Transformation 2

Mein zweiter Beitrag zu Jürgens Projekt

Die Transformation, die jede und jeder kennt, ist die eigene. Vom Kind zur/zum Jugendlichen, zum erwachsenen Sein, zum Altwerden bis hin zum Tod. Die, die ich einst gewesen bin, bin ich nicht mehr. Das, was ich einst mochte oder wollte hat sich verändert. Anteile von allem sind in mir verwurzelt, das Mädchen, die Jugendliche, die junge, die erwachsene Frau und nun die ältere Frau. Kann ich das Mädchen noch spüren, die Jugendliche, die junge Frau? Nicht in allen Facetten, in anderen schon. Ein Umstand, der mich bewegt.

Es gab einmal eine Passfotoreihe von mir, die genau dies festgehalten hat, aber leider gibt es sie nicht mehr. Fragmente davon verarbeitete ich in einer Collage mit dem Titel „It’s me“ – ja, ich zeigte sie hier schon einmal. Wenn du genau hinschaust, dann kannst du noch Passbilder von mir darauf finden. Es fehlt allerdings das Stadium von der erwachsenen zur älteren Frau. Hierzu habe ich schon lange eine weitere Collage geplant, noch liegt die Idee in der inneren Schublade.

Die Collage: von Bild 1 über 2 zum Ergebnis = Bild 3 – hier werden auch Vorlieben sichtbar, die ich in bestimmten Lebensabschnitten hatte und Bilder und Collagen, die ich einst gemalt/gestaltet habe.

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draufklick = große Bilder – please click to enlarge



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Blind im Spiegel

Susanne hat mich gefragt, ob ich Lust hätte mich blind im Spiegel zu fotografieren. Ja, hab ich! Aber wie sich herausstellt ist dies, zumindest mit meinem kleinen Badezimmerspiegel, eine echte Herausforderung.

Am Freitagmorgen, ziemlich bald nach dem Aufstehen, habe ich es probiert, aber das war nur der Anfang, weitere Versuche werden folgen…

Übrigens … Jürgen hat`s auch schon getan –

Ich

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Im Buddhismus taucht immer wieder einmal die Frage nach dem Ich auf. Wer ist das Ich? Wie schaut das Ich aus und wo wohnt es? Konfrontiert mit der Frage kam ich schnell zu der Erkenntnis: Ich bin Viele. Was mich aber viel weiter getragen hat, als diese Erkenntnis, ist die, dass das Ich keine Konstante ist. Ich, wie die meisten anderen auch mit denen ich mich darüber auseinander gesetzt habe, wissen von den Etiketten, die uns andere und wir uns selbst auf die Stirne geklebt haben. Sich einzugestehen, dass das Ich, wie alles andere auch wandelbar ist, scheint schwierig zu sein.

Man zimmert sich seine geräumigen Selbstschubladen. Auf der einen steht Hochsensibilität, auf der anderen Depression, auf der nächsten Klugheit, empathischer Mensch, jähzorniger Mensch etc.

Ich glaube an ein Selbst. Ein Selbst, das hinter all diesen Schubladen steckt, in der es sich mehr oder weniger gemütlich leben lässt. Nichts bleibt wie es ist, auch nicht das Ich mit all seinen Glaubenssätzen und Selbstbildern, die, so denke ich jetzt, hilfreich in gewissen Phasen sein können, aber letztendlich keinen Schritt näher zum Selbst führen, besonders dann nicht, wenn man nicht bereit ist die eine und andere Schublade einmal zu entmisten. Zu schauen was davon überhaupt noch heute, hier und jetzt brauchbar oder stimmig ist, was sich im Laufe eines Lebens als Hindernis auf den Weg stellen kann, was zunächst erhellend war.

Connie Palmen schrieb:

„Wer schöpferisch sein will, muss in seinem Leben Dutzende Male sterben. Er muss sich loslösen, von geliebten Menschen trennen, vom Boden, vom Land, der Familie, seinen Freunden und vor allem seinen Ideen, in die er sich eingekapselt hat. Keine Wiedergeburt, ohne dass zuvor ein Tod stattgefunden hat.“

Der Schwerpunkt liegt für mich in den Ideen, in denen man sich eingekapselt hat, eben auch den Ideen von sich selbst.

Als ich jung war und in die Welt ging empfand ich mich als klein, dick, hässlich und dumm. Davon ist nichts mehr übrig, außer, dass ich tatsächlich klein und etwas mollig geraten bin. Ich durfte sowohl meine eigene, mir innewohnende Schönheit kennen und lieben lernen, wie meine Klugheit. Heute las ich bei Cambra Skadé, dass Eigenlob stärkt: https://cambraskade.wordpress.com/2016/09/21/eigenlob-kraeftigt/

Ich kann ihr in allem nur zustimmen.

Ich begreife mich als Übende, als eine Gesellin auf dem Lebensweg, hin zu mir selbst. Viele meiner alten Glaubenssätze durfte ich eliminieren und als falsch erkennen, viele Etiketten habe ich mir von der Stirne gepuhlt, seien es die, die mir andere aufgeklebt haben oder solche, die ich mir selbst verpasste. Wenn ich mich immer wieder daran aufhalte, was ich meine wer ich wäre, was ich kann oder nicht, dann bleibe ich in dem Rad der Selbstsabotage hängen, bleibe ewiges Opfer und die viel besungene Selbstverwirklichung bleibt auf der Strecke.

Das Selbst an das ich glaube, das mich weitergebracht hat und bringt, ist der Anteil in mir, der von manchen PsychologInnen als die innere Chefin/der innere Chef bezeichnet wird. Dieser Anteil weiß sehr genau was mir gut tut, was nicht und wohin der Weg geht, auch wenn ich es mal nicht weiß. Die Kunst besteht darin diesem Anteil zu lauschen und zu folgen.

Dieses Selbst zeigt sich in meinen Bildern und Schreibereien, wenn ich mich frei gebe, wenn ich den Linien, den Formen, den Worte folge, statt sie zu biegen, zu brechen und meine mich an irgendwelche Richtlinien halten zu müssen oder gar anderen nacheifere oder meine mich vergleichen zu müssen. Solange ich mich verglichen habe, habe ich immer nur verloren. Je mehr ich meiner inneren Chefin folge und den Linien, den Punkten und Worten, umso mehr Weite spüre ich in mir, umso weniger fühle ich mich als Gefangene meiner selbst oder der Gesellschaft, umso unabhängiger werde ich von der Meinung anderer über mich und ihren Urteilen. Conny Niehoff schrieb vor einiger Zeit, dass man als Künstlerin lernen muss damit zu leben, dass man polarisiert. Ich füge hinzu: als Mensch muss ich lernen, dass ich polarisiere, wenn ich mich in meiner Nacktheit, meinem SoSein zeige.

Es ist kein einfacher Weg. Es ist, wie es Cambra so treffend schrieb: „Es ist ja nicht selbstverständlich, dass wir bis zu dem Punkt gekommen sind, an dem wir jetzt stehen. Wir haben Klippen erfolgreich umschifft, Wüsten durchwandert, unzählige Erfahrungen im Gepäck, wir wissen wie man über Pässe kommt und durch strenge Winter. Wir wissen, dass es immer wieder Frühling wird und vertrauen. Das ist so viel …“

Es scheint so viel einfacher sich hinter den eigenen Glaubenssätzen zu verstecken, Hindernisse zu analysieren, der Gesellschaft, dem eigenen Umfeld die Schuld dafür zu geben, dass man sich selbst nicht folgen kann. In meinen Augen steht dahinter die Angst. Die Angst vor sich selbst, vor dem Scheitern, nicht gut genug zu sein und letztlich die Angst vor dem Erfolg, sowie vor der Erkenntnis, dass das Ich ein anderes ist, als man es sich selbst gezimmert hat.

Es geht ums Tun … es geht ums Sein …