Etüde 10 2020

Meine zweite Etüde in dieser Runde, zu den Worten Idee, engelhaft und vergraben, die dieses Mal der Etüdenerfinder Ludwig Zeidler gespendet hat und wie immer von Christiane moderiert wird.


Eine Miniatur

Es gibt genügend Ideen in diesem Land – und in anderen auch – um das Schlimmste abzuwenden. Um Weichen für eine Zukunft zu stellen, in denen auch unsere Enkelkinder und deren Kinder sich an der Schönheit des Lebens freuen könnten, ob es um die Folgen der Klimakatastrophe, die Hungersnöte oder um die Flüchtlingsströme geht.

PolitikerInnen aller Couleur blocken mit engelhaftem Lächeln und vergraben ihre Millionen, die sie am Ende weder essen, noch mitnehmen können.

Der Unmut wächst – nicht nur in diesem Land – Spaltungen werden voran getrieben, Rechthabereien sind en vogue, Vehemenz, Häme und Verächtliches sind mit im Gepäck. Menschlich sein und bleiben ist die Herausforderung dieser Zeit.

109 Wörter



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Etüde 09 2020

Nun ist es vorbei, das Sommerloch und somit die besondere Etüdenrunde dazu, an der ich mich allerdings nicht beteiligt habe.

Jetzt geht es mit den ganz normalen Etüden im Vierzehntagerhythmus weiter. Es geht darum aus drei Wörtern einen Text oder ein Gedicht mit maximal 300 Wörtern zu verfassen. Näheres könnt ihr hier nachlesen → https://365tageasatzaday.wordpress.com/abc-etueden-kleingedrucktes/

Ich freue mich sehr, dass zu dieser Runde der Etüdenerfinder Ludwig Zeidler die Worte gestiftet hat, auch wenn er sich ansonsten leider aus Bloghausen zurückgezogen hat. Herzlichen Dank, Ludwig!

Die Worte, um die es in dieser Etüdenrunde geht, sind auf dem Bild zu sehen. Herzlichen Dank auch dir, liebe Christiane, dass du noch immer mit eigenen Beiträgen, den Zusammenfassungen und Verlinkungen der Schreibenden, sowie mit deinen Collagen die Etüden begleitest .


Eine Miniatur

Diese Tage, an denen ich mich nur noch vergraben will, mich selbst und die eine und andere Idee gleich mit! In den Spiegel schauen, sagen: so ist es, ohne jeden Vergleich mit den engelhaft Wirkenden. Mich wieder ausgraben und einer der Ideen folgen, eine reicht. Engelhaft ist wie feenhaft, beides hat wenig mit mir zu tun. Und mache ich nun aus dem Adjektiv ein Substantiv, dann täten mir die Engel leid. Ach, strafende Götter!

76 Wörter



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Erinnerungsschaukel 001

Meine dritte Etüde hat mich auf die Idee gebracht, Texte, die von meinen Erinnerungen getragen werden, unter der Überschrift  E R I N N E R U N G S S C H A U K E L noch einmal hier einzustellen. Neue werden vielleicht geschrieben.

Das oben stehende Bild wird das „Cover“ sein.

Manche Texte erschienen schon einmal in den Rubriken „Kurze Zeilen“ und „Miniaturen“. Andere, längere erschienen unter einer Überschrift, sie hatten keine Rubrik.

Nicht alle Erinnerungen sind so still und schön, wie die in meiner Etüde. Meine Kindheit war weder nur schön, noch nur schwer und dem versuche ich in der Erinnerungsschaukel Rechnung zu tragen.

O C H S E N B E R G E R  E I N S  Z W E I  D R E I

Es waren Murmelspiele, Hinkekästchen, wilde Jagden, Ochsenberger-eins-zwei-drei, Mutter-Mutter-wie-weit-darf-ich-reisen, Vater-Mutter-Kind.

Viele Mütter, viele Väter, viele Kinder, ehrliches Brot, gesunder Stolz und am Samstag großes Reinemachen. Der Sonntag- und der Satansbraten, Montagsnudeln, Dienstagseinerlei, Mittwochsstampfkartoffeln-mit-Sauerkraut-und-Bratwurst, Donnerstagsreste, Freitagsfische, Samstagseintopf, Woche für Woche. Jahr für Jahr Rhythmus, Fleiß und Wiederaufbauschweiß. Keiner hat nie etwas gewusst und jetzt war es ja vorbei. Als gäbe es eine Endgültigkeit, ein Ab-ins-Meer-damit-und-weg-ist-es. Als gäbe es Teppiche fürs Drunterkehren, als wäre Schweigen stumm. Als könnten wir uns neu erschaffen, den Göttern gleich. Als hielten wir das Ende und das Wie in unseren Händen.

26.06.2016


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Etüde 03 2020

Die Worte um die es in dieser Etüdenrunde geht, sind auf dem Bild zu sehen, gespendet hat sie für die abc.etüden Corly mit ihrem Blog Corlys Lesewelt.

Miniatur 003 2020

Er war ein Stiller. Er spielte nie mit den anderen Fußball. Er fuhr Fahrrad. Ich spielte mit den Jungs Fußball, Brennball und Völkerball. Manchmal fuhren wir alle Fahrrad. Am Abend saß ich gerne mit ihm auf dem Klettergerüst, dem Sonnenuntergang zuschauen. Das ging nur mit ihm. Dafür hatte ich ihn gern.

Manchmal kletterten wir bis ganz nach oben, stellten uns mit ausgebreiteten Armen breitbeinig auf die obersten Sprossen und spielten fliegen. Mein Herz hat dabei heftig geklopft. Hinterher war mir immer ganz warm.

Einmal saßen wir auf der Bank am Sandkasten. Wieder ging die Sonne unter. Er zeigte mir zwei hell gebliebene, breite Streifen auf seinen Armen.

– Was hast du gemacht?

– Nichts. – Naja, ich habe mit verschränkten Armen in der Sonne gesessen. Ich habe geguckt, sonst nichts.

Dafür hatte ich ihn auch gern.

135 Wörter


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Etüde 02 2020

Christiane hat zur zweiten Etüdenrunde in diesem Jahr gerufen. Die Wörter hierfür spendete OnlyBatsCanHang. Dankeschön ihr zwei! Wie immer gilt es mit den drei gespendeten Wörtern: Papiertiger, belanglos und plätschern eine Etüde mit maximum 300 Wörtern zu schreiben. Voilá

Miniatur 002 2020

Hans und Mira auf dem Weg in die große Stadt: bergauf, bergab, Dorf rein, Dorf raus.

Wie viele Goldene Löwen es gibt!“

Ja. Und Kronen und Hirschen und Kaiser …“

… und Adler und Deutsch, aber ich habe noch nie Zum Tiger gelesen.“ Kurze Pause. „Du?“ Sie grinst.

Nee, ich kenn nur den Tiger im Tank und den Papiertiger.“ Kurze Pause. „Aaaber … ich kann dich ja mein Tiger nennen.“ Sie kicherten. Dieses belanglose Gequatsche, diese Banalitäten, die vor sich hin plätscherten, wie gut das tat!

Lange Pause. Bergauf, bergab und ab und ab, kein Dorf mehr, sie fuhren in die Stadt hinein.

Es wird wieder alles gut gehen! Nicht wahr“, Minipause, kleines Lächeln, „mein Tiger?“

Ja,“ Hans legte sanft seine linke Hand auf Miras rechten Oberschenkel, „ich will noch tausendundeinmal von dir mein Tiger genannt werden. Also, keine Zeit zum Sterben.“

214 Wörter

Etüde 01 2020

Juchhu, Christiane hat die erste Etüdenrunde ausgerufen  und auch die Wörter dafür gespendet. Gerne folge ich ihrem Ruf, nicht ohne DANKE zu rufen!

Miniatur 001 2020

Für einen Skiurlaub hat es noch nie gereicht! Ihr Gehalt war und ist zu mickrig und ihr Ehemann zu geizig. Sie stellt es sich trotzdem vor, wie sie auf zweitausend Meter in der Höhensonne auf einem Liegestuhl faulenzt, umgeben von den Reichen und Schönen dieser Welt, neben sich ein würziger Wintercoctail. Sie würde ihn schlückchenweise genießen, wie die phänomenale Weitsicht der Bergwelt, Augenblick für Augenblick. Die Fahrt mit dem unumgänglichen Sessellift hinauf blendet sie aus, wie ihren ewig schlecht gelaunten Mann auch, nichts soll ihre Tagträumerei stören.

„Magdalena, komm mal sofort her“, hört sie ihren Geizhals kommandieren. Nun hat er bestimmt wieder ein nichtiges Haar in irgendeiner Suppe gefunden. Der Tagtraum zerplatzt. Sie schaut auf das Wintergrau vor ihrem Fenster. „Wieso bin ich eigentlich noch immer hier?“ Sie schmeckt auf ihrer Zunge den würzigen Wintercoctail. Schon wird alles ein kleines bisschen leichter.

143 Wörter

Etüde 017 2019 – bereinigt

Die Wortspende zum Etüdenprojekt von Christiane ist dieses Mal von Red Skies over Paradise, herzlichen Dank euch beiden.

Nun habe ich noch ein bisschen gefeilt, damit aus unbehaust wieder Unbehaustheit wurde und aus der Schwermut wieder schwermütig.

Ein Minigedicht

Es lebte einst ein Schweinehund,
Unlust war sein Name.
Unbehaustheit trieb ihn um,
bis er nach mir haschte.
Er hielt mich fest in meinem Haus,
schwermütig wanderte ich herum,
wusste nicht mehr ein, noch aus,
heut‘ hat es dann gereicht
ich schob ihn flugs zur Tür hinaus.

47 Wörter

Etüde 016 2019

Die Wortspende zum Etüdenprojekt von Christiane ist dieses Mal von mir. Es ist schon eine Weile her, dass ich Christiane diese drei Wörter zusendete, die mir spontan, inmitten der noch heißen Sommertage, eingefallen sind, nun passen sie sogar in die Jahreszeit.

Ich freue mich über und auf die Etüden, die mit ihnen schon geschrieben wurden und noch geschrieben werden.

Miniatur 013 2019

Von Jahr zu Jahr wird es schlimmer! Er hat es während der letzten Jahre in den absurdesten Situationen an sich beobachtet und jetzt sogar als er dem großen Vogelflug gen Süden hinterher schaut – er wird immer ängstlicher. Erinnerungen an seine Mutter und ihren letzten Besuch steigen auf, als Mutter sämtliche Türschlösser am Abend an der Wohnungstür drehte und sich erst dann beruhigt zurückziehen konnte. Er hatte das damals respektiert, innerlich aber die Mutter ausgelacht. Und jetzt beschleicht ihn Angst bei der Betrachtung der ziehenden Wildgänse vor dem Winter? Er lacht nicht mehr. Er richtet sich auf, entschlossen seinem Vorsatz zu folgen und weiterhin mit allen Jahreszeiten zu schwingen. Der Winter hat mehr als nur die Mühsal des Schneeschippens und Holzhackens zu bieten, er wird es auch dieses Mal schaffen! Langsam begreift er, dass die Angst nicht Winter, Eis und Schnee heißt, sie heißt Menschenwinter, Armut und Einsamkeit.

147 Wörter und ein Bild

Etüde 015 2019

Gerne folge ich wieder der Etüdeneinladung von Christiane.

Die Wortspende ist dieses Mal von fraggle – Reisswolfblog. Zugegeben, die Wörter sind für mich nicht einfach, vielleicht weil gerade vieles nicht einfach ist. Nein, es ist nicht der Herbst, es ist.

Miniatur 012 2019

Sie hat sich ins Gewächshaus gesetzt. Hier sitzt sie, hält sich aus, lauscht sich, düngt sich, gießt sich, atmet ein und aus und ein. Sie will wachsen, ihr Tun und Sein sollen Früchte tragen. Inmitten des wuchernden Grüns denkt sie ans Meer, denkt an die  jodhaltige Luft, die reinigt und stärkt. Mit geschlossenen Augen atmet sie ein und aus und ein. Sie will nichts mehr fälschen, um zu überleben. Sie will wie die Brennnesseln werden, will Dünger sein, heilsam – für sich und die anderen.

84 Worte

Etüde 014 2019

Eine 14. Etüde in diesem Jahr zu Christianes Projekt, mit einer Wortspende von Alice make a choice. Meinen Dank an euch beide und dieses mal auch ganz besonders an Christiane, die sich einer Diskussion gestellt hat, die zu führen ich mir nicht einfach vorstelle. Wer mehr darüber erfahren möchte, folge doch bitte obigem Link. Danke.

draufklick = großes Bild – please click to enlarge

Flüchtige Augenblicke – (eine lyrische) Miniatur 011 2019

Ein Roman ist ein Roman,

ein Gedicht ist ein Gedicht,

wenn ich schreibe, schreibe ich

nicht unbedingt als Ich und,

oder über mich.

Flüchtige Augenblicke

in Worte gebannt

entlasse ich mich

schreibt

es sich

variabel

sind manch Worte

unterschiedlich

manche Interpretation

Lesende erzählen etwas

über sich.

46 Wörter