Am Rhein – ein Ausflug

Am letzten Freitag habe ich einen Ausflug an den Rhein gemacht. Dieses mal fuhr ich in Huningue bei Weil am Rhein über die Grenze von D nach F, einer Brücke, die über den Rhein führt. Schon lange einmal wollte ich dieses Gebiet erkunden. Gleich hinter der Grenze führt eine kleine D-Straße nach Village Neuf und weiter, immer am Rhein entlang. Am Ende von Village Neuf fand ich einen Parkplatz und machte mich auf den Weg. Das Wetter war strahlend blau, die nachmittägliche Sonne wärmte. Mich begrüßten Möwen, Enten, Nilgänse (?)ganz sicher bin ich mir nicht), ein kleiner Vogel, den ich noch nicht bestimmt habe und Kormorane weit weg. Warum auch immer noch dachte ich zum ersten Mal bei ihrem Anblick an Pinguine (leider ist das Bild ziemlich unscharf, da ich weit zoomen musste und das ohne Stativ).

Kormorane flogen von rechts nach links, seltener von links nach rechts. Kormoranrhythmen.

Mit der Kamera ließ sich ein schwimmender erwischen.

Auch hier gab es Schwäne. Friedlich glitten sie am Ufer entlang. Bis eine Gruppe von mehreren Kindern mit zwei Frauen und einem Hund kamen. Offensichtlich hatten die Kinder Freude daran den Schwan zu reizen, sie warfen mit Steinen nach ihm, nicht angstfrei, ein Mädchen bewaffnete sich mit einem Stock. Die Frauen sagten nichts. Ich kam mit meiner Kamera dazu und fotografierte den Schwan, die Kinder ließen von ihm ab, der Schwan glitt davon. So kann man wohl auch gegen etwas wirken, was einem nicht behagt und die Sprache nicht spricht?

Der Schwan faucht, er wundert sich, er faucht etwas weniger, er gleitet davon.

Bis auf diese Begegnung war ich auf dem Weg die meiste Zeit allein unterwegs. Ich dachte an meine Idee einmal eine längere Zeit nur zu gehen und erinnerte mich noch einmal an Werner Herzogs Buch: Vom Gehen im Eis. Auf solch einem tagelangen Weg müsste ich mich fotografisch disziplinieren, sonst käme ich wohl kaum vom Fleck. Ich möchte im flachen Land gehen, an Wassern entlang, immer an anderen …

Hier, im Grenzgebiet von Frankreich und Deutschland ist der Krieg wieder nah. Alte Bunker/Gefechtsstationen erzählen von ihm. Getränkedosen und eine gefüllte Plastiktüte an einem der Bunker stellen die Frage, ob hier vielleicht an kalten Tagen Obdachlose ein Dach über dem Kopf finden? Zugegeben, es ist eine makabre und auch grusige Vorstellung, aber denkbar.

Da ich kein französisch kann verstehe ich nicht wirklich den Sinn dieser Tafeln. Soviel habe ich verstanden, dass sowohl das Commando d`afrique wie auch das 3e Genie Bataillone der franzöischen Armee gewesen sind, ob sie hier eine entscheidende Schlacht gegen die Deutschen geschlagen haben entzieht sich meinem Wissen.

„Nie wieder Krieg“, denke ich, seufze und gehe weiter.

Wo ein starker Strom fließt, wird auch Strom erzeugt. Es sirrte und surrte, Stromleitungen führten von einem Ufer zum anderen und erinnerten mich an Notenblätter.

Mir sirrte und surrte es zu viel, ich ging zurück und fuhr ein Stückchen weiter. Es war wie ein kleines Stückchen Norddeutschland, schlanke Pappeln, goldzittrige Espen, Birken, viele Weiden, Wiesen und Felder. Die Gemeinden Krembs und Rosenau (Rosenöl stand darunter) schienen exakt den gleichen Kirchturm zu haben, das erforsche ich ein anderes Mal. Hinter Rosenau – Rosenöl fand ich wieder eine Parkmöglichkeit und ließ mich vom Gold am gegenüberliegendem Ufer des Rheins und seinem Wiederschein im Wasser betören.

Und dann kam doch noch ein Schiff. Ich war wieder das Mädchen, dass zusammen mit seinem Cousin und dessen Cousin auf die Wellen wartete, um sich juchzend in sie zu schmeißen. Am Freitag juchzte mein Fotoherz.

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Das waren bis hierher wieder so viele Bilder, dass ich andere ein anderes Mal zeigen werde. Ich hoffe ihr hattet Freude.  Eine  gute Woche wünsche ich euch.


alle Bilder © Ulli Gau

Reisenotizen – 1 –

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Vater ist Fährmann, ist Schiffer oder Lotse oder Kapitän. Vater ist Fischer oder Monteur oder Emil. Vater ist nicht Fluss, nicht Rhein, nicht Loire, nicht Ganges. Fluss ist für mich Frau, ist Geliebte, ist Mutter, die trägt, von der Quelle bis zur Mündung.

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© Max Ernst gefunden im Netz bei: dailyartfixx.com – mit herzlichem Dank

Rhein rauf, Rhein runter, mein Leben lang … jetzt war ich bei der Freundin am Mittelrhein und wie ich in den Steinen sitze, denke ich an Ulla Hahns Trilogie (siehe unten), denke an Buchsteine, finde Geschichtensteine. Einer erzählt von Häusern in Felswänden, ein anderer vom Mäandern und den Linien, die ein Fluss zieht in seinem Bett.

Ich denke auch an Sofosophia und Irgendlink, die von der Rheinquelle am Tomasee in der Schweiz bis zur Bodenseemündung wanderten (nun radelt Irgendlink alleine weiter Richtung Rotterdam nachzulesen hier →).

Sie alle und ein paar mehr sitzen jetzt hier mit mir in den Kieseln, von denen einige rosa sind. Es riecht nach Fisch, Kormorane sitzen auf hohen Masten.

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Am Niederrhein meiner Kindheit gab es weder Kormorane, noch roch es nach Fisch.Vater war weder Fischer, noch Schiffer, noch Fährmann, er war Emil. Bunte Ölkringel schillerten auf der Wasseroberfläche und verzauberten meine unwissende Mädchenseele. Ich schwamm darin und spielte mit ihnen. Mutter hatte keine Einwände. Seltsam!

Die Mutter meiner Freundin lernte noch mit ihren Freundinnen und Freunden im Rhein schwimmen, ohne Eltern, die hatten anderes zu tun.

Jetzt ist Ferienzeit. Kinder radeln mit Sturzhelmen, Sicherheitswesten, Vater und Mutter rheinab, rheinauf auf geteerten Wegen.

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AusflüglerInnen essen Pommes, trinken Bier, schlecken Eis, die Fähre fährt hin und her und her und hin, niemand lacht. Überhaupt wird in dieser Gegend wenig gelächelt oder gelacht, Menschen schauen weg oder mustern mich alte Bunte. Erst viel später am Tag habe ich einen netten Schnack mit drei jungen durchtrainierten Radlern, die es noch bis Köln schaffen wollen, ca. 60 km, grob geschätzt. Ich bin skeptisch, sie zuversichtlich, wir lachen, wir winken, sie radeln, ich gehe, ich Alte, ich lächel.

Ich gehe langsam über die Kieselsteine am Ufer entlang und finde und finde und finde

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Glas, Plastik und Scherben in vielerlei Spielarten, Flaschen, Feuerzeuge, Seilenden,  Federn, Blumen, Broccoli, einen Apfel und natürlich einen einzelnen Schuh.

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Ach…

Nein, ich möchte immer noch nicht wieder im Rhein schwimmen. Ölkringel sind Vergangenheit, ja. Heute sind es Diclofenac und andere Medikamentenrückstände, sowie jede Menge Plastikpartikel bis Partikelchen, was spätens ab Basel bis zum Meer schwimmt oder in Fischmägen landet (s. aktuelle Ausgabe der „Zeit“).

Das sind die Wermutstropfen in diesen und anderen Sommertagen, die und all die anderen.

Ich habe dann auch ein Eis geschleckt und der Fähre bei ihrem Hin und Her zugeschaut. Der Kassierer flirtete mit der Pommesfrau über die Runter- und Auffahrenden hinweg. Je länger der Tag, umso mehr Lächler. Geht doch!

Buchempfehlung:

Ulla Hahn – eine Trilogie: Das verborgene Wort – Aufbruch – Spiel der Zeit – eine Kindheit, eine Jugend ein Erwachsenwerden irgendwo zwischen Bonn und Köln am Rhein, die Protagonistin ist Hilla, die Zeit sind die 1950er, 1960er und 1970er Jahre. Vieles erkannte ich wieder und als ich jetzt zwischen den Steinen saß dachte ich nicht nur an Buch- und Wutsteine, ich dachte auch an wunderbare Großväter und Großmütter und dass es meistens eine oder einen gibt oder geben sollte, die die Kinder zum lachen bringt, Lieder singt oder Geschichten erzählt und wenn sie aus Steinen vorgelesen werden …