Etüde 05 2020

Die Worte, um die es in dieser Etüdenrunde geht, sind auf dem Bild zu sehen, gespendet hat sie für die abc.etüden dieses Mal Myriade, herzlichen Dank. Und wie immer auch dir, liebe Christiane, die du die Etüden zusammen hälst und nicht müde wirst sie zu moderieren und zu kommentieren. Ich schrieb es ja schon beim letzten Mal: Konstanten tun gut in Zeiten von Brüchigkeiten!


Es gab sie schon

die sprachlosen Zeiten

kein Teppich ist so dick

als dass er wirklich etwas verbergen könnte

es geht immer noch sprachloser

so gläsern

so zerbrechlich

Beine und Welt

Schmetterlinge flattern

tun was Schmetterlinge tun

und du

und nicht

und weiter –

43 Wörter


Zurzeit höre ich öfters Musik von Asaf Avidan. Während ich diese Zeilen schrieb auch, dann schaute ich auf den Titel und dachte: passt. Und diese Stimme … Enjoy!



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Etüde 04 2020

Die Worte, um die es in dieser Etüdenrunde geht, sind auf dem Bild zu sehen, gespendet hat sie für die abc.etüden dieses Mal der Etüden-(Er-)Finder Ludwig Zeidler. Herzlichen Dank Ludwig und auch dir, liebe Christiane, die du die Etüden zusammen hälst. Konstanten tun gut in Zeiten von Brüchigkeiten!


Es ist eine Unruhe in mir

Es ist eine Unruhe in mir

ein Pendeln dazwischen

Untergang und Auferstehung

Freude

echte Freude, ja

Traurigkeit und

Sorge

Wut

Ohnmacht

Liebe

immer wieder Liebe

wo

ist Heimat

ein Herz eine

Rumpelkammer

wovon

zehren

mutvoll

mundvoll zu viel

es ist ein Pendel

dazwischen.

49 Wörter


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Etüde 03 2020

Die Worte um die es in dieser Etüdenrunde geht, sind auf dem Bild zu sehen, gespendet hat sie für die abc.etüden Corly mit ihrem Blog Corlys Lesewelt.

Miniatur 003 2020

Er war ein Stiller. Er spielte nie mit den anderen Fußball. Er fuhr Fahrrad. Ich spielte mit den Jungs Fußball, Brennball und Völkerball. Manchmal fuhren wir alle Fahrrad. Am Abend saß ich gerne mit ihm auf dem Klettergerüst, dem Sonnenuntergang zuschauen. Das ging nur mit ihm. Dafür hatte ich ihn gern.

Manchmal kletterten wir bis ganz nach oben, stellten uns mit ausgebreiteten Armen breitbeinig auf die obersten Sprossen und spielten fliegen. Mein Herz hat dabei heftig geklopft. Hinterher war mir immer ganz warm.

Einmal saßen wir auf der Bank am Sandkasten. Wieder ging die Sonne unter. Er zeigte mir zwei hell gebliebene, breite Streifen auf seinen Armen.

– Was hast du gemacht?

– Nichts. – Naja, ich habe mit verschränkten Armen in der Sonne gesessen. Ich habe geguckt, sonst nichts.

Dafür hatte ich ihn auch gern.

135 Wörter


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Etüde 02 2020

Christiane hat zur zweiten Etüdenrunde in diesem Jahr gerufen. Die Wörter hierfür spendete OnlyBatsCanHang. Dankeschön ihr zwei! Wie immer gilt es mit den drei gespendeten Wörtern: Papiertiger, belanglos und plätschern eine Etüde mit maximum 300 Wörtern zu schreiben. Voilá

Miniatur 002 2020

Hans und Mira auf dem Weg in die große Stadt: bergauf, bergab, Dorf rein, Dorf raus.

Wie viele Goldene Löwen es gibt!“

Ja. Und Kronen und Hirschen und Kaiser …“

… und Adler und Deutsch, aber ich habe noch nie Zum Tiger gelesen.“ Kurze Pause. „Du?“ Sie grinst.

Nee, ich kenn nur den Tiger im Tank und den Papiertiger.“ Kurze Pause. „Aaaber … ich kann dich ja mein Tiger nennen.“ Sie kicherten. Dieses belanglose Gequatsche, diese Banalitäten, die vor sich hin plätscherten, wie gut das tat!

Lange Pause. Bergauf, bergab und ab und ab, kein Dorf mehr, sie fuhren in die Stadt hinein.

Es wird wieder alles gut gehen! Nicht wahr“, Minipause, kleines Lächeln, „mein Tiger?“

Ja,“ Hans legte sanft seine linke Hand auf Miras rechten Oberschenkel, „ich will noch tausendundeinmal von dir mein Tiger genannt werden. Also, keine Zeit zum Sterben.“

214 Wörter

Etüde 01 2020

Juchhu, Christiane hat die erste Etüdenrunde ausgerufen  und auch die Wörter dafür gespendet. Gerne folge ich ihrem Ruf, nicht ohne DANKE zu rufen!

Miniatur 001 2020

Für einen Skiurlaub hat es noch nie gereicht! Ihr Gehalt war und ist zu mickrig und ihr Ehemann zu geizig. Sie stellt es sich trotzdem vor, wie sie auf zweitausend Meter in der Höhensonne auf einem Liegestuhl faulenzt, umgeben von den Reichen und Schönen dieser Welt, neben sich ein würziger Wintercoctail. Sie würde ihn schlückchenweise genießen, wie die phänomenale Weitsicht der Bergwelt, Augenblick für Augenblick. Die Fahrt mit dem unumgänglichen Sessellift hinauf blendet sie aus, wie ihren ewig schlecht gelaunten Mann auch, nichts soll ihre Tagträumerei stören.

„Magdalena, komm mal sofort her“, hört sie ihren Geizhals kommandieren. Nun hat er bestimmt wieder ein nichtiges Haar in irgendeiner Suppe gefunden. Der Tagtraum zerplatzt. Sie schaut auf das Wintergrau vor ihrem Fenster. „Wieso bin ich eigentlich noch immer hier?“ Sie schmeckt auf ihrer Zunge den würzigen Wintercoctail. Schon wird alles ein kleines bisschen leichter.

143 Wörter

Etüde 016 2019

Die Wortspende zum Etüdenprojekt von Christiane ist dieses Mal von mir. Es ist schon eine Weile her, dass ich Christiane diese drei Wörter zusendete, die mir spontan, inmitten der noch heißen Sommertage, eingefallen sind, nun passen sie sogar in die Jahreszeit.

Ich freue mich über und auf die Etüden, die mit ihnen schon geschrieben wurden und noch geschrieben werden.

Miniatur 013 2019

Von Jahr zu Jahr wird es schlimmer! Er hat es während der letzten Jahre in den absurdesten Situationen an sich beobachtet und jetzt sogar als er dem großen Vogelflug gen Süden hinterher schaut – er wird immer ängstlicher. Erinnerungen an seine Mutter und ihren letzten Besuch steigen auf, als Mutter sämtliche Türschlösser am Abend an der Wohnungstür drehte und sich erst dann beruhigt zurückziehen konnte. Er hatte das damals respektiert, innerlich aber die Mutter ausgelacht. Und jetzt beschleicht ihn Angst bei der Betrachtung der ziehenden Wildgänse vor dem Winter? Er lacht nicht mehr. Er richtet sich auf, entschlossen seinem Vorsatz zu folgen und weiterhin mit allen Jahreszeiten zu schwingen. Der Winter hat mehr als nur die Mühsal des Schneeschippens und Holzhackens zu bieten, er wird es auch dieses Mal schaffen! Langsam begreift er, dass die Angst nicht Winter, Eis und Schnee heißt, sie heißt Menschenwinter, Armut und Einsamkeit.

147 Wörter und ein Bild

Etüde 015 2019

Gerne folge ich wieder der Etüdeneinladung von Christiane.

Die Wortspende ist dieses Mal von fraggle – Reisswolfblog. Zugegeben, die Wörter sind für mich nicht einfach, vielleicht weil gerade vieles nicht einfach ist. Nein, es ist nicht der Herbst, es ist.

Miniatur 012 2019

Sie hat sich ins Gewächshaus gesetzt. Hier sitzt sie, hält sich aus, lauscht sich, düngt sich, gießt sich, atmet ein und aus und ein. Sie will wachsen, ihr Tun und Sein sollen Früchte tragen. Inmitten des wuchernden Grüns denkt sie ans Meer, denkt an die  jodhaltige Luft, die reinigt und stärkt. Mit geschlossenen Augen atmet sie ein und aus und ein. Sie will nichts mehr fälschen, um zu überleben. Sie will wie die Brennnesseln werden, will Dünger sein, heilsam – für sich und die anderen.

84 Worte

Etüde 014 2019

Eine 14. Etüde in diesem Jahr zu Christianes Projekt, mit einer Wortspende von Alice make a choice. Meinen Dank an euch beide und dieses mal auch ganz besonders an Christiane, die sich einer Diskussion gestellt hat, die zu führen ich mir nicht einfach vorstelle. Wer mehr darüber erfahren möchte, folge doch bitte obigem Link. Danke.

draufklick = großes Bild – please click to enlarge

Flüchtige Augenblicke – (eine lyrische) Miniatur 011 2019

Ein Roman ist ein Roman,

ein Gedicht ist ein Gedicht,

wenn ich schreibe, schreibe ich

nicht unbedingt als Ich und,

oder über mich.

Flüchtige Augenblicke

in Worte gebannt

entlasse ich mich

schreibt

es sich

variabel

sind manch Worte

unterschiedlich

manche Interpretation

Lesende erzählen etwas

über sich.

46 Wörter

 

Etüde 013

Nein, dies ist keine Fortsetzung von Etüde 012! Heute veröffentliche ich meine erste Krimiminiatur (tataa) für Christianes abc Etüden, mit den drei Wörtern von Ludwig Zeidler. → https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/09/01/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-36-37-19-wortspende-von-ludwig-zeidler/

Ich lese immer wieder gerne Krimis und gerade eben fand ich im Bücherschrank in Lörrach einen mir unbekannten Band aus der Harry Hole Serie von Jo Nesbø, den ich gleich weiterlesen werde, ich kann es kaum noch erwarten … sooo spannend!

Und so kommt dann eins zum anderen, wobei das eine nix mit dem anderen zu tun hat (nein, ich setze hier jetzt keinen Grinsesmiley ein) –


Krimiminiatur 01 2019

Verzweiflungstat“, schnaubte Kommissar Maierbeck, wie oft sollte er sich diesen Quatsch noch anhören? An sich hatte er ja nichts gegen Psychologie einzuwenden, aber diese junge, gerade von der Uni kommende, ihm zugewiesene Frau Klopp ging ihm auf die Nerven. Nix als Uniwissen und Statistiken im Kopf und keine Lebenserfahrung!

Er betrachtete das Blutbad vor sich, nein, das ist keine Verzweiflungstat gewesen, so etwas, das stand für ihn fest, machen nur Sadisten. Er nickte der Klopp zu und verließ den Tatort. Für heute hatte er genug gesehen, den Rest würde die Spurensicherung ergeben.

Frau Dr. psych. Klopp hingegen kämpfte mit ihren ambivalenten Gefühlen, ihrem Wissen einerseits und dem Bedürfnis diesem alten Brummbär Maierbeck zu imponieren – ihrem Bücherwissen und den Statistiken auf der einen Seite und ihrer Intuition auf der anderen. Der Intuition hatte sie sich doch vermehrt hingeben wollen! Und an was hatte sie als erstes gedacht: „Sowas machen nur Sadisten“ …

152 Wörter



Willkommen zum weiterspinnen dieser Etüde, gerne im Kommentarstrang!

Etüde 012 2019

Das Sommerpausenintermezzo bei den Etüden ist vorbei. Schön war es, auch wenn ich nur am Rande mitgewirkt und gelesen habe. Leider ist mein Alltag noch immer sehr dicht, sodass ich zu Vielem nicht komme, was ich auch noch gerne machen würde, aber das wisst ihr ja.

Nun geht es also mit den Etüden weiter. Drei Wörter sollen in einem Text mit höchstens 300 Wörtern zu finden sein. Dieses Mal kommt die Wortspende von Ludwig Zeidler, dem „Erfinder“ der abc-Etüden und Christiane hat wieder die Einladung geschrieben und die Bilder dazu gestaltet. Herzlichen Dank an euch beide.

Meine Etüde:

Völlig verkatert wachte Antonia auf. Sie wühlte sich aus der Bettdecke und herumschwirrenden Federn, die teilweise auf ihrem schweißnassen Körper klebten, heraus. Auch der Boden vor ihrem Bett war von Federn übersät. Und dann diese unglaublichen Kopfschmerzen! Langsam setzten sich die Erinnerungsbilder in ihrem Kopf zusammen. Da war doch dieser Martin gewesen … hingeben hatte sie sich ihm wollen.

Unruhig schaute sie sich um. Sie war allein. Und dann war sie auf einen Schlag wach, erinnerte sich, wie sie gemeinsam mit Martin von der Disco zu ihr gegangen war. Anfangs war alles noch sehr nett gewesen, aber mit der Zeit hatte sich bei Antonia ein ambivalentes Gefühl eingeschlichen. Sobald Martin sich unbeobachtet gefühlt hatte, war sein Lächeln gefroren, sein Blick kalt durch den Raum geschweift. Antonia hatte eine Flasche Rotwein geöffnet und ihm mit zitternden Händen eingeschenkt. Martin hatte hart nach ihnen gegriffen und mit dunkler Stimmer geraunt: „Lass gut sein, wir wollen doch ficken, oder? Antonia war es eiskalt den Rücken runter gelaufen. Sie hatte nur noch einen Wunsch gehabt, dass er gehen möge. Und genau das hatte sie ihm dann gesagt. Er hatte sie von sich gestoßen, „Dumme Zicke“ gebrüllt und Türe knallend ihre Wohnung verlassen. Antonia hatte wie betäubt dagesessen und geheult, Wein getrunken und weiter geheult. Dann war die Wut gekommen. Wieso musste sie immer an solche Scheisstypen geraten? Sie war in die Küche gestürzt, hat sich ein Messer geschnappt und hatte wie besessen auf ihr Kopfkissen eingestochen, dass die Federn nur so flogen, bis sie vollkommen erschöpft eingeschlafen war. „Sowas nennt man wohl Verzweiflungstat“, murmelte sie, schlurfte in die Küche, stellte Wasser auf, jetzt erst einmal einen Kaffee …

Wie banal ist das denn, entnervt klappte Lia das ausgeliehene Buch zu. Nee, für son Mist war ihr ihre Zeit zu kostbar.

296 Wörter