Sonntagsbild 12 2020

Fundstück

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Still sitzen Närrin und Narr. Jede.r schaut in eine andere Rechtung, sinniert, träumt, denkt. Singt vielleicht ein inneres Lied, träumt eine neue Geschichte, die im Uralten wurzelt, sieht einen Film, malt ein Bild – wer weiß das schon?

Natürlich können wir noch reisen. In die inneren Schatzkammern, in all die unbereisten Kontinente, die von Anbeginn auf eine Jede und einen Jeden warten. Alle Grenzen sind offen.

Und natürlich können wir noch über das Land streifen, es ist ja immer gerade nebenan. Um Wunder zu betrachten, sich von Pflanzen Lieder schenken zu lassen oder einen Geschmack, einen Duft. Um am Stamm eines Baumes zu lehnen und den zarten Apfelblütenduft wieder einmal zu riechen.

Eine Jede und ein Jeder ist Feld. Eine Jede und ein Jeder ist Teil eines Netzes, das größer ist als wir denken können.

Ich wünsche euch einen Sonntag mit Freuden und neuen Geschichten am alten Wegesrand.


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Fragment 07

Das Rad dreht die Spirale wieder nach Innen, an den Ort, wo Etwas die Worte des trägen Sommers gesammelt hat. Leichte Herbstbrisen treiben sie langsam an die Oberfläche. Ihre Ohren neigen sich ihnen zu. Weiter wandert sie auf der hauchdünnen Linie zwischen Sein und nicht, schon lange nicht mehr Anna, Nairobi ein Versuch für Kommendes. Der große, kühle Fluss, nicht mehr nur Bruder. Er werden, in all seiner Gelassenheit an seiner weitesten Stelle, wo er See scheint und Fluss ist. Dort, wo die Schneeberge im Westen stehen und Bärin ihre Höhle hat. Die Linie verbreitern für den sicheren Schritt zwischen Sein und nicht und Allem, was möglich scheint, wenigstens für einen Atemzug.

Er hat alle Namen verloren, seine und ihre.

Sie hat Keinen vergessen. Punkt Null. Jede Bewegung ist möglich, absteigend, aufsteigend, geradeaus, diagonal, wellenförmig, im Kreis, in der Spirale. Sie geht das Labyrinth. Sie verbeugt sich. Form ist leer. Leerheit ist Form. Vom Herz in den Kopf und zurück.

Ein ganzes Leben eine Zentrierung, die drehende Scheibe, die formenden Hände, ein Tanz. Sie macht eine Bewegung. Vollendete Kreise, die sich nicht schließen, noch nicht. Sie folgt ihrem Schritt. Anna ruht wohl geborgen, Nairobi tanzt Japan. Choreographie und Kalligraphie.

Sie wird wieder Steine sammeln. Sie wird ihnen Namen geben, Gesichter werden erscheinen. Ahnengesichter, Freundinnengesichter, Freundegesichter, dazwischen Liebhaber- und Gefährtengesichter, Enkel- und Kindergesichter. In solch einem Kreis lässt es sich gut sitzen! Lauschen, leise Sätze sagen, Dankbarkeitssätze, Verzeihungssätze, Liebesworte, Wertschätzungssätze – kein böses Wort, keine Schuld und keine Angst. Etwas wird überleben. Das hat es immer getan, darin liegen alle Samen.


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Poren

Vor lauter sich ernst nehmen erstarren.

Vor lauter sich erkennen den blinden Fleck ausweiten.

Vor lauter sich abgrenzen keine Berührung mehr.

Angst, du frisst die Seelen.

Angst, die Menschen verarmen in aller Sattheit.

Angst, die blinden Augen hören nicht.

Poren und Herz öffnen.

Die Tür nie abschließen.

Groß ist das Lied.

Mein Tanz, mein Lied

0154 05.09.2014 über die Liebe

Gerade noch saß ich auf der Treppe und sinnierte über mein Lebenslied. Es  sang in mir. Ich kenne mein Lied, ich singe es oft. Den Tanz darf ich noch weitererforschen. Mit den Möglichkeiten des Jetzt.

Es finden sich Worte, ich erzähle, mir. Die Zeit ist immer jetzt, gestern ist jetzt, morgen ist jetzt, jetzt ist die Weite des Hochtals und die Weite in mir. Bewegungen in mir. Figuren, die ich sind, die ich schon kenne. Es ist eine Neugierde in mir. Morgen ist immer noch weit, nicht weg, nur weit. Das Ende ist Jederzeit. Immer kann es kommen, unverhofft oder uralt. So what?! Morgen ist immer noch weit. Die Arme öffnen sich, ich umarme das Hochtal, den Abendhimmel. Da kommen zig Schwalben geflogen, ganz nah. Ich fliege mit ihnen zur untergehenden Sonne. Ich singe. Ich tanze. Jetzt.

Ich gehe ins Haus hinein. Ich lächle. Der Schritt, vorhin noch mit schweren Beinen vom vielstündigen Kachellauf, ist jetzt beschwingt. Mal schauen, ob Jemand geschrieben hat oder etwas zeigt. Da finde ich das:

https://cambraskade.wordpress.com/2016/08/30/wie-es-ist-das-leben-als-tanz-zu-begreifen/

Ich lächle. Ich freue mich sehr.

In der Weite wohnen die Begegnungen. Aus der Weite kommt das Mitgefühl, die Liebe, Freiheit, Glück. Angst macht Herzen eng, Neid und Vergleiche auch. Das enge Herz hat keine Fühler, die die Weite ertasten, es kreist um sich selbst herum, steht vor verschlossenen Türen, findet Eingang nur zu Dunkelkammern. Eins ums andere Mal dreht es sich um sich selbst. Manchmal bekommt es eine Idee, wie es sein könnte, wenn ein Lichtstrahl zu ihm dringt …

Morgen ist immer noch weit, bleibt unbekannt und unbenannt.

0129 13.08.14

The Unknown

Das Ostschild singt und tanzt sich ein …

blaue Stunde 16 – Madame Petit-Bleu

eiszeit I

Sowohl-als-auch ist gross, grösser, viel grösser als gedacht, seine Weite und sein Raum lassen sie manchmal ängstlich werden. Entweder-oder bietet Grenzen, scheinbare Sicherheiten, sowohl-als-auch scheinbare Haltlosigkeiten. Es gibt kein Absolutum, auch nicht zwischen diesen beiden, nur jetzt nimmt sich das Sowohl-als-auch seinen Raum.Es hat lange gewartet, hat lange kopfschüttelnd die Sorgenfalten sich vertiefen sehen, bei all dem Entweder-oder.

Unter winterlich klar-blauem Himmel singt die kleine blaue Frau das Lied von sich und den Menschen in der Welt, die tun, was es zu tun gilt und sind, was sie ist. Es ist ein leichter Tanz, wenn sie sich entscheidet. Jeden Morgen neu, jeden Morgen die erneute Einbettung in den Lebensfluss.

Der Bach rauscht bis an ihr Bett heran, Madame Petit-bleu hat Herzklopfen, probiert die roten Schuhe in der warmen Stube, sie träumt Leidenschaft, sie lächelt beim Tanz. Sie denkt an Schneeglöckchen, Märzenbecher und wilden weissen Krokus auf den Bergwiesen.

Langsam kommt das Rad wieder in Schwung. Das Fauchen der Percht ist verstummt, wild war sie in diesen rauhen Nächten, hat Äste von Bäumen geschüttelt, Schnee zu Bergen und Tälern geweht, Schneelawinen rutschten krachend von den Dächern, Krähen krächzten, kein Fuchs in der Nacht.

Die kleine blaue Frau singt wieder, tanzt die ersten kleinen Schritte, spürt die stille, feine Bewegung im Erdenreich. Bach rauscht, es wachsen Eiszapfen über Nacht. Die Puppe im Kokon träumt sich dem Schmetterling entgegen, Mond und Sterne erstrahlen im Winterglanz frostiger Januarnächte.

eiszeit II