteuerliche Theorien. Mir hat es genügt mich an den einen und anderen Stein zu lehnen und mit ihnen in der Stille zu verweilen.

Komme ich nun zu den Dolmen, von dol = Tisch und men = Stein, die tatsächlich Grabkammern waren. Auch hier staunten wir über die riesigen und tonnenschweren Steinplatten, die als Dach über den eigentlichen Kammern lagen.

Tumuli sind ebenfalls Grabkammern, die von vielen kleinen Steinen eingefasst wurden, mit lediglich einer grossen Steinplatte als Dach. Dolmen und Tumuli sind heute leer, aber man fand bei ihren Ausgrabungen Schmuckstücke, Utensilien des Alltags und verzierte Steine, die heute in Museen zu besichtigen sind.

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Die Kelten und die Menschen der Megalithkultur erbauten keine Tempel, wenigstens nicht, dass wir es wüssten, aber sie sollen heilige Haine gekannt haben. So fand ich in einem der zahlreichen Bücher in unserem Feriendomizil folgende Sätze, die ich gerne mit euch teilen möchte.

„Die Gottheit gleicht einem Kreis, dessen Mittelpunkt überall und dessen Peripherie nirgendwo ist.“

„Die Kelten waren davon überzeugt, dass man einen Gott, eine Göttin nicht an einer bestimmten Stelle festhalten kann, sie glaubten vielmehr, dass sich die Welt der Menschen an bestimmten symbolischen oder realen Orten öffnet … wie zum Beispiel auf einer Waldlichtung, in einem ganzen Wald, auf der Spitze eines Hügels, auf einer Insel im Meer …“

Jean Markale – Die Druiden

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Ob dies nun ein alter Ritualplatz war oder etwas anderes, werden wir wohl nie wirklich erfahren. Nicht nur die Megalithkultur ist uns bis heute ein Rätsel, es gibt Stonehenge, es gibt die grossen Skulpturen auf den Osterinseln, die geometrischen Linien auf den Hochebenen in den Anden, um nur einige der Rätsel der Erde zu nennen. Wir sehen Überreste von untergegangenen Kulturen, vielleicht werden ja in 6000 Jahren sich andere Menschen über die Funde unserer Zeit den Kopf zerbrechen …

die Schatten werden lang und länger

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(aus dem entstehenden Herbstzyklus der kleinen Stadt – draufklick = gross)

Es hängt ein halber Mond am Himmel. Stille. Kein Wind. Der Dorfbrunnen wurde abgestellt, der Frost wird bald kommen. Aus dem Unterdorf bellt ein Hund herauf, daneben verhallen die kleinen Glocken der elften Stunde. Die Kaiserin geht ins Haus. Sonst nichts. Es fliegt kein Flieger über den schwarzen Wald, nicht jetzt. Ruhepause. Ruhewagen. Auf der anderen Seite der Gleise steht der Zug nach Orten jenseits der Nacht. Manchmal wird man von Möwen geweckt und denkt sich Wellenrauschen. Manchmal schauen graue Felsen ins Morgenzugfenster hinein, man denkt sich Schnee. Im Oktober riefen sich über Berlins Dächern die Wildgänse ihre Flugroute zu, ich dachte mir ihre Formationen. Sie flogen gen Süden, wir blieben noch einen Moment.

Die Schatten werden lang und länger, heller wird es in den Häusern, jetzt.