Sonntagsbild 46 2020 und eine Idee

Der blaue Vogel oder die Halkyonischen Tage

draufklick = großes Bild – please click to enlarge

Vor kurzem sind mir zum ersten Mal die „Halkyonischen Tage“ begegnet. Ich fand sie bei meiner Blogfreundin „Blaue Feder“ https://blauefeder.home.blog/2020/11/20/14354/. Weil ich aber nicht ganz schlau daraus wurde, schaute ich bei Wiki nach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Halkyonische_Tage Jetzt sah ich schon klarer und dann hat es auch nicht mehr lange gedauert, dass mir ein Ritual für die Zeit der Halkyonischen Tage, der Wintersonnenwende und den Rauhnächten eingefallen ist.

Ja, nach diesem außergewöhnlichen Jahr möchte ich den Jahresausklang rituell begehen. Allein. Aber gerne im Herzen mit anderen verbunden.

Ich finde, dass die Welt neue Visionen, neue Geschichten und neue Ideen braucht. Jede und jeder kann sich von diesem Ritual gerufen fühlen. Jede und Jeder macht es auf ihre/seine ganz eigene Weise oder eben auch nicht. Rituale haben Kraft und Kraft braucht die Welt, wie eben auch neue Geschichten!

Nur noch eins, bevor ich das Ritual beschreibe, ich sagte ja schon vor einiger Zeit, dass ich festgestellt habe, dass immer mehr Menschen von der Angst getrieben sind, Angst vor dem Virus, Angst aus der Ungewissheit heraus, wie sich unser aller Zukunft entfalten wird. Wir sind nicht ausgeliefert. Jede und Jeder kann etwas dazu beitragen, dass dieser wunderschöne Planet auch für die nächsten sieben Generationen und darüber hinaus ein sicherer und zauberhafter Ort bleibt und er gesunden kann.

Corona und der Klimawandel sind eine große Herausforderung und eine Chance für einen Wandel – einen Wandel zum Guten, zum Lebensbejahenden, zur Freude und für mehr Liebe in dieser Welt.

Zurzeit geht eine Spaltung durch das Land, durch die Welt, ja, auch durch den Kreis der Freundinnen und Freunde. Das muss nicht sein! Jede Angst hat ihre Berechtigung. Es geht nicht darum andere von der eigenen Meinung zu überzeugen, es geht darum Jede und Jeden ernst zu nehmen. Auch zu halten, wenn es das braucht, wenn Die- oder Derjenige das möchte. Und es geht immer wieder darum die/den Anderen anders sein zu lassen, statt Türen zuzumachen.

Juli Zeh, ihres Zeichens Schriftstellerin, Juristin und Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg, schreibt Folgendes:

„Wir haben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein wertvolles Geschenk erhalten: eine Gesellschaft, in der wir angstfrei miteinander leben und reden können. Lasst uns die Gesundheit der Gesellschaft schützen, indem wir den AHA-Bestimmungen drei SOS-Regeln zur Seite stellen: Sensibilität im Umgang mit fremden Ängsten, Offenheit für abweichende Positionen, Sorgfalt beim Formulieren der eigenen Ansichten…“

Doch nun zu den Halkyonischen Tage und dem Ritual, das ich euch vorschlagen möchte:

Beginn ist Montag, 14.12. am Neumondabend. Hier beginnen die Halkyonischen Tage und der Nestbau (bitte lies erst bei Wiki, falls du Interesse hast, sonst ist das jetzt nicht verständlich!). Möge es ein schönes, ein gemütliches Nest für das Ei werden! Das Ei wird am Mo., 21.12. zur Wintersonnenwende, zum zunehmenden Halbmond hineingelegt. Wie genau schaut das Ei aus, ist es groß, klein, mittel, ist es golden, blau, oder beige mit bunten Punkten oder…? (Zur Erinnerung: das alles sind symbolische und visuelle Handlungen! Sie können in Worte gefasst, in Bildern dargestellt werden. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!)
Am 21.12. beginnt also die Zeit der Bebrütung, sich eine Woche auf dieses Ei zu setzen, in es hinein zu spüren, es mit durch die Tage zu tragen und es dabei immer schön warm zu halten. Vielleicht ist am Abend Zeit, um einmal in Stille auf dem Ei zu hocken, mit ihm zu sprechen, so wie einige von uns einst mit dem kleinen, werdenden Wesen in ihrem Bauch gesprochen hat – gibt das kleine, werdende Wesen eine Antwort? Und wenn, welche? Vielleicht schreibst du die Antwort auf, um sie zu bewahren.

Dann kommt der Tag der Geburt, am Montag, 28.12. darfst du gespannt sein, was sich da aus der Schale schält. Vielleicht braucht es etwas länger und schlüpft erst am 30.12., in der Nacht des Vollmondes. Wie auch immer noch und was auch immer es sei, behüte es wie einen Schatz und trage es durch den neuen Jahreskreis bis zur nächsten Wintersonnenwende. Dann ist das „Küken“ groß geworden und es gibt bestimmt einige Abenteuer zu berichten. Wenn alles gut gegangen ist, dann sind neue Geschichten, frische Ideen geboren, die du mit Freundinnen und Freunden an einem Feuer teilen, und in die Welt tragen kannst.


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Horx oder wider der Angst

Angst essen Seele auf, meine Seele kriegt sie nicht.

Erinnert ihr euch noch an Matthias Horx? Im Frühjahr stellte ich diesen Beitrag über/von ihm ein:

https://cafeweltenall.wordpress.com/2020/03/21/das-gefaellt-mir/ Viele von euch waren begeistert. Monate sind seitdem vergangen und das Virus hat uns fester im Griff als schon. Die Angst wächst, leider auch die Aggression und der Streit,  Freundschaften brechen, Feindschaften wuchern. Viele meinen die Wahrheit gepachtet zu haben und verteidigen sie mit spitzer Zunge und Unerbittlichkeit.

Ich mache nicht mehr mit, wie ich einigen von euch in der letzten Woche mitgeteilt habe. Das soll aber kein Grund sein vollkommen zu schweigen!

Nein, ich habe auch keine Antworten, aber ich verhalte mich wider der Angst, die die meisten schüren, ob nun Drosten zugewandt oder der Gegenseite. Ja, ich stehe der einen oder anderen Maßnahme kritisch gegenüber, heiße noch lange nicht alles gut, zumal manche der Maßnahmen aus meiner Sicht jegliche Logik vermissen lässt.

Die Gegenseite lässt mich immer öfter die Stirne runzeln. Mal von den Menschen abgesehen, die scheinbar nicht mit Intelligenz und eigenem Denken gesegnet sind, habe ich kein Verständnis für Diejenigen, die sich mit Nazis gemein machen und sich mit ihnen die Straße teilen. DAS GEHT FÜR MICH GAR NICHT! Hier ist für mich klare Abgrenzung angesagt. Ich kann auch anders meine Kritik oder meine Fragen stellen, als zusammen mit alt bekannten Neunazis zu maschieren, die schon gar keine Neunazis mehr sind. Manche von ihnen sind mir seit Anfang der 1990er Jahren bekannt. Es ist perfide genug, dass sie nun einen Samen gefunden haben, den sie vereinnahmen und dadurch Menschen für ihr Ansinnen instrumentalisieren, die eigentlich „nur“ gegen die Maßnahmen auf die Straße gehen.

Ich möchte nicht missverstanden werden, ich habe keine Probleme den MNS zu tragen, Abstand zu halten und Hygieneregeln einzuhalten. Es gibt wahrlich Schlimmeres und es verlangt mir nicht wirklich etwas ab.

Aber zurück zu Matthias Horx. Am Samstag hörte ich ein Interview mit ihm, das ich nun gerne mit euch teilen möchte. Vielleicht trägt es ja dazu bei eigene Gedanken zu hegen, die nichts mit Angst und Sorgen zu tun haben.

https://www.ardaudiothek.de/zeitgenossen/matthias-horx-das-alte-normal-kommt-nie-wieder/83285126

Meinen herzlichen Dank an Wechselzeiten, die diesen Link am Sonntag geteilt hat und mir erstens erlaubt hat, dass ich den Link kopieren darf und mir zweitens Recherche im Netz erspart hat, da ich eh vor hatte dieses Interview hier einzustellen.


Wie immer sind Kommentare Willkommen, aber bitte verschont mich mit Links und anderem, die meinen etwas beweisen zu können, ich kann selbst lesen und denken und tue das auch. Bitte respektiert meine Haltung und Meinung, ich mache das umgekehrt auch. Und bitte bleibt freundlich. Herzlichen Dank!


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Eine wirre Zeit von Cambra Skade und ein Filmtipp

Heute möchte ich diesen Beitrag von Cambra Skade mit euch teilen, weil, ja, weil ich ihre Sicht teile. Danke Cambra!!!

Eine wirre Zeit

Vorgestern habe ich einen Film gesehen, der mich sehr berührt hat. Für manche mag es um Aberglauben gehen, um Altvorderes, für mich nicht. Wenn wir unser Herz nicht für die Natur öffnen, wird sie ihr Herz auch für uns verschließen. „Alles ist mit allem verbunden“, geht sehr viel tiefer, als es dieser kurze Satz auszudrücken vermag.

Nun will ich wahrlich nicht missionieren, aber gerne gebe ich Inputs für andere Sichtweisen.

Lange Abende

© John Lurie Deer and Stoplight, watercolor and ink on paper, 12″x18″, 2009

Die langen Abende laden ein zu lesen, Tee zu trinken, Bilder zu gestalten, Kerzen anzumachen, zu schreiben oder im musikalischem Erinnerungsarchiv zu kramen.

Was ist eigentlich aus John Lurie geworden?

Ach was … er erkrankte 1994 an Borreliose und zog sich seitdem häufiger zurück … er begann zu malen … aber er veröffentlichte auch weitere Alben und trat mit seiner und von seinem Bruder 1978 gegründeten Band John Lurie and the Lounge Lizards weiterhin auf.

Ich war Fan. Ich erinnere mich, dass er 1991 in Berlin ein Konzert gegeben hat. Klar, ich wollte hin und dann erfuhr ich den Preis. No way! Siebenundzwanzig Jahre später, sozusagen jetzt, lausche ich genau diesem Konzert, drehe am Lautstärkeregler, tanze, innerlich, äusserlich. Nichts geht verloren.

Wer seine Musik nicht kennt und Jazz mag, der/dem empfehle ich diese Konzertmitschnitte – ja, es braucht Zeit! Musik für lange Abende.

In einer kleineren Formation: The John Lurie National Orchestra – Jazz Jamboree 1992

Ein Album übers Fischen, zusammen mit Jim Jarmusch, Tom Waits, William Dafoe, Matt Dillon und Dennis Hopper. Nein, John Lurie weiß nix übers Fischen. Sagt er.

Wer mehr über ihn erfahren will, kann hier nachlesen → https://de.wikipedia.org/wiki/John_Lurie

Mehr Bilder gibt es hier zu sehen →  http://johnlurieart.com/

Einmal Fan, immer Fan.

Etüde zwei im November 2018

Auf dem Bild kannst du die Wörter sehen, die es dieses Mal gilt in einen Text einzubauen. Zugegeben, dieses Mal purzelt der Text nicht einfach so aus mir heraus, ich hänge an dem Begriff „sündig“ fest, dann hänge ich eben die Miniatur daran auf!

Danke an Christiane für die Einladung und die wunderbare Gestaltung des Etüdenbildes, sowie an Yvonne für die Wortspende.



Miniatur 011 2018 – in drei Phasen

1.

Sündig ward das Weib geboren – erbsündig.

Was für ein Schmarrn!

Auch Gedanken werden gepflanzt. In Köpfe hinein. Wenn Spreu und Weizen voneinander getrennt sind, kann man sie verrücken. Die Gedanken – wie Stühle in der Stube.

Vor dem Fenster verstreut sich der Raureif auf Blüten und Blätter.

2.

Sündenböcke – woher, wieso, warum sind Böcke sündig? Weil Böcke per se mies sind? Geil, sabbernd, zeugend, stinkend, bockend, mö-öh-öh?*

Und der Teufel,

der hat Hörner

und die trägt er auf dem Kopf –

Und Mackie Messer hat ein Messer

doch das Messer sieht man nicht.

Zeilen verrücken, Gedanken verrücken, Stühle rücken. Schwarzes Schaf, braunes Schaf, Bocksfuß. Der Raureif nimmt den gefallenen Blättern das Rascheln.

3.

Absichtlich und mit Freude oder gar mit Lust gedachte sündige Gedanken, so hat einst der Priester gesagt, sind Todsünden.

T O D Sünden – da hilft keine Beichte. Unverzeihbar. Unvergebbar. Es helfen keine eine Millionen Ave-Marias und kein Rutschen mit nackten Knien auf mit Raureif bezogener Erde. Hölle, Hölle, Fegefeuer. Aus. Bumms. Ende. Schmoren muss das sündige Menschenkind.

Im Himmel verrücken Petrus, Thor und Zeus ihre Stühle. Es blitzt, es donnert, es grollt.

194 Wörter


Im Netz fand ich Folgendes zu Bock und Teufel:

Wenn nun gleichwohl der Bock, das üppigste und unzüchtigste Thier, vorzugsweise in die Teufelsgestalt übergeht und der Teufel der Unzucht als einer der vornehmsten gilt, so ist damit doch nicht eine gesunde Vermehrung der Leiber, wie beim Vieh, sondern nur ein Mord der Seele durch das Laster des Leibes gemeint. Der Teufel bedient sich nur der im Menschen selbst liegenden groben Sinnentriebe, um seine Seele zu verderben. Schon die heilige Schrift nennt ihn „das Thier“. Das Thierische im Menschen wurde in dieser Beziehung von den Alten hauptsächlich in den bocksfüssigen Satyrn personificirt. Piper, christl. Myth. I. 404f., hat daher nicht Unrecht, wenn er die Bocksgestalt des christlichen Teufels auf jene alte Satyrgestalt zurückführt. Eben so oft wie die Form des Bocks kommt die des Schweins vor für das Teuflische, was in der Sinnlichkeit liegt. – Die Lust am Tode dagegen, die innerste Wonne des Teufels, wird personificirt in dem aasliebenden Raben, dem Galgenvogel.

Quelle: https://de.wikisource.org/wiki/Christliche_Symbolik/Teufel


Seit September im Kino zu sehen:

Will, muss ich sehen!

Sachlichkeit statt Polemik

Aus der Serie #die andere Seite – eingestellt am 02.09.2015 auf pixartix © Ulli Gau

Heute möchte ich zwei Artikel verlinken, die ich am Samstagabend im Netz fand:

https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2018-09/chemnitz-weimarer-republik-nazizeit-vergleich-rechtsextremismus

https://www.dw.com/de/nicht-nur-sachsen-alte-und-neue-rechtsextreme-in-deutschland/a-45365550

Ein Beitrag über Höcke und seine Machenschaften und seiner verbalen Gewalt ist hier zu finden: Gegen die Alternative für Deutschland hat ein neues Foto zu dem Album „Höcke, die Seele der AfD“ hinzugefügt. Wenn du auf „Höcke, die Seele der AfD“, und dann auf das Bild „Die Zeit des Wolfes ist gekommen“ klickst, kannst du den Beitrag lesen. Eine andere Verlinkung hat leider nicht geklappt. Nun habe ich außerdem erfahren, dass Höcke die Reden von Goebbels sehr eingehend studiert hat und diese in leicht abgeänderter Form, aber in selbiger Intention, veröffentlicht, mit dem Erfolg von viel Jubel – mir wird Angst und Bange –

Ich schätze Sachlichkeit, besonders bei politischen Themen und Stimmungen. Davon aber finde ich gerade im www nur wenig, besonders wenn ich mich z.B. auf Kommentare auf dem einen und anderen fb- oder twitter-Account einlasse. Oftmals fehlen Argumente und Aussagen, stattdessen wird sich verbal „ausgekotzt“ (sorry, aber so nehme ich es wahr), dabei spielt die politische Ausrichtung leider keine Rolle (Ausnahmen bestätigen die Regeln).

Zu meinem Artikel >Von Symbolen< schrieb Xraypics:

Hi, Ulli,
QUOTATION: “When I use a word,” Humpty Dumpty said, in rather a scornful tone, “it means just what I choose it to mean—neither more nor less.” “The question is,” said Alice, “whether you can make words mean so many different things.” “The question is,” said Humpty Dumpty, “which is to be master—that’s all.”
(LEWIS CARROLL Through the Looking-Glass,1872.)
Words are just as much a symbol of an idea as the picture you posted above. By the choice of those who appropriated it the swastika shifted from a Sanskrit good luck charm to a symbol of abomination. Now the symbol is our master it takes over part of our mind when we look at it.
As I write this, I take over and control a small part of your mind, you are reading this and it is me occupying your brain making it follow these words for this instant. So it is with the symbol be it a swastika or a cross, a flag, or a hammer and sickle, it is the master of us.
So a symbol like a word can have different meanings at diverse times, who knows if or when the swastika will ever shift back to its positive meaning?
Best wishes,
Tony

Worte haben, wie Symbole auch, Kraft und Macht, sie sind eine andere Form der Symbole. Und weil das so ist, ist mir an einer sachlichen Sprache gelegen. Wenn ich mich von Rechtsextremistinnen und Rechtsextremen abgrenzen will, dann ist Sprache ein Mittel meiner Wahl. Mir liegt nichts daran mich auch nur im kleinsten Detail mit ihnen gemein zu machen.

Das ging mir im übrigen schon in den frühen 1990er Jahren so, als ich mich, zusammen mit einigen Freundinnen und Freunden, dem aufkommendem Rechtsextremismus entgegenstellten. Als ich dann erlebte, dass Bekannte von uns sich ebenfalls mit Baseballschlägern bewaffneten und auch nicht davor zurückschreckten diese auch einzusetzen, zog ich mich zurück. Gewalt erzeugt Gegenwalt, es ist ein Ping-Pong-Spiel, niemand und nichts zwingt mich oder eine/einen anderen mitzuspielen!

Letztens fragte ich mich, wie vernünftig ist es, immer vernünftig zu sein? Ich kam zu dem Schluss, dass mich in vielen Feldern emotionale Reaktionen nicht weiter bringen, sachliche Argumente aber schon!

Ich bin nicht frei von Emotionen, ich reagiere nicht immer und überall sachlich, ich übe und es ist und bleibt ein Ziel, ich bleibe dran.

Noch etwas fällt mir immer und immer wieder in Diskussionen auf, ob nun hier oder in anderen sozialen Netzwerken oder auch im realen Leben, manchen geht es anscheinend nur darum Recht zu haben/im Recht zu sein. Ich vermisse Weite und Offenheit den Menschen gegenüber, die eine andere Meinung vertreten. Solange eine andere Meinung nicht menschenverachtend, rassistisch oder sexistisch geprägt ist, kann ich zuhören, hinspüren, nachspüren was mir mein Gegenüber gerade mitteilen will, wenn vielleicht auch nicht in wohlfeilen oder studierten Worten. Vielleicht ist mein Gegenüber simpel gestrickt, ist nicht geübt in Wortwahlen und „Wohlfeilem“ – nachfragen hilft, statt gleich zu beurteilen oder gar zu verurteilen, weil ein Schlagwort fällt.

Es stimmt einfach nicht, wenn immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt wird, dass jede und jeder sich schlau machen kann. Dazu braucht es mehr als nur die Möglichkeiten, die es zweifelsohne gibt. Bildung und damit die Fähigkeit zu differenzieren, zu hinterfragen ist nicht jeder und jedem gegeben (worden), mit ein Grund warum ich mich auch für Bildung einsetze und Anna nur zustimmen kann, wenn sie schreibt, dass Bildung ein Recht und kein Privileg ist.



Gerda hat am Samstag folgenden Beitrag auf ihrem Blog veröffentlicht → https://gerdakazakou.com/2018/09/08/meute-und-hetzjagd-klaerung-der-wortbedeutung/, wie man im Kommentarstrang nachlesen kann, bin ich nicht mit allem einverstanden, aber insgesamt stimme ich Gerda zu, wenn es um die Wortwahl geht. Es ist mir wichtig, wer welche Worte wann benutzt und warum – ob und was sie/er damit beeinflussen, implizieren will. Das gilt für alle politischen Strömungen!

Mir geht es nicht um recht und links, mir geht es um Menschlichkeit, um Freiheit und Geschwisterlichkeit, um Solidarität und Offenheit der/dem anderen gegenüber, diese Haltung lebe und vertrete ich und diese Haltung wünsche ich auch mir und meinen Meinungen gegenüber. Ich schrieb es schon oft: ich lerne gerne dazu, aber ich nehme mir auch das Recht zu sagen, dass ich mit dem einen und dem anderen nicht einverstanden bin. Im Vordergrund steht dabei immer die Sache, um die es gerade eben geht und nicht die Person.

Aus der Serie #die andere Seite – Dialog – eingestellt am 06.03.2015 auf pixartix © Ulli Gau



Anmerkung

Wie auf den Zeilen unter den Bildern zu lesen ist, handelt es sich um zwei Bildern von neun aus der Serie #die andere Seite, die 2015 auf „pixartix“ veröffentlicht wurde. Teilgenommen haben Fotografinnen und Fotografen, Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Coleur.

pixartix war eine Initiative von Sofasophia und Irgendlink. Die Seite wurde von ihnen (und später auch anderen) von Januar 2012 bis Juni 2016 moderiert. Die Anzahl der Bilder je Thema variierte, wie die Themen selbst auch. Neben ihnen gab es Zeiten für Intermezzi. Alle Themen, Bilder und Links zu den Teilnehmenden kannst du auf der Pixarix Seite finden → https://pixartix.wordpress.com

Dämonen

© Susanne Haun

In anderen Traditionen werden die Dämonen äußerlich verjagt, doch in meiner Tradition werden sie mitfühlend angenommen.

Machig Labdron

„Ich bin ein kleiner Stern, mit meinem Licht erhelle ich dein Dunkeltal.“

Ich kenne es schon gut, mein Dunkeltal, seine Felsvorsprünge, Höhlen, Bäume, Moose und steinigen Wege, jedoch nicht gut genug, ohne meinen kleinen Stern wäre ich verloren.

Er beleuchtet meine Wege, beleuchtet die Höhlen, Nischen und Stolperfallen, gemeinsam sind wir auf Dämonensuche.

Ich will sie umarmen, will sie nähren, will ihnen meine Liebe schenken; ohne sie wäre ich arm.

Im gleißenden Sommermittagslicht wirft mein Stern keine Schatten. Er scheint für mich im Dunkeltal und beleuchtet die Dämonen.

Hübsch sind sie nicht, auch nicht gemütlich, groß sind sie und furchterregend. Bei ihrem Anblick werde ich klein. Das freut sie. Das nährt sie.

Von Zeit zu Zeit steige ich in mein Dunkeltal, manchmal falle ich hinein, während gleißend heller Sommermittagszeiten, wenn mein Stern keine Schatten wirft. Es gilt die noch unbekannten Dämonen zu finden.

In manchen Jahren bin ich erfolgreich, in anderen nicht, in den letzten zwei Jahren sehr. Dies ließ meinen Stern heller leuchten. Furchterregende Gestalten begegneten uns auf unserem Weg.

Erst wurde ich klein, weil es sie nährte, dann umarmte ich sie, dann flüsterte ich ihnen meine Zuneigung ins Ohr, sie verwandelten ihre Gestalt.

Ich bin eine glückliche Frau!

Ich habe einen hell leuchtenden Stern. Ich habe ein Dunkeltal und eine Schar gewandelter Dämonen.

Folge deinem Stern


Die oberste Zeichnung ist von Susanne Haun (wenn du auf den Link klickst, erfährst du mehr). Die Zeichnung stammt aus dem Buch: Dämonen, das 2013 erschien. Susanne illustrierte ein Gedicht von Diarmund Johnson, übersetzt von Peter Busse –

Ich lebe unter Dämonen

Dort, wo die glatten* Leute nicht hinkommen,

Aber in jedem steckt ein Dämon

In einer der lichtlosen Ecke seines Herzens.

 

Die glatten Leute kommen nie zur Ruhe

Glatt fühlt er sein Gehen

Sie sitzen nicht am Rande der Klippe

Um den Abgrund des Meeres zu bewundern.

 

Sie folgen dem großen, glatten Weg

Wo das Licht des Fleißes ihr Herz erleuchtet

Ihre Dämonen bedrohen sie nicht tagsüber

Dämonen erwachen nur kurz in der tiefsten Nacht.

 

So ein glatter Mensch war auch ich

Normalerweise schlief ich wenig

Aber meine Beine ermüdeten auf dem langen Weg

Die Schlaflosigkeit hat meine Gedanken gelöscht.

 

Ich war damals einer der glatten Leute

Nun saß ich am Klippenrande, um in den Schlund des Meeres zu starren

Jetzt wohne ich am verborgenen Ort der Dämonen

Der Dämonen Atem entfacht in mir das Feuer des Denkens.

 

Auf blanken Brettern wie Dämonen schlafe ich jetzt

Ein Dämon werde ich, sobald ich erwache

Und mich wird die glatte Menge verfolgen

Die glatte Menge verfolgt jeden,

 

in dem ein Dämon steckt.

Diarmuid Johnson

* Die „normalen“, „nicht singenden“, „gesanglosen“ oder eben „glatten“ Leute …


Das obige Zitat stammt aus dem Buch von Pema Chödron – Gehe an die Orte, die du fürchtest ISBN 9 783936 855678 – Arbor Verlag


Pema Chödrön über Machig Labdron – sie lebte vom Ende des 11. Jahrhundert bis in den Anfang des 12. Jahrhunderts und hinterließ u.a. eine Meditationspraxis, die Chö genannt wird und bis heute praktiziert wird – sie gilt als eine der weisen Frauen Tibets

über Chö


Eine weitere Buchempfehlung – Tsültrim Allione – Den Dämonen Nahrung geben – arkana Verlag – ISBN 978-3-442-33830-6

Krieger *in sein

Gerda hat am 09.01. zu den abc-etüden zwei Gedichte zum Soldatenleben eingestellt und bebildert. Im Kommentarstrang folgte eine Debatte zwischen ihr und Christiane über den Archetyp „Krieger“. Ein Krieger, eine Kriegerin ist aus meiner Sicht nicht mit einem Soldaten, einer Soldatin gleichzusetzen. Gerda schrieb im Kommentarstrang:

Ich sage: heute (wie immer) stellen sich gigantische Aufgaben für den Krieger. Wer in sich den Archetypus des Kriegers fühlt: Nur zu, ergreife deine Waffen, kämpfe! Aber werde nicht Soldat, um im Auftrag andere Menschen zu töten. Das hat nämlich nichts mit Krieger, aber viel mit Mörder im Auftrag zu tun. Und stelle keine mörderischen Waffen her, sondern Waffen des Friedens und der Wohlfahrt. Da hast du genug zu tun, deine jugendlichen Kräfte zu verausgaben, bis auch du alt und weise und ein senex wirst. So spreche ich, das alte Weib, zu den Soldaten.

Ich möchte euch nun einladen obigen Vortrag zu hören, der sich mit der Shambalakriegerin, dem Shambalakrieger beschäftigt, dessen zwei Waffen das Mitgefühl auf der einen Seite, auf der anderen die Weisheit/Klugheit sind und freue mich auf einen Austausch darüber. Willkommen!

Ein inspirierendes Bilderbuch

Am 16. September 2017 erschien das Bilderbuch LANDTIERE im Eichhörnchenverlag. Die Zeichnungen und Collagen stammen von Susanne Haun, die Texte, von Gerd Knappe, die Fotografien von Thomas Lemnitzer.

Meine Enkeltochter hat mich besucht. Sie kennt alle diese Tiere schon lange (zur Erinnerung, sie ist fünfeinhalb Jahre alt), trotzdem habe ich es mir mit ihr angeschaut, nach dem Motto: was ist gezeichnet, was geklebt? Natürlich las ich auch die Texte vor, über die sie sich amüsierte, aber auch staunte oder erst einmal nachdenken musste.

Ich erlaube mir die Zeilen über die Gans zu zitieren:

VOLLER GLANZ GING KONSTANZE DIE GANS AUFS GANZE ZUM TANZ UM DEN KRANZ.

DIE GANS GING VOR DEM GLANZ AUF DISTANZ, SETZTE SICH IN DEN KRANZ, ZOG FORT ZUM TANZ.

© Gerd Knappe

M. und ich holten die Buntstifte, die Tierzeitungen, die uns die freundliche Nachbarin geschenkt hat, Scheren und Kleber und natürlich ein weißes Blatt und los ging`s.

Mit herzlichen Grüßen und Dank von M & U an Susanne und alle anderen Beteiligten

Das haben wir bestimmt nicht zum letzten Mal gemacht und auch ihr Bruder wird noch einsteigen, aber an diesem Tag war er mit der Mama Skifahren.

Wer also Kinder zwischen 2 und 6 Jahren kennt, dem lege ich dieses schön gestaltete Bilderbuch ans Herz und wünsche viel Spaß beim schnibbeln, kleben und malen.


ISBN 978-3-98 18726-0-6 – Eichhörnchenverlag oder direkt über Susanne Haun