Leeres Urban

Nach einem Jahr Lockdown

Am Samstag war ich des Waldes, der Wiesen, des Flüsschens, des eigenen Gartens, des Dorfes müde. Ein Jahr habe ich nichts anderes gesehen, ich hatte Lust auf mehr Urbanität und fuhr in die nächstgelegene Kleinstadt. Mehr ist noch nicht drin. Basel ist noch für Deutsche dicht, Freiburg lockte mich nicht und an Hamburg oder Berlin musste ich erst gar nicht denken. Und dachte dann doch daran.

Ein Gruß aus oder an Berlin-Kreuzberg 36

Nahezu heimatlich

Grafittis auf den Stützen einer Autobahnbrücke

Kinder sollen draußen spielen und toben, sie sollen sich und ihre Grenzen erfahren.

Eine Crossradstrecke unter der Autobahn für Kids.

Corona?

Leerstand, leere Fußgängerzonen, leere Läden, nackte Büsten.

 

Wohin gehen wir?

Puppets in the streets*

Und es ward Frühling, der Zweite.

anklick = große Bilder – please click to enlarge


* einige Beispiele aus meiner Serie „Puppets in the Streets“

https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/01/22/sonntagsbild-3-2017/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/07/30/sonntagsbild-30-pausenbild/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/01/08/sonntagsbild-1-2017/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/10/15/sonntagsbild-42/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/06/25/sonntagsbild-25/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/02/12/sonntagsbild-7-2017/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/02/05/sonntagsbild-5-2017/


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Spekulationen und Wohnungsnot

Im letzten Sommer beschäftigte ich mich mit dem Leerstand, der Grund war eine kleine Reise zum Mittelrhein. Die dortigen Dörfer und Städtchen zeigen, wie hier im übrigen auch, einen zunehmenden Leerstand von ehemaligen Geschäften und ich überlegte, dass man diesen doch dazu nutzen könnte, die ehemaligen Ladenräume in Wohnraum umzuwandeln, um der Wohnungsnot zu begegnen.

Letzte Woche hörte ich einen Bericht über verwaisende Dörfer und explodierende Mieten in den Städten. Ja, etwas läuft reichlich schief, aber wem sage ich das?! (mehr Bilder zum Leerstand gibt es hier → https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/08/21/sonntagsbilder-reisebilder/

Als ich im Winter selbst auf Wohnungssuche war machte ich zwei Bilder zu Spekulationen und Spekulanten, die ich euch heute zeigen will.

Einmal mehr weiß ich meine neue Wohnung zu schätzen und auch, dass ich Glück gehabt habe. Immer wieder habe ich mich innerlich damit beschäftigt wie ich leben will und wie nicht, vor allen Dingen wie ich meine, dass ich es gar nicht mehr kann, dazu gehört ein Leben in einem Mietshaus mit Klingelknöpfen und Nachbarn, die mir entweder über den Kopf laufen oder mich von unten mit ihren Bässen maltretieren, wie einst in Berlin.

Manche mögen jetzt die Frage stellen, ob wir denn immer die Wahl haben, schließlich geht es ja auch um die Möglichkeiten der Jobs und der damit verbundenen Wohnungssituation. Ich kann diese Frage nicht eindeutig und schon gar nicht für alle beantworten, aber ich kann sagen, dass ich die Wahl hatte, weil ich mir mein Leben so eingerichtet habe, dass ich zu dem einem Nein sagen konnte und zu dem anderen Ja; aber ich weiß auch, dass das nicht immer so war, sodass ich heute, hier und jetzt einfach nur dankbar bin. Auch mir selbst gegenüber, dass ich es geschafft habe, mir Situationen zu schaffen in dem die Wahl zwischen Ja und Nein möglich geworden ist.

Reisenotizen – 2 – Leerstand

0181 08.08.16 rad der zeit

Wann immer ich in den letzten Jahren in kleinen und größeren Städten unterwegs bin, springt mich der Leerstand an. So viele Geschäfte, die schlossen und nicht mehr wiederbelebt wurden, so viele Häuser, die nicht renoviert werden, wohl weil der Denkmalschutz zu teuer ist oder es sich so wunderbar damit spekulieren lässt?

0182 08.08.16 leerstand - rad der zeit

Es gibt zu wenig bezahlbaren Wohnraum heißt es immer wieder und nicht erst seit gestern. Mit etwas gutem Willen, denke ich, könnte man doch die meisten der leer stehenden Läden und Häuser Wohnraum werden lassen. Was hindert die Besitzer? Es gibt Förderungen für so einiges…

Ich habe drei Fotomontagen zum Thema gemacht. Schön ist anders. Ja. Aber es geht nicht immer nur um schön. Es geht um das was ist. Ich lernte einst, dass Kunst auch immer Spiegel der Jetztzeit ist. Jetztzeit hat viele hässliche Gesichter, stellt Fragen, gibt gebetsmühlenartige Antworten, die mir nicht reichen, die ich versuche anders zu beantworten.

Als der Liebste gestern Abend das zweite Bild betrachtete, sich seine Stirn runzelte, ich nachfragte was er empfand, sagte er: Das ist Endzeit. Endzeitstimmungen tuen weh.

Stimmt. Es ist eins Ruinen als willkommene Fotosujets zu empfinden, das andere sind die Geschichten dahinter, um die es mir aber geht. Ruinen gegen Legohäusersiedlungen, Gärten zu Steinwüsten, Liebe zum Detail war gestern, Kunst am Bau ist heute oft nicht mehr als eine Gefälligkeit.

0183a 08.08.16 leerstand - rad der zeit

Die Kraft des Lebens und ihre vielzähligen Formen umranken, umwuchern die Steine und Betonwände, die wir Menschen dem Nagezahn der Zeit überließen. Was malerisch oder fotogen erscheint, ist für mich oft eine große Traurigkeit.

Dieses Thema, wie auch die gefällige Seite der Kunst werden mich noch etwas länger beschäftigen, für heute soll es genug sein.