Dr. John …

… ist gestorben

Ja, there must be a better world, somewhere …

Mich macht diese Nachricht sehr traurig, Dr. John und seine Musik begleitet mich seitdem ich zarte 16 Jahre jung gewesen bin, er hat mir viele Stunden versüßt und „beswingt“.

Und irgendwann treffen wir uns vielleicht alle wieder und machen ’ne richtig dicke Party – dort …

Gute Reise, Dr. John! Ich werde dich und deine Musik solange ich lebe nicht vergessen!

New Orleans, eine untergegangene und wiederauferstandene Stadt

new orleans

Dieses Bild nahm ich bei meiner Freundin K. auf, das Foto der Saxophonistin schoss unser gemeinsamer Freund P.B., als er in den 1990er Jahren New Orleans besuchte.

Schon einmal schrieb ich einen Artikel über New Orleans, damals ging es um die Musikszene vor und nach Katrina, heute geht es um ein Buch und was es mit mir machte. Zur Erinnerung: Katrina war ein Hurrikan, der Ende August 2005 unter anderem grosse Teile von New Orleans zerstörte.

persönliche Einleitung aus einem Text von 1976:

tom und huck

(Das Bild habe ich aus dem Netz gefischt)

„… am meisten aber habe ich immer Tom Sawyer geliebt, den dicken Neger Jim, den Mississipi und die Raddampfer, Tante Polly und natürlich Huckleberry Finn. Das war das Land meiner Träume und alles geschah so, wie es geschehen musste.“

Aber dann geschah eben vieles, was so nicht hätte geschehen müssen. James Lee Burke schreibt in seinem Buch sturm über new orleans

„New Orleans wurde systematisch zerstört, und dieses Zerstörungswerk begann Anfang der 1980er Jahre, als die Bundesmittel für die Stadt um die Hälfte gekürzt wurden und gleichzeitig zu Crack verbackens Kokain Einzug in die Wohlfahrtssiedlungen hielt. Dass man es versäumt hat, vor Katrina die Deiche zu reparieren und hinterher zehntausende Menschen ihrem Schicksal überließ, hat Ursachen, die ich andere ergründen lassen will … (S.563)

New Orleans war ein Song, der unter den Wogen versank. (S. 561)

Vielleicht hatte ich zu viele Erinnerungen daran, wie die Stadt früher mal war. Vielleicht hätte ich nicht zurückkehren sollen. Vielleicht erwartete ich, saubere Straßen zu sehen, das Stromnetz intakt, Zimmermannstrupps, die kaputte Häuser reparierten … New Orleans war ein Song gewesen, keine Stadt. Wie San Francisco gehörte sie nicht zu einem Staat; sie gehörte einem Volk.

Als Clete und ich an der Canal Street auf Streife gingen, war überall Musik. Sam Butera und Louis Prima spielten im Quarter. Alte schwarze Männer fetzten in der Preservation Hall den „Tin Roof Blues“ runter. Die Blechbläser der Beerdigungszüge brachten die Schaufenster an der Magazine Street zum Scheppern. Wenn die Sonne über dem Jackson Square aufging, hing der Nebel wie Zuckerwatte in den Eichen hinter der St. Louis Cathedral. Die Morgendämmerung roch nach stehendem Wasser, mit Flechten überwucherten Steinen, Blumen, die nur bei Nacht blühten, Kaffee und frisch gebackenen Beignets im Café du Monde. Jeder Tag war ein Fest, jedermann war eingeladen, und der Eintritt frei.

Jeder Schriftsteller, jeder Künstler, der New Orleans besuchte, verliebte sich in die Stadt. Sie mochte die große Hure von Babylon gewesen sein, aber nur wenige vergaßen oder bedauerten jemals ihre Umarmung.

Wie sah ihre Zukunft aus?

Ich schaute durch die Windschutzscheibe und sah überall umgestürzte Bäume, von den Masten hängende Strom- und Telefonkabel, rote Ampeln, geplünderte Häuser in Downtown, die so sehr beschädigt waren, dass sich die Besitzer nicht einmal die Mühe gemacht hattten, die herausgerissenen Fenster mit Sperrholz zu vernageln. Die Aufgabe, die hier bevorstand, war von herkulischer Größe, und das Ganze wurde noch durch ein Ausmaß an organisiertem Diebstahl, Inkompetenz und Zynismus von Seiten der Regierung verschlimmert, das außerhalb der Dritten Welt nirgends seinesgleichen hatte …“ (S.300 – S.302)

Ich hätte dieses Buch wohl nicht so schnell gelesen, wäre ich nicht vergrippt und müsste ich nicht seit ein paar Tagen das Bett hüten. Seine Sprache ist teilweise Strassenjargon vom Herbsten, der Plot tut weh. Ich erinnerte mich an einen anderen Krimi, den ich vor einigen Jahren las, der in den Slums von Südafrika spielte, den ich auch kaum aushielt, ich Sensibelchen, ich. Aber dann sage ich mir: das ist real, so geht es zu in der Welt und nicht nur weit weg in fernen Kontinenten. Und dann passiert es mir, wie jetzt auch, dass ich an manchen Stellen weine. Weine über den Gang der Menschheit, ihre Verrohung, die allgegenwärtige Korruption, über den allgegenwärtigen Rassismus und Sexismus, dort, wie hier. Dann wische ich mir die Tränen vom Gesicht, richte mich auf und gehe weiter …

Hier gibt es einen interessanten Artikel der SZ zu Zehn Jahre nach Katrina →

Und hier gibt es eine Fotostrecke des Fotografen Carlos Barria, der 2005 und 2015 Vorort gewesen ist →

Und hier der Tin Roof Blues der Kid Ory’s Creole Jazz Band, aufgenommen 1954

Auch das ist Heimat für mich, doch das ist jetzt ein anderes Thema, versteht sich aber vielleicht über meinen Text von 1976, der seine Wurzel darin hat, dass ich als 10jährige den Tom in einem Theaterstück spielte …

 

its only Rock ’n’ Roll and I like it …

0317

Der Rhythmus, in den ich hinein geboren wurde, der die Welt damals bewegte, hieß schon Ende der neunzehnhundertfünfziger Jahre Rock `n` Roll. Er lag in der Luft, bewegte die Atmosphäre, veränderte die Blickwinkel. Männer und Frauen sangen vom wilden Leben und freier Liebe. Frauen zeigten Bein, Männer und Jungs posierten mit Schmalzlocke, Blue Jeans und Lederjacke, auch wenn bei mir Zuhause noch Heimatlieder und katholischer Kirchgang angesagt waren und Röcke gleich über dem Knie zu enden hatten.

The rhythm in which I was born, which moved the world in these time, was named Rock `n`Roll, still at the end of the fifties. It was in the air, it moved the atmosphere, changed the angeles of view. Men and women were singing about wild life and free love. Women were showing legs, men were posing with slimeball, bluejeans and leather jackets, even if at my home still home land songs and katholics churchwalks were in and my skirts had to end over the knees.

Wurde auch noch versucht Respekt und Gehorsam in uns hinein zu prügeln, waren noch psychologische und religiöse Drohungen und Erpressungen an der Tagesordnung, so war im Hintergrund dieses Stampfen und Hämmern, Swingen und Twisten und machte krause Gedanken. Die Musik erzählte von ungeahnten Freiheiten, außerhalb der wohligen Wohnzimmerpolstereckkombinationen mit Gummibaum. Sie sang von unendlichen Straßen, weiten Ebenen, hohen Bergen und dem unendlichen Ozean. Es war ein Ziehen in uns.
Die Eltern ratlos- der Rhythmus hatte sie nicht erreicht, sie konnten uns nicht halten und wir waren auf der Straße der Sehnsucht angekommen …

They still tried to beat respect and obedience into us, during the daily order they threatend us with religion and tried to extort us with this, but in the background was all this stamping and hammering, swinging and twisting and let frizzy thoughts grow. The music was talking about undreamed freedom, outside of cosy living rooms with gum trees. It was talking about never ending streets, wide plains, high mountains and the never ending ocean. Something pulled us.
Parents get lost- the rhythm didn`t reach them, they couldn`t hold us and we arrived the street of longing …

Und wie komme ich jetzt darauf?
Ich las in den letzten Tagen die Biographie von Keith Richards: „LIFE“ – ich will jetzt gar nicht weiter auf die Person eingehen, es gibt so viele miese Berichterstattungen, da hat sich längst Jede und Jeder eine eigene Meinung gebildet, allerdings möchte ich schon sagen: glaubt den Medien nicht und schon gar nicht, wenn es um Jungs wie Keith Richards geht … er selbst macht ja gar kein Geheimnis aus seiner Sucht, die er aber (ohne Blutaustausch) überstanden hat, sagt er, glaube ich ihm …
Das, was für mich wirklich zählt und mich wirklich fasziniert hat, ist seine Liebe zur Musik, seiner intensiven Beschäftigung mit dem Blues schon ab Kindesbeinen an. Daran hatte seine Mutter eine gewissen Anteil. Und so kam es, dass er von seinen Vorbildern lernte und lernte, bis er seinen ganz eigenen Sound kreierte, den wir unter dem Namen „Rolling Stones“ kennen.

What`s the matter about all this?
Well, I´ve read the biography of Keith Richards „Life“ during the last days. I don`t want to talk about the person, there exist so many bad media coverages, that each of you got his and hers opinions about Keith, but I want to say: don`t believe medias, especially if they write about men, like Keith Richards is one of them … He by himself doesn`t deny about his addiction, which he overcame (without changing his blood), he said, I believe …
What is really important for me, is his love to the music, his intense occupation with the blues, since he was a child. His mother supported him in a way. He learned and learned from his idols, until he was able to create his own sound, which we are knowing as „Rolling Stones“.

At first there was the blues, then jazz, then rock `n`roll, without rock `n`roll no punk (in the background I am listening to „The Clash“ … YEAH 🙂 )

Zuerst war der Blues, dann der Jazz und dann der Rock `n` Roll und ohne Rock `n`Roll kein Punk (im Hintergund läuft gerade The Clash … YEAH 🙂 )

Zurück zu Keith Richards, der nicht nur mit den Rolling Stones spielte, zumal es zwischendurch auch zu großem Knatsch mit Mick Jagger kam und sie einige Jahre jeder für sich mit und in anderen Bands spielten, wie zum Beispiel hier, Keiths Band X-Pensive- Winos:

But back to Keith Richards, who didn`t play only with the Rolling Stones, even there was a time, when he had trouble with Mick Jagger and they started to play with their own bands, like here … The band of Keith Richards: X-Pensive-Winos:

gerne hätte ich euch noch „Union Sqare“ oder „Blind Love“ von Tom Waits, zusammen mit Keith Richards vorgestellt, aber da macht mal wieder die Gema nicht mit 😦 da bleibt mir nichts weiter übrig als Tom Waits zu zitieren:

I would have like to play „Union Square“ or „Blind Love“ – arrangements of Tom Waits and Keith Richards together, but the German „Gema“ is forbidding this 😦 – so I want to quote Tom Waits about Keith:

„Jeder liebt Musik. Die Frage ist, ob die Musik dich liebt- das ist das Entscheidende. Und dieses Gefühl hatte ich bei Keith sofort. Man muss Respekt haben vor dem Prozess des Musizierens. Nicht du schreibst die Musik, sie schreibt dich. Du bist ihre Flöte, ihre Trompete, ihre Saite. Bei Keith ist das nicht zu übersehen. Er ist wie eine gußeiserne Bratpfanne, aus einem Stück. Egal, wie heiß sie wird, sie springt nicht. Sie verändert nur die Farbe.“

Everybody is loving music. But the question is, if the music is loving you, this is decisively. And this was my feeling about Keith, immediately. One has to have respect to the process of making music. Not you are writing the music, the music is writing you. You are the flute, the trumpet, the string. You can´t over look this, if you are looking to Keith. He is like a cust iron pan, out of one piece. It doesn`t matter how hot it will become, it will not burst. Its only changing the color.

Interessant hierbei finde ich, dass dies meiner Erfahrung beim schreiben und dem Kreieren von Bildern entspricht, nicht ich kreiere und schreibe, sondern ich werde geschrieben, die Bilder kreieren sich durch mich … im besten Fall! Eine Erfahrung, die auch andere teilen … ganz nach dem Motto: es ist schon alles da, wir müssen es nur pflücken-

Interesting enough, that I made the same experiences, when I am writing or I am creating a picture, not I am writing or creating, I get written and created … if everything is working well! An experience, which is shared by others, like the motto: everything is still there, you only have to pick it up.

Doch noch einmal zurück zu Keith Richards und seinem Buch- ich durfte einen Keith Richards kennenlernen, der bis heute seinen Respekt nicht vor denen verlor, die einstmals seine Lehrmeister waren, wie z.B. Muddy Waters. Keiths Freude, dass Muddy mit ihnen gemeinsam spielen wollte, ist echt.
Echt und frech, ja das ist er, fast schon gnadenlos.
Und nun frage ich mich seit gestern, wo ist eigentlich meine Frechheit geblieben? Ja wirklich, ich war schon mal mutiger. Aber gerade eben passiert etwas … So, und nun wisst ihr woher ich komme – lach …

But back to Keith Richards and his book – I come to know a Keith Richards, who didn`t lost his respect, until now to his old idols and teachers, like Muddy Waters. Keiths`joy, when Muddy Water wanted to play with the Rolling Stones together was real.
Real and barefaced, this is what he is, nearly pitiless.
Since yesterday I am asking myself, where did I left my own insolence. Really I had been more couraged in the past. But something is happening, just now … So, and now you know where I`m coming from 🙂

Zum Schluss noch eine Session mit Muddy Waters und den Stones, viel Spaß!

At the end another session, this one is together with Muddy Waters, Keith Richards and Mick Jagger. Please enjoy …

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