Sonntagsbild 12 2020

Fundstück

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Still sitzen Närrin und Narr. Jede.r schaut in eine andere Rechtung, sinniert, träumt, denkt. Singt vielleicht ein inneres Lied, träumt eine neue Geschichte, die im Uralten wurzelt, sieht einen Film, malt ein Bild – wer weiß das schon?

Natürlich können wir noch reisen. In die inneren Schatzkammern, in all die unbereisten Kontinente, die von Anbeginn auf eine Jede und einen Jeden warten. Alle Grenzen sind offen.

Und natürlich können wir noch über das Land streifen, es ist ja immer gerade nebenan. Um Wunder zu betrachten, sich von Pflanzen Lieder schenken zu lassen oder einen Geschmack, einen Duft. Um am Stamm eines Baumes zu lehnen und den zarten Apfelblütenduft wieder einmal zu riechen.

Eine Jede und ein Jeder ist Feld. Eine Jede und ein Jeder ist Teil eines Netzes, das größer ist als wir denken können.

Ich wünsche euch einen Sonntag mit Freuden und neuen Geschichten am alten Wegesrand.


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Die letzte Erinnerungsrunde an mein Alphabet der mutigen Träume

Willkommen zur dritten und letzten Erinnerung an mein Alphabet der mutigen Träume!

Q = Querdenken. Ist es nicht traurig, wie manche Begriffe mit der Zeit negativ besetzt werden? Ich bemühe mich in der Regel bei solchen Wörtern an ihre Wurzel zu denken und negative Bewertungen, die Zeit und Wandel verursachen, wegzulassen. Das ist nicht generell und immer möglich. Zu dem, was ich 2017 in Bezug auf „Querdenken“ geschrieben habe, stehe ich. Zu dem, was im letzten Jahr daraus gemacht wurde, nicht.

Hier die Links von Q – Z

Q = Querdenken → https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/01/19/q-querdenken/

R = Richtungswechsel → https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/01/20/r-richtungswechsel/

S = Spiel → https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/01/21/s-spiel/

T = (mutige) Träume → https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/01/24/t-traeume/

U = Utopie → https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/01/25/u-utopie/

V = Vertrauen → https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/01/26/v-vertrauen/

W = Widerstand und Wohlwollen → https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/01/27/w-widerstand-und-wohlwollen/

X = das Unbekannte → https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/01/28/x-das-unbekannte/

Y = Yin und Yang → https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/01/30/y-yin-und-yang/

Z = Zuversicht → https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/01/31/z-zuversicht/


So, das war’s. Mehr habe ich auch nicht mehr zum Alphabet oder zu den mutigen Träumen zu sagen. Mögen die einen und die anderen Inspiration gefunden haben und zusammen mit mir und anderen gute Samen in die Welt streuen.


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Fragment 11

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Flüsse zum Meer, einer durchfließt den See. Die Fische erzählen es sich. Nairobi sah Fische nächtens durch die Wälder fliegen. Alle Farben leuchteten. Sie war nicht allein.

Nairobi träumt.

Mein Land heißt Irgendwo im Niemandesland. Die Kaiserin ist auch Kriegerin. Einst lebte sie in Shambhala. Und Bäuerin ist sie gewesen. Damals, als Mütterchen Russland noch geblümte Kopftücher trug. Nur Shambhala ist verschwunden.

Nairobi träumt.

Sie ist Kaiserin. Sie ist Kriegerin. Sie ist Bäuerin gewesen. Sie schickt Gold in die Welt; die Schatten sind zu mächtig geworden. Der Klang zu laut. Nairobi träumt die Trommel. Sie singt ihr Lied. Sie tanzt den Raum.

Er trägt jetzt ein Bärenfell auf seiner Brust. Das hat sein Herz berührt. Er hält jetzt Winterschlaf.

Nairobi erzählt Eisgeschichten, von rund und weich zu spitzig und stachelig. Kalt sind sie alle. Und flüchtig. Eisblumen wachsen – wenn man sie lässt.

Ins Verstummen hinein kam Wintermann. Fuchs bellte, Käuzchen rief, der Mond war nur noch eine schmale Sichel. Bald bestellt die Kaiserin ihre Felder, jetzt sortiert sie Samen. Wintermann hat ihr einen Beutel vor die Tür gestellt. Sie winkt ihm Dankbarkeit. Sie winkt ihm seinen Weg von den Bergen ins Tal.

Nairobi träumt Frieden in die Welt.


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Fragment 05

Nenn mich Nairobi

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Nenn mich Nairobi, wird sie ihm sagen. Anna und Tom waren einmal. Sie wird das tiefe Braun seiner Augen zu ergründen suchen. Ein See hat einen Grund und ein Ufer, selbst wenn er achthundert Meter tief ist. Grundlos erscheint das Meer, es zerklüftet seine Ränder. Sein Ufer ist eine Umarmung. Neugierde treibt sie. Bunte Punkte, Trennungslinien wie Horizonte, zu weit, um sie zu erreichen. Ihre Träume brauchen kein Versprechen und keinen Ausgang. Bald schon wird Schnee fallen, ihre Asche im Wind.

Der See ist ein Versprechen. Sie ist kein Segelschiffchen mehr. Noch immer faltet sie Boote aus Papier und Stanniol. Manche bringen Glück, andere saufen sofort ab – in jedem noch so kleinem Bach.

Du, sagt sie, geht auch, wenn Nairobi zu fremd erscheint.

Er streicht mit dem Finger über die Weltenkarte ihres Gesichts. Er flüstert Namen. Sie verbietet sich seine Mutter. Seine Hände in ihrem Schoß. Sie weiß nicht. Sie gibt sich hin. Sie nennt ihn nicht, sie setzt einen Punkt. Fragezeichen gibt es jederzeit genug. Er folgt ihren Flüssen und Inseln. Sein Flüstern erstirbt. Sie sind jetzt Atem und Welt.

Sie haben sich die Nacht genommen. Und den Tag. Und die Nacht. Ihre Berge, seine Täler, ihr Fluss, sein See, ihre Blüten, sein Baum, ihr Vogel, sein Kern. Die Zeit hat sich hinter blickdichtem Samt verborgen. Kein Geräusch.

Er hat sie nicht Nairobi genannt, sie ihn nicht Tom. Sein Himmel, ihre Erde, seine Sonne, ihr Mond, seine Berge, ihr Meer. Sie hat keine Angst. Sie haben sich nichts versprochen. Namenlos liegen sie im Sand. Seine Zunge, ihre Fingerspitzen, zwei Kontinente, blau und grün, rot und gelb, kein Grau, kein Braun. Ihre Augen sind jetzt geschlossen. Ein Boot liegt am Ufer.

Tom rudert über den See. Ein kühler Fluss fließt durch ihn hindurch. Nenn mich Nairobi. Die alte Fährfrau singt für ihn. So geht nichts verloren.


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GedankenFäden 001 2020

Manches wird deutlicher im Licht der Dämmerung, in der alles Schatten und Zwilling wird. Ein Dazwischen von dem was gewesen ist, hätte gewesen sein können, dem was war und ist. Ein Scheitern, ohne es-könnte-noch-werden. Was war und ist und nicht, liegt verborgen in deiner und meiner Wahrheit. Verdammt dazu, dass eine Hälfte immer unwahr bleibt. Ich lasse den Wollmantel in der roten Lackschachtel, die, die kleine blaue Frau einst vergraben hat, ohne eine Marke des Wiederfindenkönnens gesetzt zu haben. Dort, wo die Träume von Liebe ohne Scheitern wachsen. Ich kenne diese Bäume nicht bei ihrem Namen, nicht ihre Erde in der sie wachsen, ich halte nur die Träume in mir warm. Nicht alle sind gescheitert, manche wärmen sich noch ins hohe Alter hinein. Eine hält Einem die Hand oder Einer der Einen oder Eine der Einen oder Einer dem Einen. Vereint im Getrennten bis über Tod hinaus. Irgendwo dort ist die Erde, wachsen die Traumbäume, deren Wurzeln in keinem noch so starkem Sturm wanken. Es gibt noch deine Stimme und meine in unseren Ohren – die Hände bewegen sich auf den eigenen Körpern hinauf und hinab. Die Abdrücke auf unseren Häuten haben Wind und Wellen mit sich genommen. Trost schenkt sich jeder selbst. Natürlich ist das traurig – das Leben hat einen schiefen Mund. Ich habe wieder keinen roten Nagellack gekauft, ich wässere die Bäume in diesen trockenen Zeiten.



Inspiriert zu diesem Text hat mich das Buch von Nancy Hünger „4 Uhr kommt der Hund“



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Das Zimmer

Nichts, nichts weiter #1

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Sie stand in dem Zimmer, ein Zimmer des Nichts. Nicht wirklich weiß, auch nicht grau, nicht dunkel, was noch erstaunlich war, auch kein Schimmer von gelb, grün, blau, rot, violett, türkis, nur hell. Woher die Helligkeit kam? Wer weiß…

Das Zimmer war fensterlos oder war es Nacht? Sie sah auch keine Tür, was ebenfalls infrage zu stellen war, irgendwie musste sie ja hier herein gekommen sein. Beamen war noch immer den Flaschengeistern vorenthalten.

Sie wollte hier nicht raus, nicht jetzt, also gab es keine Gefangenschaft. Profane Sorgen um essen, trinken, Stuhlgang und pinkeln stellten sich nicht ein.

Sie stand in dem Zimmer, stellte sich dem Nichts, der Abwesenheit von Farben, Dingen, Fenstern und Türen; neugierig, verwundert, immer noch.

War sie selbst das Zimmer?

Bislang hatte sie sich als escheraeskes Treppenlabyrinth gesehen. Oben und unten waren sich hebende und senkende Ebenen, Türen erschienen, verschwanden wieder, waren verschlossen, standen einen Spaltbreit oder weit offen. Endlosgänge wechselten sich mit verwinkelten Hotelfluren ab.

Sie hatte einst Stockwerk siebeneinhalb geputzt. Hier hatte es zwei schlichte Zimmer gegeben, von jeher für Poeten bestimmt. Lessing soll hier gewesen sein, Lenz auch und die Droste-Hülshoff, andere, deren Namen sie entweder vergessen hatte oder die namenlos starben.

Manchmal hatte sie sich an einen der kleinen Schreibtische gesetzt und auf den Rhein mit seinen vorbeituckernden Schiffen geschaut, die hinter der Kurve verschwanden oder langsam ihren Bug in ihren Blickwinkel schoben, gefolgt von dem langen Leib, bis auch das Heck sichtbar wurde. Hier war sie immer ruhig geworden. Gerne wäre sie hier sitzen geblieben, sie würde ihr kleines Notizbuch aus ihrer Hosentasche ziehen, ihren geliebten Füller aufschrauben, der immer an der Brusttasche ihres Arbeitshemdes klemmte. Sie würde hier ihren Gedanken folgen, wie ihre Blicke den Schiffen. Ungestört. Ohne etwas anderes erreichen zu wollen, als die Feder ihres Füllers über das Papier gleiten zu hören. Ihre runden Buchstaben würden Worte formen, diese Sätze, die, wenn alles gut ging, zu einem Sinn oder wenigstens zu einem Bild, einer Möglichkeit der Wirklichkeit wurden.

Wirklich, wie die schroffen Schieferhänge dieses engen, kurvigen Rheintals um die Loreley herum. Nicht weit von Kilometerstein Nummer Fünfhundertirgendwas entfernt, dem Wim-Wenders-Kilometerstein und der Wim-Wenders-Insel, mitten im Rhein. Die Straße daran vorbei war sie zig Hundertmal  gefahren.

Aus solchen Träumen erwachte sie immer unbeschadet. Sie taten nicht weh, sie waren Teil ihrer Geschichte, ihrer Verdauung, ihrer Verortung.

Nicht alle Räume, die sie einluden waren freundlich. Manchmal fand sie dort Geschichten, die sie verstörten, weinend, verzweifelt erwachen ließen, andere waren voller Verwunderung und Staunen. Sie ahnte, dass dieses Zimmer der Nichtfarben zu letzterem gehören würde. Mehr noch, dass dieses Zimmer mehr Teil ihrer Wirklichkeit war, als alle anderen zuvor.

Wirklicher, als das kleine tanzende Herz aus Gold, das sie einst auf einer der escheraesken Treppen gefunden hatte. Wirklicher, als der Stuhl auf dem sie saß, um mit ihrem geliebten Füller, seinem leichten Gleiten auf kariertem Papier, ihre Gedanken zu etwas verdichten, was, wenn schon keinen Sinn hatte, dann wenigstens eine Geschichte war. Eine Geschichte, die alles offen ließ, wie ein heller Raum des Nichts, ohne sichtbare Fenster oder Türen.

Nichts.

Darum geht es. Das nichts ist, außer Geschrei und Gerenne, um ihm zu entfliehen. Bedrohlicher als der Tod, der wenigstens noch neunundvierzig Stufen und ein Licht verspricht.

Nichts. Punkt Null, von dem aus alles möglich, weil alles denkbar ist, in jegliche Richtung. Um etwas wachsen zu lassen, braucht es Punkt Null, braucht es nichts, braucht es totenstill.

Sie hatte sich auf den Boden gelegt, der warm war, wie es überhaupt in diesem Zimmer warm war, warm und frisch, so wie sie es mochte. Der Boden nahm sie auf. Sie konnte sich an ihn schmiegen. Eine warme Erde, die ihren Körper empfing und hielt, sie umschmeichelte und barg, die hell war, wie alles andere, aber auch anders, weil sie mehr war als nichts.

Sie hatte den Punkt Null verlassen. Etwas war geworden. Eine Erde, die sie hielt und trug, wärmte und barg. Sie schloss die Augen.

T = Träume

Alphabet der mutigen Träume

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(Hier seht ihr Bilder aus einem kleinen Zyklus von 2015, den ich „Traumraum“ nannte – gerne, so ihr mögt, könnt ihr diesen Begriff in die Suchmaschine eingeben, um noch mehr zu finden)

Träume sind keine Schäume! Ich möchte gerne einmal wissen wer diesen Satz in die Welt gesetzt hat und zu welchem Zweck.

Träume sind für mich zweierlei:

  • 1. die Kommunikation meines Unterbewusstseins mit meinem Bewusstsein – Verarbeitung meines Alltags, meiner Gefühle und Hinweise auf meine Seelenzustände
  • 2. Visionen und Vorstellungen, mit deren Hilfe ich mich weiterentwickeln und den Wandel einläuten kann

Zum Thema „Träume“ gehört auch die Traumdeutung und das luzide Träumen, beides aber gehört im Zusammenhang meines Alphabets zwar erwähnt, aber nicht vertieft.

Die mutigen Träume gehören zur zweiten Kategorie. Ich hoffe sehr, dass im Laufe meiner Darstellungen im Alphabet der mutigen Träume der Sinn dahinter verstehbar geworden ist.

Die Methode des mutigen Träumens kann noch ganz andere Wandlungsprozesse in Gang setzen, absichtlich habe ich von der Darstellung und Vermittlung der Übungen abgesehen, da sie diesen Rahmen sprengen würden. Vielleicht komme ich noch einmal später  darauf zu sprechen. Wer jetzt schon mehr erfahren will, dem kann ich nur noch einmal das Buch von Alberto Villoldo „Mutiges Träumen“ ISBN 978-3-442-21857-8 WG 2475 ans Herz legen.

In meinem Alphabet entstand eine Art Lexikon der Tugenden, es hat außerdem versucht Wege hin zu einer freundlicheren, freudigeren und mitfühlenderen Welt zu zeigen. Nichts ändert sich allein durch Gebete oder fromme Wünsche, immer geht es bei dem Wunsch nach Veränderung auch ums Tun. Von nix kommt nix.

Die meisten Träume handeln vom eigenem Glück, von einem Prinzen/einer Prinzessin an der Seite, von Haus, Garten und einem Leben mit allem, was das Herz begehrt, selten gehen sie über den eigenen Gartenzaun hinaus. Und wenn sich dann die Träume erfüllt haben, kommen oft die Ernüchterungen. Der Traumprinz ist eben doch kein Prinz und die Traumprinzessin keine Prinzessin, das Haus braucht Pflege und Reperaturen, der Garten macht Arbeit und die Kinder wollen nicht so, wie man selbst will. Realismus kann beim Träumen nicht schaden, schützt vor bösem Erwachen und stellt die Frage nach dem, was Glück denn wirklich ist.

Ich träume gerne von meinem eigenen kleinem Glück, aber so wirklich glücklich macht es mich, wenn ich mich verbunden fühle und meine Träume ausweiten kann und diese auf fruchtbare Böden fallen, wie ich es hier mit euch von A bis hierher erlebt habe. Danke dafür!