die Schatten werden lang und länger

009 die Schatten werden lang und länger

(aus dem entstehenden Herbstzyklus der kleinen Stadt – draufklick = gross)

Es hängt ein halber Mond am Himmel. Stille. Kein Wind. Der Dorfbrunnen wurde abgestellt, der Frost wird bald kommen. Aus dem Unterdorf bellt ein Hund herauf, daneben verhallen die kleinen Glocken der elften Stunde. Die Kaiserin geht ins Haus. Sonst nichts. Es fliegt kein Flieger über den schwarzen Wald, nicht jetzt. Ruhepause. Ruhewagen. Auf der anderen Seite der Gleise steht der Zug nach Orten jenseits der Nacht. Manchmal wird man von Möwen geweckt und denkt sich Wellenrauschen. Manchmal schauen graue Felsen ins Morgenzugfenster hinein, man denkt sich Schnee. Im Oktober riefen sich über Berlins Dächern die Wildgänse ihre Flugroute zu, ich dachte mir ihre Formationen. Sie flogen gen Süden, wir blieben noch einen Moment.

Die Schatten werden lang und länger, heller wird es in den Häusern, jetzt.

es war einmal oder one day, baby, we`ll be old

es war einmal

Es ist Herbst, ein in die Jahre gekommenes Leben, erinnerungsschwer, Felder voller Frage- und Ausrufezeichen, Geschichten voller Gesichter. Altweiber spinnen Worte, trinken Tee, Knochen singen Lieder. Und immer wieder küssen, durchgetanzte Nächte, taumelnde Nachhausewege mit und ohne Mond, mit und ohne dich. Fluss fliesst, Dinge und Menschen zu Strandgut, Brücken schlagen Dächer über türlose Räume. Wo es keine Türen gibt, können keine zugeschlagen werden. Irgendwo da warst du im weit offenen Raum ohne Versprechen. Es blühen noch Rosen im Garten.

Zurückschauen und weitergehen.

one day, baby, we`ll be old

 

die Närrin entdeckt das Sommerkleid der kleinen Stadt und hat einige Begegnungen

 

erste Begegnung

0107 19.07.14 die erste Begegnung der Närrin in der kleinen Stadt beginnt

andere gesellen sich dazu

0108 19.07.14 Begegnung - andere kommen hinzu

Nach der langen Zeit, allein mit Klabauter, ist sie sehr an neuen Geschichten interessiert, an Austausch auch-

Dialog I

0109 19.07.14 Dialog

II

0110 19.07.14 Dialog

III

0113 19.07.14 Dialog 3

sie schaut,

0112 19.07.14 sie schaut

sie staunt,

0111 19.07.14 da staunt die Närrin

sie zieht weiter …

0114 19.07.14 die Närrin zieht weiter

und das mache ich jetzt auch-

bye for now – geniesst den Sommer, wo auch immer noch …

ein paar Pausenfüller habe ich vorbereitet …

 

dancing in the rain

0119a 23.07.14 dancing in the rain

(draufklick = gross – noch einmal habe ich die Parkschönheit von Photoraum für diese Fotomontage genutzt, please click to enlarge – once again I took the beauty of a park of Photoraum)

der Sommer im Süden hat viel Regengeräusch, da hilft kein Jammer, nur ein Tänzchen oder zwei …

the summer in the south got a lot of rainnoises, there is no need to moan, but to dance one time and a second time …

die Närrin kehrt zurück

zwischen Frühling und Sommer

0100 Närrin und Klabauter gehen auf grosse Fahrt

Es hatte der Klabauter die Närrin mit sich genommen, von einem Frühling über den nächsten. Bis in den Sommer hinein, waren sie über die Weltmeere gesegelt. Die Eismeere hatten sie in der dunkelsten Zeit durchkreuzt. Alte Gespenster lehnten an den Masten, hingen in den Takelagen,

0101 15.07.14  Gespenster lehnten an den Masten, hingen in den Takelagen

Dämonen tönten aus der Tiefe des Schiffbauchs herauf.

Es war ein wilder Tanz. Nacht für Nacht.

0102 15.07.14 Dämonentanz im Schiffsbauch

Klabauter lachte, segelte mit dem Nordwind, den Polarstern im Auge. Nur allmählich tauten Frost, Angst und Schrecken. Neue Frühlingswinde wehten. Furchtlosigkeit hatte der Klabauter sie gelehrt. Nacht für Nacht.

Lass Zuversicht und Vertrauen wachsen, hörte sie ihn flüstern, als sie widerstrebend in den Schiffsbauch stieg. Schritt für Schritt, tiefer und tiefer ins Dunkle hinein, dem Getöne entgegen. Sie wuchs, Wärme und Weite in ihren Adern. Aus Abscheu und Angst wurde Empathie. Und wie sie begann die Ungetüme zu füttern, mit allem was sie von ihr forderten, schrumpften sie ins Nichts. Nun waren es andere, die ihr für den Aufstieg die Hände reichten.

Ein Jahr und noch etwas Zeit waren vergangen, bis Klabauter die Ufer der kleinen Stadt erneut erreichte. Er hatte die Segel gestrichen. Keine alten Gespenster lehnten mehr an den Masten, keins hing mehr in den Takelagen, keine Dämonen mehr weit und breit. Die Närrin trägt ein neues Kleid, einen Umhang für rauere Tage und einen neuen Hut. Sie ist leiser geworden. Ihre Freude ist still, als sie die kleine Stadt im Sommerkleid erblickt.

Viele waren gekommen.

Alte und neue Gesichter.

0103 15.07.14 die kleine stadt im sommerkleid begrüsst die närrin

blaue Stunde 11. Teil – Sommer in der kleinen Stadt

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Frauen und Männer, jung, alt und dazwischen, Mädchen und Jungen flanieren, radeln, sitzen, liegen und küssen an den Ufern des Rheins, der heute nicht blau ist, nicht grün, sondern lehmig braun. Es hat viel geregnet in den letzten zwei Wochen.

002

Ein Sommertag, an dem die Gedanken mit dem Milan auf den Winden segeln. Ich höre schwyzerdütsch, englisch, französisch, italienisch und einen spanischen Strassensänger, vor allem aber höre ich Gemurmel. Ich muss niemanden verstehen. Welch ein Luxus! Kein Wort für mich, keins von mir an ein Du. Keiner zieht, keiner will. Ich geniesse.

Dem Berg habe ich den Rücken zugewandt, bin hinabgestiegen ins bunte Sommertreiben einer kleinen Stadt. Ganz Voyeurin, ganz Flaneurin. Es gibt nichts zu tun. Nur Jetzt.

0104 16.07.14 Sommer in einer kleinen Stadt

Es ist noch nicht so heiss, dass Frauen in Bikinis, Männer in Badehosen in Scharen von den Häusern zum Rhein zum baden gehen. Nur viele nackte Füsse von Riemchen gehalten, blaue, rote und schwarze Fussnägel und wenn ich wirklich einmal schöne Füsse in hübschen Sandaletten sehe, spricht ihre Trägerin französisch. Viele Hemdsärmel, wippende Röcke und die obligatorischen straff hochgezogenen Herrensocken in braunen Wildledersandalen. Manches bleibt. Auch der schlechte Geschmack. Wie eben auch nackte Bierbäuche am Wegesrand, zwei Nummern zu kleine T-Shirts, die nur notdürftig die Übergrössen darunter verbergen. Aber ich bin ja in Basel. Da hält sich all das in Grenzen, mehr Freuden, denn Beleidigungen fürs Auge. Und  eine immer wiederkehrende Freude ist eben die Kunst auf der Strasse und in den Fenstern.

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Draussen sitzen, Espresso trinken, das Wasser danach, der Blick schweift und was er nicht bannt, macht der Stift auf dem Papier. Momentaufnahmen …

Es wird Abend in der kleinen Stadt. Ich schenke mir ein Lächeln. Lausche dem Saxophon, schaue den Tanz.

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Schlendernde Füsse, joggende auch, je tiefer die Sonne sinkt, umso mehr. Den I-Pod auf den Ohren. Verkabeltes Sein. Smartphones auf Objekte gerichtet, andere telefonieren beim flanieren. Ich schaue auf Hände, denen man ihre tägliche Arbeit ansieht und solche, die manikürt sind, die vielleicht tippen, statt graben … Rote Kleider sind rar geworden, lautes Lachen, leises Lächeln auch. Man redet. Angestrengt. Dabei ist es doch Sommer! Väter und Mütter führen ihre Kinder aus, Damen ihre Pudel. Nichts geht verloren. Keine der alten Geschichten. Neue müssen sich erst noch schreiben …

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