Himmelsweite

Himmel ist Weite – Weite ist Himmel

Wenn ich jetzt nur noch wüsste, wie diese Phänomene entstehen, wie man sie nennt und sie sich dann auch noch über ein, zwei Stunden über den späten Nachmittag halten? Ich freue mich, wenn die Damen und Herren der Physik sich aufgerufen fühlen …

Abendstimmung im Februar  auf dem altem und dem neuem Berg

Stilles Frohlocken.

Ich denke an den Schneeglöckchentanz (siehe Galerie I).

Alle Bilder werden groß, die Galerien öffnen sich, wenn du ein Bild anklickst.

Ich wünsche euch eine beschwingte Woche.

Boote und Schiffe 010

Klabauter

Eine Blogparade der Boote und Schiffe ins Leben zu rufen und nicht einmal den Klabautermann zu erwähnen geht gar nicht!

Der Klabautermann, Kalfatermann oder Klabattermann (von niederdeutsch klabastern „poltern“, „lärmend umhergehen“ oder von ebenfalls niederdeutsch kalfatern „mit Pech und Werg abdichten“) ist im seemännischen Aberglauben ein Schiffsgeist oder Kobold, der – meist unsichtbar – den Kapitän bei Gefahren warnt. Die Figur des Klabautermannes ist verbunden mit der Segelschifffahrt. Er hilft beim Schiffbau, beim Dichten des Schiffsdecks und treibt gerne Schabernack. An Bord macht er sich durch Polter- und andere Geräusche bemerkbar. Man sagt: „Wenn er klopft, bleibt er, wenn er hobelt, geht er.“ Sein Aussehen gleicht dem eines Matrosen – mit Hammer und Pfeife, manchmal auch mit Seemannskiste, mit roten Haaren und grünen Zähnen. Zeigt er sich, so ist dies ein schlechtes Zeichen. Er verlässt das Schiff erst, wenn es untergeht.

mehr → https://de.wikipedia.org/wiki/Klabautermann

Die (für mich) wunderbare Zeichnung eines Klabautermanns (© by Týra Alrune Sahsnotasvriunt) fand ich vor vielen Jahren hier → https://paganmeltingpot.wordpress.com/2015/01/24/the-klabautermann-a-northern-german-water-goblin/

In dem Zyklus „Die Närrin und die kleine Stadt“ tauchte diese Klabauterzeichnung immer mal wieder auf.

Jetzt hatte ich Freude alle diese Figuren wiederzusehen und mich an die kleinen Geschichten dahinter zu erinnern.

Le sacre du printemps

Auch freute ich mich wieder über die verschiedenen Figuren der Närrin, ob nun von mir zusammengesetzt oder entlehnt, und all dem, was in der kleinen Stadt während dem Reigen von Frühling, Sommer, Herbst und Winter passierte.

Die Närrin wäre nicht die Närrin, wenn es nicht ab und zu etwas undurchsichtig gewesen wäre … oder gar chaotisch?!

Ich höre im Hintergrund freudig Coyote heulen, sehe ihn grinsen… → https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/09/01/das-ostschild/


Zur Geschichte →

Manche erinnern sich vielleicht noch daran, dass einst der Holzmann von seinem Baum herabgestiegen ist?

Das ist sehr beschwerlich gewesen. Er musste sich erst einmal ausruhen, bevor er ins Holzboot steigen konnte. Rabe ist der Steuermann gewesen. Wer sonst?

Sie wurden schon in der kleinen Stadt erwartet. Alle waren gekommen, mit Musik, Tanz und Winken.

Holzmann musste weiter. Er hielt großen Rat. Mondsichel ist die Zeugin gewesen.

Dereinst die Närrin ihre Wanderschaft wieder aufnahm. Es begegnete ihr dies und das und dieser und jener und anderes… → https://cafeweltenall.wordpress.com/galerie/

Der Frühling ging, der Sommer kam, sie fand ein Boot und kehrte in die kleine Stadt zurück. Alle sind gekommen, mit Musik, Tanz und Winken. Die Taube saß auf ihrem Kopf und gurrte Freude und Frieden. Sie hatte ihre Gestalt verändert. Sie ist Närrin und Wanderin geblieben. An diesem Tag war Klabauter ihr Steuermann gewesen. Wer sonst?

Die Närrin wanderte durch die kleine, sommerliche Stadt. Es begegnete ihr dies und das und dieser und jener und anderes… und dann zog sie weiter. So macht das die Närrin.

Manchmal steuert sie der Klabauter und machmal nimmt sie eine Fähre. Manchmal wandert sie durch die Straßen und manchmal schaut sie ihre Gesichter.

So macht das die Närrin; so und anders.

Und Schiffe kommen

und gehen.

Und Schaufelraddampfer ist das 92. Wort in der freien Enzyklopädie der Schiffbezeichnungen, aber nicht das letzte.



Und immer wieder Verwandlung

Vom Segelschiff zum Ozeandampfer. Von Glasbeinchen zum Seemannsgang. Wenn jetzt nur nicht ein Beben kommt, mitten auf der See. Kein Horizont in Sicht. Nur Möwengeschrei. Woher, wohin, raunen die Wellen im Schaukelgang. Es war mehr als ein erster Schritt nötig, um die Richtung nicht mehr zu verlieren. Ein Ufer, eine Insel, eine Palme … vielleicht, oder ein Gegenüber, ein Miteinander. Einsam trieb das Segelschiff. Es füllte sich der Ozeandampfer. Anker lichten, das Ziel hat keinen Ort auf der Meereskarte, es will nur erreicht werden. Wal weist den Weg. Er, der von der Liebe singt.



Links

Petra zeigt Nachtschiffe, dazu gehört ein (mich) sehr berührender Text →  https://pawlo.wordpress.com/2018/04/23/schiffe-bei-anbruch-der-nacht/

ein weiteres Thema von ihr ist Hoffen und Bangen → https://pawlo.wordpress.com/2018/04/25/wir-bangen-wir-hoffen/

Pit lässt uns an einer Großsegler-Parade in Galveston teilnehmen → https://pitsfritztownnews.wordpress.com/2018/04/25/navigare-est-vivere-on-board-during-the-tall-ships-parade-in-galveston/

Susanne (Haun) hatte mir zunächst geschrieben, dass sie es bedauert, dass sie gerade wenig Zeit hat und sich deswegen leider nicht an der Blogparade beteiligen kann. Das hat sich nun aber zu meiner Freude verändert und somit ist Susanne doch noch mit im Boot  → https://susannehaun.com/2018/04/24/boote-haben-fuer-mich-etwas-von-sehnsucht-und-fernweh-susanne-haun/

https://susannehaun.com/2016/07/09/dantes-barke-der-wellen-und-wogen-70-x-50-cm-zeichnung-auf-leinwand-von-susanne-haun/

https://susannehaun.com/2011/07/22/akt-und-landschaft-zeichnungen-von-susanne-haun/

Der alte Mann und das Meer – Zeichnungen von Susanne Haun – 2.Teil

Trauminsel – Zeichnung von Susanne Haun

Artis und K – Zeichnungen zur Arktis von Susanne Haun

Gerda hat eine Zusammenstellung von Schiffsdarstellungen mit unterschiedlichen Materialien eingestellt → https://gerdakazakou.com/2018/04/23/boote-und-kein-ende-kohlezeichnungen-akryll-collagen-mixed-media/

und ein Bild, das für mich ein wunderbares Finalebild ist: Ausfahrt der Segelboote → https://gerdakazakou.com/2018/04/24/rueckblende-malerei-ausfahrt-der-segelboote/



Anmerkung

Das Schilfboot habe ich aus einem der Bilder von Emily geschnitten → https://bellaremyphotography.com/2018/04/12/suriqui-island/

Miniatur #4 – für die abc.etüden

Drei Wörter – maximal zehn Sätze – für Ludwigs Schreibprojekt

In dieser Woche hat Christiane die drei Wörter in den Raum gestellt: Narr, Stille, Rosenstrauß

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Es ist schon eine Weile her, dass sich Narr und Närrin in der Stille der Nacht zum ersten Mal begegneten. Sie waren nicht leer zueinander gekommen, sie waren nicht mehr jung, das Leben hatte sie schon gefurcht, in Falten gelegt, Haare ergrauen lassen. Misstrauen, Angst und Enttäuschungen saßen in ihren Zellen. Wenn sie aber still nebeneinander saßen, dann…

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Ein zweites Mal trafen sie sich an dem bunt bebänderten Baum, Rücken an Rücken lauschten sie sich.

Heute hat der Narr die Närrin zur alten Buche bestellt. Dort hat er einen Rosenstrauß in die Äste gehängt. Weiße Rosen, weiß für den Frieden, den sie beieinander finden. Still erwartet sie ihn.

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Anmerkung für meine neuen LeserInnen

die ersten beiden Collagen gehören zu meinem Zyklus „Die Närrin und die kleine Stadt“ – siehe Galerie I

die Närrin ist „Helvetia“, eine Skulptur von Bettina Eichin, sie steht am Ufer des Rheins in Basel

der Narr ist der Tänzer Vaslav Nijinsky, die Skulptur entdeckte Rotewelt auf dem Pariser Friedhof „Le Cimetière de Montmartre“ und hat sie mir freundlicher Weise für die Fotomontagen zur Verfügung gestellt – nochmals meinen herzlichen Dank

Rückblick – 7 –

0104 28.06.15 lauschen

Die sieben, die sieben, der siebte Monat im Jahr. Die Sieben ist meine Zahl. Also die Quersumme des Tages, des Monats und des Jahres meiner Geburt. Das kommt dabei raus! Im Tarot der Wagen, da heisst es immer weitergehen. Immer vorwärts und nicht zurück.Und kein Stillstand bis zum Schluss.

〈 … 〉 Wenn schon sterben, dann handelnd 〈 … 〉

Velma Wallis – Zwei alte Frauen

Sie sind zurück. Es liegt an mir. Still lauschen Närrin und Narr der Welten Kakophonie. Die Narretei bräuchte vielleicht eine rote Nase oder eine neue Orientierung …

〈 … 〉 Ja, verrückt, so bin ich, nichts kann ich ernst nehmen, aber wenn ich immer andere Bücher mit immer demselben Titel sehe, dann muss ich einfach loslachen, dann stelle ich mir Scharen von Philosophen vor! Ach diese Weisen, weißt du, falls du bei deinen Studien einmal einen Narren begegnen solltest, dann erzähl mir von ihm. Mir ist eher die Narretei in die Wiege gesungen worden, das ganze Leben ist so unwahrscheinlich närrisch, spaßig, komisch, dass ich denke, man kommt mit Narrheit weiter als mit Weisheit. Philosophische Weisheit ist der Höhepunkt der Narrheit. 〈 … 〉

Maarten ‚t Hart – Die Netzflickerin – S. 103

Das war eins. Das andere waren die Engel. Herrjeh und wieviele sich da im Juli bei mir auf dem Blog tummelten! So völlig gegen die Jahreszeit. Stopp! Was haben Engel mit Jahreszeiten zu tun?

Es ist Knausgård geschuldet.

So einfach ist das!

Klar, und dem Besuch von Jürgen Küster, der war eben auch im Juli. Dieser Besuch, in Bezug auf die Engel, bekam seinen Platz  zuletzt hier →

Und der Besuch an sich hier → Später wurden die gemeinsamen Bilder zur Grundlage für neue Arbeiten.

Diese drei zeigte ich wohl noch nicht. Sie korrespondieren mit dem Tanz und der Musik in einer entfesselten Welt: “ …das ganze Leben ist so unwahrscheinlich närrisch, spaßig, komisch, dass ich denke, man kommt mit Narrheit weiter als mit Weisheit.“ (s.o.)

Ein frischer Wind rüttelt am Kokon. Ein Licht strahlt. Langsam öffnet sich der Kokon. Neuorientierung. Ich schliesse Freundschaft mit der Schnecke in mir. Die Schwarze lacht. Ich jetzt auch.

Licht und Wind

Bühnenbild

0177a 18.09.15 Weltbühne

draufklick = gross – please click to enlarge

Die Närrin ist in den Wald gegangen. Dort hat sie sich ein Haus gebaut. Spinnfäden sammelt sie. Sie webt ein neues Netz. Für die Welt. Frieden heissen die Knoten. Sie muss noch viele Fäden sammeln, noch viele Knoten machen. Feuer frisst. Sie sammelt, sie knotet. Ihre Finger sind schon wund.

Es liegt an mir

0103ab 28.06.15 lauschen

Prolog

Sonnensommersonntag, Fliegen summen, Spatzen tschilpen, Spazierer zwischen Panoramaweg und Feuerwehrfest und noch immer weiss ich nichts von der Arnika. Die Lindenblüten vor dem Haus sind noch geschlossen. Das Johanniskraut zeigt seine Knospen gelb. Die Rosen in gelb und rot und Moos verströmen sich. Blaue Fussnägel. Rot ist deswegen nicht vorbei. Leicht ist es nicht immer mit den Jahren, der langen Strasse im Rückblick, der kürzer gewordenen geradeaus.

Worum es geht

Wenn die Närrin Eine ist, die Geschichten erzählt, so, wie es Cambra schrieb, dann wird es Zeit für neue Geschichten. Ich habe Türen und Fenster weit geöffnet, Herz auch. Sommerheu durchduftet die Kemenate.

Sie ist zurück. Sie sind zurück, Närrin und Narr. Sie mit ihren Geschichten, er mit seinen.

Manchmal, so erzählt sie mir jetzt, kreuzten sich die Fäden in ihrem und seinem Erzählen. Kurze Stille, Vertrauen im Blick, Knotenpunkte zum festhalten, zum entlanghangeln, den freien Fall im Blick.

Sie erzählt von der Langsamkeit und heisst mich Schnecken lieben. Spricht von dem Raum in der Zeit, dem zeitweise geteilten, dann wieder jede und jeder für sich. Erinnerungsknoten baumeln an Spiegeln, fern von allem Bekannten. Manche Nächte stahlen Tage, andere erstrahlten unter leerem Mond. Polarlichter verschenkten ihr Bunt. Wellen rollten vor und zurück. Geflüsterte Geschichten knüpften sich fort, von Knoten zu Knoten.

Ein Freund der leisen Worte. Ein Freund der Langsamkeit. Manchmal ist eine Angst um ihn. Dann muss sie ihn halten- wie er seine Angst, im Arm.

Manchmal sangen sie unter dem grünen Mond. Ein Lied in Moll und wiegten sich in den Traum der Welt unter Unendlichem hinein. Stille Zeiten. Raum bleibt, solange wir atmen.

Unaufgeregt tönen ihre Geschichten ins Jetzt, sie bringen einen neuen Klang. Einen leisen. Er weist Weg. Solche, die gegangen sind und solche, die sich noch hinter der Hügelkuppe verstecken. Jetzt ist weiter lauschen, wie sie erzählt von Knotenpunkten und Linien im Raum, verbindenden und gebrochenen, von Netzen unter der Erde, dem roten Mäanderfaden des Lebens, den Spuren, die blieben und die verwischten.

Es war die Närrin, die mir einst von dem Heiligen im Profanen erzählte und umgekehrt. So viele Göttinnen und Götter fielen schon aus den Panthoneen!

Närrin und Narr bleiben. Sie bei mir, er bei ihm. Kreuzfahrten, Fadentiefe, Knotenpunkte, Ankerplätze, sommerlich durchwehte Räume, Puppen zu Schmetterlingen, Larven zu Käfern. Ich nähere mich der Nacktheit der Schnecken.

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Am Nachmittag liege ich auf Kargboden. Der Berg mir Wohl verleiht. Sonnengelb zeigt die Arnika ihr zerrupftes Gesicht. Motorräder schneiden Sägen gleich durch Sonnentage. Von hieraus könnte ich sie jagen … Das Böse ist banal. Es hockt gleich hinter liebreizenden Stirnen, seltsam unerkannt.

Es wurde Abend. Und da verstand ich: sie ist immer da, ich muss sie nur rufen. Es liegt an mir.

 

 

blaue Stunde – 18 – Öffnung

001 bucheckernschaleSich zeigen, die leere Bucheckernschale ist das Symbol. Weit haben sich ihre stacheligen Flügel geöffnet. Golden leuchtet das Innen.

Sichtbar werden, geschützt bleiben.

Wieviel Öffnung mute ich mir zu, wieviel der Welt? Öffnung braucht Mut und Wachheit, braucht Vertrauen, vor allen Dingen in sich selbst, in die eigene Wahrnehmung, die nicht allgemeine Wahrheit ist, nur immer die eigene und manchmal, in wenigen Ausnahmen, auch ganz allgemein.

Öffnung braucht Schutz, braucht die Gewissheit, dass nichts passieren wird, was nicht passieren soll, heißt bei sich und mit sich selbst zu sein. Heißt zu wissen, dass es nichts wirklich zu verlieren gibt. Kein Gesicht und keinen Ruf. Unschuld ist schon lang vorbei! Und ums Leben geht es hier nicht. Auch nicht um Blindheit, um das Betreten von Gefahrenzonen, die man nicht meistern kann. Es geht um Öffnung, dem Leben, ganz. Weit zu werden, ohne etwas haben oder erreichen zu wollen, ohne Greifen, ohne Zwang.
„Es“ zu tun.

Das Leben tanzen, auf seinen Wellen reiten, hoch hinauf und tief hinunter, juchzen und schreien, lachen und weinen, nichts ausschließen. Die Mitte und die Stille sind Ruheräume, hier wird Kraft geschöpft. Hier werden Eindrücke verdaut, Gedanken zu Papier gebracht, hier werden Gefühle zu Bildern, bis das Leben wieder Fahrt aufnimmt. Hoch hinauf und tief hinunter. Narr und Närrin lachen.

Leer war die Welt geworden, als Närrin und Narr das weite Land und die kleine Stadt verlassen hatten. Melancholie legte sich über die Gassen, trübte das Laternenlicht in der Nacht.

002 nebelnacht

Leise waren die Gesänge der Schwäne geworden. Die Kraniche tröteten an Afrikas Flüssen. Es war nicht lange her, dass sich Närrin und Narr getroffen hatten, dass sie gemeinsam die Nacht erleuchtet hatten. Es vergingen nur wenige Tage bis sie gemeinsam die kleine Stadt verließen. Und wieder war es Nacht, es fiel der erste Schnee. Stille legte sich über Land und Stadt.

Es saß eine kleine blaue Frau am Meer. Leise Wellen spielten Vor und Zurück. Die Narreteien waren verschwunden. Nur die Vögel sangen weiter ihre Lieder, die Raben und Krähen krächzten, Kraniche waren in den Süden geflogen, sie hatten die Närrin auf ihren Wegen in einer Stube sitzen gesehen. Sie war beschäftigt … mit Menschendingen. Schalk hielt sich versteckt.

Es galt die Leere auszuhalten. Die Stille, wieder einmal. Die Kraniche flogen zurück in den Norden, tröten über dem weiten Land und der kleinen Stadt. Sie waren die Vorhut für glöckchenfeines Lachen. Närrin und Narr kehrten zurück. Melancholie und Leere machten ihrem Lachen Platz. Ihm und dem ganzen verrückten Leben!

Man muss sich die Narreteien erlauben! Es ist genügend Ernst, Leid und Schmerz in der Welt. Sie muss man nicht suchen, sie stecken hinter jeder Ecke. Sie können eine Portion Narretei gut gebrauchen, eine Prise Ironie, einen Schalk, einen Narr, eine Närrin.
Ja, Empörung tut Not in dieser Zeit. Mut auch, um hinzuschauen, es auszuhalten und dann auch einmal wegzuschauen und die Welt, Welt sein zu lassen.

Angst hält die Menschen klein und die Welt in Atem. Feinde werden erkoren und immer sind es die anderen, die uns etwas wegnehmen wollen. So wird alles Habenwollen umgekehrt, werden Räume eng. Es ist noch immer genügend Platz für jede und jeden, niemand muss gehen und niemand muss alles mögen, auch ich nicht von mir selbst. Aber ich darf lachen. Auch über diese Welt!

Es wiegt schwer, das Diktat. Es ist die Fessel bei jedem kreativen Akt. Die Närrin verleiht Flügel, Coyote heult sein Mondlied dazu, Schlange häutet sich, Samenkapseln platzen auf, Zitronenfalter fliegen, Kirschbäume blühen, Hummeln brummen, Bienen summen.

0001a ErblühenIn meinem Takt bleiben, ohne zu hasten, ohne Atemlosigkeit, gleichmäßiger Schritt. Die Werkzeuge finden sich ganz von allein. Routine schenkt kreative Räume, lässt Gedanken frei und den Geist tanzen. Freiheit ist kein äußerer Raum. Ich kann mich nur selbst frei geben! Gegen die Angst gesehen zu werden, gegen die Scham vor der eigenen Kleinheit. Gerade das, was wir am meisten zu verbergen suchen, wird von geübten Augen als erstes erkannt. Warum es also überhaupt noch versuchen?

Karl Ove Knausgård lässt Schranken fallen. Er zeigt sich der Welt in seinen Schwächen und Stärken, aber ganz besonders in seinen Schwächen. Er versteckt sich nicht hinter erfundenen Geschichten, bewegt sich innerhalb seiner Wahrnehmungen und Wahrheiten, wohl wissend, dass es seine Erinnerungen sind. Andere, wie seine Mutter, sein Bruder erinnern sich anders, an anderes, auf jeden Fall nicht so … Es bleibt Verwunderung und das sichere Wissen um die eigene Welt, die eigene Wahrnehmung und Empfindung. Doch nach der Lektüre seines vierten Bandes: „Leben“, frage ich mich: will ich all das so genau wissen?

Knausgård hält auch in diesem Band das Tempo und somit eine gewisse Spannung aufrecht, sodass ich immer weiter lesen will und muss. Aber es gibt Längen und eben diese Frage. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass sich hier etwas trennt. Erschien er mir bis hierher eher als eine Art Bruder, so wird er jetzt zu Karl Ove Knausgård. Einem Mann, der mich an seiner Pubertät, seinem Erwachsenwerden teilhaben lässt. Der sich als ein Kerl zeigt, den ich mit 16, 17, 18 Jahren nicht gemocht hätte. Ob er sich selbst mochte, damals …? Ich glaube nicht, wenn ich ihn richtig gelesen habe. Und genau hier setzt dann auch wieder meine Achtung für sein Werk ein. Es braucht Mut sich zu zeigen. Ganz. Auch auf die Gefahr hin nicht gemocht zu werden. Sich der Welt zuzumuten. Weiter und immer weiter zu gehen, mit seinem Projekt. Seinem Kampf ins Gesicht zu schauen, ihn zu benennen, alles von ihm der Welt zu zeigen, die sich darin wiederfinden kann. Alles, soweit alles eben geht.

Und wieder wirkt die Frage: wie weit bin ich bereit mich zu zeigen? Und wer will das alles wissen? Wenn schreiben ein Muss geworden und geblieben ist, dann muss es sich die Frage gefallen lassen: für wen und wozu. Was ist nur Bedürfnis nach Anerkennung oder nach Erkennung gleicher Geister- wo entsteht Reibung und halte ich diese aus? Was ist, weil es muss und was wird kreiert, was ist immer schon da und will nur hinaus? All die vielen Tierchen, die leisen und lauten, die wilden und zahmen, sie alle wollen das offene Land und die Weite des Himmels. Käfige und Dressuren tun niemanden gut, keinem Tier, keinem Menschen, keinem Kraut. Es wird viel gebogen und verborgen, viel gelogen und verbogen in der Welt und nichts scheint mehr heilig. Aber wenn erst einmal alles profan geworden ist, wie soll es dann noch Staunen und Freude geben? Alles will leben. Ganz. Zu und in seiner Zeit. Alles will voll erblühen,

0001 Erblühenwill sich voll entfalten, will in Freiheit hoch hinauf und tief hinunter, will ausruhen im sicheren Raum, ausatmen und weitergehen.

Sich zeigen, die leere Bucheckernschale ist das Symbol. Weit haben sich ihre stacheligen Flügel geöffnet. Golden leuchtet das Innen.

Sichtbar werden, geschützt bleiben.

001a sichtbar werden, geschützt bleiben

Finale in der kleinen Stadt

0220 12.12.14 Finale Herbstzyklus

Es ist Zeit für die Närrin, schon ist der erste Schnee gefallen. Einige kamen zu einem letzten Tanz, zu einem letzten Gruss, manche hatten nichts gehört, andere sind in der Stube geblieben und blicken hinterher . Es schaut die Närrin nach vorn, es schaut der Narr zurück.

0221 12.12.14 Finale Herbstzyklus

(draufklick = gross)

Nun gilt es Abschied zu nehmen von der Närrin und der kleinen Stadt. Wünschen wir ihr und allen, die mit ihr waren und sind ein kleines bisschen Glücklichsein…

Der gesamte Zyklus kann jetzt in der Galerie angeschaut werden.

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Rückblick – Juli, August 2014

ce rückblick Juli II

Die Närrin war zurückgekehrt. Lang hatte Klabauter gewartet. Lang war die Fahrt. Still, aber nicht im Verborgenen wanderte sie durchs Land und durch die Stadt. Kleine Begegnungen, feine Plaudereien, dann zog es sie weiter, sie, die Frau auf Wanderschaft, die kleine blaue Frau im roten Kleid, die Närrin, die Schauende, die Tänzerin, die Lauschende, die Alte, Sommermädchen lacht.

cf rückblick august

Singen für den Frieden, trommeln auch. Wo ist der Ort des Friedens? Und wie ihn finden, in sich und in der Welt, bei all dem Krieg! Die Närrin tanzt im Regen, das Herz ist manchmal schwer. So manches in der Welt geschieht im Verborgenen und kommt dann doch ans Licht. Und dann ist es eben doch Sommer, die Musikanten spielen ihre Lieder am Abend unter dem Mammutbaum, Schiffe ziehen von Süd nach Nord, von West nach Ost, Kinderlachen und Tänze durch die Nacht.