Ping Pong 034 und heute ein bisschen mehr

PING 033

GERDA AN ULLI → IM HÄUSCHEN AM RANDE DES WALDES …

PONG 033

ULLI AN GERDA → … WOHNT DIE ALTE MIT DEN SIEBEN SCHNEENAMEN

PING 035

ULLI AN GERDA → NICHTS GEHT VERLOREN UND …

draufklick = große Bilder – please click to enlarge

„Die Alte mit den sieben Schneenamen“ ist eine Zeichnung, die ich in dieses bearbeitete Bild eingefügt habe, bei ihr verbringt „Die kleine blaue Frau“ den Winter und wieder lernt sie Vieles … (s.u.)

Dieses Mal habe ich bei meinem Ping an Gerda in meine Mottenkiste gegriffen, es ist eine Zeichnung mit Ölkreiden und Bleistift aus dem Jahr 1999, ich mag sie noch immer sehr und vieles geht mir dazu durch den Kopf, aber im Vordergrund steht noch immer der Tag, an dem ich dieses Bild gestaltet habe, es war ein sehr schöner Tag!

Woran du wohl denkst, wenn du es betrachtest?

Nun bin ich, wie immer, auf deins und auf Gerdas Pong dazu gespannt.



WAS BISHER GESCHAH → https://cafeweltenall.wordpress.com/galerien/ping-pong/

DIE IDEE→ https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/02/05/ping-pong-001-2019/



FÜR MEINE NEUEN LESER*INNEN → LINKS zur KLEINEN BLAUEN FRAU und EIN AUSSCHNITT AUS MEINER NOVELLE „DIE KLEINE BLAUE FRAU TRÄUMT MEER“ (Die leider immer noch nicht veröffentlicht ist) – HIER ZU DER ALTEN MIT DEN SIEBEN SCHNEENAMEN und EIN ÄLTERES BILD DAZU.

Die Alte mit den sieben Schneenamen sagt nie ein Wort zu viel und nie eins zu wenig. Ruhig ist ihr Gang und Wirken. Sie sagt zur kleinen blauen Frau:

„Es gibt keinen Grund zur Euphorie und keinen für die Depression.“ Sie essen die Suppe, sie löschen die Kerzen, sie gehen zu Bett. Am nächsten Morgen begrüßt die Alte die kleine blaue Frau mit einem Lied:

Wir sind Sterne, die singen können. Wir singen unser Licht. Wir sind Feuervögel. Wir fliegen über den Himmel. Wir alle sind wie der Wind, eingehüllt in leuchtende Flügel. Unser Licht ist eine Stimme. Wir bauen eine Straße des Übergangs für die Seelen, die gegangen sind…“

(frei übersetzt nach dem Lied von Dead can dance: Song of the stars)

Ein letztes Mal hackt die kleine blaue Frau das Holz, schürt sie das Feuer, kocht sie die Suppe, da hört sie das Eis krachen. Leise singt sie ihr Leben, träumt sich leuchtende Flügel. Sie wird gen Osten ziehen. Ein warmer Wind schiebt den winterlichen Nebel über den See zurück, erste Sonnenstrahlen wärmen ihr nacktes Gesicht.

Zusammen stehen die Alte mit den sieben Schneenamen und die kleine blaue Frau am nächsten Morgen vor der Türe und singen den Wind. Es kommt das weiße Rentier Mirandash pyree auf seinen durchsichtigen Schwingen heran. Es schaut die kleine blaue Frau, es spitzt die Ohren. Es hört und riecht die kleine blaue Frau. So geht es eine lange Weile, bevor es spricht:

„Du hast die Lieder der Toten gelernt, du hast die Tänze der jungen Frau getanzt, du hast dein Sommermädchen wachgeträumt, du hast das Ist getanzt. Du bist nicht allein. Dein Volk steht in deinem Rücken, die Alte mit dem erdigen Gesicht wohnt in deinem Herzen, gleich neben dem geheimen Gedicht. Du hast deinen Platz gefunden, du hinterlässt keine Spuren. Du singst dein Lied leise. Du hast dein Gesicht gefunden und alle Masken brannten. Du hast das Lied der Erde gelernt, das von der Wiederkehr und das der Steine. Du kennst jetzt keine Eile mehr. Du bist genügsam geworden und zufrieden mit dem was ist. Du hast gelernt für dich und andere zu sorgen, hast das Holz gehackt, das Feuer gehütet, die Suppe gekocht, den alten Büffel gefüttert. Du hast gehandelt und gedient, du hast geträumt und gesehen, gehört und nachgedacht. Nun trage ich dich über den See Richtung Osten, zur Schwarzen mit dem ewigen Gesicht.“

Die kleine blaue Frau nimmt ihren grün-blauen Mantel vom Haken, der rote Faden ist ein Stück weiter durchs Gewebe mäandert. Sie nimmt den Rucksack, der steht schon neben der Tür.

Vor der Tür steht die Alte mit den sieben Schneenamen, sie trägt ihre Kappe mit dem Geweih, der alte Büffel steht an ihrer Seite. Noch einmal schauen sie sich an, eine Wiederkehr ist ungewiss. Dank nickt die kleine blaue Frau ihnen zu. Dann steigt sie auf den Rücken von Mirandash pyree. Es breitet seine durchsichtigen Flügel aus, sie fliegen über den See Richtung Osten.

© Ulli Gau

https://cafeweltenall.wordpress.com/2015/01/16/nicht-identisch/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2015/02/14/die-kleine-blaue-frau-und-die-welt/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2015/01/26/die-kleine-blaue-frau-iii/

Abschied …

… und ein Wiedersehen

Gedankenfäden 006

Stelle dir die chinesische Mauer vor. Sie ist 21.196,18 km lang. Am östlichen Ende steht eine Frau, Marina Abramović, am westlichen Ende steht ein Mann, Ulay (Uwe Laysiepen). Neunzig Tage gehen sie aufeinander zu, um sich nach je 2.500 km und 12 Jahren intensiver Liebesbeziehung und gemeinsamer Arbeit voneinander für immer zu verabschieden. Das war 1988. Wiederum 12 Jahre später sehen sie sich während einer Performance von Marina Abramović im MoMa in New York wieder. Marina Abramović wusste nicht, dass sich Ulay ihr als Einer von Vielen gegenüber setzen würde.

Ich kann dieses Video nicht anschauen, ohne zu weinen. Tiefe Seelenberührung. Ich weiß nicht, ob ich sie Trauer nennen kann.


Viele Kilometer sind auch wir gegangen, voneinander weg. Abschied ist schmerzhaft. Immer. Wann wir uns wiedersehen? Wer weiß das schon. Noch gehe ich der Mündung entgegen. Wohin dein Weg dich führt liegt für mich im Dunkeln. Keine Worte. Jetzt. Ein Gefühl. Viele Gefühle. Kein Stachel mehr. Die neue Haut wächst langsam. Lebewohl sagen heißt dem anderen Wohl in seinem Leben wünschen. Das ist wieder keine unserer Fragen.

In ihrem Neu steht das alte Schatzkästchen. Das, mit dem roten Band darin. Erst wenn sich die Erinnerungen abgenutzt haben, wird sie es öffnen. Erst dann wird sie noch einmal dem roten Band folgen, vom Rot des Inkarnatklees bis zu dem Haus mit dem Garten. Bis dahin wird sie das Kästchen von Zeit zu Zeit abstauben, es von hier nach da rücken, in ihrem Neu. Manchmal wird sie in Versuchung geraten. Sie wird warten, bis es nicht mehr schmerzt.

Es geht nichts verloren.“ Die kleine blaue Frau steht auf, sie lacht. Sie lacht und lacht. Rot und blau tanzt sie durch den Wald, aus seinen Wurzeln steigt das Lied vom Leben und Sterben. Die kleine blaue Frau vergräbt die Schachtel mit dem roten Band unter den Wurzeln der uralten Buche, sie lauscht dem Gesang des Himmels. Jetzt ist ihr Mädchen zu neuem Leben erwacht. Es tanzt rot mit ihr durch die Sommerbäche.

Ausschnitte aus: Die kleine blaue Frau träumt Meer © Ulli Gau

Auf dem Weg haben sich Schemen gezeigt, sie sind Figur geworden. Ich singe mein Lied.



MenschSein -eine ART wie man sich selbst begegnet

Schaukel

Die kleine blaue Frau sitzt auf der Schaukel, vor und zurück, vor und zurück. Sie wundert sich, sie ist traurig, wütend auch. Es schien doch alles einmal gut. Damals, als sie zurück zum Hafen ging. Sie erinnert sich:

Der Hafen ist von hier nicht weit. Sie hört schon Schiffe tuten. Sie erkennt das alte Lied in Moll der Abfahrt und Ankunft, der Reisen mit und ohne Wiederkehr. Die kleine blaue Frau hat den grünblauen Mantel mit dem rot mäandernden Faden angezogen, darunter leuchtet das rote Kleid. Ihren Rucksack trägt sie auf dem Rücken. Mit geradem Rücken schreitet sie die Gangway der Fähre hinauf. Sie dreht sich nicht um. Ihr Blick geht geradeaus, ihre Zeit ist jetzt. Sie singt das Lied der Alten mit den sieben Schneenamen:

Wir sind Sterne, die singen können. Wir singen unser Licht. Wir sind Feuervögel. Wir fliegen durch den Himmel. Wir alle sind wie der Wind, eingehüllt in leuchtende Flügel. Unser Licht ist eine Stimme. Wir bauen eine Straße des Übergangs für die Seelen, die gegangen sind, für die Seelen, die gegangen sind.“

(frei übersetzt nach dem Lied von Dead can dance: Song of the stars)

Vor und zurück, vor und zurück. Sie schaut noch immer nach vorne, aber schwer ist wieder ihr Schritt. Sie will sich erinnern, auch an all die Lieder, die sie einst gefunden hat:

Zusammen stehen die Alte mit den sieben Schneenamen und die kleine blaue Frau am nächsten Morgen vor der Türe und singen den Wind. Es kommt das weiße Rentier Mirandash pyree auf seinen durchsichtigen Schwingen heran. Es schaut die kleine blaue Frau, es spitzt die Ohren. Es hört und riecht die kleine blaue Frau. So geht es eine lange Weile, bevor es spricht:

„Du hast die Lieder der Toten gelernt, du hast die Tänze der jungen Frau getanzt, du hast dein Sommermädchen wachgeträumt, du hast das Ist getanzt. Du bist nicht allein. Dein Volk steht in deinem Rücken, die Alte mit dem erdigen Gesicht wohnt in deinem Herzen, gleich neben dem geheimen Gedicht. Du hast deinen Platz gefunden, du hinterlässt keine Spuren. Du singst dein Lied leise. Du hast dein Gesicht gefunden und alle Masken brannten. Du hast das Lied der Erde gelernt, das von der Wiederkehr und das der Steine. Du kennst jetzt keine Eile mehr. Du bist genügsam geworden und zufrieden mit dem was ist. Du hast gelernt für dich und andere zu sorgen, hast das Holz gehackt, das Feuer gehütet, die Suppe gekocht, den alten Büffel gefüttert. Du hast gehandelt und gedient, du hast geträumt und gesehen, gehört und nachgedacht…

Wieder hat die kleine blaue Frau ihre Lieder leise gesungen, das vom Leben und Sterben und von der Erde zuerst, dann das der Steine.

Auf ihrem Weg über die Ebenen hat sie noch andere Lieder gelernt: das von den sieben Richtungen, den acht Winden und den fünf Elementen, dem Oben und Unten und das von der Mitte. Sie hat das Lied der Schmetterlinge gelernt und das der Bärin, das weise Lied der Raben und das Lied von der Maus, die auszog die heiligen Berge zu finden.

Sie hat das Wacholderlied gelernt und das Lied der Birken, das der Goldrute und der Engelwurz und viele andere mehr. Sie hat mit den Winden getanzt, sie singt alle ihre Lieder, eins nach dem anderen inmitten der weißen Kieselsteine, umringt von den unsichtbaren Namen. Nur das Lied der Wiederkehr tönt doppelt aus ihr heraus, in einer hohen und in einer tiefen Lage.

(Ausschnitte aus: Die kleine blaue Frau träumt Meer)

Vor und zurück, vor und zurück, sie springt von der Schaukel und geht weiter. Sie dreht sich nicht um. Ihr Blick geht geradeaus, ihre Zeit ist jetzt.


Anmerkung

Ich habe zwischen den Jahren das obige Bild: „Alle Masken brannten“, überarbeitet und auch noch einmal meine Novelle „Die kleine blaue Frau träumt Meer“. In der nächsten Woche werde ich den Schritt wagen und mich schlau machen, wieviel ein Eigendruck kosten wird, um dann hundert Stück drucken zu lassen und zum Verkauf anzubieten. Die Verlage beißen nicht an und mir ist das ganze Gewese auch zunehmend suspekt. Ich mag diese Geschichte und möchte sie gerne in der Welt wissen.

Warum ich dies schreibe? Weil ich gerne wüsste wieviel Interesse hier, in diesen Kreisen, an der Novelle besteht, danke für eine Rückmeldung, egal, wie sie ausfallen wird!

Sonntagsbilder

0003 Spinne und roter Faden

Ich schrieb es schon: die Novelle „Die kleine blaue Frau träumt Meer“ ist abgeschlossen. Nun habe ich ein Exposé geschrieben und es an einen Verlag gesendet, der wunderbare Bücher macht und verlegt. „Machen“ bezieht sich in diesem Fall auf das Design. Ich muss geduldig sein. Sie müssen sich durch Vieles lesen. Zeit, um noch das eine und andere Bild mit der kleinen blauen Frau zu kreieren.

Die kleine blaue Frau sitzt in der Stube. Grüne und blaue Schiffchen gleiten über goldgelbe Kettelfäden. Alte Spinne kommt aus ihrer Ecke, sie schenkt ihr einen roten Faden, dann kehrt sie um. Sie wartet auf die letzte Fliege, November steht auf dem Kalenderblatt. Goldene Blätter wehen über Wege und Wiesen. Die Schiffchen tanzen auf und ab, grün und blau in unregelmäßigem Wechsel, ein rotes kommt hinzu. Es schlingert durchs Gewebe.

© Ulli Gau

Und weil ich ab morgen für eine längere Weile nicht hier sein werde, möchte ich euch noch ein paar Lieblingsbilder aus dem Februar zeigen. Doch zuvor wünsche ich euch allen eine gute Zeit. Danke für eure vielen Kommentare und Likes in den vergangenen Wochen, für so manch tolles Projekt, auch hinter den Kulissen.

Wir lesen uns im Frühling wieder – am 20. März hält er Einzug, ich jubiliere!

001 Gesicht

Rostliebe

0095ab 28.02.16 begegnung

Mit oder ohne?

0036 24.01.16 die Alte

„Die kleine blaue Frau geht zum See, sie hackt neue Löcher in das Eis, sie will auf den Grund sehen. Heute schwimmen keine Fische vorbei, kein kleiner und kein großer. Jetzt ist es also bald soweit. Als sie sich umdreht, sieht sie die Alte mit den sieben Schneenamen in die Hütte gehen, auf dem Kopf trägt sie die Kappe mit dem Geweih.“

aus meiner Novelle: Die kleine blaue Frau – copyright Ulli Gau

Nun ist es fast getan, noch ein Kapitel, dann folgt die Überarbeitung und dann die Verlagssuche. Aber will ich das wirklich? Noch einmal?

Und will ich die Novelle bebildern oder nicht? Es gibt noch viel zu denken und zu entscheiden …

Rückblick – 11 –

Ein Phoenix wurde geboren

Wüstengeburt

Erst war der Kokon, dann ein goldenes Ei in der Wüste. Dann ein Phoenix.

Ein Schmetterling überlebt den Winter nicht, sagte letztens Gerda Kazakou in einem Kommentar an mich. Ein Phoenix müsste das schaffen.

(Ich höre ein Geräusch aus der Ferne… Kann ein Phoenix lachen?)

Der November war reich. Ich schrieb an der Geschichte der kleinen blauen Frau und schrieb mich dem Finale entgegen. Wandel und Verwandlung sind grosse Themen der kleinen blauen Frau. In der Welt sind sie es sowieso. Immer!

Hierzu passt jetzt das Horoskop für 2016 von Luisa Francia →

Der November hatte viele Gesichter und war noch lange ungewöhnlich golden und bunt.

Bei allen persönlichen Freuden und dem Phoenix und überhaupt, es gab auch den 13. November – der Tag der Anschläge von Paris – spontan wollte ich nur noch säckeweise Liebessamen säen.

Dass nun deutsche Soldaten in Syrien sind, dass dieses ganze Säbelrasseln weitergeht, das muss ich nicht sagen … dass ich dagegen bin, wohl auch nicht.

Ich werde nicht müde werden, mich für den Frieden in der Welt einzusetzen, wenn ich ihn vielleicht auch in meinem Leben nicht mehr erleben werde. Resignation ist für mich keine Lösung. Resignieren hiesse für mich der anderen Seite eine Macht geben, die sie zwar faktisch hat, die ihr aber nicht gebührt! Wie war das noch gleich? „Keine Macht für niemand!“ Da komme ich her, daran halte ich fest, Wandel hin oder her. Nenne mich konservativ …

In diesem Zusammenhang möchte ich euch auf zwei Beiträge aufmerksam machen:

I. Bei Graugans fand ich am 14. Dezember einen wunderbaren Beitrag über HAP Grieshaber und sein Projekt: „Der Engel der Geschichte“. Auch so Einer, der mir einfach Mut macht immer weiterzumachen und mich dabei immer und immer wieder für eine gerechtere Welt einzusetzen. Verschiedene Menschen haben verschiedene Talente und Ressourcen- die einen haben Worte, die anderen Bilder, die nächsten Musik, die übernächsten Tatkraft, die überübernächsten sind die TräumerInnen, die VisionärInnen, ZauberInnen, Närrinnen und Narren und … Für den Wandel in der Welt braucht es alle Medizinen! Stark wird, was genährt wird.

II. SalvaVenia schreibt über den Islam → ja, das braucht Zeit, aber es lohnt sich! Bis heute, 14.12. sind schon 4 Artikel dazu erschienen. Ich habe bislang den ersten gelesen, der mir viel Gedankenfutter schenkte. Die nächsten lese ich, wenn ich meine persönlichen Rückblicke abgeschlossen habe. Bald!

Zurück zum November: die alte Fährfrau aus meiner Geschichte der kleinen blauen Frau bekommt eine erstaunlich junge Gestalt→

Sie segelt wider jeglichem Hass, denn ihr Herz ist Liebe geworden, in all den Jahren des Hinundwiederzurücks. Leise singt sie ihre Lieder durch die Nacht. Sie kennt keine Angst und keinen Tod.

Wider jeglichem Hass


Phoenix gross © Beautiful-phoenix-designed-in-Photoshop-by-digital-fantasy-artist-Sandara -Ich bedanke mich

Rückblick – 6 –

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Im Juni war ich beschäftigt. Der Urlaub war vorbei, die Arbeit rief. Ich fühlte mich wie die verpuppte Raupe, die erst noch ein Schmetterling werden will. So, wie der Sommer, der erst noch ein Sommer werden wollte.

Rituale unterstützten und nährten. Der Kreis hielt, die Trommel trug jenseits und diesseits des Zauns.

Am Ende des Monats entdeckte ich die Künstlerin Marlene Dumas. Ihre Bilder hinterließen Abdrücke.

marlene dumas

Abdrücke hinterließ auch Irgendlink mit seiner Reise zum Kap. Im Juni radelte er los, ich folgte seinen Rad-, Bilder- und Gedankenspuren fast täglich in eins meiner Lieblingsländer: Lappland, nun aus Irgendlinks Sicht.

Zusammengefasste Junitexte:

Der eine radelt nach vorne, die andere wirft Blicke rückwärts über die Schulter. Mutig haben mich die Freundinnen und Freunden genannt und über meine Schüchternheit hinweggelacht. Sie sahen nicht hinein, sahen nur mein junges Rund und in die immer so blauen Augen, den roten Mund.

Was waren wir noch so jung und wie schnell ging auch das vorbei! Mittendrin die zähen Ewigkeiten, ungeduldiges Scharren und die gute alte Melancholie. Sie war nicht Freundin, sie war einfach da. Und wenn gerade einmal nicht, dann tanzten die Füße über die bergischen Landhügel und über Bühnenbretter, die dann doch nicht die Welt bedeuteten.

Und dann all dieses Begehren! Wieso gerade mich? Das verstand ich damals nicht. Darin war ich nicht Zuhause. Ich sehnte mich, hilflos. Erkannte die Prinzen im Spiegel nicht, sah nicht meine Kaiserinnenkrone, hatte das Spiel noch nicht gelernt.

Melancholie saß im grünen Zimmer. Leise sehnte sich die junge Frau und verschwand hinter den Spiegeln. Sie schlitterte über biergetränkte Altstadtböden und schwamm mit den Freundinnen und Freunden nackt im Mondenschein. Kein Prinz in diesen Zeiten. Kein Prinz, kein Wrack, es geht nicht, es stimmt nicht und immer wieder Luft anhalten. Das Herz schlug dumpf hinter den Ketten von nein und klein und ja und viel zu groß.

Manchmal ist der kleinen blauen Frau die Welt zu groß, dann bleibt ihr nur ihr Staunen. Manchmal ist ihr die Welt zu laut, dann geht sie in die Stille. Sie träumt das Blau der Berge, des Himmels, des Wassers und des Nichts.

Die kleine blauen Frau – ein Ausschnitt © Ulli Gau

020 26.01.15 kleine blaue Frau und die Welt

Juni 2015 … und plötzlich hatte ich noch einmal Geburtstag. Eine Freundin kam und brachte Geschenke, von sich und zwei anderen. Wie habe ich mich gefreut! Drei Frauen, die an mich dachten, als wir uns treffen wollten und ich wieder einmal in diesem Jahr absagen musste. Noch immer überwog die Schwäche. Die verpuppte Frau wartete auf ihre Stunde.

Rückblick 2015 – 1

Letztes Jahr um diese Zeit erstellte ich aus den Bildern eines Monats Collagen. In diesem Jahr nehme ich je ein Foto und eine Fotomontage aus einem Monat und spüre nach. Zur Wintersonnenwende werde ich, wie in jedem Jahr, destillieren, da will ich vorbereitet sein. Wie ich mich auf die Rauhnächte freue! Aber nun zum Rückblick:

Januar 2015

Die Geburtsstunde der kleinen blauen Frau ist am 06. Januar 2015. Hier im Blog erscheint sie zum ersten Mal am 16. Januar

008 06.01.15 die kleine blaue Frau träumt Meer

Samtmut schrieb mir am 11. November diesen Jahres: „Die kleine Frau (Träumerin) ist von Heinrich Vogeler, über 100 Jahre alt und damit gemeinfrei.“

Als ich die kleine blaue Frau im Netz entdeckte, war sie eine Gestalt auf einem weißen Hintergrund. Darunter stand: Künstler/Künstlerin unbekannt … Ich schnitt sie aus, montierte sie in eins meiner Ostseebilder und ließ das Bild wirken, bis ich diese Zeilen schrieb:

Die kleine blaue Frau träumt Meer. Sie träumt Möwen an den Horizont. Weiß, wie manche Tauben.

Und nun schaut mal das Original:

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Das glaubt mir jetzt doch kein Mensch, entfuhr es mir. Ungläubig starrte ich auf das Bild. Nicht nur, dass Vogeler das Bild die Träumerin nannte, auch sitzt sie, wie auf meiner Montage, auf einem Stein in den Dünen am Meer …


Der Januar war bei uns schnee- und eisreich. Ich machte den einen und anderen Gang durch die winterliche Welt, und fand diesen roten Engel im Schnee (oder fand er mich?):

Januar 2015 2

Die Engel und ich, das ist eine Geschichte für sich. Ich umkreise sie, ähnlich, wie es Jürgen Küster und Susanne Haun in ihrem Projekt double bind getan haben. Es schien mir, als ob Susanne wenig Mühe mit den Engeln hatte, während Jürgen, ähnlich wie ich, ihre Gestalt, ihr Sein oder Nichtsein umkreiste.

(Die Bilder von Jürgen und Susanne findet ihr hier →)

Jürgen hat mich in diesem Jahr auf seiner Buchalov Freundestour besucht. Neben vielem anderen waren auch die Engel Thema. Kaum war er weitergereist, widmete ich mich ihnen noch einmal, neue Montagen enstanden. Wofür fragte ich mich nicht, es war nur eine weitere Umkreisung. Jetzt finden sie Platz in dem Projekt der 24 Tage oder Türen von Graugans, mit der Überschrift: Mutmaßungen über Engel …

Ich schrieb es schon öfters, dass meine Seele, mein Selbst oft mehr weiß, als mein Ich. Erst im Rückblick erkenne ich den roten Faden, sehe ich, dass er ein Stück weiter durch mein grünblaues Lebensgewebe mäandert ist.

In dem Artikel von Mützenfalterin am 01. Dezember fand ich einen Satz von Marica Brodozic, der mich bewegt: […]” aus dem Unerklärbaren kommt auch alle Poesie. Wir brauchen eine Poesie des Lebens, eine Poesie des Lichts, die uns Forscher unseres Selbst werden lassen […]“

Die kleine blaue Frau ist in diesem Jahr mein Forschungsprojekt geworden. Auch sie weiß mehr als ich. Sie resoniert und tanzt mit dem Unerklärbaren, sie ist Wanderin und Finderin.

Zurück zu dem roten Engel im Schnee. Ich sehe einen abgebrochenen Flügel und rote Tränen im Schnee oder sind es Blutstropfen? Ist er ein gefallener Engel? Und was ist mit seinem zweiten Flügel passiert?

Dieses Jahr ist es nicht friedlicher geworden. Es gibt nicht weniger Kriege, nicht weniger Gewalt, noch immer schraubt sich die Spirale in die Höhe und Tausende kämpfen mit den Wellen im Meer, viele sind ertrunken. Wer weiß, was dieser rote Engel weiß!

Fortsetzung folgt

WüstenEi

Zuerst war die Wüste,

003aa DSC_0029

dann das Ei.

0220 25.10.15 WüstenEi

Die heisse Wüstensonne brütet das Ei. Es wächst, seine Schale bekommt Risse, es verliert seine Kappe. Ein Phoenix ist geboren. Fünfhundert Jahre wird er kreisen. Er wird hier und da eins seiner goldenen Eier verlieren, dann wird er verbrennen.

0255 29.11.15 Geburt

Willst du wohl sterben, so lerne wohl leben; willst du wohl leben, so lerne wohl sterben.

… Ich sage dir: „Jetzt, wo ich diese Freiheit gekostet habe, habe ich nicht die Absicht, wieder zurückzustecken. Ich werde so weiterleben, als würde ich bald sterben …

aus dem Buch: In unnütz toller Wut von Maarten ‚t Hart

„Spät im Jahr trägt die kleine blaue Frau alte Schichten ab. Sie schreibt ihre Geschichte neu. Alte Häute fallen. Alte Häute, die sie nicht mehr braucht. Sie wirft sie ins Feuer. Neue Häute wachsen, an den Fußsohlen zuerst. Stürme haben Schnee und Frost dem Land gebracht.

Die kleine blaue Frau sitzt am Feuer. Sie lauscht dem vergehenden Jahr.

Sie ist durch das frühe Jahr gelaufen, den heißen Sommer hindurch und durch den bunten Herbst. Sie hat das Meer geträumt und dann die Wüste. In der Wüste lag ein Ei. Es wurde von der Sonne bebrütet. Es wuchs, seine Schale bekam Risse, es verlor seine Kappe. Ein Phoenix wurde geboren. Fünfhundert Jahre wird er kreisen. Er wird hier und da eins seiner goldenen Eier verlieren, dann wird er verbrennen.

Die kleine blaue Frau schreibt ihre Geschichte neu. Allein, ihr Standort ist geblieben. Es brennt ein Feuer durch die Nacht.“

ein Ausschnitt aus der kleinen blauen Frau © Ulli Gau

Vorwärts

0244 24.11.15 Wächter

Viele Tage wandert die kleine blaue Frau über hohe Berge, durch tiefe Wälder. Sie trinkt das Wasser der Bäche, sie isst hier und da eine Beere vom Wegesrand. Sie fürchtet sich nicht. Sie singt das Lied der Wiederkehr. Am siebten Tag sieht sie in der Ferne den Bestimmungskreis. Zwei Wächter stehen davor.

0244a 24.11.15 Wächter

Die Strasse der Entscheidung liegt hinter ihr. Lange hat sie in der Todeshütte gesessen. Es kam, wer kam. Abschied und Vergebung, letzte Liebesworte wurden gesprochen. Dann ist es still geworden. Verstummt ist selbst das geheime Gedicht.

Die kleine blaue Frau schaut nicht mehr zurück. Es gibt nur noch eine Richtung, eine Zeit. Sie singt das Lied der Steine. Jetzt.

0244ab 24.11.15 Wächter

Vorwärts schreitet die kleine blaue Frau. Nebelschwaden ziehen über das Land …

ein Ausschnitt aus der „Kleinen blauen Frau“ copyright Ulli Gau

Ich danke sehr herzlich Finbar von Finbarsgift für den „bunten Hund“ 🙂 für mich war er schon beim ersten Anblick ein Wächter- ich muss mal Höhleneingänge fotografieren ….