Künstlerin sein

It’s me, my life, my way

Selbstporträt 2016 – Self-Portrait 2016

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Louise Bourgeois*

Der Masoschismus artikulierte sich zur Zeit der Femme Maison in dem Gefühl, dass ich nicht das Recht hatte Künstlerin zu sein. Das war ein Privileg. Versteht man aber die Kunst als Privileg, so denkt man per definitionem, dass man es nicht verdient. Man verweigert sich andauernd etwas – man verleugnet sein Geschlecht, man versagt sich die Werkzeuge, die ein Künstler benötigt -, weil es einen Geld kostet Bildhauer zu sein. Betrachtet man die Kunst als Privileg statt als etwas, das der Gesellschaft nützt, so muss man sparen und für seine Kunst leiden …

In diesem Masoschismus finde ich mich immer mal wieder. Leider.

Ich bin es, die sich die Felsbrocken auf den Weg rollt. Die Umkehrung ist die eigene Wertschätzung für meine Ideen und Werke und sie der Welt zur Freude und zum Nutzen zu zeigen und zu präsentieren.

Es geht um die Schöpfungen, weniger um meine Person, die im weitesten Sinne Schöpfkelle und Schöpfende zugleich ist, um das zu schöpfen, das schon im Raum ist. Unsichtbares sichtbar zu machen. Liebende, wertschätzende AugenBlicke zu zeigen (Fotografie). Unterbewusstes aufsteigen und sich in einem Bild manifestieren zu lassen (Fotomontagen).

Es geht nicht um Traumlandschaften. Sondern? Es geht um innere Landschaften, die sich im Außen zeigen. Wie entstehen sie? Äußeres dringt nach Innen, verquickt sich dort mit Gefühlen, inneren Haltungen und Bildern, zusammen kehren sie als ein neues Ganzes ans Licht zurück.

Ich nenne das Verdauungsprozess, Transformation, Schichtenerforschungen, Wurzel- und Sedimenterkundungen.

Es geht auch um die gegenseitige Befruchtung/Inspiration. Das eine Wort, das das andere gibt, das eine Bild, die eine Formulierung, die eine Redeweise, die eine Melodie, die eine Form, die in mich hinein schwingt, neue Worte, neue Sätze, neue Bilder wachsen. Ein freudiges, ein nachdenkliches, auch ein zorniges Hin und Her, ein Ping Pong der Außen- und Innenkräfte.

Bremsen sind die Scham, die zeitweilige Minderwertigkeit. Letztere schürt Ängste, stachelt sinnlose Vergleiche an, lässt Sockel und Siegertreppchen auf- und abbauen.

Erkenntnisse fördern Zuversicht und beflügeln Schritte.

Eine alles im Gleichgewicht haltende Waage gibt es nicht, nur die täglichen Bemühungen sich selbst Waage und Ausrichtung zu sein.

Und dann wieder liege ich auf der Erde und lausche ihrem Lied.


To my English readers: unfortunalety I am not able to translate my textes into English, it would take too much time. I am very sorry about this.


* Donald Kuspit – Ein Gespräch mit Louise Bourgeois – Piet Meyer Verlag – ISBN 9 783905 799132

Ping Pong 064

PING 064

GERDA AN ULLI → WAS SOLL ICH BEWAHREN, WAS SOLL ICH WEGWERFEN, WENN …

PONG 064

ULLI AN GERDA → … ES ZEIT WIRD LOSZULASSEN?

PING 065

ULLI AN GERDA → WAS WEISS MAN MIT SIEBZEHN VON DER LIEBE, WAS WEISS MAN …

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Hier geht es zu allen bisherigen PingPongs → https://cafeweltenall.wordpress.com/galerien/ping-pong/.

DIE IDEE→ https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/02/05/ping-pong-001-2019/

Wintereinbruch, Fragen und Musik

Kalt ist es auf dem Berg geworden. Das Morgenritual hat sich der Jahreszeit angepasst: Kaffeewasser aufsetzen, Ofen anmachen, Kaffee brühen und dann trinken und eine Stulle dazu. Die Wohnung wird schnell warm, ich schreibe, ich lese, ich sitze im Lesesessel und schaue dem Tanz der Flammen zu, je nachdem. Von innen und außen aufgewärmt ziehe ich den dicken Pullover über, die Schaffellweste darüber, die dicken Socken habe ich eh schon an den Füßen, dann schlupfe ich in die Gummistiefel, nehme den Holzkorb und gehe nach unten Holz holen, zwei-, dreimal. Danach ist mir richtig warm und die Frische der Luft liegt auf meinem Gesicht.

Am Sonntagmorgen war es, als wieder über Nacht eine feine Schneedecke meine Terrasse bedeckte. Auf der Terrasse, über die ich gehe, wenn ich nach unten in den Hof will oder überhaupt die Wohnung verlasse. Die Schneeschippe steht gleich neben der Haustüre und so habe ich also erst einmal noch Schnee geschippt. Meditativ und versonnen räumte ich das erste Mal den Holzkorb ein und dachte: das nenne ich ehrliches Leben. Und dabei bin ich geblieben, ohne es weiter zu hinterfragen, ich weiß ja, was und wie ich es meine.

Später lasse ich Revue passieren und denke an alle die Menschen in meinem Umfeld, die gerade steinige Wege gehen, über Hürden springen oder vor ihnen stehen, manche Sätze klingen in mir nach und ganz besonders ein Wort sticht heraus: Überforderung. Und ich denke an die Frage einer Freundin am Sonntagabend: „Du musst jeden Morgen den Ofen anmachen, damit du es warm hast?“ Ja, das muss ich und das will ich. In mir schwingt das Wort „Reduktion“, Leben um das Wesentliche herum, wohin ich mich wieder bewege, aber auch, trotz Ofen, noch immer ein Stück entfernt bin. Diese Art von Leben fordert auch meinen körperlichen Einsatz: Holz holen zum Beispiel oder Schnee schippen oder die Gartenerde beackern, damit sich z.B. die Brennnesseln nicht zu sehr ausbreiten. Ich glaube aber auch, dass all das jung und beweglich bleiben bedeutet. Das denkt und empfindet übrigens auch teggytiggs → https://meinexperimentlebenblog.wordpress.com/2017/11/20/wintervorbereitung-3/

Heute Morgen im Badezimmer kommt ein anderer Gedanke: die Menschen (damit schließe ich mich selbstredend mit ein) bauen sich ihre Gefängnisse selbst, die Stäbe sind u.a. die Worte:„Ich-muss“, „Ich-kann-nicht“ und „Ja-aber“.

Und dann noch einmal die Überforderung: ich überlege, ob jede kleine Müdigkeit, nach getaner Arbeit, gleich Überforderung ist? Wieso, frage ich mich weiter, habe ich meine Großeltern nie, auch selten meine Mutter das Wort Überforderung aussprechen hören oder das Wort Stress? Ich erinnere mich, dass sie einfach die Füße für ein halbes Stündchen hochlegten, ob nun nach dem Mittagessen oder wenn die Mutter am frühen Abend aus dem Kaufhaus kam, wo sie Stoffe verkauft hatte, und dann ging es eben weiter. -M-

Versteht mich bitte nicht falsch, natürlich gibt es gerade in der heutigen Zeit auch Überforderungen, und doch lohnt es sich vielleicht einmal genauer hinzuschauen.

Was hat das zum Beispiel mit der hochstilisierten Individualität zu tun, bei gleichzeitig zunehmender Vereinsamung?

Was, mit den modernen Medien, der Informationsflut und/oder dem viel zu schnellem Takt der modernen Turbogesellschaft, besonders in den großen Städten? Was, mit eigenen sehr hohen Ansprüchen, bei gleichzeitg „gepflegter“ Unzufriedenheit?

Wie frei ist der Mensch?

Ethik

Die Welt ist komplex, es gibt für das Allerwenigste schnelle Lösungen und die Meinungsmaschine wird tagtäglich gut geölt, um die selbstdenkenden Gehirnzellen zu verschmieren. Groß ist der Glaube: wir können doch eh nix tun, es wird sich doch eh nüscht ändern…

Nee, so nu wirklich nicht!

Ich sage –und doch können wir, in jedem kleinen Augenblick! Vielleicht gilt es nur einmal innezuhalten und nachzudenken für welches Thema du brennst, wofür du bereit bist einzutreten, dich zu engagieren und Flagge zu zeigen, damit die Welt eben doch ein besserer Ort wird. Nicht jedeR kann alles, aber jedeR kann ein bisschen.

Bloghausen ist für mich auch ein Ort, um Themen zu diskutieren, wunderbar hat dies bei Gerdas und meinen Alphabeten geklappt (wer sie nicht kennt, kann sie bei mir und bei ihr in die Suchmaschine eingeben). Nun haben Gerda und Nadia Baumgart eine neue Idee, sie werden das Thema Tiere, ihre Haltung, ihr Sein und den menschlichen Fleischkonsum untersuchen. Alles begann mit diesem Artikel von Gerda https://gerdakazakou.com/2017/07/21/uralte-schauer/ und ging hier bei Nadia https://nadiapittura.com/2017/07/22/animal-ethics-tierethik/ weiter.

Es geht (auch) um Ethik. Mich interessiert dabei der kleinste gemeinsame Nenner, deshalb frage ich dich und dich und dich was für dich Ethik ist, in Bezug auf Menschen, Tiere und Pflanzen (nur weil wir die Pflanzen nicht schreien hören sind es dennoch Lebewesen, und wie man schon untersucht hat, fühlende Wesen… )…

Das Leben wartet nicht

Wenn das Leben nicht wartet (und das tut es definitiv nicht) und wenn es gleichzeitig Fahrt aufnimmt, dann gilt es Schirme aufzuspannen, solche, die Momente einfangen, für die Momente im Lesesessel, die kleinen Erinnerungen an die vergangenen Momente des Tages, für die Momente der Begegnungen genau so, wie für die Momente des Agierens, Rennens und Seins.

Vier Tage habe ich hier gewohnt als die Arbeit rief, am Ostermontagabend ließ ich mich mit der Vorstellung fallen, dass ich nun fast einen Monat frei haben würde, um hier weiter zu bauen, Kisten auszupacken, anzukommen, aber dann klingelte das Telefon, die Kollegin war krank und nun bin ich noch einmal gerannt und das im wahrsten Sinne des Wortes: große Gruppe, viele hungrige Mäuler, keine Schnibbelhilfe und das dann sechs Tage am Stück. Nein, ich will nicht jammern, es ist gut so, wie es ist, aber hier blieb (fast) alles liegen.

Heute hatte ich meinen ersten freien Tag, fast freien Tag, es gibt ja auch noch so einiges andere, das nicht vernachlässigt werden darf. Wieder war gen Mittag alles erledigt, ich ging auf mein Auto zu und entdeckte sofort den platten Reifen, seufz, na gut und als das dann auch geschafft war, wollte ich einfach nichts mehr.

Nichtstun, das heißt dann Holz holen, den Ofen anfeuern, in Ruhe einen Kaffee trinken, Zeitung lesen, die Hintergundstimmen ignorieren, die da sagen: denk hierdran und daran (jaaa) … nein, ich gehe jetzt spazieren:

da freut sich noch jemand über meine Entscheidung, denn er darf mit.

Auch die Kamera nahm ich mit. Nichtstun kann für mich heißen, dass ich herumstromere (gibt es etwas Schöneres?!), das neue Land weiter zu entdecken und das eine und andere festzuhalten, für die Momente im Lesesessel und auch für euch.

Ich lebe nicht mehr in der Höhe, wo der Schnee der letzten Tage liegen bleibt, aber ich darf ihn aus der Ferne sehen und mich freuen. Fotos für ein Reiseprospekt, dachte ich…

Ob es dieses Jahr hier Äpfel geben wird ist die Frage, denn auch hier gab es am Morgen etwas Schnee und in der Nacht leichten Frost, die Bienen fliegen gerade nicht mehr…

Intakt, darüber denke ich nach, was ist heute noch intakt zu nennen und was ist mehr Schein als Sein und was ist Idylle?

Als ich diesen Steinbruch entdeckte, dachte ich an die seltenen Erden und den Satz aus der aktuellen „Zeitausgabe“: „Daten sind kein Rohstoff. Daten brauchen Rohstoff“, wie zum Beispiel seltene Erden, Metall, Kunststoff, Mineralien und natürlich Strom. Wir „User“ scheiden Informationen aus, wie wichtig sie sind, wie informativ, inspirierend oder unterhaltend sei dahin gestellt, wer sie nutzt und was sie wirklich mit uns machen ist eine Frage, die mich schon lange beschäftigt. Ich starre auf das Loch in der Landschaft und weiß, dass ich Teil des Ganzen bin und wieder einmal spüre ich die innere Wiedersprüchlichkeit. Was ist korrektes Verhalten in diesen Zeiten? Müsste ich nicht alles abschaffen: den Blog, meinen fb-account, Einkäufe in Supermärkten, Kaufhäusern und im Netz? Und wenn, was würde es tatsächlich ändern? Nichts, weil ich viel zu klein bin und weil Boykotts heutzutage nicht mehr funktionieren (leider). Und weil das Leben weitergeht, mit und ohne mich, weil es nicht wartet, auch nicht auf mich.

So sinniere ich beim Stromern und dann das, was ist das, weißt du es?

Und was ist das?

So viele Fragen und so wenige klare Antworten, da gilt es für mich hinzuschauen, wieder und wieder…

Fragen

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(aus dem Netz gefischt Werke von Louise Joséphine Bourgeois)

Vielleicht bin ich in den letzten Wochen der Welt ein kleines Stück abhanden gekommen. Ich habe wenig bis gar keine Nachrichten gehört, gesehen, gelesen. Gerne nehme ich immer mal wieder eine Auszeit von der (offiziellen) Welt. In meiner jetzigen Genesungszeit aber schaue ich Fernsehen in meinem Rückzugsdomizil und spüre wie meine Ratlosigkeit wieder wächst, proportional ansteigend und im Vergleich zu minem Zorn darüber hinaus.

Viele kluge Menschen entwerfen und entwickeln kluge Projekte und es gibt unter ihnen und vielen meiner FreundInnen und Bekannten das Bedürfnis nach gleicher Augenhöhe. Aber die Welt will das nicht. Das zeigt ein türkischer Ministerpräsident, der deutsche PolitikerInnen mit TerroristInnen gleichsetzt und im eigenen Land Angst und Schrecken schürt, sodass selbst renommierte KünstlerInnen es ablehnen vor laufender Kamera zu sagen was sie denken. Bedenklich! Das zeigt ein Herr Gauland, der „eigentlich“ nichts gewußt hat, nichts weiß und wissen will, aber weiterhin seine Plattitüden über das Land spült. Das zeigten am Sonntag 77% der SchweizerInnen bei ihrer Abstimmung zum bedingungslosen Grundeinkommen, es wirkten Vorbehalte und alte Glaubenssätze, die mir nicht fremd, aber überholt erscheinen. Und obendrein lehrt mich ein amerikanischer Präsidentschaftskanditat das Fürchten, das allerdings seitdem er seinen unsäglichen Wahlkampf führt. Kein Ort, kein Land fällt mir ein, wo es nicht zum Himmel stinkt. Was weiß ich schon von Australien und Neuseeland, politisch gesehen. Was weiß ich überhaupt?

Bei einem langen Bericht über die Tierwelt in den Pyrenäen ruhe ich aus. Da geht es unter anderem um Revierkämpfe, um Platzhirsche und um Bartgeier, die eigentlich monogam leben, aber der plötzlich auftauchende Rivale nicht bekämpft wird. Weiß er, dass der andere sowieso weiterziehen wird? Revierkämpfe versus gelassene Zuversicht, dass nicht eintreffen wird, was von vorneherein nicht stimmig ist? Rivalen aussitzen?

Platzhirschgehabe und Revierkämpfe ermüden mich. Der Tatbestand von Rivalität, Konkurrenz und Rache außerdem. Was ich in der Tierwelt als gegeben hinnehmen kann, stimmt für mich bei den Menschen nicht. Gelassen sein wie ein Bartgeier? Darauf vertrauen, dass nicht sein wird, was nicht sein darf oder kann? Wäre das nicht zu einfach? Und was einfach ist kann sowieso nicht sein?

Der viel besungene Quantensprung in der menschlichen Entwicklung wird noch länger auf sich warten lassen und bis dahin? Weitermachen, mich weiterhin empören, menschlich sein, werden und bleiben. Mehr ist mir noch nie eingefallen!

Die Künstlerin Louise Bourgeois soll gesagt haben: „Ich wäre so gerne eine Frau des Geistes gewesen, aber ich war eine Frau der Gefühle“, dieser Satz arbeitet seit einigen Wochen in mir und immer wieder muss ich nicken, ob es mir passt oder nicht!

Die türkische Künstlerin Gülsün Karamustafa sagte in der Sendung ttt in einem Interview: „Wir finden Wege uns auszudrücken“, ich nicke erneut. Dieses Mal spüre ich Tatendrang (siehe unten). Gezeigt wurde eine neue Arbeit von ihr: ein Mobile an dem Pappmänner hingen, deren Münder mit roten Balken versehen waren. Frau Karamustafa hat wegen ihrer Kunst und Gesinnung schon zweimal im Gefängnis gesessen, jetzt schweigt sie vor laufender Kamera, lässt ihre Werke sprechen.

Am 10. Juni eröffnet der Hamburger Bahnhof in Berlin eine Ausstellung mit Werken von Frau Karamustafa

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Gülsün Karamustafa: prison paintings – aus dem Netz gefischt


Wohin gehen wir?

– ein Tryptichon –

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Winterliches

0023 13.01.16 ist es noch weit

Ist es noch weit, bis zum nächsten Haus, bis zum ersten Krokus, bis zum ersten Märzenbecher? Ja, es ist noch ein Stück. Geduld ist gefragt. Ich denke an Tomte Tummetott, wie er Winternacht für Winternacht zu den Tieren in die Ställe geht, die Schafe, Kühe, Pferde und Hühner streichelt und ihnen zuflüstert, so, wie es die Wichtel tun: „Habt Geduld, es ist noch immer Frühling geworden …“

„Ist es noch weit?“ Das fragen sich die Menschen auf den Booten übers Mittelmeer und: „Wann können wir wieder Nachhause? Können wir je wieder Nachhause?“  Da möchte ich ihnen einen Wichtel schicken, so einen, wie Tomte Tummetott einer ist, der ihnen zuflüstert: „Habt Geduld, es ist noch immer wieder Frieden geworden.“

Ist es das? Wie sieht so ein Frieden aus, ist er nur eine Atempause zwischen Kriegsende und Kriegsanfang? Hatten oder haben wir hier „nur“ eine lange Atempause? Wo gehen wir hin? Und wie soll ich das nennen, was in diesem Land in manchen Strassen und Orten tobt, ist das kein Krieg?

Was ist mit dem gleichen Recht für alle, wie wird es angewendet und wie ausgelegt und wie schnell verändert und angepasst, damit … ja, was? Ruhe ist? Ist Ruhe? Es fröstelt mich tagtäglich und nicht nur, weil hier gerade ein Schneesturm über den Berg zieht. Ja, es gibt viele helfende Hände. Ja, es gibt viele gastfreundliche Menschen. Ja, es gibt viele wunderbare Projekte, weltweit. Aber …

Es gibt eben auch viele Menschen, die Angst haben und viele, die nicht teilen wollen, nicht das Brot auf ihrem Tisch, nicht das Land, in dem sie geboren wurden, die vergessen haben.

Gestern hörte ich ein Interview im SWR 2 mit Frank Witzel, dem Autor des Buches: „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ , das zum Buch des Jahres 2015 avancierte. Frank Witzel schreibt über seine Kindheit, seine Jugend, über die Zeit des Nationalsozialismus und er sagte: „Es ist nie genug, jede Generation muss sich erneut mit dieser Zeit auseinandersetzen.“ Er sagte:“Es hieß schon 1949, es muss auch einmal genug sein …“

Nein, es ist nie genug, solange noch immer brandschatzende Horden durch Leipzig, Dresden oder sonstwo ziehen und ungebremst ihr Unwesen treiben können. Es ist nie genug, solange in manchen Bundesländern die Obrigkeit und ihre Schergen auf dem rechten Auge blind sind und das „böse“ Linke überall dort gewittert wird, wo Menschen aufstehen, um sich dem Pöbel entgegen zu stellen, die Menschenrechte ernst nehmen und sich bemühen gute Menschen zu sein.

Unworte, Unmenschen, Unmöglichkeiten … dieses Un- beschert nichts Gutes!

Unwetter im Südschwarzwald, Schneesturm, tiefe Stille in der Nacht, nur der Sturm heult seit zwei Tagen und Nächten ums Haus. Die Wolken haben die Berggipfel in der Ferne verschluckt, keine Fernsicht mehr. Ich halte die Weite im Blick und im Herzen, ich werde nicht verbittern, ich werde jetzt nicht eng werden, jetzt schon mal gar nicht. Meine Türe bleibt offen für eine Fremde, einen Fremden. Wenn sie oder er hier klopft, werde ich öffnen und sie zu einem Tee einladen, ihnen Brot und Käse servieren und die Stube mit ihnen teilen! So, wie ich damals, als junge Frau, als ich durch die nordischen Länder trampte, an so manchen Küchentisch geladen wurde, weil es Nacht wurde und weil einer befand, dass ich nicht alleine in der Wildnis übernachten sollte.

Und dann schicke ich ihnen einen Wichtel, so einen, wie Tomte Tummetott einer ist, der ihnen in der Nacht in ihre Schlafohren flüstert:“Habt Geduld, nichts bleibt, wie es ist.“

Komm tanz mit mir, egal woher du kommst

0020b 10.01.16 durch stürme und wind

Danke:

Ich danke Unbekannt für den Clown auf dem oberen Bild, den ich vor einigen Wochen irgendwo im weiten Netz fand, heute ausschnitt und für das hier eingestellte Bild benutzte.

Danke auch an Gerda für ihre Beiträge zur Gastfreundschaft (siehe den Link oben im Text)

 

das Großmutterprojekt

018 13.01.14

Zur Erinnerung … während ich letztes Jahr im Januar den Artikel Frauenschicksale schrieb, wurde die Idee geboren meiner Großmutter und den Großmüttern dieser Generation ein Denkmal zu setzen. Was zunächst leicht und voller Freude begann, zog mich bald in Tiefen, die ich nicht erahnt habe. Jetzt erst, und das auch nur ganz langsam, nähere ich mich wieder dem Großmutterprojekt.

Viele von euch haben mir Bilder geschickt und manche auch wunderbare Texte geschrieben, sie liegen in den Ordnern. Aber nicht nur Texte und Bilder gab es, sondern auch viele Fragen. Fragen, die mir gestellt wurden, die ich mir selbst stellte. Statt mehr Antworten zu finden, fand ich immer noch mehr Fragen. Diese bezogen sich vor allen Dingen auf das Leben unserer Großmütter, ihrer Erziehung, ihrer Rolle während des dritten Reiches und wie es dazu kam, dass sie bei allem, was sie erlebt hatten, bei den meisten von uns als die Guten, die Geduldigen erinnert werden? War es wirklich nur die Erziehung dieser Jahre, plus der Rolle, die den Frauen übergestülpt wurde? Endgültige Antworten werde ich nicht finden! Woran ich mich auch immer erinnere, erzählt mir die Erinnerung mehr von mir, weniger über die Menschen selbst und diese kann ich nicht mehr fragen. Und die, die ich fragen kann, sind genauso in ihren Erinnerungen gefangen, wie ich selbst.

Auf meiner Spurensuche las ich die Bücher von Sabine Bode und den ersten Band von Margarete Dörr: „Wer die Zeit nicht miterlebt hat …“ und … ich fiel …

022 14.01.14 ...und ich fiel

zwei Fotos zu einer Collage zusammengefasst, aus dem Zyklus : die Närrin/ Anfang 2013

Die Närrin hatte ihre Kappe ausgezogen und war ins Haus gegangen. Dort lauschte sie ihrer Trauer, ihren antwortlosen Fragen, ihrer Kindheit, ihrer Erziehung. Dort verlor sie ihre Sprache und auch jetzt ringt sie noch um die richtigen Worte. Wieviel privat verträgt Öffentlichkeit? Wieviel privat vertrage ich?

Gestern nun arbeitete ich an Fotomontagen mit dem Titel: Trauer (s.o.) und Vergänglichkeit(s.u.) …  Trauer ist es, die mich wortlos werden lässt. Bilder helfen mir, nicht im Bodenlosen zu versinken.

019 13.01.14

Und nun wird es Zeit mich euren Bildern und Texten zu widmen …

(ich danke Mützenfalterin, Dina und Sherry (siehe mein Blogroll), die mich, mehr oder weniger direkt, ermutigten das Projekt wieder aufzunehmen)