Erinnerungsschaukel 07

 

V A T E R

1.

Als ich noch sehr klein gewesen bin, fuhr ich mit der Mutter den Vater besuchen. Wir kamen in ein fremdes Land. Dort gab es ein Meer, Sand, Felsen und einen roten Ball. Das Meer holte sich den roten Ball. Das Land den Vater.

2.

Als ich jung war, trieb mich eine diffuse Todessehnsucht. Ich war die Steppenwölfin. Ich trank billigen Weinbrand, den ich Cognac schrieb. Ich saß in Spelunken. Nur schreibend war ich mir nah.

Langsam nur lernte ich den Lebenden näher als den Toten zu sein.

3.

Der Alptraum hieß „nie-mehr“. Nie mehr würde Vater König wiederkommen. Ich fiel ins Dunkeltal und schwieg. Mit viereinhalb Jahren war ich Inanna gleich. Nackt hing ich am Haken. Meine Retterin war nicht die Dienerin, ich nannte sie Oma.

4.

Als ich durch Bilbao fuhr, war ich fünfunddreißig Jahre alt. Ich suchte noch immer deine Gestalt hinter den Palmen, erkannte aber nur einen Brunnen. Ich suchte dich in jedem Mann. Der an meiner Seite war es nicht. Mir warst du König. Ich war deine Prinzessin. Du trugst mich auf Händen, bis sie nichts mehr tragen konnten.

5.

Der Vater ist tot, Opa und Oma auch. Aber nur einmal bin ich Inanna* gewesen.

2016


* https://de.wikipedia.org/wiki/Inanna


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Rückblick – Februar 2014

c rückblick febr. 2014

(draufklick = gross)

Viel Wasser rauschte durch Täler und Nächte. Gitter, Zäune, eingeklappte Kräne, eingesperrte Räder verstellten Blick und Weite. Wo hängen die Kokons der Schmetterlinge im Februar? Es ging Inanna tief hinab, gab alles her- ihre Nacktheit an einem Haken hing. Es musste jemand kommen, es kam die treue Dienerin. Viel Wasser rauschte durch Täler und Nächte. Es ruderte der alte Fährmann heran, der im grauen Mantel und schenkte neue Ufer.