Etüde 015 2019

Gerne folge ich wieder der Etüdeneinladung von Christiane.

Die Wortspende ist dieses Mal von fraggle – Reisswolfblog. Zugegeben, die Wörter sind für mich nicht einfach, vielleicht weil gerade vieles nicht einfach ist. Nein, es ist nicht der Herbst, es ist.

Miniatur 012 2019

Sie hat sich ins Gewächshaus gesetzt. Hier sitzt sie, hält sich aus, lauscht sich, düngt sich, gießt sich, atmet ein und aus und ein. Sie will wachsen, ihr Tun und Sein sollen Früchte tragen. Inmitten des wuchernden Grüns denkt sie ans Meer, denkt an die  jodhaltige Luft, die reinigt und stärkt. Mit geschlossenen Augen atmet sie ein und aus und ein. Sie will nichts mehr fälschen, um zu überleben. Sie will wie die Brennnesseln werden, will Dünger sein, heilsam – für sich und die anderen.

84 Worte

Etüde 014 2019

Eine 14. Etüde in diesem Jahr zu Christianes Projekt, mit einer Wortspende von Alice make a choice. Meinen Dank an euch beide und dieses mal auch ganz besonders an Christiane, die sich einer Diskussion gestellt hat, die zu führen ich mir nicht einfach vorstelle. Wer mehr darüber erfahren möchte, folge doch bitte obigem Link. Danke.

draufklick = großes Bild – please click to enlarge

Flüchtige Augenblicke – (eine lyrische) Miniatur 011 2019

Ein Roman ist ein Roman,

ein Gedicht ist ein Gedicht,

wenn ich schreibe, schreibe ich

nicht unbedingt als Ich und,

oder über mich.

Flüchtige Augenblicke

in Worte gebannt

entlasse ich mich

schreibt

es sich

variabel

sind manch Worte

unterschiedlich

manche Interpretation

Lesende erzählen etwas

über sich.

46 Wörter

 

Etüde 013

Nein, dies ist keine Fortsetzung von Etüde 012! Heute veröffentliche ich meine erste Krimiminiatur (tataa) für Christianes abc Etüden, mit den drei Wörtern von Ludwig Zeidler. → https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/09/01/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-36-37-19-wortspende-von-ludwig-zeidler/

Ich lese immer wieder gerne Krimis und gerade eben fand ich im Bücherschrank in Lörrach einen mir unbekannten Band aus der Harry Hole Serie von Jo Nesbø, den ich gleich weiterlesen werde, ich kann es kaum noch erwarten … sooo spannend!

Und so kommt dann eins zum anderen, wobei das eine nix mit dem anderen zu tun hat (nein, ich setze hier jetzt keinen Grinsesmiley ein) –


Krimiminiatur 01 2019

Verzweiflungstat“, schnaubte Kommissar Maierbeck, wie oft sollte er sich diesen Quatsch noch anhören? An sich hatte er ja nichts gegen Psychologie einzuwenden, aber diese junge, gerade von der Uni kommende, ihm zugewiesene Frau Klopp ging ihm auf die Nerven. Nix als Uniwissen und Statistiken im Kopf und keine Lebenserfahrung!

Er betrachtete das Blutbad vor sich, nein, das ist keine Verzweiflungstat gewesen, so etwas, das stand für ihn fest, machen nur Sadisten. Er nickte der Klopp zu und verließ den Tatort. Für heute hatte er genug gesehen, den Rest würde die Spurensicherung ergeben.

Frau Dr. psych. Klopp hingegen kämpfte mit ihren ambivalenten Gefühlen, ihrem Wissen einerseits und dem Bedürfnis diesem alten Brummbär Maierbeck zu imponieren – ihrem Bücherwissen und den Statistiken auf der einen Seite und ihrer Intuition auf der anderen. Der Intuition hatte sie sich doch vermehrt hingeben wollen! Und an was hatte sie als erstes gedacht: „Sowas machen nur Sadisten“ …

152 Wörter



Willkommen zum weiterspinnen dieser Etüde, gerne im Kommentarstrang!

Etüden 006 2019

Nun aber schnell, schon läuft die 13. Woche ihrem Ende entgegen, die Einladung von Christiane mit einer Dreiwortespende von Rina P. sind schon bald zwei Wochen raus und meine drei Miniaturen verharren ungelesen in meiner Kladde.

Auf gehts … viel Spaß

Miniatur 007 2019

Es ist ein Hauen, Stechen und Beißen in der Welt! Hannah legt die Zeitung weg. Jetzt ist ihr der Morgen verdorben. Ist er das? Was, wenn sie aufsteht, ihre Rechnung zahlt, das Café verlässt und in den azurblauen Tag hineinspaziert? Na eben.

Miniatur 008 2019

Schon wieder hat im Kiez ein neues Café eröffnet. Wieviele denn noch, wenn sie sich wenigstens unterscheiden würden! Gleichschaltung, wenn A mit c so gut verdient, kann das B auch – unendliche Ketten. Kultur ist sub oder super quality, sie beißt nicht, sie verdirbt nicht den Spaß, den alle haben wollen, weil sie so freudlos sind.

Miniatur 009 2019

„Die ist ein ganz verdorbenes Mädchen“, sie stach mit ihrem verknotetem Zeigefinger in die Luft, „ich will nicht, dass du mit so einer verkehrst! Wir sind anständige Leute und sitzen nicht am helllichten Tag im Café am Kirchplatz und machen einen auf Gräfin Cox.“ Sie atmete schwer, biss wütend in ihr Brötchen. Die Krümmel fielen auf ihre Brust, auf den Tisch, auf den Boden. Sie sah sie nicht. Sie kaute, starrte mich an, ihr Blick irrte, suchte, fand mich nicht. Sie seufzte: „Wer bist du nochmal?“ Mutter wurde immer dementer.

insgesamt 198 Wörter

Etüde 005 2019

Zwei Miniaturen*

-1-

Weißt du noch … Wie wir durch den Nieselregen wanderten? Es dämmerte schon. Hier und da stiegen Nebel aus den Wiesen, schwebten feengleich. Wir verirrten uns. Ein bisschen liefen wir im Kreis. Dann erinnerte ich mich. Du folgtest zögerlich.

-2-

Weißt du noch … wie wir auf Regen warteten? Das hätten wir uns nicht gedacht. Auf Regen warten die Menschen in Afrika, in Südeuropa, in … Wir haben an Vieles nicht gedacht. Nicht so. Nicht im Irrgarten der Jugend.

Und dann war er da. Endlich! Ein köstlich weicher Nieselregen, der leise und zart die trocken gewordene Erde durchweichte, Schicht für Schicht, von Würzelchen zu Wurzeln. Erst viel später war er zu einem Pladder geworden. Blasen tanzten auf der Straße.

zusammen 121 Wörter


Dies ein Beitrag zu dem Etüden-Projekt von Christiane, einst von Ludwig Zeidler ins Leben gerufen, dieses Mal mit einer Wortspende von Natalie/Fundevogelnest – Herzlichen Dank, dass es immer weitergeht!


*Miniatur 006 2019

Etüde 04 Februar 2019

Miniatur 004 2019

Ein aufgemaltes Hinkekästchen auf dem Trottoir lässt ihr altersschwaches Herz vor Freude hüpfen. Erinnerungen an längst vergangene Kindertage steigen hoch. Hinkekästchen, die gehörten in die ersten warmen Tage, wie rutschende Kniestrümpfe, anstelle von kratzenden Wollstrumpfhosen, wie Rollschuhfahren, wie das Säckchen mit den Murmeln in den Hof tragen. Als stecke ein Lesezeichen in ihren inneren Erinnerungsseiten, die sich von allein aufschlagen, beim Anblick eines selten gewordenen Hinkekästchen auf dem Trottoir.

69 Wörter



Dies ist ein Beitrag zum abcEtüden-Projekt von Christiane, mit einer Wortspende von wortgeflumselkritzelkram.

Etüde 003a 2019

Miniatur 003 2019

Winterreifen, Winterreifen, Winterreifen,

eifersüchtig, eifersüchtig,

stolpern –

über einen Satz, einen Gedanken,

über einen s-pitzen S-tein,

in eine für andere gegrabene Grube hinein.

Plumps.

Liebeskummer lohnt sich nicht.

Eifersucht ist nicht gleich Eifersucht

und Winterreifen braucht es ab Oktober.

38 Wörter


geschrieben für das abc Etüden Projekt von Christiane, mit drei Wörtern, die dieses Mal Petra Schuseil gespendet hat → https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/02/03/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-06-07-19-wortspende-von-petra-schuseil/comment-page-1/

Etüde eins/b Dezember 2018

 

Tatsächlich gibt es noch eine dritte Etüde in dieser Etüdenrunde, einem Projekt von Christiane. Die Wörter hat Elke Speidel gestiftet, herzlichen Dank dafür, sie waren sehr inspirierend, noch nie schrieb ich drei Etüden mit immer den selben Wörtern!

 

Miniatur 013 2018

Die alte Linde im Hof ist zum Winterbaum geworden. Ein Herbststurm blies über das Land. Nasskaltes Gummistiefelwetter im Dezember, kein Schnee. Ich trauere den vergangenen Schwarzwaldwintern nicht nach, bin weder Bergziege, noch Schneehase. Apropos Hase, was macht der eigentlich im Winter? Der Enkel und ich kommen ins Grübeln. Fachliteratur muss her. Aha. Ach so. Jetzt wissen wir das auch. „Sasse“* ist ein gutes Wort. Die Tage schummern von hell- bis dunkelgrau. Nebelschwaden von fein bis dampfdick ziehen über den Berg. Ich lausche dem Konzert der Regentropfen, ihrem Trommeln, ihrem Rauschigem. In einer solchen Nacht ruft noch nicht einmal das Käuzchen.

100 Wörter


* https://de.wikipedia.org/wiki/Feldhase

Etüde eins im Dezember

Am letzten Sonntag hat Christiane zur Dezember-Etüden-Runde geladen. Herzlichen Dank an Christiane und an die Wortspenderin Elke Speidel. Diese drei Wörter haben mich nun schon zu drei Etüden inspiriert, ob ich sie alle veröffentliche weiß ich aber noch nicht, vielleicht gehört die erste noch in die Kategorie der Fingerübungen.

Auch dieses Mal werde ich kaum die 300 Wörter erreichen, es zeigt sich, dass mir die Miniaturen doch sehr ans Herz gewachsen sind oder soll ich lieber sagen: an die Feder?!

Miniatur 012 2018

Gehen

Nebelfelder trennen die klare Sicht in Zwei. Nasskalte Tropfen fallen mit den letzten Blättern. Erde schmatzt, Schritt für Schritt. Melancholie wallt mit den Nebeln vom Tal über die Berge. Gefühle wie Wetter, sie wechseln. Bist du glücklich? In der Nässe glänzen die Steine auf dem Weg so schön. Trauerweiden wachsen prächtig an Berlins Kanälen. Drei Pappeln im kleinen Tal erzählen von Kindheit, von Geburtsbäumen und vergrabenen Plazenten. Wir hatten dem Sohn eine Linde gepflanzt. Umbaumaßnahmen. Bedauern – ja, nachtrauern – nein, Vergangenheit. Winterbaum hütet seine Knospen.

84 Wörter