Blaue Stunde #20

Am Fluss

fluss

-Für dich schlachte ich eine Ziege. Will ich das? Trotzdem spüre ich eine leise Freude: es hat noch nie Einer für mich eine Ziege schlachten wollen. Damit nicht genug, er sagt -Du musst dich um nichts kümmern, ich mache das.

Ich staune.

Ich spüre die Kargheit der letzten Jahre.

Der Frieden vom Berg ist ein trügerischer, einer, der seltsam erstarrt und unlebendig ist, der sich an einen hängt und mich mit klebrigen Fäden umwickelte. Ich mag auch das hiesige Friedenskreuz nicht, weil es nur für die Touristen errichtet worden ist. Die Touristen, die nun ihren Müll längst des Panoramaweges verteilen. Seltsamer Frieden, das! Wie müde ich manchmal bin-

Und wie oft ich von woanders kam, belebt, lebendig, manche Falte wieder geglättet, munter und voller Tatendrang. Das währte nie lang! Was es war und ist, was zieht, zusammen und runter, das entzieht sich mir. Eine Art Hilflosigkeit, ein gefesselter Lebensmut, der sich nur an anderen Orten entfesseln kann.

Ich höre sie noch sagen, ich höre ihn noch fragen, all die Jahre hindurch. Ich hatte ihn gehört, ich zuckte mit den Schultern. Ich hörte ihre Frage, ich antwortete nicht. Was haben sie und er gesehen, was ich partout ignorierte? Manches weiß ich jetzt, für anderes musste ich durchs Dunkeltal.

Ich musste der Schneeeule folgen, Bärin trug mich durch altes Land. Ich lauschte den Liedern der singenden Schwäne und saß am breiten Ufer meines Bruders. Zwei Fische, aus Weidenzweigen geflochten, nahm er auf, einen kleinen und einen großen, er trug sie zu einem unbekannten Meer.

Ist ein Meer nicht alle Meere, ist ein Fluss nicht alle Flüsse und bin ich nicht alle Menschen? Wo ist meine Grausamkeit, wo mein Hass, meine Zerstörungswut?

Ich mag es Fragen zu stellen. Manche Antworten höre ich nicht gerne. Ich glaube an die Wandlungskraft.

War ich nicht einst die Goldmarie? Und war ich nicht einst das Findelkind im Mooskörbchen? War ich nicht auch das hässliche Entlein und das Mädchen, dem die Mutter starb, das gequält und verhöhnt von Stiefmutter und deren hässlichen Töchtern zu Baba Jaga gehen musste, zur Frau Holle in den Brunnen? Und war ich nicht auch das Mädchen mit der roten Kappe und das Mädchen, das am Weihnachtsabend die Schwefelhölzer entzündete, mit Blick in den Sternenhimmel? Und war es nicht der Himmel und seine Weite, die mir Verheißung auf ein Wiedersehen waren?

Ich mag es Fragen zu stellen. Manche Antworten höre ich gerne.

-Mit dir fahre ich um die ganze Welt. Mit dir kenne ich die Angst nicht mehr. Wie kann das sein?

Am liebsten fahre ich mit dem Auto ins ferne Land. Am Morgen fahre ich los, wenn der Sonnenaufgang meinen Abschied begleitet, der Tag vor mir unter den Rädern singt, er sich dehnt von Morgen zu Mittag zu Abend, wenn der Sonnenuntergang meine Ankunft ist. Auf diesen Wegen finden sich ein Dach, eine Lichtung, ein Feuer, ein Mahl und ein tiefer Schlaf. Rehe stehen im Halbrund um die Lichtung, sie äsen sich dem Sonnenaufgang entgegen. Ich spüre noch den Frieden der Rehe und Beeren und meine Freude.

Der rote Faden mäandert zu den Knotenpunkten und um sie herum. Das Gewebe um ihn herum ist immer noch grünblau.

johnnyWenn ich alle Menschen bin, dann bin ich auch alle Engel und Dämonen, alle Feen, Hexen, Elfen, Elben, Zauberinnen und eine noch kleinere Frau. Dann bin ich Königin im Schwanenkleid, die auszieht um Kaiserin in ihrem Reich zu werden- in ihrem Land Überall-im-Irgendwo, dem Land, in dem mich das weiße Rentier mit den durchsichtigen Flügeln auf seinen Rücken nimmt, mich über alle Mauern und Abgründe trägt, während ich das Lied Ohne-Anfang-und-ohne-Ende singe, begleitet von dem tiefen A in Moll, das nur so mein Johnny auf dem Tenorsax blasen kann wie alle Schiffe tuten.

Knotenpunkte, Knoten aller Art und Seemannsgarn, ich habe es geliebt das Akkordeon zu spielen, den Wind in den Haaren, das Meer im Blick.

Wenn das eine Leben alle Leben ist, dann ist es ein nackter Dada, ein Dideldaddeldumm, wieso mache ich mir überhaupt noch Sorgen?

 

blaue Stunde -13- die Nomadin und die Strassenbahn

strassenbahn 2ab

Lediglich im Winter ist sie seßhaft, die Nomadin. Wenn der Schnee kommt, braucht sie ein solides Dach und  schützende Wände. Wenn … Stürme und Frost kommen immer. Auf sie kann sie sich verlassen. Zeit für die Nomadin am Feuer zu sitzen, dem Innen zu lauschen, der Behaglichkeit zu frönen.

Doch jetzt, in den Monaten der frostfreien Nächte. der warmen bis heißen Tage wollen die Füsse laufen, will die Nase den Tag und die Nacht riechen. Unverblümt. Ein Zelt ist Haus genug. Genug ist auch ohne Wen. Es reicht, wenn sie, mit sich im Arm, unter der Sternendecke liegt, unter ihr ein Moosbett. Ein Körnchen vom Ganzen, ein Facettchen.

Nicht, dass sie plötzlich den „Chens, Les und Leins“ frönen würde. Das nicht. Es geht um den Unterschied vom Korn zum Körnchen. Von einer Sicht aus einer Linse zum dreitausendteiligen Facettenauge einer Libelle. Man stelle sich das vor!

0133 23.08.14 sichtweisen

Dreitausend Facettchen. Kaleidoskopbilder. Eine winzige Bewegung, ein kleines Schütteln oder Verrutschen, ein neues Bild.

Leben in Scherben. Scherben zu Mosaik. Mosaik mit einem Verrutschtem. Einem, der den Blick hält, ihn weitet, der beginnt zu kreiseln, am Verrutschtem entlang. Eine neue Geschichte oder wenigstens eine andere. Allein, der Standort ist geblieben.

Es wechselt. Irgendetwas wechselt immer. Muss es tun. Etwas muss verrutschen, sich verschieben, unscharf werden, brechen. Sonst rutscht er ab, der Blick, stürzt ins Leer, ohne Geschichte, weder eine neue, noch eine andere.

Sprung

Eine Straßenbahn

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Der Platz direkt hinter dem Straßenbahnfahrer. Kurbeln, bimmeln, gleiten, manchmal auch ein Ruckeln. Escalator over the hill, eine Seilbahn zum Gipfel, eine Straßenbahn ins Weit hinein. Ein Gleiten.

Erinnerung

Männer in tadellosen Anzügen, mit tadellos geputzten Schuhen, tadellos rasiert, mit tadellosen Aktenmappen, stehen an der geöffneten Türe, das Ziel fest im starren Auge. Ein Gleiten. Kurbeln, bimmeln, ruckeln. Aussteigen. Frauen im tadellosem Kostüm, mit tadellosem Make-up, tadellosen Stöckelschuhen und tadellosen  Aktenmappen steigen ein, das Ziel im starren Auge. Nächster Halt. Es wexelt sich. Männlich, weiblich, manchmal auch kindlich, auf alle Fälle ziemlich kindisch. Die Starre. Endlosschleife.

Stopp

Keine Kurbel, keine Bimmel, kein Ruckeln.

Der Atem hält an.

Etwas passiert. Es wird passieren. Etwas.

Die eine Sekunde … ein Auto explodiert. Dann brennt es aus. Ein Saxophon schreit. Tadellose Menschen verlieren ihre tadellosen Minen. Und auch mal einen Schuh. Beim rennen. Masken zerfallen in aufgerissene Augen und Münder ohne Schrei. Angst macht nackt.

Pause

Blitzschnelles Aufräumen. Kurbeln, bimmeln, kurzes ruckeln. Dann gleiten. Kostümröcke werden glatt gestrichen, Haare an den Kopf gelegt. Ohren und Münder schliessen sich, der aufgerissene Blick findet seine Starre wieder. Er hat nichts gesehen.

Ende …

Pause

ist nie ein Ende.

Der Faden hängt nicht lose im Raum. Es ist nur eine Facette verrutscht.

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Eine Geschichte über die Faszination von Facettenaugen und einem Straßentheaterstück, gesehen in den Neunzehnhundertneunziger Jahren in Amsterdam. Die Erinnerung kam plötzlich, so plötzlich wie damals die Straßenbahn und alles andere und genauso plötzlich war es auch wieder vorbei. Unvergessen.

Meer und Land – blaue Stunde 12. Teil

0106 18.07.14 Meer und Land

 

Es heisst alles Leben kommt aus dem Meer, aber woher kommt das Salz im Meer und wo werden die Wellen geboren? Und wenn wirklich das Meer Leben an Land schickte, dann hat das Meer ein Land gebraucht. Und woher kam das? Und was machte all das Leben an Land? Es paarte und vervielfältigte sich, es mutierte, gebar sich wieder und wieder selbst in unzähliger Form. Es wuchsen ihm Felle, Federn, Stacheln, Schuppen, vier, sechs, acht, tausend Beine, Flügel auch und Augen, die sahen, aber nie gleich, bei all den Arten. Und Nasen. Die einen riechen noch das, was in einem Kilometer Ferne ist, die anderen nicht das Naheliegende. So geht es immerfort, das Leben. Das Meer ebbt und flutet dazu.

Vom Nutzen rede ich nicht, auch nicht davon wem es nutzen könnte, sollte oder wollte. Auch vom Sinn rede ich nicht. Es ist nutzlos, sinnlos. Und ob es nun die Spinne war, die einst das Universum webte oder Gott aus Adams Rippe Eva schuf, der grosse Geist über allem schwebt, ob alles mit einem Knall begann oder mit einem Wort, einem Ton, das beschäftigt nur uns Menschen.

Das Leben lebt sich. Es wartet auch nicht. Und es wird sich gepaart, sich multipliziert, sich erhalten, auch verändert, es wird sich weiter- und unterwickelt, es wird sich ausgestorben und wieder auferstanden und erneut geboren … das ist der Reigen. Das ist das Lied vom Meer und vom Land.

Und ich habe mir schon so manches Mal Kiemen gewünscht.

Flügel auch.

blaue Stunde 11. Teil – Sommer in der kleinen Stadt

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Frauen und Männer, jung, alt und dazwischen, Mädchen und Jungen flanieren, radeln, sitzen, liegen und küssen an den Ufern des Rheins, der heute nicht blau ist, nicht grün, sondern lehmig braun. Es hat viel geregnet in den letzten zwei Wochen.

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Ein Sommertag, an dem die Gedanken mit dem Milan auf den Winden segeln. Ich höre schwyzerdütsch, englisch, französisch, italienisch und einen spanischen Strassensänger, vor allem aber höre ich Gemurmel. Ich muss niemanden verstehen. Welch ein Luxus! Kein Wort für mich, keins von mir an ein Du. Keiner zieht, keiner will. Ich geniesse.

Dem Berg habe ich den Rücken zugewandt, bin hinabgestiegen ins bunte Sommertreiben einer kleinen Stadt. Ganz Voyeurin, ganz Flaneurin. Es gibt nichts zu tun. Nur Jetzt.

0104 16.07.14 Sommer in einer kleinen Stadt

Es ist noch nicht so heiss, dass Frauen in Bikinis, Männer in Badehosen in Scharen von den Häusern zum Rhein zum baden gehen. Nur viele nackte Füsse von Riemchen gehalten, blaue, rote und schwarze Fussnägel und wenn ich wirklich einmal schöne Füsse in hübschen Sandaletten sehe, spricht ihre Trägerin französisch. Viele Hemdsärmel, wippende Röcke und die obligatorischen straff hochgezogenen Herrensocken in braunen Wildledersandalen. Manches bleibt. Auch der schlechte Geschmack. Wie eben auch nackte Bierbäuche am Wegesrand, zwei Nummern zu kleine T-Shirts, die nur notdürftig die Übergrössen darunter verbergen. Aber ich bin ja in Basel. Da hält sich all das in Grenzen, mehr Freuden, denn Beleidigungen fürs Auge. Und  eine immer wiederkehrende Freude ist eben die Kunst auf der Strasse und in den Fenstern.

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Draussen sitzen, Espresso trinken, das Wasser danach, der Blick schweift und was er nicht bannt, macht der Stift auf dem Papier. Momentaufnahmen …

Es wird Abend in der kleinen Stadt. Ich schenke mir ein Lächeln. Lausche dem Saxophon, schaue den Tanz.

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Schlendernde Füsse, joggende auch, je tiefer die Sonne sinkt, umso mehr. Den I-Pod auf den Ohren. Verkabeltes Sein. Smartphones auf Objekte gerichtet, andere telefonieren beim flanieren. Ich schaue auf Hände, denen man ihre tägliche Arbeit ansieht und solche, die manikürt sind, die vielleicht tippen, statt graben … Rote Kleider sind rar geworden, lautes Lachen, leises Lächeln auch. Man redet. Angestrengt. Dabei ist es doch Sommer! Väter und Mütter führen ihre Kinder aus, Damen ihre Pudel. Nichts geht verloren. Keine der alten Geschichten. Neue müssen sich erst noch schreiben …

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Packeis – blaue Stunde 10. Teil

Packeis

Das heutige Datum weiß sie nicht. Vorgestern war es, als sie sich noch auskannte. Vorgestern, als Selbstverständlichkeiten in einzelne Teile zerbrachen. Es schleicht seitdem und duckmäusert. Und das … fühlt sich nicht richtig an.

Wer hält länger den Atem an?

In jedem Frühjahr bestellten sie den Garten neu. In jedem Sommer pflegten sie ihn. Dann erntete sie. Jedes Jahr teilte sie mit ihm. In jedem Herbst bauten sie luftige Schlösser, die sie in keinem Winter betraten.

Wer räumt nun den Schutt weg?

Demut ist der Liebe keine Haltung. Manches möchte mitgenommen werden, anderes ging schon lange vorher verloren. Vermissen … zur stillen Alltäglichkeit geworden. Zorn trägt noch Hoffnung in sich. Jetzt hütet sie sich hinter verschlossener Türe, legt Pflaster auf Wunden, das nicht tröstet.
Rotes Schreiten mit geradem Rücken, von Augenblick zu Augenblick, mehr kann sie nicht verlangen.

Wer hütet jetzt das Haus? Wer den Garten?

Wäre dies ein Film, würde sie jetzt das Schiff besteigen. In der einen Hand den alten grünen Koffer, in der anderen den kleinen Rucksack, den großen auf dem Rücken. Rot, mit geradem Rücken, den Blick nach vorne gerichtet, schreitet sie die Gangway hinauf. Sie dreht sich nicht um. Niemand und Nichts ist zu verabschieden.

Blende ein, Blende aus.

Rot liegt sie an Deck im Liegestuhl. Möwen kreisen. Bronzen schimmert die Haut, roter Stift auf schmalen Lippen, Spiegelsonnenbrille. Mehr Zeichen setzt sie nicht. Kein Koffer, kein Rucksack, keine Kamera, kein Buch, kein Getränk, keine Zigarette, kein Heft, kein Stift, keine Bewegung. Das Zwerchfell hebt und senkt sich. Vorüberschlendernde werfen kurze Blicke, schlendern weiter.

Schnitt gegen Tristesse.

Rot steht sie an der Reling, inmitten von Grau, Beige, Blau, Weiß und Schwarz. Sie raucht. Immer noch kreisen Möwen. Eine unbekannte Skyline, Häuserhorizonte, Flussdelten, kleine Inseln zur Vorhut. Unbekanntes Land. Hier wird sie aussteigen, ein Zimmer mieten, Arbeit finden, ein Auto kaufen, einen Garten bestellen. Sie wird freundlich sein im fremden Land. Mehr nicht.

Ende.

Die Liebe braucht das Haus und den Garten nicht.  Sie braucht auch keine Kinder, nichts dazwischen. Sie darf sich selbst genügen.
Ihn kann sie nicht neu erfinden. Er wird seine hölzernen Kanten behalten. Seine Untiefen, seine Berge und Täler auch.
Erinnerungen werden kommen, weil sie immer kommen, weil sie nicht anders können. Bis sie sich abgenutzt haben. Sein Geruch wird über dem Meer verwehen, sein Bild in den Seemeilen verschwimmen, seine Worte im Ozean versinken.

Rot … ist das neue Kleid.

Etwas wandert noch zu ihm. Schaut ihn an. Dann geht es wieder. Der Staub der Jahre legt sich auf den Atem. Leise schließt sie die Türe. Zorn trägt noch Hoffnung in sich. Wattierte Musik dringt durch verschlossene Türen. Harry Manx singt:

  „Lord, I need forgiveness for the methods I used

I believe, I believe I can overcome them

Well, I’m talking about the Blues …”

Am nächsten Morgen, noch besoffen vom Gestern, zwischen den Stühlen aufzuwachen ist ein mieser Film, der niemanden dient, nur dem Selbstmitleid. Sie wirft seine Klamotten aus dem Fenster. Demut ist der Liebe keine Haltung.
Im Neu wohnt kein Fenster, keine Klamotte, kein Garten, kein Haus, keine Wut, die sonntäglichen Frieden zerbrüllt.
Im Neu steht noch das alte Schatzkästchen. Das mit dem roten Band darin. Erst wenn sich die Erinnerungen abgenutzt haben, wenn es nicht mehr wehtut, wird sie es öffnen. Wird sie noch einmal dem roten Band folgen, vom Rot des Inkarnatklees bis zum Haus mit Garten. Bis dahin wird sie das Kästchen von Zeit zu Zeit abstauben, es von hier nach da rücken. Manchmal wird sie in Versuchung geraten. Sie wird den Moment erkennen, wenn es nicht mehr wehtut.

Heute hat sie das rote Kleid gekauft. Heute hat sie die Türe leise hinter sich geschlossen. Heute betrat sie den roten Weg. Und plötzlich, am Abend, liegen alle Masken vor ihr auf dem Tisch. Im grünen Hemd tanzt sie den Blues und weiß nicht, wem das alles dient.

Kein Ohr, keine Schulter, kein Mund, keine Hand, keine Stimme, kein Bein mehr über ihrem. Das ist das, was man betäuben will. Nichtverstehen, Härte, Streit und Unerbittlichkeit begraben. Mit frischer Erde an den Händen, dem Weit Tür und Tor öffnen.

Wer hat den längeren Atem?

Undeutlich wurde die Silhouette des verlassenen Hafens. Zwei Tage sind viele Seemeilen zwischen vorgestern und heute. Im Herzraum des Dampfers stampfen die Maschinen im Takt. Vorwärts, vorwärts, kein Zurück. Da setzt es aus in ihr. Maschinen stampfen weiter. Keine Gnade bis zum neuen Hafen. Neue Gerüche, neue Töne, nur die Möwen kreischen überall gleich. Kein Glück, kein Haus, kein Bach im Garten. Kein Garten, kein alter Apfelbaum, kein Pflaumen-, Kirsch-, Birnen- Mirabellenbaum, keine Gemüsebeete, keine Bienenweiden, keine Kräuterecken, kein Spaten, kein Stich. Keine Wiese, keine Kinder.

„Du hast mich nie verstanden!“, das steht jetzt zwischen ihnen. Nie ist nie nie, sowie immer nicht immer immer ist, aber viel zu oft.
Zwei Kontinente, dazwischen die Schollen, keine Nord-Ost-Passage, festgefahren. Packeis legt sich um zwei Dampfer. Dazwischen die Eisberge, irgendwo. Und ob und wann es je wieder Frühling wird …

Wie lange trägt die Liebe den vollen Wasserkrug auf ihrem Kopf ins Haus?

Frau Blaus blaue Stunde 3. Teil

-Momentaufnahmen/Fließgedanken –

Bei all dem Viel im Jetzt, den tausendundeinen Augenblicken, den unzähligen Momentaufnahmen den Fokus halten. Das Überschäumende in einen Rahmen packen. Wieso eigentlich? Weil Grenzenlos keine Haltestangen hat? Stelen setzen für die Orientierung, den Halt?
Den Übermut bändigen. Wieso? Wer bändigt den Löwen im Urwald, den Bären im Eis?
Lang war die Wildnatur im Käfig. Hyänengleiches Hin und Her, Her und Hin. Dann brach es sich Bahn. Nichts mehr war zu halten. Kein Heulen, kein Schrei, kein Jammer, kein Schluchzer mehr. Das ging eine Weile. Bis still. Und die Welt? Sie hatte sich weitergedreht. Unmerklich, aber doch. Schmetterling flog herbei. Setzte sich auf die entblößte Haut. Trank Schweiß, Angst, Tränen und die Gitterstäbe. Mit leichtem Flug trug er sie ins Blau. Adler kreisten. Berge standen scheinbar still.

Ausufern, Grenzen überschreiten, dann wieder das Bett, der ruhige Fluss.
„Wenn du es eilig hast, mache langsam…“, wer hat das gesagt? Wer auch immer noch, es funktioniert!
Mit dem Flussbett weiter fließen, den Bahnen folgen. Manchmal steht etwas am Wegesrand. Manchmal steht etwas im Wege. Manchmal möchte etwas gepflückt werden. Manches zieht vorüber. Anderes will umrundet werden… einmal, auch zwei… dreimal, dann erst weiter. Nie ist es ein gerader Fluss. Nur Menschen ziehen Geraden.
Immer wieder so viel Angst ist zu riechen. Immer wieder so viel „um zu“. Freude und Hingabe beim fließen im Bett. Und ja! Auch darüber hinaus, beim ausufern und überschäumen. Ein Tänzchen mit den Nixen im Sonnenschein, schließlich ist Sommer und der Wind ein Lauer… Fokus dann wieder später. An Regentagen… vielleicht. Wenn Tropfen ins Fließen Kringel malen…

„… and I do, what I must do”, etwas tun, weil es getan werden muss. Besser noch getan werden will… möchte. Mit dem Drängen sein. Einfach so. Auch… um es zu teilen. Später. Vielleicht…
Sich teilen, sich verströmen, sich verschenken… aus Freude, aus Hingabe, aus Liebe…

Es sang die Trommel in die blaue Stunde hinein. Wind rauscht jetzt. Bringt Meeresduft aus Westen ins frisch gemähte Heu.

Heuernte… in den frühen Morgenstunden war sie zu riechen.
Heuernte… mähen, wenden, in Bahnen ziehen, zu Ballen pressen. Dann die Heimfahrt. Ein emsiges Hin- und Hergetreckere, bevor der Regen kommt. Erinnerungen an Heuhocken… oder wie hießen sie?
Heuernte… zwei Frauen wenden frisch Gemähtes mit der Gabel. Damalsbilder ziehen auf, von singenden Menschen bei der Feldarbeit. Wann war das? Und wo?
Heuernte… es brummen, sirren, tuckern und röhren Traktoren, Heuwender und Pressmaschinen. Einen besonderen Sound haben die Plastikumwicklungsvorrichtungen… mit Rhythmus im Getriebe.

Im Tal wieder ein Damalsbild: Heutrolle… oder doch Heuhocken?

(draufklick = groß)

Frau Blau wünscht Freude über und an diesem wundervollen neuen Tag 🙂

Frau Blaus blaue Stunde 2. Teil

(Nachtrag aus meiner Auszeit…)

Es lässt sich gut sinnieren, als Frau Blau. Nur ein kleines bisschen Abstand nehmen, ein winziges Stück zurücktreten… vom Ich. Da fällt die Wichtigkeit zu Boden. Alles darf sein, wenn ich es mir erlaube. In der Erlaubnis wohnt die Überprüfung.
Hilfreiche Fragen streuen Vorangegangene auf den Weg. Es liegt an ihr sie zu nehmen oder achtlos an ihnen vorbeizugehen.

Was ist nährend?
Wem dient was?

Es kam einmal ein kleiner Junge zu seinem Großvater und fragte:
„Großvater, zwei Wölfe wohnen in meiner Brust. Der eine ist weiß, der andere ist schwarz. Sie kämpfen miteinander. Wer wird gewinnen?“
Großvater lächelte:
„Der, den du nährst.“ (eine indianische Geschichte)

Eine blaue Stunde auf der Treppe vor der Tür. Brunnen plätschert, Auto fährt vorbei, Krähenschwarm fliegt von Ost nach West und zurück.
„Gute Nacht, ihr…“ Noch krächzen sie. Es ist ein kühler Abend, schon fast in der Mitte des Junis angekommen. Die Amsel schon verstummt. Fledermaus kreist. Wiesen wachsen Mittsommer entgegen. Manche halten Johanni noch in Ehren.
Drinnen ist es warm. Frau Blau hat heute das Hausfeuer gehütet. Neben allem sinnieren und sein, ist immer noch Frieden. Wie gut dies tut!
„Und was tust du, wenn die alten Gespenster wiederkommen?“
„Dann…
hoffentlich…
erinnere
ich mich.“
Es ist leicht den Frieden im Hochtal hinein zu lassen. Keine Verwicklungen, kein Unbill weit und breit. Nur Fuchs und Hase, Krähenschwarm und Brunnenplatsch, Fledermausschwirren zur blauen Stunde. Milangekreisel am Tag. Ab an und an ein „Muh“.
MU… wie OM, OM… wie JA. Man muss erst einmal ja sagen, um dann nein sagen zu können.

Im Jetzt gibt es kein Zuviel, kein Zuwenig, kein richtig, kein falsch, nur jetzt… schon vorbei. Die Kirchturmuhr schlägt die volle Stunde. Es ist Zeit hineinzugehen. In die Wärme der Stube, das gedämpfte Licht.

Blaue Stunde – 1. Teil

nun endlich ist er da, der neue Rooter und ich bin somit auch wieder online… es hat sich das eine und andere Geschriebene hier angesammelt. Hier der 1. Teil…

Frau Blaus blaue Stunden

Ein Leben ohne worldwideweb. Noch vor einer Woche fühlte sich Frau Blau abgeschnitten. Abgeschnitten von der Welt. Doch dann kam Ruhe über sie. Zeit wuchs in der Zeitloswüste. Räume gleich mit dazu. Das Drängen erstarb schon nach drei Tagen. Sicherlich… sie verbringt kaum noch Zeit in ihrem Cafè, kaum ein Gast schaut vorbei. Nur manche treue Seelen hier und da, um nach Neuigkeiten zu schauen. Frau Blau sieht sie hinter den vorgezogenen Gardinen. Schnell drehen sie um, wenden sich anderem zu. „Vorübergehend geschlossen“ steht noch immer an der Tür. Ein Achselzucken hier und da. Manchmal auch ein „Schade“. Vielleicht. Die Gassen von Bloghausen, wegen der Baustelle vor ihrem Haus, versperrt. Die weiten Plätze und sprudelnden Quellen auch. All das darf sie vermissen.

Aber vermisst sie nicht immer irgend etwas? Jetzt ist es Bloghausen und der schnelle Kontakt mit ihr und ihm. Sonst sind es die blauen Stunden, allein mit ihren Gedanken und Gefühlen. Wenn sie es nicht wertet, dann hat alles seine Zeit und alles ist dann Willkommen, wenn es erscheint.

Es ist Ferienzeit im Cafè Weltenall. Doch das Leben lebt sich fort und ist ein reiches. So und so. Zeit zu sinnieren. Jetzt…

Noch hat die Sonne nicht Mittsommer erreicht, noch zwei Wochen… ungefähr. Der schwülwarme Tag hat sich in ein Gewitter verwandelt. Donner und Blitz zogen weiter, aber Regen und Sturm haben sie im Hochtal vergessen. Frau Blau sitzt bei Kerzenschein und liest. Die Dina-Trilogie trägt sie in andere Zeiten, in selten besuchtes Land. Führt sie zur Fragestunde bei Kerzenschein:
Wie ist es, wenn eine Sie, als Er schreibt? Hat sie dann gelernt den Jungen, den Jüngling, den Mann zu lesen? Hat sie seine Unbeholfenheit zu sich genommen? Seine Angst gerochen und hält diese nun im Arm? Ist sie Heldin, wie er Held, geworden? Ist ihre Lust wirklich eine andere als seine? Ist das, was wir Unterschied nennen in Wahrheit Gemeinsamkeit? Riecht denn „ihre“ Angst wirklich anders als die „seine“? Was haben sie uns glauben gemacht? In welchem Interesse? Wem sollten denn all die Unterschiedlichkeiten dienen? Wen nähren? Sind wir nicht halb verhungert und verdurstet auf der Strecke zueinander hin? Wohl dem und der, die sich nicht beeindrucken ließ! Nicht von der Frau als Hure, nicht von dem Mann als einzig wahren Helden.
Anima und Animus in einer Brust. Die Unterschiede lange nicht so frappierend, wie man es uns glauben machen will! Im besten Fall nimmt die Frau ihren Animus zu sich, nachdem sie sich mit ihm bekannt gemacht hat. Der Mann seine Anima. Um ganz zu werden führt kein Weg daran vorbei. Sie sind wie Schatten, die überall hin folgen. Ein männlicher, ein weiblicher Zwilling, je nachdem. Ihn oder sie zu bejahen ist einer der Funken, eine der Flammen, ist eine Gabe, ein Wissen im Strom des Nichtwissens. Ist ein Licht, im dunklen Tal der Unwissenheit.

Die blaue Stunde ist verronnen. Zweimal schon. Frau Blau sitzt bei spärlicher Beleuchtung auf einer roten Couch.
„Wir sind die Summe von Vielem und Vielen…“, spricht sie in das Dunkel vor dem Fenster hinein. Regen tropft, rinnt und rauscht. Drinnen ist es fast wie draußen. Stille. Nacht.
Kein Mond. Keine Sterne. Kein Wind. Niemand fährt Auto. Kein Flugzeug fliegt. Kein Tier unterwegs. Da schlägt die Kirchturmuhr einmal. Viertel nach…
Frau Blau ändert die Blickrichtung. Sieht direkt in das Gesicht der Freundin:
„Da kannst du lange suchen. Das Ich hat keinen Wohnort und kein Haus.“ Sie lächelt. Die Freundin schaut fragend. Sieht den Schalk blitzen.
„Blödsinn, dann wärest du Nichts.“
„Weit gefehlt Liebes, dann bin ich alles…“
Ruhig wie die Nacht treffen sich blaue und grüne Augen. Verweilen beieinander. Vertrautheit. Und dann beginnen sie zu lachen. Sie lachen und lachen. Die Kirchturmuhr schlägt die halbe Stunde.

Spät ist es geworden. Später als geplant. Frau Blau fährt durch die Nacht. So gnädig die Altersweitsichtigkeit auch am Morgen ihre Falten im Spiegel verbirgt, so anstrengend ist es jetzt mit ihr durch das Dunkel zu fahren. Scheibenwischer quietschen. Deutschlandfahnen wehen. Hinter der Grenze heißt die Bundesrepublik Deutschland Willkommen. Gegenüber der Ampel lädt ein riesiges Plakat zum Ochsen am Spieß ein. Sommer in Deutschland. Fußball Europa Meisterschaft des Jahres 2012. Die Periode der Nationalstolze ist wieder angebrochen. Nicht nur Deutschlandfahnen wehen von Balkons und Autos. Andere haben auch ihren Stolz. Ihren nationalen…
Einen gibt es in diesem Land, der nicht in ein Auto steigt, wenn die Deutschland-Fahne an den Seiten wehen. Immer noch sieht er Herrenmenschen und riecht das Gas. Nein, nicht alle sind so. Nur zu viele. Immer noch! Das Erbe lässt sich nicht ablehnen. Wieso auch?

Gerade hat sie der Freundin adieu gesagt. Bis zum nächsten Mal. Viel haben sie sinniert. Gegen die Schwere des Lebens. Für die Freude. Viele Gedanken rollen im Takt der Räder mit ihr durch die Nacht. Noch immer rühren sie die Tränen der Freundin. Ihr Ringen um den Sinn des Lebens. Wie schon so oft zitierte Frau Blau den einst gelesenen Satz von Joseph Campbell, der ihr Wahrheit geworden ist:
„Die Leute sagen, dass wir alle nach dem Sinn des Lebens suchen. Ich glaube nicht, dass es das ist, was wir wirklich suchen. Ich glaube, was wir suchen, ist eine Erfahrung des Lebendigseins, sodass unsere Lebenserfahrungen auf der rein physischen Ebene in unserem Innersten nachschwingen und wir die Lust, lebendig zu sein, tatsächlich empfinden.“
„Wann fühle ich mich lebendig?“ Moment über Moment ziehen an ihr vorbei. Wie reich sie doch ist! Die Freude kommt über sie, die Augen auf die Straße gerichtet, den Händen und Füßen vertrauend, dass sie wissen, was zu tun ist, spürt sie das ganze pralle Leben. Das Abenteuer Leben… die drei Worte waren es einmal gewesen, die sie leichter gemacht hatten. Endlich durfte sie erobern. Durfte neugierig sein. Und darf es noch.
Einst hatte sie alles verloren. Die Freude am Leben, das Leben selbst. Das waren dunkle Jahre gewesen. Das Leben schlug ihr mit allen Grausamkeiten ins Gesicht, auf den Magen, in den Unterleib. Mord und Totschlag, Intrigen, Lügen, Hass und blinde Zerstörungswut. Wieso sollte sie gut sein, wenn die Welt schlecht war? Aber he… die Welt ist nicht schlecht. Nur die Menschen sind es! Nein, nicht alle. Nur zu viele. Immer noch. Und sie selbst… ist sie jetzt nur gut? War sie je nur gut gewesen? Wer ist das schon! Sie musste sich viel vergeben, bevor sie gelernt hat den anderen zu vergeben. Manches bleibt schlecht, weil es einfach so ist! Anderes ist gut, weil es einfach so ist. Für sie… Frau Blau.
Die Gedanken sind es, die Wegweiser durch das Dunkle sind, die Seele und das Herz folgen. Oder ist es umgekehrt? Ist es nicht doch die Seele, die die Spur legt, den Wagen lenkt…?

Es braucht. Ja. Es braucht, bis die Muster durchbrochen werden. Es braucht bis sich die Blickrichtung ändert. Es braucht die Erfahrung von Lebendigsein und –fühlen. Ekstase heißt Verbundenheit. Heißt Sein mit allen Sinnen bei klarem Verstand. Frau Blau lacht und lässt die Erinnerungen ziehen. Die Kilometer rollen unter den Rädern dahin. Zuhause kommt näher. Da springt eine Füchsin auf die Straße. Seltsam unentschlossen rennt sie vor und dann wieder zurück.
„Füchschen, so pass doch auf dich auf!“ Die Bremsen tun das ihre.
„Gut gemacht!“ Erleichterung verhindert das Kniezittern. Noch näher an ihrem Zuhause, auf dem letzten Kamm angekommen, springt ein Hase, die Füchsin imitierend, seltsam unentschlossen vor und zurück, hockt sich neben die Straße und lässt seine Ohren spielen. Da lacht Frau Blau.
„Wahrlich… wir leben dort, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Hier wohnt kein Falsch. Nicht jetzt.“

Das Jetzt… das einzige was zählt. Die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft noch nicht da. Jetzt ist alles gut. Nur manchmal spürt sie eine Angst. Eine neue ist es. Es ist das Wissen, dass das Leben immer noch etwas bereit hält mit dem Niemand rechnet. Wie gerade die Füchsin und der Hase gleich danach. Glück gehabt… bis hierhin ging alles gut. Manchmal nutzt alles aufpassen nichts, dann gibt es keine Bremsen, kein schnelles zurück. Es gibt keine Sicherheit. Nicht im Leben und vor dem Tod schon gar nicht. Leben und Tod… das andere Zwillingspaar, dass die Menschen mit ihrem Mysterium wie Spielbälle hierhin und dorthin wirft. Das Unfassbare will nicht fassbar gemacht werden. Und das schon seit Jahrtausenden nicht. Manche ahnen etwas. Manche finden Wege durch diesen Dschungel. Andere verzweifeln, bleiben stecken. Es ist die Freundin der Freundin gewesen, die einen anderen klugen Kopf fragend zitierte:
„Ja, gibt es denn eine richtige Zeit zum sterben? Ist es nicht immer zu früh, zu spät, gerade jetzt?“ Die Leerheit weht Frau Blau an. Die Leerheit des Seins. Ohne Wehmut. Jetzt…
Leben nichts als Leben und sterben, wenn es soweit ist. Abschied nehmen, von denen, die unersetzlich werden.
„Man könnte sich daran gewöhnen, wenn danach nicht diese Leere wäre…“, hat sie in Frau Wassmos Dina-Trilogie gelesen.
Vor ihr das Band. Das eine Ende hält die Liebe, das andere die Angst. Dazwischen ihre unterschiedlichen Spielarten.

Wenn Frau Blau mit der Liebe tanzt, dann ist die Göttlichkeit nicht fern. Die Angst frisst die Seelen auf. Die Menschheit hier angekommen, scheint vollkommen aus dem Ruder zu laufen. Sie lachen über die Liebe und die Göttlichkeit. Eine Bequemlichkeit ist über sie gekommen. Eine Sattheit. Alle wollen alles und geben nichts. Nur wer gibt, um zu geben, wird reich und reicher. Der oder die aber nur nimmt und nur für sich, wird täglich ärmer. Nährt Hass, Gier und Neid. Ohne Liebe keine Göttlichkeit, kein Staunen, keine Demut, keine Dankbarkeit.
Es hat sich gezeigt, dass es nicht förderlich war Demut, Dankbarkeit, Respekt und Toleranz den Menschen unter Androhung von Strafe, Schuld, Hölle und Verdammnis einzubläuen. Es schürte nur den Trotz. Ohne Erfahrung bleiben alle Worte leere Hülsen.

Es ist eine Lüge, dass das Paradies im Jenseits sei. Es wohnt direkt vor der Haustüre. Vor deiner auch!
Es ist eine Lüge, dass das Leben ausschließlich Leiden sei und die Menschheit das Kreuz auf ewig zu (er-)tragen habe. Es braucht die Nahrung für die Freude und die überschäumende Lebenslust, das Miteinander und Füreinander, die Berührungen und manchmal auch die Beschämungen. Je nachdem…
Dass Andere anders sind, das lässt sich nicht leugnen. Nur muss es nicht zwingend lähmend sein. Nur anders.
Die Zeit geht voran und hat im Gepäck alles Vergangene. Trägt, was einst funktionierte genauso, wie das was zu Katastrophen führte. Wir dürfen daraus lernen! Immer noch sind wir reich. Immer noch dürfen wir uns bedienen. Uns an den Erfahrungen Vorangegangener laben. Immer noch verströmt sich das Leben, verschenkt es sich und hält satte Ernte bereit. Wir dürfen das Kreuz abwerfen, mit geradem Rücken, gesundem Geist und Kraft in den Händen das Ruder herumreißen. Für die Freude, die Liebe und das Glück…

Frau Blau ist daheim angekommen.